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Nr. 808

Mittwoch, den 28. Dezember

1921

WWvMg 6er tefufirnBgaSe?

^Die »Information" teilt aus Berlin mit, Satz ein Abkommen zwischen der Reichsregierung und der Ga- rantiekommisfion abgeschlossen worden sei, nach dem der Ertrag der ^prozeutige« AusfuhrabgaSe vorläufig zur Verfügung der Netchsregierung Slcide, aber unter der Bemngnug, Satz die eiugegangenen Summe« stets zur Verfügung gehakte« würden, falls die Reparationskom- mrsfiru sie verlange. Dieses Abkommen und seine Ber- Pflrchtnngen sollen gesetzlich festgelegt werden. Auch vo« mner amerikanischen Anleihe sei wieder die Rede.

Lloyd Georges Abreise nach Cannes.

' ** Lloyd George, der am zweiten Weihnachtstag früh von London aus die Fahrt nach Cannes angetreten hat, ist auf der Durchreise in Paris angekommen. Er wurde auf dem Bahnhof von Briand, Staatssekretär Tussieu .und Herrn de Soutiercs begrüßt.

Blankovollmacht für Briand.

»Nach der Besprechung der Interpellation Klotz über die Londoner Besprechungen und über die bevorstehende Konferenz von Cannes erteilte die französische Kammer am heiligen Abend dem Ministerpräsidenten Briand Blankovollmacht für die KonfereNz von Cannes. Darauf begann die Jnterpellationsdebatte über den Krach der Chinabank. Sie wird wahrscheinlich am Dienstag abge­schlossen werden. Am Montag hat sie aber bereits den Erfolg gehabt, daß Berteloth, der bekannte Generaldirek­tor des Auswärtigen Amtes, von seinem Amte znrückge- treten ist.

Briands Kammerrede.

" In Beantwortung der Anfrage des Abg. Klotz nach den neuen Plänen der französischen Regierung gegen­über Deutschland sagte Briand: Die Entente zwischen Großbritannien und Frankreich ist so gefestigt nnd voll­kommen wir nur irgend möglich. Es ist keine Rede da­von, daß Frankreich in Cannes auf Teile seiner Gararu- tien verzichten soll. In keinem Augenblick hat Lloyd George die besondere Situation Frankreichs nicht zu würdigen gewußt und den Gedanken ausgesprochen, daß von Frankreich bei einer der Konferenzen Opfer ver­langt werden sollen. Loucheur hat die besten Mittel überlegt, wie von Deutschland Geld zu erhalten ist, und nicht etwa daran gedacht, den Vertrag von Versailles von Grund aus sbzn ndern und durchgreisende Aenderungen der ZMvWsbM «iurnkLWM^DLx StmrüpULL. Wffeir^flf sicher und auch unser Entschluß, an die­sem Standpunkt festzuhalten. Frankreich wird nichts aufgeben von dem, was es zu verlangen hat. Was also soll dann in Cannes geschehen? Wir werden andere, größere Fragen zu prüfen und nach Interessen zu suchen haben, die den Völkern als gemeinsamer Boden dienen können. Der direkte Meinungsaustausch der Völker ist eine Neuerung in der Weltgeschichte. Ich halte eine solche offene Aussprache für ein unschätzbares Mittel, um Schwierigkeiten zu lösen. In dieser Hinsicht hat uns die Konferenz von Washington ein großes Beispiel ge- geben. Die Möglichkeit einer solchen Zusammenkunft der Völker haben wir in London geprüft. Wir wollen einen Blau für künftige Verhandlungen ausstellcn. der die Schwierigkeiten erleichtert und der Welt von Nutzen

sein kann.

Italienisches Programm für Cannes.

^Italien wird auf der Konferenz in Cannes durch den v sie- " fite en 1 vrrowi vertreten sein. Er wird am Mittwoch, den 4. Januar, nach Cannes abreisen. Da­zu erklärt dieLribmm". es bestehe die Hoffnung daß Jta'ien diesmal wenigstens ein eigenes wohlanSgearbet- tctes Programm zur Konferenz mitnchmcn werde.

Gezahlt muß werden.

»-In Pariser v titschen Kreisen nürd erklärt, daß Frankreich und Belgien unter allen Umständen d e Sum­men erhalten würden, die die Länder im Jahre 11)22 er­warteten. auch wenn in Cannes beschlossen werden sollte, daß Deutschland für das Jahr 1922 Erleichterungen er­halte.

Was für England auf dem Spiele steht.

»Nach einer Nie dung aus London behandelt derOb­server" in seiner Weihnachtsansgabe die Londoner Kon­ferenz und betont, daß die Besprechungen zu keiner Ei- niguna geführt hätten. Das Blatt sagt, daß Briand selbst wohl nicht abgeneigt wäre, Deutschland Konzessio­nen zu machen, daß er aber das nicht könne mit Rücksicht auf feine Kammermehrheit. England aber müsse auf der DnrÄfübrm g feiner Politik besiehe«, da Leben und To­des englischen Wirischaftülebeas davon abhängem

Der Nevrsionsgedanke in England.

v- London. Die scharfe und unversöhnliche Sprache Briands in Bezug auf die Neparüttonsforderungen an Deni.chtand hat n bei englischen Presse unliebsames Auf­sehen erregt. Die gesamte liberale Presse vertritt den Standpunkt, daß Briand bei seinen Forderungen ent­schieden über das Ziel hinausgegangen sei und sich zum Sprachrohr der einseitigen nnd unversöhnlichen Kreise Frankreichs gemacht habe, die planmäßig darauf aus- gingen, Deutschland zu ruinieren nnd dadurch den Wie- >crauftau Europas, der durch Deutschland und Rußland erfolgen müsse, behindern zu wollen. Angesichts der Tät­liche, daß Frankreich nach wie vor Gelüste hat, das Nbeingebiet und auch das Ruhrgebiet dauernd zn beset­zen, ver aureu die ZeUungen. daß Lloyd George nun­mehr Maßnahmen treffe, um seinen Vorschlag, die Neu- tralitätszone in dem Nbeingebiet zu ziehen und von sämtlichen Ententetruppen zu entvölkern, endlich znr Tat werden zu lasten. Der Oberste Rat müßte mit der Frage

bcraßt werden, welche Möglichkeiten dafür beständen, daß unter Zuhilfenahme Deutschlands nicht nur die durch den Krieg zerstörten Gebiete in Frankreich und Belgien aufgebaut werden können, sondern daß insbe­sondere auch ein planmäßiger Wiederaufbau der Land­wirtschaft, der Eisenbahn, der Industrie, des Handels und Gewerbes in Rußland durchgeführt würde. Weün vte Franzosen in erheblichem Umfange durch ihre Dro­hung mit weiteren Repressalien Leistungen von Deutsch- iMud bekommen haben, besonders in der Richtung, als Deutichland wiederum viel größere Kohlenlieferüngen an Frankreich habe abgeheu lassen, als vorgesehen war, wodurch natürlich das Wirtschaftsleben Englands auss neue erhebliche geschädigt und behindert worden sei, so wurde das-hedeuten, daß auf die Dauer durch diese fort­gesetzten Erpressungen Deutschland so geschwächt würde, daß es dem Ruin nach österreichischem Muster zuge- sührt würde. Da dieses mit Rücksicht aus die un- gi'ustige KonsLellatiön der Finanzlage in Deutschlazz- sich an die Tschecho-Slowakei politisch, wirtschaftlich und wahrscheinlich auch militärisch anlehnen werde, sodaß die Anschlutzbestrebungen nach Deutschland sich nicht Wirklichen lassen, habe Englasd fetzt endlich die

ver-

wirklichen lassen, habe England fetzt endlich die Auf­gabe. eine planmäßige Zerstörung Deutschlauds zu ver- hinbern. Die einflußreichen Citvkreise zertreten die An­sicht, daß der Handel und Wandel in England und in

den englischen Kolonien nicht eher wieder einfetzen werde, bis Deutschland in die Lage komme, seine Wirtschaft so aufrecht zu erhalten, daß es in einem so großen Um* fange exportieren werde, als Exporte notwendig seien, um, wie in der Zeit vor dem Kriege, wieder die großen Mengen importieren zu können, die England nud-feine Kolonien vor dem Kriege an Deutschland verkauft ha­ben. Die Citykreise sind der Meinung, daß die Jaunar- und die Februar-Rate die letzten fein müßten, die Frank­reich an barem Gelde von Deutschland erhalte. Alles andere dürfe nur noch ohne Gefährdu«« der Substanz mr SaS lcifirmgcu vor sich gehen. Wie aus Paris gemel­det wird, haben diese Pressestimmen in den Weihnachts- tagen in Pariser diplomatischen imd politischen Kreisen großes Aussehen erregt und sind rief beachtet worden.

Programm Lloyd Georges für Europas Wiederaufbau.

'»-Basel. (S. C.s DieBaseler Nachrichten" melden

. H.; ^«rr. -

aus London: Eine kurze Reutermeldung besagt, daß die englische Regierung zu derD ....... " . ~L

Win

deransdarr Europas vorschlagen werde. Als Jnitialive

hierfür gilt d-e Konferenz Llovd Georges mit dem eng­lischen Schatzkanzler, dem Kriegsminister und Cbamber- lain, die Freitag vormittag abgehalten worden ist.

Lloyd George in Frankreich.

w Paris. (B. T.) Als Lloyd George auf der Durch­reise nach Cannes im Lyoner Bahnhof eine halbe Stunde Aufenthalt hatte, wurde er vom Unterstaatssekretär Tis- fier, H. rrir de Fouquiere und dem englischen Botschafter sowie von Briand begrüßt. Der Ministerpräsident traf einige Minuien nach Eintressen des Zuges ein und hatte mit Llm d George ene Unterredung in: Zuge. Bei der Durchfahrt der Wagen durch Amiens wurde Lloyd George von beut Prüfe treu Horain begrüßt. Ltoyd George soll in einer kurzen Uuterrednug gesagt haben, er singe nach Cannes mit dem lebhaften Wunsch, daß die. schwebenden Angelegenheiten zur Zufriedenheit Frankreichs gelöst werden möchten.

Jtalieuische Presiestimme« zu Cannes.

»Rom. (F. C.) DieEpoea" bedauert, daß Italien bisher die wirtschaftlichen und finanziellen Angebote Deutschlands immer ausgeichlagen habe. Das Blatt hofft, daß Italien in Cannes die engliiclie Politik unter­stützen und nicht prograMmlos hin- und berfchwauken werbe. DieTribune" wünscht von den Verhandlungen in Cannes wirtschafilichs Abmachungen mit Deuischland. DerCvriere della Sera" teilt mit, daß Bouoryi und Toretia rmch Cannes reifest werden, und beschwürt die Regierung, mit der ersolglosen Schaukelpolitik aufzuhö- ren, durch die die italienische Wirtschaft auf das schwerste geschädigt werde.

Die Zahlungsfähigkeit Dentschlands beschlossen.

»-Geusi lS. C.) Die Havas-Agentur meldet: Die in Paris am 25. d. M. znsarnmengetretenc Garantiekoru- Mission hat nach der Bekanntgabe der Londoner Ber- Handlungen auf Vorschlag Dupous eine Entschließung augenounneir, die den früheren Beschluß der Kommission, daß die Zahlnugsfähigleit Wutschlands für Januar und Februar in den Berliner Besprechungen einwandfrei fei.gestellt sei, aufrecht erhält. DemTempS" zufolge ist die Entschließung mit allen gegen vier Stimmen gefaßt worden.

Militärische Besprechnnaen in Straßburg.

»Basel. «S. C.i DerBaseler Anzeiger" meldet aus Straßburg, daß dort an den Fleier sagen militärische Be- sprcchnugen der Kommandanten der GrenzkorpS statt- gesuuden habeik Ueber den Gegenstand der Besprechun­gen bestehen nur NtutmaßuMen.

Das italienisch-rnsstscke Handelsabkommen.

»- Rom. (L. A.) Im italienischen Aiinisierium des Aus­wärtigen ist das italienisch-russische Handelsabkommen unterzeichnet worden.

Die Abootfrage.

»Reuter meldet aus Washington: Der Flottenaus- schns, hat den amerikanischen Plan zur Einschränkung der Unterseeboottonnage vorgelegt. Danach sollen Ame­rika nnd England je 60 000 Tonnen bekommen und Frankreich und Japan ihre gegenwärtige Tonnage be­halten.

Scharfe Gegensätze.

Havas meldet aus Paris: Balfonr erklärte in feine! Antwort auf die amerikanischen Vorschläge. daß Groß bntanmen d-e Tonnenzahl der Uboote annehme. AS ütttal Le Bon sagte, daß -Frankreich die vorgeschlagenef 31000 To. nicht anuehnien körme. Schanzer erinnerst daran, Satz Italien den Grundsatz der Gleichheit für alb Mittemleermachte erwarte. Sara betonte, daß 94 (XX sonnen Unterseeboote zur Verteidigung des japanische, Archipels erforderlich seien. Er könne deshalb den ame rikaurschen Vorschlag von 31000 Tonnen nicht annehmen

Ei« frauzöfischer Borschlag.

»^Ser Korrespondent derChicago Tribune" in Partj will erfahren haben, daß Frankreich dazu bereit wärs dem amerikanischen Plan zur Beschränkung der Untere [eeboottonnage seine Zustimmung zu geben, falls für der Atlantischen Ozean und die europäischen Meere eie ««f-Mächteabkvmmeu nach dem Muster des Pazifik» abkommens abgeschlossen wurde. ,

Der MieSöraufSas Sußlsnüs.

Amerikar-kscher Riesenkredit für deutsche Privatfirme«.

^ Aus Bzrliu wird gemeldet: Die in Berlin gegrü«, bete Wirischaftsstelle fur Verkehr und Handel mit Se« gfie« eine Zufammeufasiung von Jtrdustrieüeu und Arbeitnehmer«, ist mit eines per größte« amerikanischen Bantgruppeu in VerbiuSung getreten znr Hergabe eu «es Betrages von 250 Millionen Dollars a« deutsch« Banken zum Wirtschaftliche« Wiederaufbau Rußlands, Die Vorvcrhandlnnge« find bereits zn einem gewisse* Abschlntz gelangt.

*

Der Leiter der Wirtschaftsstelle, Staatseisenbahnin- genieur Müller, gab hierzu folgende Erklärungen: Es handelt sich nicht etwa um Erlangung eines Kredites zur Abtragung der deutschen Reparatjonszahlunegn, sondern um die ersten Mittel für den praktischen Beginn eines wirtschaftlichen Wiederaufbaues in Europa, der naturge­mäß auch eine Lösung des Reparationsproblems in sich schließen müßte. Eine Angelegenheit, an der nicht nur Deutschland allein, sondern die ganze Welt ein dringen­des Interesse hat. Auf dem Wege Ser diplomatische« Konferenzen, wie wir sie nun schon seit drei Jahren cr- iebcn, uuö der immer

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__.. __________________________ t einer engli­schen Anleihe an Deutschland ist nutzlos. Es bleibt nur der Weg, den die deutschen Wirtschaftsstellen jetzt einge- fthlagen haben. Unser Arbeitstrust wird demnächst Sach­verständige nach Rußland entsenden, um mit der Sowjet- Regierung einen bereits erörterten wirtschaitspolttischeu Sondervertrag abzuschließen. Hiernach werden in den einzelnen russischen WirtschaftSbetrieben korubinierte Handels- nnd Geiverbekamrncrn errichtet, die mit einer in Moskau zu bildenden deutsch-russischen Zentralbank verbunden sind und deren Filialen über ganz Rußland verbreitet werden. Der Geldumlauf erfolgt ausschließ­lich von den Kammern über die Bankfilialen. Es wird vertraglich die völlige Selbständigkeit gewährleistet und in den Kammern werden Vertreter der beut säten Indu­strie und Gewerkschaften Sitz und Stimme haben. Der jetzt nachgesuchte amerikanische Kredit wird ausschließlich zum Zwecke des Ausbaues des russischen Verkehrsnetzes und der Inbetriebsetzung der Gruben verwendet. Die Garantie übernehmen die mit der Wirtschaftsstelle zu- fammenarbeitenden deutschen Indus> riekonzerne unter Gegcnzeichmmq der Sowjet-Regierung. Ein FarlstpfanS für die deutsche Eisenbahn kommt nicht in Frage. Der Vorteil, den dieser Vertrag bietet, ist, daß DenCchlmr» werbendes Kapital erhält und durch gesteigerte Produk­tion letfinngsfähig und zahlungsfähig wird Die deutsche Valuta würde sich heben und dadurch allein schon die Schuldenlast verringern. Die Entente wäre einem kre­ditfähigen Teurschland gegenüber sicher eher geneigt, Kre­dit zu geben und günstige Zahlnngsbedingnngen zu ge­währen, ganz zu schweigen davon, daß ein solcher Är- beiistrnft. an dem alle Völker sich beteiligen können, auf antonomischem Wege auch eine Aenderung des gesamten Neparationsproblems nach sich ziehen müßte.

Kabinettsfitznnq.

»-Berlin. lS. C.t Dienstag vormittag um 10 Udt hat eine neue Sitzung des Reichskabinetts begonnen. Von irgendeinem Erfolg der Reife Ratt-euans na» London weiß selbst die ihm nahestehende Presse nichts Näheres zu berichten.

Die Lohnbewegnng der Breslauer Erseubabner. v-Ans Bresla« wird gemeldet: Nach den großen De­monstrationen am Freitag nachmittag seitens der Eisem- bahnarlreiter. Beamten und Angestellten, worauf ein Te­legramm an die ReichSregierung abgesandt worden war, hat die Bewegung ruhige Formen angenomme-u. Die Verhandlungen der OrganisätionSvertrerer mit dem Ei- senbahndirektionsprästdenten nehmen ihren Fortgang. Die Forderungen betreffen Sie baldige Ortsklastenrege- lung und die sofortige «luszahlüW eines Teucrunasror-. schnsses von 1000 Mark und eine neue Gehaltsreaelung? Der Verkehr im Eisenbahndirektionobe :rk Vre- lau tat) keinerlei Störung erlitten.

Zurückziehung amerikanischer Truppen.

rCoblcnz. (8. A.i Im Laufe des DieuSmas wird, wieder ein großer Truppenteil der zweiten amerikam sehen Brigade über Antwerpen nach den Vereinigten' Staaten znrückbefördert. Mitte Januar wird die ame­rikanische Besatzung aus Neuwied zurückgezogen «nd nach Coblenz verlegt werden.