KersfelörrTageblatt
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I Amtlicher /inzerger für -en Krers tzersfel- :__^3°^^__j
Nr. 138
Donnerstage den 16» Juni
1921
Der iranldWe 8aml6i$nd|djug.
Die Verhandlungen in Wiesbaden haben kein positives Ergebnis gezeitigt. Es war ja auch von französischer Seite offen zugegeben worden, daß es sich hier um ein bloßes Vorspiel sowie um die Erörterung mehrerer Fragen handelte, die, wie Herr Loucheur selbst sagte, nötig gewesen seien, um sich eine feste Meinung zu bilden,. von der ausgehend man dann in die Behandlung des eigentlichen Themas eintreten könnte. Der Gang und die Gegenstände der Verhandlungen zwischen Ra- thenau und dem französischen Wiederaufbauminister hatten also nur ein theoretisches Ergebnis, und es muß gesagt werden, daß dasselbe Paris, dem bisher nichts schnell genug ging, sich zurückhielt, sich bemühte, ein freundliches Gesicht zu zeigen. Es muß doch gewissermaßen eigenartig berühren, daß Frankreich so plötzlich die „eiserne Faust" sincs Ministerpräsidenten mit einem Samthandschuh überzieht. Es kann sich hier unmöglich nur um einen bloßen Versuch einer Aenderung der bisherigen Taktik handeln, um zu sehen, ob man nicht auch anderweittg zum Ziele gelangen könnte. Was gegenwärtig am Quai d'Orsay vorgeht, ist zweifelsohne eine Komödie gegen den eigenen Willen, die man nur spielt, um, wie das „Petit Journal" sich ausdrückt, nicht auch nur in unnützige Seitenverhandlungen mit sichern Regierungen treten zu müssen. Mit diesen „andern Regierungen" ist natürlich England gemeint, dem man zeigen will, wie milde man sein kann. Das ist das Geheimnis des französischen Samthandschuhs, von dem sich Deutschland ebensowenig versprechen kann, und den es dieselben Gefühle entgegenbringen muß, wie Briands eiserner Hand.
Was kann Deutschland damit geholfen sein und was dem noch immer darbendem Europa? Rathenau bringt man von französischer Seite ein Vertrauen entgegen, das sich bis jetzt nur in Komplimenten äutzerre. Wird es jedoch gelingen, Oberschlesten dem deutschen Reiche zu erhalten? Das ist eine wichtige, vielleicht die wichtigste Frage nicht allein für Deutschland. Es ist bis jetzt der Umstand viel zu wenig gewürdigt worden, daß Polen durch den Erwerb Galiziens große, noch unaus- genützte Kohlenfelder besitzt, die man sich aus Geldmangel und Arbeitsscheu nicht rentabel zu machen traut. Polen, das so große Sympathien bei den gegenwärtigen das nötige von einigem guten Willen nicht allein den onenrvpui- schen Kohlenbedarf zu decken, sondern sogar fähig zu werden, Mittel- und Westeuropa Kohlen zukommen zu lassen. Nein, das wollen die Herren in Warschau nicht, das will man auch nicht in Paris, sondern öer Wmnch der führenden französischen und polnischen Polstiker ist die Einkreisung Deutschlands. Das Wirtschaftliche spielt hier keine Rolle. Mag Rußland, die „große Rohstoff- kammer, die ohne deutsche Hilfe unmöglich erschauen werden kann, noch weiter brach liegen bleiben, das bleibt sich gleich. We'/n Deutschland von Verständigung sprach, so hatte man das bisher an der Seine nur mit einem ironischem Lächeln ausgenommen und darüber gewitzelt, daß die „militaristische Bestie" jetzt, da sie am Boden -liegt, Frieden und Versöhnung winselt. Wenn man in Frankreich auch in dieser Hinsicht seine Taktik ändert, so wird, wenn nur ein einziges Mal der Gerechtigkeit freie Bahn gelassen wird Oberschlesien Deuffchland erhalten und Europa vor einer „polnischen Wirtschaft im grössten Maßstabe bewahrt bleiben. Es ist kaum zu hoffen daß Männer, die gestern noch die Peitsche in der Hand hielten, nun mit einem Mal sich in friedliche Lämmer verwandeln. Aber wir wollen Nicht einmal „Freundschaften", die hat die Welt gerade genug, ion= Bern Verständigung über die lebenswichtimten Pmrkte, lebenswichtig und entscheidend für beide Teile. Wenn man so aus dem Chaos herauskame, dann hatten die Franzosen es auch nicht mehr nötig sich m falschen, heuchlerischen Komplimenten für deutsche Mmister zu ergeben.
veffchlechlerte Gage in PßerlWicn.
^ Obwo
chl die Polen unentwegt ihre Angriffe fort- fenjcrMiMM«^^
^ken und ferner feststeht, daß ne trog auer neimor- ?unaen des Oberen Rates nach wie vor Angriffsver- fnche unternommen haben, ferner hinter der Front d^r alliierten Truppen sich bereits von neuem polnische Banden bilden, die Terrorakte verüben, hat General Ld- rond vom Zwölserausschutz der deutschen PaAewn schleuens verlangt, daß der deutsche Selbstschutz d,.« Anuabera, die Mlitärisch beherrschende Stelle Ober- schlesiens, die für den deutschen Selbstschutz von größter Bedeutung ist und um deren Entreißung aus den Handen der Polen viel deutsches Blut gestoßen nt, geräumt ^ivd Nocb genauester Prüfung kam der Zwölferaus- Es dem ^Entschluß, daß für die Säuberungsaktion M.VntnS des Annabergs nicht
besteht. Aus diesem Grunde glaubt der Zwölferausschutz * diese Forderung ablehnen zu mimen. F^I bbrTat- loche daß die polnischen Soldaten den urncrzug eilige - Üellt haben läßt sich mit Bestimmtheit darauf schließen, daß General Lerond mit der Räumung des Annabergs = cMe Bcdftwnnq der Insurgenten erfüllen wollte. An-
o-!MU8dee s ch stündlich unklarer gestaltenden Lage er- ^besttt ci^n ttE Antrag an die interalliierte
^minnMion besonders an die Engländer, angezeigt, mit . Ä ^& und Pflichten in Oberschlesien
«.Erfüllen Wie weiter aus zuverlässiger Quelle. be- -» richtet wird, traf Korfanty am 15. Juni in französischer
HLg'ULL-UJJJLiXLJJJ JLJJL ML»"^*■"■■■■■■■—;■ ■!JL"L_L_,11 ■■■■ — Offiziersuniform in Oppeln ein, um mit Genera^ Le- ronb zu verhandeln.
Die Flucht der deutschen Bevölkerung.
w Die Gesamtzahl der oberschlesischen Flüchtlinge aus den Kreisen Kosel, Kreuzburg, Gleiwitz und Ra- tibor betrug bis Montag früh 10 086.. Auf den ober- schlesischen Hüttenwerken ruht die Arbeit fast ganz. Infolge Einspruches der Interalliierten Kommission haben die Engländer den Bahnhof Gleiwitz wieder geräumt, da in Gleiwitz ein französffches Kommando üativ- niert ist.
Neue Angriffe und Schandtaten der Polen.
e* Aus Oppeln wird gemeldet: Südlich von Roienberg auf der Linie Ellguth-Guttentag haben die Polen am Dienstag an verschiedenen Punkten wieder angegriffen. Mehrere Ortschaften, die in der neutralen Zone liegen und nach den Vereinbarungen unoesetzt bleiben munen, sind von den Polen besetzt worden, nachdem die englischen Besatzungstruppen abgerückt und. Auf einem Schacht bei Myslowitz hat Korfanty eine Folterkammer eingerichtet, in der Heimattreue Oberschlener mit emem Gummiknüppel solange bearbeitet werden, bis sie bewußtlos zusammenbrechen. Diese furchtbare Mißhandlung wiederholt sich laut „Lok.-Anz." 4 bis 8 mal.
Konflikt mit der iULeraviierteu Kommission.
•>* Zwischen dem Oppcluer Aerzteverein und der interalliierten Kommission ist ein Konflikt ausgebrochen. Ein Mitglied des Aerztevereins, der Arzt Freund, ist von einem Mitglied der französischen Kommission beschimpft und von der Wache verhaftet und mißhandelt worden. Der Aerzteverein hat der interalliierten Kommission mitgeteilt, daß die Aerzte den Angehörigen der Kommission solange jede Hilie verweigern werden, bt» dem beleidigten Kollegen ausreichende Genugtuung gegeben worden ist.
Fortsetzung des englischen Vormarsches.
»* Rotterdam. Die „Morningpost" meldet aus Oppeln: Die interalliierte Kommission in Oppeln hat ihre Genehmigung zur Ergreifung von Zwangsmaßnahmen «gen die sich der Räumung widersetzenden Polen und Deutschen gegeben. General Jennifer hat seine Strert- krüste für Donnerstag in Marschbereitschaft gesetzt. Der deutsche Selbstschutz ist ansgeiordert worden, dre '.hm vorgeschriebenen Gebiete bis Mtwoch abend zu räumen.
Bildung einer polnische« Miliz.
j Die Leitung der Ausstan-
wwecwt die Ruhe und Ordnung aufre züerhalten. Die Bildung der Miliz erfolgt auf dem Wege der zwangsweifen Rekrutierung.
Die besorgten Franzoseu.
•w Genf. Das französische Auswärtige Amt he« der Presse eine Erklärung zugehen, in der gejagt wirb, Ban die Haltung der deutschen Verbände in Oberschlenen die Notwendigkeit eines energischen Schrittes in Berlin er- geben habe. Der ftanzösische Botsckiaster in Berlm ict aufgefordert worden, in der Wilhelmstraße zu erklären, daß die vollkommene Wiederherstellung der Autorttat in Oberschlesien durch die interalliierte Kommission nicht durch die Haltung der deutschen Verbände gefährdet werden dürfte. — Ein gleicher Schritt fall von dem sta- lienischen und dem englischen Botschafter unternommen werden.
Das SchiLsal Oberschlesiens entschieden?
—- Wie aus Oppeln gemeldet wird, ist dort die Lesart verbreitet, daß zwischen den Kabinetten rn Pari- und London eine Uebereinkunft erzielt worden ist. Das Dokument soll bereits festgelegt sein, in dem-England de« französischen Teilnngspla» «verkenne. Von gewnsen Kreisen die der interalliierten Kormnlsswn nahestehen, wird versichert, daß das Schicksal Oberschl^ieiiS end- gülttg entschieden wäre und in den nächsten Tagen Biete Tatsache bekannt gegeben würde. Als eine BestattM dieser Behauptung kann nachitehende Meldung angesehen werden: Die interalliierte Kommstswn hat eine Verordnung erlassen, wonach Neuemftellungen von Beamten in die Abstimmungspolizer nicht mehr erfolgen dürfen. Ursprünglich war eine Stärke von 3000 Mann für die „Apo" genehmigt worden. Bisher ist diese Truppe aber auf säum 2000 Mann gebracht wordem Die jetzige Verfügung ist ohne Angabe von Gründen erfolgt — Die Haltung der alliierten Truppen ist unklar.
Keine RepnrasionserleichLerungen.
*4 Die Pariser Zeitungen bringen Einzelheiten über die Unterredung Loncheurs mit dem deutschen Munster Dtatbenan, die bedeutend von dem abweichen, was in &t“lm'“«le Ätto-Ä «*« ^"“'^‘SS »Ä &S»X Ä « nicht geführt haben. Es kommen keine gleichviel ww geartete Erleichterungen für Denstchland ^n Frage. Savas sagt in seinem Resümee am Montag Abend . Die Besprechungen haben auf Wunsch des deutschen Munsters Rathenau stattgefunden. Ueber ^e Aussührung der Wiedergntmachnng konnten neue Richtlinien nicht ausgestellt werden.
Nach einer Meldung der „P. Z- ^us Wiesbaden erklärte fDtinifter Loucheur in einem Telephongespräch, daß die Borschläge Rathe-rans einen genauen fblan über den aefamten Wiederaufbau der xcritörten Gebiete ent
hielten unter voller Berücksichtigung, der sramöstschea Gegenvorschläge und daß die Vorschläge resffos für die französische Regierung annehmbar seien. (Diese. Meldung steht allerdings mit den Pariser Meldungen in Wr- ^^Wie^aus Paris gemeldet wird, wird der Oberste Rat auf Ersuchen Loucheurs wahrscheinlich den deutschen l'lußenminister (?) Dr. Waller Rathenau etn- laden, seine Pläne persönlich oder durch einen Vertreter in einer der nächsten Sitzungen des Obersten Rates zu erörtern. Loucheur habe von den Plänen Rathenaus einen so guten Eindruck bekommen, daß er Wert darauf lege, wenn der Minister persöMch feine Pläne Ban Obersten Rat zur Prüfung unterbreiten werde.
Frankreichs RheinpolttM.
** Bei der Eröffnung der französischen Kunstausstellung in Wiesbaden-Biebrich hatte die franzonsche Handelskammer in Mairrz wieder einmal Gelegen^««, ihre Rolle als offizielles Propagandainstrument der französischen Rheinlandpolittk zu betonen. So erklärte ein Herr Baignere im Namen der französischen Handelskammer dem anwesenden Minister Loucheur: „Wrr wiinschen, daß Sie nach Ihrer Rückkehr dem Herrn Ministerpräsidenten und dem Handelsminister Mitteilung machen von dem, was Sie bei der französischen Handelskammer in Mainz gesehen haben. Wollen Sie berichten, daß wir alle von französischem Geiste beieelt sind und es unser großer Wunsch ist., an unserer.natro- nalen Expansion mitzuarbeiten. Wir sind bereit, die Direktiven zu befolgen, die wir von unserer Regierung erhalten. Wir wollen uns des Lobes würdig zeigen, mit dem der Herr Präsident der Republik bei seinem Besuche in Mainz im vergangenen September uns ausgezeichnet hat. Der Herr Präsident hat uns damals die wirtschaftliche Vorhut Frankreichs genannt. Diesen Ausspruch haben wir uns zum Wahlpruch gemacht, und wir versprechen, ihm treu zu bleiben."
225 Milliarden Reichsschuld.
X In den Besprechungen der deutschen Finanzmwt- ster in Berlin, die in den letzten Tagen stattfanden, hat der NeichSftnanzmintster Wirth die gesamte RerchsschulS bis Ende Juni aus 225 Milliarden Mark geschätzt.
Einstein in London.
Professor Einstein hielt in London in dem bis anf den letzten Platz gefüllten Saal des Kings College m
' ' ' mit Spannung erwartete»
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sich noch steigerte, als Lord Haldane, der auf nerpodinm zwischen Professor Einstein und dem deutschen Botschafter Sthamer saß, in seiner Einleitungs- rede Einstein als ein Genie des 20. Jahrhunderts bezeichnete und erklärte, die Wissenschut kenne keine Grenzpfähle. Nach der Vorlesung Einsteins wurde ihm von der Zuhörerschaft eine stürmische Kundgebung dargebracht. Bei dem am Abend zu Ehren Prof. Einsteins veranstalteten Essen begrüßte Ernest Parker vom King College Pros. Einstein, der als Gast aus einem Lande ausgenommen sei, das bis vor kurzem der Feind ®ng=
ausgenommen sei, das bis vyr kurzem der Feil lands gewesen fei. Er hoffe, daß die zerschnitte den der internationalen Bande wieder zusammenge- knüpft werden. Parker erklärte in deutscher Sprache, daß die wiederaufgenommenen Beziehungen eine gerade Linie ziehen, die stets bleiben würde, nämlich die gerade Linie des Rechts imö der Gerechtigkeit. Er fer überzeugt, daß die parallele Linie des englischen und deutschen Gedankens trotz Fuklid die beiden Nationen in Freundschaft miteinander und den anderen Nationen der Well zusammenbringen wird. Pros. Einstein erwiderte, er sei außerordentlich erfreut, zu wissen, dax sein Besuch unmittelbar eine gute Wirkung aus die internationalen Beziehungen auszuüben verspreche.
Wiederaufnahme der Arbeit tu Müuchev.
>* In München verharren 6000 Arbeiter weiter in Streik. Die Münchener Arbeitgeber beschlossen, diese Arbeiter aus ihren Betrieben auszusperren. Das Ge- neralstreikkomitee hat zur allgemeinen Wiederaufnahme der Arbeit aufgerufen.
Die Entwaffnung in B«mr«.
■m> Die Entwaffnungsaktion in Bayern geht weiter. Bis Montag abend waren dem EntwaffnungSkmmnfffar als abgeliesert angezeigt worden: 1108 Maschrueage- wehre und 16 340 Handfeuerwaffe«. Als Endtermin der Entwaffnung wurde den Einwohnerwehren Bereits der
26. Juni bekannt gegeben.
Lonchcur über das Ergebnis von Wiesbaden.
w Rotterdam. Die „Morningvost" meldet aus Paris: Loucheur empfing nach seiner Rückkehr die Pressw« treter. Der Minister sagte,, er habe keine neuen bedeut-
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Ministers an. Die auf Wunick der Deutschen am 2< Juni in Paris stattfindenden Besprechungen mft^ Staatssekretär Bergmann könnten nur der Durch rung der Wiedergutmachungsverpfftchrungen Dew lands, nicht aber der Neuformulierung dienen.
Entscbädignug für versenkten Schiffsraum.
x- Die Reichsregierung fordert vom Reichstag eine einmaligen Betrag von 175 Millionen Mark zur Ein schädigung der neutralen Mächte für Versenkung und Beschädigung von neutralen Schiffen. Für den gle me . Zweck sind bereits im Jahre 1919 50 Millionen Mo l bereitgestellt worden.