Scheu der Kartoffel- uud Gemjeusi.
Der Direktor der inneren Abteilung des Kranken- hausesCharlottenburg-Westend, Professor Dr. Friedrich Vmber, hat vor wenigen Tagen in einer Sitzung der Medizinischen Gesellschaft Skorbutkranke vorgestellt. Das Auftreten des Skorbutes gerade in der gegenwärtigen Zeit ist nicht nur eine die medizinische Wissenschaft interessierende Angelegenheit, sondern ein Symptom, beweiskräftiger als vieles andere, für die tn breiten Volksschichten herrschenden Ernährunas- verhältniffe. Professor Umber erklärte einem Mit- arbeitet -es „Berl. Tagebl":
Die Ursachen für das Wiederauftreten von Skor» dut liegen im Mangel an frischem Gemüse. Die Pflanzen, die der Mensch zu seiner Ernährung braucht und von denen er abhängig ist, enthalten Stoffe, die die Wissenschaft Vitamine nennt. Fehlen sie in der Nahrung, dann treten schwere Krankheiten auf. Es gibt Vitamine deren Fehlen Rachitis verurfacht, andere Vitamine, deren Fehlen die besonders im fernen Osten gefürchtet« Bert Beri-Krankheit zur Folge hat und Vitamine, deren Fehlen Skorbut hervorruft. Diese Vitamine finden sich nur in lebenden Pflanzen; es find Stoffe, die sich der Körper aus den Pflanzen nicht selbst bereiten kann, sondern, die ausschließlich von der Pflanze erzeugt werden.
Weshalb treten nun gerade in diesem Jahre so zahlreiche Fälle von Skorbut auf? Weil die in Deutschland reichlich vorhandenen Mengen an frischem Gemüse der Großstadtbevölkerung nicht zugeführt werben oder wegen des hohen Preises einer großen Unzahl von Menschen unerschwinglich sind. Wir haben genug Kartoffeln und Gemüse in Deutschland, deren Vitamine uns sicheren Schutz vor Skorbut bieten, aber trotzdem haben Tausende und aber Tausende Kartoffeln wochen- und monatelang ent- behren müssen. Das kann für die Volksgesundheit nicht ohne Folgen bleiben. Eine dieser Folgen ist das Wiederauftreten von Skorbut, von dem man weiß, daß von ihm in unserer Zeit nur Matrosen aus Segelschiffen, die durch widrige Umstände Monate hindurch ohne frisches Gemüse gewesen sind, oder Polarfahrer aus dem gleichen Grunde befallen wurden.
Weil die Ursachen dieser Krankheit so klar zutage liegen, sind Fälle von Skorbut, obwohl sie bei Anhalten der Ursachen tödlich verlaufen, bei richtig gestellter Diagnose in wenigen Tagen mit Sicherheit zu heilen Es kommt eben darauf an, den Skorbut- krarken sofort vitaminhaltige Nahrung zuzuführen. 3n den von mir behandelten Fällen ergab sich eine rasche Gesundung bei Kranken nach dem Trinken von Kiefernadeltee. Die Nadeln werden zerstampft und dann mit Waffer abgebrüht. Nach diesem Tee, der durchaus gern genommen wurde, trat im Befinden der Kranken sehr rasch eine völlige Befferung ein,
dank des reichlichen Vitamingehaltcs der Nadeln. Der gleiche Erfolg läßt sich natürlich auch erreichen durch Darbietung des lange entbehrten frischen Gemüses.
Die von mir behandelten Skorbutkranken entstammten allen sozialen Schichten. Bon den sieben war nur einer Arbeiter, die anderen waren Beamte, Architekten und ähnliches. Ein deutlicher Hinweis auf die Krankheitsursache ist aber der Umstand, daß die Erkrankten sämtlich Junggesellen im Alter von 40 bis 68 Jahren waren, und daß die einzige Frau, die ich als skorbutkrank behandelte, ebenfalls ledig war. Es hat also den Anschein, daß gerade die Ledigen unter der gemüsearmen Ernährung -er letzten Monate am meisten zu leiden hatten, und daß ihre Nahrung am wenigsten zweckmäßig bereitet wird.
Mi Storni uns WWiMMrm.
Die Frage -es Wiederaufbaues und der Gesundung des deutschen Wirtschaftskörpers gipfelt in dem Programm der Volksernährung. Je mehr die Verarmung der deutschen Wirtschaft infolge des Versailler Diktats fortschreitet, je weniger wir aus Mangel an Zahlungsfähigkeit in der Lage sind, teure ausländische Nahrunas- mittel einzuführen, umso größer wird unsere Sorge um das tägliche Brot, um die Ernährung unseres Volkes. Diese Sorge -rückt umso schwerer, als wir bereits vor -ein Kriege ca. 15 Prozent unseres Nahrungsbedarfs ein- füOrten und ca. 12 Proz. der früheren Anbaufläche verloren haben, die reiche Ueberschutzaebiete darstellten. Die Ernten sind bekanntlich infolae des Krieges ganz erheblich zurückgegangen. Der niedrigste Stand der Erträge in den Jahren 1919/20 ist Gott sei Dank überschritten und hat einer erfreulichen Aufwärtsbewegung Platz gemacht; wir blieben aber im letzten Jahr immer noch ca. 20 bis 25 Prozent hinter den normalen Friedensernten zurück. Die Aufgabe, die der deutschen Landwirtschaft zufällt, nämlich das deutsche Volk in der Hauptsache aus den Ernten der eigenen Scholle zu ernähren, ist eine ganz gewaltige, denn sie fordert nicht nur eine schnelle Steigerung der Ernten auf die Friedenshöhe, sondern darüber hinaus auch Ersatz für die verlorengegangenen Ueberschutzgebiete. Dieses Ziel kann im Lauf von wenigen Jahren erreicht werden, vorausgesetzt, daß die Vorbedingungen hierfür erfüllt sind, daß namentlich, die notwendigen Betriebsmittel zur Verfügung stehen und ein Anreiz zur Intensivierung der Bodenkultur in einer angemessenen Rentabilität gegeben ist.
Heute ist es die höchste vaterländische Pflicht jedes Landwirts, aus seinem Boden soviel wie möglich an Erntemaisen herauszuholen. Neben der Verbesserung der Bodenbearbeitung und Arrbaumethoden, der Einführung zweckmäßiger Fruchtfolgen, Verwendung ngepaß- ter und leistungsfähiger Sorten, sorgsamer Pflege der Kulturpflanzen, Bekämpfung von Pflanzenkraukheiten und Pflanzenschädlingen wird der Düngeraufwand der wichtigste dieser Faktoren fein. Die überhaupt erreichbare Ertragssteigerung, zu der wir im Interesse der Si- cherstellung der Volksernährung gelangen müssen, wird
und Rei
etwa zur Hälfte auetn der Wirkung des Kunstdüngers zu- zuschreiben sein. Wir dürfen unsere Kulturpflanzen nicht länger hungern lassen, sondern müssen ihnen zur Erzielung von Höchsternien alle notwendigen Nährstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung stellen. Da der Stalldünger und die Gründüngung hierfür nicht ausrci- chen, muß zu einer gesteigerten Anwendung der künstli- cheu Düngemittel gegriffen werden, und zwar zum Stickstoff, Kali, Phosphorsäure und Kalk. Voraussetzung für eine günstige Wirkung des Kumstdüngers ist seine sachgemäße Anwendung. Der Landwirt muß daher über diese Frage, um Fehler zu vermeiden, möglichst gut uu- rerrichtet sein.
Die Rentabilität der Kunstdüngeranwendung steht außer jedem Zweifel und ist heute erheblich günstiger als vor dem Kriege, wenn auch das Risiko größer geworden ist. Es sollte daher kein Landwirt versäumen, im steigenden Maße Kunstdüngemittel zur Erhöhung seiner Roh- und Reinerträge zu verwenden. Besonders die große Zahl der kleineren Landwirte, die 72 Prozent des gesamten bewirtschafteten deutschen Bodens in der Hand haben, müssen in ihrem eigenen und im Bolksinteresse dazu übergehen, intensiver als bisher zu wirtschaften, unb dazu gehört in erster Linie die Verwendung von Kunstdünger, wobei der Stickstoffdünger als der wichtigste genannt sein mag. Gerade an diesem Nährstoff, der die Ernteerträge am stärksten beeinflußt, mangelt es in den meisten Fällen, wenn auch zur normalen Ausnutzung des Stickstoffs es an den übrigen Nährstoffen, wie Kali, Phosphorsäure und Kalk, nicht fehlen darf. Die Nachfrage nach Kunstdünger, besonders nach Stickstoff und Phosphorsäuredünger ist so groß, daß immer wieder möglichst frühzeitiger Bezug empfohlen werden muß. Die „künstliche Düngung" muß auch bei dem kleinsten Landwirt Einzug halten und auf Acker, Wiesen und Weiden Anwendung finden, um das große Ziel der Ernährung des deutschen Volkes aus der eigenen Scholle.möglichst bald und sicher zu erreichen. -^^ «-^ ^"' ^
Turnen, Spiel und Wandern.
Bei der wandernden Jugend werden nachstehende Mitteilungen gewiß große Freude auslösen: Auf der Burgruine Tannenberg bei Nentershausen ist Ende vorigen Jahres eine Jugendherberge eingerichtet worden. Sie steht der gesamten wandernden Schuljugend (unter Führung» und der schulentlassenen Jugend offen. In einem wohnlich eingerichteten Lagesraum ist Kochgelegenheit auch zum Abkochen für größere Gruppen vorhanden. In 2 Schlafräumen sind 20 Bettstellen mit Strohsäcken und 40 Decken untergebracht. Ein Ausflug nach der auf waldiger Bergeshöhe herrlich gelegenen Herberge kann fehr empfohlen werden.
Vorherige Anmeldungen mit beigefügter Rück- antwortskarte sind dringend erwünscht und zu richten an den Herbergsleiter, den praktischen Arzt Herr» Dr. Schröder in Nentershausen bei Sontra.
Hersfeld, den 8. Juni 1922.
No c x 6 der Verordnung vom 25. Mai 1887 bezw. 21. Juli 1802, betreffend die Errichtung einer ärztlichen Etandesvertletung, findet im Monat November b. Js. eine Neuwahl der Aerztekammer für die Provinz Heffen-Naffau statt.
EäMncöiHchauMburg-L'ppe, Wal-eck und Reg. Bez. Wiesbuten, liegt in der Zeit vom 16 Juni bis einschließlich 30. Juni d. Js. in meinem Büro Zimmer Nr. 8 zur Einsichtnahme durch die Herren Aerzte des Kreises aus.
Tgb. 1. Nr. 5185.
Der Landrat. J. V.: Funke.
Kirchliche Nachrichten.! Gesunde«
Donnerstag, den 15. Juni. .„ ------------ „
Katholischer Gottesdienst. Fronleichnamsfest.
7 Uhr hl. Messe.
•/<10 Uhr Hochamt u. Prozession.
.2
ortemonnaie mit
Abzuholen in der Geschäftsstelle d. Blattes.
Belanktmachnoseo der StadtbehSrde»
Dersorgungsberechtigte Personen erhalten eine
SMerzulöge an Brot oder Mehl.
Die Bezugsscheine aus ein Brot im Gewicht von 1900 Gramm oder 1400 Gramm Mehl müssen bis zum Montag den 18. d. Mts. beim Bäcker oder Mehl- händler eingelöft sei«. Die Ausgabe der Scheine erfolgt: für die Bezirke 1 bis 12 Donnerstag, den 15. d. Mts.
* * * 13 „ 26 Freitag, , 16. „ „
„ „ „ 27 „ 40 Sonnabend, „ 17. „ „
jedesmal vormittags von 8 bis 1 Uhr im Rathaus, Zimmer 13.
Für Kalkobes, Freitag, den 16. d. Mts. von 3 bis 4 Uhr nachmittags in der Otto'schen Wirtschaft.
Außerdem kann an besonders bedürftige Familien, die keine oder nicht genügend Kartoffeln besitzen, eine Sonderzulage gegeben werden. Meldungen werden bei der obigen Bezugsscheinausgabe entgegengenommen. Nach diesem Zeitpunkt können Anträge nicht mehr berücksichtigt werden.
Der Magistrat.
In unserem neuen Kursaal veranstalten wir an jedem Sonnabend, zum ersten Male am 17. Juni abends 8 Uhr
einen Tanzabend
für die Inhaber von Kurkarten, Tanzkartenvorverkauf von heute ab in unserem Büro.
Kurverwaltung.
nach Beiershausen.
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werden zu dauerhaft, ßerrei- und Damenfdeld-Sioff. bitt. umgearb. b der Webwollerei Carl Schuh hardw- bach 3 (Oberhessen).
------ Vertreter gesucht ------
Bilanz am 3t Dezember 1W
Aktiva:
Kaffenbestand am Jahresschluß . . Mk.
Forderungen aus Darlehen u.Kaufgeldern „ Landw. Zentral-Darlehnskasse für Deutschland: Einzahlung auf 20 Aktien . „
Beteiligung bei seinstigen Unternehmungen „ Forderungen aus laufender Rechnung . „ Forderungen aus Warenlieferungen . „ Immobilien, Mobilien u. sonstiges Inventar . . . . .
Kriegsanleihen 71 000 Mk. . . .
18219,05
178364,54
20000,—
1000,—
900297,32
14669,43
274,90
69660,—
Summe Mk. 1202485,24
Passiva:
Geschäftsguthaben der Mitglieder.
Spar- und Depositengelder .
Schuld aus laufender Rechnung . Kursdifferenz der Kriegsanleihen:
666,— 1183087,30 36286,09
Vorjahr
. 4970,— Mk.
Neuabschreibung 4000,— „
Stiftungsfonds nach Zuschr. des vorj. Gewinns . . . .
Reservefonds nach Zuschr. des vorj. Gewinns.....
Mithin Gewinn .
8970,—
17285,84
4234,79
Summe Mk. 1200530,02
1955,21
Mitgliederzahl Ende 1920: 223, Zugang 1921: 5, Abgang 1921: —, Ende 1921 : 228.
Hausbücher Varlebuskarsenvereln e. & m. u. y
Christian Scheer. Adam Maikranz. Jakob Burghardt.
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