yersfelöer Tageblatt
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Kranz Kunk in Hersfeld. Kernsprecher Nr. 8. | MM^WW^ HtlX^lS^ WI V^O ^^^10 O^Sf^W ♦ Kunks Buchdruckerei in Hersfeld.
Nr. 195
Montag, den SS. August
1921
iruiigennerflörKiing für vveachleflen.
« Zwischen den alliierten Regierungen ist eine Eini- «ung über den Umfang der nach Oberfchlesien zu entsendenden Truppenverstärkungen zustande gekommen. England und Italien werden je zwei Bataillone, Frankreich eine Brigade entsenden. Ueber das Datum, an dem der Transport erfolgen soll, ist dagegen noch kein Beschluß gefaßt worden.
*
Die Berliner Vertreter dex alliierten Regierungen Haben der deutschen Regierung bereits den Beschluß der alliierten Staaten angezeigt, Truppenverstärkungen nach Oberschlesien zu senden. Sie sollen dazu dienen, die Durchführung der Entscheidung des Völkerbundsrats . über Oberschlesien zu sichern. In Oppeln sind 2800 Mann französischer Truppen aller Waffengattungen an- gekommen. Die städtischen Behörden sind von der interalliierten Kommission beauftragt worden, für weitere 8000 Mann Franzosen Unterkunft bereit zu stellen. — Die Kosten für den Unterhalt der alliierten Besatzungs- truppen in Oberschlesien betrugen nach einer Mitteilung der Interalliierten Kommission bis zum 1. August für alle Besatzungen zusammen 9,5 Milliarden Mark. Nach dem Versailler Vertrag fallen diese Kosten dem Staate zur Last, dem das oberfchiesische besetzte Gebiet zugeteilt wird. Durch die neue Verstärkung der Besatzungs- truppen ist mit einer nicht unerheblichen Vermehrung der Besatzungskosten zu rechnen.
Durchkreuzung der französischen Pläne.
** Daß die Franzosen nichts unversucht lassen, den Polen in die Hände zu arbeiten, geht daraus hervor, daß das englische Truppenkomamndo in Beuthen die -neuen französischen Besatzungspläne in Oberschlesien -Mit der Begründung abgelehnt hat, daß eine Aenderung in der Besetzung im Abstimmungsgebiet so kurz vor der -endgültigen Entscheidung nur im höchsten Grade gefährlich werden könnte. Andererseits werden englische Truppen einen Teil des Gebietes besetzt halten müssen, über das man sich nicht einigen könne. Die englischen -Truppen seien auch in ihrer jetzigen Gruppierung jeder -Zeit in der Lage, einem deutschen Ueberfall erfolgreich begegnen zu können. Hoffentlich merken die Franzosen die Ironie der Engländer.
Stollens Abrücken von Frankreich.
tampa" bemängelt die vorsichtige Erklärung, ^ MMst«pE°mUl4n w y *^ My^k^ervergen, daß es auf Seiten Englands stehe - und die französische Ansicht, daß Deutschland noch weiter geschwächt werden müsse, nicht teile. Die offene Dar- Mgung der Gründe, die Italiens Haltung bestimmen, -sei das beste Mittel, um auch zu Frankreich gute Be- - Ziehungen zu unterhalten.
Verherrlichung des polnischen Terrors.
e* Ueber die polnischen Volksveranstaltungen, die für sMchsten Sonntag zur Verherrlichung der polnischen ' Aufstände in Oberschlesien geplant sind, berichtet das ■ Breslauer „8-Uhr-Abendblatt", daß die Veranstaltungen - „spontan" aussehen sollen. Sie sotten aus Feldgottes- dimst, Umzügen, Blumenverkäufen und Volksversavnn- lungen unter freiem Himmel bestehen und zur einstimmigen Annahme vorgeschriebener Entschließungen an den Völkerbund dienen, die darauf hinauslaufen, daß Oberschlesien zu Polen kommen soll. In allen Versammlungen sollen die August-Aufstände der Jahre 1919 und 1920 gefeiert werden.
Die Wette« über Overschlesie«.
** Rotterdam. Der „Rotterdamsche Courant" meldet, daß die Wetten bet Lloyds in London über Oberschlesien am Freitag unverändert mit 4:1 für die Zuteilung von % des Abstimmungsgebietes an Deutschland standen.
WmmßiiHldßs DöfRerfiundsrates am 29. OuguiL
W Der Präsident der Liga der Nationen, Vicomte -Jsshy, hat den Vertreter Spaniens im Rat der Liga der -Nationen gebeten, den Bericht auszuarbeiten, der in der öffentlichen Sitzung zur Verlesung konrmen soll, die für den 29. August nach Gens einberufen worden ist. Die Aufgabe des Berichterstatters ist die, eine objektive Dar- frettung der Sache zu geben, um die Mitglieder des Ra- ltes der Liga der Nationen von den Schwierigkeiten zu unterrichten, die beu Beschluß des Obersten Rates verursacht haben.
Nervosität in Paris.
w Durch das Herannahen des Zusammentritts- des Bölkerbundsrates macht sich in den Pariser politischen greifen eine gewisse Nervosität bemerkbar. Wie ver- -lantct, soll man bemüht sein, den Völkerbundsrar zu veranlassen, daß er die Entscheidung über Oberschlesien einem Justizausschuß oder einem einzelnen schieds
richter iiberträgt.
Der Berichterstatter des Bölkerbnudsrates.
w Paris. Der spanische Botschafter in Paris, dem vom Vicomte Jsshy die Ausarbeitung des Berichts über die oberfeinefiftbe Frage übertragen wurde, ist nach Mdrid abgercist, um die Instruktionen seiner Regie- mng eiiuuoolen. , , .
w Paris. Bis Freitag spät abends war noch keine Antwort des spanischen Botschafters aus die Aufforde- ANM des Vicomte Jsshy, als Berichterstatter für die rberschlesische Frage tätig zu sein, eingegangen. Doch st anzurrebmen, daß die Antwort bejahend lauten wird, sitei Sein dem Botschafterrat zu erstattenden Bericht han- -tit es sich um eine Art Borbericht. Erst in seiner Sit- Kna vom 29. August wird der Völkerbundsrat seinen Ndaüttiacn Berichterstatter bestimmen.
Der grohe Jrriuul von Versailles.
9* London. Der Mitarbeiter des „New Statesman", Davises, ist von seiner Reise durch Deutschland zurückgekehrt und hat den Mitgliedern des englischen Unterhauses und auch den politischen Finanzkreisen seinen Bericht erstattet. Die „Daily News" teilt daraus mit, daß Davises feststellte, daß die wirtschaftliche Blüte Deutschlands, von der in den englischen Zeitungen so viel die Rede ist, nur eine Scheinblüte ist. Er versicherte, daß Deutschland, wenn die Entschädigungszah- lungen in der bisherigen Weise sortqesetzt werden müßten, mit riesigen Schritte« dem Staatsbankerott entgegen- etle. Deutschland lebe jetzt schon auf Kredit und dem Ausverkauf seiner Industrie an ausländische Käufer. Zahlreiche Ausstände seien die üblen Begleiterscheinun- gem Der rasche Niedergang der Mark mache sich überall bemerkbar. Als Nationatökonom könne man sagen, Deutschland lebe jetzt schon von der Hand in den Mund. Die größten Schwierigkeiten aber würden erst entstehen, wenn der Herbst herankomme und die Not des Winters eine große Anzahl von Arbeitslosen in die Städte treibe. Davisis sagte weiter, EMtand habe ein viel zu großes Interesse an der Gesunderhaltung Deutschlands, .als daß es hier stillschweigend zusehen könne. England solle, Frankreich zum Trotz, bieien verhängnisvollen „Frie- densverträg" von Berfailles in Gemeinschaft mit Amerika revidieren «nd dafür Sorge trage«, daß Deutschland einen Kredit erhalte, der es instand setze, Lebens- Mittel und Rohstosfe zu kausen uiid die Reparationszahlungen auf Grund der neuen Festsetzungen zu leisten. — Der Bericht Davises hat, wie die englischen Blätter übereinstimmend melden, ungeheuren Eindruck auf alle Teilnehmer der Konteret gemacht und wird noch lange die beteiligten Krese beschäftigen. — Die Pariser Zeitungen sind unangenehm von diesem ungeschminkten Bericht betroffen und geben an, insbesondere der „Mattn", daß dieser Bericht zu pessimistisch gefärbt sei.
Englische Kritik am Londoner Ultimatum.
Berlin. (F. G. A.) Der durch die Herausgabe seines Buches über den VersaAer Vertrag bekannte englische Professor Kaynes beginnt in der „D. A. Z" mit der Veröffentlichung einer Artikelreihe, die als eine Fortsetzung seiner Betrach nngeu in beut berühmten Buch tMr die Wirt"
aus und be-:
____________nues Sie deutschen Revarationsverpflichtun- gen auf Grund des Ententeultimatums. Der Professor ist der Ansicht, daß diese Bestimmungen schon im nächsten Jahre abgeändert werden müßten.
In Erwartnng der neuen Entente-Note.
«' Berlin. Die angekündigte Note der Alliierten über weitere Abgabe von deutschen Luftfahrzeugen war bis Freitagabend noch nicht in Berlin eingegangen. — Nach einer über Genf kommenden Havasmeldung hat sich die Botschasterkonferenz am Donnerstag noch einmal mit dem^Text der Note befaßt, so daß deren Ueberreichung in Berlin erst in den ersten Tagen der kommenden Woche zu erwarten ist.
Der Wiederaufbau Rordfraukreichs.
w. Paris. (F. G. A.) Der Wiederaufbau in Nord- frankreich macht erhebliche Fortschritte. Jilsgesamt sind 11 Milliarden 270 Millionen 'Franken Schaden angemeldet worden. In 400 000 Entscheidungen sind 800 Millionen Franken Vorschüsse ausgezahlt worden. Die Bildung von 108 Genossenschaften für den Wiederaufbau ist genehmigt worden. — Der Ackerboden ist zum größten Teil schon wiederhergestellt, es sind nur „noch etwa 990 Hektar instand zu setzen. .Bon den zerstörten Fabriken sind 83,2 Prozent wiederhergestellt, in denen 54 Prozent der früheren Arbeiter wieder befchastigt werden. — Die Bürgermeister der zerstörten Gebiete haben sich zu einer Vereinigung zusammengeschloffen, um eme Wiederaufbauanleihe vorzubereiten. In 400 000 interei- sierten Gemeinden sollen Aufrnfe erlassen werden.
Eutlassung weiterer 26 Avignou-Gefangene«.
• * Genf. Dem „Journal des Debüts" zufolge hat der französische Jnstizminister am Mittwoch weitere 26 deutsche Kriegsgefangene, die sich noch in Avignon befanden, begnadigt.
ttmer^anWss Urteil Wen diß RonaratioiWßit
Frank E. Vanderlip, der von Berlin nach Praa av- gereist ist, gervührte dem Berliner Vertreter der „Associated Preß" eine Unterredung, in der er n. a erklärte: Deutschland arbeitet schwer. Von der Oberfläche aus gesehen, läßt vieles daraf schließen, daß Deutschland sich erholt: unter der Oberfläche aber sind die nationale« Finanzen in einem heiklen Zustand. Es scheint keine Hoffnung zu bestehen, das Budget ins Gleichgewicht zu bringen. Neues Papiergeld muß,andauernd hergestcllt werden. Das wirb dazu führen, die Preise weiter in die Höhe z« treiben, die Mark zu entwerten und die Stellung der Regierung schwierig zu gestalten. Ich habe mit dem Reichskanzler und den führetiden MlNisteru gesprochen und habe den Eindruck bemannen, daß sie sich aufs ernstlichste bemühen. Doch glaube ich, daß sie an einer Aufgabe arbeiten, die zu groß ist, um erfolgreich zu sein, und früher oder später wird man eine Aenderung oder einen Aufschub in den Reparatlonsforderurr- gcn eintreten lassen müssen.
Vor der Entscheidung in Irland.
* 41 Der „Datl Etreann" schreibt, daß das irische Sinn- feiner-Parlament erst am Montag wieder eine geheime Sitzung abbatten werde. Während der letzten Tage die
ser Woche haben die Abgeordneten in ihren Wahlkreh»- sen mit den Wählern gesprochen. Am Dienstag werde! voraussichtlich die öffentliche Sitzung stattfinden, in der der Beschluß über Sie Annahme oder Ablehnung der Regelung mit England bekannt gegeben werde. „Eve- ning Standart" schreibt: In maßgebenden englischen Kreisen werde die Lage doch als ernst angesehen, was auch aus der Aufhebung der Urlaubserteilung an Offiziere und Soldaten hervorgeht, eine Maßregel, die nur im äußersten Notfall getroffen wird. Die irischen Bläb- ter dagegen rechnen mit einer Volksahstinrmung in Irland, die günstig für die Regelung mit England aus- fallen wird.
England z« «enen Verhandwuge« Bereit.
fe* Der „Manchester Guardian" erktärt sich für ermächtigt, darauf hinzuweisen, daß die in der irischen Streitfrage von Lloyd George gemachten Vorbehalte bis auf einen noch weitere« Verhandlungen unterworfen werden können. Der eine dieser Vorbehalte sei etne ausdrückliche Untertänigkeitserklärung gegenüber dem englischen Thron.
Biß BerßruuMmrn gor dßin RßidjsmirtWtsnii
Der Reparationsausschuß des vorläufigen Reichswirtschaftsrats nahm den Bericht des Unterausichuffes über die Erhöhung einzelner Verbrauchssteuer« entgegen. Entsprechend der Regierungsvorlage wurde der Leuchtmittelsteuer, der Zündwarensteuer mit Streichung der Artikel 48 und 51 der Vorlage, der Biersteuer und - der Mineralwassersteuer zugesttmmt. Die Tabaksteuer ! als ganzes wurde abgelehnt. Bezüglich der Steuersätze - im einzelnen faßte der Ausschuß folgenden Beschluß:: Zigarren und Zigaretten sind bereits so stark belastet,^ daß eine weitere Erhöhung der Steuersätze nicht inehr^ tragbar erscheint. Mit der Einstihrmrg einer neuen Steuerstufe für feingeschnittenen Tabak, mit der Festsetzung des Steuersatzes für Pfeiffentabak z. B. in der Steuerstufe 7 auf 8 Mark pro Kilogramm und in der Steuerstufe 10. auf 30 Mark pro Kilogramm und mit den von der Regierung vorgeschlagenen Sätzen für. Kau- und Schnupftabak erklärte sich der Reparationsausschutz einverstanden. Sodann hörte der Reparations- ausschuß den Bericht des Unterausschusses über die Ab- änderung des Kohle«ste«ergeke
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rmächi'kgung des Finanzministers, die Steuersätze^ zu ermäßigen, sprach man sich einmütig m schloß folgende Faffung: Der Reichsminister
schloß folgende Faffung: Der Reichsminister der Finanzen ist ermächtigt, auf gemeinsames Verlangen des Reichskohlenrats und des Reichsrats und nach Anhö-
rung des Reichswirtschaftsrats den Steuersatz zu ermäßigen oder nach einer Ermäßigung wieder auf 30 vom Hundert zu erhöhem
Mehrheit für die neuen Steuervorlage«.
* 4. Berlin. Nach der Aussprache in der ersten Sitzung des Reparationsausschuffes des Reichswirtschaftsrates über die neuen Steuervorlagen der Regierung ist mit einer erheblichen Mehrheit der Mitglieder des Reichs- wirffchaftsrates für die Steuervorlagen zu rechnen.
Metallarbeiterstrelk.
* 4* Die Urabstimmung der Metallarveiter ia Hake an der Saale hat 5367 Stimmen für den Streik und nur 468 dagegen ergeben. Es wurde Beschlossen, sofort tn den Ausstand zu treten.
* 4> Die Berlin-Bürger Eisenwerke in Burg haben wegen zu hohen Lohnforderungen der Metallarbeiter den Betrieb geschlossen.
* 4- Die Verwaltung des Königswerkes in Rachrod bei Alton«, das wegen des wilden Streiks sttllgelegt worden war, hat die ganze Belegschaft fristlos entlassen. Die technische Nothilfe brächte das Werk wieder in Gang.
Ungarischer Einmarsch in Westungarn.
Nach Budapester Blätternrelöungen haben die nnsa= rischen Behörden begonnen, von dem bisher von Süd- slawien besetzten Gebiet wieder Besitz zu ergreifen. Die ungarischen Truppen und Verwaltumisvertreter wurden überall von der Bevölkerung festlich empfange«. Auf fast allen Häusern wehen die migarischen grün- weitz-roten Farben. Als erste Kreisstadt wurde Sziget- war besetzt. Der Vormarsch der Truppen wird fortgesetzt.
Rückgabe des B«rge«lavdes an Oesterreich.
Wie dem „Neuen Wiener Tageblatt" aus Budape' gemeldet wird, ist die ungarisch« Regierung bestrebt, b. . Räumung des Burgenlandes ohne Zwisckenfall bur. zuführem Die vier Abgeordneten, die das an Oeste reich abzutretende westungarische Gebiet vertreten, e Härten dem Vertreter der Nationalversammlung, daß sie nach der erfolgten Uebergabe ihrer Wahlbezirke ihr- Mandate zurückgeben werden. Die Mgeordneten d. ielttgen Bezirke, die nur teilweise an Deutsch-Oesterrc fallen, behalten ihre Mandate so lange, bis anläßlich d nächsten Sieunmhlen eine Korrektur der Wahlbezirke . folgt.
Aufschub des Einmarsches in Westungar«.
^ Berlin. (F. &) Aus Budapest wird gemeld daß sich der Einmarsch der ungarifüreu Truppen in i befreite Gebiet um zwei Tage verschoben hat.
w Belgrad. Die Räumung von Fünfkirche« und Nu gebnna wird am Sonnabend Beenget sein, worauf be Einmarsch der Ungarn erfolgt. Wegen des Auffw. der Räumung um 48 Stunden wird auch die Hebe <^ ■