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HersMöer Tageblatt

Hersfelöer Kreisblatt^K

Amtlicher Anzeiger für den Kreis hersfelS

3 Anzeigenpreis für die einspaltige petttzeNe oder ; r deren Kaum 40pfennig, für auswärts 60Pfennig, : Sie Keklamezeiie 1.50 Mark. Bei Wiederholungen : ; Nachlaß 4- Zür die Schriftleitung verantwortlich * Kranz Kunk in hersfelS. Kernfprecher Nr. 8. :

: trtoeint jeden Wochentag. Der Bezugspreis be- tragt im voraus zahlbar, für Reisfeld 7.50 Mark, : durch die Post bezogen 7.80 Mark, bei freier Zu« : strllung ins Ijau». < Druck und Verlag von Ludwig Zunks Suchdruckerei in Hersfeld.

Nr. 193

Donnerstag, Ss« 18. August

1931

Neue kegeln Dr VeuWdmL

In der Note über die Aufhebung der wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen durch den Obersten Rat, die der französische Ministerpräsident dem deutschen Vertreter in Paris übermittelt hat, heißt es: Diese Entscheidung ist von folgenden vorher von der deutschen Regierung anzunehmenden Bestimmungen abhängig. Es wird eine interalliierte Stelle geschaffen, die in Gemeinschaft mit den zuständigen deutschen Stellen zusammenarber- ten wird bei der Prüfung und Ausstellung solcher Ein­und Ausfuhrbewilligungen, welche Waren betreffen, deren Empfänger oder Absender die auf Grund des Versailler Vertrages besetzten Gebiete sind. Der ein­zige Zweck dieser Stelle ist es, Sicherheiten dagegen zu schaffen und darüber zu wachen, daß nicht etwa das deut­sche Einfuhrsystem hinsichtlich der besetzten Gebiete eine Benachteiligung der interalliierten Waren zur Folge hat. Die deutsche Regierung erkennt die Gültigkeit der Handlungen an, die wiihrend der Dauer derSank­tionen" auf Grund der Verordnungen vorgenommen worden sind, welche die interalliierte Rheinlandkommis- sion in Ausführung des auf der Londoner Konferenz im März 1921 getroffenen Entscheidungen erlassen hat. Die interalliierte Rheinlandkommission ist ermächtigt, unter Mitwirkung des Beauftragten der italienischen Regierung Ansführnngs- und Nebergangsbestiplmu«- gen zu erlassen und durchzuführen, die sich auf die vor- genommene Entscheidung sowie auf die Verwendung der vereinnahmten Gelder und die Prüfung der gelei­steten oder-noch zu leistenden Ausgaben bezieht. Der Oberste Rat überträgt die Ausarbeitung der näheren Bestimmungen über die oben erwähnten Fälle einem Tachverstänöigenausschntz, der seine Vorschläge vor dem 1. September den Regierungen zu unterbreiten hat. Die Sachverständigen werden möglichst bald in Koblenz zusammentreten und sich dort mit den deutschen Dele­gierten treffen.

Neue MMardenforderuKgeK an Deutschland.

Corriere della Sera" meldet aus Paris, daß der italienische Finanzminister Soleri in der alliierten Fi- nanzkouferenz zu dem ersten Zehntel an den deutschen Entschädigungszahlungen nachträglich noch die Zuwei­sung vor: weiteren fünf Milliarden Goldmark in deut­schen Schatzscheinen verlangen wird. Die italienischen Delegierten haben diese Forderung b^esis .eingehend als Entgelt Mr sie ZahlMmonnfa'-.gke» ^emrewyje» gründet und sind vorn englischen Schatzkanzler Hörne unterstützt worden. Die italienische Nachforschung findet auch die Zustimmung des belgischen Vertreters. Ferner schlägt Italien vor, daß zur Verhinderung von Valuta- Spekulationen zum Schutze der alliierten Devisen bei den künftigen Zahlungen Deutschlands eine besondere inter- alliierte Kommission von Delegierten der alliierten No­tenbanken eingesetzt werde. Dieser Vorschlag wurde gleichfalls angenommen.

Die deutschen Reparasionszahiungen.

fr* Neuyork. (F. G. A.) Wie ein Neuyorker Blatt erfährt, haben vier deutsche Banken im Auftrage der deutschen Reichsbank bei dem Bankhaus Morgan in Neu­york fünf Millionen Dollar auf Rechnung des Wieder­gutmachungskontos eingezahlt. Das ist die zweite deutsche Zahlung innerhalb vierzehn Tagen.

Ohne OhsesMesien DeutMmrÄ ÄrsdrLurrfKhsg.

** Berlin. Der Berliner Korrespondent desNeuyork Herald" meldet aus Parts, daß die deutschen Kredilan- leihen in Amerika, die sich ungefähr zwischen 25 und 30 Millionen Dollar bewegen, kurz vor ihrem Abschluß ge­scheitert seien, da die amerikanischer: Vertreter die Ver­handlungen plötzlich abgebrochen hätten. Wie ein in Berlin weilender amerikanischer Finanzmann erfährt, ist dies auf eine Warnung des Bankiers Vandervelde znrückznführen, der kürzlich mit Minister Rathenau eine Unterredung hatte. Die amerlkanifchen Bankiers sollen davor gewarnt sein, Deutschland langfristige Kredite einzuräumen, solange die oberschlesische Frage noch nicht entschieden sei. In dem Falle, daß das oberschlesische Industriegebiet nicht an Deutschland falle, sei Deutsch­land nicht mehr kreditfähig. Das soll auch der Grund sein, weshalb das Kreditabkommen mit Holland nur kurzfristig gehalten ist.

Lloyd George über Oberschlesien.

Lloyd George kam im Unterhaus auf die Tagung des Obersten Rates zu sprechen. Er erklärte, es habe dort Fragen gegeben, die das Zusammenhalten der Al­liierten bedroht hätten. Große Genugtuung habe es da­her hervorgerufen, daß gegen Ende der Zusammenkunft die Entschließung gefaßt worden sei, wonach die Alliance nicht nur sortdanern, sondern gefestigter dastehe denn je. Dann ging der Premierminister auf die oberschlesische Frage über und betonte, diese sei ihm niemals sehr schwierig erschienen, aber sie sei durch Beimengung an­derer Elemente verwickelt gemacht worden, die sie zu einem recht bedrohlichen Problem gemacht hätten. Es gebe weite Kreise der öffentlichen Meinung in Frank­reich, die glauben, daß die Wegnahme der Kvhleu- und Eisenlager von Deutschland für die Sicherheit Frank­reichs wesentlich sei. Er halte das aber für einen Irr­tum. Lloyd George hob hervor, daß Schlesien keine pol­nische Provinz sei. % der Bevölkern«« seien deutsch mit einer recht beträchtlichen Beimiscbuug nach der Grenze hin. Die Auseinandersetzung habe sich um das Jndu- striedreieck gedreht, in den: die Städte deutsch, die Dör­fer polnisch seien. Betrachte man aber das Gebiet als ganzes, so handle es sich in Wirklichkeit um eine veut-

»he Mehrheit. Die industrielle Entwicklung, das Ka­pital und die Bevölkerung seien deutsch, so daß nach dem Prinzip ein Mann eine Stimme das Gebiet den Deut­schen zufallen müsse. Lloyd George fuhr fort, es sei nicht seine Aufgabe, im Völkerbundsrat zu diktieren, wie er sich mit dem Problem befassen solle. Er nehme jedoch nicht an, daß der Rat nicht versuchen werde, sich selbst damit zu befassen, sondern daß er die oberschlesische Frage entweder an einen Ausschuß von Juristen 46er an einen Schiedsrichter (arbitrator) verweisen weide. Es sei sehr wichtig, daß, bevor irgendetwas unter­nommen werde, Frankreich, Italien, Japan und Groß­britannien sich verpflichten, die Entscheidung einer vom Völkerbundsrat ernannten Körperschaft anzunehmen. Die Parteien würden zweifellos vor dem vom Völker- bnnösrat ernannten Gerichtstribunal erscheinen. Die Frage würde auf Grund der fundamentalen dokumen­tarischen Beweismittel verhandelt und das Urteil würde in der gewohnten Weise gefällt werden. Die oberschlesische Frage sei die wichtigste, die bisher an den Völkerbund verwiesen wurde, dessen Rolle, Stellung und Einfluß zweifellos beträchtlich steigen würden, wenn er dieses außerordentlich verwickelte Problem er­folgreich behandle.

Ei» starkes Deutschland der Hort des Friedeus.

fe* Aus Paris wird gemeldet: Aus den Erklärungen Lloyd Georges über die oberschlesische Frage geht her­vor, daß die Haltung Englands für Deutschland eine durchaus günstige ist. Der ehemalige Minister Asquith behandelte die Ausführungen Lloyd Georges und die Haltung der englischen Vertreter auf der Pariser Kon­ferenz in einem durchaus zustimmenden Sinne. Lloyd George unterbrach Asquith wiederholt mit Bravorufen, und so bot die Sitzung das seltene Schauspiel, daß die beiden politischen Gegner sich gegenseitig mit Komplo- menten überschütteten. Auch der Arbeitervertreter Tho­mas gab feine Zustimmung zu der Haltung Lloyd Geor­ges auf der Konferenz des Obersten Rates. Er erklärte, daß die Interessen Engla:rös nur durch ein gestärktes Deutschlacw gewahrt würden. Ein europäischer Friede sei unmöglich, wenn Deutschland unterdrückt würde. Auch Frankreichs Interesse sei es, wenn es gute Bezie­hungen zu den anderen Staaten unterhalte. Der Ver­lauf der Diskussion zeigte, daß Lloyd George ganz England, hinter sich hat.

Französische Entrüst«^ nta v qt^ f»^-^^

fc* Paris. (F. G A.) DaßJournal deß Dshats" unterzieht die Rede Lloyd Georges im Unterhaus einer scharfen Kritik. Das Blatt schreibt, die Rede Lloyd Georges beweise, daß der Premierminister noch in der­selben Geistesverfassung sei, wie er die Konferenz des Obersten Rates verlasen habe. Lloyd George denke wahrscheinlich nicht daran, daß das oberschlesische Indu­striegebiet zu einer Waffenschmiede Deutschlands wer­den könne. Der Fall sei in dem Versailler Vertrag nicht vorgesehen.

Französische Truppentransporte nach OSerschlesie«.

im> Genf.Echo de Paris" meldet: Die alliierten Ka­binette haben gegen die Mitteilung Frankreichs, zum Schutze der französischen Besatzungsarmee Verstärkun­gen nach Oberschlesien zu entsenden, keinen Einspruch erhoben. Die Verstärkungen sind aus Mainz abge- gangen.

Berlin. Aus Mainz wird gemeldet, daß am Mon- tag zwei französische Oberschlesienzüge mit Verstärkun­gen für Oberschlesien Mainz verlassen haben.

Die Anrufung des Völderbundsrates.

Neue französische Verschleppungsversuche.

In einem Leitartikel ergeht sich derTemps" über die Aufgaben des Rates des Völkerbundes und befür­wortet dringend, nur eine einstimmige Entscheidung als zulässig anzunehmen. Im französischen Ministerium des Aeustern sei nichts darüber bekannt, daß Frankreich sich damit einverstanden erklärt habe, eine mit einfachen Ma­jorität getroffene Entscheidung anzunehmen. Weder Deutschland noch Polen seien durch irgendeine Bestim­mung dazu verpflichtet, einen solchen Spruch des Völker­bundes anzuerkennen. Aus diesem Grunde müsse man auf Einstimmigkeit bestehen.

Zusammenstöße in Oberschlesien.

** In Kattowitz ist es am Montag abend zu einem schweren Zusammenstoß zwischen englischen Soldaten uns betrunkenen Polen, die die Engländer angerempelt und beschimpft hatten, gekommen. Die Engländer mach­ten von ihrer Waffe Gebrauch, sahen sich aber plötzlich auch einer größeren Anzahl französischer Soldaten ge­genüber, die für die Polen Partei ergriffen. Erst einer Straßenvatrouille gelang es, die blühe wieder herzn- stellen.

EMsr^ung des VWöMMsrlMs WM 25. August.

Journal" meldet: Der Völkerbundsrat ist zur Er­stattung eines Gutachtens über Oberschlesien bereits zum 25. August nach Genf einberufen.

Die nächste Sitzung des Overstne Rates.

DieBasler Nachrichten" melden aus London:Ti- mes" undMorningpost" bestätigen, daß die nächste Sit­zung des Obersten Rates zwischen dem 8. und 12. Sep­tember in London stattsinden wird. Auf der TageSord- nuna steht 1. die Entgegennahme eines Gutachtens des Völkerbundes über Obeischlesien, 2. die Reduzierung der Ententekommifsionen in Deutschland, und 3. Aufhebmm der militärtskhen Sanktionen rechts des Rheins.

Besprechungen der Parteiführer.

o* Dienstag mittag fand eine Besprechung zwischen dem Reichskanzler und den Führern der Reichs­tagsparteien über die allgemeine politische Lüge statt. Besonderen Raum nahm natürlich Oberschlesien ein.« Nach authentischen Informationen gilt es als nicht aus­geschloffen, daß der Reichstag nicht zu dem in Aussicht genommenen Termin einberufen, sondern erst später zusammentreten wird. Man glaubt erst die Lösung der oberschlesischen Frage abwarten zu müßen, bevor über die neuen Steuervorlagen der Regierung verhandelt werden könne.

iw Weiter wird uns hierzu gemeldet: Der Reichs- kauzler hatte am Dienstag nachmittag eine Bespre­chung mit den Führern der Koalitionsparteien, wobei äußerst wichtige außenpolitische Fragen, aber auch in­nere, rote die der neuen Steuern, erörtert wurden. Matt war sich darüber einig, daß für die augenblickliche Teue­rung ein Ausgleich durch sofortige Teuerungszüfchüsse für die Beamten und die Arbeiter geschaffen werden müsse.

Feier der polnischen Aufstünde.

>^ Wie die Polen in Oberschlesien den von ihnen selbst nachgesuchten Frieden erhalten wollen, geht daraus her­vor, daß, wie der polnischeOberschlesische Wegweiser" berichtet, für Mittwoch, dem ersten Jahrestag der ersteni oberschlesischen Polenerhebunggegen die verhaßten Preußen", wie es imOberschlesischen Wegweiser" heißt/ und für Donnerstag, den Gedenktag des zweiten Polen- aufstandes, besondere Feiern vorgesehen sind. Anläß­lich dieser beiden Gedenktage werden in allenpolni­schen" Kirchen Trauerandachten für die Kämpfer nnd Helden, die für die Freiheit Polens gefallen sind, abge­halten werden. Sowohl am Mittwoch als auch am Don­nerstag und am kommenden Sonntag sind zur Feier der Gedenktage Festumzüge von nationaler Feier vor­gesehen, wozu nähere Einzelheiten noch bekannt gege-' ben.werden. In dieser Weise soll von neuem gegen die' Deutschen gehetzt werden. Vor allem werden die uner­hörten Grenel, die die Polen begangen haben, verherr- , licht werden.

Wie stellt sich die interalliierte Koinmisston zu die-i fenJyciern^iüeH^&J^-tivSer^

'Mengste 'verboten werden.' 'Dsnn^ einmal sind sie ein Schlag ins Gesicht des deutschen Volkes und außerdem werben sie wieder zu neuen Revolten und Greueltaten führen. , .

Polens Hetzpropaganda in Ostpreußen.

In den ehemaligen ostpreußischen Abstimmungsge- breten wird neuerdings wieder seitens der Polen eine eifrige Hetzpropaganda gegen die deutsche Herrschaft ge­trieben, deren Zentrale zweifellos bei dem noch immer i bestehenden Masurischen Komitee in Soldan liegen: dürfte, das seit der letzten Zeit auch wieder über reich- > liebere Geldmittel verfügt wie früher. Es kommt bew Polen darauf an, die Masuren, soweit sie polnischer N«-! tionalität sind, gegen die deutschen Behörden aufzuput-^ schen, Unruhen hervorzurufen, um dann so die deutsche Regierung und Bevölkerung der Unterdrückung her ma­surischen Polen zeigen zu können. An verschieöeiten Or­ten des Abstimmungsgebietes beginnen sich bereits wie­der wie zur Abstimmuugszeit sogen.Bojowkas" zu bilde«.

Wsrhandluugen über die Eetzarissrhöhung.

** Berlin. In den Verhandlungen der Beamten­verbände und der Gewerkschaften im Reichsfinanzmini-, sterium über die neuen Gehaltserhöhungen und Lohn­aufbesserungen ist, wie wir erfahren, ein Stillstand ein» getreten. Die Regierungsvorschläge gehen nur auf eine lOprozentige Erhöhung hinaus. Tiefe Sätze werde»! von den Beamten- und Arbeitervertretern als völlig un­genügend abgelehnt, über die nicht einmal eine Diskus-, fimt möglich fei. Die Mindestfordernngeu werden auf. 40 bis 60 Prozent angegeben.

Weiter wird uns hierzu uoch gemeldet:

M' Berlin. Die Beamtenverbünde und die Gewerk­schaften verhandelten am Dienstag und Mittwoch im Reichsfiuauzministerium übSr die Teuerungszulagen. Bei den Verhaudlungen kam es zwischen den Vertre­tern der Beamtenverbünde und der Gewerkschaften et» nerseits und den Vertretern des Retchsfinanzministe^ riums andererseits zn heftigen Anseinanderseyungen über die neue Gehalts- und Lohnerhöhung. In den Regierungsvorschlägen ist nur eine löprozentige Erhö- buna für die Arbeiter, für die Beamten nicht einmal eine Erhöhung des Zuschlages um 10 Prozent, sondern nur 8%9 Prozent vorqesehem Diese Sätze wurden sowohl von den Beanttenverbänden als auch von den Gewerkschaften als vollkonunen ungenügend abgelehnt. Die Vertreter der Beamten sowohl wie auch der Ge­werkschaften lehnten es ab, über diese Sätze überhaupt zu verhandeln. Die Vertreter forderten eine 4060= prozeitige Gehaltserhöhung für die Beamten und eine 40SNprozentige Lohnerhöhung für die Arbeiter.

Die Forderungen des Nennerausschnsses.

»^ Berlin. Ueber die Teuerungszulagen an die Be­amten und Staatsaugestellien ist soeben noch eine Mel­dung eiitgegangen, daß der Ncuneransscöuß die Forde­rungen formuliert habe, die als die Wünsche der Be­amtenschaft gekennzeichnet werden können und als solche auch an d:e Regiernng weitergegeben worden sind. Es wird zunächst eine Teuerungszulage für alle Beamten