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Reisfelder Tageblatt

hersfelöer Kreisblatt"

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Ne« 60

Sonnabend, den L1 März

1922

Frankreichs AnersAMichkeik.

Am 13. August 1921 war zwischen den Staaten der Eiltente das sogenannte Finanzabkommen getroffen worden, in dem u. a. die Priorität des belgischen Em- Midigungsanspruches und die Anrechnung des Wertes der Saargruben auf das deutsche Reparationskonto fest­gelegt wurde. Im übrigen bestimmte das Abkommen die Anteile Englands, Frankreichs und Italiens an den deutschen Reparationsleistungen. Obgleich Frankreich bei diesem Verteilungsschlüssel für die ersten Jahre in­sofern schlecht bedacht war, als es infolge der Verrech­nung der Saargruben zunächst nur einen verhältnis­mäßig geringen Anteil an den deutschen Barleistungen erhalten sollte, war es nicht Frankreich, sondern Eng­land, das an dem Finanzabkommen beständig Kritik Nbte. Der Gegensatz zwischen England und Frankreich in dieser Frage gab an Schärfe den anderen zwischen den beiden Regierungen bestehenden Unstimmigkeiten Nichts nach. Umsomehr muß es jetzt überraschen, daß ge­rade Frankreich das Abkommen vom 13. August nicht wahr haben will und auf eine Aenderung zu seinen Gunsten drängt. Offenbar benutzt es die Beanstandun- Jen Englands, um seinerseits sich der unbequemen Be- ingungen des Abkommens zu entledigen.

Auf der Konferenz der Finanzminister, dre gegen­wärtig in Paris tagt, hat der französische Finanzmim- Ler de Lasteyrte ein Memorandum vorgelegt ,in dem Frankreich die offizielle Erwägung abcsibt, daß es die Abmachungen des Finanzabkommens vom 13. August und die Vereinbarung von Cannes nur als Grundlage für eine Diskussion betrachtet mrd erhebliche Verände­rungen der früheren Beschlüsse verlangt. Wie voraus- zusehen war, ist es besonders die Gutschrift für den Wert der Saagruben und die Berrechnung der Besatzuugsko- sten, die von der französischen Regierung bemangest werden. Folgerichtig schlägt de Lasteyrie vor, daß dre Gutschrift für den Wert der Saargruben nicht für die­ses Jahr erfolgen soll, sondern erst für viel spater, nach­dem Deutschland einen großen Teil ferner Barzahlung erledigt hat. Frankreich würde auf diese Weise erheb- «ch mehr erhalten, als nach dem durch das August-Ab- pÄÄÄÄSW* ««, die französischen Besatzungskosten nicht wre bisher von den Zahlungen für die Wiedergutmachung abzuziehen, Wtedergutmachungs- und Besatzungskosten sollen vie^ mehr in Zukunft getrennt bezahlt werden. Auch dadurch würde sich natürlich der französische Anteil an den deut­schen Zahlungen erhöhen, weil Frankreich auf diese Weise den Ersatz seiner Besatzungskosten voll hereinbe- käme und nicht nur einen dem bisherigen Berteilungs- plan entsprechenden Anteil, sodaß es keine Anstrengun- Km machen brauchte, um diese Ausgaben zu vermin- Gerade im Interesse einer allgemeinen Abrü­stung, zu der sich England nicht weniger als Amerika bekannt hat, wäre es zu wünschen, daß Frankreich auch mit diesem Anspruch nicht durchkommt selbst wenn es Wr dadurch annehmbarer zu machen scheint, daß es eine Pauschalsumme für jede BcsatzuncGarmee vorschlagt, Re nach der, Effektivstärke der einzelnen Kontingente zu ^r ^angeblich versöhnlichen Stimmung, die auf der Konferenz der Finanzminister herrschen ioH, kann die Presse doch die Schärfe der bestehenden Gegen­sätzlichkeiten nicht verschleiern. Belgier uird Engländer seyen offenbar den französischen Vorschlägen den nach­drücklichsten Widerstand entgegen, indem sie sich vor al­lem auf die Vereinbarungen von Cannes berufen, die nicht mehr zu diskutieren seien. Italien dagegen scheint mehr der französischen Auffassung zuzuneigen, der Anf- enthalt Schanzers, des italienischeir Außenministers W Paris scheint nicht ohne Wirkung am die italienische Stellungnahme geblieben zu sein.

' Auch in der Frage des Deutschland zu bewilligenden Moratoriums ist eine Einigung -Mischen den Parteien -itoA ^eutfcIyTcittb ittdjt wcHiwnt » rcnclnuifüaen Ab ständen von 10 Concil die Rate von 31 Millionen Goldmark bezahlen ^ni- W ma mah allein aus dem Grunde, weil bei ,vmtsetzang dieser gahlungsweise Deutschland eine Summe aufbrin- oen müßte, die nicht nur weit über seine Kräfte, sondern sogar auch über den Rahmen des Diktats von Cannes m^neben würde Die deutschen Zghluugeii sollen nicht nu?für das Jahr 1922, sandern auch für die nach- fjen Jahre bestimmt werden, England uüiuschtabercne Verteilung unter den Alliierten von der deutschen Zah- inugnsälsiakcit abhängig zu inacheri. Das fetzige Prooi- sorium muß endlich einmal einem Dcfini^uum i latz machen. Das deutsche Volk kann zu keiner stetigen lr- gelangen, wenn ihm sucht die >e>nei ^cr- pflichtungen bekannt ist, die für den Aufbau seiner Wnt- ai« Grundlage zu gel eu haben.

^rannösilcke -w^!i dn Morntornun.

?®«wSä Ä üKwrent über!reffe und die Beschäftigung oer > cc"^".e. Industrie für das nächste Jahr sicherstelle. Ev w^e rer- ' langt daß die Iinauzminuier der alliierten fragten ; hierauf Rücksicht nehnien und keineFederung der Al.

{liierten an Deutschland ^rlaitzü und kein lange Oratorium beivilligen, da es Denftchland in tntmmnucL und wirtschaftlicher Hinsicht immer.nochbesser gebe-als j dem bis zu eilt fünftel gänzlich zerstörten Frankreich.

Die Pariser FmsrrzrmrMer-Konferenz.

>»Aus Paris wird gemeldet: Auf der internationalen Finanzministerkonserenz, auf 5er neben Amerika und Japan sämtliche Westententemächte vertreten sind, hat der französische Finanzminister Graf de Lasteyrie bei der Ueberreichung der Vorschläge der einzelnen Dele­gationen eine Denkschrift verlesen, in der darauf auf­merksam gemacht wird, daß nach dem französischen Ber- Iragsrecht jeder Staatsvertrag, der die Staatsfinanzen angeht, dem Parlament vorzulegen ist, und daß alle abgeschlossenen Verträge juristisch ungültig sind, weil sie von der Kammer nicht ratifiziert worden sind. Die Verhandlungen müßten daher wieder von vorne beginnen.

Der französische Finanzminister hat ein Memoran­dum vorgelegt, das sich mit allen Fragen beschäftigt, die in der Finanzkonferenz vom 13. August 1921 und in Cannes behandelt worden sind, aber neue Vorschläge enthält über die Frage der Bezahlung der Saargruben und die Festsetzung der Besatzungskosten, und zwar: 1. der Wert der Saargruben wird nicht auf das Konto der Reparationsleistungen von 1922 gebucht, 2. die Ko­sten der Besatzungstruppen werden in der Landeswäh­rung vereinbart für jede an der Besetzung teilnehmende Armee, 3. in Zukunft sollen zwei besondere Konten für die deutschen Zahlungen eingerichtet werden, das erste für die Reparation, das andere für die Kosten der Be­satzung. Nach Havas scheint es, als ob sich die Minister auch mit der Frage der deutschen Zahlungen für 1922 und mit dem Deutschland zu gewährenden Moratorium befassen würdem Die englische Ansicht scheint dahin zu gehen, die Zahlungen an dre Alliierten von der deut­schen Zahlungsfähigkeit abhängig zu machen. Die Lei- ftrmgen würden für 1923 und die folgenden Jahre feft- gefetzt werden. Von italienischer Seite scheine man keine ernsten Einwendungen machen zu wollen.

Das SleuerksiWromttz gesichert.

bs Ueber den Verlauf der Sitzung des interfraktwnel- len Ausschusses, an der der Reichskanzler und auch der Reichsernährungsminister Dr. Hermes reilnahmen, er- i&Ä^

Gesetzes ist vorgesehen, daß eine Zwaugsunleihe für das Rechnungsiabr 1922 ausgeschrieben wird und daß im übrigen die sämtlichen Steuern bewilligt werden. Für die Sozialdemokratie verlangte Hernrann Müller noch Sicherungen dafür, daß die Zwangsanleihe ,m Jahre 1922 nicht nur ausgegeben, sondern auch in möglichst großem Maße eingetrieben werde. Es stellte sich aber bald heraus, daß es unmöglich sei, in die Einzelhuten einzugehen. Die Sozialdemokratte erklärte sich deshalb damit einverstanden, auf weitere Zusicherungen zu ver­zichten, falls alle Parteien ihr Einverständnis damst er­klärten, daß sofort möglichst große Seile der Anleihe flüssig gemacht werden. Nachdem die Parteien dem zu- gestiunnt hatten, trug Dr. Becker die bereits vervnent- lichten Garantresordernngen der Dent,chcn Volksyarter vor. Der Reichskanzler machte einse»ue Bedenken gel­tend, besonders wegen des Sparsamkeitsmimsters, weil er glaubte, daß hier der Fiiianzminister selb,t am be­stenarbeiten könne. Dann folgte die Stellungnahme der Parteien. Nachdem zum Schluß der Reichskanzler das Ergebnis der Aussprache noch einmal zusammen- aesgßt hatte, erklärte Dr. Becker namens der Deutichen Volksvartei. daß sie ihre Zustimmung unter das Man- telgcsetz federt könne, worauf der Initiativantrag auch von den übrigen Parteien gezeichnet wurde. Das Steuerkompromiß steht damit endgültig fest.

Dr. Hermes zum Mnauzminister ernannt.

x Berlin. (T. Der Reichspräsideist hat den bis­herigen Reichsernährungsminister Dr. Hermes unter Entbindung von seinem bisherigen Posten zum Reichv- finanzminister ernannt.

Ein neuer Vorstoß gegen Hermes.

r-c> Berlin. lS. C.) Die Mehrheitssozialisten haben einen neuen Vorstoß gegen Dr. Hermes unternommen. Die Vertreter der mehrheitSsozialistischen Fraktion ha­ben zuverlässigen Vernehmen zufolge beim Reichskanz­ler gegen die definitive Uebertragung des Relchsftnanz- minisleriums an Dr. Hermes in aller Form Einspruch erhoben.

Zusctmmeutritt des auswärtigen Attsschusies.

Berlin. (S. C.) Der.Rüstungsausschutz für aus­wärtige Angelegenheiten tritt anfarrgs der fotiuncnben Woche zu einer Sitzung zusammen, um weitere t-rkla- runaen der Reichsregierung über die Frage der Genue­ser Konferenz und die russische Frage entgegenzimchmen.

Zur Reichspräsidentenwahl.

»^Berlin. (K Z.) In einer Fraktionssitzurig der Mebrheitssozialdemokraten kam die Frage der Wahl des Reichspräsidenten zur Sprache. Reichstagsabgeord- neter Hennann Müller erklärte dazu, daß an die Wahl des Reichspräsidenten Herangegaugen werden foL sÄald die Genfet Verhandlungen zum Abschluß gebracht wor­den sind. Für die Mehrheitssozralisien könne ein Ge­neral oder Admiral als Reichsvrttsideutichaftskandrdat nicht in Frage komnreik. In diesenr Zusammenhang nannte der Redner die Namen Hindenburg, Scheer und von Kabr.

Amerikas Absage.

«^AuS PariS wird gemeldet: Die Note des amerika­nischen Autzenministers Hughes, in der die Einladung

zur Teilnahme an der Konferenz von Genua abgelehir» wird, hat hier wie eine Bombe eingeschlagerr. Der jetzß vorliegende Wortlaut der Note läßt erkennen, daß di» amerikanische Absicht auf rein innerpolitische Bedenken zurückzuführen ist. Staatssekretär Hughes erklärte; nämlich, die Union könne deshalb nicht nach Genua ge­hen, weil man sich der Annahme uicht verschließen sönne, daß die Konferenz von Genua nicht einen wirtschaftli­chen, sondern eher einen politischen Charakter trägt.- Amerika könne sich deshalb nichtnützlicher Weise" an; der Konferenz beteiligen, weil die Regierung überzeugd ist, daß sie auf das amerikanische Bock aiiictfitfü nehmew

muß.

Weiter heißt es in der Erklärung, daß die Teil­nahme Amerikas an irgendeiner allgemeinen europäi­schen Konferenz unmöglich sei, da die europäischen Na­tionen unfähig seien, eigene Maßnahmen für die Hei­lung der Kriegsschäden zu treffen und ihr Wirtschafts­leben zu stabilisieren. Ferner könne es den europäischen Regierungen hinsichtlich der Teilnahme Rußlands nicht zustimmen, da die Bereinigten Staaten ständig die Po­litik verfolgt hätten, die Sowjetregierung nicht anzu- erkennen.

Die Pariser Presie zur Ablehnung Amerikas.

»^-Parts. «F. G. A.» Die Ablehimug der Einladung der italienischn Regierung zur Teilnahme an der in­ternationalen Wirtschaftskonferenz von Genua durch die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordame­rika hat, obwohl dies in unterrichteten Kreisen voraus­gesehen wurde, in den Pariser politischen Streifen eine lebhafte Erregung hervorgerufen, die von den Gegnern der Konferenz ausgenutzt wird. DerTeuws" spricht von einem Bankerott der Konferenz. Der Aufbau Eu­ropas ohne die Mitwirkung Amerikas fei eine Totge­burt. DieLibertee" meint, die Absage Sinrerikas werde die Abkürzung der Konferenz und die Ueberweisung aller wirtschaftlichen und finanziellen Fragen an den Völkerbund zur Folge haben.

Die neue Enttvaffnnugsuote.

s-c Genf. (S. C.)Echo de Paris" meldet, daß die neue

land am Montag Paris verlassen hat. Die neue Note sei entgegen anderslautenden Meldungen wieder nrcht befristet, betone aber die Notwendigkeit, daß die in der Note des Generals Nollet geforderte Revision der mili­tärischen Organisation der deutschen Sicherheitspolizei schnellstens und ohne Verzögerung durchgenihrt werden müsse. .

Verzögerung der Entscheidung über das Memelland.

?-!-Königsberg. lS. C.> Aus Memel wird gemeldet, daß dem Antrag des Memeler Landtages an den Völ­kerbundsrat, die Entscheidung über die staatsrechtliche Zugehörigkeit des Memellandes auf die Tagesordnung der bevorstehenden Tagung des Völkerbundes zu setzen, nach einer Mitteilung des Generalsekretariats vom Völ- kerbundsrat nicht stattgegeben worden fei. und zwar auf Einspruch von zwei Mächten, die dem Völkerbund an­gehören.

Die Ratifizierung des Viermächteabkommens vertagt.

Rotterdam. lS. C.) Wie aus Neuvork gemeldet wird, hat der Senatsausschutz die Ratifizierung des Biermächteabkoimnens, das auf der Washingtoner Ab­rüstungskonferenz beschlossen worden ist, mit 12 gegen 3 Stimmen vertagt trotz einer zweistündigen Rede, die der Saatssekretär Hughes über die Dringlichkeit der Frage und der Rechtsgültigkeit der Beschlüsse, die auf der Washingtoner Abrüstnngskoriferenz gesatzt worden sind, gehalten hat.

Vom Bölkerbnndsrat.

* Genf. lL, A.) Während der Krankheit de Cunas ist als dessen Stellvertreter da Gang zum Vertreter Brasiliens im Bölkerbnndsrat ernannt worden.

Eutentevorstellungen i» Warschau.

Warschau. lL. Ast Die hiesigen Entenregesandten haben eine Demarche gegen die Angliederung Wilnas unternommen.

Die Bediuguugeu für Rutzlaud.

te*> «Hu? Kowuo meldet die polnische Telegrapven- Agentur über die angeblichen Bedingumen, die Ru^ land iiach einer Vereinbarung zwischen Pomearee und Llood George gestellt werden sollen: 1. Anerkennung der russischen Borkriegsschulden, 2. Entwaffnung der roten Armee. 3. Anerkennung des Bermiller Vertrages, 4. Freihäfen an der Ostsee und im Schwarzen Meer, ö. Kontrolle des deutsch-rnssischen Handelsverkeyrs.

Die Tagesordnung für Genua.

^Berlin. lS. Cst Aus Paris liegen Meldungen vor, wonach die offiziöse Havasagentur die Nachricht ver­breitet, von den alliierten Mächten sei für cie Konferenz von Genua nicht nur die gesamte deutsche Ziage, son- bern auch die Frage des nürtfdiafHtoat Wiederaufbaues auf die Tagesordnung gesetzt worden.

Der grotze Erfolg der Leipziger Messe. .

^Berlin. lS. Cst Stach Meldungen aus Leipzig mal am Donnerstag die Leipziger Messe von über WV OAi Einkäufern besucht. Davon entfallen aur das Auslaß über 100 000. Man erwartet, daß die ^alst der Ein­käufer auf der Leipziger Messe bis Wochenende euD wo überschritten hat.

Aufhebung des Steckbriefes gegen Dr. Runge ^Berlin. lB. Tst Die Staarsanivauiwart in S8tcv= lau hat die Aufhebung des Stecklnuefes gegen Dr. Arnold Runge aus Heidelberg veranlasst, Dr. Run« war b^ schädigt, in Schlesien eine die Sicherbett des ^eumo ge­fährdende nationalistische Politik getrieben zu haben.