f Die Oder-Akte- . ’
Die internationale Oderkounnissiort hat die Mmo- 'äMttöcn Fraaen ül»er Strombauten und Schnsabrtvab- .Acn und die Grundzüge einer einheitlichen Orgam-
Säten Mld einige all geureine Bestimmungen lAufrechterbaltung aller bisherigen Vertrüge, soweit sie KtÄsWliÄ geändert sind und die Regelung von Streitigkeiten innerhalb der in, der Koinmifflonvertre- ?neu Staaten betreffen) erledigt. Damit ist die erste Lesung 'der Oderakte beendet. Das Ergebn^ der «wine- nünder Tagung ist ein Entwirrt der .lkte. auf Grund »essen die zweite Lesung in einer Versammlung im Februar nächsten Jahres silUtfinden soll._ j
Die Feier des 11. August
** Die innerpolitische Krise hat es leider verhindert, daß der Reichstag nur Beginn der Ferien den Gesetz- jeulwurf über den nationalen Feiertag verabschieden konnte. Als solcher wird der 11. August im ganzen Reiche gefeiert werden. In Berlin findet am 11. August eine Feier im Reichstag statt, bei der.der badische Staatspräsident Hummel die Festrede halten wird. Während der Feier im Reichstage wird die Musikkapelle einer ReichswrHrehrenkompagnie vor dem Hause konzertieren. Für den Abend ist im Staatstheater eine künstlerische Feier vorgesehen, zu der der Reichspräsis öeut die Einladungen ergehen läßt Bon der republi- kanischelt Fugend wird ein Fackelzug geplant, der vor dem StaatStheater enden soll. — Wie in Berlin, so weti den auch im Lande die Staatsbehörden den 11. August durch einen Festakt feierlich begehen. Ueber die Einzelheiten dieser freiem, besonders über die in den Schulen. schweben noch Verhau-lungen, die in den nächsten Tagen erledigt werden sollen.
Eutschädigung für die Flugzeugindustrie.
Der Reichstagsausschuß für die Ausführung des Friedensvertrages befaßte sich mit dem Entwurf der Bestimmungen zum Gesetz über die Beschränkung des Luftfahrzeugbaues. Die Bestimmungen sehen die Zahlung einer Summe von 150 Millionen Mark an den Verband Deutscher Luftfahrzeug-Industrien vor. Der Ausschuß stimmte nach längerer Aussprache den Be- stimmimgen bezüglich der Entschädigung an die Flugzeugindustrie zu. Zu der Frage der Entschädigung der Arbeitnehmer, die außerhalb der Summe von 150 Millionen unmittelbar durch das Reich für Erwerbslosigkeit zur Dauer von sechs Wochen erfolgen soll, beantragte Abg. Kahmann (Soz.), diese Entschädigungsfrist auf drei Monate zu verlängern. Der Ausschuß schloß sich dem Anträge an.
Der d«rchgefalle«e Korfanty.
Der Sieg des Staatschefs Pilsudski über den Mini- sterververber Korfanty und die endgültige Erledigung dieser Kandidatur erregt nach wie vor die Presse der polnisch-nationalistischen Parteien. Sie bezeichnet die Ablehnung des von den Rechtsparteien gegen Pilsudski eingebrachten Mißtrauensvotum lediglich als einen jüdisch-deutschen Sieg. Die Mehrheit wurde bei der Abstimmung nur Dank der 11 jüdischen und 7 deutschen Abgeordneten erlangt, die gegen das Mißtrauensvotum stimmten.
Inzwischen hat der Sejm die Wahlrechtsvorlage angenommen, wobei nach der Obstruktion der Sozialisten die Verteilung der Mandate der Reichsliste gemäß der Zahl der direkt gewonnenen Mandate angenommen
, wurde. Die NenWahle« ür den Sejm wurden auf den
Der von Pilsudski mit der MlSnng^ÄMeMm-nTM- beauftragte Krakauer Umversttätsprofenoe Nowak steht der Verfafsungspartei nahe und gehört zu den Kreisen der ehemaligen konservativen Krakauer Intelligenzen, die die Unterstützung der Bauernpartei und der Partei für Verfassung haben.
Die österreichisch-tschechische« Kreditverhaudluuge«.
»-»Aus Prag wird gemeldet: Der österreichische Bun- Sesfinanzminister ist in Prag angelommen, um die bis- ber schriftlich gerührten Verhandlungen über die Flüssigmachung des Restes der tschecho-slowakischen Kredite an Oesterreich in persönlicher Rücksprache mit dem tschecho-slowakischen Finanzminister fortzuführen und zum Abschluß zu bringen. Es besteht die Möglichkeit, bei dieser Gelegenheit auch andere zwischen den beiden Staaten schwebenden wirtschaftspolitischen Fragen einer Klärung zuzuführen. Die Verhandlungen haben Montag nachmittag begonnen und werden am Dienstag fortgesetzt.
Eisgreife« gege« bnlgarische Baukeu.
»-»Zwischen Griechenland und Rumänien ist es jetzt über eine Aktion gegen Bulgarien zu einer volllomme- nen^ULbereinstimnrnng gekommen. Die rumänische Re
g-eruug uverkrug in 'vollkommener Uebereinstimmung mit der griechischen Regierung inoffiziell dem Königreich Jngoslaivien das Mandat, die Aktion gegen die bulgarischen KomitatSbanken sowohl in Mazedonien Sls.üuH in der Dobrndscha zu leiten.
Englische'Note an Italien.
»* Paris. Die englische Regierung hat nach einer Mel-< dng des „Petit Parisien" aus Rom der italienischen Regierung eine Note überreichen lassen, in der sie versichert, die Konferenz in Loudou werde nicht vor der - Beilegung der italienischen Mintsterkrise statffinden.
Die amerikanische Hilfstätigkeit in Rntzland.
»^Stockholm. (F. Z.) Die mexikanische Hilfsexpedi- tion in Sowjetrutzland umfaßt nunmehr nach der „Js- westija" 25 Gouvernements. Die Kinder erhalten eine Extramahlzeit von 600—680 Kalorien, während die Er- wachseueu 400 Gramm Mais bekommen. Nach amerikanischer Aufstellung erhielten Unterstützung in Rußland 2 888 000 Kinder und 4 514 000 Erwachsene, in der Ukraine 279 000 Kinder und 260 000 -Erwachsene, also zusammen 7 685 000.
Gemeindearbeiterstreik in Ostpreußen.
w> Königsberg. (8. A.) In den Städten Ostpreußens haben die Gemeindearbeiter wegen Nichtbewilligung von Lohnforderungen den Streif erklärt.
Grotzfeuer.
»-»Hannover. (L. A.) In dem hanrwverschen Dorf Pvedohl zerstörte ein Feuer 5 Gehöfte mit 13 Gebäuden. Mmr nimmt Brandstiftung an.
Bismarcks Bayernpolitik.
Der ehemalige deutsche Boffchaster in Rom und preußische Gesandte in München, Graf Monts, sandte den „Münchener Neuesten Nachrichten" eine Zuschrift über das Verhältnis zwischen dem Reiche und Bayern, worin er sagt, daß in der Vergangenheit niemals Bayern gegenüber der Weg der Mülorisieruug beschrit- ten worden ist Wer in der Geschichte der Beziehungen Berlins zu München einigermaßen bewandert sei, werde sicher empfehlen, zu den bewährten Leitfätzen Bismarcks Bayern gegenüber zurückzukehren. In diesen Leiffätzen fehlen Begriffe mit Majoristerung oder Gewalt gänzlich und an ihre Stelle tritt Geduld und Vertrauen.
Verringerung der Interalliierte» Kontrollkommission.
Wie die „T. U." erfährt, ist die Pressenachricht, wonach demnächst eine erhebliche HerabMnöerng der Interalliierten Kontrollkommifsion erfolgen wird, in dieser Form nicht richtig. Bekannt ist bisher nur, daß die Marinekontrollkommission zum 1. Oktober in geringem Umfange verkleinert werden soll. Sie wird auch nach der Verkleinerung noch 44 Offiziere mit dem enffpre- chenden Beamtenapparat umfassen.
AAerlei vom Tage.
Der Preis für Zeituugsdruckpapier hat jetzt das 135= fache des Friedenspreises erreicht.
Die Köuischen Zeit««ge« haben vom 1. August an die Buzgs- und Anzeigenpreise um 33% Prozent erhöht.
Freiherr vo« Leoprecknnq ist zur Verbüßung seiner lebenslänglichen Strafe in dem Zuchthaus Sträubing eingetroffen.
Der nene Dampfer „Emil Kirdork". für die Reederei Hugo Stinnes in Wilhelmshaven erbaut, ist in Hamburg eingetroffen. Der 10 000 To.-Dampser wird am 19. August feine erste -Reise nach Brasilien und den
'»ä-L,?**en inti»n. t^-^’ _ soraen. Die Umlegung soll nach Onabratmetern der
Burgschau,vieler Max Panlse» wurde äMNachfol-WWHSerfoGs«.^Die Wahl anderer Maßstäbe kann
0er von Anton Wildgans mit der Seitung des Wiener Burgtheaters betraut.
VoMsche Aachrichken.
Vor der sozialistische« Einigung. Der sozialoemo- kratische Parteitag für Groß-Berlin nahm eine Resolutton an, in der die zustanSegekornmene Arbeitsgemeinschaft zwischen der S. P. D. und U. S. P. begrüßt und die Hoffnung ausgesprochen wird, daß es bald gelingen möge, die einer organisatorischen Wiedervereinigung noch im Wege stehenden Hindernisse aus dem Wege zu räumen: dagegen wird jede Gemeinschaft mit den Kgm- munisten abgelehnt.
Die Bayerische Volkspartei für Herabsetzung her Umsatzsteuer. Die Bayerische Volkspartei fordert in einem Antrag von der Regierung, daß sie bet der Reichsregierung dahin vorstellig wird, daß die Umsatzsteuer bet den notwendigsten Lebensmitteln und Ge- brauchsgegenständen aufgehoben bezw. Herabgemin-Wt wird. ■ _ Tt
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Die Getreidcnmlage. Die Verteiluna der Getreide- mulage auf die einzelnen Länder zeigt für die süddeutschen Staaten eine Erhöhung der vorjährigen Umlage. Für Preußen sind diesmal an Umlage vorgesehen 1,7 Millionen To. gegen die vorjährige Ablieferung von 1709 633 To., für Bayern 265 000 To. (154146), für Sachsen 145 000 To. (164 896), für Württemberg 35 000 To. (15 904), für Baden 22 000 To. (11255), für Hessen 46 000 To. (50 217), für Thüringen 70 000 To. (74 281).
Besserung der englischen Handelsbilanz im Juni. Unter Hervorragender Beteiligung von Baumwollgar- Nen und Kohlen hat sich die englische Ausfuhr im Juni gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres erheblich gebessert. Es wurden für 84,30 Mill. Pfund St. eingeführt und für 60,87 Mill. Lstr. ansgeführt, fodatz sich gegenüber den Borjahrszahlen von 88,2 bezw. 45,2 Mill. Lstr. eine bedeutende Veränderung zu Gunsten der Ausfuhr ergibt. Das erste Halbjahr 1922 erbrachte, wie der „Deutsche Hanöelsdienst" berichtet, einen Gesamt- export von rund 407 Mill. Lstr., denen eine Einfuhr von insgesamt ca. 487 Mill. Lstr. gegenüberstehen. (Vor- jahr 418 bezw. 571 Mill. Lstr.)
Das NeichsmieLengesetz.
Am 1. Juli 1922 — so schreibt der „Berliner Pol. Tagesdienst u. a. — ist das Reichsmietengesetz in Kraft getreten. Es will für Mieter und Vermieter eine feste Grundlage für die gegenseitigen Pflichten und Rechte schaffen, soweit der Mietzins in Frage kommt. Ob das Ziel gelingen wird, sei dahingestellt, der Streit der Meinungen ist noch völlig ungeklärt. Das Reichsmietengesetz schafft in dem von ihm geregelten Gebiet zunächst zwingendes Recht, vertragliche Abweichungen sind un- gültig. Das Kernstück ist die gesetzliche Miete, von Wichtigkeit sind aber auch die Bestimmungen über die großen Jnstandsetzungsarbeiten, die Sammelheizung, die Warmwasserversorgung und die Mietervertretung- Für die Ermittelung der gesetzlichen Miete ist ein recht kompliziertes Verfahren erdacht. Das Reichsgesetz gibt aber nur die Grundlinien, während die ergänzenden Einzelbestimmungen von den Landesbehörden zu tref- fen sind. Auszngehen ist von der Frieöensmiete nach dem Stande vom 1. Juli 1914. Hiervon sind abzurech- nen die Betriebs- und Instandsetzungskosten, gegebenenfalls die Kosten für die Heizstoffe für Sammelheizung und Warmwasserversorgung und schließlich die Nebenleistungen (z. B. Treppenbeleuchtung, Müllabsuhr u. dgl.). Das Ergebnis bildet die Grundmiete, zu der nunmehr Zuschläge für die Steigerung der Zinsen, dre Betriebskosten, die Kosten für laufende Jnstanösetzungs- arbeiten hinzutreiem Alsdann erhält man die gesetzliche Miete. Es sind aber nicht die tatsächlichen Kosten für jedes Haus zu ermitteln, sondern die Landes^ bezw. Gemeindebehörden haben Hundertsätze der Friedens- miete bezw. Grundmiete festznsetzcn, die allgemein gelten. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Mietern und Vermieteru entscheidet das Miieteinigungsamt over
die Gemeindebehörde.
' Die das Gesetz ergänzenden Ausfuhrungsbestim- mungen für Preußen sind für dieses Gebiet leider so unklar abgefaßt, daß sie Laien überaus schwer verständlich sein werden. In der gesetzlichen Miete sind ine Kosten für Heizstoffe für die SammeHeizung und Warmwasserversorgung nicht enthalten. Für ihre Aufbringung hat in erster Linie die Mieter-vertretung zu
Äp^G-merndevehörSe anordueu. Zur Beschaffung von! .
Mitteln für große Jnstandsetzungsarbeiten können von den Mietern Zuschläge zur Grundmiete gefordert werden. Es kommen hierbei nur Arbeiten in Frage, die
seit Oktober 1920 ansgeführt wurden und notwendig » waren oder in öerr nächsten zwölf Monaten nottvendig | werden. Von den Mietern sind aber nicht die Mittel; r für diese großen Jnstandsetzungsarbeiten aufzubringen, sondern nur Mittel für die Verzinsung und Tilgung: des aufgewandten Kapitals. Die AusstiHrungsverord- nung für Preußen überläßt den Gemeinden die Ein-! Richtung von Hauskonten für jedes Haus, die Mieter- müßten dann den Zuschlag unmittelbar an das Hauskonto zahlem Diese Maßregel würde ein solches Heer- !von Beamten erfordern, daß die Belastung der Gemeinde in gar keinem Verhältnis zu dem erstrebten Nutzen stehen würde. Zweckmäßiger ist die auch vorge- lsehene Anrufung des Mieteinigungsamtes im Einzelfall.
f Mietervertretungen können eingerichtet werden, ihre Bildung steht ganz tmjreten Belieben, der Mieter.
Das Wasser femmt!
Roman von Arthur Winckler-TanueuSerg.
14) (Nachdruck verboten.)
großes starrte, lachen.
mochte
„Gestern war sie noch hier, die Alma —" .
Jetzt sah Philipp den Fremden an und ein Staunen schien ihn zu ersassen Er starrte und am plötzlich wieder zu lächeln und endlich zu herzlich, harmlos zufrieden.
Heinrich beobachtete all das nutzt. Ernmal As gewöhnt fein, zum andern neigte er nicht zum Mit- Mühl. Werner aber empfand ein leises Grauen angesichts dieses jammervollen Bildes, das Menfchen-
snilitz trug.
„Nun, so laßt Euch nicht stören, Phrlivv," bemerkte der jüngere Lemhold kühl. „Ihr habr zu tun, sehe ich, geht weiter an die Arbeit, der Tag ist noch lang —"
Da schlich der Riese bemütig von bannen und fing dort wieder zu schaufeln an, wo er aufgehörr hatte. Keinen Blick wandte er auf die Brüder, er war mit Eifer an der Arbeit. ,
Das Haus an der Holzschleife hatte fünf Räume. Wenn man durch die niedrige Haustür kam, befand sich genau in der Verlängerung des Flurs die Küche, in der jetzt Frau Alma Lemke, als Heinrich und Werner ein- traten, auf einem kleinen Wurzelblock Holzkloben zerkleinerte. Der muskulöse Arm der etwa zwei- oder dreiunddreißigjährigen Frau schwang sehr kraftvoll die schwere Holzfällaxt und krachend ging der Kloben in Splitter. Dann erst hörte sie die Schritte der Männer auf dem Flur. Sie stellte die Axt hin und wischte die Haride an der blauen Schürze: „Je, der Herre Leut- hold, gut'n Tag ooch."
Sie kam heran und gab auf so viele Fragen Antwort, daß Wernei mit Erstaunen empfand, diese Frau versah hier oben Aufsichtsämter, die sonst nur Männern anvertraut werden. Aus der Küche klang das Knacken von brennenden Kloben.
„Daß Euch nichts anbrennt, gemfen," bemerkte Heinrich mit einer ihm selbst an sich befremdlichen An- keilnahrne. Etwas Unbewußtes ließ ihn damit vor
Werner paradieren.
„Hm, Karnickel gibt's!"
„S'is doch heute fei’ Geburtstag, dem Philipp feiner, Herr Leuthold —, da muß man doch."
Werner hi -chte auf: Du lieber Gott, dieses armen Verrückten Geburtstag, die Frau vergaß ihn nicht und hatte doch gewiß zu reichlich harte ununterbrochene Arbeit, um sich vielen Gedanken hingeben zu können. Und der Philipp selbst, was wußte er von feinem Geburtstage? War das ein Fest- oder ein Trauertag? So aing's dem älteren der Brüder durch den Kopf: den jüngeren plagten derartige Skrupel und Zweisel nicht. Er fragte nur:
„Wie alt wird er denn heut?"
„Neununddreitzig."
„Also in den besten Jahren —*
„Jesus, wenn nur das Unglück nicht wäre, Herr Leuthold —"
Da lenkte er ab.
„Ich wollte meinem Bruder, der bei uns zu Gast ist die Holzschleise zeigen. Lemken, können wir auch mal die beiden Zimmer hier rechts besichtigen, die bewohnt Ihr ja nicht —"
Frau Lemke rieb sich die Rechte noch einmal an der Schürze, als rüste sie sich, Werner zu begrüßen, ließ sie dann aber bescheiden zurücksinken.
„Nu, nee, die bewohn' wir nich. Weil se im Winter zu kalt sind. Nich zu derheizen, Herr Leuthold, was de wahr is, nich zu derheizen! Aber, an scheener Blic! is 's freilich, und den soll sich der Herr schon ansehen"
Mit solchen Worten ging sie an eine Tür der rechten Flurwand und öffnete sie. Werner trat ein un3 Heinrich folgte, den Beschluß machte Frau Lemke.
Durch zwei große Fenster fiel gedämpftes Sonnenlicht herein, alles erhellend und doch nirgends blew -end. Werners Gesicht glänzte auf. Er trat an eines -er Fenster. Welch überwältigendes Panorama. Ja. hatte er öenn niemals früher hier gestanden? Er besann sich: ja, damals war dieser Raum nur zur Verwahrung von Werkzeugen und Geräten benutzt wor>
Sem Der Nordwind prallte mit zu breiter Wucht an die Wände. Die andere Giebelseite, dem Waldabhange zugekehrt, lag dagegen geschützt und warm.
Des Malers Auge schweifte gierig über das weite schöne Gesichtsfeld. Im Vordergruude die Holzfchlerfr war reizlos, aber dann begann die Waldstaffage weiche sich in duftiger Kulissenwanderung erweiterte, eine Haugsilhouette immer zarter als die andere getönt und mit ihren zurückgewendeten Abstürzen von der Sonne überglüht und überglitzert. Unten aber in der Tiefe lae WkNtersbach, wie auf einem Weihnachtstische aufqe- baut, die Gunter mit ihrem metallen blitzenden Wasserbande schlang sich weiter ins Wiesen- und Ackerland aus dem Sie Türme der Kreisstadt grüßten.
Ein geschlossenes, reiches, schönes Bild: Vom Berg zu Tal.
Werner stand und stand. Er vergaß die anderem und vergaß sich selbst. Jetzt erst wachten wieder alte Erinnerungen an den geliebten Meister auf. Mit ihm hier stehen können, mit ihm dem Himmel das Licht, dem Walde den Farbenduft, der fernen Ebene die zufließenden Tinten der Dämmerung abzulaufchen, mit ihm zu sinnen und zu suchen, was Menschenblick und Menschenband davon erobern möchten, zu bleibendem Besitze für Sie Kunst.
„Werner, wach auf!" klang die spöttische Stimme des Bruders. Da fuhr er zusammen.
Sie waren allein im Zimmer.
Werner schaute sich erstaunt um.
„Ja, du hast mich eine ganze Weile vergessen: starr gucktest du durchs Fenster. Es war, als sähest tu Guntersbach zum ersten Male."
„Zum ersten Male. Ich glaube fast, ich sah's zum ersten Atale, denn so hab' ich's noch nie gesehen. Mit so viel Verständnis noch nie! Malen möchte ich's von die»
„Und schenkst es mir zur Hochzeit."
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