Hersfelöer Tageblatt
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Hersfelöer KreLsblatt^
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Nr. 144
Donnerstag, den 23. Jnni
1321
Reine Befierung In 06er|iSlefien,
Die Insurgenten Herren der Lage.
x- Die allgemeine Lage in Oberschlesien ist die, daß sich die Insurgenten immer mehr als Herren der Lage fühle«. KorfmUy bestimmt jetzt bereits, daß die deutschen Orte polnische Ortsbezeichnungen annehmen. So
Die Nheinlandzokgrenze
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Der „Mattn" meldet, -atz die nach Berlin zu wei- Besprechungen mit den Deutschen abgereisten franken Sachverständigen sich vor ihrer Abreise zu dem :eter des „Matin" gegen die Freigabe der Rhei«-
zösischen Befreier des „________ ____
lau-zollgrenze erklärt haben.
wird die „EintrachMtte" Sgode genannt. Zum Sch^ spielen die Insurgenten eine Entwaffnungskomöl... In Nicolar hat der polnische Militärkommandeur die Insurgenten aufgefordert, innerhalb 24 Stunden ihre Waffen und Munition abzuliefern. Selbstverständlich denkt niemand daran, im Gegenteil, es wird nach wie
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>die.
vor von den Insurgenten die sogenannte Jnsurgen- tcrtstener von den Deuttchen unter Bedrohung mit den Waffen eingetrieben. Das gleiche gilt von dem sogenannten polnischen Rückzüge. Auch er wird lediglich vorgetäuscht. In Wahrheit werden die polnischen Truppen in Oberschlesien immer mehr verstärkt. Es sind neue polnische Truppen aus Kongretzpolen im Anmarsch, und es ist zu vermuten, daß die Polen eine feste Linie einnehmen werden, hinter die sie voraussichtlich auch gegenüber der Entente nicht zurückgehen werden. Wie die Entente vorgeht, besonders die Franzosen gegen die Deutschen, geht daraus hervor, daß der Leiter
wieder den Dienst aufzunehmen. nicht eine ausreichende Bewaffnui
iu Kattowitz, der französische Kapi- deuWen Apobeamten aufforderte, ren. Aber er gibt ihnen
Bewaffnung und will, ihnen le- vim«u incwiuct. öuviuißen, obwohl die polnischen Apo- Seamten, die ungehindert in den Straßen verkehren, mit Gewehren bewaffnet sind und die Bürger und die deutschen Apobeamten bedrohen. Der polnische Stadtkommandant des nördlichen Kattowitz hat mehrere deutsche Apobeamte verhaftet als Austauschgeiseln für verhaftete polnische Ilpobeamte.
LnljenMng einer kommWon nach OOorWfißtt
Kovfere«z deS Obersten Rates.
x Nach Pariser Blättermeldungen soll der Zusa mentritt des Obersten Rates voraussichtlich am 10. I in Bonlogne oder einem anderen Küstenort des Aermel- kanals erfolgen. Neben der Besprechung der Antwort Griechenlands wird sich der Oberste Rat mit der ober- schlesischen Frage beschäftigen.
am-
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Die Entente «nd die Erwerbslosennvterftützttng.
w Der „Temps" meldet, daß die alliierte Kontrollkommission gegen die jetzige Höhe der Erwerbslosenunterstützung in Deutschland sei, da die UMerstützung doppelt so hoch sei als in den Ententeländern, wo ein Teil der Unterstützung von den Gewerkschaften getragen werde. Vor der Abreise der französischen Mitglieder der Kontrollkommission fand eine Sitzung im Wiederaufbauministerium statt, der auch der französische Finanzminister und der Vorsitzende des Kammerausschusses beiwohnten.
Poiucaree der Unversöhnliche.
x Im Ausschutz des französischen Senats hat am ^Montag poiucaree seinen Antrag begründet, der von der französischen Regierung die Garantie verlangt, weitere Abänderungen des Bersailler Vertrages gegen Deutschland nicfU zuzulassen. Trotz des Einspruchs des Regierungsvertreters beschloß der Ausschuß des Senats. in die Besprechung des Antrages einzutreten. Aus der Rede Poincarees weiß der „Matin" mitzuteilen, daß > er scharfe Angriffe gegen England erhoben und ein ungeteiltes Oberschlesien für Polen gefordert hat.
X' Berlin. Die Reichsregierung trat ant Dienstag mit den Koalitionsparteien in Verbindung um über die yherschlesische Frage zu beraten. Wie verlautet, ist ein Einvernehmen erzielt worden. Weiter wurde beschlossen, allerschnellstens eine parlamentarische Koinmisston nach Oberschlesien zu entsenden, welche die Aufgabe hatte, sich sofort mit General Höfer in Berbiudstug zu
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drohenden Komplikationen zu ttermeiben. Nachdem ursprünglich beabsichtigt war, diese Kommission schon am Dienstag abreisen zu lassen, ist die Abreue auf Mittwoch verschoben worden, da über die Persönlichkeiten, die daran teilnehmen sollen, noch keine völlige Einigung erzielt worden war. Von den drei Koalitionsparteien soll je ein Vertreter entsandt werden. Für Mittwoch ist ein Empfang der Parteiführer beim Reichskanzler vorgesehen, der sich mit der Räumungsfrage Oberschleiietks und mit der endgültigen Zusammensetzung der erwähnten Delegation beschäftigen soll.
Rene Ententevorstellungen in Berlin.
x Berli«. Der französische Botschafter in Berlin, Laurent, erschien nach der Sitzung des Kabinettsrates beim Außenminister Dr. Rosen, nm mit ihm über die oberschlesische Frage Rücksprache zu nehmen. Wie wir hören, Hai der französische Botschafter bei dieser „Gelegenheit die deutsche Regierung ansgefordert, daß ne mit ihren ganzen Machtmitteln aus General Höfer entmin ken solle, daß er sich den Wünschen der Jnteralluerten Kommission in Oppeln füge. Wie wir erfahren, sind auch englische Vorstellungen in dieser Augelegeuhetc erfolgt.
Neue Dentscheu-BerfolguttSe» in Bromberg.
x Dauzig. (V. Z.) Die „Danziger Zeitung" meldet, daß es am Dienstag in Bromberg zu schwere« A«sschreit«nge» gegen Sie ansässige« Deutschen gekommen ist und zahlreiche gäben geplündert worden stud. Deutsche Bürger sollen dabei schwer untzhandett, verwundet und beraubt worden sein. Die Unruhen rühren von Elementen her, die aus Kongretzpolen gekommen waren. Es sind zahlreiche Verhaftungen erfolgt. Die Zeitungen sind nicht über die Grenze gekommen.
Drei Milliarden Schäden des Aufstandes.
X' Die Schäden, die durch den polnischen Aufstand entstanden sind, werden nach amtlichen Feststellungen der Handelskammern beretts auf drei Millrarden Mark ge- Mätzt. Sie belaufen sich im Industriegebiet täglich aus 20 bis 30 Millionen Mark.
Rene grauenvolle Mordtat der Polen.
X. In der Nacht zum 19. Juni wurden auf der Chaussee nach Tarnowitz von den Jnsui-qeuten zwei imiae Deutsche int Aexten ermordet. Die schrecklich verstümmelten Leichen würben in das Gleiwitzer Mrattfen= 8 gebracht, wo sich die Gleiwitzer Unterfud)uu9ö= kommission von dem Tatbestands überzeugte.
Wie dem „Lok.-Anz." erneut aus Beutheu gemeldet wird, nageln die Polen die verwundeten Gefangenen an die Schennentüreit und Bäume, indem ye ihnen Nagel burd) Füße und Hände und Holzspäne unter den Fingernagel treiben.
100 Millionen für die Obcrscktesicr.
Nack Ntttteilungsu der Blätter hat die Neichsregie- runa zur Linderung der dringendsten Not in Obcrschle-
• MlM M?llionen Mark zur Verfügung stritt die burch einen besonderen StaatSfommtffar an die vedürft tiS SreWe der in deutscher Hand befindlichen Geb-ele OöersHlesiens verteilt werden sollen.
Der Bölkcrbulld her Siegerstaaten.
Der Bnlkerüuttd stimmte irr geheimer Sitzung, in der die Proteste der deutschen Regierung betreffend An- nresenheit französischer Truppen und die Gerichtsbarkeit französischer Gerichte im Saargebiet sowie die Ausweisungen nub die Einführung der Frankenwährung im öffentlichen Dienst des Saarbeckens behandelt wurden, den Ausführungen des Präsidenten der Regierungskommission des Saargebietes, Raould, zu. Präsident Raould suchte die deutschen MMM u. a. durch KriegSgerichte durch ein Dekret eingeschränkt werden und daß die Auswetsimgen zum Teil wieder zurückgezogen ivüröeru In einer Erklärung vor Vertretern der Presse suchte Präsident Raould die Amvesenhert französischer Truppen damit zu rechtfertigen, daß diese Garnisontruppen seien und daß die vmi der deutschen Regierung geforderte örtliche Gendarmerie für das Budget zu kostspielig sei.
Entlassung des Jahrgangs 1919 in Frankreich, x Der französische Ministerrat, der am Dienstag in Paris slattiand, hat die Entlassung des Jahrgangs 1919 beschlossen. Mit der Entlassung soll am 25. Juni begonnen werden.
Die Vernichtung der deutsche» Luftschiffahrt.
»- Berlin. iB. Z.) Die Botschafterkonferenz bar am 18. Juni eine Entscheidung über die deutsche Lltttfahr- zeuqiudustrie getroffen. Danach muß Sie öcutube Re- gierung in kürzester Frist das gesamte Lnftfahrmatertal beschlagnahmen und der Ittteralliierten Kommission avsliefern. Dieses Material soll in zwei Gruppen geteilt werden. Das militärische Gerät wird ausgeliesert, ebenso das zivile Gerät. Doch werden von den Ententemächten nur (!) 25 Prozent einbehalten. Der Rest soll an Tentschlaitd zuriickgegeben- werden.
Die britische Neichsboliferenz.
Lloyd George sagte in seiner Rede ans der ReichS- kvnserenz weiter: Die Nationen und die Völker der Welt hätten ihre gegenseitige Abhüngigkett in weit größerem Maße als je uor dem Kriege eingesessen, und der Völkerbund stehe als Zeuge für die Verwirklichung dieser Wahrheit. Es können keine Borschläge für die Wiederherstellung Europas und für einen dauernden Frieden aemachr werden, es fei denn auf der Grundlage der Annahme des Friedensvertrages oder einer Erzwingung der Verträge. Hier und dort könnten infolge neuer Verhältnisse mit Zustimmung aller Parteien Erleichterungen getroffen werden. Derartige Zu- geständüisse seien vorgekommen, und seiner Ansicht nack seien noch andere im Zuge. Wenn er glaube, daß die Verträge nicht aufrecht erhalten werden, so werde die Aera der Unordnung, der wachsenden Not und des Krieges fort dauern und die Zivilisation könne sehr leicht durch die Fortdauer solcher Berhältnifie zerstört werden. Bezüglich des Bündnisses nwifdteu England nnö Japan sagte der Premierminister: Wir wumchen diese wodlerproble Fremidschaft beizubehalten und auf die Lösung aller Fragen im fernen Osten anzuwenaen, wo Japan besondere Interessen hat und wir ebenw wie die Vereinigten Staaten reiche Möglichkeiten nns offene Tür wirnschen. Es kann der Welt kein größeres Unglück widerfahren, als eine weitere Veriätarmna in der Scheidung der Welt nach Westen. Das treundnnaft- lrcke Znsammenwirke« mit den Vereinigten Staaten >. für nno ein iTarbiualgruttbfaß. Wir wünschen mit der grössten Republik in allen Teilen der Welt zu,amuien- zuwirken. Wir sind bereit, mit den amerikanncken Staatsmännern jeden Borschlag ytr Heratsetznug der Rüstungen zu erörtern, den sie vorzubringen wun- schen, und wir können uns verpflichten, daß keirterlet
solche Vorschläge einen Mangel an wnrfleBeittptnntar und Bereitschaft auf unserer Seite finden werden I» dessen verkenne ich nicht, daß die Macht $«t See «»M weudigermeise die Grundlage des gesamten Bestandes des Reiches bedeutet. Wir müssen daher die Maßnah< nren in Berracht ziehen, die unsere Sicherheu erfordert Mehr wollen wir nicht, können jedoch auch nicht mir weniger zufrieden sein.
Ablehnung des Mißtrauensvotums gegen Wirth, j x Berlin. «F. Z.) Das Pkitztrauensvotum »e* Deutschnationalen im Reichstage gegen den Reickskanz-. ler Wirth wegen feiner Festhalten rg an der Ergän-.' zungsprüfung für Sekretäre wurde mit 210 gegen 87s Stimmen bei 45 Stimmenthaltungen abgelehnt. Dafür stimmten nur die Deutschnationalen und die Kom- munisten. Die Deutsche Volkspartei enthielt sich se* Absttmmung. Die Borlage über die Erhebung eurer; Abgabe zur Förderung der Wohnungsbauten wur-e in der dritten Lesung bei der Gesamtabstimmung gegen die Kommunisten angenommen.
Forderung nach freier Getreide- «ud Zuckerwirtsckafc. x Der deutsche Landwirtschaftsrat forderte auf seiner Tagung in Dresden die völlig freie Wirtschaft für Getreide und Zucker spätestens für das Jahr 1922 und betiimpfte alle Sozmlisierungsbestrebungen in der Landwirtschaft.
Die Entwaffnnug in Bayern.
x Der Ententeüberwachungskounnission ist am 20. Juni gemeldet worden, daß bisher in Bayern abgegeben sind: 10 734 Handfeuerwaffen, 1007 Maschinengewehre, 29 Geschütze und 130 000 Schuß Munition. Die Entfestigung in Ostpreußen ist bis zum 20. Juni nur erst zum dritten Teil durchgeführt.
Der neue Pressechef der Reichsregierusg.
x Der neue Pressechef der Reichsregierung, Mini-, sterialdirektor Oskar Müller, stellte sich den in Berlin anwesenden Vertretern der airsländischen Presse vor und wurde durch den scheidenden ehemaligen Pressechef, Ministerialdirektor Heilbronn, der sich bei dieser Gelegenheit von den Pressevertretern verabschiedete, einge- führt. Müller hielt eine kurze Ansprache, in der er sagte, er betrachte es als feine Aufgabe, versöhnend z« wirken.
i Die holländische Kabinettskrise.
beiden Minister, deren Stellung am meisten erschüttert ist, der Kriegs- und der Finanzminister, aus dem Ministerium ausscheiden.
Ultimatum Moskaus an England.
x Kopenhagen. Wie die Kopenhagener „Berlisske Tidände" berichtet, ist am Dienstag eine russische Be- ichwerdenote an die englische Regierung gelangt, worin die Freilassung der in Irland gefangenen russische« Bolschewisten innerhalb fünf Tagen verlangt wird, andernfalls will die bolschewistische Regierung zu Gegcn- matzreqeln greifen.
Der griechisch-türkische Krieg.
»- Die „Daily Mail" meldet aus Athen, daß die griechische Regierung eine militärische Aktion in Kleinasien vorbereitet hat. Die griechische Regierung fei entschlossen, sich durch keine Interpellation, die die begonnene Offensive verzögern könnte, abhalten zu lassen.
Der Streit in England.
x Ueber die Arbeiterkrise in England sprach Llov- George im Unterhause. LtoyS George sagte, daß alle Arbeiter, die arbeiten wollten, des Schutzes der Regierung sicher sein könnten. In den Bergwerksdistrikten ist man aber der Ansicht, daß nicht damit gerechnet wer- bett kann, daß viele Arbeiter in die Bergwerke zurückkehren wollen. Am Dienstag bar ein Ministerrat im Unterhause stattgefunden, der sich mit der Arbeiterfrage befaßt hat. Die „Times" meldeu, daß innerhalb des Kabinetts Schwierigkeiten bezüglich der in Irland zu befolgenden Politik bestehen. In Wales und keine Anzeichen für die Wiederaufnahme der Arbeit in den Bergwerken vorhanden. In vielen Fällen ist die Polizei um Schutz von Arbeitswilligen angerissen worden.
Der russische Banernaufruhr.
„Berlingske Tidende" wird aus Helsingfors telegraphiert: Nachrichten aus Rußland besagten, daß der Banernaunmhr im östlichen Rußland eine ernstliche Wendung genommen hat. Die Sowjetregiernng hat sich gezwungen gesehen, bedeutende Truppentransporte don» hin abzusenden. General Swintjin bat den Oberbefehl über sämtliche 5nippen zur Unterdrückung des Aufruhrs übernommen. Aus Moskau wird berichtet, daß alle Studenten den Befehl erhalten haben, die Stadt sofort zu verlassen und sie vor dem 15. September nicht wieder zu betreten. Der Befehl wird amtlich mit dem herrschenden Lebensm tielmangel begründet. Der wirkliche Grund soll jedoch in der unter den Studenten bestehenden Gärung zu sticken sein.
Allerlei vom Tage.
x 31t Köln sind 2200 Schulkinder von der Hnnibolöt- kolonie auf Beschluß des Elternbeirares in den Streit Getreten als Protest gegen die Eittrickiung von Sammel- klasien in den Schulen. Die Erregung der Eltern ist groß.
x Der banerische Ministerpräsident von Kabr ersinne sich zur Beantwvrtnirg der Iriterpellanoir der ^Unabhängigen bereit und wird am Mittwoch in der Sitzung des Landtages über das Thema sprechen. ,
x Der seutsch-öfterreickische Gesandre von Riedel wird sich Ende dieser Woche nach Berlin begehen, um sein Amt zu überuehmen.