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Hersfelöer Tageblatt Hersfelöer Kreisblatt" fimtiicher Myeiger für -en kreis tzersfelö

Nr 136 Dienstag, den 13. Juni 1922

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Anzeigenpreis für die einspaltige Petitzeile oder ; deren Raum 1.50 Mark, für auswärts 2.50 Mark, ; die Reklamezeile 5. MK. Bei Wiederholungen Dachsafc. + Für die Schriftleilung Derantmorflich ;

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®e fWÄl lies WeWMMGes.

Aus Paris wird gemeldet: Der Bericht des Anleihe- komitees schildert eingehend die Bestimmungen, auf Grund deren das Komitee berufen wurde, nämlich ins­besondere 1. die Bedingungen zu prüfen, unter denen eine Anleihe ausgenommen werden könnte, und den Betrag, der nach vernünftigem Ermessen in der nächsten Zukunft und insbesondere im Verlauf der nächsten bei­den -Jahre erwartet werden könnte, 2. die Sicherheiten, die für die etwaigen Geldgeber verfügbar gemacht wer­den könnten, ohne das künftige Reparationsintereue in unbilliger Weise zu beeinträchtigen: 8. Die Art. und Weise, in der die für den Dienst der Anleihe verpfände­ten Einnahmen und sonstigen Werte überprüft und ver­waltet werden sollen, und die Beziehungen, die zwischen der deutschen Regierung und den Vertretern der Geld­geber und der Reparationskommisslon zu schassen lind. Ferner wird noch einmal die Anfrage des Anlechekomi- tees an den Wiederherstellungsausschuß vom 1. Juni erwähnt, hinsichtlich der Tragweite der Bedingungen, insbesondere aber die Auslegung und Berücksichtigung de« Friedensoertrages von Versailles und des Londo-

«er Ultimatums.

Nun schildert der Bericht die Lage nach dem Erhalt der "bekannten Antwort des Wiederherstellunasausfchus-

die Möglichkeit neuer Begrenzungen von Deutschlands Verpflichtungen mit sich bringen könnte, beschloß das Gnwitee daß es im Augenblick seine Untersuchungen mit Nutzen nicht fortsetzen könne und daß es sich deshalb darauf beschränken mußte, eine Antwort auf dre ur- fiiTürrnTirfie an es gerichtete Frage zu erretten uno KiLitia Le Gründe für diese Entscheidung anzu-

Hier:

Das Schlutzergebnis des Berichtes wirdu. a.m»;

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fAnne mäbren wenn Nicht eine sofortige ©ufv vo>oec geht. Aber falls das Problem unter den angereateu besseren Umständen und mit wirklicher Aussicht auf eine endgültige Regelung erneut erwogen werden sollte, ist da« Komiteeder Ansicht, daß die Haupthindernisse, die SS einer Anleihe gegenüberstehen sich wahr-

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bewahren. Das Komitee braucht kaum ümzuzuiugen, L es uMer Umständen sich.freuen wurde 'ede nfm- ner Macht liegende Unterstützung, sowohl hiiMMtucu einer derart begrenzten Anleihe "^ mE hinnchtuch - größeren bedeutungsvolleren Problems zu gewahren.

Englands AutWort an Frankreich.

Sonntag morgen ist im französischen Auswärtigen Amt die englische Antwort auf das Memorariomn vom 1. Juni eingetroffen, nachdem die französische ^eunrnng die Vorbedingungen für die ?lnteilnahme an der. ton- serenz inr Haag bekanntgeaeben hatte. Das Dorumem umfaßt 12 Seiten. Die französische Haup sorder ug, daß Rußland das Memorandum vom 11. Mai formell zurückzuziehen habe, wird glatt abgelehnt mit dem Be- ü crfCH, daß dies schon durch die Berhandluug von Ge­nua überholt sei. Die Note erhebt gegen das franzö­sische Memorandum den Vorwurf, daß es um reiner formeller Dinge willen den praktischen Notwendigkel- ten keine Rechnung trage und im übrigen nicht ganz mit den Grundsätzen von Cannes und Genua überem- stirume. Der von den Sowjets beschlagnahmte Vr'vat- besitz müsse zurückerstattet und angemessen entschädigt werden, aber man dürfe von der Sowjctregierung nicht mehr verlangen als von jeder anderen Regierung. Wenn man Sowietrußlmld ein Ultimatum stelle, ver­hindere man jeden Erfolg der Haager Verhandlungen und mache sie deshalb überflüssig. Die englische Note betont noch, England werde Sachverständige nach dem Haag entsenden, aber es würden sich keine diplomati­schen Vertreter darunter befinden. . ^ -

Die Kosten der Besatzung.

Dem Reichstag ging eine neue Denkschrift des Reichsschatzministeriums über die Kosten der Rhein­landbesatzung zu. Aus der früheren Denkschrift ist be- laum, daß sich die Kosten der Rheinlandbesatzung be­reits bis Ende März 1921 auf rund vier Milliarden Goldmark, Sie Ausgaben der Besatzungsmächte auf etwa 7,3 Milliarden Papiermark beliefen, die dem deutschen Reiche durch direkte Leistungen für die interalliierte Rheinlandkommission und die Besatzung im Rheinlande erwachsen waren. Diese Zahlen stehen im Einklang mit der auch von der amerikanischen Presse im November 1921 gebrachten Mitteilung, wonach laut Schätzung einer besonderen, von der Reparationskommission in Paris eingesetzten Kommission die seit dem Waffenstillstand bis Ende März 1921 entstandenen Kosten für den Un­terhalt der Besatzungsheere eine Milliarde Dollar be­tragen haben. Für acht Monate des Jahres, vom L Mai 1921 bis 31. Dezember 1921, betragen die Ausgaben der Besatzungsmächte unter Zugrundelegung der Auf­stellung der Reparattonskommission rund eine Milliarde Goldmark, die zu den oben genannten vier Milliarden Goldmark noch hinzuzurechnen sind. An direkten Aus­gaben hat das deutsche Reich in jenem Zeitraum noch etwa 3,9 Milliarden Papiermark gehabt, die zu den oben genannten 7,3 Milliarden Papiermark noch hirrzuzu- rechnen sind. Die Rheinlandkommission allein hat in den letzten acht Monaten des Jahres 1921 einen Kosten­aufwand von 178 552 000 Mark verursacht. Die Kosten der französischen Abteilung der Kommission haben sich vom ersten Vierteljahr 1920 bis zum vierten Viertel­jahr 1921 beinahe versiebenfacht. Die Unterbringung des Vorsitzenden der Rheinlandkommission erforderte einen Aufwand von 1% Millionen Mark. Die Woh­nungseinrichtung eines Kreisdelegierten hat rund 460 000 Mark gekostet. An Einzelheiten aus dieser Woh­nungseinrichtung sind zu erwähnen: EineBetthimmel- hinterwand" aus blauer Seide 954 M., zwei Steppdecken (rosa Seide) 19150 M., vier indische Teppiche zu 1300, 1275, 3400 und 3950 M., ein Belourteppich zu 2100 M., ein Boucherteppich 3500 M., ein Schreibzeug mit Loicher 1353 M., eine Schreibmappe 1695 M. usw. Für die Er­richtung von Bordellen für dS Bomtzungstruppen hat das ^ifr bis -. ^^ wr. zu nesayletk. Für Truppenübungsplätze wurden landwirt­schaftliche Betriebe im Werte von rund 2,5 Milliarden Mark und 167 Fabrikanlagen fm Werte von rund 74 Millionen Mark beschlagnahmt. Während die deutsche Armee im besetzten Gebiet nur neun Flugplätze hatte, haben die Ententemächte bis zum 1. November 1921 24 neue Flugplätze angelegt und damit 133 Hektar zum Teil besten Ackerbodens der landwirtschaftlichen Be- Nutzung entzogen. Aehnlich liegt es mit den Schieß- und Exerzierplätzen. Für Wohnungszwecke waren am 1. Dezember 1921 von der Rheinlandbesatzung insgesamt 9700 Wohnungen, außerdem 13 000 Einzelzimmer be­schlagnahmt. Während die deutschen Garnisonen rm jetzi­gen besetzten Gebiet etwa 70 000 Kopse stark waren, be­trug am 1. Dezember 1921 die alliierte Besatzungsstarke noch mindestens 130 000 Köpfe. Im ganzen sind bis Ende März 1922 5,5 Milliarden Goldmark und 14 Mil­liarden Papiermark ausgelaufen, ohne die. .Kosten für die TriippenRn den neubesetzten rechtsrheinischen Ge- bietem

Neue Kämpfe in Oberschlesien.

m> Aus Beuchen wird gemeldet: In der Nacht zum Sonntag, besonders in den frühen Morgenstunden, war wieder lebhaftes Schießen in der Richtung aus SoSen- linde vernehmbar. Soweit es sich bis jetzt feststellen ließ, waren auf beiden Seiten gegen 300 Mann am Kampfe beteiligt. Sieben Verwundete wurden nach Königshütte und Beuthen gebracht.

Zwischenfälle bei einer Hindeuburgfeier. y^-Aus Königsberg wird gemeldet: Bei der Kundge­bung für den Geiieralfeldmarschall vvu Hittdenburgkam ,e§ zu bedauerlichen Zwischensällen. Die Linksparteien hatten die Veranstaltung von Gegenlundgebungen ange- kündigt. Die Massen sammelten üm in der Nähe der Anmarschstraßen, auf denen das Militär in die Kasernen einrückte. Die Straßen sollten nach Verabredung mit dem Polizeipräsidenten von vormitrags 11 Uhr an sur die Truppen frei sein. Dieses Versprechen war sedoch nichl gehalten worden. Beim Anmarsch der Truppen karn es zu Zusammenstößen zwisch«:» Linksradikalen uns Reichswehrangehörigen. Ein besonders planmäßiger Angriff richtete sich gegen die zweite Abteilung des Ar- tillerieregimcnts 1 in der Königsallee mit der zweifello­sen Absicht, die Truppen zu entwaffnen. Mit Stöcken und Steinen wurde gegen die letzten Truppen der Ab­teilung vorgegangen. Einem Unteroffizier wurde der Karabiner entrissen, mehrere Mannschaften tätlich miß­handelt. In dem entstehenden Handgemenge waren die Truppen gezwungen, zur Waffe zu greifen und wehr­ten sich teils mit dem Kolveii. teils mit dem ausgepflanz- terl Seiicngewehr. Einzelne besonders bedrohte Leute mußten von der Schußwaffe Gebrauch machen. Eine Zivilperson wurde durch Bajonettstiche getötet. Vier Demonstranten sind durch Oberschenkelschüsse verwundet worden. Der Rückmarsch erfolgte reibungslos.

Schekisrn der Verhandlungen im Bergbau,

«j. Aus Bochum wird gemeldet: Die Verhandlungen der vier Bergarbeiterverbünde hat am Sonmag nach siebenstuudiger Verhandlung das mit der ArbeitSge- meük'äm't fite den Bergbau unter Mitwirkmlg des Reichsarbeitsministers Dr. Brauns abacschlosseue vor­

läufige Abkommen über die Lohnregelung, die uever- stuubeufrage und den Manteltarif mit 350 gegen 98 Stimmen bei zahlreichen Stimmenthaltungen avgelehnt. Die meisten Redner lehnten insbesondere die Uebersch-ch- ten ab und richteten heftige Angriffe gegen die 9ie= gierung.

*

Ueber die Bedeutung einer friedlichen Regelung der schwebenden Fragen, insbesondere einer Steigerung der Kohlenförderung, wird derT. U." von amtlicher Seite Mitgeteilt: Die Lohnfragen im Kohlenbergbau stellen die Regierurrg und die beteiligten Organisationen vor ganz außerordentliche Schwierigkeiten. Der bisherige Weg, die notwendig werdenden Lohnerhöhungen restlos auf den Kohlenpreis umzurechnen, ist nicht mehr gang­bar, da die Kohlenpreise bereits an die Weltniarktprnse herangekommen sind. Andererseits ist im gegenwärtigen Augenblick ein Abbau der Kohlensteuer aus zwingenden Gründen unmöglich. Zu diesen Schwierigkeiten tritt noch die dringende Sorge um die Erhaltung der deut­schen Wirtschaft. Wir haben bereits eine stark steigeuds Einfuhr an ausländischer Kohle, die im Mai schon auf 7000 Tonnen angewachsen ist. Diese Einfuhr ermöglicht zwar die Beschäftigung von rund einer Million deut über Arbeiter, entzieht tber der deutschen Volkswirtschaft mhr- lich ungefähr 16 Milliarden Mark an Zahlungsnutteln, wodurch die Mark weiter entwertet wird. Will mau diese Einfuhr überflüssig machen und den Bergarbeitern eine angemeüene Lohnerhöhung gewähren, so sind Riag- nahmen zur Erreichung einer entsprecheudeu Mehrföroe- rung in den deutschen Steinkohlenrevieren unabweisbar. Nach langwährenden Verhandlungen in Berlrn landen am 7. und 8. Juni weitere Verhandlungen in Esien zwi­schen den Zechenverbänden und den vier Bergarbei! er- Verbänden unter dem Vorsitz des Reichsarbettsiniiiisters Statt, die zu einem befriedigenden Ergebnis hiiistchtüch der Lohnfrage führten und glich in der Frage der Mehr- köröeiunq eine Lösung fanden, die uns mmdeüen» für siuige Monate vom Bezrra ausländischer Kohlerr unab- Angig machen würde. Das Abkvinmen ist aber von der BeÄreterkonfereuz der Bergarbeiterverbände abgelegnt -

worden. _ *

»»MSnche«. TE. M Reichspräsident ESert wurde bei seiner Ankunft in München vom bayerischen Mini­sterpräsidenten, dem Minister des Innern, dem Land- wirtschaftsminister, dem Landtagspräsidenten und dem Reichsgesandten empfangen. Bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof ertönten in die Beqrützunasrufe auch schrille! Pfiffe. Die Polizei verhaftete einige Lärmmacher. Ins Ministerium des Innern fand eine offizielle Begrü­ßung des Reichspräsidenten durch den Ministerprttsi-! denten Graf LerckenfelS statt. Der Ministerpräsident gab der Erwartung Ausdruck, daß die bayerisches Hoheitsrechte von reichswegen gewahrt bleiben. Des Ministerpräsident wünschte auch, daß die Anwesenbe« des Reichsrpäsidenten in Bayern dazu beitragen werdet die Wertschätzung und das Vertrauen. Sie die Grund­lage der ersprießlichen Arbeit bilden, zu befestigen. Reichspräsident Ebert erwiderte mit einem Dankeswork für die Einladung zur Gewerbeschau und versicherte Satz auch er großen Wert auf ein ZusammenarbetteN der Reichsleitung mit der bayerischen Regierung lege. Vom Ministerium des Innern curs begab sich Reichs­präsident Ebert in Begleitung der Minister in daS Landtagsgebäude. Landtagspräsident Königsbauer hielt eine Ansprache, worin er versicherte, daß Bayern auf die Wiedergesundung Deutschlands vertraue und be­müht sei, seinen Teil am Wiederaufbau zu leisten. Zu einer fruchtbaren Verwertung aller Kräfte des Volkes gehöre aber seine Zugehörigkeit. Reichspräsident Ebert sagte in seiner Gegenrede, daß kein ernsthafter Mensch in Bayern die nationale Zusammengehörigkeit leugnen werde und daß andererseits die maßgebenden Kreist des Reiches durchaus nicht gesonnen feien, Bayerns Eigen­art zu bekämpfen, auf die es Ansprüche habe.

»^München. (L. A.) Ganz ohne Zwischenfcül ist der. Besuch des Reichspräsiderrten nicht verlaufen. Vor dem HotelContinental", in dem der Reichspräsident Woh­nung nahm, wurden einige Hochrufer riiedergepfiffen und in eine Schlägerei venvickelt, der die Polizei durch Fest- nalsme vor 12 Personen ein Ende machte.

Die amerikanische Presse gegen Frankreich.

->* Neuyork. Außer derNeuyork Tribuee" sind allch Berichte gegen Frankreichs Haltung in der Anleihe, weil: diese ja nur hinausschiebe, was schließlich doch summen- müsse, die Verringerung der Reparationslast Deutsch-; lands.

x Paris. Die ReparationSkormnission hat am Montags nachmittag von dem Bericht des Anleiheausichussesi Kenntnis genommen Sie wird von neuem »nfammen^ treten, um den Wortlaut der an Deutschland zu senden­den Antwort festzulegen.

Die Zahlung der nächsten Dekade.

^ Berlin. (T. U.) Wie die T. U. erfährt ist Me, Deckung für die am 15. Juni fällige Dekadenzahlung rwj Betrag' von 3t Millionen Goldmark von der Reichs-! regierung bereitgestellt. Die Zahlung wird zu dem

Termin erfolgen.

Gegen Poincarees Herostrateupoliiik.

o* Senf. DasJournal de Genese" schreibt, daß, tvenn matt Poincarees Politik gegenüber Genua und deru daa« verstehen könne, das nicht von seiner Politck ut der Re­parationsfrage gelte. Gibt es wirklich jemanden in Eu­ropa, so fragt das Blatt, der den Zahlungsplan vom o. Mai ernstnehme und glauben könne. Deutschland weide ein halbes Jahrhundert lang den oerschiedensüm Gläu­bigern jährlich MUllarden liefern? Ein stegreccher ^taaS