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Kersfelöer Tageblatt

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hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für -en Kreis HersfelS

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Nr. 177

Montag, den 1. August

1981

r Der Hungertod der Sowjets.

Die Jswestija von Moskau veröffentlicht einen Ar­tikel mit der bezeichnenden Ueberschrift:Die Cholera wütet beinahe in allen Teilen unseres Landes." Sie fährt dann fort:

Die sanitären Bedingungen unseres Landes sind ffürchterlich. Die Städte ersticken im Dreck. In dieser trockenen Zeit führen die Kanalisationsanlagen kein Wasser mehr. Die Wasserleitungen mit fließendem Wasser sind legendär geworden, und was das Gefähr­lichste von allem ist, ist die unerhörte Auswanderung der Landbevölkerung, die durch die Hungersnot hervor- Mrufen wurde. Tausende von verhungernden Bauern flüchten von ihrem heimatlichen Herde und säen An­steckung und Tod in Tausenden von Kilometern der Wolgabezirke. Die fürchterlichen Szenen der Hungers­not und der Cholera des Jahres 18911892, die von Augenzeugen niemals vergessen werden, leben wieder auf. Es ist umnöglid), die Auswanderung aufzuhalten.

Der Hunger ist mächtiger als alle Schranken, und es bleibt nichts weiter übrig, als die äußersten Anstren­gungen zu machen, um Ordnung in dieser Fluchtbewe­gung zu schaffen und strenge hygienische Maßnahmen zu treffen. Wir befinden uns augenblicklich in einer Feuersbrunst, und es ist notwendig, alle unsere Energie

Bit entfalten, um dieser Herr zu werden."

Nach der Ekonomitfcheskaja Shisn von Moskau nimmt die Hungersnot in Rußland erschreckende Aus­dehnung an. Infolge der beständigen H tze entstanden

Bodenbrüche, überall sind die Quellen versiegt und die

Flüsse ausgetrocknet. In 15 Gouvernements, in denen die Hungersnot herrscht, stürzt sich die Bevölkerung nach

Turkestan, Sibirien, die Uralgebiete, Ukraine und Kn- bangebiet, sowie in die Umgegenden von Moskan und Petersburg. Diese ungeheure Auswanderung vollzieht sich in der größten Unordnung. Die hygienischen Bor- sichtsmatzregeln sind ungenügend. Man befindet sich Außerstande, irgendwelche Anregungen für Abhilfemög­lichkeiten zu geben. Die Jswestija schlägt vor, die ver­hungernden Bauern nach Sibirien zu transportieren, und zwar in Gebiete, die zwischen den Städten Lowrinsk, Bogotol, Koschedary und Sergijewsk liegen. Hier sollen 150 Millionen Hektar fruchtbarer Erde zu bebauen sein. Die Jswestija rechnete aus, daß bei täglichem Abtrans­port von 10 000 Leuten es möglich sein würde, bis zum

15. Oktober eine Million der notleidenden Bevölkerung

dorthin zu übersiedeln.

^Mk-«WM« ^ujjwwn.Rm»! ^» ^^^^^---p w^h dem allrussischen Hilfskomitee, an dessen Spitze Kameneff steht, sind auch bekannte Autibolichewiften, darunter auch 'ehesnalige Mmister des fruh-ren Regi­mes, enthalten. Kameneff erklärte, die Wwmregremua beabsichtige, zur Abwehr der Hungersnot eine Ratura- BKm ^»Ä^ NiKMSWN StfÄÄ litifen" erfährt wird auch die Ernte in denjenigen Be­zirken, die noch günstige Aussichten versprachest, durch­aus ungenügend werden.

England wird energisch!

m Die britische Antwortnote ist in Paris überreicht worden. Sie stellt fest, daß die Entsendung^ kungen nach Oberschlesien eine Fragerei, die ^rankre schewung sämtlicher alliierten Mächte bedürfe. Nachdem Enaland bezüalich des ZUsammenkunftorles bu, Ober­stes, Rates und der Vorprüfung des Materials' durch Sachverständige zugestimmt habe, feien nach britucher Ansicht weitere jugeftäudnisie, im besonderen aber ein e ae n äch aes Auftreten einer einzelnen Macht, nicht S -irlfiffia ^ie Frage der Entsendung von Ver­stärkungen solle durch den Obersten Rat iiachgemüst um nenebmiat werden, ehe sie zur Tatsache werde. vie Notr saat weiter, daß Frarstkreich wiederholt die Eiuheit^^ rpii her Entente aiis ben Augen verloren habe, während doch diese Einheit für das Wesierbesteben der Entente notwendig sei. .

Die Spauuuug zwischen London uud Par,s. m> Die Laae. die durch die letzten frauzösijchen Bedm- annaeu bervalich der Trtrppenseitdungen nach Oberichst- sieu enManden tst, wird in den englischen parlamentarl- schen Kreisen ohne seden Vorbehalt als nberane erni bezeichnet. Die von anderer Seite verbreitete Nachricht, daß bereits eine EtUigüng zwichen England und ^ranf- reitst erzielt worden sei, ist völlig irrig. fboA memal^ hat eine Meldung so sehr der Grundlage entbehrt, wu diese Die letzte französische Note bat das ihr Ute binin S meisten ist es der unfreitnbstcbe ^ou dieier ^anzösischett Note, der verstimmt hat. Frankreich winer- leits bezeichnet es als unfreundlich, daß Eng.and nicht seine ZNMmmüua zu der Entsendung von TnMenvex- stürkmigen nach Oberschlesien geben mill.H^üreßlich er- : ffört briand er würde der Konferenz des Oberite^ ma- Sl®»« m "tÄSTSi 1-^t^tiisendnna nicht vorbei in ictitem ^tam iiiu m i werten sei. Wenn England bei seiner ablehnenden Haltung verharren ivoifc. bann müsse es Alt einet ernü- baften Verstimmung zwischen Eitgland mtb >vran.r. ab

kommen. $k ^Efährdete Allianz.

^ Paris. Der französische Botschafter in London hat ~ ^m Freitag bei Lord Cnrzou einen neuen Schritt unftt-

rivurmen, um dabei zu erklären, daß es weder im Sinne der französischen noch der englischen Regierung liege, die Allianz zwischen beiden Ländern in Frage zu stellen.

England gibt nicht nach!

m Rotterdam. Ein Reuterbericht besagt, daß das englische Kabinett in seiner letzten entschetdeiiden Sit- zimg am Donnerstag erklärte, neue Vorschläge in der oberschlefischen Frage und in der Frage der Truppen- verstärknngen in Oberschlesien an Frankreich nicht ma­chen zu können. Ein Nachgeben Englands sei unwahr­scheinlich.

Italien verhält sich ablehnend!

m Rom. (F. Z.) In einer vertraulichen Sitzung des parlamentarischen Ausschusses für auswärtige Angele­genheiten hat der Außenminister den Bericht des ita- lienischeii Komniisfars in Oberschlesien, General de Martini, entgegengenommen. Der General erstattete einen umfaffenben Bericht und erklärte u. a., daß eine Entsendung von französischen Truppenverstärkungen nicht gerechtfertigt fei, da die französischen Truppen schon jetzt in einer größeren Zahl vorhanden feien, als die ita­lienischen und englischen Truppen zusammengenommen.

Der Ausweg!

m Paris. Hier wird angenonnneu, daß man einen Ausweg aus der fatalen Lage, in die Frankreich durch die Angelegenheit der Truppensendungen nach Ober- schlesien geraten ist, in folgender Form gefunden hat: England und Italien schließen sich dem Vorgehen der französischen Regierung an und fordern gemeinsam von der deutschen Regierung, alle Vorbereitungen zu tref­fen, für einen everltuellen Durchzug der französischen oder alliierten Truppenverstärkungen. Die Frage, ob Truppenverstärkungen nach Oberschlesien entsandt wer­den sollen, soll durch den Obersten Rat entschieden werden.

DerTemps" wird mäßiger.

** Die Freitag-Ausgabe desTemps" erklärt im Leit­artikel, der im Tone etwas mäßiger ist, als die Artikel der vorhergehenden Tage, daß die englische Regierung ihre Opposition in der Frage der Entsendung von Ver­stärkungen aufrecht erhalte, daß sie jedoch einen Bruch zwischen den Alliierten zu vermeiden suche. Dieser Wunsch bestehe auch in Frankreich.

Eine neue Note nach Berlin.

m Nach der Sitzung des französischen Ministerrates hatte der Ministerpräsident Br rm eine Unterredung j

Wtsdßuckj w w.^ TillsiMt E^^'Ä-L^^ gemeinsamer Schritt des frauzostschen, engitichen und italienischen Botschafters tu Berlin «reißen müsst, um sie deutsche Regierung aufzmordern, alle mr die Beför­derung von Truppen nach Oberschlesien notwendigen Maßnahmen zu treffen. Diese Befprechung wird den Inhalt einer neuen Note bilden.

Amerikas Haftnr-g-

^ DenTimes" zufolge wird der amerikauische Bot­schafter in London der Konferenz des Obersten Rates nur als Berater und nicht in offizieller Eigenschaft bei= wohnen.

Befürchtungen au der Seine.

m Die Schwenkung Italiens auf die Seite Englands in der oberschlefischen Frage wird m der- oM^llen u d diplomatischen Kreisen tit Paris W8 symptmnatnchftur die Stellung der italienischen Politik bezeichnet^-Man befürchtet in Paris, daß Italien und England sich auch rn der Orient- und Balkan-Politik finden könnten, und t>atz England seinen alten Plan, Frankreich hier tuceder in feine Ohnmachtsstellung hineinzndrangen, aufnehmer. werde. Die Beratnuge« in Paris.

^ Die für Freitag vormittag angesetzte Sitzung des französischen Riinisterratcs wurde wegen verdateten Eintreffens von Briand vertagt. Jn^er dann angeKtz- teu Zweiten Sitzung berichtete Bnaud über die Bespre- SiKa S" Mllm« BMWter MUc und TCW M cHsIuck-u hie Art und Weise bekannt, in der er de, englgchen Regierung zu antworten gedenke. L^^Eemat hat die Note des Ministerprandenten Bimud gebilligt.

An die Bevölkerung Oberfchlesteus!

m Amtlich wird bekannt gegeben: Angesichts der Hor- annahenden Entscheidnns über bas Schicksal Ober,chft- stens bat die Reichsregierung beschlosimr, die Bevölke­rung Oberschlesiens zu bitten, saß auch weiterhin die bisher aeübte stnrückhaltrtng aufzuertegen, nm^zu tbiem Teile dazu beizutragen, daß eine gerechte Eiit,cheidnng erfolgen kann.

Eine verbotene Samwluug-

x ~ ei französische Delegierte für die Provinz Nheiu- Hesfen verbot in sämtlichen Kasiechänseru die vo.geie-

Gegen die Neutralisier nug Oberschlesieuo.

w Ueber den Eutenteplau, das vberichstsische Jiidu- striegebiet vorläufig weiter durch den .Oberen Rat m- masten xn saiiett herrscht in den Jndnsirstkie.stu Over- schlesteus folgende Ansicht vor: . U^. breutraWerung Oberschlesieris ist nicht zu verwirklichen. Das wurde eine Verewigung der ivzialen und natw- alen Mn^ in Oberschlesien bedeuten, zumal dann, wenn von der französischen Besatzung die Staatsautorftat in der Weste ivie bisher ausgeübt wird. Die ^uunzmen haben sich ta - sächlich als unfähig errviesen, das oöerschleftiche Jstdu- striegebiet zil verwalten. Die Industriebetriebe seien den schwersten Erschütterungen ausge etzt. Eine mehr- 1 jährige Unterstellung Oberschlesiens unter die Aufsicht der

Alliierten würde genau so zur Verelendung Oberschle- siens führen, wie eine ZUteilurig an Polen. Die Folgen würden sich in ganz Europa fühlbar machen.

Die Sachverstaudigenkommisfio».

m> Gens. Havas meldet: Der erste Berbandlungsia» der Sachverständigenkommission stellte fest, daß die Kom­mission lediglich die Grundlage vorbereiten soll für eine Entscheidung durch den alliierten Rat. Beschlüsse feiert nicht in Aussicht genommen worden. Havas zufolge fft die Dauer der Konferenz bis zum 10. August vorgesehen. Weiter wird über die Konferenz der Sachverständigen- kommission von demEcho de Paris" gemeldet, daß 38 Delegierte zu der Sitzung erschienen waren. Frankreich hatte 13, England 14 und Italien 12 Vertreter entsandt. Die Konferenz ist in die Beratung der vorliegenden An­träge eingetreten.

Die Verstärkungen marschbereit.

m Genf. In derHumanitee" wird erklärt, daß eine in Naney l'-egende Division den Befehl erhalten habe, sich marschbereit zu halten. In der Division wird seft dem 5. Juli kein Urlaub mehr erteilt. DerHuma­nitee" zufolge ist die mobilisierte Division für Ober­schlesien bestimmt.

Fach lehnt die Verantwortung ab.

m Rotterdam.Daily Erpreß" meldet, daß Mar schall Fach in einer Erklärung an den alliierten Botschafter» rat die militärische Verantwortung für Oberschleuen ab» lehnte, wenn die Forderung der Truppenverstärkungen in den Garnisonen in Oberschlesien nicht unverzüglich geprüft und eine Zustimmung erteilt werde.

Eine neue deutsche Rote.

m Berlin. tF. G. A.) Die deutsche Oeffentlichkeit ist wieder einmal in die unangenehme Situation versetzt, auf dem Umwege über die fratt-öfische Presse zu er­fahren, daß eine neue deutsche Rote dem frcnrzösi scheu Botschafter in Berlin am Donnerstag überreicht wurde. DerTemps" berichtet über diese Note, deren höflichen Ton man gern anerkenne, die deutsche Regierung be­tone, sie wünsche die Frage der Entsendung von Trup- penverstärkungen nicht ausschließlich vom juristischen Standvunkt zu betrachten. Da der Oberste Rat doch bald zusammenttete, sei die deutsche Regierung gewillt, die Beschlüsse anzunehmen. DerTemps" erklärt da­zu, daß diese deutsche Note eine Entscheidung des Ober­sten Rates erleichtern werde.

Die de«ftch-fram»vsftchev LervauLlnnge«.

uvuaM-'k'ru -oriüMb-tt^'0,u. iiiu-wn;^.'.»»" iwer die Wiederaufbaufrage wird m Berlin l^c me lom wende Woche erwartet. Die noch HrUttncn ^agenbe^ treffen die Festsetzung der Grundpreise für ^e deutschen SachlieferuNgen. Es ist wahrscheinlich, das Siaatssekr^ tüv Guggenheimer vor Unterzeichnung des Abkommens noch einmal nach Berlin zurückkehren wird.

Wriauds Einhettssorucel.

H Paris. (F. G. A.i In seiner zweiten Be>ore- chung mit dem englischen Botschafter tellte Brmnd nach demPetit Parisicu" mit, daß die französische Regie­rung eine neue Note an die en^ische Regierung bemnd habe, in der die englische Note Punkt rat P"nki bemw wortet wird. Briand teilte dem englischen Bot'chatter dann noch eine Einigungsformel mit, die der Botschaf- ter noch am selben Tage nach London weitergegeben hast Man hofft auf dieser Grundlage eine Einigung zu erzielen.

Reue Gelreide-SredUe.

Ueber den Abschluß eines Getreide-Finanziermrgs- vertrages mit einer Gruppe englischer Banken aber 3 Millionen Pfund Sterling ist vor kurzem bereits berich­tet worden. Obwohl der Bedarf an aus taudnch-w Ge- treibe für die ersten Monate des neuen Wirtichairsiah- res so gut wie gedeckt ist und die Inwndsernte erwar­ten läßt, daß größere Mengen Aus [anbogetreibe en nächster Zeit nicht mehr angekanft werden, und doch weitere Kreditmöglichkeiten gesichert worden, um eme Inanspruchnahme des Devisenmarktes für Getr^ne- käuse gegebenenfalls zu vermeiden.

Durch die Vermittlung des Bankhauns M. Marburg u. Co. in Hamburg ist mit einer unter Fuh- nntg des International Acceptance Bank und der L^ kers Trust Company in Neuyork stehenden amer,raui- sche» Bankengruppe ein Kreditvertrag abgescklo,,en wor­den, über den in ben letzten Lagen i$on Meldungen durch die Presse gegangen sind An ".e,em Kreditge­schäft ist besonders bemerkenswert, dan zum ersten Male eine Gruppe der führendeu am Accevtkredktge,cha,te be- teiliaten amerikanischen Baukinstitttte bei einem inter­nationalen Nembourskreditgeichaft wiuw n -, M Grund dieses Kreditvertrages kvnnen. mlls weiter. Ge­treidekäufe notwendig würden, monatlich bentutmi- Ge- treidemengen angekauft wer dem Enr weiterer Kr^.ft- vertraa ist mit einem hollandftchc» Hause über 20 -VttL- Honen Gulden und mit einer dänischen Bank Loer 20 Millionen dänischer Kronen ebge,chloffen worden.

Die neuen Steuern.

w Das Reichskabinett beschäftigte sich in seiner Frei- taasitzuna mit den neuen Stenervorlagen. Man cinigte sich auf eine Bermögensznn'achSsteuer, eine Z«- wachssteuer aus Kriegsgewinnen und auf enw «man- -erung des Umsatz- und Stempelabgabc«gc,etzes Die Vorlagen des Reichsmirtschastsministers Robert ^a^^b^ kamen nicht zur Sprache. Am.Sonnabend Mtt das Reichskabinett zu einer neuen Sitzung zusammen.