Kersfelöer Tageblatt
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Nr. 116
Donnerstag, Int 18. Mai
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Das Ergsdnis Vsn GsNua.
Am 15. Juni wird, so rechnen die einladenden Mächte, auch die Eutscheiduug darüber gefall n sein, was Frankreich in der" Reparationsarlaelegenheit mit Deutschland vorznnehmen aedenkt. Trotz aller Bemü- tungen von deutscher Seite um einen Ausgleich, der in er neuen Schaffung eines Provisoriums und der Umgehung einer radikalen Beseitigung des Entschädtaungs- wahnsinns für Deutschland selbst Bedenken birgt, und trotz aller scheinbar entaenenfommeniien Stimmen zur letzten Revarationsnote, kann es nur allzu leicht dahin kommen, daß Deutschland wegen des Druckes französischer Gewaltmatznahmen nach dem 31. Mai lahmgelegt und somit zum Unheil für Europa gar nicht in der Lage wäre, an der Lösung des russischen Problems wirk- lich teilzunehmem
Frankreich hat es in Genua jedenfalls durchgesetzt, daß alle Versuche, die Entschädigungsfrage und den Versailler Frieden zu erörtern, unterdrückt wurden. Den verheißungsvollen Worten Bei der Eröffnung der großen Tagung am 10. Avril folgten keine Taten. Von der Gleichberechtigung aller Mächte und ähnlicher Grundsätze war viel Lobenswertes zu hören. Sehnsüchtig warteten die leidenden Völker der Alten Welt auf die Erlösung aus dem Elend, die von Genua kommen sollte. In Rußland drückt Millionen die Hungersnot, die täglich grausige Opfer oerichlingt. Oesterreich kämpft einen verzweifelten Kampf um sein Dasein, Deutschland müht sich ab. und windet sich in den Fesseln des Versailler Vertrages: jeden Augenblick kann an den Pforten Europas zwischen Griechen und Türken der noch nicht beigelegte Krieg neu aufflammen. Arbeitslosigkeit, Teuerung, geschäftliche Stockung lasten aus allen Ländern, auf den Siegern, den Besiegten und den Neutralen. Die Themata, die sich forgenvoll jeder einzelne täglich vorlegt, sind in Genua sorgsam umgangen worden, weil sie den Drahtziehern ruckt passen, und weil ihre Berüürmcg die Solidarität ganz , Europas hätte hervorkehren können. Dagegen folgten sich unaufhörlich- Krisen, Auseinandersetzungen, Intrigen. Seit mehr als einem Monat nimmt dieses ^fruchtlose Spiel
pMch. rff jeden Stimmungswechsel in enna fola ten Beunruhigungen und Schwankungen der Börsen, Verluste tatsächlicher Werte sind einaetreten. Das Ergebnis der Beratungen der angeblich führenden Köpfe Europas sind zwei Ausschüsse. War dazu, wirklich der ganze koftGielige Avvarat von Genua nöffd, der neben den amtlichen Persönlichkeiten eine wahre Flut von Zeitungsmännern, Finanzleuten und tBren Anhang in Atem gehalten hat?
Und NUN die bevorstehende Konferenz im Haags Die französischen Pläne, auch diese Kouferenz zur Ergebnislosigkeit zu verurteilen, sind deutlich erkennbar und werfen schon jetzt ihre Sckatten auf sie. Die Vollmachten der Sachoerftandiaeu siud wieder in einem Maße beschränkt worden, daß die Entscheidung über die Vorschläge. die sie machen werden, vollständig von ParrS abhängt.
Nussisch-japanischer ZwifcherrsaS.
Dienstag ist in Genua die politische Unterkommission mit Einschluß der Russen znsammengstreten. Es kam unvermutet zu einem Zufamuienftoß zwischen den Japanern und den Russen, als Tickitickerm als Grundsatz ßufftellte, daß alle mit Sowjetrußland eine Einheit bildenden Länder im Haag vertreten fein mußten, also auch die Republik des fernen Ostens Tschita. Hiergegen erhob sich Vicomte Hauaschr und Festritt Tschitscherin das Recht, die Republik des fernen Ostens als mit Nuß- • land verbunden zu bezeichnen. Tschitscherin wies Havaschi's Standpunkt mit dem größten Nachdruck zurück und fragte, ob Japan Sibirien annektieren wolle „als Entschädigung für die Kosten der fr teuern eben Handlungen, denen Japan dort seit langem und gänzlich mlgerechtscrtigt obliegt". Es gab einen längeren Wortstreit, in dem Llond George und de Facta vermittelnd einfttiffen.
Neue französische Quertreibereien.
»» Havas meldet aus Parts: Der Standpunkt der Franzosen gegenüber der Konferenz im Haag wird letzt von Poincaree dahin charakterisiert, daß Frankreich sich «n dieser Konferenz nicht beteiligen werde, wenn man darin eine Fortsetzung der Konferenz von Genna, d. V. eine solche mit politischem Charakter erblicken würde. >->lutzerdem wird gemeldet, daß Poincaree mit Barthou einen Tetegrammwechsel hatte über die Frage, ob es sich bei den Haager Besprechungen lediglich um eine chchverftäudmeukvnfercnz oder, wie die letzten Nach- richten vielfach audeuteten. nm eine Konferenz mit politischem Charakter handelt. Bar hou tetMausbrück- -ch mit, daß teilt Reglerungsmitglied alSBerti eter sich i hptn ^öäh besteigen Werde« (SS Wlluttt ICptstltw) «achocrßänbige an der Konferenz teiluchine«. Barthou hat in einem «uSsührltchei! Brief Fen Ätaudm französischen Sieniennm in dwier Frage auch dem cnra- sen Sforza mitgeteilt.
Beschränkung der Vollmachten.
6* ®ct Korrespondent des Reuter-Büros in Genua
meldet: Da die Hanptarbeit der Konferenz, nämlich der ; Versuch, zu einem Einvernehmen mit Rußland zn ge- lungen, nicht zn einem Bestimmten Abschluß gelaugt sei, wröe sie, insoweit sie sich mit dem Abkommen mit Ruß- , land beschäftige, nach dem Haag oder vielleicht nach Stockholm oder Riga verlegt. Letzteres den Russen zu Gefallen, die uns verschiedenen Gründen gegen den ,wm sind. Die mm vorgeschlagene Kommission werde
nicht die Vollmachten haben, nit denen sie Llond George und Schanzer ausstatten wolten, um ihr den schnellen ■ Abschluß eines Abkommen; zu ermöglichen. Diese müsse vielmehr ihre Beschlüse in Gestalt von Vorschlägen den in Frage kommender Regierungen übermitteln. Dies Sedeutet ein ZugestänSris a« Sie Franzose« und Belgier.
Slusklärttngsvegehren Lbw Amerikas Absichten.
m Wie bereits gemeldet, hatder amerikanische Botschafter in Rom, Shild, Dienst«; vormittag mit Schanzer, de Facta und Lloyd George eine Besprechung gehabt, wobei er die ablehnende Nöte der anterikauischen Regierung an Schanzer übergab. In dieser Note schlägt die an:erikanische Regierung die Absendung einer Prii- fungsronrmission nach Rußland vor. Shild, Schanzer, de Facta und Lloud George laben über diese Note noch im Laufe des nachmittags diskutiert. Es wurde dabei beschlossen, daß die Konferenz von der amerikanischen Regierung Aufklärungen über ihre Absichten verlangkn wird. Eine entsprechende Arliwortuote ist noch im Laufe des Nachmittags abgefaßt unS nach Washington telegraphiert worden. Die allgemeine Auffassung ist die, daß Amerika i« irgendwelcher Form an der Lösung der russischen Frage teitneBmen wird.
Der Friedenspackt.
** Rom. (F. Z.) Damit Genua mit einem konkreten Erfolg in Bezug auf den Landfrieden schließt, wird de Fatta nach dem „Corriere d'Italia" auf der nächsten SitznUg der politischen Kommission einen Entwurf zu einer feierlichen und bedeutungsvollen Erklärung über die Verwirklichung des europäischen Friedens vorlegen und ihn zum Beschluß der Konferenz erheben lafsen.
Die Gründe für die Ablehnung Amerikas.
«^-Rotterdam. (S. C.) Die „Times" melden aus Washington: Im Senatsausfchutz, der Montag zusam- mentrat, begründete Hughes die zurückhaltende Stellung des Präsidenten Hardina auf die Eircladung nach dem Haag damit, daß es einer Kulturmacht unwürdig sei, mit Sowjetrußland einen Vertrag abzuschließen. oder sich an einem solchen Be itrag zu beteiligen, solange in Rußland die Del«
—_, e nicht in Rußland der freie
e des Volkes er die Znsanunensetzung der Regierung enffcheide. Dem Staatssekretär wurde im Aus- schuß nicht widersprochen. Die Antwort Amerikas soll aber den Weg zn Verhandlungen mit den Alliierten über die russische Frage offen lassen.
'r^Wasymgton. Wie der „F. Z." gemeldet wird, wird zu der Haltung der Vererniaien Staaten mitfteteift, Präsident Harding sei zunächst einer Beteiligung Amerikas an der Sachverstündigenkonferenz im Haag geneigt ge- wesen, sei jedoch unsicher geworden durch Beratungen mit Hoover und Hughes, sie auf der vorherigen Annahme der amerikanischen Richtlinien bestanden. Deshalb wurde die Beteiligung vorläufig abgelehnt.
Der Eindruck in London.
^ Lr-r-don. (F. G. A.) Die Ansicht des Auswärtigen Amtes üBer die Note Hughes läßt sich in folgende Worte zusammenfassen: Unangenehm, aber völlig erwartet. In offtziellen Kreisen wird ausgeführt, es sei nicht zu er- warten gewesen, daß Amerika etwas anderes tun kömfte, als darauf zu bestehen, daß seine Rechte in Rußland an- erkannt werden, ehe es selbst an einer Konferenz teil* nimmt Obgleich man hofft, das Kabinett von Washington werde einen Weg finden, um die Schwierigkeiteu zu ö^rwmSen, verstehe man doch die amerikanischen Ge- sichtspunkte und sympathisiere mit ihnen, denn England habe dieselben in Genna vertreten.
»-c Lorcdo«. Die englische Abordnung glaubt trotz der Haltung der Russen an eine schlietzliche Ueberwindung aller Schwierigkeiten. „Evening Standard" meint, die Vertagung der Konferenz nach dem Haag werde Frankreich von der Ausführung seiner Pläne abhalten, am 1. Juni in Deutschland einzufallen. Die „Pall Mall rette" versichert, Lloyd George werde schon am Freitag in London zurück sein. Er sei sehr müde und enttäuscht.
Die Konferenz im Haag noch ungewiß?
^Rot erdam. (S. C.) Die „Morningpost" meldet mw Genua: Die Konferenz im Haag wird noch zwischen derr Allrierten erwogen. Sie stellt nur unbedingt fest weun Amerika eine Zusage erteilt. Botschafter Child hat Lloyd George mitaeleilt, daß Amerika in der Frage der Wiederherstellung des Privateigentums in Rußland niemals nachgeben würde.
Politische Debatte i« der französischen Kammer.
»»ParrS. (F. G. A.) Die große Aussprache über die auswärtige Politik der französischen Regierung wird vermutlich kommerrden Freitag, 26. Mai, in der Kammer beginnen. Das Parlament tritt am Dienstag, 23. Mai, wieder zusammen.
Interpellationen über Genna.
»»S tuii. ,S. C.i Der Reichstag wird kommende Woche unter dem Eindruck von Genua stehen. Die Frak- troueu erörtern seit Dienstag die Einbringung von In- hrrenaiionen an den nach Berlin zurückkehrenden Sieichslamler. Bis ieut steht fest, daß Iifterpellationen von den Deutsclmationalen und der Bayerlschcu Volks- pqri-t zu erwarten sind
Französisches Angebot an Rußland.
»-« PariS. Die kommunistische Internationale veröffentlicht eine Depesche aus Moskau, wonach ein großes französisches Simdiiat den Vertretern der - Regierung von Moskau in Genua ein Angebot zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Rußlands gemacht finden soll. Die russische Aborduuug hat sich aber angesichts der Haltung Frankreichs auf der Konferenz geweigert, das Angebot einer Prüfung zu unterziehen.
Dle EntschädrgungsvorsMäge Morga«s. '
*» London. !B. Z.) Der politische Berichterstatter der „Westminster Gazette" schreibt: Dem Besuch Morgans, der jetzt von Sreuyork nach Europa unterwegs ist, sehe man in finanziellen und politischen Kreisen mit großem Interesse entgegen. Morgan soll mit endgültigen Vorschlägen kommen, die für die Reparationsfrage von großem Stutzen seien und dazu beitragen würdeu, daß eine der Hauptursachen der Reibungen zwischen England und Frankreich beseitigt würde. Ein bekannter Citv-Ban- kier hat die Vorschläge Moraans folgendermaßen gekennzeichnet: Zunächst müssen Vereinbarungen zwischen den Alliierten zustandekommen, um den angenblicklichen Reparationsbetrag auf eine vernünftige Summe herab- zusetzen. 2% Milliarden Pfund Sterling würde r als die Summe angesehen, wobei noch in Anschlag gebracht werden müsse, was Deutschland bereits gezahlt hat und was unter Abrechnung des abgetretenen Staatseigentums Sir Robert Hörne auf 200 Millionen Pfund Sterling veranschlagt hat. Aus diesem Grunde dürfte Deutschland nicht in der Lage fein, den Zins- und Amortisationsbetrag für fehle Schulden aufzubringen. Wenn Deutschland eine Anleihe erhalte, so müsse es bereit fein, Garantien in Gestalt eines Wandwechsels auf die Zölle zu geben und müsse außerdem eine S Äerheit, wie z. B. die Eisenbahn, für die Bezahlung seiner Zinsen bieten und zu gleicher Seit den Druck von Papiergeld einstellen.
Die Tätigkeit Hermes' in Paris.
»»Sieichsminister Dr. Hermes hat am Dienstag abend Sie deutschen Pressevertreter in Paris über seine bisherige Tätigkeit unterrichtet und bestätigt, daß seit Lenn- tag Privatbefprechungen mit den verschiedenen Mtalie- Sern der Reparationskommission stattgefunden Hadern die aber lediglich eine Fühlungnahme bezweckten, und daß die eigentliche Behandlung der Neparatiorssrage nicht erfolgt sei.
Satz die eigentliche Behandlung . .
in offiziellen Konferenzen bis jetzt noch ......
aglischen, belgischen und italie-
Reparationskommi'Lm ist zu
Zu den Besuchen beim enl
Nischen Delegierten der
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mans anwesend waren, der schon durch die Berliner Verhandlungen bekannt geworden ist. Ueber den Inhalt der dem Präsidenten Dubois unterbreiteten deutschen Vorschläge, über die Dubois inzwischen Beim Ministerpräsidenten Poincaree Besprechungen gehabt hat, erklärte Minister Hermes, daß sie hauptsächlich auf Sie jetzige Gestaltung des Reichsbaushalts und die Zwangs- anleihe Bezug hätten. Die Einzelbesprechungen mit den Delegierten der Reparationskommission werden in den nächsten Tagen noch fortgesetzt werden.
Die Konferenz der Bankiers.
** Auf der für den 28. Mai in Brüssel angesetzten Konferenz der Bankiers aus den alliierten Ländern, aus Deutschlarid, Holland und Amerika wird Morgan als Führer der Süneeifauet eine Erklärung abgeben, daß sich die amerikanischen Banken nur dann an der Anleihe für Deutschland beteiligen können, wenn die Miiicricn Sie bündige Versicherung abgebe«, daß sie in Zukunft keine weiteren deutschen Gebiete Besehen werden. Wie aus Paris gemeldet wird, hat Morgan in einer Uuter- redung erklärt, die gegenwärtige Lage des Geldmarktes in den Vereinigten Staaten sei einer Aufnahme der deutsche« Anleihe sehr günstig. Wenn die nötigen Garantien gegeben werden, sei ein Erfolg sehr wahrscheinlich. Stach einer Meldung aus London befürchten die „Times". daß Bet den Beratungen der Bankiers auch das Zreparationsproblem aufgerollt werden würde, da kein Erfolg versprechendes Programm aufgesteh wer-' den könne, ohne die endgültigen Verpflichtungen Deutschlands festzusetzen und alle damit in Zusammenhang stehenden Fragen zu regeln.
Die fällige Eutschädiguugsrate gezahlt.
Wie die Reparationskommission mittellt, hat die deutsche Regierung bei der vorn Garantieausschutz bestimmten Bank eine Zahlung von ungefähr 50 Millionen Goldmark geleistet.
Dr. Hugo über den Wiederaufbau Nutzlauds.
In der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Verbmides Mitteldeutscher Industrieller in Frankfurt a. M. hielt RcichstagsabgcorSneter Dr. Hugo auf Grund eign er Anschauung einen Bortrag über Rußland. Danach würde bei einem Wiederaufbau Rußlands Deutschland seine wirtschaftliche und politische Freiheit wiedergewinnen. Der Gedanke des Wiederaufbaus Rußlands habe die leitenden Staatsmänner Europas in Genua zusammengeführt. Das toi zu begrüßen. Leider sei aber die Konferenz bisher ergebnislos geweserr. Es sei für uns erfreulich, daß die Regierung den Vertrag von Rapaw abgeschlossen habe und daß damit ein Strich unter die Vergangenheit gemacht ist. Politisch betrachtet, werde Rußland von einer Rcgiermw von außergewöhnlicher Energie geleitet. In dieser Beziehung habe sich nichts seit dem Zarismus geändert, und heute wie damals werde Rußland nationalistisch regiert. Dagegen haben die Kommunisten wirtschaftlich Schiffbruch gelitten. Der Anfang des Wiederaufbaus müsse nach Ansicht des Vortragenden mit den Verkehrsmitteln gemacht «»erden. Hier seien mehr Reparaturen als NeuarnM- fünften nötig. Der Deutsche, der mit Rußland Handel treiben will, müsse sich mit russischen Kaufleuten zu rm- mentun. Der deutsche Industrielle, der Werke in Betrieb setzen will, muß Kapital einschießen, das sich im Anfang nicht verzinst. Außer den notwendigen Maschinen muß er das Brot für feine Arbeitet fiermnWtm.