Kerskel-er Tageblatt
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Nr. 286
Mittwoch den 7. Dezember
1921
Denver HntelfleserluiS in England.
9^ Rathenau trifft Dienstag mittag in Berlin ein, um
Sem Kabinett über den bisherigen Verlans der Vcrhand- knngen in London Bericht zu erstatten. Die Beratungen werden inzwischen von deutscher Seite von den über Paris nach London gereifte« deutschen Bankiers Weinberg mrd Mendelssohn weitergefuhrt. Die Erörterungen sind in ein offizielles Stadium getreten, da die deutschen und englischeu Vertreter im Aufträge ihrer Regierungen miteinander verhandeln. Sofort nach Rache- naus Rückkehr soll das Kabinett darüber entscheiden, ob die deutsche Negiepuna bei der Reparatrsuskommissiou für die Erlangung eines ZahlnngSanfschubs offizielle Schritte unternehmen soll. z r
Die Pariser Blätter dementierest jedoch die Meldung, daß Rathenau Montag London verlassen hat. Ob dieses Dementi richtig ist oder nicht, wird sich bald er- K' n Es ist aber sehr wahrscheinlich, daß Ratyenau nach Berlin zur Berichterstattung abgerecst ist, zumal die zunächst privaten Verhandlungen in London offiziellen Ekarakisr erhalten haben und die deutsche Regierung sich in'London um eine Anleihe bemüht. Uns wird darüber gemeldet: . M
Wie die „Franks. Akg."aus Berti« Mahrtz hat die Reichsregierung sich an verscr iedcue eugltsche Geloiu,n- tute mit der Anfrage gewandt, ob Deutschland er« Kredit von 25 Millioueu Pfund Sterling gewährt werden könne.
[ Keine Verschärfung der Lage durch die Mah««ote! »»Wie das „B. T." zu der Mahnnote der Entente erfährt, ist man in Berliner maßgebenden Kreften der An- sicvt, daß die Uebergabe dieser Stote eine Verschärfung der Situation nicht geschaffen habe. Das Kamnett wird laut „Vorwärts" zunächst die Rückkehr Rathenaus abwarreu und dann zu dem Reparatronsproblem eudgulfta Stellung nehmen.
i Interfraktionelle Besprechung. es# Am Dienstag vormittag tritt in der Reichskanzlei der interfraktionelle Ausschuß der KoalitionSparreceu zu,am- men. Zweck dieser Beratung ist bte Beivrechnng der vo- liiischeü Lage sowie der Finanzreformvorschtage des Reichstabinetts.
Rothschild über seine Amerrkarerse.
»»Der Londoner Bankier Rothschild hat einem Bertre- 1er des „Walstreet Journal" erklärt, daß der Zweck stl- Mes Briuckes in Neuyork tiMt der n ar, über eilte Jn» leibe Deutschland zu verhandeln Er^^^L^ ^ E»«"" ou -eg^cn. -oeun me Ergebmye d«.r Waiytng- tvner Konferenz vorliegen.
Was Deut ch and 1922 zäh eu soll.
o-r- Aus Paris wird gemeldet: Der „Temps" bringt wie folgt eine Zusammenstellung der deuftchen Zahlungvte^ nächste Jahr: am 15. Januar Mitc,o^ neu Goldmark, am 1. Februar 250 Millionen Golv^ als erste Rate für die Beiatzungskostem am^v ^ebr ar Bar- und Sachleistungen in Hohe von 2oO M u oucu Mark, am 1. April eine weitere State von 50 RUlltoneu Goldmark für die Besatzungskosten und am W- -lpcft eine weitere Reparationszahlung in Hohe von - 'O MM Konen Mark. Dazu korumen noch Lachleistuugcu im Mai und Juni für de" Wieberaufvau.
Dentschland mnß zählen. „ ... , . , ai-vfia <c> o i Havas bringt noch nachträglich eilte !Ärä!£?^ SSKLLKi«'^—
■ «*'“*j«Ä« n,&»«*««*. . „ >1=6, o^er Berlin er Berichterstatter des Pariser „J ournal aM folgttide A« der in Berlin wei enden sran- zviiscken Finanzsachverständigen wieder: Es er,cheurt Kmer klarer, daß Deutschland die im Januar und Februar fälligen Reparationszahlungen ohne H^lse einer Slnteibe bestreiten kann. Es ist ganz klar, daß man in HtanHneUen «reifen eine Ar-leihe dem Mora-orcum vor- V^ht zu den interalliierten Kreisen in Berlin scheint bie Meinung vorzuherrschen, daß, solange die deut che Beaieruua der Entente teils Prograu «k für d-e Gefmt- d««.> der deutschrn Fittanze« vorgelegt hat, es unmöglich f^ nürb überbatust mit Deutschland über ein Morato- Ih m aber eine Anleihe zu verhandeln. Der KorrespoN- hrtaW-, Journal" fügt hinzu, indem er sich aus Jnfor- matftmcn"aus angeblich guter Quelle stützt, daß man in WWnd so lange zögere, ein Programm für die Ge- nSsl Cl ier Finanzen auszuarbeiten und der En- KniS biß sich die Entente in der Zwangslage ^^«Ä Kontrolle zu stellen, ^ele Möglichkeit wird sicher eintreten, wenn Deutschland ^s tK ncBt Grunde feine ZahftrugsverpMchtungen SSÄ nicht zu erfüllen in der
«aste ist. n-editantcag der ReichSreg.erung.
«'^ttn s Wie der „L. A." erfährt, Nieilten .£?1 \A1 \\m- n iftinn die Führer der Koalitivusparteien MV SLWn'LK Reichskanzler. Die Uuter- und der -^c mcc , „ „,; au innen nntitlschen Tranen.
$2 Änlraib?ft selbstverfiönbücb. Wie weiter mit- SSu n“S bat sich die Reichsre^nng an ein sU^en-
des enalisthesA«w«berK''T ^^LMUmenPfund ru bewillige«. Diche SticwXÄ M »er »Mr«° ®<Wl.l ™»
dem der Reichskmkzler in seiner Rede auf dem ^eft des
Vereins Berliner Presse gesprochen hat.
Der „Temps" über die Verhandlungen Rathenaus.
»-, Genf. (S. C.) Der „Temps" meldet: Man betrachtet an den Londoner Börsen die Verhandlungen Rathe- navs in London als gescheitert. Rathenau habe nichts weiter erreicht, als daß ihm neue Verhandlungen über die Auftrahme einer deutschen Kreditanleihe in Aussicht gestellt worden seien.
Ansschnb der Rückreise Dr, Rathenaus.
e-t spart8. (B. T.) Aus London wird gemeldet, daß Dr. Rathenau seine Abreise verschoben hat. um das Resultat einer wichtigen Sitzung der Ktnanzkommisston ab- zuwarten, die am Dienstag stattfindet.
Eine Mahnung zur Sparsamkeit?
»^ Paris. (F. Z.) Dem ^Temps" zufolge wirb noch vor Weihnachten ein neuer Schrit der Botfchafterkon- ferenz in Berlin erfolgen, der unabhängig ist von jeder Stundungsfrage, sondern einzig und allein die Em- schränknng der Ausgaben für die seit 1914 mehr eingestellten Beamten fordern wird.
Briand amtsmüde?
•^ Batet. (F. 3.) Die „Nationalzectung" meldet an-> Paris: Man umcht in der Umgebung des sranzöstschen Ministerpräsidenten Briand kein Hehl darauv, daß Briand amtsmüde sei. Der Ministerpräsident will zurücktreten, sobald er das Vertäuen in der Kammer schwinden sieht. Als kommender Mann gilt rn un-e'-
• - - ' ‘-r frühere Präsident der franzön,chen
', demgegenüber der ehemalige Muri-
richteten Kreisen der
Republik, PviNraree------------------------ ■■ - ,
fferuröHÖem ÜRiBeeanb seinen Widerstand anigegeoen hat Wie der „Temps" mitteilt. wird der Ministerpräsident Briand in der nächsten Sitzung der Kammer auf die sdforttge Diskussion der vorliegenden Interpellationen über die auswärtige Politik der Regierung bestehen. Der Ministerpräsident bat die Absicht, in der Sitzung der «ammer über die Orientfragen imb über die Reparationszahlungen Deutschlands y sprechen.
Die eurspäriche Katarophe.
0» LondL«. (%. G. A.) Der englische Schatzkanzler Sir Robert Hörne hat eine Rede iM r die Reparattonszah- lungeu Deutschlands gehalten. In Mittelpunkt der Rede standen die Ausführungen des Mü nsters über feine Unterredung mit dem früheren deuu-^en Wiederauchaum:-
seinen Alliierten, insbesondere Frankreich verständigt zu haben. Die Aufrechterhaltung der Allianz Milchen den Großmächten sei heute wichtiger, als sie jemals gewesen sei. Eine Zerstörung der Allianz würde der ganzen Welt den größten Schaden zufügen. England habe rm Gegensatz ah Frankreich niemals d.e von Deutschland ^‘^ ten Reparationssahlunaen in Rechnung gestellt. Weiter fj^hrte L erne aus, Deutschland dür, e urchi in der Lige sein, seinen Reparattousverpftichtmigen am lö. Ianuar und im Februar nachzukommen. ® e Vaßc fit augeror deutlich schirre.ig. Die Alliierten müßten die Lage g.- meinlam besprechen. Wenn der Zusimmenbrucki -reuftch- lands durch eine Hüfdatti°n der Alliierte« verhindert werben könnte. so müßte das geschehen, nicht,um -^U\c6= land selbst, sondern die ganze Welt vor einem großen Schaden Ais bewahren. Ocüerreich und Rußland seien vor dem Kriege gleich Deutschland die lasten ^luden Englands gewesen. Heute seien biete Lander nicht mehr imstande, die englischen Waren zu kaufen. Wenn nun auch Deutschland in dieselbe Lage kommen sollte, so werde das eine nnaussprechliche Katastrophe ,«r das ganze Europa sein.
Der Kampf um die VesiMeuer.
« Der Entwurf zum Vermögens sie«ergesetz bat bisher bei den Beramugen tm Sreuerausschuß den -in.ack zu scharfen Gegensätze« zwischen den bürgerlichen Karteien und den Sozialdemotraten gegeben. In der ^orlage wird u. a. bestimmt, daß ire Grundstücke nicht nack dem Nutzungswert, sondern nach dem gcmemcn W-rt c, rg - schirtzt und zur Steuer herangezogen werden sollen. Diese BcsiimmuNa kommt der soziacdcmvkc"ustoen.vvrderung nach einer weitgehenden Erfassung der Sachwerts eiftge neu und ist für die bürgerlichen Warteten in dieser ?vorm nuannehntbar. Der Begriff des gemeinen Zerles ist
nhne weiteres gleichzusetzen mit dem Gold- L?t- aber e? b?etU die Mögl^ unerhörten ^teuerschikanen und zu einer starten Willkür gegenüber dem Bests. Wenn der bisherige Nutzungswert ^teuerstch ersaßt wird, so entspricht das durchaus dem Plstrzip ßeuerlicker Billigkeit. Aber die Sozialdemokratie hat Nch in dieser Arag< gänzlich unnachgiebca gezeigt, fvdaß der Hauvtkeru des Steuerprogramms den erfolgreichen Kvr!° gang der BemL W'" .wruer vermutet, ist man letzt auf bürgerlicher «reite bemüht, ein stotn-pro Htitt ■ u schalten Bei der ersten Lesung der Borlage hat mal: "die strage unerledigt gelassen, bei der zweiten kann n au aber nickst mehr um eine Entichetdung bernm.om- ----- Obwohl sich,die sozialdemokMische
ÄÄ^^ im Stcuorau^ einer
Berftändigung auf irgend -iner mittleren ^cnre nicht eb- neneiat zu sein. Wenn man dem m,^
ren Bcgrftf' deS «nenWert-s durch den Begriff^d-s j produktiven Wertes ersetzt und diestun eine ^ |
bie eine weitgehende, aber gerechte Heran„iehuna i u* Be
sitzes ermöglicht, so dürsten sich die Schwierigkeiten beheben lassen. «ommt das angestrebte Kompromiß nicht zustande, so wäre es ausgeschlossen, in absehbarer Zeit mit den Ausschußberatungen vorwärts zu kommen.
England und Aegypten.
Aus London wird gemeldet: Die Towningstreet best den Briefwechsel über die inzwischen abgebrochenen Ber- Handluygen zwischen dem Auswärtigen Amt und der ägyptischen Delegation veröffentlicht. Er enthält das von der britischen Regiernng vorgeschlagene Abkommen, in dem Aegypten als souveräner Staat unter einem konstitutionellen Monarchen anerkannt wird und in dem ei« dauernder Friedens-, Freundschafts- und Bündnisvertrag vorgeschlagen wird, die Antwort der ägyptischen Delegation und ein Schreiben des britischen Oberkvmmis- sars an den Sultan. Die Antwort der Delegation auf diese Bedingungen besagt: Die Borschläge verleihen Großbritannien das Recht, militärische Streitkräste in jenem Teil des üavptischen Gebiets zu allen Zeiten aufrechtzuerhalten und Großbritannien alle Verbindungswege und Berbindungsmittel des Landes zur Verfügung zu stellen. Dies bedeute nichts anderes als eine Besetzung des Lani es, die jeden Gedanken an Unabhängigkeit zerstöre. In dem Schreiben des britischen Oberkounnis- sariats an den Sultan heißt es, die britische Regierung wünsche Aegypten sobald wie möglich und soweit es die Verhältnisse zulasten, seine volle Unabhängigkeit zu ge
währen.
Neue Plünderungen in Berlin.
^»In den späten Nachmittagsstunden des Montags ist es zu erneuten Plünderungskrawalle« in Neukoll« wre auch in der Prcnzlan-r Allee «ud den ««greuzeube» Straßen gekcmmeu. Große Trupps von Obdach- und Erwerbslosen durchzogen die Straßen, um zu dcmoustrte- ren. Sie wurden von der Schutzpolizei, da sie ohne Ordnung marschierten und gewalttätig vorgingen, au^eln- andergetr'-ben. Es bildeten sich nun große Trupps von mehreren hundert Personen, die nach den genannte» ©frafeen zogen und dort Kleider- und Lebeusmittelge- ^häste plünderten. Schließlich gelang es, 1l« Plündere» zu verhaften und dem Polizeipräsidium zuzufttyren, w» sie wegen Plünderet und Landfrieöensbruchs verhaftet wurden. mr .
Weiter wird uns dazu noch gemeldet: Eine Abordnung, die sich als Bertreiuna der Obdachlosen auss«-., »«.AM* In hAÄ SKrttbmtS ein. t'bsrlstipa^M^stvst v. c "LLZ:^
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einer Wirtschaft^'echilfe vsalvitv Mark wr jeden Obdachlosen verlangten. Oberbürgermeister B^es erklärte, daß zu einer solchen Bewilligung ein MogistratsbeschluS notwendig sei. Man befürchtet Wiederbolung der Plünderungen. Die Schutzpolizei wurde daher in erhoü.e «SÄ'Ä 0« lest« WW ™S -cn 31 Geschäfte a«sgeraubt. Stach Mitternacht wurde die Polizei zum SchlesisLcn Bahnhof gerufen, wo me uni- liegenden GesüBstshäuser von Trupps plündernder Banden heimgesucht wurden. Dienstag früh verrichte in Berlin wieder Ruhe.
Wiederznsammentritt des Reichstages.
»-»Berlin. (S. G.) Der Reichstag wird au^l4. Dezember wieder zusammentreten, um bic neuen «temrvorla- «cn zu beraten. An ein Inkrafttreten der neuen L-icuer- gesetze am 1. Januar ist nicht mehr zu denken.
Die Frage der Autonomie für Oberfchlcsien.
»»Berlin lS E ) Zu der Frage der Gewabrung der Slutoiwmie an die bei Deutschland verbleibenden Tett« des oberscluesischen Abstimmnngsgekuetes wird von unständiger Stelle mitgeteilt daß in dieser! Tagen die An- treae des preußischen Staatsinittistertums und der Ber- treter der Reichsregterung eingegangen sind. ^ermtla^ Eng Hierzu bat das Gesetz zur Ausführung dee. «rüfti» 18 der ReM sverfasiung gegeben, das in der nächne» Sitzung des Reichsratsausschuges zur Erledigung gelau- gen soll.
Die Berhaudlunge« über Oberfchlesten
»»Gens. tS. EI Das „Journal des Debato meldett Die polnischen Vertreter bei den dcutsch-polnisch.n ^v-rt- schaftsverhandlungen haben den Wumch geäußert, che Verhandlungen bis Ende Januar zum Alstchluß vU bringen ^as Blatt fügt hinzu, es bestehe d e Wahrchveinlich- ke ' daß die gesamte oberschlesisax Frage bis Ende Januar ibre Lösung durch die Alliierten finden werde sowohl hinsichtlich der Eisenbahnen alS auch der übrige»
Verkehrsfragen.
Bon der Wasbingtoner Konferenz
E.) Der „Teurps^ mclbet aus Waihins- ton Die Vollsitzung der Abrüstungskonserenz ist auf Freitag vertagt worden. Die abermalige ^taguna fou auf Einspruch der chinesischen Vertreter zurückzutuhrev
Rücktritt c-nes chinesische« Delegierte«.
Wakbivaton. <L. A.) Der Generalwkretar der cht- tteftfeben Delegation in Washington 8« in dettna tele- , graphisch seinen Rücktritt angezergt, weil Eh-ua mit f«- i uen Forderungen nickst durÄgedrunge» sei.
Vorläufig keine Miuisterkouferenz in Paris.
^ «aris. (F. 3.) Die für diese Woche angekündigte Kusammenkniift der Mimster Englands. 'Frankreichs und Italiens findet, wie aus englischer Duelle mutge-erlt wird, vorläufig nicht statt. ES soll ein späterer vermin festgelegt werden. Aus der «unserem sollte aw sM^nstch über Fragen des fernen Ostens, sowie über eine Vermut-