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heesfel-er Kreisblatt"
Amtlicher Anzeiger für den kreis yersfel-
Nr. 107
Montag, den 8. Mai
1922
Reichstag und Genua.
Berichterstattung Wirths im Auswärtige« Ausschutz.
»-^Der Reichskanzler Dr. Wirth hat sich damit einver- Nanden erklärt, daß der Reichstag noch während der Ta- S««S der Konferenz von Genua zusammentritt. Der Weltestenausschutz dürfte daher die Einberufung des Meichstages für die erste Hälfte der kommenden Woche ^beschließen. Der Aeltestenausschuß und die Parteien sind aber auch über den dringenden Wunsch der deutschen Delegation und der Reichsregierung unterrichtet, ' Satz sich die Beratungen des Reichstages auf innerpoli- tifeb neutrale Vorlagen, evtl. den Eisenbahn- und Post- etat. beschränken müssen und Satz keines der Themen angeschnitten werde, die mit der Konferenz von Genua in Zusammenhang stehen, ebensowenig die Reparations- ffrage und die Frage des 81. Mai. Der Reichskanzler Beabsichtigt, anfangs der kommende« Woche für einige Tage «ach Berlin z« reise«, ftn Berlin soll dann der Auswärtige Ansschntz zusammentreten, in dessen vertraulicher Sitzung der Reichskanzler spreche« wird. Der Aufenthalt des Reichskanzlers in Berlin wird nur ei- mige Tage dauern. Ende nächster Woche wird Dr. Wirth wieder nach Genua zurückreisen. Kein anderes Mitglied der Delegation wird den Reichskanzler nach Berlin begleiten.
f Zusammentritt des Reichstages.
»»Berlin. (L. A.) Der Reichstag wird am Mittwoch zu einer Vollsitzung zusammentreten. Der Landtag vertagte sich auf Montag, 15. Mai.
Vorbereitende Besprechungen.
w Barthon hat gebeten, daß er sofort nach seiner An- kunft, die Sonnabend vormittag gegen 9 Uhr erfolgt, eine Unterredung mit Lloyd George haben möchte. Freitag nachmittag hatten Birkenhead und Evans, der bekanntlich gleichzeitig Finanzsachverständiger ist, lange Befprechnnge«, in denen alle Punkte der Konferenz in einer Generaldebatte durchgesprochen wurden. Mit dem polnischen Außenminister Skirmmst hatte Lloyd George eine Unterredung, die länger als eine Stunde dauerte und in der auch die ostgalkzische Frage ausführlich behandelt wurde. Danach wurde der jngoslawische Autzen- Minister in der Villa „Alberst" empfangen. Alle diese Unterredungen weisen auf eine weitere Entwicklung in 6er Richtung, auf Umwegen zu einer Pazifiziernng des Ostens zu kommen. Am Montag verläßt der letzte deutsche Sachverständige Genua. Die deutsche Delegatron wird um das gleiche Matz vermindert.
— Mn neuer ^eyarMonsvlrm L rmd Georges.
^ Gen na. (V. Z.) UeWWWMMb e»alisch-tMie- Itifcbe ReparaNonsprofekt werden interessante Einzelheiten mitgeteilt. Danach müßte für Deutschland eine internationale Anleihe von 30 Milliarden beschafft werden, die in vier Raten eingehen müßten, und zwar 3 Milliarden für 1922, 7 Milliarden für 1923 und fe 10 Mil- Tiarden für die beiden folgenden Fähre. Gleichzeitig müßten die Alliierten sich verpflichten, die Besahungs- loften auf ein Minimum z« reduzieren, wofür Deutschland sichere Garantien für die Erfüllung seiner Verpflichtungen geben müßte. Diefe Garantien waren «n- Sefähr die folgenden: 1. Innerhalb des Jahres 1924 müßten die deutschen Etats «m jeden Preis durch Ersparnisse und durch neue Steuern ausgeglichen werden. L. Bestehende Defizite müßten durch innere Anleihen «ud nicht durch neue Papiergeldausgaben gedeckt werde«. 3. Die Reichsbank müßte ihre Unabhängigkeit wie- 6er erhalten. 4. Die Papiergeldausgabe dürfte bestimmte Grenzen nicht überschreiten. 5. Der Inlandsverkaufv- preiS für Kohle in Deutschland dürfte nicht geringer sein als % des Weltmarktpreises und müßte sich an diese
Kurve aupassen.
Eine zweite Besprechung mit Lloyd George. , »»Genua. (8. A.) Auf Sonnabend nachmittag ist eine zweite Zusammenkunft des Reichskanzlers Dr. W»rth und des Außenministers Dr. Rathenau mit dem englischen Ministerpräsidenten Lloyd George, dem Kriegsminister Evans und Lord Birkenhead in der Villa Al- w Zürich. (S. C.) Die „Neue Züricher Zestung"mel- det aus Genua: Die Deutschen werden kommende Woche aus Genua abretsew mit Ausnahme des Reichskanzlers und seiner Hilfsarbeiter. Die Weitergcstaltung der Dinge kann niemand voraussMn. In Genua wird nur noch hinter verschlossenen Türen und in möglichst kleinen Kreisen beraten. Auch schweigen sich die Franzosen vollständig über ihren Plan aus. Das englische Presseamt verbreitet eine Information, wonach Lloyd George über ein neues Reparattonsprogramm mit den Deutschen nicht gesprochen und auch nicht die Absicht hätte, ein solches Projekt der Konferenz vorzulegen, das übrigens die Verpflichtungen verletzen würde, die Eng- land in Cannes übernommen hat. Der Genueser Kor- respondeut der „Times" bleibt dabei, daß die Fortsetzung »er Genueser Konferenz im Herbst tn London erfolgen wird.
geuW-englWes flöRommen als Druffimiltßll ^Die „Deutsche Zeitung" bringt unter Vorbehalt sollende Meldung: Wir erfahren von dnrchans^znverlas-
«ende Meldung: Wir erfahren von durchans zm
«« e. Das
«ach Genua znrückkehrt. Kommt eS an einem Bruch zwischen England und Frankreich so wird das hcntsch- ««alsfche Wirtschaftsabkommen sofort in Kraft gesetzt.
Jst Frankreich bereit, den Forderungen Aoyb Georges zu entsprechen, so würde es notwendig sein, das fertig- gestellte Abkomme« noch einer Aenderung z« unterziehen. Die Ratifizierung und Bekanntgabe wird in diesem Falle erst später erfolgen.
*
Ob diese Meldung sich auf reale Tatsachen gründet oder nur ein Mittel zum Zweck ist, um dadurch auf Frankreich einen Druck auszuüben, läßt sich auch unter Würdigung der Tatsachen und Umstände, die für oder gegen ein solches Abkommen sprechen, nicht annähernd mit Sicherheit feststellen. Wenn auch die Meldung von einer Seite ausgeht, die „durchaus zuverlässig und gut unterrichtet" sein soll, so ist doch beachtlich, daß die „Deutsche Zeitung", der die Quelle bekannt sein muß, die Meldung unter Vorbehalt wiedergibt. Das Schwergewicht würde in der Hauptsache wohl auf den Geist und den Inhalt des Abkommens zu legen sein. Datz England schließlich im Grunde nicht abgeneigt sein würde, mit Deutschland ein Wirtschaftsabkommen abzuschlietzen, wäre letzten Endes nicht allein in dem Bestreben begründet, die wirtschaftlichen Beziehungen in der Welt wieder herzustellen, sondern vor allem auch darin, daß die wirtschaftliche Lage Englands gebieterisch darauf drängt, die Handelsbeziehungen mit Deutschland wieder in einem Umfange aufzunehmen, der durch die wirtschaftlichen Verhältnisse und Bedürfnisse der beiden Staaten bedingt ist. Die Hauptfrage ist dabei aber, wie schon oben erwähnt, ob, falls die Meldung überhaupt zutrifft, das Abkommen von einem Geiste diktiert wäre, der es ermöglichen würde, den Weg zu normalen Wirt- schaftsbeziehen wieder zu bahnen. Vorläufig steht dem noch der Friedensvertrag von Versailles hindernd entgegen. Oder sollte England mit dem System der Meistbegünstigung und wirtschaftlichen Knebelung und Unterdrückung brechen wollen?
Neue Schwierigkeiten in Ge««a.
»»Genua. (B. T.) Um 11^ Uhr berief der Generalsekretär der Konferenz die italienischen Journalisten zusammen und teilte ihnen mit, daß die Konferenz auf einem außerordentlich ernsten Punkt angelangt sei und überraschte dann die Anwesenden durch die Feststellung, daß die wesentlichen Schwierigkeiten in den Verhandlungen mit den Russen selbst liegem
Barthou wieder in Genua.
»»Genua. (8. A.) Barthou ist, wie erwartet, Sonnabend vormittag 9 Uhr wieder in Germa eingetroffen.
Sitzungen der englischen Delegation.
»»Genua. (8. A.) In der Villa Alberst haben am Sonnabend während des ganzen Vormittags Sitzungen der «Mitfetten Delegation stattgefunden.
■I AWUMWWMM" ^M»»"- -* *♦•■ wZürich. (S. C.) Der „Tagesanzerger" ... .
Genua: Am Freitag früh bat Tschitschcrin mit Dr. Wirth wieder eine seiner Uisterredungen gehabt, die bisher jeder russischen Antwort an die Alliierten vorausge- gangerl sind. Die russische Erwiderung steht demnach vor ihrer Ueberreichuug. ., ^ m
»» Genua. (B. Z.) Die Verhandlungen unt den Russen werden in den nächsten Tagen noch keine endgültige Form anuehmen. Die Russen haben beschlossen, auf das Memorandum eine nur vorläufige Antwort zu geben. Die russische Delegation dürfte das Memorandum als mögliche Grundlage für weitere Verhandlungen betrachten. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß es mehrere Punkte enthält, die bei den Russen nahezu unüberwindliche Bedenken begegnen. Zur besseren Verständigung mit der Moskauer Regierung reist Ioffe mit allen Sachverständigen nach Berlin. Ob er von dopt nach Moskau weiterreist, scheint noch fraglich, da er sonst weit über zwei Wochen von Genua abwesend sein muß, wenn er nicht von der neuen bstündigen Flugverbindung Königs- berg—Moskau Gebrauch machen will. Wahrscheinlich wird er sich in Berlin mit Moskauer Emissären treffen und dort die Entschlüsse und Weisungen Moskaus erhalten. Inzwischen verhandeln hier englische und italienische Rechtssachverständige mit den Russen weiter, zweifellos auch über die Frage der Anerkennung Sow- jctrutzlands. Auf der anderen Seite haben die Deutschen sicherlich auch einen Verunttelungsauftrag von Lloyd George an die Russen erhalten.
Lloyd George als Mittler.
»»Paris. lF. G. A.) Portinax meldet im ^.Echo de Parts" aus Genua: Es Bestattet sich, daß Dr. Wirth und Rathenau im Verlaufe der Unterredung am Freitag mit Lloyd George diesen gebeten haben, sie mit Bar- thou i» Verbindung zu bringen. Sie wünschen angeblich, mit Barthou zu verhandeln, um die für den 31. Mai drohenden Zwangsmaßnahmen abzuschwächen. Lloyd George hat ihnen geantwortet, daß er sofort nach der Rückkehr Barthous diesen von dem Wunsche der beiden Delegierten in Kennttsts setzen werde.
Die italienisch-jttgoslawischen Berhandlnnge«.
»»Gen««. (B. T.i Freitag abend wurden in Santa Margerita bei Genua nach der Rückkehr des jugo-slawi- schen Ministers Nintschitsch die vor einigen Tagen unterbrochenen italienisch-jngo-slawischen Verhandlungen wieder aufgenonunen. Es heißt, daß Nintschitsch Instruktionen aus Belgrad mitgebracht habe, die es ermöglichen werden, in der Frage von Zar« eine Einigung zu erzielen.
Die Napasto-Note.
In Berliner Regierungskreisen wird die neue Note der Reparatioskommission, die sich bekanntlich mit dem Vertrag von Rapallo befatzt, als Beweis dafür angesehen, daß es auch der Reparastonskommtssion trotz eifrigster Bemübmtgen nicht gelungen ist, in deut deutsch-rus-
fischen Abkommen einen Verstoß gegen die Desstmunm- gen des Versailler Vertrages zu- finden. Der Wortlaut der Note sucht hinter -rllerlei Klauseln das Eingeständnis zu verbergen, datz die deustche Regierung durch den Vertrag von Rapallo keine Jer ihr obliegenden Verpflichtungen verletzt hat. Diese Ansicht wird auch dadurch erhärtet, daß die Note allerlei Besstmmungen aus. zählt, die längst bekannt sind und die deutscherseits durchaus eingehallen worden sind, deren abermalige Aufführung deshalb nur als kränkende Absicht empfunden werden kann. Die deutsche Regierung wird sich, wie aus Berlin gemeldet wird, durch die Note nicht verwirren lassen, sondern auf dem von ihr vertretenen Standpunkt weiter verharren.
Das Petroleum-Monopol in Rußland.
•* Der erste Sekretär Lloyd Georges hat Freitag abend den Pressevertretern noch einmal erklärt, daß in der B! der Petroleum-Konzessionen in Genua keine Ver- ungen geführt und kein Vertrag abgeschwfsen lbor-
Abreise aus Genua.
k* Freitag abend sind Joffe, Littwinoff und etwa 20 Mitglieder der russischen Delegation aus Genua avge- reist. Mit dem gleichen Zuge sind auch der österrelchischL Bundeskanzler Schober und der österreichiche Finanz- minister nach Wien abgereist.
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Neue Bervaudluuge« mit der R rparastonskommissso«.
»»Paris. <S. C.) Staatssekretär Bergmann, der auf drei Tage Paris verlassen hat, hat im Auftrage der Leutchen Regierung bei der Reparastonskommtssion das Ev- üchen gestellt nach Wie-rraufnahme von direkten Be- aungen über die vom 31. Mai von Deutschland M bilden Ententeforderungen. Die Reparattonskonv- mission wird am kommenden Dienstag zu dem deutsche» Antrag Stellung nehmen.
Die Reise Dr. Hermes nach Paris.
»»Berli«. Reichsfinanzminister Dr. Hermes beabsichtigt, wie hier bestattet wird, sich demnächst nach Parts zu begeben, um dort selbst mit der Reparationskomvussion die Verhandlungen über die deutschen Gegenvorschläge zu führen, zu deren Prüfung sich die Reparationskommission in der Note oom 13. April bereit erklärt hat.
»»Gen«a. Am Freitag sind unter Führung IoffeS mehrere Mitglieder der Sowjetdelegation nach Moskau abgereist zur mündlichen Berichterstattung über das der russischen Delegation übergebene Memorandum. In Moskau soll über das Memorandum erst,gültig Brschluß gefaßt werden.
Verbrecher seinerzeit an dem einheitlichen Widerstände des deutschen Volkes scheiterte, kommt die französische Presse von Zeit zu Zeit immer wieder auf drese Forderung zurück, und es ist recht interessant, dabei die wirklichen Gründe dieser Forderung zwischen den Zeilen zu lesen. So veröffentlicht u. a. der „Radical" einen Artikel aus der Feder des bekannten Herrn Bonnet, der irr dieser Beziehung besonders schätzenswert ist Bonnet geht davon aus, daß die allgemeine Entrüstung über die säumige Behandlung der Auslieferungsangelegenheit durch die Entente in Frankreich umso großer geworden sei, als die Leipziger Urteile in keiner Weise dem Rechtsempfinden der französischen Nation Genüge tun sonnten, und teilt nun zur Beruhigung der aufgeregten Gemüter mit, daß nach einer ausdrücklichen Erklärung PorncareeS in der Kammer Frankreich für die bisher verzögerte Auslieferung wenigstens dadurch Genugtuung erhalte» werde, daß die „Fristen zur Räumung ies linken Rheinufers noch n'cht zu laufen begonnen basten.
In Deutschland gibt es heutzutage wohl nur noch wenige, die noch nicht erkannt haben, datz»aS erpreßte Schuldeingeständnis lediglich dem politischen Zwecke diente, die unerhörten Härten des FriedensvertrageS vor der Welt zu rechtfertigen. Der „Radical„seiet uns klar, daß die Absichten Frankreichs ievt noch über die in Versailles erreichten Ziele hinausgehen, und daß sich Frankreich mit auen MttiUn einen Rechtstitel zur Ve^ lär-gerung der Besetzung des Nbeinlandes zu erwerben sucht. Darin liegt die außerordentliche Tragweise dieser französischen Absichten, die leiser *m deutschen Volke noch immer nicht mit wünschenswerter Deutlichkeit erfahr "^Frankreich hatte sich seinerzeit der Erkenntnis nicht verschlossen, daß die Auslieferung undurchführbar sei, und hatte dementsprechend auch die Aburteilung vor deutschen Gerichten zugestanden. Wenn jetzt die oom Reichsgericht nach bestem Wissen gefällten Urteile beanstandet werden und nunmehr erneut die Auslieferung gefordert werden soll, so ist es klar, daß Frankreich trotz seiner Kenntnis von der Nndurchfübrbarkett dieser Maßnahme diese Forderung nur deshalb stellt, um der deutschen Regierung erneute Schwierigkeiten zu bereiten und die ersehnte Rheingrenze zu erzwingen.
Die Frage der Kriegsvcrbrcchcn ist leider in letzt« Zeit trotz dieser drohenden Gefahren im Dränge der sich überstürzenden politischen Ereignisse nicht irrEr genügend beachtet worden. Die offenherzigen Ausführungen des „Radical" sollten uns aber dazu veranlassen den immer wieder hervortretenden französischen Absichten eine intensivere Aufmerksamkett zu schenken und die ein. mistige Abwehr hervorzurufen. Es zeigt sich bei diesem Vorgehen Frankreichs wieder einmal, wie irrig die Po- lttik unseres Schweigens in der Kriegsschuldfrage war und ist und wie sehr dieses Schweigen die Gegner an- stachelt, noch immer mehr zu fordern.