Hersfelöer Tageblatt
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Nr-. 142
Dienstag, den 20. Juni
1022
| Die RKnmnng OberschSefiens. .
! n* Aus Kattowitz wird gemeldet: Die neue Exekutiv-^ Polizei in Kattowitz und in den Landgemeinden hat bett. Ordnungsdienst angetreten, wenn auch noch nicht in vollem Umfange. Kommandeur der Polizei ist der did-< herige Kommissar Thomannek in Kattowitz, ein geborener Oberschlesier, während der Leiter des Innenpolitik scheu Dienstes im Polizeidirektionsgebäude der neue; Landrat des Kattowitzet Kreises, Dr. Mildner, ist. In, den anderen Städten Polnisch-Oberschlesien werden als? Leiter der neuen Orönungspolizei Oberkommissare bezw. Kommissare bestellt. Der gesamte Eisenbahnbezirk und' die Verwaltung im Eisenbahndirektionsgebäude ist Sonntag nachmittag 2 Uhr von den polnischen Behörden übernommen worden. Bereits Sonntag morgen prangte am Eingang der Polizeidirektion eine weiße Fahne mit. dem Adlerwappen. Auf dem Hauptbahnhof sowie an den Eisenbahnknotenpunkten hat sich vereinbarungsgemäß das deutsche Betriebsperfonal noch bis Mosttag! mittag 12 Uhr bereitzuhalten. Sonst ist die deutsche Beamtenschaft bei der Eisenbahn bis auf Ueüerleitnngs- und Leihbeamten feit Sonntag 6 Uhr entlassen. Wegen der Uebernahme der Eisenbahndirektion durch die neue polnische Behörde ist seit Sonnabend mittag die Güter- sperre eingetreten, die zunächst aus vier Tage berechnet! ist. Lebensmitteltransporte gehen zwar nach wie vor« aber Möbeltransporte ruhen gegenwärtig vollständig: Sonntag morgen haben die französischen Besatzungs-, truppen mit der Wegschafsung ihrer Ausrüstung durch die Bahn begonnen und mittags erfolgte darauf die Uebergabe des Inventars in den Kasernen und den anderen Gebäuden, die als Quartiere dienten. Der Ab- transport der Besatzungstruppen wirb am Montag fort- gesetzt werden. Nachdem das SlmtSgerW übergeben worden ist, ruht das Gerichtswesen vollständig.
Eine dentsch-polnische Amuestierung geplant.
Zwischen der deutschen und der polnischen Regierung schrvcben, wie an amtlicher Stelle in Berlin verlautet, in Oppeln zurzeit Verhandlungen über eine gleichmä- tzig vorznnehmende Amnestürung von Gefangenen beider Nationalitäten, die wegen politischen Vergehens von ordentlichen Berichten verurteilt worden sind.
AZWZ fiufoW in Berlin.
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*.....Monwnersertem gegen Ende dieses Monats eintreten sollen, drohte der Regierungskoalition eine Krise: Ueber die Getreideumlage hat man sich noch nicht einigen kön- nen. In dieser Frage geht ein Ritz fast durch alle Parteien: kurz: die Situation ist überaus gefährlich. Allerdings braucht die Regierung, wenn sie unterliegt, nicht aus der Ablehnung einer Vorlage von an sich geringer Tragweite gleich die Konsequenzen zu ziehen, aber, die Sszialdcmokratie hat kategorisch erklärt, daß sie bei ei- ner Ablehnung der Getreideumlage ans der KoaUtlsn ansscheiden und in eine entschiedene Opposition Wer- gehen wurde, da sie eine exorbitante Erholung des Brotpreises, der sowieso fast verdoppelt werden soll, nicht auf sich nehmen könne, Eine Regierungskoalition ohne Sozialdemokraten ist jedoch unter den gegenwärtigen Umständen nicht möglich, wenn man nicht gerade einen sogenannten großen Bürgerblock bilden wolle. >^azu dürfte aber weder im Zentrum noch bei den Demokraten, nicht zuletzt aus außenpolitischen Gründen, irgendwelche Neigung bestehen. Es bleibt letzten Endes dann nur noch die Neichstagsanslösung. Die -sozialdemokraten haben Lurchblicken lassen, daß ihnen diese aus partci ak- ijscheu Gründen gar nicht so unangenehm iem könne, weil es eine bessere Wahlparole als gegen den Brot- wucher für sie kaum geben würde.
** Berlin. lT. U , In der Frage der GetrLdenmlage ist ohne Zw-istl schon im Laufe des Montags eine wesentliche Beruhigung eingetretem Innerhalb der Re- gierungskoalition arbeitet man insbesondere von Seiten des Zentrums und der Demokraten auf eine Eintaungs- formel hin, Sie zum Teil den Vorschlägen des „Vorwärts" folgt, der die kleinen Grundbesitzer von einem Teil der Umlage befreien wilL Die demokratische Reichstagsfraktion wird Montag nachmittag nach Schluß der Plenarsitzung des Reichstages eine Sitzung abhalten, in der die Stellungnahme der Fraktion zur Getreideum- läge erörtert wird. Man erwartet demgemäß, daß am Montag im Reichstag der Regterungsentwurf zur Ge- tretdeumlage ohne weitere Debatte dem Ausschuß über- wiesen werden wird und daß damit das Akutwerden der Frage auf das Ende der Woche verschoben ist, wodurch Zeit zu Einigungsverhandlunaen gewonnen wird. Auch das Zentrum legt den größten Wert darauf, diese Frage nicht zur Ursache einer Krise innerhalb der Reaicrunas- koalition reibst werden zu lassen, und insbesondere dürfte man damit, im Voraus der sozialdemokratischen Prene, ote ote Reicbstagsaufiösuna bereits verlangt, wohl die Spitze bereits abgebrochen haben. Im Verlaufe des Montag vormittags bat das Zentrum die Ber- bindungsleute sowohl zu der sozialdemokratischen Partei als auch zur demokratischen Partei geschickt, fodtß einer Einigung innerhalb der Regierungsparteien keine allzugroße Schwierigkeit mehr entaeaensteht.
Pariser Sorgen.
** Paris. Aus einem außerordentlich skeptisch gehaltenen Leitaufsav des bekannten Außenpolitikers Philipp Mittet im «Paris Midi" geht hervor, daß man in politischen Kreisen Frankreichs nicht sicher ist, daß bet der Zusammenkunft Llond Georges mit Poincaree. die am Montag aus Anlaß eines Frühstücks in der Downing Street erfolgen soll, eine politische Aussprache stattfin- det. Millct sagt zwar, daß der Gedanke einer politischen Aussprache sehr natürlich sei. In Paris habe man sogar
daran gedacht. Perettt daran teilnehmen zu lassen, aber es für nützlich gehalten, nichts zu unternehmen, wenn von englischer Serie keine Anregung dazu gegeben wird. Von englischer Seite scheine aber nichts erfolgt zu sein. Man glaube in London, daß Poincaree ein Feind einer näheren Aussprache sei, und unter diesen Umständen wird es bei der Zusammenkunft am Montag nur zu einem banalen Meinungsaustausch kommen. Wie in Boulogne setzt sich Poincaree der Gefahr aus, daß die Stunde der Abreise heranrücke, ohne daß es möglich gewesen sei, die dringendsten Angelegenheiten zur Sprache zu bringest .
** Berlin. (F. G. A.) Der Garantieausschutz ist am Sonntag abend um 7 Uhr von Paris kommend in Berlin eingetroffen. Man nimmt an, daß die Vorbesprechungen mit den Berliner Instanzen am Montag beginnen werden. Die Reichsregierung wird zunächst eine, abwartende Haltung einnehmen, d. h. sie wird Wünsche und Forderungen des Garantieausschustes entgegennehmen und dann in Beratungen darüber eintretenj was davon erfüllt werden kann. Irgendwelche Anleihe^ vorschläge, die es noch in der Vorwoche hegte, wird dett Garantieausschuß jedenfalls nicht nach Berlin bringerü werl dies nicht zu seiner Befugnis gehört. , .<3
Ems Schwenkung Frankreichs?
^ Aus Paris wird gemeldet: Ein offenbar offiziös inspirierter Artikel des „Temps" läßt auf eine bevorstehende Schnienkung der französischen Politik Rußlands gegenüber schließen. Im Widerspruch zu ihrer bisherigen Haltung und im Widerspruch mit ihren zahlreichen früheren Erklärungen scheint die französische Regierung sich neuerdings entschlossen zu haben, nun doch an direkten Verhandlungen mit den Vertretern der Sowjetregierung im Haag teilzunehmen.
BespreHuugeu zwischen Lloyd George und Poincaree.
»°s> Wie die Pariser Blätter aus London berichten, werden den Besprechungen, die Montag nachmittag zwischen Lloyd George und Poincaree stattstnden, folgende fünf Porgrammpunkte zu gründe liegen: L Die Haager Kon- serenz, L die Orientfrage, 3. die Tangerfrage, 4. der französisch-englische Garantievertrag, 5. die Repara- tionsfraqe. Hinsichtlich der Haager Konferenz steht die Frage des Privateigentums in Rrrtzland An Vorder- niger günstig, vor allem wegen der Haltung Frankreichs in der Orientfrage. Dagegen hält man die Atmosphäre für günstig, um die Reparationsfrage zu lösen. Es sei möglich, daß die Vorschläge Sir Robert Hornes und Basil Blachets wieder aufgegriffen werden, die es Frankreich ermöglichen, seine Schulden an England und die Vereinigten Staaten aus den Reparationssorderun- aen zu bezahlen. Allerdings hält man die Zustimmung der Vereinigten Staaten zu dieser Lösung keineswegs iir Der' englisch-französische Gegensatz im Orient.
Aus Paris wird gemeldet: Die englische Regierung hat dieser Tage versucht, sich mit Frankreich über eine gemeinsame Aktion znr Beendigung der Femdseligkei- teu im nahen Orient zu verständigen und zu diesem Zweck eine gemeinschaftliche Demarche Englands, Frankreichs und Italiens in Athen, Konstantinopel und Angara zu unternehmen, die beiden Kriegführenden zur Einnahme der aus der Pariser Orientkonferenz in dcu Grundlinien festgelegten Friedensbedingungen zu ver- anla^m Die französische Regierung hat auf die eng- lifwe State geantwortet und, wie das ^Journal des Debüts" meldet, darin die von Euglmrd gewünschte Demarche bei den Kemalisteu abgelehnt. Sie erklärt, daß sie keinerlei Bedenkeir gegen die von England in Aussicht genommene Veröffentlichung der Akten der Orient- konferenz habe unter der Bedingung, daß diese Verös- feutlichitna auch alle Punkte der Kmsterenz enthält.
Die Ablösung der Amerikaner im Rheinland.
Aus Koblenz wird gemeldet: Im Laufe der nächsten Woche werden über 6000 Franzosen in das bisher von Stmerifanem besetzte Gebiet, und zwar zum west- aus größten Teil nach Koblenz und dessen unmittelbare Stachbarschaft. kommen: außerdem wird tn nächster Zeit ein Artillerieremment eintreffen, das in Kvblenz-Lützcl
Garnison nehmen wird. •. j
Die Teilnahme Frankreichs im Haag.
Paris: Der Sonderberichterstatter des „Matin' will aus sicherer Quelle erfahren haben, Poincaree wirk dem Piinisterrat am Dientag verschlagen, die französischen Sachverständigen an der Konferenz in Haag teil- nehmen zu lassen. »
Der Garantie-Packt.
»-»• Paris. Wie der Sonderberichterstatter des „Echo de Paris" aus London Berichtet, hat die englische Regierung im Laufe der letzten Woche der französischen eine Note überreicht, in der,sie mittetit, daß die Aussprache über den französisch-britischen Packt aufgehoben werden müssen bis zur Regelung der sonstigen zwischen den beiden Ländern in der Schwebe befindlichen Angelegenheiten.
Neuer Zwischeufall in Overschlesien.
»^ Hiubeuburg. (F.G.A.) In Biskupitz ist es zwischen einem Apo-Kommando, das die Gemeindewache abgelöst hatte, und einer kleinen französischen Abteilung zu einem blutigen Zusammenstoß gekommen. Eine große Anzahl von Zivilisten ergriff die Partei der Apv-Be- amten. worauf es zu einem Feuergesecht kam. Eswur- ben zwei Zivilistcu getötet und ein dritter wurde verletzt. der aber auch bald darauf gestorben ist.
Die alliierte» Kriegsschulden.
»^- Paris. lL. A.) Nach der „Chicago Tribuna" beal sic!- tigr Frankreich die Einberufung einer internationokn Konferenz für die Aufhebung der Schulden aas der Kriegszeit.
Störung einer nationalen Feier.
^> Chemnitz. (L. A.) Eine von nationalen Verbänden in Chemnitz veranstaltete Sonnenwendfeier wurde von Kommunisten gestört. Es kam zu einer Schlägerei, bet der zehn Personen erheblich verletzt wurden.
Rückgabe des dentschen Eigentums in Amerika.
Washington. (E. A.) Die amerikanische Regierung verbreitet einen Plan zur Rückerstattung des fequcftief- ten deutschen Eigentums.
Die Gründung der österreichischen Notenbank.
«-«-Wie». Die Regierung läßt halbamtlich bekannt ae- S datz das Zustandekommen der neuen Notenbank
den beschlossenen Abmachunaen bereits gesichert sei., Ueber das Statut, die Ambriuaung der nötigen Mittel: und die Aufteilung an die Teilhaber wird noch verhandelt. Der günstige Verlauf dieser Verhandlungen stelle eine befriedigende Deckung der Noten der altöfterreu s chisch-ungarischen Bank in Aussicht. Die Regieruua plane auch, die Devisenbestände Privater zur Gruirduna der Notenbank beranzuzieüen, und zwar unter Verzicht auf Zwangsmaßnahmen. Als Anreiz zur Zeichnung von Aktien der neuen Notenbank dient u. a. die Zusage einer Verzinsung der auf Gold lautenden Aktien in Gold. Auch soll den Privatzeichnern glaubhaft nach gewiesen werden, daß gezeichnete Devisen nicht verloren gehen. Es liegen auch Mitteilungen ausschlaggebender Organtsattonen, namentlich des Bauernbundes, vor, woraus deren Bereitwilligkeit hervorgeht, auch ihre Devisenbestände zur Zeichuuna von AMen der neuen Notenbank zu benutzem Neben den Verhandlungen über die Gründung der neuen Bank wird weiter eifrig an der Abfassung des Finanzplanes gearbeitet, der die Herstellung des Gleichgewichts des Staatshaushalts zum Ziele hat und am Mittwoch dem Nationalrat vorgelegt werden soll. Er soll mich als Grundlage für die Verbandlungen über den ausländischen Kredit dienen.
Die NeugUederung des Neicher. ;
Im Retchisausschutz des Reichstages wurde der setzentwurs zur Ausführuug des 8 18 der Reichsverfas-i fang beraten. Dieser Artikel bestimmt, Satz die Aende^ runa des Gebietes von Ländern innerhalb des Reiches durch den Willen der Bevölkerung mittels Abstinmrun« möglich ist. Hierauf fuhr im wesentlichen der 8 1 der Re-c gierungsvorlage. Eine Abstimmung der Bevölkerung! kaun danach strittst üben, wenn eines der beteiligten Sand 'der der Gebietsänüeruug oder der neuen Bildunn vorn Ländern nicht zustiumtt. Sie muß stattstnden, wenn Bett Abtrennungen ein Drittel der Stimmberechtigten des aBÄtttreteuden Gebietes eine Abstimmung verlangt. Deri Vertreter Preußens und Abg. Düriuger (bn.) wandten? sich gegen diese Bestiunnungen, während Abg. Koch-We-s ser (D.> in längeren AEührungen für die Fassung des 8 1 der Regierungsvorlage eintrat. Ministerialdirektor Meißner als Vertreter PreEns sprach sich entschieden gegen eine Anerkennung einer Abstimmungsinittative des Reiches aus. Abg. Sollcuanu-Köln (Soz.) erklärte für seine Partei, für die Sozialdemokratie sei entscheidend. daß die Gliederung des Reiches systemattsch sein solle. Dein politischen Ziele der Neugliederung des Reiches diene eine möglichst weitgehende Initiative der Reichsregierung. Der Redner trat für die Regierungsvorlage ein. Abg. Sch«lz-Bromberq sbn.) wies darauf bin, daß bei Zuitinunung zu dem Gesetze die Reichsre- gierung die Möglichkeit habe, jeden Tag einen Bundesstaat in die Luft zu sprengen. Die Initiative und auch die Organisatimr der Abstinnnuna müsse Verwaltungs- angelegenbeit der Länder sein und nicht des Reiches: Der Ansschutz nahm 8 1 im wesentlichen Wortlaut der Fassung der Reichsregierung an und vertagte sich hierauf.
Sn» Nat Se» gestürzt?
In Neuyork eingetroffene Meldungen aus Hongkong berichten die Einnahme vom Kanton durch Cheng Hsiung Ming, sowie die Flucht von Dr. Sun Pat Sem Damit habe die Südchinefische Repnblik zu bestehen auf® gehört und Sun Bai Sen keinerlei Aussichten mehr, je-! malS wieder eine politische Rolle tn China zu spielen.!
Allerlei vom Saga
Der Reichspräsident hat sein Erscheinen zur 1000- Iahrfeier der Stadt Goslar zugesagt. Die Hallptfesttage. sind der 1. und 2. Juli.
Rercüsverkehrsmmister Groeuer weilte in den letzten Tagen in der Gegend von Saalfeld, um sich über die* Saaletalsperrenprojekte näher zu informieren. Man? hofft, datz demnächst die Entscheidung fallen kann, welsches Projekt zur Durchstiüruna kommen soll.
Der Etatsansschntz der Stadt Berlin bat beschlossen, dem Oberbürgerrncister Boeß das Schloß Monbijou als Dienstwohnung anzuweisen.
Der Umsatz der Preußischen Zentralgenosseuschafts- kasse ist im Geschäftsjahr 1921/22 auf 142,9 Mill. Mark gestiegen. Die Bilanzsumme Betrügt 2 042 000 000 Mark, fast das Doppelte des Vorjahres.
In Markaille haben die Reeder alle Matrosen, weil sie drei zur Abfahrt bereite Dampfer boykottterten, aus- gesperrt.
DokkswIMchaWchss.
Rückgang des Fleischverbrauchs auf die Hälfte. Nach der „Statistischen Korrespondenz" kommt unter Berück-