tzersftlöer Tageblatt
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Nr. 356
Dienstag, den 1 November
1931
Heue WWr in SOeriWie«.
<9^ Aus Oberschlesien kommt folgende Meldung: Die Früchte des erfolgreichen polnischen Länderraubes lassen auch unsere tschechischen Nachbarn nicht mehr in Ruhe. Es wird bekannt, daß zwischen Polen und der Tschechei, also Angehörigen der Lleiu.cn Entente, schon seit langer Zeit ein Geheimvertrag sowohl in mMtKrischsL wie in politischer Beziehung bestand. In diesen Tagen hat nun eine Vorbesprechung französischer, polnischer und tschechischer Militärs stattgefunden, bei der die Möglichkeit eines gewaltsamen Randes deutscher Gebiete durch die Tschechen behandelt worden sein soll. Nach einer Besprechung wurde in Tescheu im „Hotel zum goldenen Hirsch" eine weitere Sitzung von polnischen und tschechischen Vertretern anberaumt, an der auch französische und englische Offiziere, darunter ein Vertreter Leronds, teil- genommen haben. In dieser Sitzung, die als Vorbesprechung für die anfangs November in Prag stattfin- dende Hauptversammlung ingesehen wurde, soll Tschechien englische und französische Hilfe zugesichert worden sein für die Aneignung des Grenzstreifens Leobschütz, Neustadt, Ziegeuhals und Reiste. Bei den weiteren Verbandlungen entstand ein Streit zwischen den Polen und Franzosen wegen der Bewirlschaitnug.des in Polen ab- zugebenSen oberschlesischen Gebiets. Es wurde eine Ausdehnung der polnischen Besatzung nach AbrüSen der Interalliierten Kommissisn auf Bsuthe« und Gletnfttz vorgesehen. Korsanty will noch weiter als bis zu diesen Städten vorgehen. Ueber diesen Punkt soll ebenfalls eine Auseinandersetzung zwischen Polen und Franzosen stattgefunden haben.
Polnischer Terror in Pleß und Nybuik.
w Sämtliche polnische Urlauber, die sich in Oberschlesien aufhalten, haben Befehl erhalten, unverzüglich zu ihren Truppenteilen nach Polen zurückzukehren. Der polnische Minister des Innern soll einen Gesetzentwurf ein gebracht haben, durch den die Post-, Telegraphen- und Telephonzensur wieder hergestellt wird. In fast allen Teilen des Kreises Rybnik herrscht Flaggeuzwang. Die Polen flaggen weiß-rot. Die Heimattreuen werden gezwungen, eine weiße Fahne als Zeichen ihrer Ergebung herauszuhängeu. Der Befehl ist in den Gemeindever- tretersitzungen bekanntgegeben worden. Reisende aus den Kreisen Pletz und Rybnik berichten, daß in den genannten Kreisen polnische Haller-Soldate« in Uniform eiugetroffen sind.
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*» Die „Times" melden aus Paris, daß die Botschai- terkonfererlz die Besetzungsdauer der alliierten Truppen im oberschlesischen Abstimmungsgebiet vorläufig bis zum 31. Januar 1922 verlängert hat, und zwar auf Ersuchen der polnischen Regierung. In Paris und War- chau rechnet man mit einer längeren Dauer der deutsch- polnischen Kommisswnsverhandlrltrgeu. Wahrend dre- er Zeit sollen die alliierten Truppen nicht das Land ver- lassen. ^ Währung für Dberschlesie«.
o* Die „Morningpost" meldet aus Warschau: Der polnische Kabinettsrat hält an feiner Forderung nach Gleichberechtigung der polnischen neben der deutscyen Mark im zukünftigen vberschlemchen Gebiet «nbednigt fest.
Einberufung polnischer UrlanAr.
^ Köln. (S. C.) Aus dem besetzten Rheinland sind die polnischen Urlauber nach Polen zurückberufen worden. Aus Polen sind allein 785 Polen am Sonntag nach Polen abgereist.
Die inriAnveilniig des Protestes.
genommen haben. Aber
e von ihnen auf Grund Versailles getroffene
o-. Der deutWe Botschafter m Paris hat auf die Note der Deutschen Regierung vom 27. Oktober-folgende Ant- wortnote erhalten: Eure Exzellenz haben durch die iRote vom 27. Oktober ds. Is. mitgeteilt, daß die deutsche Ne- aieruna gemäß der von den alliierten Mächten am 20. Oktober 1921 getroffenen Entscheidung über die Festsetzung der Grenze zwischen Deutschland und Polen in Oberschlesien die in dieser Entscheidung vorgesehenen Delegierten, deren Namen ohne Verzug mitgeteilt werdenmüssen, bezeichnete wird Ich habe die Mre Jhuen zur Kenntnis zu bringen, daß die alliierten Mächte von dieser Mitteilung Kenntnis ge---------- ^"" sie können nicht zugeben, daß dsi
des Artikels 38 des Vertrages von Versailles getroffene Entscheidung irgendwie eine Verletzung dieses Vertrages darstelli. Infolgedessen betrachten sie den Protest der deuische« Regiernn« als unbegründet, null und nichtig Sie wollen von der Mitteilung, die ihnen von Eurer Exzellenz gemacht worden ist, nur die bedin- 1 gungslose und vorbehaltlose Erklärung der deutschen Regierung zurnckbehalten, daß sie sich allen Anordnungen der Entscheidung vom 20. Oktober mit den daraus ergebendes fmwi wird, die der Friedens- vcrtrag Deutschland auferlegt.
Halbamtlich wird zu der gurito^
ühen Protestes u. a. bemerkt: Es wird dadurch, daß die Entente erklärt, die Rechtsverwahrung nicht anzuneh- men diese nicht aus der Welt geschafft, und ihr nichts von'ihrer bistorischen Bedeutung genommen. Nebrigens : stellt die Entente die Tatsache fest daß wir uns der Entscheidung fügen. Daß Dentschland die Entscheidung an- genommen Me, wird von der Entente nicht behauptet.
Wenn die Entente auch den Protest der beutfdien Regierung für null und nichtig erklärt hat, so ändert dies
nichts daran, daß Deutschland nicht auf sein historisches und geographisches Recht auf die entrissenen Gebietsteile in Oberschlesien verzichtet hat. Desgleichen auch nicht der Umstand, daß die Entente wie aus der vorstehenden Note hervorgeht, den Teil der Note der deutschen Regierung, die den Protest enthält, zurückgegeben hat. Wie 1871 die französische Nationalversammlung nicht auf Elsatz-Lothringen verzichtete, sich aber den Friedens- bediugungen des siegreichen Deutschlands gefügt hat, so haben wir auch jetzt unsere Rechsiansprüwe auf Ober- fchlesten nicht aufgegeben, und die Mehrheit des Reichstages hat sich nur dem Zwange der Macht gefügt. Deutschland behält also sein Recht auf die geraubten oberschlesischen Gebietsteile, und in dem ehernen Gang der Weltgeschichte wird auch dereinst der Tag kommen, au dem Deutschland seine verlorenen Gebiete wieder erhält, an dem die unter Fremdherrschaft gekommenen deutschen Brtiöer und Schwestern mit dem großen Va- terlanöe wieder vereinigt werden. Hoffentlich ist dieser Tag nicht so fern, wie es heute scheint. Mag auch heute Deutschland noch ringsum von Feinden umgeben sein, die gierig danach trachten, ihm neue Gebietsteile zu entreißen und ihm neue Schmach und Demütigung zu bereiten, so dürfen wir doch nicht den Glauben an uns selbst und die Hoffnung verlieren, daß nichts ungefühnt bleibt und das Unrecht an Oberschlesien wieder gut gemacht werden wird.
Die Folge» der fystsrnMfcherr W»sSs»t»ng.
e-* Aus Rom wird berichtet: Nitti wies in einer Unterredung mit einem Pressevertreter nach, daß der Sturz der deutschen Mark die unausbleibliche Folge der systematischen Ansbentnug Deutschlands sei. Deutschland könne keine neuen Reparationszahlungen leisten, ohne sämtliche Auslandszahlungen einzustellen. Der Vaters gang Deutschlands reiße ganz Europa mit. Gerade die entschiedensten Gegner des deutschen Imperialismus urützten jetzt schmerzerfüttt einer rohen Gewalipstztik Ser- jeuigeu Länder zusehen, die für die Gerechtigkeit, Kultur und Demokratie zu kämpfen Vorgaben.
Havsustein über feine Londoner Verhandlungen.
»» Berlin. (S. C.) Reichsbaukpräfident Haveustein ist aus London znrückgekehrt und hat am Sonntag im Reichskabinett in Zinwefenheit des Reichskanzlers Bericht über das Ergebnis feiner Verhandlungen erstattet. Wie aus Berliner Börsenkreisen zuverlässig gemeldet wird, haben die Konferenzen des Reichsbankpräsidenten gebrachst Die Ver»snngen aberdas Zustaude- kommen der Kredrtauleihe wesentlich gefordert.
Keine amerikanische 5ireditauleihe.
^. Hamburg. Wie die „Hamburger Nachrichten" nach Anskunft von maßgebender Stelle mitteilen, sann von dem Abschluß einer Wiederherstellungsametz^ von einer Million Dollar in Amerika, wie von anderer Serie gemeMt wurde, nicht die Rede sein. Eine große Anzahl ausländischer, namenilich eitalTtoer ^inanzlente, die über die allgemeine Lage in Deutschland unterrichtet sind hält den Abschluß einer Anleihe für ausgeschlossen, solange die Voraussetznngen für die gesamierr politischen und wirtschaftlichen Bedingmigen nicht weiter geklärt seien. Die Verhandlungen über eine Kreditar^ leihe an die deutsche Industrie seien deshalb auch noch nicht über die allgemeinen Vorbesprechungen vinausae-
kommen.
Gegen den Ausverkauf.
^ München. (T. U.) Der Landesausschntz Bayern des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbuttdes und^ des Allgemeinen freien AugestellteuSundes erlaßt anläßlich der Verbrauchernot einen Aufruf, der verlangt, daß die Behörden im Reiche und in den Ländern sofort zu durch- aretfenben Maßnahmen schreiten, um dem völligen Aus- Wauf und der wahnsinnigen Preistreiberei Einhalt z«
Der „Temps" über den Ausverkauf Deutschlauds.
^. Parts. Der „Temps", das französifche Blatt, das im Projektemachen groß ist, beschäftigt sich in feiner Iey= ten Abendausgabe mit dem meöriaen Staud der deutschen Mark und dem verstärkten Ausverkauf Deutschlands Die volkswirifchaftlichen Kenntnisse des Blattes werden in eine besondere Beceuchtung dadurch gesollt daß es erklärt, der niedrige Stand der deutschen Mark bringe gewissen Gruppe« von deutschen Handels- nud Geschäftsleuten großen..Nutzen ein. Die Geschäfte könnten ihre gesamten Vorräte räumen und die Waren im Auslande zn Preisen verkaufen, die in Deutschland nicht gezahlt würden. Also würde für den Augenblick ein unS erzielt. Deshalb sei die Frage zu erwägen ob stW ein Teil dieses Gewinnes von der EnterHe mit Beschlag zu belege« sei. - Der „Temps" scheint sich eine ändere Politik Frankreichs gegenüber Dentschland, als Gewalt, Beschlagnahme und „Sank- tionen" nickst denken zu können.
Die Folgen des Marksturzes in Dänemark.
,M. Kopenhagen. Das dänische Siaatsminfsterium erhielt von den Organisationen der dänischen Indnstrie und der Handwerker die Anffordenmg, sofort Maßnahmen zu ergreifen, um den abnorme» Verhältnissen an der dentsch- dänischen Grenze ein Ende zu bereiten. In der Eingabe wird darauf hiugcnstcsett, daß die dänischen Handwerker in hfordscksteswig infolge des niedrigen Standes der deutschen Mark arbeitslos seien. Die nordschleswiger Bevölkerung kaufe ihre gesamten Bedürfnisse an Hand- werrererzengnissen an der südlichen Grenze ein zu einem Wt mit dem die dänischen Handwerker nicht
konkurrieren könnten. Auch alle Reparaturen würdes, an deutsche Handwerker vergeben. Schuhwerk werde in großen Säcken über die Grenze geschafft, um von best deutschen Schuhmachern repariert zu werden. Das feien unhaltbare Zustände, denen unbedingt abgeholfen werden müsse.
Lenins Gang nach Canoffs.
»^ Nach einer Meldung aus Riga hat die russische Sowjestregierung in einer befonberen Note den Regierungen von England, Frankreich, Italien, Japan und der Vereinigten Staaten von Amerika mittete ist, daß sie angesichts der fieröende« russische« Volks massiv unter gewissen Bedingungen bereit fei, die alten Schulden der Zareuregierung anzuerkenncu, um alle Hindernisse für ein Zusammenarbeiten der hilfsbereiten Mächte zu be- feftigen. Die Sowjetregierung ist auch ptm Nachgeben in wichtigen Fragen bereit und erklärt, die Verpflichtnn- gen an die ausländischen Mächte und deren Staatsangehörige zu übernehmen und die von der Zorenregierung vor dem Jahre 1914 abgeschlossenen Anleihen zurüchzu- erstatten, falls die Abtragung zu günstigen Bedingungen erfolgen könne. Eine Bedingung der Sowjetregierung ist, daß die gegenwärtige Regierung anerkannt wird. Die Sowjetregierunq schlägt zu diesem Zweck die schnelle Einberufung einer internationalen Konferenz vor, um die gegenseitigen Forderungen imchzuprüfen und den Friedensvertrag und dessen Durchführung ausznarbeitkn.
Wirtschaftsvsrhaudlnngen mit Rußland.
^ Aus Berli« wird gemeldet: Direktor Deutsch von der A. E. G. hatte eine Unterredung mit einem Pressevertreter und erklärte diesem gegenüber, es sei ein internationales Syndikat für Verhandlungen mit Sowjetrußland vorgeschlagen worden, in dem England, die Vereinigten Staaten und vielleicht auch Frankreich vertreten fein sollen. Das sei die einzige Möglichkeit, um den Untergang Europas anfzuhaUen. Die Alliierten miißten Deutfchland in verständnisvoller Weise unterstützen.
Nsue türkische OffensiVs.
•H- Die Türken sollen nach einer Meldung aus Korr- stantinopel die Offensive aus der Front von Mauteres wieder ausgenommen habe». Eine offizielle Bestätignng liegt noch nicht vor. Griechische Blätter melden, daß im Falle einer türkischen Lssenfive die griechischen Trnp-
Omar räumen werden
Die neuen Steuern dem Reichstag zngega«ge«.
»-r Berlin. (S. C.) Dem Präsidium des Reichstages ist am Sonntag die Mehrzahl der neuen Steuergesetzentwürfe zugegangen, die dem am 3. November wieder zusammentretenden Reichstag zur Verabschiedung vorgelegt werden sollen. Der Gesetzentwurf für die neue Be- sitzstcuer befindet sich noch nicht unter ihnen, sondern wird noch zur Zeit im ReichSfinanzministerium vor- bereitet.
Bor dem Austausch der letzten Friedensratifikalio«.
w Die „Chicago Tribune" meldet aus Washington: Der Anstausch der deutsch-amerikanischen Friedensverträge soll im Laufe der nächsten Woche staitfinden. Im Anschlntz an die Proklanration des Friedens wird die Ernennung der amerikanischen Konsuln für Deutfchland, deren Liste bereits ansaestellt sein soll, ftattfinbcn. Die Konsuln werden ihre Tätigkeit verunrtlich aufnehmen, noch ehe der amerikanische Botschafter für Berlin ernannt sein wird.
Verhaftungen wegen des Attentats auf Aüer.
** München. (T. lt.) Im Laufe des Souutags wurden in München fünf Personen sesigevommen, die im Zusammenhang mit dem nächtlichen Anschlag auf den Abgeordneten Auer stehen sollen.
Zusammenstöße in Prag.
•* Wien. lS. C.i Das „Extrablatt" meldet aus Prag-Weinberg, daß es dort am Sonntag zu Zusammenstößen zwischen Deutschen und Tschechen gekommen ist. Es gab auf beiden Seiten mehrere Verwundete und zwei Tote.
Die Bagdadbab« in französische« Händen.
*4 Parts. lB. Z.) Wie der „Temps" meldet, hat die französische Regierung den an; 20. Oktober in Angvra nn- terzeichneten türkisch-französischen Vertrag ratifiziert. Danach wird die Bagdadbalm zwischen Bosanti und Niu- bin von einer französischen Gesellschaft betrieben werden.
Eine Rede Ledebonrs i« Paris.
** Paris. (T. 11.) An dem Kongreß der französischen sozialistischen Partei in Paris nabm als deuischer De- legierter der unabhäligige Rcichsmgsabgeordncte Lede- bonr teil. Er wurde von der Versammlung stürmisch begrüßt. In einer fanaeu in französischer Sprache gehaltenen Rede setzte ftd) Ledebonr für die Bekämpfung der monarchistischen Institutionen in der deutschen Republik ein und forderte die Socialisten aller Länder zu tatkräftiger Hilfeleistung in diesem Kampfe auf. Am Schluß seiner Rede verlieh er der Hoffnung Ansdrus daß die französischen Sozialisten die beste Stütze beim Bau der sozialistischen internationalen Einheit sein werden.
Das weibliche BesatzttngSheer.
Renter meldet, daß die Konferenz zur Herabsehuns der Besatzungskosten beschlossen hat, daß die Frauen dr. Angehörigen der Besatznngsheere das besetzte Gebiet ver ; lassen und in töre Heimat zurückkeSren sollen. Als-