Einzelbild herunterladen
 

Hersfelöer Tageblatt

: * Poet bezogen 12.00 M.. bei freier ZiSeflog !

i Amtlicher Anzeiger für den Kreis HersfelS : Bedidnickerei in Bersieid, ffiMgHed des VDZV. |

* Anzeigenpreis für die einspaltige Yetitzeile oder ; r -terea Raum 40 pfenmp Jür auswärts L^Pfennig, : 2 die Reklamezeile 1.50 Mark. Bei MeöerhKmryen * | Nachlnp. > §ür die Schristleiinng verantwortlich - Kranz Kunk in tzersfM. Kernsprecher Nr. 8. ;

Nr. »38

Donnerstag, den 39. September

' Die Sintflut

* Die katastrophale Entwertung der deutschen Mark hat in den letzten Tagen Formen angenommen, deren Auswirkungen auf das deutsche Wirtschaftsleben nicht abznfehen sind. Nachdem der Dollar schon am Montag bis auf 118 Mark hinaufgetrieben worden war, hielt am Dienstag die Nachfrage nach Auslandswechseln in stür­mischem Tempo an, sodaß von Stunde zu Stunde immer höhere Kurse genannt wurden. Den Höhepunkt erreichte der Dollar mittags, wo der Dollarpreis bei der amt-

lichen Kursfestsetzung bis auf 124,25 Mark in die Höhe schnellte. Auch die übrigen Devisenkurse erfuhren ent-

W ein reich

sprechende Steigerungen. In den Abendstunden setzte Fein leichter Rückschlag ein, der aber für die grundsätz­liche Seite dieser traurigen Entwicklung ohne Bedeutung ist Ueber die katastrophale Markentwertnng läßt sich dieB. Z." solgendermatzeu aus:

Daß weitere Steigerungen der fremden Wechselkurse auf den deutschen Börsenplätzen allmählich zu einer Zer­störung der ösuifchen Wirtschaft führen muffen, bedarf keiner Erklärung. Der Ernst der Situation wird in Deutschland immer klarer erkannt. Aber Valutaver- schiebungen wirken nicht bloß in den Ländern, nie von der Geldentwertung selbst heimgesucht werden, sondern strahlen in das ganze Weltall ihre Folgen aus. Man sollte meinen, daß dies allen Nationen klar ist. Man .könnte in dieser Meinung gestärkt werden, wenn man hört, wie außerordentlich treffend Churchill vor einigen Tagen die ernsten Folgen dieser Valutaverschiebnugeu gekennzeichnet hat. Aber leider ist in allen Ländern die Zahl derjenigen, die in die Technik der kapitalistschen Wirtichast genügend Einblick haben, um die wirrschaft- lichen Verflechtungen nnd Rückwirkungen fchar, zu er- K, nur sehr gering, und diejenigen, die wenigstens rem AnfmaunngSvcrmögen diese Zusammenhänge erfassen, glauben, sich gegen derartige Nnannehmlichkei- ten mit Maßnahmen schützen zu können, die in Wirklich­keit nur einen ganz schwachen Damm gegenüber eurem Strom darstellen, dessen Gewalt selbst die stärksten Walle hinwegreitzen muß. Die Entwertung der Mark muß etwas zur Folge haben, was der Sturz der europäischeu Valuta uienrals im Gefolge haben könnte: Eine indu­strielle Siutflui, die über die Industrien aller Länder ' mit tödlicher Wirkung dahinströMen wird, ohne daß Deutschland selbst davon einen Nutzen hätte.

Die zweite Seite des deutschen Balutarückgauges ist nicht minder ernst für die Wirtschaft, denn ein Frmrken- sturz raubt denjenigen europäischen Ländern, die eine Hochbewertete Valuta haben, den letzten Rest von Ex- ancen. Schon jetzt leiden die Länder mit h

ne

exportieren, weil die Kanfkraft der anderen Mn-er nicht Sarn ausreicht, ihre Waren atzzunehmeu. Bei ihnen stapeln sich die Waren auf, die Arbeitslosigkeit wachst tut Lande, und die Preise steigen. Alle diese Erscheinungen - müssen sich jetzt vertiefen und vervielfachen. Es soll in «f«A°K

»Ä. 3ÄMÄ?

___eine Scheidewand zwischen Ost und West auf. Dredeut- sche Valuta ist für die Lander des Ostens.auch jetzt.noch Edettaluta". Es ist unausbleiblich, dau diese «Edel- valuta" sich weiterhin entwertet, die,Valnt«r der öst^ lieben Staaten weiter sinken, und damit ist dw Ausjmal- iunq der oftenrwdiWtt Länder eiusÄlietzlich Dm^lN lands aus d« Absatisphäre der u-eMichen Lander ded- enrspäischen Kontinents vollendet. Das aber bede.üet eine Katastrophe, die Katastrophe znerst emwal. für Frankreich'. Es ist kein Zufall, daß der fvanzonsche ^roitEeit -war infolge der Verschlechterung der deutschen Valuta tägUch an den dKtschen Börsen höher notiert als Das früher der Fall war, daß er aber andererseits gegen­über den anderen Valnten ebenso kontinuierlich ist wie die deutsche Mark. Das zeigt den ninigen und unlös­baren Zusammenhang, der zwischen Frankreich. und Deutschland besteht. Läßt man die Dinge noch ein paar Monate weiter laufen, dann wird Frankreich vielleicht dort stehen, wo Deutschland jetzt steht.

^ London. Das starke Fallen der Mark an der Börse findet hier besonders Beachtung, Ein Black nieldet, daß die Mteruationale Konferenz für Geldfragen die, vom Verbände für Goldwährung veranstaltet wird, anfangs September in London stattfinden wird, un>,Borschlage Maßnahmeii zu entwerfen, die die Wahrn ug der ver- Webenen Länder und den Gokdstand wieder herstellen ^ Zu .Meisen, die der Reichsbank ual^stehcn ist man der Ansicht, daß der Rückgang des MMrses schon in allernächster Zeit zu einer K.ckastvopbe fWrcit muß, wenn es nicht geling!, eine Besserung der Balma her- beizustivren. die von der zu Beginn des Monats Okto­ber stattstubenben Konferenz der englischen Bankiers in Lmig Island erwariet wird.

Ein WirtschaftsptogramM.

^. DieD. A. Z." schreibt: Bor allen Sinnen kommt letzt daraus an, ein WrrtsrlmfkspvogrKMM oufzusteNeu, iws uns vor den: drohenden wirtschaftlichen Zusannncn- . bruck, bewahrt und die Erfüllung der Verpflichtungen des utUnioimn» im Rahmen des überhaupt Möglichen ' aeuMwleistet. Das ist ein Problem, an dem gegemvär- ' 8a die politischen Führer angestrengt arbeiten.

Das Abkommsn mit Bayern.

Dem Verfassuugsausfchuß des bayerischen Landtages wurden die am 14. September in Berlin zwischen dem Reichskanzler und Reichsmwistec des Innern und dem bayerischen Ministerpräsidenten und bayerischen Mini? ster des Innern getroffenen Bereinbarnngen bekannt- gegeben. Danach sind:

1. Die Verordnungen des Reichspräsidenten vom 29. und 30. August zurückzuuehmen und durch eine bis spätestens 29. September zu erlassende Verordnung zu ersetzen. Ferner soll

2. die bayerische Staatsregierung die Verordnung über den Ausnahmezustand spätestens am 6. Oktober mit Wirkung vom 15. Oktober außer Kraft setzen,

3. ist die Zustimmung des bayerischen Gesamtmint- steriums und des Verfafsungsausschusies des bayeri- fchen Landtages zu dem vereinbarten Entwurf der neuen Reichsvexordnung unter Aufhebung des Aus- nahmezuftaudes in Bayern dem Reichskanzler rechtzei­tig zum 28. September mitzuteilen,

4. wird festgestellt, daß zwischen der Reichsregierung und der bayerischen Staatsregierung Uebereinkommen darüber besteht, daß die Landesregierungen nach wie vor berechtigt sind, im Verzüge nuch weiterhin einstweilige Maßnahmen zu treffen, die über den Inhalt der neuen Verordnung hinausgehen und denen gegenüber die Reichsregierung eine loyale Haltung einnehmen wird,

5. wird festgestellt, daß die bayerischen Bolksgerichte mit dem aus Artikel 48 Absatz 4 der Reichsverfassung gestützten bayerischen Ausnahmezustand nicht im Zu­sammenhang stehen und daher durch diese Verordnung itidjt berührt werden.

Abg. Dr. WohlgemuH tBayr. Bpt.), Vorsitzender des Verfassungsausschusses, begründete einen Antrag, wonach der Ausschutz der Vollversammlung empfahlen soll, gegen die von der bayerischen Staatsregierung ge­troffene Vereinbarung keine Erinnerung zu erheben. Was jedoch den Zeitpunkt der Aufhebung des bestehen? den bayerischen Ausnahmezustandes anlange, so bleibt es dem pflichtmäßigen Ermessen der bayerischen Staats- regierung überlassen, zu beurteilen, wenn sie den Zeck- pnnkt für gegeben erachtet.

Der Vorschlag der Regierung wurde mit allen Stim­men gegen diejenigen der Unabhängigen und der Mit- telparteien angenommen. Ebenso wurde mit Mehrheit der vom Ministerpräsidenten gebilligte Antrag des Abg. Dr. Wohlgemuth angenommen.

Ms %?ß^e der KlMnsttsumMdrmg

Die UM . r->-» der Deutschen Volkspartei igiernngskoalition hat am Dienstag dadurch eine Verzögerung erführen, daß sich Stresemann entschlossen hat, vorerst die Erkltt- rungen des Reichskanzlers Dr..Wirth im Reichstag ab- zuwarten. Der Eintritt der Sozialdenwkraten in das Sabinett Stegerwald wird, wenn nicht unvorhergesehene ZwischenfäNe eintreten, schon am Mittwoch zur Tatsache

werben.

Wie dasB. T." demgegenüber an zuständiger Stelle erfährt, beruhen alle Meldungen, die von einer Einigung der Parteien in der Frage der Umbildung des prentz:- schen Kabinetts wissen wollen, auf leeren Kombinatio­nen. Ministerpräsident Stegerwald hat mit den Par­teien bisher offiziell überhaupt noch feine Besprechungen gepflogen.

Dke Haltung der demokratische» Partei. .

^ Die demokratische Fräktion As Reichstages und die demokratische Fraktion des preR. scheu Landtages vereinigten sich im Reichstag zu einer neatjamen Be­sprechung der politischen Lage. Die VerPandnMgen wa­ren vertraulicher Natur. Es ist aber nach einer Mel­dung aus Berlin besannt geworden daß die Koalition von der MehrhcitsfoziüldeMLkratiL bks zur Deutschen Volkspartei Billigung gefunden ha . Die Bersamm- lnng gab einmütig der Meinung Ausdruck, daß die Re­gierungsbildung im Reiche nur ein Kabinett Wirth sein könne und daß die Deutsche Volkspartei vor ihrem Ein- irttt in die Regierung ein offenes Vekentttucs zur demo­kratischen Jiepuvlik ablegen müsse.

Die RegierungsneuSildung im Reiche.

^ Berlin. Für Mittwoch abend sind die Führer der MeWheitssozialöemokraten zum Reichspräsidenten be­rufen worden. Damit haben die Bemithungen des Reichspräsidenten zur Vorbereitung der Regierungs- ueubildnng im Reiche eingesetzt.

Vorbehalte Stresemanns.

w- Münckeu. DieMNnÄeu-Augsburger Abendzei- Gug" meldet aus Berlin: Die Besprechungen Strese- manus beim Reichskanzler Dr. Wirth haben eine prin­zipielle Zustimmnng Stresemanns noch nicht gebracht. Vielmehr will Stresemann erst die Stellungnahme sei­ner Partei vor einer endgültigen Zusage abwarlen.

Ungarn unterwirft sich dem Ultimatum.

Wie derStellen Freien Presse" aus Budapest ge­meldet wird, bat die ungarische Regierung das jüngste Mtimatum des BotschafferratS, das bekanntlich eine zehntägige RämmmgSfrist für das Burgenland vorneht, bereits beantwortet. Sei erklärt sich in ihrer Antwort bereit, unter vollkommener Einhaltung des Frieder>s- vertrages von Triauon die Rämnnng zu vollziehen.

In Eisenstadt sind 400 Anfständische eingezogen und haben den Ort besetzt.

Srevolutioniire Gür-mg in Gnechemand.

»-»Rotterdam. DieMoruingpost" meldet iudirekf aus Athen: Griechenland steht infolge des Z«samme»4 bruches der griechischen Front in Kleinasien vor ernsten Ereignissen. Der Belagernngszustand in Athen ««tz Corinth ist proklamiert worden. Die revolutionäre Be­wegung dehnt sich schnell auf die Städte der Provinz aus, Die Anölaudstelegramme nuterlicgeu der Zensur. Bei Eskeschehir ist ein Teil des griechische» Ge«eralstabe<ff den Türken in Sie Hände gefallen.

w Genf. DerMatin" meldet aus Athen: Die regie­rungsfeindlichen KnndaeSuuger' im Lande neunten gro­ßen Umfang as. In Athen ist der Generalstreik auf 24 Stunden als Protest gegen die Fortsetzung des Krieges durchgeführt worden. Der Kriegsminister yat den Jahr­gang 1919 zum 6. Oktober einberufen.

Etwa 650 Tote in Oppau.

Die 4. Totenliste weist 14 Namen auf, so daß die: Zahl der jetzt sestgestellten Toten 414 beträgt. Die Zahl der noch nicht erkannten Leichen beträgt auch heute noch 75. Die Zahl der seitens der Angehörigen für vermißt gehaltenen Personen ist um 70 auf 160 gestiegen.

Politische Umtriebe in Odcrschlesieu.

** Eine Gebeimversammtung von polnifcbeu Insur­genten in Metz besprach die Lage und erörterte Orgaui- satiousfrageti. Besonders wurde die (Gründling eines Zentralverbandes angeregt, dem alle schou bestehenden und noch zu gründenden Ortsvereine angeschlossen mer^ den sollen. Die Angelegeuheir wurde einer besonderen Kommission übertraaeu. Weiter stand die Auszahlung der noch aussteheuden Löh«uug aus dem letzten Auf- stand zur Ausfvrache. Der Verhandlungsleiter machte die Mitteilung, daß eine restlose Auszahluug nicht er=, folgen könne, weil es an den erfordeclichen Mitteln fehle. Es wurden dann noch innerpolitifche polnische- Fragen besprochen.

Neues Defßzit Seim Reiche.

** Dresds«. DieDresdener Nachrichten" melden aus Berlin: Für die beiden ersten Monate des laufen den Vierteljahres iJuli-Augusti weisen die Einnahme»! des Reichs einen abcrmaUgeu Miuderertrag von 7 Mil­liarden Mark gegen die Ausgaben auf. Allein Post und; Eisenbahn habe» in den beiden Monaten abermals Retchszuschüsie von 4,3 Milliarden Mark gefordert

Begnadigung der Avignougefaugcueu.

m- Berlin. Nach einer bisher nicht bestätigten Mel­dung des ministeriellen PariserTemps" soll die Be- guaSigung Set in Aviguou zurüMchalteucn Deutsche» am Jahrestage des Waffe »stillst« uScs, 11. November/ erfolgen.

mrnehmen zu dürfen, daß die AuMbung lidKit Zrvanasniatzimhmeu bevorstebr. Die Kontrollkom- lnission werde Merdiugs eingesetzt werden. Doch soll auf die deutschen Einwände üoer die Tätigkeit der Kom- mission in Bezug auf ^audelsipioimge usw. äußerst Rücksicht genommen werden.

Abbruch der Prüfun« des Wiesbadener Abksmmeus.

»» Paris. tB. T.) Die Reparationskommission ver­schob die Prüfung der Wiesbadener Abmachungen bis nach einer neuen Konferenz zwischen Loucheur und Rathenau.

Besprechungen mit Nottet über die LÄntzpoUzer.

»- Berlin. Die Antwortnote der Reichsrecherung an die Entente wegen der Forderung der Interalliierten Kommission nach Neuregelung der Orgmufation der Sicherheitspolizei geht Wildling nicht nach Paris ab. Von der Reicksregierung ist eine persönliche Aussprache mit General Nollet ausgenommen worden. Bereits am Montag haben Besprechungen mit dem General statt-

arts ab.

gefunden.

Die Aufbringung der Repaea:ioNszaht«nge».

** Berlin. Die von: ReichskaWer cmpsangenen Ver­treter der deutschen Landwirtschaft haben sich zur fach­lichen Mitarbeit an der Lösung der ReparatimMrage bereit erklärt. In dem Vorimlage der Industrie er­blicken sie aber nicht das Allheilmittel, die deutschen Verpflichtungen an die Entente avzuirage». * Dennoch haben sie den Borschlag lischt abgelehnt, sondern rvÄlerr ihn gemeinsam mit den Vertretern der Industrie in ei­ner zweiten Sitzung eingehend erörtern.

x Die Beratunge» des KölkerbnudsraieS.

»* Gens. Die nächste NusschußMnug für die Greuz- sestsetzuug Dberschlesiens findet an Montag statt. Das Plenum des Bötkerbundsratco rechnet mit einer Steige von Sitzungen, bevor es einen Beschluß über die Vor- schlSae des Ansschusies tasten wird. Man nimm-*t an, daß die Entscheid,-!« über OberMlenen vor Ende der nächsten Woche fallen wird.

Die Zerstörung der Rhein drücke bei Rübesheim.

w Mainz Der Friedensvertrag verlang: die mili- tärische Uubraumbarmachnng der Rheinbrücke in- desyeim für Führn,erke durch EMfernuug des Poöeii- belaaes und Durchstechnna der ZMyrlsrampcn. Da die Brücke inzwischen wirtschaftlich unentbehrlich gewor­den ist, beantragten der Landem von Rüdesbeim,-das Kreisamt Bingen nud die Handelskammer Bingen die Nnterlassnng der Maßnahmen.

MÄerlei vom Tsse.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ans'üb« rungsbestimuumgen zu dem Gesetz über das Rcirdsnvt- Opfer und Abgabe vom Vermögenszuwachs von: 6. Juli