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HersMer Tageblatt

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Nr. 109

Mittwoch, deN 10. Mai

19358

Der Wendepunkt für Europa.

Die Konferenz von Genua hat sich von Anfang an an einem Kampf zwischen zwer Weltanschauungen aus- fieartet, der französischen, die unverhüllt danach strebt, die französische Hegemonie in Europa wieder zu erlan­gen, und der angelsächsischen, die aus politischen und wirt­schaftlichen Gründen wieder das Gleichgewicht in den Wirtschaftsverhältnissen in Europa herstellen möchte, weil es für England eine Lebensfrage ist. Dieser Kamvf, der sich zwischen Lloyd George und Pvincoree, also zwi­schen London und Paris, abspielt, hat die Aufmerksamkeit Her Welt von den etgemlüßeu Aufgaben, die eine inter­nationale Weltwirtschaftskonferenz zu lösen hat. abge- lenkt. Aber diese divergierenden Weltanschauungen und der Kampf um ihre Durchsetzung haben auch die Arbei­ten der Konferenz so beeinflußt, daß sie nur den Wert einer Vorbesprechung haben und daß dieser selbst hin­sichtlich ihrer Auswirkung nur eine sehr zweifelhafte Be­deutung beizumessen ist.

So ist denn die Konferenz von Genua nur eine Konferenz der Krisen und Auseinandersetzungen ge­blieben. Abgesehen davon, daß von vornherein verein­bart worden ist, die Kernfrage für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas, die Reparationsfrage, über- Haupt nicht aufzurollen, bietet schon das russische Prov- , lern soviel Schwierigkeiten, daß es den Anschein Lat, daß sich an ihm die Geister scheiden werden. Lloyd Georgs will den Russen in verschiedenen Punkten entgegenkom- men, während Frankreich und Belgien dieses Entgegen­kommen besonders in der Frage des Privateigentums in Rußland ablehnen. Den Russen sind aber die neuen "Vorschläge, die ihm in dem Memorandum gemacht wor- Hen sind, noch nicht weitgehend genug, und sie haben vor allem Gegeniorderungen ausgestellt, die Rußland für Sie nächsten Jahre die Kredite sichern sollen. Sie es für seinen wirtschaftlichen Wiederaufbau benötigt. Die Engländer und Italiener bringen aber der Sowietre- aierung nicht ein solches Vertrauen entgegen, daß sie ihr Barkredite in dem geforderten Umfange gewähren möchten. Wie es heißt, wollen die Russen in ihrer Ant­wort auf das Memorandum ihren ablehnenden Stand­punkt gegenüber den ihnen unannehmbar erscheinenden Forderungen darlegen, aber den Wea zu neuen Ver­handlungen nicht versperren. In diesem Falle ckt Lloyd George, wie er Pressevertretern gegenüber erklärt hat, bereit, sein äußerstes zu tun, um mit Rußland zu einem wirtschaftlichen Abkommen zu gelangen.

Während also Lloyd George bestrebt ist, in der rnf= fischen Frage einen Erfolg zu erzielen und einen Ab­druck der Konferenz zu verhindern, besteht Barthou

den?" Antwort:Nein."

^ dieser Antwort Mrde es dann abhangen, ob die Fran- Mfen weiter an der Konferenz teilnehmen werden oder nicht. Lloyd George soll, wie jetzt bestätigt wird, tat­sächlich in der Unterredung mit Barthou am L-onnrag an diesen die entscheidende Aufforderung gerichtet ba­den, zwischen England und Belgien zu wählen, andern­falls sich England gezwungen sehe, sich nach anderen Freunden umzusehen. Barthou hat daram engltichen » französischen Pressevertretern m ziemlich answei-

falls sich England gezwungen sehe, sich nach anderen Freunden umzusehen. Barthou hat daram engltichen »nd französischen Pressevertretern in ziemlich auswei- Wndtt Form mitgeteilt, daß Frankreich bisher seinen Mlten Willen bewiesen habe, die Konferenz nicht zum Scheitern zu bringen, obwohl ihm dazu, wenn es diele Absicht gehabt hätte, wiederholt Gelegenheit geboten Worden sei, und daß es sich niemals darum gehandelt labe, Belgien England vorzuziehen oder irmgrkeört. Er betonte mehrmals, daß die Konferenz sich ihrem Ende «uneiae, daß dieses aber von der Haltung Rußlands ab- hänae, die es gegenüber dem Memorandum etnneümen

Meröe. , .

r übrigen ist besonders bemerkenswert, daß Dr.

Mirth am Sonntag abend noch eine zweistündige^ Unler- twisitnrt mit Pfonh George gehabt hat. Von französischer eÄÄS M-ldu»a °°-breitet worden. doS«°bd

«nraesebeu war am Sonntag zu empfangen. Von oer französischen Presse waren daraus allerlei Lchkusie gezo- gen worden, die nach ihrer Meinung darauf bindeuteten, ?XwSä

«ÄÄ Ä L WO® t^LTmn^f^ut der in Ueberemstimmung

fordere daß er endlich im Fnteresie des SiSmw.eAÄSÄ KÄS«

Ä »SgSs Ä wollen, noch eine zweistündige unrerrcoung mir ^r. M«»°^^

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freundlichen englischen Kreisen ausgehen. w^.

' Lloyd George wird deutlich.

ant» ygissmw Steed denTimes" aus Genua berich- let, äußerte sich Lloyd George zuveEssigen Fnformatw^ MK^KÄaKÄ bsÄS'M^

"AffiSA A US Lb

fiel, andere Freundschaften sa suchen und an pflegen. Lloyd George habe erklärt, seine Ratgeber seien seit lan­gem in ihn gedrungen, ein Uebereinkomme« mit Deutsch»

gem in ihn gedrungen, ein . .. .. land z« treffen, selbst unter Preisgabe der britischen Re- parationsforderungen. Frankreich habe seine Wahl zwi­schen der britischen Freundschaft und der belgischen Freundschaft getroffen. Es habe für Belgien gestimmt, obwohl die Unterstützung, die es von Belgien erhalten habe, nicht vergleichbar sei mit der Unterstützung, die ihm von Seiten Großbritanniens zuteil geworden sei. Die britische Regierung sei wegen des Verhaltens sehr betroffen. Von jetzt ab könne Frankreich allein mit Bel­gien gehen und zusehen, welche Vorteile ihm dies brin-

gen könne.

Befriedigende Unterredungen mit den Russen.

»»Aus Genua wird gemeldet: Wie in Delegations- kreisen erklärt wird, sollen die Besprechungen der Rus­sen mit Lloyd George im allgemeinen nicht unbefriedi­gend verlaufen sein. Ueber die Anttvort der Russen ver­lautet, daß sie die Möglichkeit weiterer Verhandlungen nicht abschneiden werde. Von einem Abbruch der Kon­ferenz ist nicht die Rede.

Fragespiel zwischen Lloyd George «nd Pressevertretern.

»»Aus Genua wird gemeldet: Lloyd George hat am Montag die englischen und amerikanischen Pressever­treter um sich versammelt, denen er auf eine Anzahl ihm vorgelegter Fragen antwortete. U. a. lautete eine Frage:Wird Frankreich sich von der Konferenz zurück­ziehen, wenn die russische Antwort nicht zufriedenstellend ist. aber Hoffnung offen läßt?" Antwort:Wir wer­den die Schwierigkeiten überwinden. Wenn eine Ueber­einstimmung in der russischen Frage erzielt worden ist, werden alle anderen Fragen sich von selbst lösen. Es wird nachher noch viel Arbeit zu tun geben, die aber von Sachverständigen geleistet werden kann". Frage: Wird die Entente zu Ende sein, wenn eine nicht befrie- digende Antwort eingeht?" Antwort:Von einem Ende der Entente ist keine Rede: wir haben nie , von einem Ende gesprochen. Genua sei der Wendepunkt für Europa." Frage:Wird die Konferenz zu Ende sein, wenn die Russen mitNein" antworten?" Antwort: Ja. Frankreich und England befinden sich in diesem Falle in vollkommener Uebereinstimmung." Wwj Was ist der Gegenstand der Unterhaltungen mit Wirth und Rathenau gewesen?" Antwort:Sie waren all­gemeinen Inhalts. Man bat die ganze Situation, die russische Frage und die Lage der Konferenz durckge-

^^^Eine weitere Anzahl von Fragen befaßte sich mit dem Thema der deutschen Zwangszahlungen und der

~ - fragetSind vor

dem Thema ----------.... .....

Regulierung der EMenteschuldc

erörtert wor-

Barthous Standpunkt.

»»Barthou hat am Montag die Journalisten der klei­nen Entente um sich versammelt und ihnen folgende Mit­teilung gemacht: Es kommt für die Stellungnahme der französischen Delegation nur darauf an, ob die Russe« mit ja oder nein antworten. Danach enrscheidet es sich, ob die französische Delegation bleibt oder nicht. Wenn die anderen Mächte die Konferenz fortsetzen würden, so sei diese Konferenz nicht mehr die Konferenz von Ge­nua, sondern eine Konferenz in Genua.

Wichtiger französischer Ministerrat.

»»Der Präsident der französischen Republik. Mil- lerand, wird Dienstag vormittag um 10H Uhr in Paris zurückerwartet. Unter fernem Borntz findet nachmit­tags, um 3% Uhr ein wichtiger Ministerrat statt, dem erhöhte Bedeutung zugemessen wird, da die »vrage, welche Stellung Barthou Lloyd George gegenüber in Zukunft einnehmen soll, auf diesem Ministerrat entschie­den werden wird. . .

Vor der Uevergabe der russischen Antwort.

»»Man erklärt in unterrichteten Konferenzkreisen, daß die Antwort Sowjetrußlands auf. das Memorandum der Alliierten am Dienstag oder Mittwoch übergeben wer­den wird.

Der Plan einer Konferenz der Signatarmächie.

»»Wie aus Genna gemeldet wird, erklärte Llovd George zu Pressevertretern noch, daß er die Fdee der Embein- so« her Signatarmächie des Versarüer Vertrages nicht aufgegeben habe. Er habe noch nie eine Idee aufgegeben.

Französische Bernhignngspilleu.

»»Paris. (F. Ä) Die Morgenpresse atbt in einem Bericht aus Genua Betrachtungen über die infolge der Erklärungen Lloyd Georges eingetretene Spannung der Lage wieder. Man stellt unt Genugtuung fest, raß der mglische Premierminister aus das enttotebmtjtein d* rede gestellt hat. in der Unterredung Mit Barthou Mt dem Bruch der Entente grotzzusprechem.Auf der ande­ren Seite lassen die Blätter durchblicken daß man neuer­dings erwarte, in der russischen Frage euren Weg »u ei­nem Kompromiß zu finden.

Der französisch-englische Gegensatz.

»»Genna. Lloyd George hat Barthou am Sonntag erklärt, der Verband sei zu Ende und England> eramet sich für berechtigt, neue Fremidfchasten zu pflegen. Die Times" knüpfen daran einen stark aedrucUen hmteri- schen Leitartikel. Der Berichterstatter des "^o^-s nicke" telegraphiert: Die ganze Existenz des Verbandes stehe auf dem Spiel, nicht wegen irgend etwas, was [ Lloyd George sagen oder tuen wird, sondern weck das englische Volk glaube. daß Frankreich den Frieden ve^ hindere, der sein sehnlichster Wunsch sei. In diesem Sinne warnte einer der leitenden englischen Arbecker- 1 sichrer Frankreich eindringlich. Die enalrfdie Avord-

nung hält die Vertagung der Konferenz, die Frankretttt befürwortet, für ausgeschlossen. Sie erwartet, daß -t«r russiWe Antwort die Grundlage für eine Fortsetzurm der Verhandlungen mit Rußland bilden werde, in web- chem Falle England sie auch 0ne Frankreich fortsetzeat werde.

Die Sorge« der Vasallen.

»»Paris. (F. Z.f Von besonderem Interesse ist eftte Meldung desMatin" über eine gemeinsame Demarche der Vertreter Polens, Rumäniens und der Tschechow Slowakei bei der französischen Delegation mit dem Zier, diese über die außerordentlich schwere Besorgnis i«! Kenntnis zu setzen, die diesen drei Ländern die Möt^ lichkeit eines Bruches mit Rußland und die Zuspitzung der Meinungsverschiedenheiten zwischen England intir Frankreich einflößten. In ähnlicher Weise hat der De­legierte der Schweiz zugleich im Namen mehrerer an­derer neutralen Regierungen bei der französischen De-: legation auf die außerordentliche Bedeutung hingewie^ sen, die man in diesen Ländern der Wiedereröffnung -eSi russischen Marktes beimesse.

A-reisevorbereit««geu in Genua.

** Genf. (S. C.) Havas meldete Montag abend folgen­den Situationsbericht aus Genua: Die Lage ist unver-« ändert geblieben. Die russische Antwort wird Mittwochf abend überreicht. Die französische Delegatio« trifft ihre. Borbereiinnge« zur Abreise, da ihre Aufgabe in Genu« erfüllt zu sein scheint. Sie wird aber die Antwort der! Russen abwarten.

»»Basel. sS. C.) DerBaseler Anzeiger" meldet att# Genua: Am Donnerstag verlassen die Dänen, Schwede«, und Rumänen die Genueser Konferenz. Die jugo-sla-- wische Delegation hat ihre Abreise auf Freitag festgesetzt. Die Norweger, Holländer und Spanier reisen Voraussicht:. Itdfj Sonnabend ab. Man schätzt an der Hand der Kopf-» zahl der Delegierten die Gesamtkosten der Konferenz,, wenn sie am Sonnabend zu Ende geht, auf zwei Milliar-' den Franken.

Rückkehr Joffes «ach Moskau.

»»Ein Teil der russischen Delegation, der Bitter: Führung Rosses Montag früh in Berlin eingetroffen war, ist abends entgegen der ursprünglichen Absicht- nach Moskau weitergereist.

Englisch-italienische Wirtschastseutente.

»»3lom. (B. T.s Der gutunterrichtete Chefredakteur! desMessaggero" kündigt den bevorstehenden Abschlütz einer politisch-wirischastlichrn Enterrte zwischen England» und Italien an. Der Widerstand der frankophilen Par-: tei in England falle nicht ins Gewicht. Italien werden auch in das russisch-englische Petroleumabkommen auf-, ^MMW^^MMMWMWWWWWW«WWWWWWWWWAW

SondcrabkornWe« Belgiens mit Rußland?

»»Mailand. (T. U.) DerCorriere della Sera" teilt mit, daß nach den in Genua umlaufenden Gerüchten- zwischen der russischen und belgischen Delegation ein Meinungsaustausch stattgefunden habe, und zwar zwecks Abschlusses eines Sonderabkommens für den Fall., daß man in Genua nicht zu einem Gesamtabkommen: mit den Russen kommen würde. Am Montag hatte der:

der kleinen Entente zum russischen Memorandum. Tschechisch-russisches Abkomute«.

»»Paris. Der Berichterstatter des Journal" in Genmv meldet: Die tschechische Abordnung hat am 3. Mai mov»j gens mit den Rusien einen Vertrag unterzeichnet, bet; durchaus dem Vertrag von Rapallo entspricht.

Eine japanische Rechtfertigu«g.

»»Ge««a. lB. T.) Die japanische Delegation hat auf* TiÄitscherins bekannten Bries vom 30. April in eine« Note geantwortet, die alle wegen Japans Verhalten erhobenen Vorwürfe zurückweist. Die Besetzung von Gebieten der Republik des fernen Ostens habe nur den Rücktransport der tschecho-slowakischen Truppen unS den Schutz der japanischen Ansiedler bezweckt. Jede Er-- oberungspolttik liege den Japanern fern.

Um die Einberufung des Oberste« Rates. »»Paris. lF. 3J DerMatin" meldet: Der PE-- dent stimme mit Poincaree völlig überein. daß ein Zu?! fammentritt des Obersten Rates nicht vor dem.31. Matj bezw. nicht eher, als Deutschland der Reparatwnskom-s Mission eine offizielle Antwort erteilt hat, in Frage korn-j men könne. Dagegen dürste, wenn dies geschehen fe® oder wenn Deutschland die ihm gesetzte Frist habe «er-, sireichen lassen, der Oberste Rat unverztiglcch zusammen^ treten, um aemeinsarn über die zu ergreifenden Maß­nahmen zu beraten. Auch Poincaree hat niemals davon gesprochen, daß Frankreich nach dem 81. Mar allein und ohne die Verbündeten handeln werde. Wahrscheinlich werde die von England angestrebte Konferenz in der er­sten Innihälfte stattfinden.

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Welche Schwierigkeiten es bereitet hat. allein die am 31. August vergangenen Jahres fällige erste Milliarde Goldmark aufzubringen, darüber gibt ein Weißbuch (Aktenstücke zur Reparationsfrage vom Mat 1921 bis März 1922"), das die Reichsregierung in diesen Tagen dem Reichstag vorgelegt hat, in anschaulicher Wetze Auf-, schluß. Um die Goldmilliarde zu beschaffen, wurden aufgebracht: 541 Millionen Goldmark durch Ankauf von Devisen. 58 Millionen durch Aufnahme von Lombard­krediten unter Verpfändung des der Recchsbank ^hö­renden Silbers. 15 Millionen durch Ankanf von Gold durch die Stetchsbank im Inland, 22 Millionen diwch Ueberweifuna eines Guthabens der deutschen Re­gierung bet der Banca d'Italia, das aus einem Spar­guthaben herrührte, 16 Millionen durch DevtsenanleiSq