Hersfelöer Tageblatt
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Nr. 163
Freitag, den 15» Juli
19-41
U Das oderschleflsche Problem, f Sieben Tcilnngspläne.
Sieben Teilungspläne zeugen von dem Kopfzerbrechen, das die oberschlesische Frage den Alliierten bereitet. Man mochte gar zu gerne auf alle Art und Weise den Polen einen möglichst großen Teil oder gar das ganze Industriegebiet. zuschanzen, aber weil man selber titelt, daß dies unvereinbar ist, mit Recht und Billigkeit «ud daß das Industriegebiet bei Polen für die Weltwirtschaft doch so gut wie verloren ist, so kann man zu keinem endgültigen und keinem einstimmigen Eutschluß Kommen. Zuerst erschien die Korfantu-Linie, die unverschämteste von allen, die die ganze östliche Hälfte Ober- . stetesten Zuspruch. Dann kam die Le Rond-Linie, die mit geringen Abweichungen im nordivestlichen Teil der ersteren ziemlich gleichkam. Beide können heute so gut wie erledigt betrachtet werden. Die Engländer, die das wertvolle Industriegebiet bei den Polen nicht völlig zugrunde gehen lassen wollten, machterr den dritten Bor- Mag. Die sogenannte englische Linie trennt die Kreise Rybnrk, Pletz, Kattowitz und Teile der Kreise Beuthen, Tarnowitz und Lublinitz von Oberschlesien zugunsten der Polen ab. War diese Abtrennung schon unberech- trgt, so ging sie den Polen und Franzosen doch nicht weit genug. Graf Sforza unternahm die Vermittelung und schlug zwei neue Linien vor, die außer den südlichen Kreisen auch noch einen östlichen Streifen des übrigen Industriegebiets abteilten. Es wären dies beim ersten Vorschlag Teile der Kreise Ratibor, Hindenburg, Beuchen und Tarnowitz, sowie die ganzen. Kreise Kattowitz und Königshütte. Der zweite Borschlag gab Königshütte und Teile von Kattowitz und Beutherc an Deutschland, zurück. Dafür teilte er die Eisenbahnlinie Beu- then, Roseuberg, Praszka sowie das östlich hiervon gelegene Gebiet Polen zu. Diese beiden Pläne haben bis heute als die aussichtsreichsten gegolten. Jetzt sind die Franzosen plötzlich mit einem neuen Vorschlag ge- komnien.
Ein Plan, der von NecherungsseUe ausgeht, deckt sich im wesentlichen mit der zweiten Sforza-Linie. Es verbleiben danach Deutschland von dem Industriegebiet die Kreise Hindenburg, Königshütte und Kattowitz. Es wird behauptet, daß dieser Plan das endgültige Vro- §nmm der französischen Regierung nunmehr darftellt. u gleicher Zeit ist aber auch der folgende Plan aufgetaucht, an dem die Polen außer Rubuck, Pletz, Königs^ ergebnisses dahin geändert werden, daß Königshütte mit Tarnowitz ausgetauscht wird. Damit würde erreicht werden, daß jeder Staat nngesähr die Einwohnerzahl erhielte, die der Zahl der ihm zugefallenen Stimmen entspräche, nur daß natürlich Deutschland dabei 3000 Stimmen verloren gingen. Die tatsächliche Folge aber würde sein, daß von den sieben Jndustriekreisen, die ja den Kernpunkt der ganzen Frage bilden, Polen fünf erhalten würde, Deutschland also nur zwei.
Aus alleöem ersieht man auf den ersten Blick, daß -gar keine Berechttgung für irgendeine Teilung Oberschlesiens vorliegt, daß vielmehr eine solche erst künstlich geschaffen werden soll, um erstens den Polen will- sithrig zu sein und zweitens, um sich nicht allzu sehr dlostgestellt zu haben mit der Bestimmung einer Volks- abstnnmung in einem überwiegend deutschen Lande. Deutschland kann auf alle diese Winkelzüge und Versuche niemals eingeheu. Wir müssen verlangen, daß nach Recht und Billigkeit entschieden wird d. H., daß zum mindesten die bisherige Grenze Oberschlesiens in Zukunft die Grenze gegen Polen bilden wird.
»
Einigung über Oberschlesien?
•* Nach einem Telegramm aus London sind sich die Mitglieder des Oberste« Rates bereits über die ober- s ch l e s i s ch e F r a g e einig, sodaß die Sitzung des Obersten Rates am 17. Juli nur noch eine Formalität Sar- stelle« wird.
Die Säubernng von Kattowitz und Beuthe«.
** Die Engländer haben in den Kreisen Kattowitz und Beuthen mit einer großen Säuberungsaktion begonnen, die sich vor allen Dingen aus das Land erstreckt. In allen Dörfern wurde die Wasfeuabgabe bis zum 19. Juli ungeordnet Auf den Straßen und in deu umliegenden Wäldern herrscht ein außerordentlich reger englischer Patrouillenverkehr auf Rädern und auf mit Maschinengewehren besttickten Panzerautos. Wiederholt wurden diese englischen Sireiskommandos von den polnischen Banditen hinterrücks angeschosse«. Die Engländer haben bei Kattowitz vier Mann einer Bande, deren sie habhaft werden konnten, standrechtlich erschossen. Der Ansschank von Alkohol ist im ganzen englischen Besetzungsgebiet strengstens untersagt.
Rene Zusammenstöße in Oppeln.
w Mittwoch abend ist es in Oopelu ;n einem neuen Zusammenstoß zwischen Franzosen -und Flüchtlinge« gekommen. Die Franzosen Beliaumen, daß die Flüchtlinge auf dem Wege zum Bahnhöfe niiH.wmmen «olda- ten Schimpfwort Zugenrfen hasten. Acht Deutsche er- - litten Verletzungen, darunter drei schwerer Art.
Answeisung von Kattvrvitzer Polizisten
*8' Wie vom Kattowitzer Polizeivraildenteu nutgeieilt ■ wird, erhielten Mittwoch abend 08 Polizerbeamt einen ■ Ausweisungsbefehl der interalliierten Kommimon. Die Beamten haben bis zirm 15. Juli das Abstimmungsgebiet zu verlassen. Ein erheblicher Teil von ihnen ist " in Oberschlesien geboren. Gegen den Vertreter der so« ( zialdemvkraiischcn Partei im Zmolferausichuß, Cyrus, ist von der Interalliierte» Kommission wegen seines offenen Briefes betreffend die Beuthener Vorgänge,
während welcher der französische Major Mmrtalegre erschossen wurde, ein Strafverfahren eingeleitet worden.
General Höfer wieder in Coburg.
Der Leiter des deutschen Selbstschutzes in Ober- WWen,. General Höfer, ist nach Beendigung feiner Misswn in der bedrohten Provinz Mittwoch abend wieder nach seinem Wohnsitz in Cobnrg zurückgekehrt, wo er am Bahnhof von der Stadtvertretung und mehreren Bereinigungen empfangen wurde.
Worin die Franzosen schnell sind!
»* Die Ueberwachungskommission hat der deutschen Regterung die Forderung übermittelt nach Auslieferung der Waffen und der Ntunition, die dem deutschen Selbstschutz in Oberschlesien zur Verfügung gestellt waren.
Das kranke Polen.
*=♦* Berlin. Im polnischen Landtage verweigerten säst dreiviertel der Abgeordneten der Regierung die Minel zum Weiterleben, ein schlagender Beweis für die Lebensunfähigkeit des Polenretches.
Schiffer gegen Briand.
Reichsjustizminister Schiffer gab im Berliner Demokratischen Klub zu der Rede des französischen Ministerpräsidenten zu den Leipziger Prozessen eine Erklärung ab, in der er u. a. ausführte:
Die Reden des französischen Ministerpräsidenten enthielten in letzter Zeit in ganz auffallender Art gehäufte Angriffe gegen Deutschland. Nachdem das Rltimatnm nicht nur angenommen, sondern in wesentlichen Teilen schon erfüllt ist, ist wirklich nicht zu verstehen, was die ständig wiederkehrenden Angriffe auf die deutsche Regie-
_ , ;e auf die deutsche Regierung sonst bedeuten sollten, deren fester Wille zur Erfüllung der schweren Bedingungen des Ultimatums
selbst von französischer Seite nicht mehr bezweifelt wird. Allen diesen Angriffen gegenüber hat sich die deutsche Regierung die größte Reserve auferlegt, weil sie angesichts der gewaltigen realen Probleme, deren Lösung in Frage steht, es nicht für angemessen hielt, sich in eine unfruchtbare Polemik einzulassen. Jetzt aber hat Herr Briand in seinen jüngsten Aeußerungen die Grenzen überschritten, die unserer Zurückhaltung durch unsere Selbstachtung gezogen sind. Auf die Beleidigung, die er der deutschen Rechtspflege zugefügt hat. kann ich als
ich darf um so eher reden, als Ausübung des Richteramts nicht zusteht. Nach Zeitungsnachrichten hat Herr Briand die Leipziger Prozesse als einen Skandal, als eine Parodie der Gerechtigkeit, als ein Theaterstück, eine Komödie bezeichnet. Wenn diese Nachrichten zutreffen, so stehe Ich nicht an, ihm zu sagen, daß er in nicht zu verantwortlicher Weise mit der Ehre seiner Mitmenschen «mgegangc« ist. Die Ehre des Richters ist seine Unparteilichkeit. Herr Briand spricht sie dem höchsten deutschen Gerichtshöfe ab, wenn er behauptet, daß er ein Theaterstück aufgeführt, also ein abgekartetes Spiel getrieben habe,- eine Verdächtigung, die ohne den Schein eines Beweises in die Welt geschleudert worden ist.
Die Unparteilichkeit, Unabhängigkeit und strenge Sachlichkeit der deutschen Rechtsprechung insbesondere der des höchsten Gerichtshofs, das Ergebnis einer jahr- hundertelaugell Rechtsentwicklung ist in der Welt anerkannt, und ihr wohlerworbener Ruf wird durch die von der Presse mitgeteilte Anzweiflung des französischen Ministerpräsidenten uicht erschüttert werden. Wenn sie sich hier im Widerspruch zu der öffentlichen Meinung Frankreichs befindet, so möge Herr Briand' sich erinnern, wie oft diese öffentliche Meinung seines Landes sich im Widerspruch zu der eigenen Justiz befunden hat — in Prozessen, die gerade um deswillen eine gewisse geschichtliche Berühmtheit erlangt haben. Nur in einer Beziehung mag man mit Herrn Briand die Leipziger Prozesse als ein Theaterstück, ein Drama, freilich nicht eine Komödie, sondern eine Tragödie bezeichnen dürfe», nämlich iufofcru, als Deutschland allein seine Kriegsverbrecher zur Verantwortung zieht und sich nicht einmal auf die in der Liste aüfgefübrten Personen beschränkt, sondern, seinen Gesetzen gehorsam, jeden begründeten Verdacht von sich aus verfolgt. Dem kann Herr Briand abbelfen, wenn er diejenigen seiner Landsleute unter Anklage stellt, die chm als eines Kriegsver- brecheus verdächtig bezeichnet werden. Tut er es nicht, so möge er wenigstens darauf verzichten, durch seine Aeußerungen den Völkerhaß noch zu vermehren, der durch die prozessuale Aufwühlung einer traurigen und schreckensvollen Vergangenheit ohnedies stets aufs neue geschärt wird.
Naiherrau uud Loncheur einig?
Aus Paris wird gemeldet: Im Dtinisterium des Rennern fand unter dem Vor fit Loncheurs eine Sitzung statt, in der sich die Sachverständigen über die Wieder- anfbaunage ausgesprochen haben. Die Sitzung wird in unterrichteten Kreisen als eine Vorbereiuing zum Abschluß der deutsch-französischen Lierhandlungen in Paris bezeichnet. In allen Punkten soll eine Eivmiiliakeit er- zielt worden sein. Man hofft, daß bet der Zusammenkunft die beiden Wiederausbauminister Ratheuau und Loncheur in Wiesbaden eine befriedigende Lösung gefunden werden wird.
Dentsches Entgegenkommen in Paris.
** Das „Journal des DebatS" erfährt zu den Wtcder- autmachnngsverhandlunaen, daß die deutschen Vertreter über die finanziellen und praktischen Seiten der Repa-
rationsleistungen Vorschläge machten, die weu hinter den französischen Vorschlägen zurückliegen. Nachdem Frankreich efttf Annahme seiner Vorschläge bestand, schienen die Deutschen bereit zu fein, entgegenzukomme«. Es sei also mit einem Ersolg zu rechnen, der ein vim Frankreich gewitttschtes Resultat verbürge.
Die Pariser Verhandlungen erfolgreich?
•* Genf. Das „Journal" meldet aus Paris, daß die BfranBöfifteen Verhandlungen zu einem Erfolge haben, sie bedürfen nur «och der Ratifizier««- sie beiden Regierungen. — Staatssekretär Bergmann und Dr. Guggenheimer werden sich in den nächsten Tagen nach Berlin zurückbegeben, um die Reichsregierung Wer das Ergebnis der Sachverständigenbesprechungen und Wer das Abkommen zu unterrichten. tEs bleibt abzuwarten, wie diese „Erfolge" ausseheu. Die Red.)
Fort mit den Sauktione«!
o* Berti«. (B. V. Z.) Die deutsche Friedensgesellschaft hat zu der Sankttonsfrage eine Kundgebung beschlossen, in der die sofortige Aufhebung der Sanktionen gefordert wird.
Dentschtaud kau« warte«!
x Genf. Der „Matin" bestätigt die Londoner Meldung von der Vertagung der Konferenz des Obersten Rates und gibt weiter bekannt, daß nicht nur die oberschlesische Frage, sondern auch die Frage der Aufhebung der „Sanktionen" vertagt werden soll.
Ausgabe deutscher Schuldverschreibuuge«.
** Wie Havas meldet, ist die Ausgabe der von Deutschland dem Wiedergutmachungsausschuß übergebenen Schuldverschreibungen im Betrage von 12 Millionen Goldmark für den 1. August vorgesehen. Frankreich werde 6,4 Millionen übernehmen und in den freien Verkehr bringen.
Amerika und die Beschlagnahme.
** Aus Neuyork wird gemeldet, daß der Senatsans- fteuß mit allen gegen eine Stimme eine Resolution an« nahm, die die sofortige Freigabe der beschlagnahmten ausländischen Vermögen ausspricht.
Der zweite A-Vsolsprozetz.
Die Mittwochsitzuna beginnt mit der Vernehmung der deutsche« Zeugen. Als erster Zeuge wird der Ka na,? ^- '-■-“— ^—^ —“ “ »«.«^-r r.x —=—
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die Vermutung nahegelegen, daß das Schiff und Waffen führe und nur ein Lazarettschiff was von ErlglaW oft geschehen sei. Das engii sei mittschiffs getroffen worden. Als das U
die Untergangsstelle Zufuhr, habe man viele Menschen im Wasser gefunden, an der Untergangsstelle außerdem mehrere Boote und Wrackstücke. Die B
Reihe nach untersucht worden. Sarm 8 wieder abgeschwommen. Nachdem der 3-
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wieder abgeschwommen. Nachdem der Zeuge wieder in Las Innere des U-Boots gegangen war, habe er schießen gehört. Es sei nicht mehr viel über den Fall gesprochen worden, weil der Kommandant es nicht gewünscht habe.
Alsdann werden die Leumundszeugen des Ober- leutnants Bolde vernommen. Korvettenkapitän a. P. Dollmann ares Wetzlar kennt Boldt vom Linienschiff
„Großer Kurfürst" her und schildert ihn ebenso wie der Zeuge Kapitän z. S. a. D. Börker als einen äußerst pflichttreuen Offizier, der ein gutes Herz für die Unter«
gcbenen hatte.
Hierauf wird in der Vernehmung der Tatzcuge« sortgefahreil. Der Obermaschinisteumaat Ney aus Swinemünde ist auf dem U-Boot gefahren. Als nach der Torpedierung die Explosion auf dem sinkenden Schiffe erfolgte, bat er den Eindruck gehabt, daß diese Explosion aus Munitionsvorräte zurückzuführen fei. Das U-Boot sei dann vielfach audaewttecw um die Menschen, die im Wasser schwammen, nicht zu über«
der Torpedierring । Schiffe erfolgte, hat Explosion aus Mu
fahren. Früher hatte der Zeuge ausgesaat, die Rettungsboote seien durch Geschützfeuer vernichtet, worden. Heute erinnert sich der Zeuge dessen nicht mehr. Der Zeuge sagt dann: Was ich getan habe, das habe ich im Interesse und aus Liebe zum Vaterlande getan. Der Kommandant sagte, daß über den Borfall nichts zu sagen fein dürste.
Der Sachverständige Saalwächter gibt hierauf eine längere Schilderung über die Technik des U-Boot-An- griffes. Das übrige Personal, außer den Offizieren, höre nichts von den Kommandos. Dann äußerte sich der Sachverständige auch über den Mißbrauch der Lazarett- schisse durch die Eugländer. Es sei befohlen worden, hin und wieder einmal ein Lazarettschiff der Kontrolle halber anzuhalten, um den Beweis für den Mißbrauch der Lazarettschiffe zu erbringen.
Hierauf wird Kapitänleutnant Cromptiu aus Wetten an der Mosel vernommen. Er ist ein Schiffbrüchiger des zweiten Baralongfalles. Er bekundet, mit welcher Gleichgültigkeit und Lchadenfrende die Engländer die Schiffbrüchigen feines U-BooteS dem Meere ausgesetzt haben. Das Schiff, das eine N-Bootfalls war, fuhr unter amerikanischer Flagge. Die Engländer hatten gelacht und gejohlt, als er im Wasser die Hände hoch- gehoben und gerufen habe, daß er sich in englische Ge- sangenschaft vegcben wolle!
Der Zollbetriebsassistent Godan aus Saeffeleit ist auf demselben U-Boot gewesen und hat auch sinndenlang im Wasser gelegen, ehe er von dem Rettungsboot auf« gefischt wurde. Er gibt an, daß der Name des Dampfers verdeckt war. Der nochmals vorgerufeue Zeuge Eromv- ton erklärt hierauf mit Bestimmtheit, daß aus den englischen Aufstellungen sich ergebe, daß das Schiff, von dem H. 41 versenkt wurde, die „Baralong" war. Die