Hersfelöer Tageblatt
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Nr. 255 Montag- den 8L Oktober 1921
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— ------ unter Zw
jen am Wiederaufbau mit- mng des Kabinetts erklärte Dr. l von Scheideman« bis Sirefe-
Dr. Wirth auf AgikakiSKSreise.
Die Reise des Reichskanzlers Dr. Wirtb nack Karlsruhe wird ihn voraussichtlich bis Anfang nächster von Berlin fernhalten. Sie erfolgte, weil D
W^i>ih irr seiner Eigenschaft als badischer Landtagsabge- ordneter in mehreren Orten seines Wahlkreises w sprechen gedenkt. Zu seiner Rede in Karlsruhe wird aus parlamentarischen Kreisen darauf hingewiesen daß m gleichen Gedankengange verfolgt w^p die Red- Dr. Rathenaus in Mannheim. Wegen'dieser Nebereiu- nnmung der beiderseitigen Attfühten glaubt man in Ml^entarischen Kreisen an die Möglichkeit einer Rück- 8^MrWr^--- M Neichskabinett als Wieder-
- - Der Reichskanzler über die politische Lage.
„X K^ ,Uu^?uug der Zentrumspartei in Karls- mhe Folge leistend, sprach dort Reichskanzler Dr. Wirth.
. snien einleitenden Worten streifte er die dadtsche ^littk, die er als richtunggebelld für das ganze Reich Lezeichnete. Das Zrel der Politik mitffe sein, daß die
und die demokratische Welt unter Zurückstellung einzelner Interesse ' arbeiten. Zur Neubildung dc Wirth, die Einheitsfront i
»»an« war erreichbar. Die Grundlage für dieses Ziel war im wesentlichen schon schriftlich festgelegt. Ich habe wiederholt an berufener Stelle erklärt, daß meine Per- E mcht ein Hindernis für eine große Koalition fein soll. Als der Reichspräsident mich mit der Neubildung des Kabinetts beauftragte, sagte ich zu, wenn mir gestattet würde, eine Regierung zu bilden, die auch bereit tjt, fraktionelle und parteipolitische Interessen hintan.zu- stellen. Der Rechskanzler bedauerte das Ausscheiden des Wiederausbauministers Dr. Rathenau. Dann sagte er, nicht durch die Fraktion bin ich an diese Stelle gerufen worden, das Vaterland hat mich dahin gestellt, und ich gehe diesen Weg unerschrocken mit oder ohne Zentrumspartei. Zur internationalen Lage übergeheud, besprach der Reichskanzler zniiächst die oberschlellsche Frage. Die getroffene Lösnng schlägt dem Gedaicken der Gerechtigkeit ins Gesicht. Auf innenpolitischem Gebiet stellte der Reichskanzler scharfe Maßnahmen der neuen Regierung gegen die wucherische Ausbeutung des Volkes und die Erhöhung der VeamtenbeiolSnng und der Rentenbezügs noch vor Weihnachten in Aussicht.
Eine Rede Dr. Rathenans.
minister Dr. Rstbenan einen Vortrag Über die pölitische Lage. Er besprach zunächst die ungeheuerliche Lösung der oberschlesischen Frage und versicherte, daß Deutschland die Oberschlesier niemals vergessen und niemals verlassen werde. Dann fuhr er fort: In dem Augen- blick, in dem der furchtbare Urteilsspruch über Ober- schlesien erging, war es notwendig, daß in Deutschland das Neichskabinett zurücktrat. Cs wäre unverständlich gewesen, wenn sich die Reichsregierung passiv verhalten und dem Reichspräsidenten nicht die volle Handlungsfreiheit gegeben hätte. Es war gut, daß Reichskanzler Dr. Wirth wieder in das Neichskabinett eingetreten ist; denn Dr. Wirth ist von den letzten 10 Kanzlern des Reiches derjenige gewesen, der aus dem Geiste des Ma- terials geschnitzt ist, aus dem die Staatsmänner geschnitzt sind. Nun werden Sie fragen, warum ich nickn in das Kabinett hineingegangen bin. Ich bin nicht hinemae- gangen, weil die Fraktion beschlossen hat, ihre Mitglieder sollen nicht in das neue Kabinett und weil sie auch der Meinung war, daß ReichZwehrminilter Geyser dem Kabinett erhalten werden sollte. Ich habe mich aus Solidarität dem Fraktionsbeschluß gefügt. In der auswärtigen Politik können wir nichts weiter tun, als das Los unseres Vaterlandes zu erleichtern. Das Kabinett Wirth ist auf diesem Gebiete tätig gewesen.
Stegerwaw für die große KoaMisn!
Der Chefredakteur der Zeitung „Der Deutsche" hatte mit dem Mtuisterpräsidenten Stegerwald eine Unterre- dnng, in deren Verlauf der Ministerpräsident u. a. sagte: Der oberschlesische Gewaltspruch ist ein furchtbares Unglück für das deutsche Volk und ein kaum minder großes für Europa. In Preußen ist durch die Vorgänge im Reiche die bisherige politische Regieruniwbasis erschüttert worden. Die Einbeziehung der «ozialdenwkra- tie in die preußische Regierung ist jetzt svwohl etn Gebot des politischen Anstaudes, als auch eine Staatsnotwendigkeit. Der Sozialdemokratie kann nicht zugemutet werden, im Reiche in allen entscheidenen Stunden in die Bresche zu springen und in dem größten Bundesstaat dagegen von der unmittelbaren Mitwirkung au den Staatsgeschäften ausgeschaltet zu bleiben. stehen zudem vor dem sehr schlimmen Winter und vielleicht wor dem noch schlimmeren Frühsommer. Unter diesen Umständen wird die Einbeziehung der Löziasdcmokcateq in die preußische Regierung bald erfolgen müßen. Die große Koalition kommt, weil sie kommen muß. Wenn man zu wählen hat zwischen der Koalitsißihverbre«!csova nm , itnnf ^ßdyfcicit biß chuiiibci) weilt« erfteund) ftub, itub . der Verelendung eines großen ^L^fs^
. kes, dann kann keinem wÄren Vaterlands-und Volks- frennd die Wahl sclnvcr fallen So steht es aber iim das . deutsche Volk. Diese harte Tatsache zwingt den fRcicbS= tag zu einer festeil StenerarbeitsgemeKfchaft. Keilte Partei geht aber in der Steucranfbringung ^Ä ^,^^,^ bieten bis aur alleränßersten Grenze, wenn ihr nicht ein cntsvrechender Eiuflnß auf die Fiil>r>tng der llleichspvli- nk mngeräumt wird. Auch in Preußen ist die Illaltgriff- Aahme der großen Verwaltungsreform solange nnmög-
! M, als nicht eine große Koalition besteht. Darum muß I die große Koalition kommen trotz der jammervollen Zerrissenheit der letzten Tage. Die große Koalition ist die i' deutsche Lebensfrage.
j ^Wß^ÜttÜlffi^ßn^
^-Berlin. (S. 6.) Die Berhaudlnuge« der Par- teie»t über die Erweiterung der Regierungsksalition werden am kommenden Freitag wieder ausgenommen Zu diesem Tage hat der Reichskanzler, der gegenwärtig m Susdeutschland weilt, die Parteiführer für 11 Uhr vormittags in das Reichskauzferpalais zu einer neuen Besprechnug geladen.
Rsue PntfchgesKhr Von LsuL§.
®* Aus Berlin wird berichtet: Das „Deutsche Tageblatt" bringt Aufsehen erregende Mitteilungen über die Formatum der „Roten Armee". Diese Meldungen sind derart eingehend, daß bei den unterrichteten Stellen über die Richtigkeit der Angaben keine Zweifeln bestehen. Demnach ist damit zu rechnen, daß über kurz oder lang eine bestehende „Rote Armee" in Deutschland in Aktion treten kann.
0Sertch!esle«8 Rumpf gegen Werfchau.
^- Wie dem „Oberschlesischen Kurier" von polnischer Serie geschrieben wird, beansprucht die künftige Stellung- uahme der oberschlesischen Parteien zur Warschauer Re- giexung gegenwärtig das Interesse der polnischen Ober- schlesier in höchstem Maße. Fast einmütig sei man in der Auffassung, datz in wenigen Wochen ein schwerer Kampf gegen die Warschauer Hegemonievsstretzungen geführt werden müsse. Es sei ein offenes Geheimnis, datz sich schon in Sachen des'Obersten polnischen Volksrates schwere Differenzen wegen der künftigen Stelleube- sstznng ergeben haben.
Polnische Befürchtungen wegen eines deutschen Boykotts.
^ Der Gedanke eines wirtschaftlichen Boykotts von deutscher Seite ist den polnischen Blättern sicherlich in die Glieder gefahren. Wenn auch die polnische „Grenz- zeitung" dieser Tage noch behauptete, ein deutscher Boy- kott sei in Polen nur willkommen, und wenn Deutschland es nicht täte, würde Polen Deutschland boykottieren, so dürfte man diesem großsprecherischen Wort des Kor- fantyschen Blattes kein allzugroßes Gewicht beilegen. Die kongretzpolnischen Blätter machen nämlich kein
o^ElEkMW « pöUUsihlU FMMP" unerhört erschweren und PölK älttzerst unangenehm sein würde. Man muß aus der kongretzpolnischen Presse tatsächlich den Eindruck gewinnen, datz man doch gar zu gerne zu einem erträglichen Verhältnis zu Deutschland kommen möchte.
Die Ablehnung des öentsHcu Protestes.
m> Rotterdam. (S. C.) Der „Rotierdamsche CouraNt" meldet aus London: Reuter stellte der englischen Presse eine Pariser Meldung zu, worin bestätigt wird, daß von den Alliierten der Protest der deutschen Regierung über die Entscheidung in der oberschlesischen Frage nicht zur Kenntnis genommen wird. Der deutsche Botschafter in Paris, Dr. Mayer, habe dem französischen Ministerprüß- denten Briand die Ancrkemtuugsnote und die Protestnote Deutschlands in zwei Schriftstücken überreicht. Deshalb könnten die Alliierten mit der Annahme der Zustimmung Deutschlands zu der ober,chlesifchcn Entsche, düng gleichfalls die Annahme des Protestes ohne.einen neuen Notenwechsel ablehnen. — Die „Trme^ benchten, daß Lloyd George am Freitag eine euniundiac Besprechung mit dem deutschen Botschafter in London, Sthamer, hatte.
Neue Protestnote au die Entente.
e-4- Berlin. (B. T.i Wie das »B.T." hört, wird die deutsche Regierung in Sachett der ^Deutschen Werke in den nächsten Tagen eine Note an die Alliierten richten.
Frankreich verlangt bedingungslose Anerkennung.
Basel. (S. C.) Die „Basier Nachrichten" melden aus Paris: Aus Presscairslassnngen ist zu entuehmen, daß an amtlicher Stelle die deutsche Note, über Ober- schlesien als nicht genügend angesehnr wird, weil sie mit einem Vorbehalte abgegeben worden ut. Das „Journal des Debats" tritt öafttr ein, daß eme neue bedingungslose Anerkennulig der oberschlesischen Ent- scheiduna'von Deutschland verlangt werden muste. fjardlug Hier die MWüngskonsersm
Präsident Hardiug hat sich in einer Rede in Tampa- Birminghaut tAlaskal über seine Stellung zur ®tlb stungsfrage ausgesprochen. Er ermähnte die amerikanische Nation zur Einigkeit und zn einer Haltung, die dauernde freundschaftliche Beziehungen zwischen allen Völkern möglich mache. Wenn die Beratungen über die Herabsetzling der Rüstungen scheitern sollten, so werde die Verantwortung dafür nicht auf Amerika fallen. Der Friede sei nwbl vereinbar mit einer angemessenen Verteidigung Jlmerikas. Es liege auf der Hand, daß die Menschheit geneigt fei, es mit diesem Experiment zu ver- strchew Alnerika wolle den Völkern beim Betreten dieses neuen Westes helfen. Die entgegenkommende Annahme der amerikanischen Einladung ö»r Konferenz lasse; n Annahme zu, daß man zu guten Er gebu lsserl aelangen werde. Amerika habe in der Frage der Abrüstung sowohl vorn nationalen als vorn > ute ntaHonalen Stand- Punkt gelernt und dürfe hoffen, daß die ganze Welt belehrt durch die letzte ungeheure Tragödie, zur gleichen Einsicht kommen werde. Hardillg betonte zum Kchluß,
er werde die nationale Unabhängigkeit Amerikas in fei nem Punkte opfern.
Abreise der französische« Delegation.
^ Ministerpräsident Briand hat sich im Mtrristerra ! von seinen Kollegen verabschiedet, nachdem er über dt auswärtige Lage und über das Programm für die Ab rustnngskünferenz in Wafhington berichtet hatte. Di> französische Delegation, die am Sonnabend die Reiß I nach Amerika antritt, umfaßt insgesamt 39 Personen ; und zwar neben dem Ministerpräsidenten Briand der , Abgeordneten Vivimii, Kolonialminister Sarraut uns Botschafter Iusserand, 12 Vertreter des Ministeriums des Auswärtigen, je 5 Vertreter des Kriegsministeriums und des Mariileministeriunis„ ferner 4 Delegierte des Finanzministeriums, vier Vertreter des Kolonialmini- steriums, einen Sachverständigen für Luftschiffahrt sowie einen wirtschaftspolitischen Beirat.
Zur Washingtoner Abrüstungskonferenz.
•>$■ London. Meldungen aus Washington besagen, daß aus der Abrüstungskonferenz die fünf Großmächte, England, Frankreich, Jialien und Japan die Frage der Abrüstung behandeln werden, während zu den Verhandlungen über den Stillen Ozean auch die kleineren Mächte Belgien, Hollarrd', Portngal hinzugezogen werden sollen.
Für die Abrüstung zur See beabsichtigt der Präsident der Vereinigten Staaten einen ausgearbeiteten Plan vor- zulegen, der bis zu Beginn der Konferenz geheim gehalten werden soll. Das in London verbreitete Gerücht, wonach Deutschland auch eine Einladung zur Washingtoner Abrüstungskonferenz erhalten haben soll, wird von Washington aus als grundlos erklärt. Deutschland werde von der Washingtoner Abrüstungskonferenz nicht bertihrt, da es bereits abgerüstet habe und kein Interesse am Stillen Ozean mehr habe. In der Frage der Stabilisierung der Währung wird Deutschland vorher durch seinen Reichsbankpräsidenten Havenstein gehört, der wegen dieser Angelegenheit in London mit den maß- i gebenden Kreisen verhandelt. Auch über die Zweckmä-: tzigkeit, Notwendigkeit und Möglichkeit einer Stabilisierung der deutschen Währung gemeinsam mit den anderen europäiscken Währungen soll eine eingehende Aussprache stattfinden.
Vriauds Bedingung für die Abrüstung.
^ Paris. In seiner letzten Rede im Senat behandelte der französische Ministerpräsident Briaud die Fragen, WFMM: ,W«MMM den Schutz Frankreichs bei einem ungerechten Angriff nicht verbürgen wolle und anch der englisch-amerikanische Schutzvertrag nicht nachträchlich zustande kommen sollte, man vorerst von einer Herabsetzuug der Rüstung absehen wolle. Der französische Ministerpräsident wird also in Washington ungefähr die gleiche Rede halten, die der französische Delegierte beim BAkerbundsrat, Noble- maire, in Genf gehalten hat. Wahrscheinlich wird dann auf der Konferenz bekanntgegeben werden, daß England und Amerika bereits einen Vertrag abgeschlossen haben, der zur gegenseitigen Abrüstung verpflichtet und daß Frankreich, wenn es sich auf der Abrüstungskonferenz diesem Vertrage nicht anschlietzen wolle, die Konsequenzen, die sich hieraus ergeben, selbst auf sich nehmen müsse. Die Engländer und Amerikaner denken garnicht daran, den Franzosen die Möglichkeit zu geben, auf ihre .Kosten ein großes Feldheer zu halten, was bei dem heu- iitzcn verarmten Europa nichts weiter als ein großer Luxus wäre.
Wie Fraukreich „abrüstet".
h Genf. (S. C.) Der Heeresausschutz der französischen Kammer hat, wie aus Paris gemeldet wird, die Rachtragsforderung von 450 Millionen Franken für die französische Rheinlandarmee angenommen. Auch die Sozialisten stimmten dafür. Der Wortführer jttwal führte nach dem „Echo de Paris" aus, datz dieser neue Wall ein Schutz Frankreichs gegen ein vielleicht selbständiges Süddentschland (!) bilden würde.
Neue DroffelungSversuche.
** Alts Berlin wird offenbar halbamtlich gemeldet: Die Werke, die im Dienste des Reiches mit der Herstellung von allen Dingen, die für die Verteidigung des Reiches notwendig waren, beschäftigt wurden, sind bekanntlich in die Deuischen Werke A.-G. nmgewandelt worden. Es sind bisher beinahe 10 Millionen Mark an Löhnen verausgabt worden, um diese Werkstätten nie- derzureitzen. Die Vertragsbestimmungen wurden mit Loyalität durchgeWrt. Indessen verschärftensich, ieit- bem der Einfluß der italienischen und ctmincbcu Mit- alieder der Kommission in den Hintergrund trat, die Weisungen der Kommission, an bereit Spitze General Rollet steht. Die Forderungen der Kommission lassen überhaupt nichts anderes erkennen als blinde Zerstörungswut. Das Werk Wolfgang bei Haua« ist auf Ber- langen der Entente starken Zerstörungen ansgesetzt gc- wU«. Jetzt kommt plötzlich die Nachricht, daß die interalliierte Kommission in Frankfurt fordert, daß 50 Tonnen Schießwolle und 150 Tonnen Pulver, die zur Herstellung von Kunstleder freigegeben waren, verbralmt werden. Das Werk selbst sei zu zerstören, die Gebäude bis auf den Erdboden zn vernichten und alle elektrischen . und Dampfleitungen herauszureißen. Sogar die unter- irdische Kanalisation sei zu zerstören. Die Rovmaierm- lien sollten bis zum 15. Oktober verbrannt werden. Die - Fortführung des Betriebes wurde zunächst bis zum 81. • Oktober, baun bis zum 30. November genehmigt mit i