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Kersfelöer Tageblatt

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yersfel-er Kreisblatt^

Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö

i Erscheint jeden Wochentag Der Bezugspreis beträgt monatiidi für Bersfeld 6.00 Mark, durch die Post : bezogen 6.50 Mark, bei freier Zustellung ins : Baus. ä Druck und Vertag dod budoig Funks

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Nr. 15

Mittwoch, den 18. Januar

1933

MaThSUMS Bericht in Tannes.

In seiner vor dem Obersten Rat am 12. Januar ge­haltenen Rede, deren genauer Inhalt erst jetzt veröffent­licht wird, betonte Reichsminister a. D. Dr. Rathenau, daß die deutsche Delegation, die ernsthaft bemüht sei, alle gewünschten Auskünfte rückhaltlos und wahrheitsgetreu zu geben, darüber hinaus bereit sei, in dem von ihr ge­forderten Maße an den Aufgaben dieser Konferenz mit- zuarbeiten.

In Beantwortung der sich nur den Umfang der von Deutschland zu forderrrden Sach- und Geldleistuiigen be­ziehenden Fragen hob Dr. Rathenau hervor, daß Deutsch­land entschlossen ist, mit feinen Leistungen bis zu den Grenzen seiner Leistungsfähigkeit zu gehen, daß Deutsch­land jedoch durch einen verlorenen £rie& durch schwere Verluste und durch eine Revolution hrndurchgegangen ist. Deutschland empfinde selbst am schwersten die anor­male» Zustände seiner LebeusbesingAngen und ferner Finanzen, und es wünsche, sie zu beseitigen. Es wünsche, nicht den Weltmarkt durch Unterbietungen zu zerrütten.

Die beiden Aufgaben: Aentzere Leistung nud in= «ere finanzielle Sanierung, vor die Deutschland dadurch gestellt ist, widersprechen einander. Es fei daher schwer zu sagen, daß die und die Zahlung eine ausreichende und erträgliche Leistung darstelle. Es müsse eine Summe ge­funden werden, deren Schwere erträglich sei und die zu­gleich der wirtschastlrchen Lage der empfangsberechtigten Nation entgegenkommt. Als Baps ferner Berechnmt- «e» wählte Dr. Rathenau die im Obersten Rat für 18^2 genannten Ziffern: 500 Millionen für. Barlei tungen und 1450 Millionen für Sachleistungen, einschließlich der äußeren Besatzungskosten.

Deutschland, ein Land der Lohnarbeit, das Roystofie empfängt, sie verarbeitet und die verarbeiteten Erzeug­nisse verkauft und nur unerhebliche eigene Rohstoffe hat, müsse das meiste im Auslande kanfen und für alles bar bezahle». Es könne nur durch seine Haudarbert zahlen und muß deshalb eine aktive Handels- und Zahlungs­bilanz" haben. 'Die deutsche Zahlungsbilanz aber sei vorSelüstet mit einem Einfuhrbedarf von 2% Milliarden Lebensmittel und 2% Milliarden Rohstoffe, und zwar ohne verarbeitete Fabrikate und ohne LurusaWkel Au­ßerdem seien im Gegensatz gegen früher 3 :us 4 Ptu.mr- den Goldmark jährlich an das in Deutschland kayctalve- ^^e Die "Passivseite d?r ^ZahlungAbilauz betrüge etwa

VKSMMt" ^

Aus ÄuMge Lloyd Georges bestätigte Dr. Rathenau, daß infolge des Standes des Weltindexes auf 1,5 ine deutsche Ausfuhr jetzt 14 bis 15 Milliarde» Goldmark betragen müßte, wen» sie dem Vorkriegsstände ent­spreche. Sie habe sich also etwa auf er» Viertel ver-

K

fistln habe Deutschland leider nicht hindern können.

Durchführung einer auswärtigen Anleche habe Deutsch- ^nd versucht, sie sei aber unmöglich gewesen, da nach Meinung der City die Deutschland auserlegten Lagen zu schwer seien. Demnach sei es unmöglich geweien, den Verkok von Umlanssmitteln zu vermindern, obwohl das deutsche Geld dadurch ein Gegenßand der interna­tionalen Spekulation wurde.

Rathenau hob hervor, daß die Annahme irrig sec, Satz der Marksturz feit Mitte 1921 nur die Folge der Inflation und des Gebrauches der Notenpresse in Deutschland gewesen fet Dann hätte der Sturz nicht so Zötzlich und in so ganz kurzer Zeit eintreten können. Auch habe der Kurs sich erheblich gebessert, sobald nch etwas Blau am Himmel zeigte, nämlich die Nachrichren über die ersten Besprechungen zwischen der britischen und der französischen Regierung über eine Regelung der deutschen Verbindlichkeiten für 1922. L-olange dre Wah­rung eines Staates auf dem internationalen Markte aus dem Gleichgewicht gekommen sei, sei es unmöglich, rr- ger?deiu Budget auf bestimmte Zeit mit Sicherheit tu Dehnung zu bringen.

Dr Rathenau betonte, daß in diesem Augenblick das Budget für 1922 in Ordnung fei; es enthalte sogar ge- wisie Ueberschüsse. Dabei sei aber ss& den Reparationen abgesehen, und jeder neue Marksturz, jede innere Preis­erhöhung werde dieses Budget gefährden. Eine als Ab- Hilfsmittel zunächst denkbare Reduktion des Verbrau­ches sei kaum erreichbar, da die Mittelklasse und die Ar­beiter weit unter dem Stand der Vorkriegszeit leben. Es könne sich nur um die Hebung der Produktion und die Vermehrung der Ausfuhr handeln. Eine derartige Nermehrung sei aber schwer, weil sich andere Völker da- aeaeik wehren. Es bleibe das Mittel, die landwirtschaft­liche Produktion zu heben. Bezüglich der auf Deutsch- K land ruhenden Lasten wies Rathenau darauf hin, daß M wir 1922 das Budget 85 Milliarden ausschließlich Repa- 3 rationen und sonstige Friedensvertragsleistungen be-

S trägt. . y i *

4 w Beim Reichskanzler fand eine Chefbesprechung statt, in der Dr. Rathenan über den Verlauf der Konferenz y i» Cannes und die Tätigkeit der dentschen Delegation r berichtete. Der Reichskanzler begab sich dann in die ^'Sitzung des Auswärtigen Ausschusses des Reichsrates,

wo er in vertraulichen Ausführungen die politische Lage skizzierte.

Kein amtlicher Bericht über. Cannes.

«aus in Cannes rare:

e-! Berlin. (S. C.) Bon zuständiger Stelle erfahren wir, daß ein amtlicher Bericht über die Tätigkeit Rathe- ......7 "........7 ...erst nicht ausgegeben werden wird. Dagegen wird der Reichskanzler in der Sitzung des par­lamentarischen Ausschusses für auswärtige Angelegen­heiten am Mittwoch vertrauliche Mitteilungen machen. Das Reichskabinett befaßte sich am Montag in zwer Sitzungen mit den Reform- und Sanierungsplänen für den deutschen Staatshaushalt, die innerhalb 14 Tagen von der deutschen Regierung der Reparationskormms- sion überreicht werden sollen. Beschlüsse sind in den bei­den Sitzungen des Reichskabinetts noch nicht gefaßt

worden.

Die Beratungen m Berlin.

^Berlin. (B. Z.) Die Chefbes prechung in der Reichs­kanzlei am Montag dehnte sich da die meisten Mini­ster daran teilnahmen, zu einer Kabinettssitzung aus. Der Bericht Rathenaus ist noch nicht erörtert worden. Am Dienstag nachmittag soll eine neue Chefbesprechung stattfinden, aber für eine halbe Stunde später ist schon eine Kabinettssitzung anberaumt worden. Die Vor­bereitungen für den Entwurf der Antwort an die R^pa- rationskömmisstou sind noch nicht soweit gediehen, daß man sich damit in einer entscheidenden gemeinsamen Sit­zung beschäftigen kann. Trotzdem wird der Reichskanz­ler am Mittwoch in dem Ausschuß für Auswärtige An­gelegenheiten über den Stand der Reparationsfrage ei­nen Bericht abgeben. Ob der Kanzler dann auch im Plenum des Reichstages, der am Donnerstag wieder zu- sannneAkritt, über die durch die Besprechungen in Can­nes geschaffene Lage sprechen wird, ist sehr unwahr­scheinlich.

MinisterpLäfidenten-ZusaMMeNknnft in Berlin.

^ Berlin (F. G. A.) Die Ministerpräsidenten sämt­licher deutscher Freistaaten werden sich am Freitag dieser Woche zu einer Konferenz in Berlin zusammenfinden, um unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Wirth lau­fende Fragen zu erörtern. Die Besprechungen sollen der Information der Ministerprsidenten über die aktuellen Vorgänge in der inneren Reick-tpolitik und der Aus- landspolitik dienen.

Einladung vegWimss nsH Abum.

8-0 Der italienische Botschafter in Berlin hat der Reichs- regieruug die offizielle Einladung für die Konferenz von

WWmiM»

Mittwoch in einer Kabinettssitzung mit der Einladung nach Genua beschäftigen. Voraussichtlich dürfte eine of­fiziell Antwort der deutschen Regierung auf die Ein­ladung erfolgen. Ueber die Personenfrage steht rm Augenblick noch nichts fest, wer als deutscher Vertreter an der Genuaer Konferenz teilnehmen wird.

^> Paris. lB. Z.) Als Nachtrag zu den Besprechungen zwischen Poincaree und Lord Curzon teilt der offizielle Matin" mit, daß die Einladungen zu der internatio­nalen Wirtschaftskonferenz in Genua von dem italie- nischen Ministerpräsidenten Bonomi im Auftrage des Obersten Rates an alle in Frage kommenden Staaten versandt worden sind, und zwar sind die Einladungen endgültig. Sowohl Vertreter Sowjetrutzlands als auch Vertreter Deutschlands würden auf dieser Konferenz an­wesend sein, ohne daß diese Länder durch eine vorherige Verpflichtung irgendwie gebunden feien.

Die Zahl der Vertreter für Genua.

^ Berlin. (B. T.) Bon unterrichteter Seite wird dem B. T." mitgcteilt, daß die Großmächte auf der Konfe­renz von Genua durch je drei bis fünf Delegierte, die Kleinstaaten durch je zwei Delegierte vertreten fein wer­den. Deutschland wird fünf Delegierte entsenden könne«.

Keine Denkschrift der deutschen Industrie.

e^Wie dieD. A. 3" erführt, entspricht die in der Presse erschienene Nachricht über die Ausarbeitung einer Denkschrift zur Konferenz in Genua von feiten des Reichsverbandes der deutschen Industrie nicht den Tat­sachen.

Gespannte Auffassung in London.

i» London. (F. G. A.s In LonSon sieht man der Eifi- wickelung der englisch-französischen Beziehungen mit un­geheurer Spannung entgegen. Der Vorschlag des fran- zösischen Ministerprüsidenten Poincaree, die Verhand­lungen in Zukunft durch die Botschafter führen zu las- fen, und in seiner Beurteilung der Konferenz von Ge­nua erblickt man in Londoner politischen Kreisen den Versuch, die Verhandlungen in die Länge zu ziehen.

Eine neue Konferenz?

»^AuS London wird gemeldet: Wie Lloyd George nach seiner Rückkehr ans Paris erklärte, ist es unbestimmt, " ~ ".....-----------" Poincaree noch in dieser Woche

coen. Lloyd George Hofst, im

ob die Besprechungen mit 5

in London sortgesetzt wert....,_ . ,

Laufe der Woche eine Mitteilung aus Paris zu erhalten, in der erklärt wird, ob die Verhandlungen anschließerrd in Cannes oder auf einer neuen Konferenz fortgeführt

werden sollen.

Französische Hetze.

r^JmPatt Matt and Globe" schreibt der trWere Se­kretär Ctemcnceans, Mandel, wenn Deutschland nicht in der Lage vezw. nicht gewillt sei, seine Verpslichtnngen zu erfüllen, so müsse es gezwnngcn werden, den Fran­zosen feine Bahnen und'staatlichen Einkünfte im Rhein­land und im Saaraeviet zn übertragen, außerdem seine

Handelsflotte, etwa 200 000 Tonne«, mrd seine Wälder, Frankreich branche zn seiner Sicherheit nicht nur das linke Rheinnfer, sondern noch 50 Kilometer auf dem rechten User. Es brauche deshalb keine militärische Be­satzung stattznfinden, sondern das Rhein- und das Ruhr­gebiet könnten nentralisiert bezw. in ein Protektorat «m- gewandelt werden. Die Znknnst Frankreichs Hänge von seiner augenblicklichen aktiven Polifik ab. Frankreich habe die Maschinerie, nm heute diese Politik zu betreiben.

Poiacarees Regierungsprogramm.

»-0 Nach demJournal" wird in den Erklärungen die Poincaree in seinem Regierungsprogramm abgebca wird, der Hauptteil der auswärtigen Politik gewidmet sein, namentlich der Regelung der Fragen, die auf der Konferenz von Cannes angeschnitten wurden. Irr innerpolittscher Beziehung sollen namentlich das Finanz- problem und die vkilitärischen Fragen in den Regie­rungserklärungen erörtert werden. Die bisher von dem früheren Kriegsminister Barthou vorgelegten neuen militärifcheu Gefetze finden nicht die volle Zustimmuug Poincaress.

Die Besprechungen zwischen Poincaree und Cnrzoa.

^ Paris. (L. A.) Die Aussprache zwischen Poincaree und Lord Cnrzon behandelte besonders die Fragen der Orientpolitik.

Der friedliche Poincaree.

:-* Paris. Der neue französische Ministerpräsident er­klärte dem Chefredakteur desMatin", man dürfe nicht initiier gleich das Schreckgespenst des Krieges an die Wand malen. Das wirke geradezu lächerlich. Um Deutschland auf die Knie zu zwingen, besitze Frankreich noch andere Mittel genug.

Der Irrtum von Versailles.

M- Die englische Presse enthält nichts Posittves über die Aussprache Llond Georges mit Poincaree. DieTimes" raten Paris, die bisherigen Irrtümer.über die englisch­amerikanischen Beziehungen und Englands polnische Stellung sowie über die Möglichkeit, Reparationen mit militärischer Gewalt zu erzwingen, aufzugeben. Die Presse glaubt, daß bei Einschaltung einer Atempause ein großer Teil der eigentlichen Schwierigkeiten überwun­den werden könnte. Poincaree sei offensichtlich durch seine Ausführungen in der letzten Zeit gebunden, bei denen er nicht wissen konnte, daß er über Nacht zur Re­gierung gelangen werde.

Zum Garantie-Vertrag.

»^. Paris. Das 7,Petit Journal" erklärt, der neue fran­zösische Ministerpräsident sei der Ansicht, daß das Re- parationsproblem nicht zu den Fragen zähle, die vor dem Abschluß des französisch-engüschen Schutzvertrages

Vertrages halte. Dr 'beiden Fragen könnfi« also ge­trennt behandelt werden.

Neues Auslieferuugsverlaugen-

Frankreich will abermals die Auslieferung der deut­schen Kriegsbeschuldigtc» verlange». Wie derFranks. Ztg." aus Paris gemeldet wird, geht mau sicherlich nichr fehl in der Annahme, daß die soeben veröffentlichte Re solution, die von der Kommission für die Wiedereröfs- uunq der Kriegsbeschuldigtenprozesse gefaßt worden ist, ein Werk des neuen französische» A»ße»ministers sei: denn diese Beschlüsse liegen bereits eine Woche zurück und wenn sie bisher nicht veröffentlicht worden waren so hat das seine guten Gründe. Die in dieser Resolu tien verlangte Auslieferung der deutschen Kriegsschuld;- gen kann nur der Oberste Rat zum Beschluß erheben und Poincaree wird sich überzeugen mühen, daß auch un ter seiner Ministerpräsidentschaft Frankreich nur bar über eine von den fünf Stimmen in diesem Gremir; verfügt.

Oberschlesien.

Die Seutsche Währung im entrissenen Oberschlefie».

Wie derDeutsche Handelsdienst" erführt, haben die Polen auf Grund der seinerzeit vom Volkerbundsrat ge­troffenen Bestimmung, daß die deutsche Währung h Oberschlesicu als gesetzliches Zahlungsmittel beibehal ten werden müsse, den Anspruch erhoben, daß die ReichS bank verpflichtet fei, ihre in Kattowitz befindliche Filia; bestehen zu iahen. Ihre Forderungen gehen sogar no weiter, indem sie verlangen, daß die Kattowitzer Reich: bankfilrale mit einer von Polen in Oberschlesien zu c richtenden Bank in Giroverkehr treten müsse und da der Kattowitzer Reichsvaukfiliale ein polnischer Ko trollbeamter beizugeben wäre. Demgegenüber haben > die deutschen Unterhändler auf den Standpunkt geste daß die RcichSÄmkfrage überhaupt nicht im Rahmen t Wirtschaftsabkommens, sondern in direkten Verhandln gen zwischen Polen und der Reichsbank zu erlebt wäre. Dieser Auffassung haben sich die polnischen Un Händler nur sehr schwer und nach verschiedenen Wink zügen aefüßt. Nach Auffassung der Steichsbank soll i deutsche Währung in Oberschlesien nicht durch e* Neichsbauksiliole, sondern durch die Filiale der D.-B in Kattowitz und Rybnik durch Hergabe der benötta . . Zahlungsmittel gewährleistet werden. Wie wir h en befinden sich die Berbandlungen mit den D.-Bankeu un­mittelbar vor dem Abschluß.

Drohende Streikgefahr in Obers-blesie».

i* Aus Breslan wird gemeldet: Die kommnnisttsc Grubenarbeiter Oberschlesiens beabsichtigen, in o Streik zu treten. Die kommunistischen Arbei ' Rybmker Steinkohlenwerke sind nickt eingefahreli. weitere Ausdehnung des Streiks wäre natürlich^ Polen der gewificschte Anlaß, die Gruben zu besehen.