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KersMer Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfel-

Ne 201 Montag, den 29* August

: Erscheint jeden Wochentag, »der Bezugspreis be- trägt im voraus zahlbar, für Hersfeld 7.50 Mark, : durch Sie Post bezogen 7.80 Mark, bei freier Zu- : stellung ins Haus, e- druck und Verlag von Ludwig Zanks Buchdruckern in Hersfeld.

1921

ErZHerger erMGrösk.

Der Reichstagsabgeordnete Erzberger ist Freitag Mittag auf dem badischen Kniebis bei Bad Griesbach Krbet aufgefunden worden. Der Leichnam wies 12 lverschösse auf. Ueber die Täter ist noch nichts be­kannt. Abg. Erzberger, der sich seit einigen Tagen mit seiner Familie in Bad Griesbach befand, von wo aus er [läßlich Spaziergänge zu machen pflegte, ist auf einem dersewen erschossen worden.

Der Abgeordnete und frühere Reichsfinanzminister Matthias Erzberger ist einem scheußlichen Verbrechen zum Opfer gefallen. Wie erinnerlich, war bereits im Januar v. Js., als der Erzberger-Helfferich-Prozetz in Berlin-Moabit verhandelt wurde, ein Attentat auf Erz­berger verübt worden. Glücklicherweise ist damals der verbrecherische Anschlag eines maßlos verblendeten jun­gen Mannes mißlungen und Erzberger nur leicht ver­letzt worden. Was damals mißglückte, ist jetzt leider trauriges Ereignis geworden. Man mag zu Erzberger stehen, wie man will, und auch seine Politik, die, nach­dem er zu einflußreicher Stellung gelangt war, nur all­zuoft harte Schläge für Deutschland gebracht und dem ' deutschen Volke die größten Enttäuschungen bereitet hat, auf das entschiedenste ablehnen, aber das ruchlose Ver­brechen muß man doch aus Gefühlen der Menschlichkeit und des Rechts auf das schärfste verurteilen und es als Ausfluß politischer Verwirrung und Unreife brandmar­ken. Es ist nach den bisher vorliegenden Meldungen zweifellos, daß dem Verbrechen politische Motive zu Grunde liegen. Durch solche skandalöse Erscheinungen rohester Gewaltanwendung gegen politische Gegner wird naturgemäß die Kluft, die heute das deutsche Volk trennt, Noch künstlich vergrößert? es werden dadurch neue Steine auf den Weg zur Einigkeit, die uns heute bitter nottut, wenn wir das Chaos überwinden wollen, gelegt. Das deutsche Volk darf sich heute nicht von sentimentalen Empfindungen leiten lassen, sondern muß in dem ehr­lichen Willen zur Einigkeit, zu neuer Kraftentfalttmg und zu neuem Aufwärtsstreben sich zusammenfinden. Das kann es aber nicht durch persönliche und politische Gehässigkeit.

Hoffentlich gelingt es bald, der ruchlosen Mordbuben

Was Erzberger auch von seinen Gegnern nach ge­rühmt werden muß, ist seine eiserne Willenskraft, sein Fleiß und sein Streben nach höheren Zielen. Schon mit 28 Jahren wurde er in den Reichstag gewählt, wo er sich bald durch seine Gewandtheit und schnelle Auffannngs- gabe hervortat und allgemeines Ansehen erlangte. Seine glänzende Laufbahn, sein Trachten nach inuner höheren Zielen brächte ihn schließlich nach dem Zusammenbruch Deutschlands in die höchsten Reichsstellen, wo allerdnigv seine Unzulänglichkeit und sein Optimismus gegenüber den Plänen unserer Feinde Deutschland zu großem Schaden gereicht sind.

Matthias Erzberger wurde am 20. September^18c5 zu Buttenhausen geboren, besuchte das Seminar «aul- , öou studierte in Freiburg (Schweiz) Staatsrecht und Nationalökonomie, war zwei Jahre Mi Schuldienste- tia und widmete sich seit 1896 der schriftstellerei. 189i wurde er als Delegierter zum Züricher internationalen Ai-betterkouareß eutsandt. Er gehörte der Volkspartei sürLkaW VereineAröeiter- wohlfahrt und dem Augustinusveretn M und verfaßte mehrere Schriften kolonial- und sozialpolitiicher Natur. Bon 1903-1918 war er Mitglied des Reichstages für den Wahlkreis 34 (Württemberg), als solches in der Reichs- ^Uildenkowniission tätig, 1919-1920 Mitglied der Ver- assunagebenden deutschen Nationalversammlung, 1918 S awsKetär 1919 Reichsminister ohne Portefeuille, ?om Juni 1919 bis zum Mai 1920 Reichsminister der

zwei

Finanzen. t ,

Der Vorgang der Mordtat.

Ueber die Ermordung des Reichstagsabgeordneteu Erzberger werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Errberaer befand sich Freitag vormittag gegen 9 Uhr Mf d?m Wege von Bad Griesbach zur Älexander- Ubmi»e beim ^Kniebis. In seiner Begleitung befand der Reichstagsabgeordnete Diez. Es sollen zwei Burschen im Alter von 25 Jahren als Täter in Betracht SS die die be den Abgeordneten voneinander Neunten mth bei der Verfolgnug den Abgeordneten E^zEaer durch uwhrere Schüsse in die Brilst und in m>u Nnn^uiederstreckterr. Der Abgeordnete Diez wurde sich im Spital in Oppeliau. Eine Gerichtskommission hat sich mit Polizeihunden an den Tatort begeben. Der Voraal g spiett^ in der zehnten Morgenstunde ab. Mit S weiVeit kann bereits festgestellt werden, daß kein Raubmord vorttegt.

Die Karlsruher Staatsanivalischa t beg^ st^ wie

Karlsruhe zum Tatort abgereist.

Eine weitere Meldung aus Bad daß die beiden Abgeordneten auf ihr«» Spaziergang von zwei gutgekleideten Herren Überholt, wurden, die bald darauf an einer Wegkehre vor ihnen standen. Ohne ein Wort zu sagen, feiterten die mug: u r uik aus kürzester Entfernung auf Erzberger und Diez eine große A nzahl Schüsse ab. Diez wurde in die Schulter

f ihrem Spaziergang überholt wurden, die

getroffen und sank zu Boden. Erzberger suchte Schutz an einer Böschung, wurde aber von den Männern ver­folgt und durch einen Kopfschutz getötet. Insgesamt sind zwölf Schüsse auf ihn abgefeuert worden. Bon den Tätern, die mit großer Kaltblütigkeit zu Werke gingen und sich kurz vorher mit einem Stratzenwärter unter­halten hatten, liegen genaue Beschreibungen vor, doch konnten sie bis etzt nicht festgenommen werden. Gegen Abend wurde die Leiche Erzbergers, nachdem die Ge- richtsbehörde den Tatbestand ausgenommen hatte, nach Griesbach überführt und dort aufgebahrt.

»* Karlsruhe. DasKarlsruher Tageblatt« meldet zu der Ermordung des Reichstagsabgeordneten Erzberger: Schon am Freitag mittag wurden die umliegenden Sta­tionen von dem Tatorte von Reichswehrtruppen besetzt und eine starke KontrMe der Reisenden vorgenommen.

Ueber die Mörder liegen bestimmte Personalbschreibun­gen des verwundeten Abgeordneten Diez und der Frau Erzberger vor. Die Mörder hatten sich vorher längere Zeit mit der Frau Erzberger und dem Abgeordneten Diez unterhalten. Die Verletzungen des Abgeordneten Diez sind schwerer als zuerst angenommen wurde. Die Arm- und Schulterschüsse haben eine erhebliche Knochen­zersplitterung herbeigeführt. Am Freitag abend war Diez nur in einem beschränkten Maße vernehmungs­fähig. Frau Erzberger sagte beim ersten Verhör aus, daß sie die Täter schon vor einigen Tagen in dem Hotel, wo sie mit ihrem Manne fünf Tage gewohnt hatte, ge­sehen hätte. Auch machte Frau Erzberger die Mitteilung, daß ihr Mann schon seit einiger Zeit Drohbriefe erhal­ten habe. Es scheint danach keinem Zweifel mehr zu unterliegen, daß es sich um einen planmäßig vorbereite­ten und durchgeführten Meuchelmord handelt.

Die Nachforschungen nach den Mördern.

»* Stuttgart. Im Amtsgericht stellte sich ein Mann, der längere Zeit mit den mutmaßlichen Mördern des Reichstagsabgeordneten Erzberger zusammengewesen sein will. Er bezeichnete die beiden Herren mit einem starken westlichen Akzent. Die ganzen Gespräche hätten sich um die Person des Reichstagsabgeordneten Erzber- ger und um seine Politik gedreht. Von einer Absicht, Erzberger durch einen Meuchelmord zu beseitigen, sollen die beiden verdächtigen Herren nicht gesprochen haben.

Die Angaben dieses Mannes über die Persöulichkei-

Lilldmdlage für eine weitete'

ten

Ermittlung bieten.

Verhaftung der Täter?

»^- Freiburg. Die beiden Männer, die den Nerchstagv- abgeordneten Erzberger ermordet haben und von dem Abgeordneten Diez erkannt worden sind, werden, wie die Freiburger Presse schreibt, folgendermaßen beschrieben. Der eine Täter soll groß und blond sein, während der andere als klein und schwarz bezeichnet wird Erzber­ger begegnete dem großen Manne mit Mißtrauen, da er, wie Erzberger zu seinem Begleiter sagte, iWr schon in Berlin begegnet und ausgefallen sein soll. Von der Berliner Kriminalpolizei ist nun auch tatsächlich teftge= stellt worden, daß an dem Tage, als Erzbergerin Ber­lin abreiste, sich zwei Männer in verdächtiger Wene auf dem Bahnhof beschäftigten und mit dem gleichen Zuge, mit dem Erzberger nach Süddeutschland abreiste, abge­fahren sind. Eine andere Meldung besagt, daß zwei Studenten, die der Tat verdächtig sind, verhaftet und an den Tatort geführt worden sind.

Beisetzung Erzbergers in Berlin.

^ Berlin. Die Leiche des Reichstagsabgeordneten Erzberger soll nach Berlin überführt werden, wo am Sonntag die Bestattung in Wilmersdorf erfolgen ioll.

Berliner Pressestimmen.

«-^ Einmütig wird der abscheuliche Meuchelmord an dem früheren Finanzminister und Abgeordneten Erz- berger verurteilt. Diese Anschauung spricht aus den Blättern aller Parteirichtungen, aber zugleich spricht auch aus ihnen eine aufreizende Parteileidenschaft, d e auf die schlimmen Folgen der Mordtat MnweJJ- ®« Schuld an dem Attentat wird von den Blattern der Mitte und der Linken den Deutschnatrvnalen TUgejcho ben. Ganz abgesehen von der kommunistischen Moten krabne" die das Proletariat zu offener Gewalt als Ant wort auf den Mord auffordert, auch abgesehen von der KÄS » °>- ÄÄ L Kern und Kahr und Pöner seine Helfershelfer und Bayern das Zentrum der Verschwörung gegen das Proletariat nennt warnt auch derVorwärts in einem titit bic Urheber vor den Folgen des Attentats, indem er u a schreibt: «Die deutsche Arbeiterschaft wird sich ge­gendiesen Sadismus zur Wehr zu setzen_wt,M. Die f nvtftpfciifcit tcdfliuitiitcii ^P^öxÖtcitcn iwt^cn ^Wun gen auslösen die Urheber nicht haben träumen

IdffCtL^

* Daß das Attentat gegen Erzberger Deutschland müattwerweise vor schwere innere Erschütterungen stel- leuwird, hebt auch das «Berliner Tageblatt« hervor. Es schreibt: «Die Rückwirkung auf die linksgerichteten Kreise wird nicht ausbleiben. Am Freitag in H^n nach­mittags- und Abendstunden lag eine bleierne schwere über den politischen Gemütern von den Unabhängigen bis zu den deutschen Bolksparteilern. 3 m Reichskanz lervalais ging es lebhaft wie in einem Taubenschlage zu. Mit Resignation und bloßer Abscheu vordieser

S?T&

Treiben der Rechten, das solche Scheußlichkeiten gebiert, duM eine geschlossene Phalanx der Mittelparteien von der Deutschen Volkspartei bis zu den Sozialoemokiaten

entgegenzUtreten.« Auch dieVossische Zeitung« siehkf die schlimmen Folgen des Mordes voraus. Sie schiebt; ebenfalls den Deutschnationalen den Mord in die Schuhs­und schreibt u. a.:Aber der tote Erzberger wird sei­nen Gegnern vielleicht gefährlicher als der lebende." Sief schließt ihren Artikel:Die Schüsse, die Erzberger< teten, drohen zu einem Signal zu werden. Das Werk: des Aufbaues und der Beruhigung ist schwerer bedroht als ie. Ernst und drohend ist die Gefahr, daß die! Scheidewand, die bisher den Zusammenprall der Extre­men verhindert hat, durchbrochen wird."

Die Blätter der Rechten verabscheuen zwar die Tat, suchen aber ihre Ursache in der Wirksamkeit Erzbergers selbst. DerTag" schreibt:Man kaun der Person eines Mannes, den man schon lange nicht nur persön­lich bekämpft, den man auch moralisch gebrandmarkt bat, nicht Achtung heucheln. Aber alles Persönliche, das auf- zurühren er uns so oft zwang, ist auf seiner Seite ge­wesen? es bedeutet jede Nennung eine der Stufen sei-. nes politischen Aufstiegs den Namen unaussprechlichem deutschen Unglücks. Je mehr die Geschichtsschreibung den ganzen Matthias Erzberger vor dem Zufammen- bruch Deutschlands darstellt, mit einem desto tieferen- Grauen wird man erkennen, wie jedes neue Unglück- Deutschlands eine neue Stufe seines persönlichen Aus­stiegs war."

DieDeutsche Tageszeitung" plädiert in einem Auf-! satz auf mildernde Umstände für die Täter und spricht von der Möglichkeit, daß der RichterLynch" sich Gewalt- verschafft habe. Die Zeitung bezeichnet Erzberger als den Agitator für die Habsburger und bezichtigt ihn bet Hilfeleistung für das Ofterabeuteuer des Exkaisers Karl und führt den Satz an:Es lebt ein Gott, zu strafen.* DieKreuzzeitung" meint, das Attentat an Erzberger erinnere an die Ermordung der beiden Bürgerineister in Heidelberg. Es sei durchaus nicht eriviesen, daß eS sich um einen polittschen Mord an dem ehemaligen Fi­nanzminister Erzberger handele, wogegen vor allem der Schutz auf den Abgeördneten Diez zu sprechen scheine/ Die Zeitung verdammt die Tat, hält es aber nicht für- angebracht, diese Tat gleich als eine Agitation irgend ei» ner politischen Partei hinzustellen.

Pariser PreffeLutzerungen.

Erzbergers zeigte

wie'es mit der Zukunft Deutschlands bestellt ist, zu der' Llond George uns zum Vertrauen rät, dem Deutsch-^ land, dem wir die wirtschaftlicheuSanktionen" erließen und dem gegenüber wir jedenfalls morgen gezwungen sein werden, auch die militärischenSanktionen" zu er- lafjeu. DerMatiu" hat festgestellt, daß es der 115. po­litische Mord ist, der in Deutschland von den geheimen, militärischen Organisationen fett dem Wafsensiillstand veranlaßt worden sei. Die geheimen militärischen Or­ganisationen in Deutschland bildeten keine Partei, som dern eine Mörderzentrale. DasJournal des Debats schreibt: Wir werden Ei-zberger nicht beweinen, er war in bitteren Stunden ein viel zu scharfer Gegner. Die Deutschen aber haben einen ihrer bedeutendsten Staats­männer verloren, der sich bemühte, das Deutsche Reich auf den Weg des Friedens zu strhren. Hier in Frank­reich wird die Tat klar erkannt, möge sie auch in Rom, London und Washington richttg erkannt werden.

Wiener Pressestimmen zu Erlbergers Ermordung.

Wien. (F. Z.) Die hiesigen Blätter besprechen in langen Artikeln die Ermordung Erzbergers. DieNeue Freie Presse« schreibt: Matthias Erzberger, war durch­aus keine sympathische Figur, er war aber ,im deuten Parlament der fleißigste Arbeiter und ein üeichickter Regisseur. Der Tod Erzberger», bleibt ein Datum in der inneren Geschichte der jungen Lüftchen Repubttk. DasWiener Tageblatt" meint, Erzberger ,ei aus den skandalösen Unruhen gereinigt hervorgegangen, seinem Wiederein?ritt in bie Politik hätte nichts mehr im We^ gestanden. Die hiesigen Zeitungen sind allgemein den Ansicht, baß die Ermordung Erzbergers das Signal für ueue Unruhen in Deutschland geben dürfte.

Beileidstelegramme deS Reichskanzlers.

o* Der Reichskanzler Dr. Wftnh hat im Nanw» der Reichsregierung an die Witwe Erzbergers ein Beileids telegramm gerichtet und auch dem Abgeordneten Diez telegraphisch sein Beileid auSgeiprochen.

Der Einfluß anf die Börse.

Der Lok.-Anz." schreibt: Die Nachricht von dem Tode des "Abgeordneten Erzberger löste noch in d^u Abendstunden bei den Banken und Borien eine e:b., stiiii* Auswärtsbewegung sämtlicher auslauduchen <n- ,, NngSmitL aL Von fachverstAidiger Seite wurde das Steigen der ausländischen Zahlungsmittel damit. klärt daß man in den Finanz- und Wirtictastskr».! . durch die Ermordung Erzbergers ^eue wtrtschaftlw.. und politische Schwierigkeiten mit ^ Entente vemr». tet. In den Ententestaaten ^S mmi m Erzberger Gewähr für die Durchsetzung des wirtschufttichen 1 gramms.

Teuerungskrawalle in München.

Rerli« DerVoss. Ztg." wird über eine Rev

Mönchen folgendes berichtet: ^^^,^Ä^^f,i «LL^

N^«

?on der PoÄi eine scharfe Straßetikontrolle ausg<u

stellt