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Rasseltet MmsHatr

Amtlicher HnZeigee für örn Kreis Hersfei- !

Ne. 265

Freitage den 11 November

19581

Die kinlrelSviWlwmaWmi In SeeW.

h Mittwoch abend ist die ReparatiottskomMission in Berlin eingetrcsfe«. Den Vorsitz hat ein Franzose, die Mitglieder der Kommission erklärten, daß sie in den nächsten Tagen ausschließlich vertrauliche Besprechun­gen hätten. Die Beratungeir mit den zuständigen deut­schen Regierungsstellen, dürften erst im Anschluß barem beginnen.

Suche nach VerMögenswcrten.

.»»Das fortwährende unaufhörliche Sinken des Mark- Zurses hat in den Ententeländern ein ausgesprochenes Angstgefühl hervorgerufen. Man fürchtet und das mit Recht, daß es Deulschlaud unmöglich sein werde, die Zahlungen für die Reparatis«, die in Gvlddevisen ge­leistet werden müssen, zu erfüllen. Die Reparations- kommtssion ist Mittwoch abend in Berlin eingetroffen, um sich darüber zu unterrichten, wie Deutschland die nächste Role, die am 15. Januar fällig ist, bezableu wolle. Die Kommission hat die Absicht, nicht nur mit der Reichs- regierung zu verhandeln, sondern zu ihrer Information eine Art Euqusie s« uerem füllten und auch nicht amt­liche Persönlichkeiten, hervorragende Politiker, Vertre­ter der Industrie, der Finanzen und der Landwirtschaft zu hören. Zu welchem Ergebnis die üieparationskom- mission kommen wird, die einen 14tägigen Aufenthalt vorgesehen hat, läßt sich natürlich heute noch nicht sagen. Optimisten glauben, daß sie zu einer Wtuuduug der «üch- ster; Rate, Pessimisten, daß sie ohne Rücksicht auf die fi= nanzielle Lage des Reiches zu neue« Drshungeu und zu neuen ZwaNgsmaßuahWe« areften wird. Das muß zunächst abgewartet werden. Jedenfalls wird die Kom­mission von allerlei Ratschlägen der französischen Preise begleitet, die noch immer auf dem falschen Standpunkt steht, daß Deutschland selbst den Sturz der Mark her­vorgerufen habe, um sich seinen Berpslichtungen zu ent­ziehen.

Dobois über den Zweck der Reise.

»»Der Vorsitzende der Reparationskommisston, Dobois, ist von der Pariser »Information" befragt worden. Do­bois erklärte, daß der Zweck der Reise in einer Prüfnug der deutschen Lage bestäAde und daß der Aufenthalt der Kommlssion in Deutschland auf S10 Tage berechnet fei, wahrscheinlich aber länger dauern werde. Die Kom­mission werde ihre Entscheidnug in Berlin treffen und nicht die Rückkehr nach Paris abwarten, um Entschlüsse zu fassen und sie offiziell mitzuteilen. _ s» Wie derTemps" meldet, hat die Garantiekommif- sion die Forderung erhoben, daß Deutschland am 15. No­vember und am 1. Januar je einen Vorschuß leisten soll, der zusammen etwa % der halben Milliarde Gvid- urark beträgt, die am 15. Januar 1922 fällig ist. Diese Vorschußzahlungen sollen aus den Zolleinahmen und der Ausfuhrabgabe entnommen werden. Die Reparations- kommisston, die sich mit dieser Frage einverstanden er­klärt hat, wird in Berlin mit der dentschen Regierung über die Maßnahmen sprechen, die die deursche Regie­rung gefaßt hat, um diese Vorschußzahlungen zu ermög­lichen. 'Die Kommission wird sich ferner eingehend mit der Kreditaktion der deutschen Iudnstrie sowie mit dem Marksturz und dem deutschen Budget fomie der Schaf­fung «euer Eiuuahmequeke« durch neue Steuern be­schäftigen.

Asanith für Streichung der Kriegsschulden.

>» Asguilb erklärte in Glasgoni, daß der Stand der deutschen Reichsmark anf den finanzielle« Zusammen- bruch Deutfchlands Hinweise, was ein Unglück für alle übrigen Länder der Welt bedeuten würde. Er sprach sich für die Annnlliernnq der Kriegsschulden aus.

Deutschlands Rolle in der Weltpolitik.

»-»Aus London wird gemeldet: Der englische Schrift­steller Wells, der als Sonderberichterstatter für die an­gesehensten Londoner Blätter nach Washington gegangen ist, kommt in seinem ersten Bericht zu einer bemerkens­werten Schlnstfolgernng. Er erklärt es fiir ansgoschles- sen. Latz sämtliche Weltprobleme auf der Washingtoner Konferenz gelöst werden ohne die Mitwirkung Deutsch* lands und Rußlands. Wells sagt weiter, der Versailler Vertrag sei nichts anderes als ein Triumph der fro zösisckeu Revancheidee. Dieser Vertrag müsse auf Washingtoner Konferenz revidiert werden.

an­der

Ausgabe der Neparatfonskommifsion.

»»Berlin. (S. C.) Die am Mittwoch abend in Berlin cingetroffenen Mitglieder der Reparationskommission haben, wie uns ge,neidet wird, in der französischen Bot­schaft eine Sitzung abgehalten. ftür Donnerstag mittag 12 Uhr ist eine zweite Sitzung eingeritten worden, zu der auch die fielt in Berlin aushaltenden französischen diplo­matischen Vertreter nnd Finanzsachverständigen eingela­den worden sind. Ein persönlicher Besuch der Repara- tionslvmmission bei den deutschen Behörden ist nicht in Aussicht genommeu worden, da die erforderlichen Un­terlagen von den deutschen Behörden etnaesordert wer­den sollen. Der PariserTemps" meldet, daß die Rc- varationskommission die eigentliche Aufgabe habe, den deutschen Staatshaushalt zu prüfen, die Erhöhung der ffleiwtcnoeWer nicht zu,»lasse«, wE nicht vorher die Reparationszahlung durch eine Borschublels n»g sicher- , gestellt worden sei, nnd einen Teil der neuen Steuerüe- träge für die Wiedergnunachnngszayl««gen zu beschlag­nahme«.

Rene Pfänder

^ Berlin. (L. A.) Nach Pariser Meldungen soll die ..Garantiekommissivn in Berlin neue Pfänder fordern.

Ein neues lütima^m»

»»Es haben bereits mehrfach Besprechungen der poli­tischen Abteilung der Amerälliierten Kommission mit der polnischen Kommission stattgefnnden, Die Interal­liierte Kommission hat der französischen Reaieruna vor­geschlagen, die wirtschaftlichen Etagen durch eins Art Ultimatum zu regeln. Von polnischer Seite wird dieser Plan unterstützt.

Die deutsch-polnischen Verhandlungen.

^Goniek Slaski" erfährt aus gut informierter Quelle, daß es nicht wahrscheinlich sei, daß die deutsch-polnischen Verhandlungen in Lvpcln stattsinden werden. da es bei der dort bestehenden Wohnungsnot schwierig sein dürfte, die Commission unterzubringen.

Der finkende MarZWZeS.

Die deutsche Mark ist auf den tiefsten je erreichten Punkt gelangt. Gemessen am amerikanischen Dollar ist sie jetzt mit weniger als dem 50. Teil des Kriedenswer- tes im Ausland bewertet. Das Almuten der Mark, das mit dem Ultimatum begann, haue schon bis Ende August einen größeren Uunang eingenommen. Die Ent­wertung, die seitdem eiiigefetü hat, übertrifft aber an Schnelligkeit und Umfang die Bewegung der Vorwochen ganz bedeutend. Im Frieden wurden für den Dollar 4,20 Mark gezahlt. Während nun noch im Mai 1921 im Durchschnitt der Dollar mit 62,30 Mark bewertet wurde, sank er Mitte Oktober aus 185 Mark, hatte sich also in einem halben Jahr um das Dreifache verteuert. Damit war der Tiefstand noch nicht erreicht. Es kamen Tage, an denen der Dollar auf über 200 stieg. Am 4. November zahlte man in Berlin sogar 230 Mark für ei­nen Dollar und am gleichen Tage in Neuyork für die deutsche Mark weniger als einen halben Cent. Vor­übergehend ist an einzelnen Börsen der Markwert so­gar noch tiefer gesunken. Während die Abwärtsbewe­gung der Mark in den Vormonaten wenigstens zum Teil noch durch wirtschaftliche Gründe erklärt werden konnte, muß jetzt die Berufung auf wirtschaftliche Not­wendigkeiten versagen. Damals standen wir vor einer Erhöhung des innerdeutschen Preisniveaus infolge der Anpassung der Getreidepreise an die Weltmarktpreise. Die Valutagestaltung mußte damals aus die Verschie­bung im Verhältnis zwischen dem inländischen und dem ^lMi1^»^^

neue Versorgung mit ausländischen Rohstoffen, die nur in Edelvaluta bezahlt werden konnten.

Die jetzige sprunghafte Entwertung der Mark samt nur als Spekulationserscheinung erklärt werden: al­lerdings nicht nur in dem Sinne der Spekulation, die privatwirtschaftliche Kursdifferenzgewinne machen will. Inland und Ausland haben gleich stark an der Mark- kataüröpbe mitgewirkt. Veranlassung auf beiden Sei­ten ist das Mißtrauen in die zukünftige wirtschaftliche Lage des Dentschen Reiches. Die großen Markbeirage, die im Auslande sich befinden, bedeuten festen Endes eine kurzfristige Kreditaufnahme, die die deutiche Volks­wirtschaft dort vorgenommen hat. Daß die auslandi- schen Gläubiger diesen kurzfristigen Kredit .etzt kundi­gen, wo die deutsche Volkswirtschaft als Schuldner ihre erste Reparationsverpflichtung nur mit der größten An­strengung hat erfüllen können, ist nicht verwunderlich.

Wie weil Deutschland einerseits, die Welt anderer­seits eine katastrophale neue Entwertung der Mark vertragen kann, ist eine andere Frage. ^.ae Rückwir­kung auf die innerdeutschen Wirtschaftsverhaltmne be­steht in einer starken Preissteigerung, die zunächst zwar befruchtend auf die geschäftliche Konjunktur und damit auf die Erzeugung wirkt. Dahinter steht aber die Er- schwernng des weiteren Bezugs der notwendigen Roh­stoffe. sowie der soziale UmschichtungSprozetz in Ein- kominenShöhe unter Vermögensbildung, der ersah- rungsgemäß nur unter Kämpfen und Verlusten an der produktiven Tätigkeit sich durchsetzen kann. Varutakata- Mopbe bedeutet somit eine gefährliche Erschütterung der ohnedies geschwachen Wirtschaftskraft. Darum hat dre Weltwirtschaft ein Interesse daran, die deutsche Lei­stungsfähigkeit und Aufnahmefähigkeit nicht durch.eine Valiltakatastrophe zu gefährden. Infolge6eput Iöüe die dritte Markverschlechterung sofort im Ausland Bestre­bungen zu einer internationalen Wahr«ngS-«anieruug aus. Solche Bestrebungen werden aber erschwert durch die geschichtliche Tatsache, daß eine Wahrung nie so schnell wieder in die Höhe gebracht werden kann, wie sie abgesmfteu ist, m wirtschaftlichen Verluste der Zwischenzeit erheblich sind. Besonders die ^rag? ver deutschen Valuta stößt immer wieder auf den Wider­stand der Reparationszahlung.

Eindämmnng der Markentwerinng.

x Das Reichskabinett wird am Donnerstag Beratun­gen über die Eindämmung der Markeniwertnng abhal- ten und Richtlinien für die komrncnden Beratungen mit den» Ncparativnsansschutz aufstellen.

w Berlin. (S. C.) Die Besprechungen der Reichs- regierung mit den Vertretern der Großbanken über die Maßnahmen gegen Den weiteren rapiden Sturz der Mark haben noch zu keinen, Ergebnis geführt. Die Fortdauer der Besprechungen, an denen auch der ReichS- bankpräsident Havenstein mehrfach teilnahm, beweist je­doch, daß Maßnahmen der Reichsregierulig zur Ein- dämmuug des weiteren Markstnrzcs in Borbereitiirm fmb nnd daß ihre Dnrchführnng beschlennigt werden soll.

Der Handel mit Devisen.

Der Gesetzentwurf über den Verkehr mit Deviseq fremdell Getdiorleu nnd Banknoten, der vom Reichs' kabinett angerwmmen worden ist, hat im wesentlichev folgenden Wortlaut:

1. Der Handel mit Devisen, fremde,t Geldsorten und Banknoten.soll von nun an die Banken gebunden sein) also nur durch die Vermittlung von Banken und Ban­kiers können in Zukunft Devisen- und ähnliche Geschäfte abgeschlossen werde».

2, Die Banken sind verpflichtet, von jedem, der mit ihnen ein Devisen- oder ähnliches Geschäft eingehen will, eine genügeride Legitimation zu verlangen.

8. Die Banken sind verpflichtet, übbr jedes abgeschlos­sene Devisen- oder ähnliches Geschäft nach gewöhnlichem Kurs usw. einen Schlußschein auSzustellen. Dieser Schluß-ck'efn muß von den Banken dem betreffenden Fi- nanzani! desjenigen, der ein Devifengeichäft eingegan- gen ist, übcrmiefen werden. Die Finanzämter übtrneh- men dann ihrerseits die überwiesenen Schlußscheine zu den Steuerakten. Der Gesetzentwurs wird binnen kur­zem dem Re-MSrat und dem Reichstag zugehen.

Keine Srörternua der Balutafrage.

»» Geuf, (S. C.i DerMarin" meldet aus Washiuq- ton: Die französische Delegation erklärte demSun"- Bertreter daß sie die Erörterung über die Lnae in Mit- telcnropa auf der Washingtoner Abrüstungskonferenz nicht zulassen werde. Die Konferenz werde sich auf bte auf der Tagesordnung stehenden Fragen der Abrüstung der Länder beschränken. Die Valutafrage der nicht zur KmEerenz eingeladenen Staaten foll nicht zur Sln.S- sprache gebracht werden.

Die NevslüLionsfeierr».

»»Die Revolutionsfeiern in Berki«, die auf sieben Plätzen durch Ansprachen abgehalten wurden, waren nicht stark besucht. Im ganzen mögen es vielleicht 60 000 bis 70 000 Teilnehmer gewesen sein. Im Humbolds- Hain schloß Emil Barth seine Revolutionsbilanz mit den Worten:1914 war der deutsche Michel ein Rinö-' vich, 1918 ein großes Rindvieh und heute ist er ein Rtesenrindvieh."

In Hamburg fanden 25 stark besuchte Demonstra- iionsversammlungen statt. Am Vormittag sind an den Gräbern der Revolutionsopfer von der Sozialdeuwkra- tischen Partei und vom Arbeiterrat Groß-Hamburg

Gewerkschaften

iRittwoch mittag Arbeitsruhe ein. Der größte Teil der - Arbeiterschaft leistete diesem Beschluß Folge. Die Teil­nehmer an der Einweihunq des Denkmals für die in den Revolutions- und Kapptagen Gefallenen war gering. Das Denkmal iimrbe nachts mit roter Farbe beschmiert. Der Polizeipräsident hat eine Belohnung von 3000 Mark ansgesetzt.

Frieden mit Irland?

DerEvening Starrdard" bestätigt das Znstande- ko.MMcn eines Abkommens zwischen der englischen Re­gierung und den Sinnseinern. Das irische Hontcrule- Gcsctz wird in einem für Irland günstigen Sinne ge­ändert. Ferner ist eine Grenzberichtigung zwischen Ul­ster und Südirland vorgesehen. Die Sinnfeiner haben dagegen auf die volle Unabhängigkeit Irlands ver/ch- ict' Die Regelung der ganzen Frage hängt jetzt e

Die Verbandlnnge« mit Ulster.

"» London. Die irische Konferenz nähert sich mit den am Freitag beginnenden Verhandlungen zwischen der britischen Regierurig und bem Kabinett von Ulster ihrer schwersten Krise. Craig zeigt sich unnachgiebig, doch wer­den von dem Gesamtkabinett in Ulster verschiedene Vor­schläge erwartet, die zu einer Erörterung dienen kön­nen. Die Presse betont erneut die Möglichkeit des Rück­tritts Lloyd Georges.Evening Standart" meldet, bat König Georg seinen Einfluß auf Ulster geltend mache» werde.

m London. Im Unterhause wurde ein Autrag einge­bracht, mit Rücksicht auf den Ernst der Lage in den Ver­handlungen mit Irland das Parlament nicht zu ver­tagen, da sich in den Verhandlungeu ernste Konflikte ergeben könnten, die das Eingreifen des Unterhauses notwendig machen würden. Chamberlain erklärte, die Zeit für die Beendtgüng der langen Tagung des Par­laments sei gekommen. Wenn die Regierung es> nötig erachte, das Parlament einzuberufen, so werde das der Beginn einer neuen Tagung sein.

Der Streik bei Benz.

w Eine Versammlung der bei der Firma Benz & Co. in Mannheim ausgesperrten Arbeiterschaft nahn, scharf Stellung gegen die Bedingnnge« der Direktion. Diese fordert außer der Garantie für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in den Betrieben auch, daß die an den Ausschreitungen beteiligten Arbeiter nicht wie­der eingestellt werden. Der Antrag eines Vertrauens­mannes, die Angelegenheit einer Versammlnng der Funktionäre aller'Mannheimer Betriebe zu unterbrei­ten, wurde angenommen.

Englische Kritik am Wiesbadener Abkommen.

Das britische Auswärtige Amt hat den Bericht des britischen Delegierten in der Reparationskommisston. Sir John Bradbury, über das Wiesbadener Abkomme» vom 6. Oktober 1921 veröffentlicht. Es heißt darin, das Abkonrmen würde Sieb eilten, daß Deutschland zu der ihm von der ReparationSkommission unter dem Friedcus- vertrag auserlegten Last «och eine nette übernommen habe. Wenn man in Betracht ziehe, was in Deutscklaich dem Verhalten Ulsters ab.