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Hersfelöer Tageblatt

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Etlicher Myei-er für den Kreis Hersfirl- l ^^^ag^g

Nr. 368

Mittwoch, den G. November

19581

kroaliretHs Plane auf oger-HlOen.

»-«DieOberschlesische Volksstimme" berichtete vor einigen Tagen, daß die staatlichen Gruben im geraubter Oberschlesien zu einer Aktien-Gesellschaft mit einem französischen Direktor an der Spitze zusammengefatzt werden sollen. Ein diese Meldung bestätigender Bericht lautet: Am letzten Sonnabend erschienen auf der staat­lichen Berginspektion in KönigLhütte bei dem stellver­tretenden Direktor Bergrat Spinn zwei französische Bergingenieure, darunter der Ingenieur du chef des mins, Jules Simon, mit einer Anzahl Betriebsführer und erklärten, sie wären diejenigen Leute, die dazu aus­ersehen seien, den Betrieb der Königshütter Gruben zu übernehmen. Sie erkundigten sich eingehend nach Zahl und Art der vorhandenen technischen und administra­tiven Beamtenstellen. Weiter wird zuverlässig gemeldet, daß englische Kapitalisten in dem Kreise Metz die dor­tigen Steinkohienfelder erschließen wollen.

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Durch diese Meldung wird tatsächlich bestätigt, daß es sich bei dem Raub der oberschlesischen Industrie we­niger darum gehandelt hat, diese wirtschaftlich äußerst wichtigen Gebiete an Polen anszuliesern, als vielmehr darum, daß sich Frankreich dort eine Interessensphäre und einen Einfluß schafft, der von besonderer Bedeutung für die Bestrebungen Frankreichs ist, Deutschland durch eine Umklammerung und hermetische Abschließung dauernd jede Möglichkeit zu einem neuen wirtschaftlichen und politischen Aufstieg zu nehmen.

Die Greuzssstsetzuugskommission für Oberschlesien.

^ Rotterdam. lS. C.) Nach einer Meldung derMor- Ningpost" unterzeichnete Lloyd George am Montag die Ernennung der englischen Delegierten für die englische Grenzfestsetzungskommission. Die Reuteragentur mel­det am Montag abend die Namen der fünf Delegierten.

MM neueFMdenL"rede Brisuds.

^' Briand erklärte in einer Rede auf dem Dampfer, den er zur Fahrt nach Amerika benutzte, daß Fraukreim sich nicht eher an einer Abrüstung beteiligen könne, bis die Einrichtung einer internationalen Organisation nicht nur seine Sicherheit verbürge, sondern ihm die Garantie gebe, daß die Unverletzlichkeit Frankreichs er­halten bleibe. Frankreich hätte Vorteile aus seiner Lage ziehen können und seine Grenze sichern können. Es tat das jedoch nicht, weil Großbritannien und Amerika ver- 4jÄ*WiHir^

haben würde. Frankreich habe seine eigenen Pläne auf- gegeben, und jetzt habe es weder die Grenzen, die Frank­reichs Sicherheit fordere, noch einen Allianzvertrag. Briand fuhr dann fort: Ich kann Echte Abmachungen annehmen, die die notwendige Verteidigung meines Landes vermindert, ohne eine große Kompensation zu erhalten. Wir Franzosen verteidigen unsere eigene Sicherheit nnd die der Zivilisation. Anschließend kam Briand auf die Frage des Stillen Ozeans zu sprechen und sagte, die Regelung dieses Konflikts, die viele Ge­fahren mit sich bringt, ist in einem gewissen Grade für Frankreich von lebenswichtigem Interesse, und so kommt es, daß auch Frankreich selbst an der Beilegung dieses Konfliktes Mitarbeiten müsse. Frankreich sei bestrebt, den Frieden zu sichern im Stillen Ozean wie in Europa.

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Briand hat noch während seiner Ueberfahrt nach Amerika tüchtig den Phrasensack geschüttelt, um die Wa­shingtoner Konferenz über seine Haltung in der Ab- rüstungsfrage nicht im Unklaren zu lassen. Seine Aus­führungen drehen sich um den Kernpunkt, daß Frank­reich nicht daran denke und auf keinen Fall gewillt sei, seine Rüstungen einzuschränken. Briand begründet dies mit der notwendigen Sicherung der Grenzen Frank­reichs. Gegen wen? Gegen Deutschland! Gegen das vollständig wehrlose, ohnmächtig am Boden liegende Deutschland! Man weiß nicht, ob es das schlechte Ge­wissen der französischen Staatsmänner über die Schand­taten, die sie sich gegenüber Deutschland schuldig gemacht haben, ist, das sie nicht zur Ruhe kommen läßt und sie mit einer hysterischen Angst vor einer Revanche Deutsch­lands erfüllt, oder ob es tatsächlich nur alleiu der Groß- machtsdünkel Frankreichs ist, von dem es seit dem un­verdienten Siege befallen ist. Vielleicht ist es beides, das die französische Haltung diktiert. Auf jeden Fall will sich Frankreich dauernd ein Uebergewicht in den europäischen Machtverhältnissen und besonders gegen­über Deutschland sichern. Es entspricht dem französi- schen Nationalismus und Chauvinismus, einmal zur Macht gelangt, diese Macht auch in unerhörtester Weis: zu mißbrauchen Wenn Briand in diesem Zusammen- Hange davon spricht, daß Frankreich die Zivilisation zu verteidigen habe, so mutct dieser Ausspruch von einem Staatsmanne doch sonderbar an, dessen Volk und Re­gierung sich durch die Hetze der schwarzen Bestien auf die friedliche Bevölkerung am Rhein ein dauerndes Schandmal in der Geschichte gesetzt haben.

Briand in Nenyork.

Briand und die französischen Delegierten sind am Montag morgen 9 Uhr in Neuvork gelandet. Sie wur­den nach einer Meldung aus Neuvork von einer «»ge­heuren Menschenmenge stürmisch begrüßt.

Protest Tschitscherins.

»-» Aus London wird gemeldet: Tschitscherin hat In ct= 1 ner Note an die Großmächte gegen den Ausschluß Ruß­lands von der Washingtoner Konferenz Protest erhoben.

öle rWaratfouskommifHon In Berlin.

Amtlich wird aus Berlin gemeldet: Die deutsche Re­gierung erhielt von der Reparationskommission die Mit­teilung, daß sich die Mitglieder der ReparatiouskoMMis- fion nach Berlin begeben haben, um mit der deutschen Regierung über die Durchführung der vom Garaulie- komitee in Ansehung des Zahlungsplanes gewünschten Maßnahmen und ihre Ergänzung eine Besprechung ab- zuhalten.

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In Berliner politischen Kreisen hat dieser Besuch der Reparationskommission einiges Aufsehen hervorge­rufen. Die Ansichten über die Absichten des Besuches sind geteilt. Die Regierung ist der Meinung, daß die Reparationskommission sich auf Veranlassung der eng­lischen Regierung nach der deutschen Reichshauptstadt begibt, um mit der Regierung Maßnahmen zur Sicher- stellung der von Deutschland übernommenen Repara­tionsleistungen zu treffen. Man scheint zu erwarten, daß die Kommission zwar neue Garantien verlangen wird, daß sie aber andererseits bereit sein dürfte, ge­wisse moratorienhafte Zusicherungen zu gewähren. Von anderer Seite wird die Ansicht zum Ausdruck gebracht, daß das Erscheinen der Reparationskommission mit der vom Reichsbuno der deutschen Industrie gefaßten Eni- schlietzmrg in der Frage der Kreditaktivu zusammen- hängt. Die Resolution der Industrie bat im AuSland einen ungünstigen Eindruck erweckt. Das Reichskabinett hat sich bereits Montag nachmittag mit einer Sitzung mit dem Besuch der Reparationskommission beschäftigt. In parlamentarischen Kreisen weist man darauf hin, daß eine Finanzkontrolle durch die Rexarationskouimission eine übereilte Maßnahme sei und daß in dieser Frage überhaupt noch nichts beschlossen worden ist. Man wirft die Frage auf, ob nicht Maßnahmen getroffen werden könnten, um eine schnellere Eintreibung der noch aus- stehenden Steuern zu bewirken. Bisher seien in der Hauptsache nur Steuereingänge aus den zehnprozeutigen Lohnabzüge« zu verzeichnen.

Wie verlautet, beabsichtigen die Linksparteien, der Regierung einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Er­fassung der Sachwerte ernsthaft in Angriff nehmen soll. Auch im Reichswirtschaftsrat soll von der Linken eine Resolution eingebracht werden, die die Entschließung der Industrie auf das schärfste mißbilligt und worin erklärt wird, daß nunmehr die Erfassung der Sachwerte nicht M WMMmn-i-" sich nach Berlin begeben hat, setzt sich aus französischen, englischen, italienischen und belgischen Delegierten zusammen. Auch die Vereinig- fen Staaten sind in ihr vertreten.

Der Wiederaufbau Nordfrankreichs.

w Loucheur empfing die Vertreter der Organisationern die die Absicht haben, den Wiederaufbau von elf Sommedörfern auszuführen. Es wurde vereinbart, daß keine neuen Verhandlungen stattfinden sollen, solange nicht die für die Wiederaufbauarbeiten erforderlichen Nominalisten der Geschädigten mit ihrer offiziellen Ge­nehmigung dem Ministerium Angegangen sind.

Wer 9. November.

** SBcrUit. (L.-A.) Die Reichsregierung hat für den 9. November angeordnet, daß in den Ländern, in de­nen dieser Tag als gesetzlicher Feiertag anerkannt ist, auch in den Reichsbetrieben auf die landesgesetzlichen Anordnungen Rücksicht zu nehmen ist. In den Ländern, in denen der 9. November nicht als ein gesetzlicher Feiertag gilt, muß auch in den Rcichsbctriebeu gear­beitet werden. Wer der Arbeit fern bleibt, hat mit Lohnverlust zu rechnen. Aus geringfügigen Verkür­zungen der Arbeitszeit sollen keine weiteren Folgen gezogen werden.

Die Forderungen der Beamten.

Von der Leitung des Deutschen Beamtenbundes wird mitgeteilt: Der Vorstand des Deutschen Beamtenbundes hat nach eingehender Erörterung der durch den sprung­haften Niedergang des Markkurses geschaffenen, unheil­vollen Lage der Beamtenschaft unter Zustimmung der Vertreter der dem Deutschen Beamtenbund angeschlos- senen Gewerkschaften die sofortige Weiterführu-tg der Besoldungsaktio» unter folgende» Gesichtspunkten be­schlossen:

Der Regierung sind sofort, unbeschadet des Abschlus­ses der gegenwärtigen Vorlage, folgende Forderungen vorzulegen, die sich nach der inzwischen eingetretenen Verteuerung der Verhältnisse und nach Annahme der Gesetzesvorlage in der Beamtenschaft nötig machen:

1. Die für Oktober-Dezember zu zahlenden Nach­zahlungen auf Grund der neuen Besoldungsorduung sirrd, soweit sie hinter dem Betrage von 2000 Mark für den Beamten und 500 Mark für jeden weiteren von dein Beamten zu unterhaltenden Angehörigen zurückbleiben, in nnmittelbarem Anschluß an die Nachzahlung auf die­sen Betrag auszufüllen.

2. Hebung des Einkommens der unteren und mitt­leren Beamtengruppen auf eine die Bestreitung der Le­bensnotwendigkeiten sichernde Höhe. Bet der daher fo- fort in Sinnt ist zu nehmenden Revision der Grundge- Haltsfätze ist u. a. auf die Plarrmätzigkeit des Verhält­nisses der Gehaltssätze der einzelnen Besoldungsgruvpetl zueinander hinzuwirken.

3. Sofortige Schaffung von Einrichinngeu, wodurch unter Beteiligung der Beamienorganisationen eine kurz­fristige automatische Aupassnug der Bezüge au die fort- schreitende Geldeutwertung und Teuerung erfolgen muß.

Aussperrung und Streik.

^ Die Firma Benz & Co. in Mannheim hat den Be« trieb ihrer Automobilfabrik stillgelcgt. Die Arbeiter-i schüft, etwa 3600 Mann, ist entlassen worden. Den Grund! dazu gaben nach einer Mitteilung der Direktion die fort-! gesetzten Demonstrationen der Arbeiterschaft, die in daSi Gebäude eindringen wollen und die Direktoren bedrohte.^ Die Stillegung steht mit den schwebenden Lohnverhand-»' lungen nicht im Zusammenhang.

v-j- Im Hasper Werk streiken 300 Maschinisten und Hei­zer. 2500 Arbetter sind dadurch in Mitleidenschaft ge-^ zogen. Es handelt sich angeblich um einen Sympathie­streik für den Duisburger Ausstand.

Beilegung des Streiks im Berliner Gastwirtsgewerbe.

^ Der Lohnkampf im Berliner Gastwirtsgerverbe, ber über 5 Wochen gedauert Hat, dürfte nach dem Spruch des. Schiedsgerichts sein Ende finden. Das Schiedsgericht- hat mit Zweidrittel-Mehrheit entschieden, daß ein 10= prozentiger Zuschlag auf alle Preise in den Gastwirt­schaften erhoben werden darf, und daß dieser Zuschlag den Kellnern zusteht. Den Kellnern wird ein Sonder- gehalt von 1600 Mark in Bier-, Saal- und Gartenwirt­schaften und von 1800 Mark in Kaffeehäusern und Wein­lokalen gewährt. Der überschießende Teil der Trink- geldeinnahme wird gleichmäßig unter die Zöllner ver­teilt. Die Trinkgelöannahme ist den Kellnern verboten.; Das Publikum weiß durch den Zuschlag, der am Ende' der Rechnung erscheinen muß, daß der Kellner für seine Leistungen vollständig bezahlt ist.

Noch deutsche Kriegsgefangeue in Syrien?

** ®erSchlesischen Zeitung" wird von ihrem Rigaer Korrespondenten gemeldet, daß sich noch 600 deutsche Kriegsgefangene in französische» Strafhataillonen in Syrien befänden.

Das Programm der neuen preußischen Regierung.

»^.Berlin. (S. C.) Das neue preußische Kabinett tW am Dienstag vormittag zu einer Sitzung zusammenge-t treten, um das Programm festzulegeu, das am Don-' nerstag dem Landtag vorgelegt werden soll.

Die Kredithilfe der Industrie.

"-«-Berlin. (S. C.i Wie verlautet, hat sich die sozial- demokratische Fraktion in ihrer Sitzung am Montag mlt- dem Entwurf des Reichsverbandes der deutschen Indu­strie in der Frage der zsiredithilfc befaßt. Beschlüsse sind' noch nicht gefaßt worden, doch haben sich alle Redner da-'

foü.-.h^^ i" '"1 ^insimtüMir Form nicht weitgehend genug fei und deshalb auch nicht angenommen werden könne.

Gegen den Devise,twucher.

»-«Berlin. (S. C.) In der Nachbörse am Montag wnrde allgemein nütgeteitt, daß nach den Erklärungen aus dem Reichsfinauzininistcrium Maßuahmen der Reichsregierung zur Bekämpfung des DeviseuwucherS und der Dcsifenspekulajioncn uumittelb-ir vor ihrem Abschluß ständeu. Das Reichskabineit werde sich in sei­ner Sitzung am Donnerstag eingehend mit der fortwäh­renden Dollarkurssteiaernug befassen.

Unaufhörliches Steiger, des Dollars.

»-«> Berlin. (S. C.) An der Ptorrtagabendbörse ist bet Dollar weiter gestiegen und erreichte vorübergehend ei-^ nen Stand von 350 Mark, um dann wieder auf 328 Mark zurückzugehen.

10-Minnte«pause auf der Berliner Hochbahn.

^ Berlin. (B. Der Betriebsrat der Hochbahn- gesellschaft hat, wie die Direktion mitteilt, verlangt, daß am 9. November der Verkehr der Hochbahn 10 Minuten lang ruhen soll, und zwar von 3,15 bis 3,25 Uhr nach­mittags. Es handelt sich also um eine kurze Nuterbre- chung des Verkehrs.

Aushebung des Reformatiüirssesies in Thüringen.

«-«Weimar. (L. A.) Der thüringische Landtag hat der Regierungsverorduuna über die Aufhebung des Refor- mationssestes zugestiunnt.

Antrag auf Auslieferung der Mörder Datos.

«-«Berlin. lT. R.) Der Auslieferungsantrag der spa­nischen Regierung in der Angelegenheit der Mörder des Miiftstcrpräsidenten Dato ist nunmehr im Auswärtige« Amt einqetrofsen.

Englische Denkschrift zum Vertrag von Angara.

«-«-London. (L.-A.) Der französische Botschafter m London ist mit der englischen Denkschrift über den Ver­trag von Angora in Paris eingetroffen.

Allerlei vom Tage.

Der Exkrouprinz Rupprecht von Baueru hat an» Anlaß der großen Teiftrahme an der Beisetzungsfeier des Königs Leot'old und seiner Gemahlin eine Kundge- bung an das bayerische Volk gerichtet, in der er ver­sichert, daß er die Zeichen der Trauer nicht vergessen werde.

Der T rmin für die Berhandlungen gegen von Ia- gvw. Schiele und von Wangenheim ist auf den 7. De­zember festgesetzt worden.

Die polnische Regierung hat eine geharnischie Note an Sowjetrutzlaud gerichtet, in der die unverzügliche Erfüllung aller Verbindlichkeiten aus dem Friedens- vertrage, für die die vorgesehenen Fristen längst abge laufen sind, gefordert wird.

Das frühere deutsche LnstschiffNordstern" soll nach einem Erlaß der französischen Siegieruug künftighin Meditteranco" heißen.

Die KIst:gsschäden in Over-Elsaß werden auf etwa 214 Milliarden Franken beziffert.

Eine gewaltige FcucrSbrunst hat das neue Grand- Hotel tu Götheborg fast vollständig zerstört.