Reisfelder Tageblatt
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Heesfel-er Kreisblatt" [
Amtlicher Muzeiger fie den Kreis Hersfei- I
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Nr. 16 Donnerstag, den 19. Januar
1923
Rampfonfage an poinearaß.
,-A.Wie aus Paris gemeldet wird, kündigen die Sozialiften aller Richtungen dem neuen Kabinett Poin- raree Kampf bis aufs äußerste an. Die Kommunisten, -erem Presse Pvincaree in einer kaum miederzugebenden Weise angreift, haben für Freitag eine Reihe von Massenversammlungen einberufen mit der TagesorS- UNAg „Poincaree vor dem Staatsgerichtshof".
Französischer MinisterraL.
r^-Der französische Ministerrat hat unter dem Vorsitz Millerands eine Sitzung abgehalten. Poincaree erstattete Bericht über seine Unterredung mit Lloyd George «Nd Lord Curzon.
Abreise Curzons aus Paris.
r^-Der englische Außenminister Lord Curzon ist aus Paris nach London abgereist.
Poincaree optimistisch.
w Poincaree hat sich nach seiner Unterredung mit Lord Curzon optimistisch geäußert. Poincaree soll den Eindruck gewonnen haben, daß eine Verstandrgung zwischen Frankreich und England möglich sei, wenn ste auch mcht so schnell erzielt werden dürfte, wie es in Cannes der Fall zu sein schien.
MnlKdung Oesterreichs nach Germa.
v^-Der italienische Gesandte in Wien hat der österreichischen Regierung eine Note des italienischen Außennnm- sters überreicht, in der Oesterreich zu der W,rt,chafts- konfereuz von Genua ein geladen wird.
Die Schweiz nimmt die Einladung au.
v^Der schweizerische Bundesrat hat die Einladung der italienischen Regierung zur Wirtschaftskonferenz in Ge- inua angenommen. Die Schweiz wird »wei Delegierte entsenden.
Belgische Bedingungen.
LLLS«
»'S us»» ? Schulden der Provinzen und städtischen Beerben zurückzahlen und die Rückgabe der belgischen Fabriken, die beschlagnahmt worden sind, garantieren.
Die Verbanösschnlden in Amerika.
t»- Aus Washington wird gemeldet: Sobald die Ermäch- ligung des Kongresses zur Eröfsnung der Verband (un- gen über die während des Krieges von den Alliierten eingegangenen Schuldverpflichtungen voriieyr, ^^^^ Mm^^ntreken^w^^ beteilig-
Kn Mächten zu verhandeln.
Russische Denkschrift für Genua.
Der Rat der Volkskommissare hat eine besondere Kommission' gebildet, deren Aufgabe in der Ausarbet- kung eines Memorandums für die Konferenz zu Geuua bestehen nurd. ^^ Zehntage-Zahlunge«.
(F G. A). Der „Temps" stellt entgegen ei- anders lautenden Meldung einer französischen Zei- Lna Wer die bevorstehenden derrischen Wiedergutma- «bunasiiablünaen fest, daß Deutschland am 18. Januar Ä vmadschriebene Z^ im Betrage von
"1 Millionen Goldmark leisten wird. Eine gleiche ZW- |”X auf ^rwlassung der GarantickommUsion berät?am 8 Januar von Deutschland geleistet Diese SS erfolgen durch die Reichsbank, .die den ^tn^ar-rttTfen von Frankreich, England, Amerika, Belgien und Italien entsprechende Menge von Devisen itber-
Et- Frankreichs Bedingungen.
»»t Raris lF G. A.) Nach zuverlässigen Informanten sucht das französische Äußenministerium gewisse Bürgichasten gegenüber den beiden „verdächtigen Delegationen (gemeint ist die deutsche und die russtWes auf der Konferenz von Genua zu erhalten. Von Rußland » verlernet: Anerkennung der Bestimmungen des V^-sailler Vertrages, sowie die Eintragung einer all- gemeinem Hypothek auf die natürlichen Reichtümer Ruß» lands die" die französischen Forderungen garantieren. Für Deutschland würde genügen, wenn dre drei auf der Konf^enz von Genua vertretenen Hauptmächte ver- Sf t M aus keinen Fall die bestehenden Bestimmungen Wer die Wiedergutmachung von Deutschland in Frage gestellt würden.
Geht Dr. Wirth nach Geuua?
^Berlin. (S. C.) Das Reichökabinett hat durch den &enHeben Botschafter in Rom der italienischen Regierung
Annahme der Einladung zur Wirischaftskonferens in Genna aussprechen lassem Man nimmt an, daß der Reichskanzler Dr. SSirth der Führer der deutschen Delegation sein wird.
Auch Poincaree nimmt an der Konferenz teil?
«raris. (F. G. A.) Eine hervorragende Persönlich- kett des französischen nationalen Blocks erklärte einem ' Vertreter des „Neunork Herald", Pvincaree werbe selbst : Genua gehen falls auch Lloyd George und Bonomi i WöMtch an der Koilferenz tetluchmen. Die Teil-lahine : Frankreichs an der Genuaer Konferenz würde jedoch von i bestimmten Garantien abhängig gemacht werden.
» Keine Erörterung des Grnudübels.
' Marks (F. G. A.) Der „Temps" versichert, daß Frankreich aufrichtig bereit sei, an dem Wiederaufbau WvLovas teilLUnebmen» Die Koisierenz von Keim»
könne aber nach der Auffassung französischer Kreise nur dann Erfolg (!) haben, wenn auf der Konferenz die ins ternattonalen Verträge unberührt blieben, wie dies auf der Konferenz des Obersten Rates in Cannes ausdrücklich zugesichert worden sei.
Französische Propagauda gegen Genua.
»* Genf. (S. C.) Die Pariser Presse hält auch jetzt noch nach der Einladung Deutschlands und Rußlands zur internationalen Wirtschaftskonferenz in Genua durch die italienische Regierung daran fest, daß die Beteiligung Frankreichs an der Konferenz von der Stellungnahme der französischen Kammer zu dieser Frage Whängig zu machen sei. Der „Matin" greift Bonomi und Lloyd George heftig an, weil sie den Beschluß des Obersten Rates ausgeführt hätten, ohne daß das neue französische Kabinett seine Anerkennung ausgesprochen hätte. Der „Temps" schreibt, die Einladung DeutschlaWs und Rußlands nach Genua sei die größte Kränkung, die Frankreich jemals zuteil geworden sei. Jetzt heiße es, Schlimmeres abzuwenden. Das „Echo de Paris" glaubt, daß die französische Kammer am Dormerstag dem neuen Ministerpräsidenten Poincaree mit 400—450 Stimmen das Vertrauen aussprechen werde.
Die Attsschaltung des Obersten Rates.
& Loudon. (F. G. A.) „Daily Chronicle" beschäftigt sich mit der Absicht Poincarees, die außenpolitischen Ver- handlunaen außerhalb des Obersten Rates durch die Botschafter führen zu lassen. Die Zeitung erklärt, wir müssen auf alle Fälle bemerken, daß durch die BerhaWlun- gen des Obersten Rates nicht ein Zehntel von dem zustande gekommen ist, was wir tatsächlich bis jetzt erreicht haben. Die Haltung Poincarees gegen die Abhaltung von neuen Konserenzeir erklärt sich lediglich daraus, daß er gesehen hat, wie geiätzr-W diese Konferenzen für ein franzt y^c M-ttstcrimn werden können.
Die Bemühungen um Amerikas Teilnahme.
w Rom. (F. 3.) Die „Tribuna" beschwört in einem Leitarttkel die Bereinigten Staaten, an der internatw- nalen Wirtschaftskonferenz in Genua teilzunchmen. Außer den Friedensinteressen sei auch das Prestiae Italiens interessiert, weil Italien die Konferenz einbermen habe. Wenn die Vertreter der Vereinigten Staaten von Nordamerika von der Konferenz in Genua fernbleiben würden, würde das Interesse der anderen Teilnehmer abgekühlt und der Erfolg der Konferenz beeinträchtig. Dadurch würden die Bereinigten Staaten nck»„ selbst schaden, denn Amerikas Handel sei an dem enroympchen Markt anßerordentlich interessiert.
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W Wie aus London gemeldet wird, erklärt sich die bri- Nsche öffentliche Meinung zu Gunsten eines englisch- französischen ASkommens, das, wie allgemein cmerkarmt wird, die Grundlage für irgendwelche Maßnahmen bilden sollte, die man für den wirtschaftlichen Aufbau Europas anweudeu könnte. Der nächste Schritt,liege bet der französischen Regierung. Lloyd George wird in dieser Woche eine öffentliche Rede haltem Man erwartet von ihr wichtige Ankündigungen über die britische Politik.
Tagung des Rusrvärtigsn Ausschusses.
«-^Berlin. (B. Z.) Am Mittwoch vormittag um 11 Uhr ist der parlamentarische Älusschuß für auswärtige Angelegenheiten unter dem Borsitz des Reichstagsabgeoid- neten Stresemann zusammengetreten, um über die außenpolitische Lage zu beraten. Dr. Rattzenau erhielt gleich zu Anfang der Sitzung das Wort s« einer längeren Berichterstattung über Cannes, über die Repara- tivnsfrage und die erforderlichen Budget- und Finanz- reformcu. Nach Rathenau sprach der Reichskanzler Dr. Wirth, der vor allen Dingen oem Ausschup den E^nst der finanzpolitischen Lage vor Augen geführt hat. 3« der Debatte sprach als erster Redner der ZentruuwWge- ordnete Dr. Spähn. Im folgte der Deutschnationale Dr. Helsscrich. Die Verhandlungen sind streng vertraulich. Wie der „L. A." erfährt, richtete Dr. Helffench scharfe Angriffe aegen die Regierung. Man hält es in parla- mentartschen Kreisen nicht für ausgeschlossen, daß Neichs- kauzler Dr. Wirth auf diese Angrisse hin das Wort ergreift, um sich und seine Politik zu verteidigen. .
Dr. Wirths Borständigungs-OPtimismuS.
»-^ Berlin. (B. Z.) Die Vollversammlung des Industrie- und Handelstages wurde durch den Vorsltzenocn Geheimrat von Ntendelsohn eröffnet. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache eines Mitgliedes der BcMner Handelshochschule nahm der Reichskanzler Dr. Wirth das Wort. Der Reichskanzler führte m a. aus, er ho,fe, daß auf die schweren Jahre im Jahre 1922 eine Verständigung in Europa folgen werde. Ein großer Fortschritt'sei, daß Deutschland jetzt als gl^Äberechtigter Kontrahent zu der Wirtschaftskonfcreuz m Genua eingeladen worden sei. Auch darin, daß man auf der Kmi- fereni von Genua von der Erörterung aller politischen Fragen absehen und sich lediglich auf die Beratung der von den wirtschaftlichen Sachverständigen der ganzen Welt zusammengestellten Vorschläge beschränken wolle, reiae sich, daß sich eine Verständigung anbahue. Man müßte cS dankbar begrüßen, daß Deutschland zu einer solchen Konferenz gerade jetzt unter diesen Umständen eingeladen worden sei.
Die Finanzlage Preußens.
Im Hauptausschutz des Preußischen Landtages gab der preußische Finanzminister Dr. v. Richter einen Ueberblick über die allaemeine Finanzlage Prcnßevö.
Die preußischen Finanzen seien ebenso wie die des ches leider von Faktoren Whängig, auf die man nur einen geringen Einfluß HWe, z. B. von der au politischen Lage. Der katastrophale Sturz der 3 eine Folge der außenpolitischen Lage. Preußen ist j in ganz anderer Weise vom Reiche Whängig geworden als früher. Wie man auch zu dem Gedanken des Eis-
auch zu dem Gedanken des Ei«- ;e, so sei doch kein Zweifel, daS Volkes keinen Einheitsstaat wal
Heitsstaates stehen möge, ,. ... . _ ... ,, weiteste Kreise unseres Volkes keinen Einheitsstaat--- len. Die jetzige Struktur des Reiches führe dahin, daß
das Reich sich vielfach auf die Rolle eines Anordnendmt' beschränke und die Kosten der Ausführung dieser Anordnungen den Ländern überlasse. Das sei auf die Dauer nicht möglich. Die Länder müßten wirtschaftlich so gestellt werden, daß sie auf eigenen Füße« stehe» könnten. Im Haushaltsentwurf für 1922 sind die Anteile an der Einkommensteuer, der Körperfchaftssteuer; und der Umsatzsteuer entsprechend der Veranschlagung im Reichshaushaltsplan für 1922, die ein Gesamtauf-1 kommen von 23 Milliarden Mark an Einkommensteuer 4 Milliarden Mark an Körperschaftssteuer und 23,5 Mil-! liarden Mark an Umsatzsteuer annimmt, mit zusammen 6810 Millionen Mark angesetzt, gegen 2839 Mill. Mark im Haushalt für 1921, also mehr als 3971 Millionen' Mark. Dieser Aufbesserung stehen aber gegen über die Verschlechterungen von 46 Mill. Mark bei den Bezirksverwaltungen und 2670 Mill. Mark bei den übrigen Staatsverwaltungen. Von den bei den Steuern mehr zur Verfügung stehenden 3971 Mill. Mark sind auf diese; Weise 2716 Mill. Mark aufgezehrt, der Rest von rund 1,3 Milliarden Mark und einige andere Verbesserungen, im Haushalt her Steuern und Abgaben, insbesondere । auch die Abgabe zur Förderung des Wohnungsbaues reichen aber nur dazu aus, den Fehlbetraa im Hans>- Haltsplan für 1921 von 2,4 Milliarden Mark bis auf einen Betrag von 948 Millionen Mark auszugleichem Für diesen Betrag soll die Deckung durch die Steuer vom Geundvermöge« beschafft werden.
Nadauszenen im Berliner Stadtparlament.
»-#> In der Berliner Stadtverordnetenversammlung hat- 'sten beantragt, statt der Deckungsvor- Antrag, den Arbeitslosen eine beson- g zu gewähren, zu beraten. Der Au-
ten die Kommuni'
läge sofort ihren Antrag, den Arbeitslosen eine besondere Untersttitzung zu gewähren, zu beraten. Der Antrag wurde abgelehnt, worauf sich etwa 40 auf der Tribüne befindliche Arbeitslosenräte in heftigen Schimpf- worten ergingen und der vom Stadtverordnetenvorsteher- Dr. Caspar! verlangten Räumung der Tribüne wider-
beschloßen, die Tribüne« Doch hatten die Radau- m verduften. Bei der Immen gegen 72 weiße
mal
Wa
polizeilich räumen zu lassen. Doc, icher es inzwischen vorgezogen, zu verduften. Bei der ^-ahl des Büros wurde mit 104 Stimmen gegen 72 weiße Zettel Fabian ld.-n.i als erster, Meyer (dem.) als zweiter und Schwarz (D. Vpt.) als dritter stellvertretender Vorsteher gewählt.
Strerkstrmmung der sächsischen Eisenbahner.
Wie aus Dresden gemeldet wird, herrscht in Sachs«! zurzeit starke Stimmung für einen EisenbahnerstreiL Der Deutsche Eisenbahnerverband, Bezirksleitung Sachsen, teilt mit: Aus allen Ortsgruppen des Bezirks er» halten wir Nachrichten, daß die Mitglieder, Beamten wiS Arbeiter, die von der Regierung bewilligten Zulage» als völlig ungenügend ablehnen. Sie forderten de» Berbandsvorstand auf, der Regierung gegenüber das unzureichende Ergebnis der Verhandlungen abzulehne« und, falls eine Einigung nicht möglich ist, die Arbeits- uiederleguug a«zuoxd«eu.
Auch in Bayer« gärt es.
Eine Versammlung des Bayerischen Eisenbahnervev- bandes in München nahm einmütig eine Entschlrevuna an, in der es heißt: Die Versammlung drückt ihr lebhaftes Bedauern darüber aus, daß die Reichsregierung den Wünschen der Reichsbeamten und Reichsarbeiter bei der letzten 'Teuerungsaktion nicht mehr Eulgcgeukomme« g^ zeigt hat und daß die Zugestandnrsse wett hinter dem zurückgeblieben sind, das den unteren und mittlere» Gruppen des Staatsdienstpersonals hatte gewährt iper- den können. Die Versammlung erwartet, daß die unbestreitbare Notlage der Staatsbeamten und Staatsar-- beiter alsbald durch eine durchgreifende Aufbe«er»n«, der Gehälter und Löhne einigermaßen erträglich gestaltet werde.
Ankündigung einer neuen Lohnbewegung. o-biBerlin. (S. CJ Die radikalen Betriebsräte der Bc» liner Industrie, der Eisenbahn und Post beschloßen w einer gemeinsamen Sitzung, angesichts der von der 3te- gieruna angekündigten 75prozentigen Preissteigerung des Brotes neue Gehalts- und Lohnzuschlage von 40 Prozent mit sofortiger Wirksamkeit 8« fordern Versammlungen, die allgemein bindende Beschlüsse faste», sollen, sind für Donnerstag abend anberanmt worden.
Das Steuerprogramm doch gefährdet. <’ »^ Berlin. (S. C.) Die Meldungen von einem Konv-. promttz bei den Steuerfragen sind den Tatsachen voraus-1 geeilt In einer am Dienstag abend avgehaltenen Vev- sammlung der Sozialdemokratischen Partei Berlin-G^ smidbrunnen teilten alle anwesenden Parteifunktionär! mit, daß ohne Einbeziehung der Erfassung der «schwer« in das Stcuerprograumr mit einer Annahme der neuen Steuervorlagen im Parlament durch die Mehrbcttsiozta-, litten ausgeschlossen sei. •