Reisfelder Tageblatt
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Nv. 129
SouNKbend, dem 3 Juni
1922
Das Irrewals.
t Das Niemals, das der alte Kaiser Wilhelm einst an Leu Rand des Entlassungsgesuches Bismarcks schrieb, ist Historisch geworden und wurde von dem Schreiber bis
Regiine des Friedensvertrages von Versailles ‘ Deutschland kein Kredit bewilligt werden könne und nicht indirekt an Europa.
Die Pariser Finanzbesprechimge«.
Gnsetzung
n Atemzüge gehalten. Des Deutschen Reiches titelet hat auch ein Niemals gesprochen und er r hinterher über seinen männlichen Mut er- ein, denn ein zager Jasager kann nicht über i starren Neinsager werden. Kaum zwei Mo- es her, — am 21. März war es, — als Herr Forderungen der Meparationskommission nach ! einer Finanzkontrolle in Deutschland und
ach Einführung von 60 Milliarden neuen Steuern mit m herzhaften „Nein" beantwortete. Und siehe, ehe Hahn zum zweiten Mal gekräht hatte, verleugnete ch der Kanzler selber und sagte abermals Ja. Wir 't Zukunft unter Entente-Finanzkontrolle stetnag man nun euphemistisch das Ding nennen, wie will, und wir werden 60 Milliarden Steuern neu fttßen müssen, mag man nun diesem neuesten Er- essungskind eine« noch so schön klingenden verschäm-
n Namen geben.
Die gewandteste Dialektik kann es nicht ableugnen, daß diesmal das Parlament bis zum letzten Augenblick aber Reichsregierung im Unklaren über lebenswich- e Fragen des deutschen Volkes gehalten worden ist. Von einer schwebenden diplomatischen AMon, wie es noch am 30. Mai hieß, kann keine Rede fein, denn es steht fest, daß schon mindestens am Tage vorher die An- «ahme aller Pariser Forderungen beschlossen worden ist, sodaß es kein Zurlick mehr gibt und es so dem Reichstag .««möglich gemacht worden ist, im Namen des Volkes Äuch mit ein Wörtlein über Fragen zu reden, die bis ins tiefste Mark der innerpolittschen Verhältnisse Deutschlands und vor allen Dingen seiner Souveränität ein- rifen. In allen parlamentarischen Kreisen, nicht bloß denen der rechtsstehenden, heMcht ob des allzu eigenmächtigen Vorgehens und Handelns der Reichsregierung Wrbitteruna und Erttrüstung. Und wenn auch der Kanz- 3er diesmal noch mit seinem Vertrauensvotum mit ei-
nem blauen Auge davongekommen ist, so ist diesmal fern Erfolg noch viel zweifelhafter als das letzte Mal, denn diesmal hat auch die Deutsche Volkspartei gegen dieses Votum gestimmt. Es fängt wieder einmal an zu kriseln, und wenn sich auch jetzt die bevorstehenden parlamenta- ssischen Ferien dazwischen stellen werden, so grlt doch
er schort als ein Krisenopser Herr Dr. Hermes, der,die riser Verhandlungen allzu eigenmachtrg abgeichloiien . Wir geraten immer tiefer in die Politik der ^er- tine hinein und werden so
n seinem größten Teil unzufrieden mit Herrn Wirth, aus einem bisher immer so geschäftigen Redner plötz- zum Schweiger geworden ist. Um so zufriedener ist ^^.t Frankreich, bei dem die glatte Annahme der Forderungen den günstigsten Eindruck gemacht hat. Das hindert es aber burebaus nicht, daß es weiter seine Hetzpoli- tit gegen Deutschland treibt und weiter VerniWungs- diktate vom Stapel läßt. Beweis: die neueste Note über die Entmilitarisieruna „strategischer Stücke" des rheinischen Eisenbahnnetzes.
Sinnlose Verschlenderung.
'raktim: des Reichstages hat den Besterkonferenz von der deutschen Nehrung von Eisenbahnbauten zu for- - - • Interpellation an die
Die Zentrums
Eilnß der Botß
rm^zum^ Gegenstand' einer Interpellation an o:e eichsregierung gemacht, in der es heißt. Was hier um r dem Borwand der Entmtlitarfireruna der Rhein- nde gefordert wird, kennzeichnet sich tatlachlich als eme illig sinnlose Verschleuderung wirrschaftlicher Wer-e e überdies für das Reich eine neue schwereBewstnng bedeutet und eine durch nichts «erechfiertigte Schädigung des deutschen, insbesondere des rheinischen Wirtschaftslebens. Zu einer derartigen briitalen,MaMghme Itcat umso weniger ein Anlaß vor, als nach Durchfuli- sung der Entwaffnung DeutschlaE den bedrohten i,- fenbahnanlagen eine militärische Bedeuttmg nicht mehr beigelegt werben kann. Wir fragen- ^ h^ Ä>mel Legierung gewillt, alle ihr M, Gebote stehendm Mitt l rnnfeubteten, um das dem rheinischer: Verkehrswesen drohende Verhängnis abzuwerrden?
Die Schwierigketteu einer Anleihe.
»»Paris. Der internationale Anleiheausschuß ist am Donnerstag nachmittag nach 4tagiger Pause wieder zu- sammengetreten. Der holländische Bankier Vtsseeing soll noch dem „Oeuvre" Bericht erstattet haben über das Ergebnis seiner Reise nach Berlin. Er hat erklärt,^dw Zähln ngsfühigtcit Deutschlands fei tatsächlich germger als man habe annehmen können m:d die Deutschland zur Last gelegte« Ausgabe:: aus dem Friedensvertrag von Versailles seien augenblicklich übertrieben, dtach dem Blatt sei der Ausschutz davon überzeugt, dan es schwte- Rg fei, einem Staat auf Grund seines gesaintcn Vermö- geus Vorschüsse zu leisten auf bau bereits eine erste> w- Nothck von 132 Milliarden Goldmark stÄie. Also, so schließt „Oeuvre", kommt es, wie wir schon von der er- lsten Stunde an voransgesehen haben, daß ber internationale Anleiheausschuß unwiderstehlich dazu ftihtt, das gesamte Problem der Wiederherstellung, der Sicherhei- Aen und der iufernatHmalen Kriegssclmlde« zu rMifen. Mer das Blatt befürchtet, daß der Ausschutz auf ein neues „Verboten" des Herrn Poincaree stoßen wird. Ms glaubt sogar, datz unter Weit umstanden die Finanz- Me ihre Arbeiten nicht :wch mehrere Wocheir fortsetzen.
»»Genf. lS. 6.) Am Donnerstag fanden zwei Sitzungen des Morgan-Komttees statt. In Erörterung der deutschen Verhältnisse befaßten sie sich dem „Matiu" zufolge mit den Etatsanfwendnnge« für dte deutschen Or- genisationen und mit der noch fortdauernden S' neuer Beamtenstellen in Deutschland. Am Ire die Frage der deutschen .Kriegsanleihen zur Beß
s
kommen. Die Konferenz wird sich bis zum 2. Juli vertagen.
»* Genf. (S. C.) Der „Temps" erfährt aus den Beratungen des Morgankomitees, daß die offiziellen Erör- terunqen zwischen den Konferenzteilnehmern zu zwei Vorschlägen geführt haben: Die Verpfänd««« der Zoll- «nd Monovol-Etnnahmen und die Hinterlegung des Goldschatzes.
Die Wurzel des europSischen Aedels.
»»Das internattonale Nnleihekonritee in Paris trat Freitag nachmittag zu einer Sitzung zusammen, die mehrere Swnden dauerte.
Weiter wird mrs hierzu gemeldet:
Die internationale Bankierkonferenz, die erst vor zwei Tagen wieder zusammengetreten war, hat sich wiederum vertagt, und zwar diesmal aus acht Tage. Der Grund dafür ist in folgendem zu suchen: Die Bankiers sind von dem Grundsatz ausgegangen, daß eine Repara- ttvnsanleihe an Deutschland nur dann Vertrauen finden könne, wenn die Reparationslast des Auleihefchuld- «ers, nämlich des deutschen Reiches, bedeutend herabgesetzt würde. Eine solche Herabsetzung ist von de« Franzosen hartnäckig bekämpft worden. Die Franzosen wären erst bereit, einer Herabsetzung zuzusnvrmen, wenn sie nicht dadurch ihre finanzielle Stellung schwächen würde«, d. h. wenn z. B. andere Reparationsgläubiger gegenüber Deutschland auf ihre Reparatwusschuld generell verzichten würden, so z. B. England. Wie bereits gemeldet worden ist, will aber England davon nichts wissen, solange nicht Amerika seinerseits seine Anleihegut- Haben aus dem großen Kriege aufrechnet. Ein solches Opfer wollen die Amerikaner nach wie vor sich nicht zu- wuten lassen. Während der acht Tage, die die Bankierkonferenz numnehr aussetzi, werden die Verhandlungen zwischen den einzelnen Regircungeu fortgesetzt werden. Es ist aber «nwahrscheiulich, daß sie zu einer Lösung des Problems führe«
Dauernd unter französischem Druck.
»»Poincaree hat Donnerstag nachmittag eine große dreisttindige Antwortrede auf die verschiedenen Interpellationen gehalten. Das wichttgste ist. was er zu dem Verhältnis gegenüber England, d. h. in der Frage der Bolittk gegenüber Deutschland sagte. Er stellte sich auf den Standpunkt, daß die französische Regierung von ihrem Recht auf Sonderakttoneu gegen Deutschlaub aus Grund des VersaUer Vertrages nichts aufgebe« werde. Poincaree wies weiter darauf hin, daß die Attentäter von Petersdorf geringe Strafe« erhalte« hätten, und erklärte, daß, wenn Oberschlesien von den Ententebesatzungen demnächst im Verlaufe eines Monats, nachdem das öberschlestsche Abkommen sowohl von Deutschland als auch von Polen ratificiert sei, geräumt werde, die ganzen gegeuwärtig in öberschlestsche« Gefängnissen sitzenden Attentäter «ach Frankreich mitgenommen würden.
Rückzahlung der französischen Schulde« an Amerika.
»»Washington. (F. G. A.s Das Finanzdepartement gibt bekamrt, daß es die französische Regierung etngela- öen habe, eine Kommission nach Washington zu entsenden, um mit dem Finanzdepartenrent über die Rückzahlung der französischen Schuld an Amerika zu tmterhan- deln. Die französische Regierung hat bereits eine zu- stimmende Antwort erteilt.
Amerika bleibt bei der Ableh«tt«a.
»-»Paris. Dadurch, daß die amerikanische Regierung nunmehr auch die zweite Einladung zur Teilnahme an der Konferenz im Haag abgefeimt hat, ist die französische Regierung gezwungen, Stellung zu nehmen, da sie nunmehr nicht daraus rechnen kann, daß sie in irgendeiner Weise gemeinsam mit Amerika in der russischen Frage vorgehen kann, es sei denn, sie will sich außerhalb der Beratungen im Haag stellen. Zu einem derartigen Entschluß scheint sie sich allerdings nicht aufraffen zu können oder zu wollen. Die französische Regierung hat das gleiche System anzunehmen veschldsien, das sie gegenüber der Konferenz von Genua angewandt hat. Poincaree hat an die italienische Regierung eine Note gerichtet, in der er für die Einladung dankt, sich aber seine endgültige Entscheidmrg vorbehält. Er beabsichtigt, wiederum in einer Denkschrift die Bedingungen klarzulegen, unter denen Frankreich an den Verhandlungen im Haag teilnehmen werde.
Trotz aller Zwangsmaßnahme«.
» »S etww nicht iwch mehrere Wochen sortieren, der Besetzung der daß sie vielleM setzt einen Bericht verfassen wür- Ruhrort mit den
»» Genf. (S. C.) Havas gibt erst am Donnerstag die offiziöse Beurteilnng der deutschen Arrtwortnote. Der Havaskommentar hält auch mit der neuen Note der Reparationsnote das Reparationsproblem noch nicht für gelöst und betont zum Schluß, daß Frankreich seine militärischen Rechte nicht anigede und über eine Aufhebung der Besetzung der RbetnstWte Düsseldorf^Duischrrg^nd
Deutschland und der Völkerbund.
«-»Genf. (S. C.) Im Gegensatz zu einer Meldung erklärte der Generalsekretär des : des dem „Temps"-Bertreter, daß die Anträg tembertagung des Völkerbundes bereits seit ö
einer „Tiwes> des Bölkerbmv-
Die Regierung zur Kriegsschuldfrage.
»»München. sS. C.) Wie die „München-Augsburger Abendzeitung" aus Berlin meldet, hat ReichskanzlÄ Wirth in Gesprächen mit den Abaeordneten der Bayerischen Volkspartei geäußert, es bestehe in Kreisen der Retchsregierung vorläufig nicht die Absicht, die Kriegs- fchuldfrage auf Grund der Eiöuerschen Fälschungen auf- zurelleu. ie bevorstehende Veröffentlichung der dem- würde der Welt beweisen, wo Her
scheu Vorkr Irrtum über
KriegsscAttd zu suchen sei.
Die Räumung Oberfchlestens.
pen aus Oberschlesie« innerhalb stet rezogen würden. Die Kosten der Vesat-
alliierten L Wochen
Ko^misston würden aus den lokalen Einnahmequellen bestritten werden.
Schwere Ausschreitunge« polnischer Bande«-
Während in Kattowitz eine gewisse Entspannung der Lage sestzustellen ist, geht es um so schlimmer in den Landgemeinden des Kreises Aust her. In Laurahütte morde das Gebäude der „Laurahütter Zeitung" durch Handgranaten gesprengt «nd geplündert. Bergwerks- Hirektor Hilpk wurde von Banütten in seiner Wohnung
Deutscher «mgeworfe« und die Besitzer Überfällen und mißhandelt. In Eiche««« sind die Zustände besonders schlimm. Auf die Postageutnr wurde ein Ueberfall verübt, Geld und Wertpapiere geraubt und der Verwalter schwer mißhandelt. Die Geschäftsleute haben den Ort fast sämtlich verlassen, nachdem zahlreiche Geschäfte aus- geplündert und die Warenvorräte fortgeschleppt waren, 6* Berlin. (B. T.) Die Uebergabe Oberschlesiens wird etwa am 10. Juni beginnen und, vorausgesetzt, daß keine Zwischenfälle etntreten, ungefähr 14 Tage dauern. Die Grenze zwischen dem geraubten Teil und dem beim alten
übt, Gelö uitb
Vater lande verbleibenden wird aber erst etwa am 1. Juli gezogen sein. Es werden dann sofort die Borberettuugett für die AutonomiebestimmmMn ^ dsr MLL^ LeletteL
Der Kanzrer auf Urlanb.
»»Der Reichskanzler tritt am Freitag, spätestens aber am Sonnabend, seinen Pftngsmrlaub an. Er begibt sich nach Freiburg und zu kurzem Aufenthalt nach Konstanz, und wird schließlich noch in Stuttgart der württem- einen Besuch abstatten. Der
Ben
Reichskanzler BeftiBt sich in der nächsten Woche zu einem dreiwöchigen Urlaub nach Freudenstadt. Bon Freudeu- stadt aus wird er die Münchener Gewerbeschau am 12. oder 13. Juni besuchen.
Ttschitschernrs Berliner Reise.
»»Berlin. (S. C.) Wie aus Kreisen der Sowfetge- sandtschast mitgetellt wird, bleibt der russische Außen-- «ttnister Tfchitscherin bis Donnerstag nach Pfingsten in Berlin. Sein Besuch gelle in erster Linie der Ber- gebung der russischen Wiederansbanaustrage für das laufende Jahr an die deatsche JudufMe.
»»Berlin. (F. G. A.) Wie jetzt feststeht, werden TMt- scherin und Rakowski, der Vorsitzende des ttfrainiicbeji
Rates der Volkse dern der russischen
Berlin ein»
treffen. Tsckitscherin und Rakowski werden sich in Bev- Itn zu Verhandlungen mit der deutschen Regierung ei* niste Zeit aufhalten: insbesondere werden ‘bie Verhandlungen über die Ausdehnung des Rapallovertrages auf die Sowjet-Ukrattle ausgenommen werden.
Der Eindruck der Rapallodebatte in Moskau.
»»Moskau. (F. Z.) Die dem Vertrage von RapMo gervidmete Debatte im deutscher: Reichstag wird hier mit größter Aufmerksamkett verfolgt. Man hofft, daß Deutschlands Verhalten Rußland gegenüber nunmehr klarer zu übersel>en fei Die „Iswestij^ hebt hervor, daß Reichskanzler Wirth gezwungen gewesen sei, ausdrücklich zu erklären, daß nur die Gewaltpolitik der Entente Deutschland veranlaßt habe, diesen Weg zu bei (Breiten. Das Blatt erklärt, daß dte Entente, navrenMch FranL- reich, jede Verständigung Rußlands mit anderen Mächte« veretteln wolle.
Deutsch-russische Eifeubahuverhanbluuge«.
w Riga. (D. A. Z.) Am 16. Juni treffen in Riga Vertreter der deutschen Eisenbahn ein, um über einen direkten Verkehr zwischen Rußland und Deutschland M> verhandeln.
Die Friedensheere her Mächte.
Wie Berltner Blätter aus Paris melden, hat das Kriegsamt der Vereinigten Staaten dem Senat Statistiken über die Rüstungen der einzelner: Weltmächte übermittelt. Während die Vereinigten Staaten im Krieg vier DtMtoneu Maru: aufgeboten hatten, nehmen sie heute den 14. Platz bezüglich der Landrüstungen allen Weltmächten ein. Rußland hat die größte mit 1570 000 Mann. Es folgt China mit 1 Mann, Frankreich mit 818000 Marm, Abesifttten 571000 Mann, Griechenland mit 810 000 Man», " Mit 302 000 Mann. Polen Mtt 29Ü00C. Mau«.