Einzelbild herunterladen
 

Hersfelöer Tageblatt

Anzeigenpreis KP die einspaltig» Petitzeile oder * deren Raum 1. (Hark, für au. aäris 1.50 (Hark, 1 die Reklamezeile 3. MK. Bei Wiederholungen : Dachlak. + Für die Schriftleltikg nerantmortlich : Franz Funk In Bersfeld. + Fernsprecher Dr. 8. ;

hersfelöLr KreisbiaLt"

Amtlicher ZnAkigsr für den Kreis hersfelö

Erscheint jeden Wochentag Der Bezugspreis betrdgi monatlich für Bersfeld u. durch die Pos! bezöge» 8.00 MK., bei freier Zustellung ins Baus, Abholer 7.00 (Dk. « Druck und Verlag Don budmig Funks Buch druckerei in Bersfeld, (Ditglied des VDZV.

Nr 75

Mittwoch, den 29» März

1922

Unerfüllbar.

Beratungen Wirths mit den Ministerpräsidenten.

im Aus der Kanzlerbesprechung mit den Ministerpräst- ldenten der Länder verlautet, datz der Reichskanzler die Sorderung^vou 60 Milliarden neuer Steuern und einer inanzlontrolle als unerfüllbar abgelebt» hat. Gleich­zeitig aber betonte er die Notwendigkeit, die Ausgaben des Reiches durch eine noch größere Sparsamkeit zu «er» ringer«. Fm übrigen aber werden Möglichkeiten zu Verhandlungen mit der Reparationskommission geprüft werden. Nach dem Reichskanzler ergriff Dr. Ratheuau das Wort zu einer Rede.

Einigkeit mit den Parteiführern.

w An die Besprechung mit den Ministerpräsidenten 6er Länder schloß sich ein Empfang der Führer der De­mokraten, des Zentrums, der Mehrheitssozialdemokra- ten, der Deutschen Volkspartei und der Bayerischen Volkspartei durch den Reichskanzler an. Bei dieser Ge- legenheit gab Dr. Wirth u. a. Aufschlüsse über die Hal­tung des Reichskabinetts. Nach seinen Mitteilungen über die Note legte der Kanzler den Parteiführern nahe, von einer sofortigen Diskussion abzusehen und sich erst in den Fraktionssitzungen mit seinen Darlegungen zu beschäftigen. Dementsprechend wurde auch von einer Aussprache abgesehen. Es läßt sich indes schon heute sagen, daß sich die fünf an dem Steuerkompromiß Beteia kitzten Parteien in völliger Uebereinstimmung mit der Auffassung der Reichsregierung über die Repurations- uote befinden. Später empfing Dr. Wirth auch die Ver­treter der Deutschnationalen und der Unabhängigen, de­nen er die gleichen Mitteilungen machte.

Der Kernpunkt der Entschädigungsnote der Repara- tionskommission sind die Forderungen, daß erstens aus dem zerrissenen, blutleeren deutschen Wirtschaftskörper ein weiterer Steuerbetrag von 60 Milliarden Herausge- preßt und zweitens die souveräne Verwaltung Deutsch­lands unter die Kontrolle der Sklavenhalter gestellt wer­den soll. Aus den vorstehenden Meldungen über die Besprechungen des Reichskanzlers mit den Ministerprä­sidenten der Länder und den Parteiführern geht hervor, daß Einmütigkeit über die Unerfüllbarkeit dieser beiden Forderungen herrschte. Diese Haltung der Reichsregie­rung und der Parteien wird überall im Lande rückhalt­lose Zustimmung finden. Wenn die Regierung voraus­sichtlich auch nicht glatt die Note ablehnen wird, so wird sich dies aber nur daran: bezieh'

Verhandlungen mit der Reparationskomnnmon ang bahnt werden sollen. Ob und inwieweit diese Erfolg ha­ben werden, wird davon abhängen, ob Frankreich und Belgien sich zu einer Revision der Entscheidung der Re- parättonskommissivn bereiterklären. Vorerst wird in beiden Ländern dafür Stimmung gemacht, daß eine Aen­derung der Entscheidung der Reparationskommission aus etatstechnischen Gründen nicht möglich sei, weil die beiden Länder auf den Eingang der deutschen Entschii- digungszahlungen in diesem Jahre nicht verzichten könnten. Dieses Argument kann aber auf keinen Fall als stichhaltig angesehen werden, um Deutschland neue unerfüllbare und unwürdige Bedingungen aufzulegen. Sie sind eine vollständige Verkennung des guten Wil­lens dSs Kabinetts Wirtb. die übernommenen Ver- pslichtungen selbst über das Maß des Erträglichen hin­aus zu erfüllen.

Entgegen anders lautenden Pressemeldungen wird derGermania" von zuständiger Stelle erklärt, daß bei der Rcichsreqiernng kein Zweifel über die Bedeutung der in der Reparationsnote aufgestellten Forderungen bestehe, sodaß auch keine diesbezüglichen Rückfragen nö­tig waren. Hoffentlich ist auch dieses als ein Zeichen der beginnenden Festigung anzusehen, sich nicht urch--- möglichen Forderungen der feindlichen Machtpolitik zu

r un-

beugen.

Wirth vor dem Reichstage.

<M®erIiu. (L. SO Der Reichskanzler begann um 2 Uhr vor dem Reichstage seine Erklärungen zur letzten . Tntschädiaungsnvte. Alle Fraktionen haben den Vor­mittag über getagt. Unter Umständen werden die Deutschnationalen ' ein Mißtrauensvotum gegen Wirth einbringen.

»»Ob auch Dr. Ratheuau schon am Dienstag im Reichs­tagsplenum oder erst im Laufe der Debatte das Wort ergreifen wird, ist im Augenblick noch zweifelhaft. Die lkompromißparteien werden voraussichtlich keine- ge­meinsame Erklärung zur Reparationsnote abgeben, son­dern einzeln dazu Stellung nehmen.

Weitere Fraktionsbesprechungen.

*» Berlin. (S. C.) Am Dienstag vormittag haben nochmals Besprechungen innerhalb der einzelnen Frak­tionell des Reichstages mit Ausnahme der Kommuni­sten stattgefundem Die Beratungen waren beim Ab- zang dieser Meldung noch nicht abgeschlossen. Es ist bis­her nicht gelungen, eine einmütige Haltung der Parieren zu der Erklärung des Reichskanzlers am Dienstag nach­mittag im Reichstage zustande zu bringen. Die rechts­stehenden Parteien wollen ihre Stellungnahme von der Lrklärung der Regierungsparteien nach der Reichs- kanzlerrede im Reichstage abhängig machen.

arteten nach der Reichs-

Die Vertrauensfrage.

»Sie Frage, ob die Regierungsparteien ein Ber- waueusvotum einbringen werden, ist noch unbeantwor­tet. Es sind hierüber noch keine Beschlüsse gefaßt wor­den, ebensowenig auch darüber, ob von links oder rechts mit einem Mißtrauensvotum vorgegangen werden soll.

HardlUgs Befürchtungen über die EntschädigungSnote.

»»Berlin. Aus Neuyork wird gemeldet: Präsident Harding sei über die Note der Reparationskommission an Deutschland höchst beunruhigt. Er befürchte, daß die Auswirkung der Note Europa völlig zerrütten und schwere Schäden für den amerikanischen Außenhandel nach sich ziehen würde.

SiHerung des europiiildjen Friedens.

uer Londoner Reise bereits wieder nach Paris zurück­gekehrt. Er hat mit Lloyd George eine Besprechung ge­habt, in der nach englischer Quelle ausschließlich die Kouferenz von Geuua behandelt wurde und in der Lloyd George nachdrücklich erklärt haben soll, daß es seine Absicht sei, sich dafür einzusetzen, daß in Genua von sämtlichen vertretenen Nationen der Grundsatz an­genommen werde, daß die eiuzelueu Länder sich gegen­über ihren Nachbarn jeden Angriffs enthalten. Der englische Premierminister betrachte diese Verpflichtung als etwas unbedingt Gegebenes und rechnet darauf, daß damit der Friede Europas gesichert werde.

Falls die vorstehende Meldung die Absichten Lloyd Georges richtig wiedergibt, so geht zweifellos daraus her­vor, daß sich ihre Spitze gegen Frankreich richtet, das soeben bei den Beratungen über die Moratoriums frage in der Reparationskommission einen neuen Sieg über die Politik Lloyd Georges errungen hat. Lloyd George bezweckt damit, dem poincaristischen Frankreich in seiner Machtpolitik gegenüber Deutschland Schranken aufzu- legen. 'Wenn wir auch sonst von England kein Entge­genkommen zu erwarten haben, so hat sich doch rm Lause der Zeit in den maßgebenden Kreisen Englands die Er­kenntnis Bahn gebrochen, daß die französische Politik, deren Ziel die französische Hegemonie über Europa ist, große Gefahren für England in sich birgt. Diese Gefah­ren sucht England zu bannen. Ob es ihm gelingen wird, ist eine andere Rrage. Die Aeußerung Aoyd Georges ist, immer vorausgesetzt, daß sie zutrifst, auch noch inso­fern bemerkenswert, als nach den Vereinbarungen zwi­schen Lloyd George und Poincaree in Genua politische Fragen nicht erörtert werden sollten. Ein Antrag Lloyd Georges in dem vorstehenden Sinne vtützte aber auf je­den Fall eine politische Erörterung zur Folge haben, weil er eine Aenderung des Versailler Vertrages bedeu­ten würde. _ K

m englischen

sei davon überzeugt, daß das ganze Problem der Wech felkurke in Genua zur Lösung kommen würde. Unter Heiterkeit des Hauses fragte Lord Beutruck, welchen Ziocck es habe, daß Lloyd George nach Genua gehe, wenn die Reparationskommission inzwischen an den Wechsel­kursen Europas Sabotage verübe. Aus eine Anfrage erklärte Cbamberlain, es bestehe keinerlei Zusammen­hang zwischen der Veröffentlichung des Memorandums von 1919 und der Konferenz von Genua. Der Geist, von dem das Dokument ausgegangen sei, sei der Geist, der die Regierung während der ganzen Verhandlung erfüllt habe.

(Bei dem Dokument handelt es sich um die Denk­schrift. die Llovd George am 25. März 1919 der Frie­denskonferenz vorgelegt und in der er seine Auffassung über die Friedensbedingungen dargelegt hat.)

Anfwärtsbcwegnug deutscher Wertpapiere.

»» Rotterdam. (S. C.) DerRotterdamsche Courant" meldet aus London, daß die Aufwärtsbewegüng der Aktienpapiere der deutschen Anilinfabriken und der west­deutschen Montanwerke im freien Verkehr an der Lon­doner Börse fortdauert.Manchester Guardian" be­richtet, daß diese Auswärtsbewegung der deutschen Pa­piere in unulittelbarem Zusammenhang stehe mit der Meldung aus Washington, daß die amerikanische Regie- runa beabsichtige, die Rückzahlung der Besatzungskosten in Waren, und zwar vorzugsweise in Farbstoffen, von Deutschland zu fordern.

Barthou Führer der französischen Delegation.

>* Die Pariser Morgenblätter lassen erkennen, daß in der Kabinettsitzung am Dienstag, in der die französische Delegation für Genua bestimmt werden soll, mit Sicher­heit Barthou zum Präsidenten der Delegation ernannt werden wird. Als weitere Delegierte werden die be­reits genannten Namen Seydoux und Sergent ange­geben, die beide als Finanzsachverständige auftreten werden. Ueber die beiden anderen Delegierten verlau­tet noch nichts Besttuimtes. Dagegen soll Poincaree be­absichtigen, doch nach Genua zu gehen, meint auch nur zu den letzten Sitzungen. Er habe sich bei der italie­nischen Regierung erkundigt, ob es gestattet sei, wäh­rend der Konferenz einen Delegierterr durch einen an­deren zu ersetzen. Diese Anfrage sei bejaht worden.

Vorbesprechung der Neutralen.

x Der schweizerische Bundesrat hat beschlossen, die neu­tralen Sachverständigen, die an der Konferenz von Ge­nua teilnebmen, auf den 5. April nach Bern zu einer weiteren Borbespremuna einzuladen

Vorbesprechung für Kenn«.

Berlin. (S. C.) Der Reichskanzler hat die deutschen Vertreter für Genua für den 9. April zu einer geruein- samen Besprechung nach Berlin eittgeladen.

Das englische Kabinett und Genna.

»» London. (L. A.) Im englischen Kabsileit sind große Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Konferenz von Genua entstanden.

Vorläufig keiue zweite Finanzministerl nfersuz.

»» London. Man beabsichtigt, die zweite Konferenz der alliierten Finanzminister vorerst nicht stattfinden zu lassen. Als Grund wird Zeitmangel angegeben, der durch die Vorbereitungen zur Konferenz von Genua hervor­gerufen sei.

Die Vertretung des Saargebiets.

»»Paris. (ft- ®. SL) Der Völkerbundsrat hat das Projekt der Regierungskommission für das Saargebiet für die im Friedensvertrag vorgesehene parlamentarische Vertretung der Saarbevölkerung genehmigt. Das Pro­jekt siebt einen Rat mit konsultativen Befugnissen und einen sogenannten Studienausschuß vor. Der Rat wird SO Mitglieder umfassen, die über 25 Fahre alt sein müs­sen und auf Grund des allgemeinen und gleichen Wahl­rechts (nicht geheimen) gewählt werden müssen. Wähl­bar sind nur Einwohner des Saargebiets. Der Rat muß von der Regierungskommission vor der Einführung neuer Gesetze und neuer Steuern, mit Ausnahme vo« Zöllen, gehört werden. Der Studienausschuß nürd die gleiche Zahl Mitglieder umfassen, die von der Regierung ernannt werden.

8er Betrug am deuten Volke.

Der Waffenstillstand zwischen Deutschland und sei­nen Feinden war bekanntlich auf der Grundlage der Wilsonschen 14 Punkte abgeschlossen, die es Deutschland zur Pflicht machten, den tatsächlich auf Feindboden an­gerichteten Schaden wieder gutzumachen. Man weiw wie diese Bedingungen auf dem Wege von Spaa nach Versailles in die fürchterlichen Lasten umgemodelt wur­den, die man dem deutschen Volke durch öre erzwungene Unterschrift auferlegte. Kriegspensionen und sonstige finanzielle Verpflichtungen, die aus dem Kriege fich er­gaben, wurden von unseren Feinden unter Bruch ihres Wortes auf unsere Schultern gebürdet, und kein gerin­gerer als Maynard Keynes hat die ganze Hinterhältig­keit aufgedeckt, die darin lag, uns unter dem Titel des ,.Wiederaufbaus" übertriebene Schadenziffern aller mög­lichen Art zu Lasten zu schreiben. Wlan hat die Singst» ! ben Keynes, soweit man sie nicht verschwieg, durch al­lerlei Ausflüchte zu entkräften versucht: umso erfreu­licher ist es, daß dem englischen Wirtschaftsfachmann t« der Person des ehemaligen portugiesischen Handelsmini- sters Correia ein Bundesgenosse erwachsen ist, der mS einem äußerst belastenden Material aufzuwarten ver­mag. Damit hat es folgende Bewandtnis:

Nun b«t zwar kein deutscher Soldat portugiesischen Bo­den betreten, materieller Schaden sonnte also, müßte man meinen, in Portugal nicht anaerichfet worden sein. Das hat aber eine Reihe von portugiesischen Behörde» und Geschäftsleuten nicht abhalten können, respektable Sachdensersatzforderrmgen bei der ReparationSkommis-

sion anzumelden. In der letzteren saß ein Vertreter Pormgals der erwähnte Herr Correia, der es nach der Auffassung gewisser Leute für seine Pflicht hätte halte« müssen, auch die unverschämtesten Forderungen seiner Landsleute zu vertreten und durchzusetzen. Das tat aber Herr Correia, was seinem Charakter alle Ehre macht, nicht, im Gegenteil, er beanstandete zahlreiche Forderungen seiner Landsleute und erregte dadurch so lebhaft den Unwillen der interessierten Kreise, daß er seinen Abschied erhielt. Obgleich die öffentliche Mei­nung des Landes fast ausnahmslos auf seiner Seite ist, haben jetzt seine Gegner sogar eine Anklage wegen Hoch­verrats gegen ihn durchgeseyt.

nslos auf seiner Seite ist, eilte Anklage wegen Hoch-

Correia bat einen Bericht zu . seiner Rechtfertign^ erscheinen lassen, aus dem nur folgender Fall erwähn) sei: Eine portugiesische Firma beansprucht 680 000 Gold­mark Schadenersatz.- weil in ihren Betrieben zahlreich« schwarze Arbeiter an der Grippe gestorben seien, ohne daß diese infolge des durch den Krieg venrrsachten Ar­beitermangels ersetzt werden konnten! Die Firma be­rechnet sich nun, wie viel sie mit der vollen Arbeiter- zahl hätte produzieren können, und multipliziert die er­rechnete Summe mit den Weltkriegspreisen! Ein Poste« in dieser Rechnung betrisft ein durch Hochwasser megge» schwemmtes afrikanisches (!) Zuckerdepot, das wegen der fehlenden Transportmittel nicht anderwärts unter» gebracht werden konnte. Andere Firmen verlangen Er. satz für ähnlicheEventualschäden". Alle diese Dinge sprechen Bände. Die besiegten Staaten werden zu­grunde gerichtet und Europas Wiederaufbau wird ge­hemmt, weil Tausende und Abertausende aus den »Sie» gerländern" sich in frivoler Weise die Konjunktur zu- nutze machen und Forderungen stellen, die über jedes erlaubte Maß hinausgehen. Wehrt sich aber Deutsch­land, diese unverschämten Forderung zu erfüllen, wehrt eS sich dagegen, sich um eines solchen freventlichen Be­truges willen in die Schnldkneckt'chaft seiner ehemaligen Feinde zu begehen, dann heißt es: ^.Deutschland bckun- det schlechten Willen".

Zur politischen Lage äußerte sich der Führer der Deutsche« Bolkspartei, Ab­geordneter Strefemann, in Sradtbagen in Ausführun­gen, die neue Streiflichter bieten. Zunächst sprach er von den Möglichkeiten, aus den Fesseln von Stetfainee herausznkommen. Er wies darauf hin. daß mit uns die Welt als Käufer wie ab? produzierender Staat zu rech­nen habe. Den verderblichen wirtschaftlichen Einfluß des Friedens von Versailles wies der tüeörter an Bei­spielen aus den wirtfchvftlichen Verhältnissen in der Vereinigten Staaten, in England und in den neutral gebliebenen Ländern Europas mit hoher Baluta nach Zugleich warnte er aber vor dem Irrtum anzunehmeu