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Reisfelder Tageblatt

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Nr. 141

Montag, den 19» Juni

1933

AbWied von OberschLefien.

Zum Abschied von Oberschlesien erlassen der Reichs, mäsident, die Reichsregieruna und die preußisch Staatsrcgicruna unterm 16. Juni folgenden Ausruf:

An die Oberschlesier! Ein Trauertag ist angebrochen den au vermeiden wir drei Jahre heiß sümpften! Eir Teil Oberschlesiens wird heute in einen fremden Staats- verband einverleibt, ein Teil des Laudes, dessen Unser: Lrennbarkeit so oft von den Staatsmännern und Sach- verftäudiacn aller Länder, am Meister aber von den Oberschlefiern selbst, betont wurde. Ein kostbares Stück deutscher Erde, das in Jahrhunderte langer Arbeit durch

kceustchen Fleiß und deutsche Tüchtigkeit zur höchsten wirtschaftlichen Blüte gebracht worden ist, wird dadurch -ach den ersten Frie-

»m MutterAnde tosgerinen Hensbedinaunaen sollte aau, den Polen auaefyroclien me^c

tHÖlefien kurzerhand Einige der wenigen

Aenderungen, die in Versailles durchgesetzt werden konnten, war das Zugeständnis der Abstimmung. Die Oberschlesier wissen, unter wieviel demmunaen und Schwierigkeiten, wie selbst unter Gefahr für Leib und Leben die deutsche Beoölkeruua an vielen Orten abstim- men mußte. Trotzdem und trotz der wenig verlockenden Lage Deutschlands sprach sich eine große Mehrheit für das alte Vaterland aus., Nunmehr aber hieß es plötz­lich, daß Oberschlesien teilbar sei. Vergebens waren unsere Bemühungen, die Widersacher zu überzeugen, daß nicht nur die Vervilichtuugeu des Versailler Ver­trages, sondern auch das Gebot der wirtschaftlichen Ver­nunft die Einheit fordert. Der Genfer Spruch zerschlug diese blithende lebende Organisation grausam. Gegen diesen Spruch legten wir für alle Zeiten Verwahr

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. Oberschlesier, die Ihr heute von uns scheiden müßt. Euch rufen wir die letzten Abschiedsgrütze zu. Habt Dank für Eure Treue. Die Gefühle, womit Ihr diesen Tag erlebt, teilt mit Euch das deutsche Volk. Wir be­mühten uns durch ein Abkommen mit Polen, Euch und ganz Oberschlesien nach Möglichkeit zu helfen. Auf klarer Rechtsgrundlage soll Euch vor allem das Gut erhalten werden, woran Ihr hängt wie wir: die deutsche Kultur- zeMSinschaft, die deutsche Sprache, das deutsche Heimat- ^ Oberschlesier. Sie Ihr bei uns bleibt die Ihr nach taSrelangem Dulden und Harren^oer regeln herMem^-

wel Euch die Jahre der Bedrückung geschlagen haben. Unser dem Schutze des Rechts und der treibest werdet <>hr wieder Eurer friedlichen Beschäftigung nachgehen und mit uns an dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes, arbeiten. Ihr werdet Euch durch die berechtigte Erbit­terung zu keinen ungesetzlichen Handlungen verführen lassen. Ihr werdet das in Genf geschlossene Abkommen wahren. Ihr wißt, daß eine Kommission unter neutra­ler Führung über den Schutz der Rechte der Polen hier and der Deutschen dort wachen wird und daß Ihr Euren Volksgenossen jenseits der neuen Grenze keinen Dtenft leisten würdet, wenn Ihr für das Erduldete Vergeltung üben wolltet.

Oberschlesier, in der Schickfalsstunde, die Euer Hec- mattand zerreißt, die Brüder vom Bruder trennt, reicht Euch das ganze deutsche Volk die Hand! ^4

Europa zerfleischt sich.

Deutschlands wirtschaftliche Entkraftung geht mi Riesenschritten weiter vor sich. Nicht mehr ist es du Seeblockade, die es unter das Joch des Hungers beugt sondern das sintflutartig steigende Vaiutaeleno. Es steh das soziale Chaos vor sich, in das jetzt DeutschösterreiH w stürzen droht. Es schreit nach Luft in dem luftleerer Valutakerker. Die große Anleihe, die einzige, Deutschland und mit ihm Europa hätte retten können ist in Nebel und Rauch aerftoffeu. litte auch die kleine vor der uns Gott behüten möge, die nichts als ein Er- drosfeluugstnstrument ist, ist zum Glück in unserem Un­glück ebenfalls verflüchtigt.

Die Fiuanzmänuer der Großmächte haben in der letzten Tagen ihre warnenden Stimmen erhoben. Ohn, Verminderung der deutschen Reparationslasten, ohn« Erleichterung der BesatzungSkosten sie betragen jetz: ungefähr sechs Milliarden Goldmärk und ohne dir große Anleihe kann Deutschland trotz all der angespann­testen Sparsamkeit, die uns väterlich anempfohlen wird, nicht mehr lange sich aufrecht erhalten. Aber es reiß! dann auch ganz Europa mit in den Abgrund. Man be- denke, daß die Staaten Europas mehr als le setzt auf­einander angewiesen sind. Althellas ging an den unter sich hadernden Stadtrepubliken zugrunde. Das Deutsch­land vor Napoleon 1. war wegen seiner inneren Hader- politik der ohnmächtige Spielball der in sich gefestigten AuslandSstaaten. Der Weltkrieg aber, der Europa von seiner weltsühreudcn Höhe gestürzt hat, hat es auf sich ganz allein angewiesen. Europa ist tatsächlich setzt im Großen eine Staatenrepublik geworden, wie es einst im Kleinen Althellas und Deutschland waren. Und wenn es da an seinem inneren Hader nicht zugrunde gehen will, so müssen seine einzelnen Teile untereinander gegenseitiges Verständnis haben und gegenseitige Rück­sichtnahme üben oder sie begehen an sich selber Selbst­mord.

Europa steht vor einer Katastrophe und zerfleischt sich selber. Deutschland steht drei Schritte vor dem 9lb= gründ. Deutsch-Oesterreich bereits direkt auf seinem Rand. Die europäischen Staaten aber sind aneinander mit einem unsichtbaren Seile gebunden. Stürzt der rine in den Abgrund, folgen die anderen trotz allen Sträubens mit nach.

i Zu Oesterreich ist in dieser .Woche der vollstüttdige

wirtschaftliche Bankrott eingetreten. Der Brotpreis ist auf 1230 Kronen gestiegen und der Dollar auf 22 000. Das sind furchtbare Zahlen. Nur drei Lösungen gibt es, noch für Deutschösterreich, wenn es nicht im Chaos un-j tergehen will: erstens die Hilfe der Entente, die ihm schörc so lange und oft- versprochen worden ist; zweitens Anschluß an Deutschland, den ihm die Verträge von Versailles und St. Germain verbieten, und drittens her soziale Untergang. Europa hat zu wählem Es spricht^ mit dem Urteil sein eigenes. Noch könnte die Haager, Konferenz, die jetzt eröffnet worden ist, manche Unter­lassungssünde wieder gut machen. Aber auch sie weist jetzt schon die Merkmale der Genueser Hinsälligkeit auf. Frankreich zeiat sich wieder spröde. Es steht diesmal acnz isoliert da. Fehlt es bet der Hauptkonserenz, dann kommt nur das russische Problem zur Sprache, das le­diglich in Sonderverhandlungen abgetan werden wird. rVft denn Europa mit Blindheit geschlagen? Denkt es nicht an den furchtbaren Spruch, den die Weltgeschichte au großen starken Völkern schon hundertmal vollzogen hat:Wen Gott verderben will, den schlägt er mit Blind- beit"? .... _ -------- ----------

Mw*$ Or. iöirigs mit den WWWnA

»»Berlin. (B. T.) Sonnabend vormittag hat der Reichskanzler Dr. Wirth mit den Führern der Koccki- ttonsvarteien eine längere Besprechung über die parla­mentarische Lage gehabt. Insbesondere wurde die Frage der Zwangsanleihe sowie der Erbschaftssteuernovelle und der Geireiöeumlage erörtert. Bezüglich der beiden erst­genannten Punkte dürften keinerlei besondere Schwie- rigkeiten zu erwarten fein. Hingegen ist die Auffassung der Parteien in der Frage der Getreideumlage noch im­mer nicht einheitlich. Die Aussprache des Reichskanz­lers mit den Parteien dürfte am Montag fortgesetzt wer­den. Was die Regierungserklärung des KMzlers über die Reparattonsverhattdlungen und die damit zusam­menhängenden Fragen betrifft, so rechnet man damit/ ; daß sie am Mittwoch erfolgen wird, keinesfalls aber vor diesem Tage zu erwarten ist.

g Verhilligungsmaßnahme« für die Vrotversorguug.

t-, Berlin. Zwischen dem Reichsernährungsnnnister^ und dem Reichssinanzminister schweben gegenwärtig Verhandlungen über VerbiManngsmatznahmen auf dem Gebiete der Brotversorgung. h

>ä Neuer Schiedsspruch für bett RuHrbergvait.

t^ Effcu (Ruhr). Der Schiedsspruch des vom ReichS- arüsitsministerium eingesetzten Ausschusses sieht eine Erhöhung der Tariflöhne im Ruhrkokleubergwerk um durchschnittlich 35 Mark für die Schicht vor und zwar 25 Mark ab 1. Juni und weitere 10 Mark ab 1. Just. Als Ausgleich der Lohnerhöhung kommt nach dem Schiedsspruch lediglich eine entsprechende Erhöhung der Kohleupreise in Frage. Diese neue schwere Belastung des Wirtschaftslebens ist aber, wie erklärt wurde, nur erträglich, wenn die Bergarbeiter sich zu dem Ueber- schichteuabkommeu bereitfinden. Hiervon hangt die Durchführung der Kohlenpreiserhöhung ab.

Neues deutsches Botschaftsgebäude in Rom.

»»Verlitt. (L. A.) Die Reichsregierung hat die Villa Walkowskv in Rom für 4% Millionen Papier-Lire als neues Botschaftsgebäude erworben.

Stapellauf des Dampfers ^olttv^rus^

>» Danzig. (B. T.) Auf der Schichauwerft in Dattzig lief Svuuabend in Gegenwart des Präsidenten Heineken, des Generaldirektors Dimming und einer tausendköpfi- aen Zuschauermenge der Personen- und Frachtdampfer Kolumbus", den die Schichauwerft für den Norddeut- rchen Lloyd erbaut hat, vom Stapel. Das Schiff ist mit 31000 Bruitoregistertonucn und über 40 000 Tonnen Wasserverdrängung nunmehr das größte Schiff der öeM- schen Handelsflotte. . ----- ~

Eine Quittung der Reparattouskommifsto«.

»^«ravis F< As Der Wiederherstellungsausschutz ^S Zeindbundes amttiert in einer offtziellen MittellMiÜ Sber die Bezahlung der 50 Millionen Goldmark.

Deutsche HÜfe für Oesterreich.

«-.Berlin. (F. G. A.) Der deutsche Gesandte in Wien Pfeiffer ist in Berlin eingetrossen. Seine Reste steht im Zusammenhang mit den finanziellen Schwierig­keiten Deutsch-Oesterreichs und mit der Frage, ob und wie Deutschland Hilfe leisten kanm

Russischer Abrüstungsvorschlag.

Koveuhageu. Litwinoff hat der finnischen, der esth- läuüisa en und der polnischen Regierung eine Note zu- St in der er erklärt, daß es der Konferenz von Genua nicht gelungen sei, die Hauptpunkte zur europm- icken k^raae zu lösen, nämlich den dauernden Frieden and den Wiederaufbau. Die russische Regierung wolle daher mit ihren Nachbarländern diese Frage lösen und richtet ai diese die Einladung, Vertreter mit Vollmach­en zu einer Konferenz zu entsenden, die Stellung zu nehmen habe zu einer gegenseitigen verhültnlsmGigen £era^ der Wehrruacht. Lrtwinoff erklärt schlietz- F:^ ;,. (Svon den drei Regierungen eine baldige Ant- woN zu erhallen, zugleich mit Vorschlägen über den Zeitpunkt und den Ort, wo die Konierduz abgehalten werden solle.

Ftalienseindliche Kuudgebuugen in Alvauien.

cF Z.) Aus Albauieu wird eine Reihe theilte!Üblicher Kundgebungen gemeldet. U. a griffen Abanstcbe Soldaten das italienische Postamt mDnrazzo w rissen das Wappenschild herab und zertrümmerten Me Fensterscheiben. Das Konsulat ist der Ueberzeugung, daß di? Handlungen mit Wissen der a banischen Behörde Mf südslawische Anstiftungen.erfolgten^

Spaltung der Sozialistischen Partei in Italien.

x Rom. Wie die demokratische Partei in fünf Grup­pen, so droht die sozialistische Partei in drei Gruppen, und zwar die Anhänger Turattts, die Freunde Serratis und die Kourmunisten, auseinanderzufallen. Trotz des gegenteiligen Beschlusses des Nationalrates haben sich die Parlamentsmitglieder von neuem für die Mitarbeit ausgesprochen, um den weiteren rapiden Abfall der Ar­beiter vom Sozialismus vorzubeugen. Der Nattonal- rat hat einen außerordentlichen Sozialistenkongretz zur Entscheidung dieser Pläne einberufen.

Dementis.

' w Berlin. (B. T.) Wie von zuständiger Seite mit- geteilt wird, ist die Meldung, daß zwischen der Garan­tiekommission und der Killegslastenkommission Ver­handlungen über eine kleine Anleihe für DeutsÄanö stattfinden, unzutreffend.

»»Brüssel. (Bts.) Das Zentralorgan der belgischen Sozialdenwkratischen ParteiLe Peiwle" dementtert die. Nachricht, daß Sander beide in Moskau ermordet nwr- ben sei........

Das Präsidium des Waldeckischen Landtages.

r^-Arolsen. Am Freitag rmchmittag fand durch den Landesdirektor Dr. Schmieding die Eröffnung der neu- Ölten waldeckischen Landesvertretung statt. Die des Präsidiums.ergab: Präsident: Äbg. Walö- schmiöt-Corbach (D. N.), Vizepräsident: Abg. Kramerj (Soz.) und Schriftführer: Abg. Herwig (D. Vpü)

Die Uehergahe Oberschlesieus.

»» Kattowitz. (L. A.) Hier ist die deutsche Polizei auf­gelöst und die polnische Polizei in Tättgkeft getreten.

Verhandlungen über die Teuerungszulagen.

^»Berlin. Die Verhandlungen zwischen der Regie­rung und den Beamtenorganisationen über die von deck Beamten geforderten Teueruugszuschlägen werden am Dienstag beginnen.

Eine Anfrage der Uuavhäugigeu.

h- Berlin. Die Ernennung des Kapitäns zur See von Löwenfeld zum Kommandanten des kleinen Kreuzers Berlin" ist von unabhängiger Seite zum Gegenstand einer Anfrage im Reichstag gemacht worden, in der auf die Tätigkeit

hingewiesen und gefragt wurde, ob die Regierung der Auffafsunq sei. Satz Löweufeld die geeignete Persönlich­keit ist, als Führer eines republikanischen Schiffes mit dem Auslande Beziehungen anzriknüpfen..

' Die Haager Borkoufereuz. T

^ Haag. (D. A. Z.) Die nächste Sitzung der Haager Sachverständigenkonferenz am Montag um 3 Uhr nach­mittags wird gleichzeitig die Schlußsitzung der sog. Vor­konferenz fein. In dieser Sitzung werden die Asttglie­ber der einzelnen Kommissionen ernannt werden. Außer­dem wird die Wähl des Präsidenteir stattfindem Nach diesen: Akt gilt von Karnebeeks Aufgabe für beendet!

Die russische Abordnung für den Haag.

-S Kopenhageu. Nach einem Funkspruch aus Moskau werden die russischen Sachverständigen für die Konfe­renz im Haag am 19. Zuni nach dem Haag abreifen. Der Vorsitzende der Abordnung ist Litwinoff. Die übrigen Sachverständigen sind Rakowski, Kerenski, Sokoluikr und Krassin.

Italiens Haltung zur Haager Konferenz.

»-»Rom. <L. All Der Italienische Autzemninister Schanzer aab im römischen Senat eine ausführlick^ Dar­legung über die Haltung Italiens gegenüber Rutzlatw und der Haager Konferenz.

Das bedrohte Frankreich.

^London. Am Freitag hielt der zu den Verduner Feierlichkeiten eingetroffene Marschall Petaiu eine Rede, in der er Frankreichs Rüstungen mit der Fortdauer der deutschen Gefahr zu rechtfertigen versuchte. Noch im­mer kämeDeutschland über alles" über den Rhein und täglich hieße es in propagandistischen Reden und Arti­keln, daß Deutschland die Waffen noth nicht nieder gelegt habe. Gleichzeitig beschuldigte der französische Bot,Las­ter in einer Siebe vor der hiesigen französischen Handels­kammer die deutsche Regierung, sie habe die Markem- ivertung Lbsiä-Lich herbeigeftihrt. Frankreich habe von Deutschland »och febien Pfennig für die Entschädigungen erhalten und sei entschlossen, dieser wahnsinnigen Polc- Ht ein ©ehe zu machen.

Interpellationen an Potucaree.

»^ Paris. Der angetündigte Gesetzentwurf über die Verwendung einer Nestsumme der Kredite für die Kon­ferenz von Genua zur Dcckimg der Kosten der Konfe-- renz im Haag ist, wie das "Echo de PariS" mitteilt, der Kammer angegangen. Das Blatt kündigt eine große Debatte über die Antzenpolifik an. Die Senatoren Fran- cois Albert und de Iouveuell werden den Ministerprä­sidenten Potucaree darüber interpellieren, wie er im Haag und in seinen Beziehungen mit den Staatsmän­nern der Verbündeten die Interessen der französischen Wiederherstellmlg und der europäischen Wiederaufbau- . politik zu wahren gedenkt.

Allerlei vom Tag«

. Der Reichsverband der deutschen land- und forsi- wirtschaftliche« Arbeitgeber-Verciuigunqcn tritt am 24. Juni zu einer Tagung in Nürnberg zusammen.

Mmlsicrpräfidcnt Poiucarcc ist nach London ab- aereift. . ,