Hersfelöer Tageblatt
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Mmmcher Mzetger für den Kreis yersfelo ; ^^
Nr. 233
Mittwoch, de« th-f^ta
1321
M SeMechungen Keim ReichskMfiel'.
. tw Ueber die Besprechungen beim Reichskanzler am Montag verlautet aus parlamentarischen Kreisen: An der Sitzung nahmen sämtliche Minister teil. Die Deutsche Bolkspartei war vertreten durch die Abgeordneten Etresemann, Kempkes und Hugo. Hervorzuheben ist, daß in der Auffassung der bürgerlichen Parteien über das Ttenerprogramm volle Einstimmigkeit besteht. Man beschloß, daß der Kanzler zunächst wegen des Angebots der Judustrie noch mit deren Vertretern verhandeln soll, sodatz die Weiterberatung der verschredenen Programm- punkte erst Ende nächster Woche erfolgen kann. In der Zwischenzeit will der Kanzler dann mit den Vertretern der Banken und des Handels Fühlung nehmen. In den Beratungen wurde übrigens auch der Verhandlungen zwischen den Mehrheitssozialdemokraten und den Unabhängigen Erwähnung getan. Die Mehrheiissozialdemo- kraien haben an das Zentrum und die Demokraten die offizielle Anfrage gerichtet, Ä die Verden bürgerlichen Mittelparteien bereit seien, mit den Unabhängigen zusammen eine Regierung zu bilden. In parlamentari- schen Kreisen ipitzt man diesem Schritt jedoch keine ernste Bedeutung bei. I :... ; -
F Nach den .,P. P. 91." äußerten Zentrum und Demokraten zu mehreren Bedingungen der Unabhängigen Bedenken, ob sich eine Verständigung über ein gemeinsames Regierungsprogramm werde erzielen lassen. Die So- zialdemokraten wiesen indessen daraus hin, daß die Forderungen der Unabhängigen im Grmröe nur die Gör- litzer Mindestbedingungen der Sozialdemokraten feien. Eine grundsätzliche Ablehnung der Mitarbeit der Unabhängigen sei bisher weder von den Demokraten noch vom Zentrum ausgesprochen worden.
Der „Vorwärts", der sich in einem Artikel ebenfalls mit der Regierungsumbildung beschäftigt, weist darauf hin, daß an die Regierungsbildung erst herangetreten werden könne, wenn das neue Steuerprogramm völlig klargelegt sei. Auch über die Regierungserweiterung nach links unter Einbeziehung der Unabhängigen beschränkt er sich auf die Mitteilung, daß auf die Anfrage der Sozialdcmok raten beim Zentrum und bei den Demokraten, wie sie sich zu den Bedingungen der Unabhängigen stellen, schriftliche Antworten der beiden Parteien eingegangen sind. Er schreibt nämlich:
Die Besprechungen der Parteiführer beim Reichs- kauzler beschäftigten sich in der Hauptsache mit dem «Steuerprogramm. Von sozialdemokratischer Seite
solange in dieser Frage nicht volle Klarheit geschaffen sei. Das Projekt der Devisenbeschaffung durch die Industrie ist ebenfalls muh ganz unbestimmt. Die Sozml- demokratische Partei ist an das Zentrum und die Demokraten mit der Anfrage herangetreten, wie sie sich zu dem Schreiben der Unabhängigen vom 1. Oktober stellen. Die bürgerlichen Parteien haben daraus schriftlich formulierte Antworten erteilt. Mündliche Berhand -"“— über die Frage der Regierungsbildung im Reiche werden voraussichtlich nicht vor Mitte nächster Woche wieder aus
innigen werden
genommen werden.
Nach einer später erngegangenen Meldung aus Berlin sollen die Demokraten und das Zentrum grundsätzlich keine Bedenken gegen die Hinzuziehung der Unabhängigen zur Regierungsumbildung haben. Trotzdem dürfte es aber bei der gegenwärtigen politischen Konstellation und den politischen Gegensätzen, die z. B.zwischen dem Zentrum, den Demokraten und den Unabhängigen in mehr als einer Hinsicht bestehen, wohl unmöglich sein, diese Gegensätze zu Überdrücken. Die Meldung lautet:
Im Reichstag fand Montag nachmittag eine mehrstündige Besprechung der Fraktionsführer von der Deutschen Volkspartei bis zur Sozialdemokratischen Partei statt, um die Grundlage zu einer Regierungskoa- lition zu prüfen. Trotz mancher Vorbehalte erklärten schließlich Zentrum und Demokraten, daß sie grundsätzlich keine Bedenken gegen die Hinzuziehung der unabhängigen zu der RegieruMsbildunghütten. Die Deutsche Volkspartei hat sich ihre Antwort bis zum Donnerstag
Vorbehalten. „
Die Bayerische Bolkspartet macht nicht mit
b* Berlin. Wie wir erfahren, wird die Bayerische Volkspartei sich nicht an einer Regierungsbildung im Reiche beteiligen.
' - S'Tar $MÄ. Wirth hat, wie die „F. Z. aus Berlin erfährt, am Dienstag einen achttägigen Erholungsurlaub angetreten und Berlin verlassen.
Die KrediiaLtion der Industrie.
w Die „Verl. Pol. Nachr." melden: Ueber das Kredit- «Ä?»
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ner Sitzung beraten worden. Bei d^
deutung der Frage ist es natürlich, daß in der Industrie a erhebliche Bedenken und Widerstände gegen das
bot hervorgetreten sind. Die Debatte hat sich über mehrere Stunden ausgedehnt. In der ^wähnten Sitzung hat jedoch Direktor Krainer-Berlin die Gründe für Äle tiCDlctnic 9lftioit so üßcxAcnöciiö dorßcItßL ooß die bekannte, bereits veröffentlichte ResEtion nahezu stimmig autaebeißen und dem Präsidium Vollmacht cr=
teilt wurde, über die weitere Ausgestaltung des Angebots mit der Regierung weiter zu verhandeln. Zur Ausführung dieses Beschlusses ist ein Arbeitsausschuß eingesetzt worden, dem Mitglieder des Präsidiums und des Vorstandes angehören. Dieser Ausschuß wird seine Tätigkeit sofort aufnehmen.
!x- Berlin. W An Wie der „L. A." von unterrichteter Seite erfährt, sollen die Verhandlungen zwischen der Industrie und der Wilhelmstraße über das Airleihean- gebot sofort ausgenommen werden. Bereits am Dienstag nachmittag findet die erste Besprechung statt. Da der Reichskanzler am Dienstag Berlin verlassen hat und auf acht Tage verreist ist, werden die Verhandlungen mit ihm erst im Laufe der nächsten Woche beginnen. Auch der Industrieausschutz wird erst kommende Woche vollzählig zusamuwntreten. In Kreisen der Industrie glaubt man, daß die Besprechungen jetzt rasch vor sich gehen werden, nachdem das Indnstrieangebvt in Mün- chen angenomnwn worden ist.
Lee Kampf für ein. deutsches OberfchLesieu.
Die deutschen Gewerkschaften Oberschlesiens richteten an den Generalsekretär des Völkerbundes ein Telegramm, in dem es heißt: Die deutschen Gewerkschaften ersuchen ihre in Gens befindlichen Vertreter, beim Völ- kerbundsrat wegen der Entsendung einer Kommissis« uach Dherschlesie« vorstellig zu werden. Bei der unüber- sehbarcht Bedeutung der bevorstehenden Entscheidung sei die Prüfung der Verhältnisse an Art uNd Stelle unbedingt notwendig. Diese örtliche Prüfung könne auch durch die mündliche Vernehmung der Bertrauerrsmän- ner der Gewerkschaften in Genf nicht ersetzt werden.
Ost Genf. Der Sekretär des Völkerbundes erklärte einem italienischen Journalisten gegenüber, im großen und ganzen sei die Arbeit des Rates des Völkerbundes über die oberschlesische Frage abgeschlossen. Es sei wahrscheinlich, daß am F-Mtag die Publikation erfolgen werde, nachdem das Memorandum, das inzwischen als Korrektur nach Paris, London, Rom und Brüssel gegangen sei, von dort zurückgelangt sei. Irgendwelche Aenderungen der beteiligten Regierungen in Rom, Paris, Brüssel und London feien nicht statthaft. Auf die Frage des italienischen Journalisten, ob man nicht erfahren könnte, wie der Rat des Völkerbundes entschieden habe, erklärte der Sekretär, er dürfe zunächst noch nichts darüber mitteilen, aber das Urteil werde alle Beteiligten befriedigen. Der Friede aus dem europäischen Kontinent würde nicht gefährdet, da auch die Besiegten nicht Senach-
^ Genf. Wie der Pariser „Temps" erfahren haben will, will der Völkerbundsrat den Bericht seines Aus- schusses über Oberschlesien vor der Entscheidung der Delegierten der im Völkerbund vertretenen Berbandsstaa- ten hören. Die oberschlesische Frage kann noch immer nicht als spruchreif angesehen werden.
Der Vsrftotz CLsms.«eeLUS.
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tw Die Rede Elemenceaus bei seiner Denkmalsein- ihung in St. Hermine wird mit wenigen Ausnahmen der Pariser Treffe abfällig besprochen. Man nimmt allgemein an, daß Elemcneeau nur in die Ocffentlich- keit getreten ist, nm feinen politischen Freunden, die auf die Uebernahme der Regierung drängen, einen Dienst z« leisten. Der Versuch muß jedoch als mißlungen bezeichnet werden. Die Pariser Blätter weisen übereinstimmend darauf hin, daß Clemencean infolge seiner eigenen Fehler nicht berechtigt sei, an der Politik seiner Nachfolger Kritik zu üben und ihnen vorzuwerfen, daß sie aus dem Versailler Vertrag keinen Nutzen zu ziehen verstünden. Nach der Ablehnung der politischen Presse wird dennoch die Popularität Elemenceaus in der bret- - sehr wenig Herabminderung erfahren. darf mit Sicherheit angenommen wer- ' ’ politische Einwirkung haben
ten Masse nur J Jedenfalls aber u— den, daß die Rede keine politische ^^^„.^ ,---- und daß das Kabinett Briand kenteswegs gestürzt wer-
den wird.
Kritik an Clemenceaus Rede.
T-, Paris. (F. Z.) In der nationalistischen „Libertee" schreibt Bainville zu der letzten Rede,Elemenceaus: Das ist ja die Ursache aller Mißverständnisse unter den Völkern, daß der eine die Dinge anders sieht nud auffatzt, als der andere. Für uns ist der Friede von Versailles ein gerechter Friede ohne Auncr-on. Für Deutschland ist er aber ein Genmltfriede, ein.Friede, der^Deutsch- land zerrissen hat und der deru.deutschen Volke das Recht der- (Selbstbestimmung vorenthast: die territorialen Verluste in Polen, Schlesien und Oberschlesien! Vergessen wir doch nichi, daß auch Königsberg durch den polnischen Korridor von Preußen losgerissen ist; das ist ge- MM so, als weint gewönne birrd) einen spanischen Korridor von Frankreich getrennt würde. Ob Deutschland demokratisch bleibt oder nicht, dieses wird es uns nie- luals verzeihen können . Es gibt sechs bis sieben Millionen Menschen in Deutich-Oesterrclch und vier Millionen in der Tschecho-Slowakei, denen es verboten ist, sich ihrem Mutterlande anzuschlietzen.
Der deutsch-amerikauische Friedensvertrag.
m Genf. „Herold" meldet ans Washington, daß der Senatsausschutz alle Abändernngsanträge zum Frle- densvertrag mit Deutschland mit geringer Mehrheit zurtickgewieseu hat. Das Plenum des Senats wird am H. Oktober über den Friedensvertrag abstimmen.
Das Wiederaufvauabkommen.
in, Berlin. Das Reichskabinest beriet über das Wiederaufbauabkommen und sprach sich nach einem Vortrag
Dr. Rathenaus snr me mannranon aus. Mittwoch mM mittag wird der Auswärtige Ausschuß des Reichstags» äitfammentrefen, um zu dem Abkommen Stellung zu nehmen.
Berti«. (B. Z.) Dienstag vormittag ist der anS« mättige Ausschutz des Reichstages zusammeugeteete«, um den Bericht über die Wiesbadener Verhandlungen des Wiederaufbauministers Dr. Rathenan mit dem sranzösischen Minister Loucheur entgegenzunehmen. Der- zweite Punkt der Tagesordnung betrifft den Bericht über die Finanzierung der ersten Goldmilliarde.
Eine ueue Note Nolleis.
Der „Matin" meldet, daß General Nollet in einer zweiten Note von der deutschen Regierung die Ablieferung der der deutschen Sicherheitspslizei verbliebene« Maschine«gewehre verlangt. — Der Botschafterrat Achtete eine neue Note nach Berlin, in der an die Nachlieferung der rückständigen 480 030 To. Kohle für August und September erinnert wird.
Eine französische Berständigungsrede.
•>* Auf der Völkerbundsversammlung in Gens hielt der Franzose Nobeluraire eine Rede, worin er erklärte, daß er das Abriistungsproblem vorsichtig und gerecht behandeln wolle. Indem er an seine eigenen Kriegser- lebnisie erinnerte, forderte er, daß man auch die Tapferkeit des Gegners achte. Genau so, wie der französische Soldat vor dem Tode im Felde ausgerufen habe: Es lebe Frankreich, so seien auch viele Tausende von -eut- Men Soldaten mit dem Rufe auf den Lippen gestorben: Es lebe Deutschland. Warum, so fragte der Redner, sollen diese Wünsche der Helden sich nicht verwirklichen lassen, warum soll es unnröglich sein, daß neben einem friedlichen Frankreich auch ein friedliches Deutzch- lanö lebt? Die schweizerische Telegraphenagentur verbreitet diese Rede und fügt hinzu, daß sie im Völkerbund großen Eindruck hinterlassen habe. Von französischer Seite wird versickert, daß der Text der Rede Nv- belmaires im Einverständnis mit der französischen Regierung sestgelegi worden sei.
Für Deutschlands Ansnabme in den Völkerbund.
ih* Der Vertreter Südafrikas auf dem Völkerbundskongreß, Lord Robert Greif, erklärte in einer Unterredung, daß es im Interesse Deutschlands und im Jntec- esse der ganzen Welt lüge, wenn Deutschland ein Gesuch um Ausnahme in den Völkerbund einreichen würde. Denn damit würde der Welt bewiesen, daß Deuisthlnnd bereit sei, gemeinsam mit der ganzen Welt an der Erhak- tung^r Friedens WstzuorbeitM. ,
. W 0^1 W M B DW Worts Besatzung dei- Rheinpfalz soll auf andauernde Beschwerden hin demnächst durch urohammcdanische Wiarokkatter abgelöst werden. .
Der VelörrLer Hochverratsprozetz.
Das Reichsgericht begann mit dem Velberter Hoch- verratsprozeß. Den Vorsitz führt Senatspräsident Dr. v. Pelaigus, die Anklage vertritt Oberreichsanwalt Dr. Ebermaier. Angeklagt sind 14 Angehörige der K. A.-P. D. aus Velbert, Düsseldorf und Elberfeld, darunter eine Fran. Den Angeschuldigten wird Hochverrat vorgc- worfen, begangen durch den am 20. August 1920 unternommenen Versuch, in Velbert die öffentliche Gewalt in die Hände der Kommunisten zu bringen, um die RäterepuMk a«szur«fcu. Die Vernehmung des Haupi- angeklagten, des Schlossers Wilhelm Gratz aus Velbert, des Vorsitzenden der dortigen K. A.-P. beansprucht lange Seit. Er leitete das ganze Unternehmen, veranlaßte die Besetzung der öffentlichen Gebäude uuö re- guirierie 1100 000 Mark, ließ einen Teil davon verteilen und entwaffnete den Polizeikommissar. Der Angeklagte behauptet, daß die Aktion nicht gegen die Regierung ,gerichtet gewesen fei, sondern sie hätte nur eine Klind- gebnng für Rußland sein sollen. Er bestreuet, die Absicht gehabt zu haben, den Bürgermeister abzusetzen.
Mn Schreiben Ehrhardts.
tM Die „München-AugsSvrger Abendzeitung" erhält von Korvettenkapitän Eint eine Zuschrift. Es heißt darin: Seit den Kapptagc rr von Zeit zu Zeit die Nachricht wieder, daß ich m.. mit dem Gedanken eines Putsches trage. Ich erkläre deshalb: 1) Ich habe nach dem mißglückten Kapp-Putsch kein Bedürfnis, mich nochmals an solchen unvorbereiteten planlosen Untcruehcheu zu beteiligen. 21 Ich sehe ganz klar, daß ein weiter Putsch zum Scheitern verurteilt ist. 3) Ich halte es für ein Verbrechen an der Nation, jetzt, wo schwache Aussicht besteht, unsere Wirtschaft vor dem Zusammenbruch zu reiten, durch einen Gewaltakt störend, ja vernichteud in diesen Prozeß eluzugretM. 4) Eine Einsetzung meiner Person als Pntsckist, ganz gleich, ob das Vaterland dabei in Scherben geht, verbietet sich mir. Nie werde ich etwas unternehmen, was unserem Lande etwa politisch zum Schaden gereichen könnte. Alle die Männer, die verbannt fern von der Heimat leben, sehnen sich nach ihr zurück und nach friedlicher Arbeit. Weshalb gewährt man es ihnen nicht, wo sonst soviel amnestiert wird?
RauMung des Wurgenlaudes.
ih» Wie«. (F. 3.) Die ungarische Regierung hat am Montag den Regierungen der Entente durch Sie Iuter- I alliierte Militärkommissivn in Oedenburg mitteilen lassen. daß sie sich dem Ultimatum der Alliierten unter« werfe und daß demgemäß die -ungarischen regulären Truppen bereits am Montag mit der Räumung des BurgenlandeS begonnen hätten. Der Befehlshaber der ungarischen Truppen hat gleichzeitig mitgeteilt, daß seine