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KersMer Tageblatt

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Nr. 142

Dienstar, den 21. Juni

1921

Angara und OLerschleflen

f Ende voriger Woche sind Lord ^ »rzon und Briand ganz unerwartet in Paris zusammengekommen, um eine wichtige Aussprache zu pflegem Sie galt Ribit= verstau Blieb auswärtigen Fragen. Den Orrent und - Cb'rXjieüen betrafen sie. Seit langem schon ist Klein-

Wteiy >in heißer Boden für England und Frankreich ge­wogen. Mustapha Kemal hat sich doch nicht so leicht abtun lassen, als die Engländer glaubten, und die kleine Republik Angora, die gerade von London aus anfangs - so verächtlich über die Achsel angesehen wurde, ist zum

Machtfaltor in der englisch-französische» auswärtigen Politik geworden. Aber auch Oberschlesien, das an­fangs nur eine rein polnisch-deutsche Angelegenheit zu sein schien und im Grunde genommen nur Line deutsche AngKaeEit ist, ist zur internationalen politischen Frage geworden. Griechenland, das sich England als Klopssechter gegen die Kemalisten ausersehen hatte, hat in dem kleinasiatischen Duell bedeutende Abfuhren er­sten Arade in dieser heiklen Orientfrage gehen die Wege Frankreichs und Englands diametral auseinan­der. Es galt daher bei der Zusammenkunft der beiden Außenminister wenigstens diesen einen Gntenteriß nach bester Möglichkeit zu verkleistern. Die zweite wichtige Frage, "die bei ihrer Pariser Beratung Curzon und Briand, wenn auch nicht zu lösen, so doch kritisch zu be­leuchten hatten, war die oberschlestsche Wenn auch om- ziell in Pariser und Londoner Blattern die kleinaua- tische Frage, an der ja auch Italien mit interessiert ist und deshalb auch der italienische Botschafter in Paris mit zu den Beratungen hinzugezogen worden war, Wichtigste in den Vordergrund geschoben wurde, so war, so sehr man es auch in London und Parrs zu ver­schleiern suchte, doch auch die oberschlestsche Frage von gleicher Wichtigkeit, imd auch da war die Anwesenheit des italienischen Botschafters durchaus nicht eme neben­sächliche. Es heißt, daß die Entente tn der oberschle- sischen Frage wieder einmal zu der ^Formel des Gra­fen Sforza zurückgegriffen hätte. Nun, diese Formel ist ja genugsam bekannt. Sforza soll die beste Lösung der oberfchlesischen Frage darin sehen, daß der grollte

it, Las an-

Teil des Industriegebietes m votmime ^mwrontwvu soll. England, das anfangs gegen dieseFormel war, ' soll jetzt, wie französische Blatter mit Genugtuung feit-

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sianden, seitdem es durch

Die Not Oberfchlesieus.

Manchester Guardian" veröffentlicht einen aus­führlichen Bericht aus Hindenburg in Oberschlesien über den fortschreitenden Ruin -er Provinz unter der Herr­schaft der Insurgenten. Die Insurgenten-Regierung hat die Männer überall gegen ihren Willen zum Kampfe gezwungen. Oberschlesien, das bisher reichlich mit un- ratiunterten Lebensmitteln versorgt war, ist jetzt weit schlimmer daran als Deutschland. Der polnische Auf- stand hat die Provinz von ihren Versorgungsmittel­punkten losgelöst. Die 10prozenttge Lohnsteuer ist ern vollkommener Mißerfolg und die wrrtsKartliche Abhän­gigkeit Oberfchlesiens von Deutschland wird schlagend er- wiesem 8n Myslowttz haben die polnischen Jnfurgen- tenführer jede Kontrolle verloren. Der polnische Kom­mandant kann sich auf derr Straßen nicht zeigen, ohne fein Leben aufs Spiel zu setzen. Trotz aller dieser An­zeichen hält derManchester Guardian" es noch für zu früB, von einer Erhebung innerhalb des Aufstandes zu sprechen. Korsantys persönlicher Einfluß ist noch außer­ordentlich groß.

Die Gärung tn München.

Die Nachforschungen nach dem Mörder des unab­hängigen Abgeordneten Gareis sind bisher völlig re- sultatlos geblieben. Inzwischen beretten die Unabhän­gigen und Kommunisten eine neue gemeinsame Aktion vor, für die sie am Sonnabend Flugblätter in den Fabri­ken verteilt haben, die zu allgemeinen Demonstrattons- versammlungen an noch näher bekannt zu machenden Plätzen trotz des Versammlungsverbots auffordern.

Die Avignou-Gefangene».

e Regierung hat eine halten nach Ent-

** Havas meldet: Die französische Regi Vorstellung des deutschen Botschafters erh^ lassung bezw. Begnadigung der aus Grund gerichtlicher Verurteilung tn Frmrkreich noch befindlichen deutschen Kriegsgefangenen. Die deutsche Note ist an das Justtz- ministerium weiter geleitet worden, das zu einer Nach­prüfung vom Kabinett aufgefordert worden ist.

Höfer und die Befreiuugsaktiou.

^ Aus der nächsten Umgebung des Generals Höfer wird mitgeteilt: General Höfer halte an seinem Stand­punkt fest, daß der deutsche Selbstschutz in aufgezwun­gener Notwehr handele und daß Oberschlesien Befreit werden müsse. Was die Säuberung Oberschlesiens durch die amtierten betrifft, fo erklärte Höfer, daß sich der deutsche Selbstschutz nicht an seine erkämpften Lrmen klammere. Wenn nicht tatsächlich bis zu einem bestimm- nsprochene Säuberungsaktion durch- General Höfer zu eigenem Handeln

ten Termin die ve' d-esLHrt sei, werde ' schreiten

VcrzweifÄtc Stimmung der deutschen Bevölkerung.

x- Breslau. Z.) Vor der kommenden Reichs- tagsdebatte werden obrere Vertreter der deutschen Parteien in Oberschlesien, darunter Mitglieder des Zwölferausschusses, sich nach Berlin begeben, um den Fraktionen ein Bild der Lage und der Stimmung in Oberschlesien zu geben. Die Sttmmui.fi der deurschen Bevölkerung wird immer nervöser und verzweifelter, weil die Hoffnung auf eine rasche Wendung der Dinge durch das Eingreifen der lrnglünder nicht mehr auf­recht erhalten werden kann.

Die Pariser Konferenz.

Die Besprechungen Cnrzous mit Briand.

«* Genf. DasJournal" meldet aus Parts: Die Besprechungen des englischen Außenministers Cur^ru mit dem französischen Ministerpräsidenten Briand ha­ben eine abweichende Haltung Frankreichs in seiner bisherigen Stellungnahme in der oberfchlesischen ,vrage nicht gebracht. Curzon konnte eine endgültige Entschlie­ßung nicht abgeben, da er lediglich zu insormatorrscheu Zwecken und ohne weitergehende Vollmachten von Lloyd ! George nach Paris gesandt worden war. Das oberschle-' fische Problem bleibt vorläufig in der Schwebe, bis die, Entwaffnungsaktion tn Oberschlesien beendet ist. Der

[e gegolten. Diese Verständigung ist trotz'

men ist, daß durch die polnische WirtschcO Oberschlesien vollkommen ruiniert werden würde. Und deshalb ist man nun in Paris auf einen anderen Gedanken gekom­men, der dieFormel" Sforzas nachträglich noch etwas korrigiert. Das oberschlestsche Industriegebiet soll zwar 4um arötzten Teil in polnische Hand kommen, aber me- ser pvlnifche Teil soll eine'Zeit lang der internationa­len Kontrolle unterstehen. Diese Idee entstammt aller­dings nicht direkt Pariser Köpfen, sondern ist belgi­schen Ursprungs.

Die beiden Außenminister hatten sich in Paris lme- der einmal als Nußknacker produzieren wüstem Ob sie aber diese beiden harten Nüsse diesmal wirklich aus- aebisten haben, das ist, auch wenn man sich an die De­peschen über die Zusaunnenkunft, die ja,, wie alle solche Havas- und Neutermeldungen stark gefärbt odtt besser verfärbt sind, halten muß, sehr zu bezweifeln. Die Im teressen beider Länder in beiden Fragen sind denn doch naturgemäß zu weit auseinandergehend, als da« sie sich durch ein so kurzes Grünetischgesprach zwischen beiden Außenministern so im Handumdrehen erledigen ließen. Weitere Hinauszögerung der Entscheidung.

» In der Sonntag-Sitzung beschäftigte sich die Pa­riser Staatsmännerkonferenz Mit der oberschlesischeu Frage. Es wurde beschlossen, daß die Oberkommttsare der verschiedenen Mächte ersucht werden sollen, für die Lösung Vorschläge an macyen und einen einmütigen Bericht zu verfassen. Sollte es nicht gelingen, stch zu einigen, so wird den Oberkommissaren eme Anzahl Sackwerständige beigegeben werden. Auf jeden Fall v eine zufriedenstellende Lösung so schnell wie mog- ha aesunden werden. Die alliierten Mächte haben Eiter beschlossen, sowohl bei der deutschen Regierung ^ auch bei der polnischen Regierung zu interveme-

autn ^e Beschlüsse der interalliierten Kommission ii^ppeln zu unterstützen.

attowitz, Königshütte und Beuchen befreit.

wird gemeldet: Durch die Säube­rn n ^m Jndustriegebiet sind die Städte Katto- witz, Kbn»»Eie und Beuchen von den Insurgenten, die die ÄE« , sxu vier Wochen unter den Augen der FranzofO befetzi gehaltn und den Lebensmtttel- verkehr abgesce.^^ hatten, befreit worden. Myslo- witz, wo am 2^ Bntfioch die Polen waren, ist in der Nacht zum «>^uag von den Insurgenten verlas­sen worden. Die p l^ Grenze ist für die zurück­gehenden Aufständisch,' ch^der geöffnet.

Neuer Näumungsvo ^ 6eg i2er-Ausschusteö.

Itach einer Unterreo 5cg Generals Höfer mit General Hennrker oerlaut'. ^ der Zwölferausschuß ,; einen neuen straumungsvo.n ausgearbeitet hat, der : dem General Henniker am A" ta6 ^ur Weiterleitung > uberaeben werden soll.

»-k London. (V. T.) Nachdem Lord Curzon am Sonn­abend Mittag mit Briand und dem italienischen Bot-- schafter Besprechungen über den Orient geführt hatten teilte er feiner Regierung mit, daß die Beratungen wahrscheinlich nicht vor Donnerstag beendet, sein wer-' den. Es verlautet, daß sofort Nach seiner Rückkehr der' Oberste Rat einberufen werden wird.

Konferenz zwischen Lloyd George und Briand.

»* Rotterdam. DieTimes" melden: Den Bespre­chungen zwischen Curzon und Briand werden Bespre-^ chungen zwischen Lloyd George und Briand folgern Der

englische Premierminister wird unmittelbar nach seMer

stellen.

Das unersättliche Polen.

«x Paris. (F. G. A.) Der in Paris weilende Vor­sitzende des Auswärtigen Ausschusses des polnischen Landtages erklärte einem Berichterstatter desJour-

MM E_ , _ ---- '

Grafen Sforza

eihe von Bezirken, wo Polen ausgesprochen hat. In ö oei Drittel der Kohlen voi

M Bezirken würden allein zwei Drittel der Kohlen von Oberschlesien gefördert und Polen würde dadurch an Deutschland tributpflichtig sein.

Das oberschlestsche Industriegebiet unteilbar.

^ Paris (F Z.) Auf der Parrfer Konferenz des französischen Ministerpräsidenten Bmand und des eng­lischen Außenministers Curzon wurden besonders die großen Fragen beraten, die zwischen Deutschland und der Entente schweben.Echo de Parrs erklärt, der Ntettiungsaustarrfch 'über diese Fragen habe ergeben, daß ein Einvernehmen zwischen London und Parrs be­stehe. Eine endgültige Beschlußfassung, beionders über die oberschlestsche Frage war ledvch nicht möglich, da Curzon erklärte, daß nach Austcht der euglischeu Regie­rung das oberschlestsche Judustriegebret unteilbar sei und daß eine Zuteilung dieser Strafe auf Grund der Stimmenmehrheit an Deutschland sich nicht vermeiden lasse. Es wurde zu einem Aushilfsmittel gegriffen, ttr- denr ein Telegramm an die Interalliierte Kommiisron gefandt wurde, worin Curzon es als wünschenswert be­zeichnete, daß anstelle Leronds eine einflußreiche Z,ml- persou nach Oberschlesien entsandt wurde. Curzon er­klärte weiter, die DeutMen zeigten guten Willen und mau müsse Düsseldorf Duisburg und Ruhrort raumeu. Briand erwiderte, daß Deutschland ben guten Willen Frankreich gegenüber noch nicht (!) ge»eigt^ habe.^ Die Entscheidung über diese Frage der im Juli stattfindenden Eni

Freilassung Bias.

x Berlin. (B. Von zuständiger Seite wird mtt- geteilt, daß der Reichstagsabgeordnete Mas, der vor eirtiger Zeit von den polnischen Jnsurgenten festgenoui- men imd verühlevvt- worden war, auf die energischen Vorstellungen des Vertreters der deutschen Regierung bei der Interalliierten Kommission am 18. Juni früh wieder freigelassen worden ist.

Dr. Wirths Optimismus,

Der HSlz-Prozetz.

Am Sonnabend wurde in der Beweisaufnahmen iiber den Mord an dein Gutsbesitzer Hetz fortgefahren. Die Arbeiter Gerber und Petruschka fügen aus, Hölz

wn und Paris be-

wird voraussichtlich auf stentekonferenz fallen.

»* Reichskanzler Dr. Wirth sprach am Sonntag in einer Massenversammlung im Deutschen Gewerkschaft^, buub in Esten iiber das Londoner Ultuuatum uns seine Erfülluttgsmöglichkeiteu. Linksradikale Elemente hat­ten versucht, sich mit hEfälsch^n Karten Einlaß lN den Bersammlungsiaal zu verschaffen. Da dieser Plan aber rechtzeitig bekannt wurde, wurde eme Menge^ Kon­trolle ausgeübt. Infolgedessen kam es nicht Wder zweifellos beabsichtigten Störung. Die Rede des Reichs­kanzlers, der schon bei seinem Erscheinen lebhaft be­grüßt wurde, war auf den Grundton gestimmt, dnrrh friedliche Arbeit zur Freiheit und M ^neuem Wohlschud zu gelange«. Obgleich der Kanzler die furchtbare Lage Deutschlands in ihrem ganzen Ernst schilderte, klang aus seinen Ausführungen, die mehrfach mit fernem Humor gewürzt waren, doch ein hohes Maß von Op­timismus., Die Rede-fand stürWjschen Beifall.

habe feine Opfer mit Fäusten und Füßen bearbeitet. Zeuge Keller, ebenfalls ein Mitglied der Hölzbanden, erzählte, wie sie zu Hölz gekommen feien. Bei dem Ueberfall auf das Rittergut Reitzfchgen habe er von Hölz den Auftrag erhalten, mit Hetz zu verhandeln. Als er noch mit ihm sprach, sei Hölz ins Zimmer gekommen- und habe sofort auf den Gütsbesitzer losgeschlagen. Er, Keller, habe dann das Zimmer verlassen und hörte kurz darauf mehrere Schusfe fallen. Als er auf den Hof Litte, habe er dort Hetz am Boden liegend gesundem Hölz hat sich geäußert: Der Hund wollte kein Geld herausrücken. Er ist weggelaufen, da haben wir ihn erschossen. Holz äußert zu dieser Aussage, Keller sei ein gememer Spit­zel. Er sage jetzt nur belastend aus, um seine eigene Strafe zu mildern. Keller habe immer hervorragendes Anteil an den Plünderungen genommen.

Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen gelangie eine oanze Reihe von Fällen zur Besprechung, bei de­nen es sich um Plünderungen, Beschlagnahmungen uud Festnabme von Geiseln handelt. Hölz gibt die Taten meist zu. Es wurde dann nochmals der Zeuge Hebe aommen, der am Freitag belastende Aussagen über Ermordung des Gutsbesitzers Hetz gemacht hat. Er

vernommen,

die Ermordung des Gutsbesitzers Heg gemacht hat. Er bleibt bei seiner Behauptung und ebenso erklärt auch Hölz wieder, Hebe sei ein Spitzel. Dann tritt eine Mit­

tagspausc ein.

Die Nachmittagssitzung war nur kurz. Der Er­sitzende teilte mit, daß am Montag ein Buchsenumcher darüber vernommen wird, ob der Tod des Gutsbesitzers Hetz durch Revolver- oder Gewehrkugel erfolgt fet Toe anderen Zeugen, die noch vernommen wurden, 'ggt-u wenig Belangreiches aus. Der Gärtnereibesttzer Heider aus Wettin bekundet, der angeblich zur Roten Amuee gepreßte Keller habe ihn mit dem Tode bedroht und unter anderem gesagt:Du Hund, bekommst erne Kn- gel." Sodann berichten Gutsbesitzer Neste und Inspek­tor Fischer über die Plünderungen und sogenannten Ne- guisitionen der Rotgardistem Hölz bemerkt darauf, es seien riesige Mengen von Lebensrnitteln gefunden wor­den..Zu dem Diebstahl eines Ochsen, den die Frau Geb- hardt bekundet, bemerkt er nur, das Proletariat habe -: auch einmal satt werden mtissen. Darauf wird tue Ver­handlung auf Montag vertagt.

Intervention im griechisch-türkischen Stre 1.

In der Besprechung, die am Sonntag Voran m zwischen Briand, Lord Curzon und dem ttaliem, :tt Botschafter in Paris stattfand, wurde der Text Bei die griechische Regierung zu richtenden Mitteilung -

gelegt. Es soll versucht werden. Griechenland zu ve«