Hersfelöer Tageblatt
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Nr. 84
Donnerstag, den 9. Februar
1923
Beilegung des Eisenbahnerstreiks.
Nach Mitteilungen, die als ziemlich sicher gelten dürfen, scheint es, als ob der Vermittelungsschritt der Spitzenorganisationen an dem Widerstände der Reichs- Jewerkschaft Deutscher Eisenbahner gescheitert sei. Es «gt darüber folgende Meldung vor:
Der D. E. D. gegen den Streik!
Aufgabe der seitherigen Neutralität.
Berlin, 8. Febr. Der VermittelungSschritt der kpitzenorganisationen ist ergebnislos geblieben, weil die Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamter die Zusagen der Regierung als ungenügend erklärte und sich weigerte, die Streiklosung zurückzuziehen. Der Deutsche Eisenbahnerverband, der ebenso wie die übrigen Spitzen- »rganisationen, diese Weigerung als unbegründet und ungerechtfertigt ansteht, hat gleich den übrigen Spitzen- »erbänden, an seine Mitglieder die Parole ausgegeben, die seither bewahrte Neutralität gegenüber der den Streik führenden Reichsgewerkschaft aufzugeben und die Wiederaufnahme der Arbeit durchzulühren. Infolge des ablehnenden Verhaltens der Reichsgewerkschaft glaubten die Spitzenverbände eine weitere Unterstützung des Streiks durch Neutralität nicht mehr verantworten zu können. Man glaubt, daß die Durchführung der neuen Weisung zu einer vollständigen Isolierung und zum Abbruch des Streiks führen werde, wenn die Gewerkschaftsdisziplin gehalten wird.
Dieser Meldung stehen allerdings andere Mitteilungen entgegen, wonach die Reichsgewerkschaft mit den erreichten Zusagen der Reichsregierung zufrieden sei, und nur noch in der Frage der Maßregelungen Differenzen bestünden, während die Reichsgewerkschaft im Allgemeinen in dem Verhandlüngsergebnis eine' geeignete Grundlage zur Einigung sähe. Wir geben diese hoffnungsvoller lautenden Meldungen nachstehend wieder, glauben aber, daß die ersterwähnte Nachricht, wonach der Verständigungsfaden abgebrochen ist, mehr Anspruch auf Wahrscheinlichkeit besitzt:
Berlin, 7. Febr. Bei Schluß der Verhandlungen im Reichsfinanzministerium mit den gewerkschaftlichen Spitzenorganisationen und dem Deutschen Beamtenbund bezeichneten sowohl die Vertreter der Gewerkschaften wie auch die des Beamtenbundes die Erklärungen der Regierung als eine Grundlage für den Abbruch des Streiks. In den späten Nachmittags stunden haben bereits Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften, dem Deutschen Beamtenbund und der Reichs- Hewertschaft deutscher Effenbahnbeamlen über die Zurückziehung des Streikaufrufs der Reichsgewerkschaft statt- Jefunden. Laut L.-A. soll man auch im Hauptvorstand er Reichsgewerkschaft der Ansicht sein, daß die gestrigen Zusicherungen der Regierung eine annehmbare Verhandlungsbasis ergeben können. Schwierigkeiten bereitete nur die Frage der Maßregelung von Streikenden.
Die Reichsgewerkschaft hält an der Forderung fest, daß keinerlei Maßregelungen erfolgen dürfen, und daß, falls das Reichsverkehrsministerium doch Maßregelungen von Streikenden vornehmen werde, die Verständigung mit der Regierung als gescheitert angesehen werden müsse. Das Reichskabinett soll sich heule mit der Frage der Maßregelungen beschäftigen.
Der „Vorwärts" über Maßregelungen.
Für Personen, die sich gewaltsamer Beschädigung von Verkehrsanlagen zu Schulden kommen ließen, wird sich dem „Vorwärts" zufolge niemand begeistert einsetzen. Es bleibt also die Frage der eingeleiteten Disziplinarverfahren, deren Zahl gering ist. D<e ganze Angelegenheit habe nicht die Bedeutung, daß ihretwegen eine fortlaufende schwere Schädigung der Gesamtwirtschast zu verantworten wäre.
Die Streiklage.
Wie dem Reichsverkehrsministerium unter dem 7. d. M. mitgeteilt wird, ist die Streiklage gegen gestern im allgemeinen nicht wesentlich verändert. An einzelnen Stellen sind Sabotageakte vorgekommen, aber nur in geringerem Umfange und zwar in den Bezirken Frankfurt a. M. und Altona. In Württemberg wird der Verkehr voll aufrecht erhalten. In Baden hat sich der Streik nicht weiter ausgedehnt. Auf einem der größten Derschiebebahnhöfe Mitteldeutschlands haben die Lokomotivführer einen Kurier zum Hauptvorstand der Reichsgewerkschaft nach Berlin geschickt mit der Forderung, daß der Betrieb sofort auf allen Linien wieder ausgenommen werden soll. Auch sonst macht sich all- gemein ein Abbröckeln des Streiks bemerkbar. In
Schneidemühl ist das gesamte Bahnpersonal zur Arbeit zurückgekehrt. Auch die örtlichen Organisationen des Deutschen Arbeiterverbandes brachen an mehreren Stellen den Streik ab. So ist in Essen und Hamm die Arbeit wieder ausgenommen worden. In Frankfurt a. M. soll die Arbeit im Lause des heutigen Tages wieder beginnen. In den gesamten bestreikten Gebieten sind in den letzten 24 Stunden
1000 perlonenzüge gefahren worden.
Von Berlin bestand am Dienstag bereits ein Per- sonenzugverkehr nach allen Richtungen. Im Berliner Vorortverkehr wurden gestern insgesamt 120 Züge gefahren.
Qeber den Ginfatz der ^ethnischen fVolkilke
zur Unterstützung der Eisenbahndirektionen im ganzen Reiche wird ferner mitgeteilt: Die Technische Nothilfe stellte nach dem Stande von heute morgen den Eisenbahndirektionen im ganzen Reiche an technischen Fachkräften zur Verfügung: Führerpersonal für rund 100 Züge, 1200 Mann Begleitpersonal und weit über 5000 Mann für die Aufrechterhaltung der Betriebswerkstätten, Stellwerke, Weichenanlagen und die sonstigen Hiifs- anlagen.
Berlin, 7. Febr. Im wesentlichen ist die Streiklage unverändert. Die gestern gemeldete gewaltsame Behinderung der Arbeitswilligen und Nothelfer durch die Streikenden nahmen an manchen Stellen scharfe Formen an. Im Laufe des gestrigen Nachmittags wurden im Personen- und Vorortverkehr über 120 Züge und im Peisonenfernverkehr mehr als 36 Züge abgefertigt. Die Zuführung von Lebensrnitteln aus den Eisenbahndireklionen Stettin und Magdeburg ist" gesichert. Entsprechende Vereinbarungen mit den anderen Nachbardirektionen stehen oor dem Abschluß. An mehreren Stellen meldeten 'ich im Laufe des gestrigen Tages Streikend» z"r Arbeit jwüa. .............
Die Generalftreikhetze.
Nach Blättermeldungen aus Berlin und dem Reiche sind linksradikale Kreise am Werke, den augenblicklichen Streik dazu auszunutzen, einen Generalstreik zu proklamieren.
Aus der Heimat.
Der Streik der Eisenbahner entgültig beendet.
§ Bersfeld, den 9. Februar. Die gestern von uns wiedergegebene amtliche Nachricht, wonach bereits am Dienstag abend eine Einigung zwischen der Regierung und den Streikenden erzielt worden sei, war insofern verfrüht, als die Streikenden ohne Benachrichtigung ihres Hauptvorstandes blieben und deshalb die Arbeit noch nicht aufnahmen. Wie uns nun heute von der hiesigen Ortsgruppe der Reichsgewerkschaft mitgeteilt wird, ist heute früh folgendes Telegramm des Bezirks- Vorstandes der Reichsgewerkschaft eingegangen: „Strek aufgehoben. Dienst aufuehureu" — Dieses Telegramm wird zur Folge haben, daß sich heute die Streikenden wieder zum Dienst einfinden und der Betrieb wird wieder langsam in Gang kommen. Es wird natürlich noch einige Tage bis zu einem geregelten Verkehr dauern, doch werden bereits von morgen ab wieder mehr Züge verkehren.
§ Hersseid. Im Lichtschauspielhause erregt der z. Zt. laufende Film „D anto n" berechtigtes Aufsehen. Ein Besuch dieses kolossalen Werkes, welches noch heute und morgen Abend vorgeführt wird, kann nur empfohlen werden.
* Die Pflege der Zähne ist eine Angelegenheit, die gewöhnlich recht vernachlässigt wird, obwohl Schule und auch die Tageszeitungen immer wieder auf deren Wichtigkeit Hinweisen. Die meisten Magenver» stimmungen und -erkrankungen sind auf mangelhafte Beschaffenheit der Zähne zurückzuführen. Unsere Schulärzte können so manches Beispiel dafür neben, wie wenig doch auf die Zahnpflege gerade bei den Kindern geachtet wird Dabei sollte es schon jedem Kind, das sich selbst waschen kann, im eigenen In- tereffe zur Regel gemacht werden, wenigstens morgens nach dem Waschen die Zähne zu reinigen Leider auch Erwachsene versäumen diese eigentlich selbstverständliche Pflicht, bis dann die Zähne hohl werden und schmerzen. Dann werden erst alle möglichen Quacksalbereien probiert, die da8 Uebel nur vergrößern. So wie zur Körperpflege das Bad unbedingt erforderlich ist, sollte man bet aller täglichen Pflege der Zähne doch mög
lichst einmal im Jahre den sich dennoch ansetzende» Zahnstein von einem Zahnarzte abklopse» laßen. Das ist eine kleine Mühe und Ausgabe die aber bte Zähne gesund erhält und vor dem ach so scheußliche» Zahnreißen bewahrt. Gute Zahnpflegemittel sind t» großer Auswahl wohl in jeder Drogerie und Apotheke für verhältnismäßig noch wenig Geld zn haben.
SCaflel. Wie im ganzen Deutschen Reiche, fand «w Sonntag auch in Cassel unter der Losung „Volk in 3tor eine Werbeveranstaltnug für Turn, Sport, Spiel «ab Wandern statt. Alle Behörden waren durch ihre Spitze» vertreten. Es wurde die Forderung aufgestellt, daß Leibesübungen deutsche Volkssitte werden müsse. NameM- lich wird verlangt, daß die Spielplatzfrage eine rasche Lösung findet. Allgemeiner Zwang müsse die verlorst gegangene Wehrpflicht ersetzen. Turnerische Borsti-- rungen in seltener Schönheit schlössen sich den verschiedenen Ankoracken an.
0 Eine trotz des Eisenbahnerstreiks stark befugt Bersammlnvg der Vorstände und Innungen und be# Handwerker- und Gewerbevereins im Bezirk der Handwerkskammer Kurhessen und Waldeck beschäftigte sich, mit den wichtigsten Bestimmungen der in das Handweick tief einschneidend n Gesetzentwürfe, tue jetzt der Reichs- Legierung, dem Reichstag und dem vorläufigen ReichS- wirtschaitsrat v .liegen. Der Vorsitzende der Handwerkskammer, 5 bermeister Zimmermann, Kammer- syndikns Thanhc 'r und der Generalsekretär des kurheft fischen Handwerr rm-ndes, Dr. Harlmann, Sielten ein« gehende Referat" an die sich eine lebhafte Aussprache an» schloß. Hierauf n nröe eine Entschließung angenommen, die sich zum eri ten Teil mit der Erschließung SeA die in der letzter Vollversammlung der Handwerkskammer gefaßt wordm ist. Auf Grund.verschiedener Au- träge der Junu ".r wurde eine weitere Entschließung angenommen, d-^ die Einführung von Schulerausschüft sen an den Fortb iduugsschulen ablehnt. Abgelehnt wird auch weiter die paritätische Zusammensetzung der Handwerkskammern, weil dadurch die Tätigkeit der Kammer» zur Erfolglosigkeit verurteilt wäre und die Beiträge d« Arbeitgeber ins Unermeßliche gesteigert würden. Svdam» fand folgende E -ischlletzung Annahme: Der Db-rmrst- die Berufung von Neuorganisationen um-diedari» niedcrgelegten Gruildiatze. Er begrüßt es besonders, baj der Grundsatz der Pflichtzugehörigkeit aufgenS^neU worden ist und erwartet, daß bei der endgültigen Regelung die Wünsche des Handwerks, die rm Gesetz zum Ausdruck konunen. unbedingt aufrecht erhalten werdet^
Eine GesaMsktznng der Caffeler Handelskamme» beschäftigte sich c ngehend mit den Kanalplanen von der. Weser bis Süddeutschland. Nach einem Vortrag be* Handelskammersynditus Metterhausen wurde eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt: Die- Kammer sieht davon ab, bereits jetzt Stellung zu nehmen zu der Frage, welches von den beiden Protesten zur Herstellung eines großen Schiffahrtsweges SwEche» Weser und Main den Vorzug verdient. Die Entscheid dung wird erst dann getroffen werden können wen» für die verschiedenen Projekte genaue und vergleichbar« Unterlagen über ihre Berkehrsbedeutung, Bankoste» und über die Möglichkeit der Gewinnung von Waffer^ kraft vorliegen werden. - Die Vollversammlung wählte den bisherigen Vorstand wieder und wählte nen zui» Vorsitzenden des Verwaltungsausschusses den Kommev- Lieurät Plaut-Ca5sel.
Gotha. Als Mörder des LavdwirtL-Etzcpaares Kar» Billebsch in Grasentonna wurde der 13jährige Pflege- sobn des ermordeten Ehepaares, der laudmirtschaft.'-che Arbeiter Fr. Echafser, geboren in Schweidnitz, ermittelt und verhaftet. Der Täter hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er will die Tat begangen haben, weil er von seinen Psirgeelteen gescholten und geschimpft worden sei. Mit einem aus dem Zuchthaus entwichenen Verbrecher will er den Plan zur Tat ausgcar- beitet haben. Der Täter drang in das Haus der Pflege- eltern ein, nachdem er fielt mit sieben Glas Bier Mut angetrunken hatte. Zunächst tötete er mit einem kleine» Hammer seine Pflegemutter, dann brächte er seinem Pflegevater mehrere Schläge auf den Kopf bei, die dc» sofortigen Tod zur Folge hatten. Nachdem er dann i» dem Zimmer ein Fettbrot verzehrt hatte. legte er sich ins Bett. Am nächsten Morgen schlug er ein Loch in bie Wand, um einen Einbruch vorzutäuschen. Darauf ließ er zum Nachbar, um die Mordtat mitauteiien. Der Mörder gibt an, öl? Tat mit voller Ueberlegung begangen zu baden, um stch in den Besitz der Habe der Pflege- eltern zu setzen.
— Ein jugendliches Mädchen erlitt in der Straßenbahn einen schweren Verlust. Beim Verlassen des Wagens bemerkte es, daß ihm 3000 Mark entwendet worden waren.
Nortkeim. Eine männliche Leiche wurde unterhalb des WcbreS am Ciechenanger aus der Rhume gezogen.
Briefkasten.
Nach Schenklengsseld. Zur Vermeidung von Irrtümern fet noch wugeteilr, daß die Schornstein, fegenntiiter berechtigt sind, die Umsotzsteuer besonders zu berechnen, da dieselbe von dieß n auch ev trichtet werden muß und in den amtlichen Gebübren für daS Reinigen der Schornsteine nicht berücksichtigt ist. Natürlich darf nur der Umiatzsteuersatz berechnet werden, welcher abzugeben ist, also seither vo» 100 Mark 1.60 Mark.