Kersfelöer Tageblatt
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Nr. 179
Mittwoch, den 2. August
193»
ÄJjming der framöWen Hole. ^^"B.L. A." meldet: Wie wir erfahren, wir !dre Reichsregierung in ihrer Note an die französisch Regierung darauf aufmerksam machen, daß nutze .Frankreich und Belgien die übrigen alliierten Regie rungen nicht geantwortet hätten. (Inzwischen ist di Antwort Englands eingegangen.) Es Handelt sich il der Frage der Ausgleichszahlungen nicht, um eine An Gelegenheit, die Frankreich allein angehe. Aus dieser Mruiide müsse die Reichsregierung folgerichtig den «I -ttmative« Ton der französischen Note ablehnen. In übrigen wird die Reichsregierung andersten, daß di- Frage der Reparationszahlungen und die der Aus gleichszahlungen nicht voneinander getrennt werde, könnten. Deutschland ständen die Einnahmequellen zm Verfügung, die auf der Steuerkraft der Bevölkerung aufgebaut seien. Die Frage der Reparationen und du damit in unmittelbarem Zusammenhänge stehende deut- sche Leistungsfähigkeit würde auf das schwerste beeinträchtigt werden, wenn der Reichsregierung die Herabsetzung der Ausgleichszahlungen verweigert werden sollte. Ueber beide Fragen, die vor allem doch wirtschaftlicher Natur feien, könne nur gemeinsam entschieden werden. Die Reichsregierung dürfte in ihrer Note also zu einer glatten Ablehnung der französischen Note gelangen, in dem der Nachweis geführt wird, daß Deutschland zur Zeit nicht in der Lage ist, den Abmachungen nachzukommen, die, soweit die Ausgleichszahlungen in Frage kommen, mit den Alliierten getroffen worden sind. Sie wird bei ihrem letzten Angebot bleiben, für die Ausgleichszahlungen monatlich 10 Millionen Goldmark zru Verfügung zu stellen.
achweis geführt wird, daß in der Lage ist, den.Abma-
Die deutsche Note abgesandt.
Die deutsche Note an Frankreich ist Montag abend telegraphisch nach Pä^is gesandt worden, wo sie im Laufe des Dienstags überreicht werden wird.
Die Antwort Englands.
Die in Berlin eingegangene, an den deutschen Botschafter in London gerichtete Antwort der englischen Regierung auf die deutsche Note vorn 14. Fuli 1922 wegen der Barzahlungen im AusgleichLversayren ist datiert vorn 26. Fuli und lautet wie folgt: Ich beehre mich, den Empfang der Note Ew. Exzelleu
. zu denen
an r den alliierten Ausgleichsämtern
and nach Abschnitt 4 des Teiles 10 des Vertrags von Versailles verpflichtet ist. Die Regierung S. M. nimmt m, daß eine gleiche Note an die anderen beteilrgten R.e- sierultgen gerichtet worden ist. Sie beabsichtigt, die an skhrer Note aufgeworfenen Fragen vald,gst mit den anderen beteiligten Machten zu erörtern, um zu . gegebener Zeit in Gemeinschaft mit den anderen alliierten Nächten der deutschen Regierung Antwort erteilen zu können. ,
Meinungsverschiedenheiten im Garantiekomctee.
Aus Paris wird gemeldet: Der Bericht des Ga- mntiekomitees über seine Eindrücke in Berlin ist immer -roch nicht fertig. Er sollte der NeMratronskolmrumon im Montag unterbreitet werden. Nach dem „^enrps vird er jedoch erst im Lause der nächsten Woche zum HbWMnß gebracht werden können. .. _ .,
Nach eineu weiteren Meldung konnte die äußerst ichwierige Redigierung des Berichts über die Berlmer Tätigkeit des Garantiekomitees wegen der großen t'leinungsverschiedenheitcn unter den Mstglredern noch -richt abgeschlossen werden.
Londoner Konferenz doch am 7. August.
Aus London wird gemeldet: Es wird bekannt, daß strankreich benachrichtigt worden ist, daß es dem englischen Premierminister angenehm wäre, mit Poincaree «N 7. Anglist in London zusammenzukommen, wo dann sie gegenwärtige Lage der Reparatronsfrage grurrdlrch nepräft werden wird. Man hofft, Satz dann auch Sre aen einaeladen werden können. Dre Verhandlungen Lden nicht, wie ursprünglich geplant war, den Charakter einer Vollkonferenz tragen.
Ein Teilmoratorium?
London. Nach einer Meldung aus Paris ist der WiederherstellungsauSschutz trotz der widerstrebenden Haltung Frankreichs bereit, Deutschland einen teilwei- sen Zahlungsaufschub zu gewährem
Die deutsche Antwort an Poincaree.
»^ Berlin. (L. Ast Der Wortlaut der deutschen Antwortnote an Poincaree wird bekanntgegebem
Amerikanischer Vorschlag für Entschädigungsnachlaß.
«Nenyork. (F. Z.) Die „Evening Post" fordert Frankreich auf, 80 Milliarden der deutschen Repara- tionsschnld «achznlassen, worauf eine Streichung der französischen Schulden an Amerika eher diskutabel wäre. Der amerikanische Finauzniann Paul Marburg hielt in Washington eine Rede, in der er erklärte, Amerika müsse Europa helfen, andernfalls verliere Amerika seine ^Prosperität.
b Der Bericht des Garantieansschusses.
»Paris. Der „Petit Parisien" teilt mit, daß der ranticausschuß nunmehr den ersten Teil des Be- '.richts der Reparattonskommission übermittelt hat. Der 1;Anhalt ist ein begründetes Exposee über die getroffenen «Bestimmungen über die Finanzkontrolle. Erst im zwet- Ben Teil wird der Ausschuß ein Programm vorschlagen, um mittels der Kontrolle die deutsche,, Finanzen zu sanieren, in der Hauptsache, um neue Einschränkungen
in den Ausgaben herbeizuführem Der zweite Teil wird nicht vor Ende dieser Woche fertiggestellt werden können. Unter diesen Umständen sei es nicht unmöglich, daß die Reparationskommission ein sofortiges Urteil über den ersten Teil des Berichtes fällen werde, damit bei der Zusammenkunft in London eine formelle Ansicht der Reparationskommission über die Organisation der Kontrolle vorliegt.
Französisch-belgische Verstimmung.
« Paris. Der „Petit Parisien" spricht von einer Meinungsverschiedenheit zwischen der belgischen und der iranzösischeu Regierung über die Stellungnahme des Ministerpräsidenten Poincaree zu der Frage der Her- rbsetzung der Ausgleichszahlungen. 'Die kategorische Zurückweisung Poincarees habe bei der Regierung in Müsset absolut keine Befriedigung hervorgerufen, weil ie über den Fnhalt überhaupt nicht befragt worden sei. Die belgische Regierung vertritt den Standpunkt, daß sie Ausgleichszahlungen den Gegenstand einer Abma- Huug zwischen den Alliierten gebildet hätten und jetzt von einer Regierung der Alliierten allein die Frage des Zahlungsaufschubs nicht erledigt werden dürfe.
Der Krieg auf dem Balkan.
M- Aus Koustantinopel werden neue Grenzscharmützel in der neutralen Zone zwischen regulären griechischen Truppen und türkischer Gendarmerie gemeldet. In Koustantinopel herrscht unter der Bevölkerung infolge der Nachricht von einem bevorstehenden griechischen Ein-? marsch große Aufregung. Viele Familien sind aus dem europäischen Stadtteil bereits nach der anderen Serie des Bosporus geflohen. Die Polizei mußte einschrerten, um eine Panik und Unruhen zu verhindern, da die ansässigen Griechen gegen die türkische Bevölkerung Ki gedungen veranstaltetem
Kund-i
Englische Intervention.
m> Die englische Regierung teilte nach einer Meldung, aus London der griechischen Regierung mit, daß sie im den Vorstoß gegen Konnaunnopel abzuwehre« erst-, schlössen fei.
sird gemeldet: Die Lage im Orient wird im Quai d'Orsay, wie von zuständiger Stelle erklärt wird, fortgesetzt als sehr ernst angesehen. Man besitzt offenbar zuverlässige gnformatnmen über die wahren Absichten Griechenlands und, ist beunruhrgt über die angeblichen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem griechischen Ministerium des Aeußern und der Heeresleitung. Man hat allem Anschein nach den Eindruck, daß die Griechen an einen Handstreich denken, für den die Regierung dann die Verantwortung ablehnen wird, da angeblich ein eigenmächtiges Handeln des ungeduldigen Heeres vorliegt.
Dementi.
»^Die „Times" widerruft die Gerüchte von einem Treffen zwischen französischen und griechischen Streit- kräften an der Tschataldschagrenze. _ _
Zum griechischen Vormarsch auf Konstantinope
k^ Paris. Der griechische Geschäftsträger übergab in Auswärtigen Amt tn Paris eine Note, in der die grie chische Regierung um die formelle Ermächtigung zn- Besetzung von Konstantinopel ersucht. Der Besitz Kon stantinopels fei das einzige Mittel, um auf die Türke einen Druck zur Beendigung des Krieges ausüben zi können. Der Bescheid der französischen Regierung wa: ablehnend. Man nimmt an, daß ähnliche Schritte in London und Rom erfolgt und dort auch erfolglos geblieben sind. Die Franzosen hoffen, daß die Griecher auf ihren Plan verzichten werden, sobald sie sehen, daß die Verbündeten einig sind.
Vormarsch der Kemalisten auf Koustantinopel.
w Paris. In Pariser politischen Kreisen ist, nachdem die Nachricht von der Verkündung der Autonomie in Smyrna und von der Landung griechischer Truppen in Rodosto bekannt geworden war, sofort die Befürchtung ausgesprochen worden, die Türken von Angora könnten nun beabsichtigen, ihrerseits nach Konstantinopel zu marschieren. Der Korrespondent des Exchange Telegraph in Konstantinopel telegraphierte bereits, die Regierung von Angora sei im Falle, daß griechische Truppen die Grenze von Tschataldscha überschreiten, entschlossen, auf Konstantinopel unter Verletzung der neutralen Zone von Dscherindsche bet Jsmid zu marschieren. Verstärkung der englischen Truppe« in Konstantinopel.
>» Konstaniinopel. (L. Ast Die englischen Truppen in Korrstantinopel Haben bedeutende Verstärkungen erhalten.
Vertagung der bayerischen Entscheidung.
München. (S. Cst Die entscheidende Sitzung dcL bayerischen Kabinetts, die Montag nachmittag 5 Uhr stattfinden sollte, ist vorläufig verschoben worden. Da. mit ist die Entscheidnng Bayerns auf den Brief des Reichspräsidenten vertagt worden. Inzwischen wird die bayerische Ansnahmeverfügung streng nach rechts und links durchgeführt. So wurden gestern in Münchei und Augsburg mehrere linksradikale Führer auf Anordnung des Nntcrsuchngsrichters verhaftet, weil sie ar Besprechungen teilgenommen hatten, die die Aufhebung der Unabhängigkeit des bayerischen Freistaates zum Ziele hatten.
Neue Anpassung der Beamtengehälter an die Teuerung
^ Berlin. (S. C.) Infolge des neuerlichen gemab tigen Marksturzes haben die Beamtenspitzenverbände
beim Reichsfinanzminister Verhandlungen' über eine abermalige Anpassung der Gehälter an die neue Preissteigerung nachgefucht. Die letzte Erhöhung der Gehäl ter und Teuerungszulagen ist anfangs Juli erfolgt.
Gegen die Devisenspekulation.
•«■ Berlin. (S. Cst Fm Reichsfinanzministerium werden Dienstag nachmittag die Besprechungen Wer gesetzgeberische Maßnahmen gegen die Spekulation in Devisen und gegen die Markentwertung fortgesetzt. Zu den Verhandlungen sind wieder der Reichsbankpräsident der Präsident der Preußischen Staatsbank und die Vertreter der Berliner Großbanken geladen worden.
Deutschlands „Reichtum".
M> Bafel. (S. Cst Wie die „Basler Nachrichten" auZ Paris melden, begründete der Finanzminister de La- steyrie in einer Unterredung mit dem Havasvertreter die neue französische Note an Deutschland, die die sofortige Wiederaufnahme der Ausgleichszahlungen fordert; mit dem Vorhandensein reicher liqnidiver Mittel in Deutschland, das erst jetzt wieder in der Lage gewesen sei, über 40 Milliarden Mark Zuschüsse an Beamten und Arbeiter auszugebem Auch das Garantiekomitee habe die deutsche Zahlungsfähigkeit bejaht.
Eine zweite Note Belgiens.
$-*> Köln. (S. Cst Der „Brüsseler Soir" meldet: Die belgische Regierung hat der deutschen Regierung auf ihr Gesuch um Herabsetzung der monatlichen Ausgleichzahlungen neben der offiziellen Note eine zweite Mitteilung durch ihren Gesandten in Berlin zustellen lassen, die Deutschland empfiehlt, eine Entscheidung der Bot- fchafterkonferenz in Gemäßheit des Versailler Vertrages herbeizuführen.
Die internationale Finanzkonferenz.
o-». Genf. (S. Cst Wie der Pariser „Temps" meldet, ist der Zusamurentritt der Finanzkonferenz nochmals verschoben worden, und zwar vom 8. September auf den 21. September.
Die angebliche Verschwörung gegen Poincaree.
»^ Basel. (S. C.) Die „Basler Nationalzeitung" meldet: Die iran^öMche Regiei-nn« vLMLstz-»^ -«--v NMe Einzelheiten über das arrgebliche deutsche Komplott gegen Poincaree. Die französisch Regierung behauptet, wichttge Verhaftungeir im besetzten Gebiet vorgenommen zu haben. Genaue Einzelheiten werde die Regierung veröffentlichen, wenn die verhafteten Mitschuldigen in Paris eingetroffen feiern Auch der englische Oberbefehlshaber im besetzten Gebiet habe wichttge Verhafttmgen in der Attentats- affäre vornehmen lassen, die auf deutsche Geheirnorga- nisationen zuriickzusühren seien.
Ein Brief in Oesterreich 300 Kronen.
e-^ Wien. (S. C.) Die österreichische Postverwaltung ist über die Anträge des Parlaments hinsichtlich der neuen Tanferhöhnna noch weiter hinausgegangen. Sie veröffentlicht bereits heute eine Erklärung, daß die von Dienstag an geltenden Tarife am 1. September nochmals erhöht werden, und zwar das Porto für die Postkarte von 45 Kronen auf 180 Kronen und das Vrief-! vorto von 80 auf 300_ü rtmem
Um die Reichstagseinberufung.
6* Berlin. (T. U.) Der Aeltestenrat des Reichstages tritt nicht, wie ursprünglich in Aussicht genommen, am Mittwoch zu einer Sitzung zusammen. Wann diese Sitzung stattfinden wird, ist noch nicht bekannt.
Die Balutaschwierigkeite« der Lebensversicherungen.
w Berlin. (T. U.) Der Ueberwachungsausschutz des Reichstages beriet die Frage einer Hilfsaktton für diejenigen Lebensversicheruttgsgesellschaften, bse durch Auslandsverpflichtungen in finanzielle Bedrängnis gekommen find. Insbesondere handelt es sich um eine Verpflichtung von 5 Millionen Schweizer Franken, die bereits jetzt zur Zahlung fällig, aber rroch nicht gezahlt worden sind. Die Schweiz ist bereit, diese Summe zu günstigen Bedingungen vorzustrecken, wenn das Reich die Verpflichtung übernimmt diese Summe zurückzu- zahlen, falls das bekannte Abkouinren mit der Schweiz nicht bis zum 1. Dezember zurstande kommt. Der Aus- schntz stimmte nach längerer Aussprache dem Abschluß dieses vorläufigen Abkommens mit der Schweiz grundsätzlich zu.
Kundgebung gegen den Krieg in Paris
Paris. (F. Z.) Auf Veranlasstmg der Liga für Menscherrrechte hat am Montag eine Kundgebung, gegen den Krieg stattgefundem An ihr haben die sozialistischen Parteien und ein Vertreter der radikal-iozialistt- Uen Partei sowie Vertreter der Freimaurerloge für Frankreich teilgenommen. Auch der frühere Miiiister- präsident Painleve hat neben anderen das Wort er« griffen.
Bersammlnngsvcrbot für den Bismarckbuud in Schleswig.
Hamburg. (F. Zst Der Oberpräsident der Provinz SchleSwig-Holstein hat die Versammlungen des Biv- marckbundes für den Umfang der Provinz bis auf weiteres verbotem
Der Handelsverkehr mit Australien. .
^ London. Reuter meldet aus Melborne, daß Ausira- lien den Handelsverkehr mit Deutschland wieder amt- l lich ausgenommen habe.
Wieder ein Kabinett de Facta.
»^Rom. (F. Zst Um dem für Mitternacht angedroh ? ten Streik entgegenzutreten, will de Facta .wtort st st. Kabinett mit leichten Aenderungen rekonstruieren. Dis- Hauptnnnister. insbesondere Stamper, und die Vertreter der Rechtsparteicil bleiben, sodaß die Parlaments rische Basis des Kabinetts keine Veränderung ertabo