Hersfelöer Tageblatt
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Nr. 292
Mittwoch, den 14» Dezember
1921
ffDie EnlschädigNUgsfrage.
f |ä Der Reichskanzler wird mit Mittwoch im Repara- -Nonsausschub des Reichswirtschartsrates, der nicht öffentlich berät, da Wort ergreifen. Es ist nicht wahrscheinlich, daß er sich über den augenblicklichen Stand der Dinge einqehender äußern wird, als er es am Sonnabend getan hat, zumal das Kabinett von den Vorschlägen, die Dr. Rathenau aus London mitgebracht hat, in seiner Gesamtheit noch keine Kenntnis erhalten hat. Aber als Dr. Wirth es am Sonnabend aussprach, datz er den kommenden Tagen mit großer Spannung und l-eim- lichen Hoffnungen eutgegensehe, war er über das Londoner Ergebnis, wenn auch nicht im Detail, so doch in großen Zügen ebenso unterrichtet wie heute, und wenn der 'Reichskanzler glaubte, ^zu dieser Hoffnung berechtigt zu sein", so wird man sich an diese mit aller Zurückhaltung und Vorsicht gegebene Formulierung zu halten haben. Daß man die Hoffnung .nicht allzuweit spannen darf, ergibt sich von selbst. Nur der politisch Ahnungslose wird sich in der Hoffnung wiegen, daß die Londoner Verhandlungen Deutschland von den Neparalionslasten in sehr weitgehendem Umfange befreien werden. Aber zwischen solchen überspannten Erwartungen und dem Gegenteil'gibt es noch einen Mittelweg, von dem es möglich ist daß er in London beschulten worden ist und zu einer Fortsetzung der Diskussion über das gesamte Repara- tionsproUew führen kann und wird. Daß dafür noch Voraussetzungen von deutscher Seite erfüllt werden müssen, ist bereits als wahrscheinlich bezeichnet werben. Zu diesen Voraussetzungen wird man die sog. Si^bilificrung der Reichsbetriebe zahlen müssen, also die Beseitigung der Defizite bei der Eisenbahn und Post sdazu soll die Erhöhung der Tarife urtd Gebühren um das Mache der Vorkriegsgebühreu dienen) und die Veschränkung der Ausgaben im Reichselat auf das aliernotwendigste. Man darf annehmen, daß in den bereits eingebrachten Etats auf der Ausgabeseite noch wesentliche Abstriche gemacht werden, und endlich eine beschleunigte Durchführung der Steuervorlagen erfolgt, durch die die Reichsfirranzeu soweit Wie möalich in Ordnung gebracht werden. Hier wird nun dem Reichstage, der am Dienstag wieder zumm- mengetreten ist, ein wesentlicher Teil der Mitwirkung und auch der Verantwortung daran zusaL-l daß die in London besonnenen Verhandlungen mit Aroficht auf Er«
folg fortgesetzt werden können.
Die varberetteude« Beratun^n sD Piann die zur Berükang der /i.'ekhSrrslermkff-A»-»« Anach-aenbeit der Kreditaklion gehii-ete Reunerkotmntf- tinn aus Vertretern der Industrie, Bauke-t nnb Wirtickast besteht, zusammeutreteu wird, steht noch mcht fest Ob ein Zusammentritt des tut er, ra visuellen J »3= schustes des Reichstages ant Mittwoch oder erst später er folgt, dürfte stÄ voraussichtlich noch im Lame de» xiews- tags entscheiden. .
Anfrage des Auswärtigen Anss-yu-wS.
v^Der Abgeordnete Dr. Siresemau«, der ach zurzeit in Dresden aufhält, bat beim Reichskanzler
armefraat, wann der Reichskanzler dem -tuswärtigen Ausschuß, dessen Vorsitzender bekanntlich' E-rejMMA rur Verfüguug stehen wolle, um M>vxe wum«^^ über die Londoner Berhaublttuge« zu machest.
Die Lage auch weiter migeklärt fÄ ÄÄÄi^ ^,°?'SMW^S ^Ä^»»a « markte zu erhöhen, die dem Wirtschaftsleben ungezahttr Millionenverluste zufügen und jegliche Hössünngam e>..e baldige Lösung der Repariliistnsrrage zunichte machen.
Rnr aeringe Erkolge Rakheuans?
»»»NnK Beilin wird berichtet: In der näheren Um* acbuna^S Reichskanzlers wird versichert, daß es vvr- känna falsch sei, stÄ allzu großen Hoswungen auf die « r wn^tne-ett Die Erfolge Ratheuaus fct>eU K nÄ gering gewesen zu sein. Neuer-
dinas wirb wieder behauptet, daß Rataenau niM un Austrage der Neichsregierung nach London gereist sei.
Die. 5iu»dgebn»g der LauSmirtfLast.
. mri» verlautet. Hübet etc für och lo. L.< zi,?,ber in Jjs ^mouwiecie KUiiegebung der deutschen Land- wKinfsäE
,scr hci’tfdieH LäudwÄtscllast hatt. Die A-ttbre» vci dcilt- <*en ist SSirtfchöfi werben b erbet Stellung nehmen zu
Landwir schast, Steparmion und Wiederaus- Rese 4««S'5 Yr''SeiwnUichiest'in1 der' Form
192'’ im Zirkus Busch in Berlin eine große öanbnnifta* fi 'Ä“Sii»< SM?su»»«« ««Uhu»««.
Warnung StresemanuL vor OPinnsnnt-..
. ,w Dr. Streiemann hat in Dresden eine .itede über die oolitische Lage gehalten. Er warnte vor einem OplimG- muö hinsichtlich eines Entgegenkommens unserer Feinde. Er ist der Änlichst daß uns eine Anie11)e ititr 11n er Ute» Seinen Geibitändialeit Leutschlands zerstören würde.
Der Eintritt der Dcuischen Volkspartei in die Regierung könne nur dann von Nutzen fein, wenn die Geister dazu reif seien und eine Gewähr für eure lärme Dauer der Koalition gegeben sei.
Englischer Kredit für die nächsten Zahlungen?
«^--Der „L.-.A." berichtet: Montag nachmittag trat das Neichskabinett zusammen. Im Anschluß daran fand eine Chefsbesprechung statt, an der die zuständigen' hiefforts teilnahmen. In dieser Sitzung erstattete Dr. Rathenau den Bericht über das Ergebnis seiner Londoner Reise. Diet-stag vormittag soll diese Ehefsbesprechnüg über das EnkkchädtgungSproblem fortgesetzt werden. Der Termin des Zusammentritts der KreditkomMssion stehr noch nicht fest. Man rechnet damit, daß sie zum Mittwoch eirrberu- fett werden wird. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß englische Kreise nicht abgeneigt seien, uns für die beider» nächsten Raten einen Kredit zur Verfügung zn stellen, her aber nur kurzfristig sein würde.
Die Antwort der Bank von England.
e-t Laut „B. T." ist die Antwort der Bank von England auf die Anfrage der Reichsregterung, ob sie gewillt sei, Deutschland einen Kredit einzuräumen, nunmehr einge- trossen. Nebrr den Inhalt dieser Antwort wurde bisher noch strenges Stillschweigen gewahrt. Voraussichtlich wird der Reichskanzler in feiner Rede über die Kredrt- aktion am Dienstag auch auf die Autwort der Bank von England eingehen.
ZULüShaltuug der euglischeu Presse.
r^Aus Rotterdam wird gemeldet: Nach den sehr zu- rlickhaltenden Berichten aus London kann angenommen werden, daß Rathenaus Besprechungen in London nicht ganz nach dem Wurrsch der Deutschen ausgefallen sind. Man nimmt in unterrichteten Kreisen an, Saß Deutschland nach der Januar- und I-ebruarzahlung eine Verschiebung und Abänderung der nächstfälligen Repara- itonsKahlungeu zugeslanden wird.
D!e Washmgioner Ksuferenz.
Die ©Mi’ßße gelöst
»^Die Fayfrage ist gelöst. Das Uebereinkommen betrifft auch alle Inseln, über die Japan ein Mandat besitzt.
Die FlvttenaSrüstuug.
s^Nach einer Mc ldung aus Washingion sind die In- ftruftionen betreff, die Ilottenverhälniiszahl aus Tokio bei der japanischen Delegation circaerroffen. Ueber ihren Inhalt ist jedoch naco nachts besannt gegeben rvörSen.
»/ Der franWM^^Mst^^M-^^^
hat seiner Regierung telegraphnch mitgeteilt, baß bte ntiferen* in der Erledigung der Hauptfragen bereits L- weit fortgeschritten sei, daß er am 14. Dezember von Ä»eu- york nach Iraukreich zurückkehren könne.
Das Ende der Kosserenz.
»»Aus Washington wird gemeldet, daß die Konferenz voraussichtlich am 23. Dezember beendet werö.n w.rd.
B-land soll mit L-opd George nach WJHcngton reiten, iwParis. (I. Z) Die englische Anregung eacec gemeinsamen Reise des enghf&n und frauzomchen Mmi- sterprändenten nach Washington wird in der usie:.lich.u Meinung Frankreichs arit Zurückhaltung ausgenommen.
Vor dem Abschluß der Washingtoner Koarsreuz.
v^- Washington. lF. 3) Da die Washingtoner Abrüstungskonferenz mit ihren Arbeiten gut vorangckommcn ist, wird allgemein erwartet, daß die Konferenz rwca vor ZcbrcSende ihren Abschluß finden wird. Die bis dahin noch nicht erledigten Fragen sollen,einer Botschasterkon- ferenz überwiesen werden. Man nimmt an, uab bis da- [)in ein Neiinmächtcabkommen zustande gekommen ist, worin die chinesische Frage ihre Erledigung findet.
Japan verhält sich noch ablehnend.
^ London. Aus Washington 'v^rd gemeldet daß Me javanische Abordnung auf der Washingtoner nb- rüsinngskonkereuz Weisungen.^ T»w erW hast dem vorgeschlagenen Verhältnis ber Jlottenstarke nvm ntrht tn^Hfrien. Btan glaub: in oen rrrciieu Emiserensteilnebiner zu wissen, daß eine weitere Litzung s^ Verstrcter der drei großen Großmächte stattfaiden wtrö^bevor Japan das vorgeschlagene Verhältnis von 6:5:3 annimmt
Die Bekämpfung des Wuchers.
»-«.Aus Lübeck wird gemeldet: In einer Betriebsräte» versinumlung wurde eine Pre-Sfestsetzungskommission acbilbe die die Aufgabe hat, durch cute Handelskon- froHe teaLdiem Wucher entgegenzutreten. Die Bildung dieser Wieisfestsetzungskommission hat die Billigung deS KieinbandelSverbandcS und der HairdelSkammer gesunden/ Die Kommission hat das ^echt, sich die Rechmm- aen vorlcaen zn lassen, um etwaigen Wucher beim Cm- kaus der Waren feststellen zu können. In einem,solche» Zolle wird sich die Lübecker BetriebSrätekommission an bieBeUiebSrate des betreffenden Orteswendem umein Einschreiten zu veranlassen. — Auch in Gaffel wuroe der Ber uch gemacht, eine ähnliche PreiSiesisetzungPtell« zu schassen Der Versuch scheiterte aber an dem entschie- Nnen Einspruch der Kasseler Handelskreise, die^sich dar- : oitf Berte fern daß die Behörden Macht gernm hätten, um . Wucherfälle festzusiellen und einzugreifem Von den Vc- : trteüsräwn müßte das unbedingt abgeiehnt werden.
Die Grenzregulierung im Kreise Beulhen.
Ueber die Grenzregulierung im Kreise Beutben wirb aemeldet- Die an der Landstraße Beuthen Vorsia- werkc Gleiwitz liegende Kolonie Siuöahainmcr würd« Polen »ugesvrochcn. Es l»esteht aber die Hoffnung. »aß
unbedingt abgelehnt werden.
diese Verkehr hemmende Enklave durch irgendeine« AustaAsch befestigt wird. Unter allen Umständen soll aber das Knappschaftslazarett Rudahaunner polnisch werden. Die neue Grenze, die bis dicht an die Bahnhöfe Ludwigsglück geht, ist von Ratibor aus bis an den Kreis Tarnoimtz festgelegt. Die Bahnhöfe in der Richtung Gleiwitz sind deutsch geblieben, abgesehen von einuL Haltepunkt auf der Hauptbahnstrecke Bobrek—Orzego» der den Polen zugesprochen wurde. Von Rudahemm« aus geht die Grenze über die Jeldgemarkung am SchS» berg vorbei. Hier wurde ein Teil der Landstraßen eber^ falls Polen zugesprochen, so, daß wir auch hier ein« Enklave begegnen. Dann geht die Grenze dem Beuth«- ner Wasser entlang und läßt die Hvhenzoüern-Grube arS deutscher Seite. Die Florennuen- und Carnapfreud^ Grube werden polnisch. Vor dem Zollhaus an der Straße nach Königshütte überquert die neue polnische Grenze die Landstraße, geht dann in Richiung der Rvtzbacher Sarwberge und lehnt sich an die Normalspurbahn der Andalusiengrube. Bei dem Steinkrenz im Wege muß Städtisch-Lombrowo geht die Grenze wiederuni über die Landstraße (Tarnowitzer Chaussee) und schafft auch hier einen polnischen Korridor. Von hier aus wird sie an her Raziontaugrube entlang gelegt. Das Dorf Blac-moka wurde den Polen zugesprochen. Von der Greuzbtldmrg im Stadtkreis Beutben kann man also im allgemeinen sagen, daß sie sich im wesentlichen an die Städtische Ge- markungslinie hält Die Friedenshütte wurde polnisch Ebenso ist der gesamte Gey-Wald den Polen zugefallen.
Dks Untersuchung des Marzaufstandes.
»^ Im Untersuchungsausschuß des Landtages liber die Vorgänge in Mitteldeutschland bildete am Montag das der Abgeordneten Frau Klara Zetkin beim Ueberschrei- kn der russischen Grenze abgenommene Aktenmaterial den Geaenstand der Aussprache. Angenommen wurde ein Antraa Dr. Mayer-Ostpreußen auf Zusammenstellung der öffentlichen Erklärungen über das sog. Zetkin- Material. Der kommunistische Antrag, die Akten deS
Reichsgerichts über die Strafverfolgungen auf Grun- dieses Materials einzufordern wurde abgelehrrt. In einem Schreiben legt Oberpräsident Hörsing Verwahrung ein gegen die Behauptung eines Zeugen, er habe gesagt: „Je blutiger der erste Tag sei, desto unblutiger würden die folgenden Tage fein." Er habe vielmehr sein Bedauern über die Verluste sofort ausgesprochen. Abg. Dr. Liebkueckit lUuabh^) beantragte eine Zusam- mc.illeuuag aller noch vorliegenden Beweisanträge.
Eisigen und im Mansfelder Gebiet das Eingreifen der Schutzpolizei begrüßt, es verlangt oder ihm äügeft>mm. Netten Der Antrag Liebknecht soll bei i^eittteHuna des Äusschutzberichtes für das Plenum berückfichtigt werden.
VestHttgüngsreise des Grafen Lerchenseld. ^Nürnberg «F. Zh Der balMrifche MmistnprästdeM A'raf Lerchenseld ist zu einem dreitug gen Veiuch der Swdte Nürnberg und Iürth zur Bssichtigmig der kommunalen Einrich-.uugen und industriellen Anlagen h es eingetroffen. .
Scharfe Angriffe gegen Brland.
Baris Z) Die Reise BriaudS nadi Loudo» wird von den Blattern der opSsttioncllen^Rechteu schaH lrii-sicrt Es wird erklärt, daß seit dem Jahre pi9 die nirgmärttae Politik nicht mehr von den Botttistzuern gemacht werde, die doch in erster Linie dazu berufen Jcie* Der „Iigaro" bezeichnet die von Briand vetrievene Au- stenvolitik mit einem von Poincaree geprägten Wort all Kinodiplomatie. Der französische M'nstier^audent kM in den Wandelgängen der Kammer die Absicht g^a..ßer» an. Montan den 19 Dczeinber, wieder nach Londm: SV Sehern tr ßcbeiift am Mittwoch wieder in Paris ct»
^Abbruch der franzSfilch-spenksKc« Handelsbeziehungen-
»»Paris. Durch eine Verordnung des sransmische» Handelsministers sollen die Menwartlgen Zollatze arch iranische Waren um 60 bis SO Prozent er! oht toerde» Durch diese Piatznahme wird der Güterverkehr Mgchea Frankreich und Spanien praktisch aufboren. Die iva- Nische Regierung bat eine ähnliche Verordnung crlasser; _grya Madrid wird hierzu gemelden Das Organ der spanischen Regierung schreibt: Der Abbruch der vam delSbezichunaen mit Frankreich ist keineswegs zu beklagen. auch nicht, daß französische Erzeugiune ^unica- nach Spanien kommeru Wir werden alle Waren. die nn» bisher aus Frankreich bezogen haben, eberno gut u«» billiger aus Deutschland beziehen können.
GeWeindcratsnenrvahle« in Agram.
o^SSiett 3) Am Montag haben in Agram dir Neuwahlen zum Gemeinderat stattgesunden, der wegen der Weigerung, an den TranerreierUchkeiten für ^e# (tünia Peter teilzunehmen, aufgelöst worden war. Der^ kroatische Block, der ^ich gegen die -Auslösung anogeipro« chen hatte, erhielt 88 Mandate, die Demokraten "are >te» sechs die Zionisten, die Arbeiterpar»P je zwei, ».» fw>* listische Vereinigung erhielt ein Mandat, und sie ra. faU Partei ging leer arrs. .
Frankreichs Siustuß in Oberfchlesiem ;
»».Aus Warschan wird gemeldet:_Die staatlichen preu- k klNlki«»tt ablenaruben in Oberschi -wu, die an Polen cal-j len werden in eine polnifch-franzöfisckc Gesellschaft unter polnisch-frausösischer paritätischer Verwaltung umge- wandelt.