Hersfelöer Tageblatt
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Hersfel-er Kreisölstt^
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfel-
: Erscheint jeden Wochentag. ❖ der Bezugspreis W ; trägt im voraus zahlbar, für Hersfeld 7.50 Mark, i durch die Post bezogen 7.80 Mark, bei freier Zu- : stellung ins Baue. * druck und Verlag von Ludwig
Senfs Buchdruckern in Hersfeld. .-
Nr. 155
Mittwoch, den 6. Jnli
1981
Die Befreiung Oberschiesiens
ifc* Die letzte Zone in Oberschlesien mit Ausnahme der Grenzgebiete war Montag mittag von den Insurgenten geräumt. Nach Polen sind mehr als 20 ooo Insurgenten «nter Mitnahme von Waffen und Munition üb treten.
erge-
Der Rückzug des Selbstschutzes.
w Der deutsche Selbstschutz in Oberschlesien setzt seinen Rückzug entsprechend dem Räumungsabkommen fort. Delle der Verbände werden auf den großen Domänen bewaffnet zurückgelassen, besonders in der Gegend von Grotz-Strehlitz. Diese zurückgelassenen Kommandos sollen bewaffnet bleiben. Man befürchtet neue Schwie- rigkeiten.
Bevorstehende endgültige Entscheidung.
*4' Nach dem der Reichsregierung vorliegenden amtlichen Bericht der Botschafter in London und Paris soll die Entscheidung der Alliierten über Oberschlesien end- gültig auf der bevorstehenden Tagung des Obersten Rates fallen.
•* Entgegen anderslautenden Nachrichten wird aus London mitgeteilt, daß noch keine Aussicht dafür vorhanden sei, daß die oberschlesische Frage auf der Konferenz des Obersten Rates in Boulogne endgültig entschieden würde. Soweit sich die Dinge bis jetzt übersetzen ließen, müßte vor großem Optimismus gewarnt werden. Es habe den Anschein, daß man in englischen Kreisen entgegen der anfänglichen Haltung sich mehr einem Kompromiß zuneige, und zwar beginnt man hierfür den italienischen Vorschlag anzusehen, obwohl dieser keineswegs dem Abstimmungsergebnis gerecht wird und Polen unberechtigte Forderungen zuerkennt.
Plünderung von Eiscuvahnzügen,
perl, die die Hauptstraßen besetztes wurde die Ruhe wieder hergestellt.
Dar neue Steuerprogramm.
*4- Reichskanzler Wirth wird am Mittwoch oder Donnerstag nicht nur im Reichswirtschaftsrat, sondern auch im NeWstag das neue Steuerprogramm der Regierung in einer großen Siede entwickeln.
•* Wie die „P. P. N." melden, soll der deutschnationale Abgeordnete Helffertch beabsichtigen, noch vor den Reichstagsferien im Plenum von der Reichsregierung eine Erklärung über den gesamten Plan der Steuerentwürfe zur Erfüllung des Mtimatums zu erzwingen.
cke von Steuer-
Helfferich wird die verschiedenen BruchsMl Plänen, die bisher in die Öffentlichkeit gc.....„. die seiner Ansicht nach einander widersprechen, sowie die verschiedenen programmatischen Reden des Reichskanzlers Dr. Wirth aufs schärfste kritisieren, um dadurch den Reichskanzler herauszuforden, zu seiner Rechtfertigung mit den gesamten Steuerplänen im Plenum hervorzu- treten. Falls das Vorgehen Helfferichs in die Länge gezogen und eine Generaldiskussion in der Steuerfrage Herbeigeführt würde, dürfte die Vertagung des Reichstages verschoben werden.
gelangt sind und
*4. Der Eisenbahnverkehr von Gleiwitz nach Kattowitz und von Gleiwitz nach Rybnik ist wieder unterbunden, ebenso der Verkehr von Ratibor nach Rybnik. Die Züge werden von Banden angehalten, durchsucht und ausgeplündert. Montag wurde aus der Strecke von Ratibor nach Rybnik bei Summin ein Zug angehalten und ge-
' «Hen.
plündert. Er mußte Kehrt nun
Fortdauernde Unsicherheit.
Der Haus- und Grundbesitzerverein Beutheu verlangt in einer Eingabe an die interalliierten Behörden reienmtFdk^ diTSer^StaR ^n’bWN^
Millionen gehender Schaden an Gebäuden entstanden ist, und auf Grund der Tötung und Verletzung friedlicher Bürger und Einwohner, daß die Letzlesche Ztegele: und die Halde an der Rokokogrube gesäubert, die dort eingebauten Maschinengewehre entfernt und daß ferner die Reinetzgrube und der Bahndamm militärisch besetzt werden.
Greueltaten der Insurgenten.
In Laurahütte, Friedenshütte und Godullahütte lassen sich die Jusurgeuen neuerdings schwere Mitzhaud- lungen gegen die deutschen Beamten zuschulden kommen. An den Hüttenbeamten Chlubek in Laurahütte trat ein Arbeiter mit dem Ersuchen heran, ihn in den Betrieb ein zustellen; er konnte aber wegen Arbeitsman- aels nicht angenommen werden. Darauf kehrte der Mann mit 26 Insurgenten zurück und holte Chlubek mit etwa 20 anderen Beamten aus dem Werk heraus, die sämtlich mit Gummiknüppeln in schwerster Weise mißhandelt wurden. Drei Beamte mußten sofort ins Lazarett geschafft werden. Die übrigen flüchteten nach Kattowitz. Auch der größte Teil der höheren Judu- striebeauuen in Friedenshütte und Godullahütte mußte vor den Mißhandlungen der Insurgenten flüchten.
Spenden für Oberschlesien.
Reichspräsident Ebert hat für das oberschlesische Hilfswerk 14 Million Mark gespendet. Ferner stifteten die Deutsche Bank, die Dresdner Bank und die Diskonto-Gesellschaft je 1 Million Mark, die Darmstüdier Bank 600 ooo Mark.
Brotmangel im Kreise Kattowitz.
In mehreren Orten des Kreises Kattowitz herrscht starker Mangel an Brotmehl. Auf die Karten wird vielfach nur die Hälfte der früheren Mehlmenge aus- gegeben. Ein Brot kostet 40 Mark.
Unerhörte französische Aedergriffe.
»* Areslau. (B. T.) Beim Einzug der Enteutetrup- pen in Beutheu haben sich bedauerliche Zwischenfälle ereignet. Als die Engländer durch die Friedrichstraße zogen, brachen die Bewohner, die jetzt nach sieben Wochen von der Bedrängnis durch die Insurgenten und von den Schikanen der Franzosen befreit sind, in Juvelrufe aus und stimmten vaterländische Lieder an Darauf lchlng die französische Wache mit Kolben und Gumiikunppelu auf die Menge ein. Plötzlich fielen einige Schüsse, durch die mehrere Frauzoseu verletzt wurde», darunter ein französischer Major tödlich. Es ist noch nicht festgestellt, . von welcher Seite diese Schüsse kamen. Durch das rücksichtslose Vorgehen der französischen Soldaten tarnen mehrere deutsche Frauen ums Leben. Auf ein Haus, aus dem angeblich die Schüsse gefallen sein sollen, wurde ein regelrechtes Schnellfeuer mit Maschrucugewehren eröffnet. Das Haus, auf das etwa 1000 Schüsse abgegeben wurden, ist vollkommen demoliert worden. Die Franzosen nahmen 20 Bürger von Beutheu als Geyelu . fest, darunter die beiden Bürgermeister sowie den Vorsitzenden der deutsch-demokratischen Partei in Oberschle- siru ^Luttätsrat Dr. Bloch. Durch die englischen Trup-
Die Frage einer neuen Zwangsanleihe.
*4 Die Frage einer Zwangsanleihe ist vom Reichs- kabinett erneut ausgenommen worden. Ein Beschluß liegt noch nicht vor. Es ist jedoch ein neues Gutachten von dem Reichsbankpräsidenten eingefordert worden. Sie Fragnße des üeuWen Eigentums in fimeri^a.
Hill Botschafter in Berlin?
»-, Rotterdam. Reuter meldet aus Washington, daß im Weißen Hause bekannt gegeben wurde, Präsident Sarding werde am kommenden Donnerstag die Er«e»- unug Hills zum amerikanischen Botschafter in Berlin aussprechen. Die Freigabe des deutschen Vermögens in Amerika wird nicht vor dem 15. Juli erfolgen, da die gesetzgeberischen Maßnahmen nicht früher erledigt werden kör nen. Die Höhe der deutschen Guthaben in Amerika soll mehrere Milliarden Dollar betragen.
Das deutsche Eigentum in Amerika.
HM
Zu der Washingtmler Meldung, daß das oberste Bundesgericht die Zurückgabe des aus einer Million
deren Seite die Gerechtigkeit zum Durchbruch kommen und die Ehre Stengers auf der feindliche« Seite rmd i« der ganzen Welt wieder hergestellt werde.
Englands Eingreifen in Kleinasien.
** Die „Times" melden das Eingreifen Englands in Kleinasien. Weitere Kriegsschiffseinheiten der in Malta stationierten englischen Flotte begaben sich nach dem Osten.
Kämpfe in Kletuasie«.
o=*> Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die griechi«, schen Kriegsschiffe fahren fort, die Küste des Marmara-. meeres zu bombardieren. — Nachrichten von temakisti- scher Seite infolge sind bei Glchth mehrere griechische Bataillone umzingelt worden, die sich nach anfänglicher hartnäckiger Verteidigung ergeben mußten.
Griechische Erfolge?
o* Zürich. Der „Secolo" meldet aus Athen: Die Griechen haben Manisia und Berghama in Kleirrasie« eingenommen. Die Türken gehen in ihre Stellungen bei Passate zurück.
Griechenlands Werbung um Waffenbrüder.
** Das „Neue Wiener Tageblatt" meldet aus Bukarest: Die griechische Regierung hat Rumänien um Unterstützung im Konflikt mit den Kemalisten gebeten. Auch ein ähnliches Schreiben ist an die serbische Regierung nach Belgrad unterwegs.
Kriegsgefahrznstand in Konstantinopel.
♦4 Die „Times" melden aus Konstantinopel: Die englische Regierrrng hat auf Veranlassung der Kommandanten der alliierten Schiffe den Kriegsgefahrzustand in Konstantinopel proklamiert. Die kleinasiatischen Küsten- besestigungen sind von englischen Truppen besetzt.
Aktive Teilnahme Rußlands.
*>4 Ein Vertreter der „Morningpost" erfährt in Riga von zuverlässiger Seite, daß die Sowjetregierung die Festnahme sämtlicher in Sowjetrutzland befindlichen Griechen und Japaner mit Ausnahme der Kommunisten ungeordnet hat. Die Sowjetregierung beabsichtigt, eine aktive Haltung bei dem Kriege in Kleinasien einzu- nehmen.
Das engUsch-japanische Bündnis.
gens der rsrafln wr an diese angeori sprechen einige Blätter die Wartung arrs, daß der Unterzeichnung des Friedens sämtliches
Privateigentum zurückgegeben werde.
Die Angst des bösen Gewissens.
^ Nachdem der FriedenSzustand zwischeu
etzt nach deutsches
Deutsch-
land und Amerika wieder hergestellt ist, macht sich in Frankreich schon ein Mißtrauen bemerkbar. Nach dem Pariser „Temps" ist es für Frankreich von Interesse, zu erfahren, ob Amerika von den Grundlagen der Re- parations- und anderen wichtigen Bedingungen abweichen werde, auf denen der Versailler Vertrag beruhe. Deutschland, das eine Abenteuer- und militärische Re- vanchepolitik verfolge, würde dadurch ermutigt werden, und statt eines programmatischen und wohltuenden Friedens (!) würde man in Europa neuen Streitigkeiten ausgesetzt sein, auf die man sich vorbereiten müsse.
Verzicht Italiens auf das Bcschlagnahmerecht?
o* Wie wir erfahren, sind Behandlungen mit Italien eingeleitet worden, um einen Verzicht Italiens auf die sog. Beschlaguahmekiauscl 8 18 des Versailler Vertrages berbeizusühren. ,Das zurückgetretene Ministerium Giolitti hatte bereits wichtige Zusagen nach dieser Richtung dem deutschen Vertreter in Rom gegeben.
Japan verzichtet auf die Beschlagnahme.
Die japanische Regierung hat dem Auswärtigen Amt in Berlin davon Mitteilung gemacht, daß sie auch für den Fall, daß Deutschland vorsätzlich seinen Verpflichtungen nicht Nachkomme, nicht beabsichtige, auf Grund des § 18 der Anlage 2 zu Teil 8 des Versailler Friedensvertrages das Eigentum deutscher Staatsangehöriger mit Beschlag zu belegen. Dieser Verzicht bezieht sich auf alle deutschen Güter, die sich in Japan oder in den von ihm verwalteten Gebieten befinden und schließt ausdrücklich Bankkonten, sowie Waren, die sich an Bord japanischer Schiffe befinden oder in Konsignation nach Japan gesandt worden sind, ein.
Der Prozeß Skenger—Crufius.
x Im Prozeß Stenger-Crusius vor dem Reichsgericht ist Montag nachmittag m worden. Der Oberreit
sen
_____ _____________________.«tz seines auderthalbstündigen Plädoyers gegen den Angeklagten Major a. D. Crusins unter Zubilligung mildernder Umstände eine Gesamtstrafe von 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis. Gegen General Steuger, gegen den eine Anklage nicht erhoben, sondern das Verfahren nur auf Forderung der Entente durchgeführt worden ist, ist fein Strafanträg gestellt worden.
In feiner Verteidigungsrede führte Rechtsanwalt Lemkcb, der Verteidiger des Generals Stenger, aus, daß er in diesen Tagen eine große Anzahl von Briefen er- Imlten habe, in denen die schärfste Entrüstung über die t-kriegsbeschuldigtenprozesse ausgesprochen wurde. Für den Vorwurf der Verletzimg des Völkerrechts sei in diesem Prozeß kein Beweis erbracht worden. Der Verteidiger ist gespannt, ob nun endlich auch auf der an-
digung nicht erneuert zu werden braucht und antmüa- 'tiuh ein Jahr weiterläuft, hat wte ein Bombenichlag in der englischen Presse gewirkt. Man führt verschiedene Erklärungen für die Darlegungen des Lordkanzlers an,- der als Vorsitzender des Herrenhauses in Rechtssachen als höchste Instanz sprach. Die Erklärung ist nach den „Times" das unmittelbare Ergebnis der verwirrten Berichte in der großen Presse. In den Verhandlungen der Reichskonserenz, die völlig geheimgehalten werden, sind die Mcmungsverschiedeuheitc« innerhalb des britischen Reiches zu Tage getreten. Dadurch soll die Regierlrng in letzter Stunde zu diesem Schritt bewogen worden sein.
Finanzministerkonferenz in Berlin.
* 4 Berlin. (F. G. A.) Die Finanzurintster der Länder sind in Berlin zu einer Beratung über das neue Steuerprogramm zusammengetreten. Die Minister haben ihrer Ueberzeugung dahin Ausdruck gegeben, daß es notwendig sei, die kommenden neuen Steuern in einem Rahmengesetz zu verbinden, um zu verhindern, daß einzelne Steuern durch Wechsel der Mehrheit abgelehnt werden.
gjückttittsabstchteu Staatssekretär Bergmauus.
* 4 Berlin. (D. A.) Wie nunmehr amtlicherfeitb bestätigt wird, hat Staatssekretär Bergmann, der Vorsitzende der deutschen Kriegslastenkommisnon in Paris, in der Tat die Absicht, nach ^Beendigung der großen, ihm gegenwärtig obliegenden Aufgaben ans dem Staatsdienst auszuscheiden. Für diesen Fall ist seine Wahl in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank erfolgt.
Die Kricgsbeschuldigtenprozesse vor dem Obersten Rat.
* 4 Zürich. Wie die „Stampa" aus Paris meldet, wird sich der zum 14. Juli einberufeue Oberste Rat mit der Aburteilung der KriegSbeschuldigteu vor dem Leipziger Reichsgericht besassen.
Die Verabschiedung des Besolduugsgesetzes.
>4' Der Absicht des Reichstagspräsidenten Löbe, das! Besoldungsgesetz noch in der laufenden Woche zu erledigen, stellen sich neue Schwierigkeiten entgegen, derentwegen der Reichstag vielleicht länger als ursprünglich geplant zusammenbleiben dürfte.
*4 Die Schwierigkeiten in der Erledigung der Besol- dungSvorlage, auf deren baldige Verabschiedung die Regierung besteht, machen den Ferienbeginn des Reichstages ungewiß. Wahrscheinlich wird der Reiche-mg die erste Halste des Juli über noch zusammen bleiben.
Die Unersülibarkeit des Mtimatums.
Auf dem bemofraineben Parteitag der württember- gischen Landespartei in Stuttgart sprach Abg. Dr. Haas über Deutschlands Gegenwart und Zukunft und er- klärte, er gehöre zu denen, die seinerzeit gegen die Un terzeicbnnng des Ultimatums gestimmt haben. Schon heute zeige es sich, daß die Durchführung des Ultimatums auch vom Standpunkt der Entente aus unmöglich sei. Dr. Haas äußerte sich über die Lage Oderichlenens äußerst pessimistisch. Es käme auch da zu einem K mn- promitz der Ententestaaten auf Kosten Deutschlands, wodurch unsere jetzige Reichsregierung in eine äußerst schwierige Lage geraten würde.