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Hersfelöer Tageblatt

; ^nzrigeppreis für die einspaltige Petffgeile ober J öeten Kaum 40'Pfennig, für auswärts öopfemüg, : : die Neklamezrile 1,50Mark. Bei Wiebcrholungcn : Nachlaß.; Zur bie Schnftteltung vcrantWvr.üich : t A anz Zank in Hersfelb. Fernsprecher Nr. 8. :

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Nr. 137

Mittwoch den 15. Juni

1921

f 5m französischen Schlepptau.

f Der Notenwechsel zwischen Paris und London und Dor allem die Rede Churchills hat Frankreichs Unmut '' ^ '^"" gesteigert. Die Pariser Presse erklärt, daß

cht Lust habe, sich ins englische Schlepptau sen. Es will nicht unter britischem Protek- Es will sich freie Hand gegenüber Deutsch- , .......e. Sein Versuch, in Oberschlesien endlich

i$r auch Englaird zu einer selbständigen Politik An-

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der Klemme, als irre Bundespolitik

um bei Beginn

Es hat zwar den guten ...........

Wer zum Vollbringen fehlt ihm die t _________________

Lerond spricht nach wie vor in Oberschlesien das erste Wort, und da er England gegenüber nicht direkt als rücksichtsloser Gegner auftreten kann, legt er sich auf eulk schlaue Berzettlurigspolitik. Englaud wird in Ober- Mlesien m Frankreichs Schlepptau genommen, mag Moyd George auch noch so sehr den starken Mann mar= «leren. Seine schweren Sorgen im eignen Hmike lassen Lhm nicht volle Armfreiheit. Nicht nur die irische Eiter­beule ist es, die den englischen Körper lahmt, sondern vor allem auch die Finanzlage, die sich von Monai zn Monat verschlechtert. Englands Budget hat völlig das Gleichgewicht verloren. Die Steuern können nicht wei­ter in die Höhe getrieben werden. Die Frage des Lühn- ähbanes tff bis jetzt eine ungelöste, üA nicht zu sagen, verfehlte gewesen. Die Folgen sind, die Riesenstreiks, Bie dem englischen Wirtschaftsleben schwere Wunden schlagen. Und dazu kommen noch die autzerpolitischen Sorgen. Im Orient treibt England ein feuergefährli­ches Spiel. Es hat sich geaen die türkischen Nationali­sten engagiert, und Frankreich weigert sich Bnudeshilie zu leisten. Es sei ferner an die anderen orientalischen Sorgen erinnert, an denen Churchill, der Vater der ver- Änglückten Dardanellen-Unternehmung und der Verant-

it, it.

lungen zwncyen den alliierten Generalen einerseits und den Leitern des polnischen Aufstandes sowie den Fith- jrern des beutschorr Selbstschutzes andererseits stattgefuu- den. Die interalliierte Kommission trat dabei zunächst für gleichzeitige Räumung des Abstimmungsgebietes durch die Polen und den Selbstschutz ein. Nachdem der deutsche Zwölferausschutz aber die Auflösung des Selbst­schutzes von der vorherigen Wiederherstellung des alten Rechtsznstandes in Oberschlesien abhängig gemacht hatte, schlug die istteralltferte Kommission vor, daß zunächst die Polen die von ihüen besetzten Gebiete räumen und dann der Selbstschutz die von ihm besetzte Zone überge- ben solle. Die Polen verlangten aber gleichzeitige Räu­mung. Die Verhandlungen gehen weiter.

Neue Angriffe der Polen.

** Bresla«. Die Polen haben um Mitternacht wie­der mit verstärkten Kräften angegriffen. In Groß- Strehlitz ist der deutsche Selbstschutz aus acht deutschen Gemeinden eingetroffen, die den polnischen Insurgen­ten «verlasien werden urntzten.

Die öejpreHlliig der fln|6auminl|ter.

Ueber die Besprechungen Dr. Rathenaus mit dem französischen Wiederaufbauminister Loucheur in Wies­baden wird aus Berlin folgende halbamtliche Meldung verbreitet:

Der Reichsminister für Wiederaufbau Dr. Rathen«« hat sich ^nach Wiesbaden begeben, um mit dem französi-

iett

, _______^aden begeben, um mit dem französi- ster für die befreiten Gebiete, Loucheur, zil Besprechungen zusammenzutreffen. Sonn-

Europa zu verschaffen,'

sucht

mit aller Gewalt seine machtvolitischen Ziele durch- zusehen und sich vor allem für die Zukunft, namentlich gegen.DeuMland^ sichere, Garantien zu verschaffen

tag wurde die Frage der internationale« Wirtschaftslage im Zusammenhang mit den Wiedergutmachnugsproble- meu in fünfstündiger persönlicher Anssprache der beiden Minister erörtert. Es kamen dabei die Frage der Sach- leisinna, Arbeitsleistung und Finanziernng zur Sprache. Am Moutag soll eine Reihe von Einzelfragen erörtert werden. Uebereinstimmung herrschte in dem Bestreben, die Behandlung des Wiederaufbaues der zerstörten Ge­biete in großem Ausmaße und in verstärkiem Tempo zu fördern« _ . .

^ In Paris hält man es nicht für ausgeschloffen, daß eine sehr mächtige industrielle Kombination aus den Un-

Kommen werden, daß die Besprechung ein greifbare» Resultat «icht gebracht hat.

Guter Wille auf beide« Seite«.

** Paris. (F. G.-A.) Dem Vertreter desMatin» gelang es, Rathenau vor seiner Abreise einen Augen­blick zu sprechen. Obwohl Rathenau jede Unterredung ablehnte, weil seine Worte doch nur so weiter gegeben würden, wie er sie nicht ausgesprochen habe, ließ er sich dennoch herbei, folgendes zu äußern: Meine Haltung in der Wiederherstellungsfrage ist durch meine Reichsrags- rede genügend bekannt. Dre Aussprache mit Herrn Lou­cheur hat gezeigt, daß der gute Wille auf beiden Seite« vorhanden ist.

»* Wiesbaden. CX G.-A.) Wiederaufbauminister Rathenau hatte am Diontag zwei lange Unterredungen mit Loucheur. Loucheur hörte mit gespanntem Interesse die Vorschläge Rathenaus an. Um 5 Uhr sind die bei­den Minister abgereist.

Wiederherstellung des Friedens mit Amerika.

»-» W a f h i« g t o «. Das Repr8senta«te«ha«s hat mit 3Q5 gegen 61 Stimmen die Resokutio«, die den Kriegs- zvstavd mit Deutschland und Oesterreich beendet, ohne die Entschließung Knox die Kriegserklärnug zu wider­rufen, angenommen. Die Augelegeuheit geht nuu be» Ansschiisie» der beideu Häuser zu.

Abbruch des Münchener Streiks.

- Aus München wird gemeldet: Ein von der Be- triebsräte-Zentrale und den sozialdemokratischen Par­teien unterzeichneter Aufruf sieht den Abbruch des Strei­kes für Montag nacht 12 Uhr vor. Der Abbruch vor dem ursprünglichen Termin kann nicht verwundern, nachdem der Streik auch im Laufe des Montags keine Ausdehnung erfahren hat. Im Gegenteil war eine Zu­nahme der Arbeitswilligen zu verzeichnen. Die Indu­strie gibt Besannt, daß die am Montag noch streikenden Arbeiter sich als entlassen zu betrachten haben.

'x Die Streikhetze in SÜddeuischland ist außer in München ziemlich wirkungslos geblieben.

Der Fehlschlag des Münchener Streiks.

w München. An dem Tage der Beerdigung des un- abhäll ngen Fiihrers Gareis ist in München, Augsburg,

' Hof der grötzie Teil der Arbeiter zur

wickelttttgen au währen soll. ( uoffen jenseits

fein, das Frankrem bei künftigen Ver- ' dem Festlaude volle Rückendeckung ge- :§ macht nachträglich seinem Bundc-sge- des Kanals den Vorwursi daß eS beim von ihm im Stich geioüen Wurden sei.

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.Es hatte da MMmüt nüHmcrri. ^

Bündnis gerechnet und nur aus diesem Grunde hätte es auf die Rheingrenze imb vollkommene Zertrümmerung Deutschlands verzichtet. Jetzt nun sucht es nachträglich Ä nachzuholeu, was es durch die Enttäuschungspolitik Englands verloren hat. Es verbietet sich jedes schieds­richterliche Eingreifen Englands und wahrt sich das Recht, ohne Befragung der Briten bei der geringsten Verfehlung Deutschlands in das Ruhrgebiet eiuzmnar- schtereu. Es sucht jetzt in Oberschlesien wieder gut zu machen, was es im Saargebiet verpaßt hat. Und des­halb wirft es sich mit aller Gewalt für die Polen in die Bresche und sucht England in Oberschlesien durch eine Politik der Verzettelung hinters Licht zu führen. Der englische Vormarsch in Oberschlesien ist plötzlich ms Stöcken geraten. Lerond sucht Korfanty mehr als je das Rückgrat zu steifen. Um Zeit zu gewinnen, kam er auf den Plan, Korfanty selbst mit der Pazifizlerung ves fini= rubrgebiets zu betrauen. Er wollte ihm die Rolle des ehrlichen Maklers zuerteilen. Der pmni'Ee Baudueu- fübrer sollte unverzüglich Sorge für die Ordnung und Sicherheit in Oberschlesien tragen und eine aus Polen und Deutschen zusammengesetzte Verwaltung des Lan­des einsetzen. Er will aln> in ganz raffinierter Weise Englands Entschluß umgehen, sich auf keinenFall .auf die Festleaung einer neutralen Zone cinzulassen, son- öern allein die Autorität der Interalliierten Komnuffton schalten zu lassen. Und das gelingt ihm fetzt auch. Der Zufall hat ihm einen neuen Vormund gegeben, direkt wieder in die oberschlesischen Wirrnisse emzugreuen. Der Saß Kalinow kommt ihm da gerade so recht gelegen. Die Verwundung der drei Poilus, die lediglich uns eigenem französischen Verschulden in die deutschen Ku- geln gelaufen sind, erregt seine vollste sittliche und völ­kerrechtliche Entrüstung, und wie es einst m Frankreich hieß'Rache für Sadowa!" so heißt es fetzt:Rache für Kalinow'" Die deutsche Regierung soll für etwas ver­antwortlich gemacht werden, woran ihr auch im Traume nicht die Schuld gegeben werden kann. Und auch die Ermordung des nnäkENisigen i^w-? worein kömmt Lbrankr-stch gelegen. Man sieht da natürlich wieder eine der vielen Folgen der nionarchistischen Umtriebe ut Deutschland. Die französische Gewaltpolitik gegen Deutschland hat also wieder neuen Zündstoff bekommen, der zur Ervlosion frei ist. England aber, kuw angeblich null, französischen Behauptnngen Frankreich in das ' Schlepptau feiner Politik nehmen will, befindetsich in keiner europäischen Politik vollkommen iM französischen Schlepptau D^ oberfch^ Frage beweist es und wird es weiter lehren.

Aus Otrerschlesien.

Verhandlungen über«m««g des Anfstandsgebietes. ' Rack Ruchrichien der Morgenblätter uns Oberschle- 1 fien" bauen in Plotnitz im Kreise Rosenberg Verhand­

Angelegenheiten der Wiederherstellung statt, aber die beiden Herren vertreien auch par excellence die Schwer­industrie beider Länder. Viele glauben, es werde nicht allein über Reparationen, sondern auch über ein enges wirtschaftliches Zusammenarbeiten zwischen Deutschland und Frankreich gesprochcii, wie es seit etwa 14 Tagen allgemeines Boulevardgespräch in Paris ist. Die Pa­riser Blütier schreiben, wenn auch mit gewisser Zurück­haltung, die Konferenz könnte einedenifch-französifche Zusammenarbeit" ergeben. Das würde nach ihrer Aus­legung bedeuten, baB ein Kartell oder ein Zusammen­schluß der deutschen und französischen Schwerindustrie erfolge, um sich gegenseitig mit Rohmaterialien zu ver­sorgen und die Waren gemeinsam auf den Markt zu bringen. Für den amerikanischen Außenhandel würde das eine gewaltige Konkurrenz bedeuten. Die franzö­sische Industrie liege danieder, dagegen sei die deutsche Industrie noch sehr beschäftigt. Der beabsichtigte Zu­sammenschluß von deutschen und französischen Geschäfts­leuten ohne Abhängigkeit politischer Rücksichtnahme, wird ebenfalls in den Pariser Blättern besprochen. Seit dem Kriege habe Frankreich die meisten Eisenerze und Deutschland die meisten Kohlen. Die beiden Länder wären also seit dem Kriege zum ersten Male Koukur- reuten aus dem gleichen Produkttonsgebiete geworden. LSarum sollte man nicht die gleichen Kräfte zusammen- fäffen, indem Deutschland an Frankreich die nötigen Kohlen und Frankreich an Deutschland die nötigen Eisenerze liefere? Beide müßten sich dann über das Verkaufsangebot und die allgemeine Geschäftsmethode einigen. So könnte Deutschland, das die fttzigen Welt­marktpreise unterbiete, seine Verkaufspreise auf die Höhe der französischen Preise heben, oder Deutschland könnte, wenn nötig, das französische Minimum unter­bieten, um die Mitbewerber zil schlagen. Die Gewmne und Verluste müßten dann zusammengeworfen werden.

Das Ergebnis von Wiesbaden.

>* Paris. (F. G.-A.) Der zweite Tag der Bespre­chung zwischen Rütheuau und Lvriürcur scheint, so be­richtet dasPetit Parisien", kein Einvernehmen zwi­schen den beiden Wiederaufbauministern herbeigeführt zu haben. Es sei unmöglich, in wenigen Stunden zu einer Lösung der Frage zu gelangen. Die Konferenz ist beendet, jedoch sollen die Bervandlungen durch Vertre­ter weitergesührt werden. Der hierfür von Loucheur vergeschlagene Arbeitsplan betrifft vor allein die ?- rage der Zahlüngsmechode und der Zahlungsfrist und die von Deulschland angebotenen Lieferungen. Tiaatssetre- tür Vergluann hat von Minister Rathenau den Auftrag . erhalten, über die Fragen in Paris weiter zu verhan­deln. Weder Ralhenan noch Loucheur haben es für gut befunden, über das Gesamtergebnis ihrer Besprechung irgend etwas von Bedeutung zu äußern.

Die Wiesbadener Besprechungen.

** Berlin. Ueber das Ergebnis der Besprechungen zwischen den beiden Wiederaufbauministern Rathenau und Loucheur in Wiesbaden liegen uoch keine Berichte vor. Nach Melduugeu aus Paris und Basel kann anae-

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erliegen einer verschärften Kontrolle, da in Nürriberg die Nachricht von dem Eintreffen einer Anzahl Russen bekannt geworden ist.

Die Kommuuisteu und der Mord an Gareis.

o-e Berlin. Die Kommunistische Partei DeurfchlandS hielt am Sonntag in Berlin eine Delegiertentagung ab. Die Tagung nahm Stellung zu der Münchener Mordtat und beschloß Gegenmaßnahmen (!), die in den nächsten Tagen zur Ausführung gelangen sollen. Eine Teil­nahme an der in Aussicht genommenen gemeinsamen Massenkundgebung der Mehrheitssozialißen und Unab­hängigen wurde abgelehnt. An der Sitzung nahmen Delegierte des ErwerbslosenauSschufses teil.

Pstttische Gehermkramerei.

w Die Berliner Blätter beschäftigen sich eingehend und abfällig mit der Geheimkrämerei, die die deutsche Politik wieder einmal in der Zusammenkunft Loncheurs und Rathenaus getrieben hat. DieBerliner Morgen­post" schreibt: Wir haben schon allzu oft Gelegenheit ge­habt, auf schärfste die Art und Weise zu rügen, wie die Regierung die Lessentlichkeit informiert oder vielmehr nicht informiert. Berschiedene Regierungen sind einan­der gefolgt, aber die Gepflogenheiten sind die gleichen geblieben. Jetzt der neue Skandal! Die Reise Rathe- nans nach Wiesbaden war am Sonnabend bekannt. Man wußte, daß er sich mit Loucheur treffen würde. Am Sonnabend abend verbreitete jedoch die zuständige Stelle der Reichsregierung durch das halbamtliche Wolffbüro eine Meldung, in der die Reise Rathenaus direkt in Abrede gestellt wurde. Da es natürlich ausgeschlossen sein muß, daß die erwähnte zuständige Stelle keine Kenntnis von der Reise Rathenaus hatte, liegt hier eine bewußte Unwahrheit vor, auf gut deutsch eine glatte Lüge. Presse und Oessentlichkeit sind einfach augeschwin- delt worden. Ueber das Unmoralische dieses Verfahrens ist kein Wort weiter zu verlieren, wohl aber über die Dummheit, die darin liegt, eine Tatsache in Abrede zu stellet!, die am nächsten Tage aller Welt offenbar ist. Es geht nicht länger an, daß solche Albernheiten von der Reichsregierung einfach stillschweigend Übergängen wer­den. Reichskanzler Wirth muß sich endlich einmal selbst um diese unheilvolle Wirtschaft kümmern. Und bei die­ser Gelegenheit mag er auch auf den Uebelnaud auf­merksam gemacht werden, daß die deutsche Presse, also die deutsche Oessentlichkeit, alle Einzelheiten der Unter­redung zwischen Rathenau und Loucheur auf dem Um­wege über die , Pariser Messe erfahren muß, während man sie deutscherseits mit einem Kommuuiquee in ei­ner Wolsfdepcsche von ein paar Zeilen abzutun sucht.

Der Hölz-Prozetz.,

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Ju dem alten Kriminalgebäude in Berlin-MMbit begann Montag vormittag der Prozeß gegen den Räu- berhauptmann Hölz. Rings um das Gebäude waren be­sonders strenge Absperruuasmatznahmeii getroffen war­ben. Die Anklage gegen Hölz lautet auf Mord, versuch­te» Totschlaa. Aufruhr. Landfriedensvrnch, Hochverrat.