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HersMer Tageblatt

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3^ft^fratssr| Amtlicher Mazeiger für den Kreis Hersfeld

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Nr. 163

Freitag, den 14. Juli

1933

' Neues Zlunduugsersucheu. .

Zjähriger Zahlungsaufschub.

Der Vorsitzende der Kriegslastenkommission hat der Revarationskommission in Paris eine Note der Reichs- regierung folgenden Inhalts überreicht:

Die deutsche Regierung hat bisher trotz schwerer wirtschaftlicher Bedenken diejenigen Zahlungen bewirkt, die in den Entscheidungen der Reparationskommisston vom 13. Januar und vom 21. März d. K. festgesetzt wor­den waren. Die Währungsverhältnisse haben sich 10 e:E zu Ungunsten Deutschlands verändert, Satz, wenn die Verpflichtungen nach dem Londoner Zahlungs- «lan vom 5. Mai 1921 bei den damaligen Wahrungs- verhältnissen eine innere Deckung von rund 28 Mil- Rarden Papiermark erforderlich gewesen wäre, zur<Er­füllung der ermäßigten Barleistungen nach den Way- rungsverhältnissen vom März 1922 bereits ein Betrag von 51,4 Milliarden Papiermark gebraucht worden wäre, der unter Berücksichtigung der jetzigen Wahrungs- verhältnisse nunmehr auf 80 Milliarden ^«piettttarl gestiegen ist. Zu dieser Summe treten die übrigen De- visenverpflichtungen des Reiches aus der Erfüllung des Vertrages von Versailles mit insgesamt *M rund 600 Millionen Goldmark, d. h. 56 Milliarden Papiermark. Müßte die deutsche Regierung unterdie- sen limstäuden ausländische Zahlungsmittel für die ihr auf Grund des Vertrages von Versailles auferlegten Verbindlichkeiten weiterhin in annähernd bMerigem Umfange beschaffen, so würde die gegenwärtige Vermin­derung des Wertes der deutschen Pasiermark rasch und unaufhaltsam fortschreiten und.zu einer^vollkommenen gerrnttunK des finanziellen, wirtschaftlichen vnd fosta-

« Lebens führe«. Die deutsche Regierung stellt daher im Hinblick auf Artikel 234 des Vertrages von Versail­les den Antrag, ihr die nach der Entscheidung der Re- Parationskommission vom 21. März 1922 märend des G^lenderiakres 1922 noch fällig werdenden Bargayiun- gen zu stunden. Was den am 15. KuU fällig iverdendM Betrag angeht, so hat die deutsche Regierung den im Hinblick auf frühere Leistungen verbleibenden Restbe­trag von etwa 33 Millionen zwar zur Verfügung, der

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Wiederaufnahme der Anleiheverhandlungen for isein wird. . .

**Bic dieT. U.* erfährt, nimmt man an, daß der Inhalt der der Reparationskommision übergebenen Note den Vorschlägen entspricht, die Bradbury gemacht bat, und den inoffiziellen Verhandlungen, die in Ber­lin mit der Garantiekommission gepflogen worden sind. Nach einer Meldung aus Paris verlautet, daß Poin- caree sich vorläufig weigere, nach London zu reifen mit der Begründung, daß er erst den Bericht der Garantie- kommission, der in der nächsten Woche fertig werden soll, abwarten wolle. Jedoch ka«n bte deutsche Re­gierung nicht länger warten, und man rechnet darauf, daß Poincaree in der nächsten Woche nach London re^ sen wird, und zwar deswegen, weil manl in Frankreich sehr verstimmt sei und zwar über die Vorschläge und den neuen Schritt Bradburys eine allgemeine Ernüch­terung im Volke Platz gegriffen habe. Alle Alliierten unterstützen die Vorschläge Bradburys, und Arankrerch befindet sich in der Isolation. Gegen das Memoran­dum von drei Jahren hatte sich keine Stimme erhoben, außer Frankreich. Frankreich wünscht indessen eine er­neute Behandlung der gesamten Reparatwnsfrage und im Zusammenhang damit eine neue Behandlung der Frage der interalliierten Schulden. Es erscheint jedoch zweifelhaft, daß die Kräfte der Behandlung der inter­alliierten Schulde« die Lösung der deutschen Schwierig­keiten wesentlich fördern werde, solange in den Ver­einigten Staaten keine Neigung vorhanden ist, etwaige Schuldenstreichungen vorzunehmen. Amerika will kei­nen Finger für Europa rühren, solange man in Europa nicht dem gegenwärtigen Zustande ein Ende bereitet und eine zufriedenstellende Voranssetzn«« für eine ru­hige und friedliche Entwickelung geschaffen habe.

Die Vorschläge Bradburys.

Petit Journal" gibt von den Beratungen der De­legierten der Revarationskommission über die deutsche Finanzlage folgende Darstellung: Sir John Aradbury, der vom englischen Kabinett formelle Instruktionen er­halten habe, hat die Annahme eines neuen Morato- tinms vorgeschlage«, das nicht nur die vollkommene Aufhebung aller Goldzahlungen für 2 oder sogar für 3 Jahre vorsieht, sondern mich für den gleichen Zeitraum eine wesentliche Herabsetzung der Sachlieferungen ent­halten soll. Es ist, sagt dasPetit Journal", kaum ijö- Ha, auf den Ernst dieses Vorschlages hinzuweisen. Er yeriitM das Abkommen von Wiesbaden gerade in dem Augenblick aufzuveben, in dem es endlich verwirklicht werden soll, und versucht, Frankreich jeder Art von Re­

parationszahlungen bis 1925 zu berauben. Die Dele- aterten von Belgien und Italien haben sich, rote das Blatt zu wissen glaubt, mit einigen Vorbehalten englischen Borschlag angeschlosse«. Der französische De­legierte stand also mit seinem Widerspruch alle,« da. Er hat nur erzielen können, daß keine Entscheidung getrof­fen wird, bevor der Garantieausschutz nach Gans zu­rückgekehrt ist. Am Abend M diese Lage am Quai d Or- san zwischen Poincaree, de Lasteyrie, Reibel und Du- bois besprochen worden. ,, ,

DieEre Nouvelle" glaubt bestätigen zu können,^ daß bei der offiziösen Beratung im ReparationKauS- schutz sich eine Mehrheit gegen Frankreich gebildet habe, um nicht zu sagen, eine Einsttmmigkeit gegen Frank« reich. Man habe bann am Quai d'Orsay erfahren, daß Lloyd George dir Absicht habe, nach Paris zu kommmr, um mit Poincaree zu sprechen. Es sei zwar keine of­fizielle Mitteilurm.gemacht worden, aber man könne doch sagen, daß Pomcaree die Absicht hab^ sich dieser Unterredung zu entziehen. Er erwarte die Entschetdnng der Revarationskommtssion: für ihn habe eben das divlonmtische Verfahre unwiderstehliche Reize. J

Die RepsrationsKoMmWon will prüfe«.

»-»Paris. (I. G. A.j Die Revarationskommission wird die am Mittwoch begonnenen Beratungen über die deutsche Note am Donnerstag fortsetzen und aller Voraussicht nach die Absendung etzrer vrovisorischen

Antwort beschließen. Der französische Vorsitzende der Kommission, Dubois, ist damit betraut wordem den Text der provisorischen Antwort aufzusetzen. Nach den Moraenblättern wird die Kommrsston sich dahm erklä­ren, daß sie von den Darlegungen der deutschen Note Kenntnis genommen habe, daß sie die Absicht habe, SrS von Deutschland Betonten Schwierigkeiten zu prüfen Sie wird mitteilen, daß eine Stellungnahme zu dem Stundungsantrag erfolgen kann, wenn der Bericht des Garantiekomitees vorliegt, und weiter zusichern, daß ein endgültiger Beschluß auf iede« Fall vor dem 15,

August gefaßt wird.

Die Sturmwolke der Reparation.

^ Baris. Sir Robert Cecil schreibt demMatin": Ltt- gBfes & M » daß man zu einer Lösung gelange Die Repararwus- Iraae sei wie eine Sturmwolke, die dre ganze wirtschaft- dliche, militärische und politische Lage bedrohe. Im wei- testen Sinne des Wortes sei sie eine internationale Frage !«nd könne nur durch eine tnternatwnale Anstrengung gelöst werden. Wenn ich behaupte, daß alle uiternaho= nalen Fragen durch internationale Anstrengungen ge­löst werden könnten, so setze ich natürlich voraus, daß alle Völker in dieses Einverständnis einbezogen werden, selbst diejenigen, die während des Krieges unsere Fesilde waren. Es wäre unmöglich und gefährlich, Sie Existenz von 75 Millionen Deutsche« zu verleugne«, die in Mit­teleuropa leben. Es ist dringend, notrvendlg, da« sie auf- gefordert werden, an den gememsamen Anstrengungen teilzunehnien, ohne sie ist es nicht möglich, etwas zu um ternehmem Wir würden nur zu unseren Lauen em noch größeres hinzubekonnnen, wenn wir ohne sie die intzr- nationale Zusaunnenarbeit eingehen lassen wollten. Wir müssen unsere Absicht furchtlos und ohne Vorteil in öi Tat umsetzen. Nur auf diese Weise kann die ganze Welt wieder zu Glück und Wohlstand gelangeii.

Die Sorge über de« Markstvrz.

»-»London. Im englischen Unterhaus wurde wieder eine Reihe von Anfragen an die Regierung bezüglich des Sturzes der deutscher Mark gerichtet.

»-»Londo«. Hiesige amtliche Kreise hoffen, Poincaree noch vor Ende nächster Woche hier zu sehen. Sie be­tonen die Unsinnigkeit der Theorie der absichtlichen ständigen Herbeiführung des Markstitrzes und sehen im deutschen Ersuchen um Zahlungsaufschub einen neuen ausdrücklichen Vorschlag, der schnelle Behandlung, durch alle beteiligten Mächte erfordert. Sie hoffen, daß auch Her Vorbesprechung Poincarees mit Lloyd George schnell eine allgemeine Finanzkonferenz folgt, und daß auch Amerika sich daran beteiligt.

Mitt«»och nachmittag fanden int Reichstage Bespre- chnnge« der Gewerkschaften mit den sozialistischen Par- !feien statt, in denen die Gewerkschaften ernent ihre U«- >z«friedeuheit mit dem Beschluß des Ansschnstes zu dem Gesetzentwurf zum Schutze der Republik zum Ausdruck brachten. Die Sozialdemokrate« Betonten, daß sie ent­gegen anderslautende« Zeituugsvachrichte« unbedingt

__ anderslautenden Zeitungsnachrichten unbedingt auf der Erweiterung der Koalition nach links bestehe«.

Dem Reichskanzler wurde von diesem Beschluß Mittei­lung gemacht. Er hat sich noch am Ave«d mit dem Reichspräsidenten in Verbindung gesetzt nnd ihn ge­beten, sofort nach Berlin zurückznkehre«. ,

| Rückkehr des Reichspräsidenten nach Berlin.

i r^Wie dieT. U." aus perlameutarischen Kreisen er­fährt, wird der Reichspräsident angesichts der nrrgeklär- ten politischen Lage seine Kur in Freudenstadt unter- brechen und nach Berlin zurückkehren. Er folgt dabei einem besonderen Wunsche des Reichskanzlers, den die­ser zum Ausdruck gebracht hatte, nachdem die Sozialde- mokraten erneut betont hatten, daß sie unbedingt auf der Erweiterung der Koalition nach links bestanden.

Haag vorm Scheitern. '

Aus dem Haag wird gemeldet: In der Sitzung deh Mtertommissjou für^Eutschädigungen kam es zu einem

schwere« Züsammeuswtz zwischen dem englischen Dele­gierten Greame und dem russischen Delegierteil Litzvi- nom. Greame erklärte, daß alle Antworten, die die rui= Hiebe Delegation auf die Frage bezüglich der Entschadi- gung enteigneter Privatbesitzer gegeben hätte, mbeines» digend seien. Wenn Rußland nicht mehr versprechen^ könne, so müsse man annehmen, daß es nicht den ernst­haften Willerc habe, in dieser Frage zu eurer Lmung zu komnien. Der belgische Vertreter schloß sich bieten Aus- lührungen des Engländers an. Der Vorsitzende der Konferenz erklärte sodann, nachdem Litwrnow aus jet» nem Standpunkt beharrte, daß alles wertere Verhandeln nutzlos sei. Ulan glaubt, daß die Konferenz «siMittel- bar vor dem Abbruch stehe. Enr offizieller Bericht über die Sitzung wird zwar erst ausgearbeitet, aber,es besteht Mur noch eine geringe Wahrscheinlichkeit, dar; man, w letzter Minute noch zu einem Komvromrn kommen wtrd. i m- Weiter wird hierzu aus dem Haag «emeldet: Ueber- raschend ist die Haager Konferenz tn ein höchst kicknches Stadium getreten. In diesem Augenblick besreht nur noch ganz geringe Aussicht auf Fortsetzung der Konfe­renz. Es findet nur noch am Donnerstag eine, Sitzung der Unterkommission für Kredite statt. Wahr, chemisch wirb aber das negative Ergebnis der Sitzung der Un­terkommission für Privatbesitz, die am Mittwoch natt- gefunden hat, zum unmittelbaren Anlaß für den Abbruch der Verhandlungen dienen. Natürlrch und die Franzo­sen sehr befriedigt. Sie haben am Mittwoch abend Me Parole ausgegeben, daß, wenn die Russen am Donnerst tag nicht das Gegenteil von dem sagen, was sie m » woch gesagt haben, die Konferenz zu Ende sei. Von dem italienischen Delegierten wird berichtet von er gesagh habe, falls die Konferenz zusammenbreche, müsse er vnr dem nächste« Z«ge nach Moska« fahren, «m weiter zu verhandeln.

k PolMscher Mord in Marre«b«rg.

i In der Nacht zum Dienstag hörte die Frau des Schriftleiters derMarienburger ZeiMng, Dr. Reiß, auf der Straße vor ihrer Wohnung emen großen Larm.> Sie begab sich an das Fenster und erhielt plötzlich m aneldet: Dr. Reiß hatte in letzter , Zeit mehrfach Droü-j Briefe erhalten, in denen er aumeierberj wurde, mner- balb acht Tagen mit seiner Frau Marlenburg zu ver-, -laffen. In der Nacht vorn 29. zum 30. Juni wurde eine, iPombe in die Wohnung des Dr. Rech geworfen, beste­chend aus einer Konservenbüchse die mit SÄwarzpulver, Blei und zerhackten Nägeln acfullt war. Da dte Zund- schnur nicht weiter brannte, kam die Bombe nicht zur Erplosion. Schon seit mehreren Nächten entstand an­dauernder Lärm vor seinem Hause. In » er Nacht zum Dienstag um 1 Uhr setzte der Lärm erneut ein, worauf die Gktttin des Dr. Reiß M an das Zensier begab und 'es öffnete, wobei sie den tödlichen Schutz erhielt, ^er Regierungspräsident und Dr. Reitz haben auf die Er- greifung des Täters ie 10 000 M. Belohnung ausgesetzt.

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Die Explosion van Luxhaven.

Nach einem amtlichen Bericht der Kommanöarstur in Cuxhaven sind im Minendepot in Groden samtlick^ Munition, Minen, Wasserbomben, SprengpatronerL und sonstigen Munitionsgegenstände explodiert bezM abgebrannt. Das Gebäude des Mmendepots und, einige umliegende Häuser siud durch Explosionen mrtz Brände vollständig zerstört worden. Zahlreiche Häuser^ der nächsten Umgebung sind beschädigt. Den .Hambur-, ger Nachrichten" zufolge lagerten im Depot etwa 600 Minen, von denen der grötzte Teil in die Luft geflogen ist. Das Diinendepot, das ein Areal von mehre«« Hektar bedeckte, bildet einen völligen Trümmerhaufen. Die Sicherheitsuurwallungen sind teilweise durch den Luftdruck abgetragen worden. Dte Explosion war so stark, daß sie in Bremervörde gehört wurde. Bis nach Doeste mrd Nordvolk sind die Fensterscheiben einge-, drückt worden. In Enxhaven sind mehrere Straßen besonders stark mitgenommen woÄen.

Zu der Exvlosionskatastrovhe meldet der Sonder­berichterstatter desHamburger Echo" ferner: Während der Explosion befand sich der Hamburger Zug in der Nähe des Depots und passierte die Stelle in rasender, Fahrt. Sämtliche Fensterscheiben des Zuges sind z^- trümmert worden. In Curbaven sind fast famtltche. Schartfenster urrd andere Scheiben zerbrochen. In Groden sind die Siedlungshäuser ^zerstört, etwa 10» Dächer abgedeckt, viele Giebel zerschlagen. Im Nm- Reise von etwa fünf Kilometern sind ^e Schoben zer­trümmert. Durch herumsliegende Schießbaumwolle sind iuvet Bauernhöfe in Brand geraten. Die verhält­nismäßig geringe Zahl der Opfer ist darauf zurttckzu- füb rett daß zur Zeit der Explosion sich niemand im

Schuppen Belaub.

Eine nette Geschotzexplosio«.

Mittwoch vormittag ereignete sich auf dem Platze der Gesellschaft zur Verwertung von Heeresgut in Zwee- doA b. Schönheide eine heftige Explosto«. Soweit bis-- her bekannt geworden ist, sind 10 Tote zu beklagen und eine große Anzahl Personen schwer verletzt worden.

Reue Erhöhungen Bei Post nnd Eisenbahn.

Wegen der fortgesetzten Steigerung der Preise^ dröhne und Materialien hat sich die Reichseisenbalmver^ W/VMK gezwungen gesehen, eine neue Erhöh««« bet