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Mehrfach mißhandelt und sn gesetzwidrigen Handlungen mißbraucht zu haben. Die Mißhandlungen haben sich jedoch nicht erweisen lassen. Entscheidend hierfür war, daß die Zeugenaussagen mehr oder weniger durch ein­zelne übertriebene Behauptungen in ihrer Bewertung herabgesetzt worden sind und dadurch die Glaubwürdig­keit der Aussagen, wenn auch nicht vernichtet, so doch auf ein unbestimmtes Matz eingeschränkt worden ist. Das Gericht ist nicht in der Lage, auf Grund irgendeiner dieser Aussagen einen bestimmten konkreten Vorgang sestzustellen. Es kann jedoch nur dann die Sirafvor- schristen in Anwendung bringen, meint die Straftat als etuviesen gilt. Aus allem, was die Verhandlungen er­geben haben, ist das Gericht zu der Ueberzeugung ge­kommen, daß der Angeklagte pflichtgemäß und rechtlich zu handeln geglaubt habe. Ist das aber der Fall, so ent­fällt jede Strasbarkeit. Der Präsident ging näher auf die einzelnen Fälle ein und kam zu dem Schluß, daß eine strafbare Handlungsweise dem Angeklagten nicht zur Last gelegt werden könne und daher Freisprechung erfolgen müsse.

Die neuen Milliardensteuern.

Unstimmigkeiten über ein nettes Notopfer.

. m- Die Beratungen im Reichskabinett über die neuen Steuervorlagen haben zu Unstimmigkeiten geführt. Au­ßer den demokratischen sind auch die Zentrumsminisier gegen eine einfache Verdoppelung des Neichsnotopfers. Die Erörterungen im Reichskabinett haben die Gegen- -tatze nicht über Brüden und eine Verständigung nicht her­stellen können. Das Reichsfinanzministerium selbst hat zu der Frage der nochmaligen Erhebung des Reichsnot- ^opfers offiziell noch nicht Stellung genommen. Inzwi­schen sind die übrigen Steuervorlagen nahezu fertigge- .IteHL Sie bringen eine jährliche Belastung von mehr als 2,5 Milliarden Mark.

Die Erdrosselung des Fernsprechverkehrs.

** Die gewaltige Verteuerung der Ferngespräche, die durch eine amtliche Bekanntmachung kundgegeben wird inte zum 1. Juli in Kraft tritt, erhöht die Gebühren . Wr die Ferngespräche ungefähr nm das Doppelte. Einige Beispiele mögen dafür dienen. Wir haben die Gebüh­ren für dringende Gespräche eingesetzt, da die Gebühren für einfache Gespräche doch nur auf dem Papier stehen. Mn 3 Minutengespräch von Berlin mit Hamburg wird statt 9 Mark 18 Mark, ein Gespräch von Berlin mit "Frankfurt am Main statt jetzt 15 Mark 27 Mark und ein Gespräch von Berlin mit München statt 15 Mark 31,50 Mark kosten. Ein Doppelgespräch Berlin-München kostet demnach 63 Mark. Eine Reise von Berlin und München hin und zurück 2. Klasse kostete bis in den Krieg hinein nur wenig über 50 Mark. Um den Teil­nehmern die beträchtlichen Gebührenerhöhnnaen wenig- tzens etwas erträglich zu machen, sollen bei Gesprächen über 100 Kilometer Entfernung nach Ablauf der ersten drei Minuten nicht mehr wie bisher die Gebühren immer für drei Minuten, sondern nur noch für einzelne Mi­nuten erhoben werden.

Aviguorr-KundgeLungeu.

** Wie überall im Reiche, sind auch tu Berlin die Kundgebungen für die Freilassung der in Avigtwn zu- rüägehaltcuen deutschen Kriegsgefangenen eindrucks­voll verlaufen. Zwischen der Terrasse des Museums und der Rampe des Schlosses, Kopf an Kopf gedrängt, standen Sonntag mittag 11 Uhr Hunderttausende und lauschten den Rednern, die ihnen von der Not. der 115 Kriegsgefangenen erzählten, die im Zuchthaus von Avignon und den Arbeitslagern von Cuers und Agcry das Verbrechen büßen, deutschen Stammes zu sein. Die VerMy-N fast aller Zurückgebakrenen Btfbert utcftfs mit ehrenrührigen Verbrechen zu tun, sondern sind meist aus Not und Pahrungsmangel oder zur Bewerkstelli- gung der Flucht begangen worden und aus dem Seelen- zustande der Kriegsgefangenen zu erklären. Der Lust­garten, nur zu oft der Schauplatz parteipolitischer De­monstrationen, bot das Bild eines geschlossenen Volks­willens. Deutsche aller Parteien, von Schmerz und Mitleid erfüllt um die treuen Brüder, die als letzte für ihr Deutschtum leiden, bekannten sich einmütig zu der machtvollen Kundgebung, die in einer Entschließung ihren Ausdruck fand.

« In Hannover verunstaltete am Sonntag der Reichsverband ehemaliger Kriegsgefangener unter Be­teiligung zahlreicher anderer Vereine und Verbände eine machtvolle Kundgebung für die Freilassung der 115 im Zuchthaus von Avignon noch schmachtenden deut­schen Kriegsgefangenen. Auf dem Platz vor dem Opern- Hause wurden von drei Tribünen aus Ansprachen ge­halten, in denen die Bevölkerung aitfgefordert wurde, sich ohne Unterschied der Partei an der allgemeinen Ak­tion für die Freilassung der Gefangenen zu beteiligen. In einer einstimmig angenommenen Entschließung wurde die Freilassung der Gefangenen gefordert.

** Auch in Breslau hat die Bereinigung ehemaliger Kriegsgefangener eine Kundgebung gegen die Schmach von Avignon veranstaltet. Es haben daran viele Tau­sende von Personen aus allen Ständen und Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten teilgenommen. Sämtliche Redner, unter ihnen zwei soeben aus der Ge- sangenenhölle Avignon zurückgekehrte .Kriegsgefangene, retouten die Notwendigkeit eines einmütigen Wtöerstan- -e§ aller Deutschen.

Der Verbleib her weittragenden Geschütze.

Aus Berlin wird von zuständiger Stelle gemeldet: Die Interalliierte MUttärkontrollkommission hat die deutsche Regierung um Auskunft über den Verbleib' der sehr weittragenden Geschütze ersucht, die während des Krieges von dem deutschen Heere verwendet worden sind. Ihre Anfrage ist wie folgt beantwortet worden: Während des Krieges sind im ganzen sieben sehr weit­tragende Geschütze erbaut worden, von ihnen sind vier während des Krieges unbrauchbar geworden und zer­stört worden. BV Kriegsausbruch waren noch drei sol­cher Geschütze vorhanden, von denen ein Rohr Ende September 1919 in Essen zerschnitten, das zweite am 18. November 1919 auf dem Schießplatz Meppen gesprengt, das dritte am 22. November 1919 in Magdeburg zer­schnitten worden ist. Die Teile dieser Rohre sind ver­schrottet.

Hardings Abriistungsvorschlag.

»* Washington. (D. A.) Die Regierung der Verei­nigten Staaten hat schon von mehreren Regierungen günstige Antworten auf die Note erhalten, in der sie die Abhaltung internationaler Verhandlungen über die Ab- Mstungsfrage anregt.

Rede Churchills über Englands Orientpolitik.

** London. (D. A.) Churchill wird am Dienstag im Unter hause in einer großen Rede die allgemeinen Richt­linien der britischen Politik im nahen Osten erläutern.

Abfägnug Sinowjeffs.

. Riga. lD. W.) In unterrichteten sowjetrusstschen Kreisen glaubt man, daß Sinowjeff zum Präsidenten

der 3. Internationale nicht wieder gewählt werden wird Wie es heißt, soll zu diesem Posten Vucharin vorge- schlagen werden.

ANerlei vom Tage.

Der ReichsarbcitSmittister hat die Geltuna der ae- genwärtigen Höchstsätze der ErwerbSlose»fürsorae biß 81. Juli 1921 verlängert. '

Die französische Kammer hat die Marinevorlage mit 468 gegen 128 Stimmen angenommen.

Der Beamteu- und Angestellten streik in Italien

Eschen Reichsbürgerräte, die gegenwärtig in München tagen, haben sich gegen jede Sozialffieruna ausgesprochen, dagegen aber die Notwendigkeit sozialer Arbeit betont. .

Das nette italienische Parlament ist vom Könia er­öffnet worden.

Poliütoe Rundschau.

Der Entwurf des ^rbcildnad)weißgefefc.-.. mit rem sich gegenwärtig der vorläufige Reichswirtschaftsrat be­schäftigt, ift in der letzten Zeit anch in der Tagespresse vielfach besprrchell worden. Dabei ist nicht selten die Auffassung vertreten worden, es fei die Absicht der 3te= gierung, mit diesem Entwurf eine Zwangswirtschaft auf dem Arbeitsmarkt einzuführen., Demgegenüber wird betont, daß diese Absicht dem Entwurf völlig fern- liegt. Die freie Entschließung des Arbeitgebers und Arbeitnehmers soll durch den Entwurf in keiner Weise beeinträchtigt werden. '

>>- Segen die Fortsetzung der Arbeiten der parlame,r- tarischeu NntcrsNckuugskommissiou über die Schuld am Kriege richtet sich ein im Reichstag von der rechten Seite eingegangener Antrag. Er verlangt den Abschluß 4er bisherigen Untersuchungen und die Auflösung der etn= gesetzten parlamentarischen Kommission.

Der Rumpf gegen das IrlnRgeld.

Eine nie versagende Quelle des Aergers für Me Beteiligten ist das Trinkgeldunwesen, dem zwar in der Theorie durch eine Vereinbarung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Gastwirtsgewerbe ein Ende be­reitet ist, das jedoch in der Praxis nach wie vor besteht und immer wieder Anlaß zu peinlichen Erörterungen gibt. Unter diesen Umständen dürfte es interessieren, daß der Gesellschaft für soziale Reform die angeschlosse- nen Organisationen der Gastwirtsgehilfen, insbesondere der Kellner, Hausdiener etc., ohne Unterschied der Rich­tung nahe gelegt haben, mit den Beamten- und An«e- ftclttemSrgamfationen wegen gemeinsamer Bekäurp- fung des Trinkgeldunwesens in Verbindung zu treten. Die Gründe, die dafür maßgebend sind, liegen auf der Hand. Was sind die Folgen des Trinkgeldsystems?

Der Gastwirtsgehilfe erhält, wenn er Trinkgeld nimmt, nicht seinen Lohn vom Arbeitgeber, sondern von einem Dritten: er muß häufig vom Trinkgeld an den Arbeitgeber Prozente abgeben; er Übertritt oft, um noch mehr Trinkgeld zu verdienen, die Arbeiterschutzvorschrif- ten; er duldet um des Trinkgelds willen Uebertretun- gen von gesetzlichen Verordnungen: er bevorzugt den Gast, der hohe Trinkgelder gibt; er umwirbt in oft auf­dringlicher Weise den Gast und belästigt ihn häufig. Be­sonders beim Verlassen eines Hotels usw. Alle einsich- tigen Sozialpolitiker haben das Trinkgeld als den Krebsschaden des Gastwirtegewerbes erkannt und be­kämpft. In den letzten Jahrerc ist das Trinkgeld oft abgeschafft" worden. Aber auch da, wo es abgeschafft ist, wird bisweilen Trinkgeld gegeben und genommen. Ob- MoM das PuMikMW-EzMfch seht Interesse daran-§aben sollte, zu den teueren Preisen für Speisen, Getränke und Logis, in die Löhne und Gehälter der Gasthausangestell­ten doch schon eingerechnet sind, noch weitere Zuschläge zu bezahlen, ist infolge einer gewissen Trägheit, bis­weilen aber auch aus bedenklicheren Gründen, ein Teil des Publikums nicht daran zu gewöhnen, das Trtnk- geldgeben zu unterlassen. Vielfach ist daran nichts als eine gewisse Feigheit gegenüber der Bedienung oder gegenüber trinkgeldgebefreudigen Mitmenschen schuld. Die Organisationen der Gastwirtsgehilfen beklagen den Unverstand des Publikums, der ihnen die ohnehin schwierige Erziehungsarbeit ihrer Mitglieder maßlos erschwert. Ost, wo Trinkgeld angeboten wird, findet sich natürlich ein schwacher Mensch, der es anninrmi. Wer wollte ihm daraus in einer Zeit allgemeiner Teuerung und weitverbreiteter Sucht, Geld zu nehmen, wo man es findet, einen Vorwurs machen?

Der eigentliche Schuldige ist der gedankenlose oder böswillige Gast.

Gerade zu Beginn der sommerlichen Reisezeit tut es not, auf die Schädlichkeit und Verwerflichkeit des Trirrkgeldsystems hinzuweisen. Es wird Sache des Pub- likunis sein, dessen eigenes Interesse an sich durchaus gegen das kostspielige Trinkgeldgeben spricht, und der Organisationen, deren gewerkschaftliche Schulung gewiß ausreicht, um die soziale Bedenklichkeit des Trinkgeld­unwesens zu erkennen, den Kampf dagegen Schulter an Schulter mit den Gastwirtsgehilfenverbänden und der Gesellschaft für Soziale Reform zu führen.

VermIMifes.

Sitte Kirche brannte in TreiS bei Koblenz bis auf die Grundmauern nieder. Außerdem fielen dem Feuer zwei Wohnhäuser zum Opfer.

Das Baumwollager der Mühlentaler Spinnerei und Weberei A.-G. in Dieringhausen (Rhld.) wurde durch ein Grotzfeuer, das wahrscheinlich durch Selbst­entzündung hervorgerufen worden war, vollständig ein­geäschert.

Ein schwerer Raubüberfall wurde in einem Abteil der 2. Klasse in dem in Dortmund nachts eintresfenden Personenzuge auf die Hotelbesitzerin Meyer aus Dort­mund verübt. Der Verbrecher versuchte zunächst die Reisende zu betäuben, schlug ihr dann mit einem eiser­nen Gewicht die Schttdeldecke ein, da sie sich zur Wehr setzte. Darauf nahm er ihr den Halsschmuck ab, streifte ihr die Ringe von den Fingern und bemächtigte sich ihres Handgepäckes. Bevor die Frau bewußtlos wurde, konnte sie noch die Notbremse ziehen. Als der Zug stand, lief der Räuber die Böschung hinunter und verschwand hinter den dort lagernden Holzstapeln. Die sofort auf- genommene Verfolgung verlief ergebnislos.

Das Stehlen von Automobilen hat in den Vereinig­ten Staaten derart überhand genommen, daß nicht nur die Zeitungen eine ständige Rubrik dafür eingeführt ha­ben, unter der sie nach einem Schema die Nummern, Farbe, Größe, Laternen und sonstigen Merkmale regi­strieren, sondern daß auch die Gerichtsbehörden zur Ab­wicklung dieser Diebstahlsäffären eigene Abteilungen gebildet habe».

Ein Goldbarrenschwindler, der seit mehr als einem Jahre eine ganze Anzahl von Berliner Juwelieren und GoldaufkausSgeschästen um namhafte Beträge geschädigt

hatte, konnte von der Berliner Kriminalpottzek ttnfcW r lich gemacht werden, Ä t

Abgestürzt ist einer der Zeppeline, die Deutschland.'

Italien abgegeben hat. Das Luftschiff wurde voll-- >

an Italien abgegeben bat. Was immann wnroc voll- > , komlnen vernichtet. Opfer sind nicht zn beklagen.

Durch ein Grotzfeuer wurden m der Maschinensabrik, der Firma Ganz in Budapest n. a. 52 fertige Güter-D wagen sowie drei fertige Pullmanwaggons, die für die' serbische Regierung bestimmt waren, vernichtet. Der'. Schaden beträgt mehr als 50 Millionen Kronen.

Die heller Raubmörder, die im Februar und März »2 die Hingegent von Celle unsicher gemacht und den 71 Jahre alten Rentier Backhaus aus Wienhaufen bet Celle ermordet und beraubt haben, wurden vom Luneöurger Schilturgericht verurieilt, und zwar der Maurer Gustav Bahlv und der Arbeiter Wilhelm Cohrs zum Tode, 15 Jahre» Zuchthaus, und dauerndem Verlust der burger- - lieben Ehrenrechte und der Arbeiter Gottlieb Bahlo zu 15 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Stel­lung unter Polizeiaufsicht.

Eiu Scheidnugsprozeß spielte sich vor detl LondÄier Gerichten ab. Ein Offizier klagte auf Auflösung des Ehebandes wegen der Verschwendung der Frau, die nach- gewiesenermaßen 50 Hüte in ihren Schränken besitzt, die sich ohne sein Wissen einen Zobelpelz im Werte von 80 000 Franken kaufte und kein Hemd kaufte, das nicht mindestens 300 Franken gekostet hätte. Die verschwen­derische Dame besaß nicht weniger als 25 Pelze, 88 Ko­stüme und 114 Paar seidene Strümpfe.

Eine schwere Hochwasserkatastrophe überflutete die drei Täler Pielach-, Tratten- und Perschlingstal bet Scheibmühl in Niederösterreich. Sieben Personen er­tranken. Außerdem ist der Verlust von sehr vielen Tie­ren zu beklagen. Der Schaden beläuft sich auf mehrere Millionen Kronen.

Die Beisetzung des Schauspielers Harry Walde« fand unter großer Beteiligung auf dem alten Luiseu- kirchhof am Bahnhof Westend (Berlin) statt. Der An­drang der Menge war so groß, daß der Zugang zum Kirchhof durch Schutzpolizei abgesperrt werden mußte.

Ein Attentat wurde auf den D-Zug 91 KölnHam- bürg zwischen Winsen und Haltern verübt. Verbreche­rische Hände hatten einen Sprengkörper auf das Gleis gelegt, der mit heftigem Knall explodierte, als die Rä­der des Zuges Um berührten. Der Bahnkörper wurde beschädigt und eine eiserne Schwelle durchschlagen. Der D-Zug blieb glücklicherweise unbeschädigt und konnte nach kurzem Aufenthalt seine Fahrt fortsetzen.

Vom Miuisterium ins Gefängnis wanderte der Ge­neraldirektor des belgischen Kolonialminfftertums, ber in dem Verdacht steht, mit einem falschen Scheck bei ei­ner Brüsseler Großbank 475 000 Franken abgehoben zu haben.

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Sande! und Verkehr.

Berliner Buttermarkt vom 11. Juni. Me Preise rogcn etwas an. Die Qualität ist auch besser geworden, da die Ware man mehr so sehr unter der Hitze zu leiden hat. Einstands­preis franko inkl. Fastage. 1 19% .X, 2. 1615 X abfallende Ware 1412 M.

Berliner Schlachtviehmarkt vom 11. Im«! Auftrieb 1350 Rinder, 1432 Kälber, 5804 Schafe, 5313 Schweine. Es no­tierten für 100 Pfund Lebendgewicht: Ochsen 500800. Bullen 600-800. Kühe 300800. Kälber 4001300. Schafe 400 bis 730. Schweine 10001300. Der Markt verlief bei Rindern und Schafen glatt, bei Kälbern langsam und bei Schweinen ruhig.

Wirtschaftliche Rundschau.

(Nach dem Stande vom 11. Juni 1921.>

Allgemeine? Lage. Die Weltwirtschaftslage wird gegen­wärtig durch den Kampf der Märkte um den Preis gekenn- ^

dem teilten Höhepunkt erreicht zu haben Es llegen Zeichen:. . vor, baB der Tiefstand bereits überschritten ist.

Geldnrarkt. Die deutsche Mark war zuletzt wieder in rück­läufiger Bewegung. Es dürfte dies hauptsächlich eine Folge der großen Devisenkäufe sein, die die deutsche Regierung durch die Reichsbank getängt hat, um die von der Entente aufer- Legten Zahlungen ausführen zu können. Die Tendenz an der Börse konnte sich int allgemeinen wieder befestigen. Die poli­tische Lage wird wieder freundlicher beurteilt. Die schwebende Schuld des Reiches an diskontierten Schatzanwetsungen hat sich vom 21. bis 31. Mai um 1,60 Milliarden auf 176,64 Milliarden erhöht. .

Handel und Industrie. Es wird festgestellt, daß der Ge- schäftsgung in Handel und Industrie eine leichte Belebung er­fahren hat. Eine durchgreifende Bcssemng wird aber durch die ^Sanktionen" verhindert. In der Maschineninduftrir bat sich die Lage verfchlechtert.

Warcitinarkt. Auf den deutschen Märkten sind fast allge­mein leichte Preissteigerungen zu verzeichnen, so bei Wolle, Baumwolle, Häute und Felle, Kaffee, Kakao, Reis, Eier. Milch und Milchprodukte. Am Ledermarkt machen die steigende« Rohhäutepreise einen Rückgang der Lederpreise unmöglich.. ^ Der Verein deutscher Zellstoffabriken beschloß für Zellstoff eine Preisemiätzigung um etwa 10 Prozent. Vom 7.10. fand in München die 2. deutsche Schirmmeste statt.

Landwirtschaft. Die Heuernte ist in vollem Gange und verspricht im allgemeinen ein günstiqes Ergebnis. Rußland will für deutsche Landwirte eine intensive Siedelungsmöglich- keit ernräumen.

Produktenmarkt. Gutes Futtermaterial ist gefragt. Für Hülfcusrüchte zeigten die Käufer Zurückhaltung.

Viehverwertung. Auf den Viehmürkien hat der lebhafte Handel nachgelassen. Aus den in den letzten acht Tagen be­kannt gewordenen Marktpreisen ergibt sich folgender Durch­schnitt: Ochsen und Stiere 310010 000 ^, Kühe 49000 .Ä, Ferkel 200-480 M p. St., Läufer 520880 X Pferde 6008 20 000 M. Auf der Stuttgarter Hauteauktion wurden erzielt: für Ochsenhäute 1112,60 .< Rinderhäute 1114,80, Kuh­häute 10,6014,35, Bullenhäute 8,5513,45, Ausschuhhäute aller Gattungen 11,1511,25, Kalbfelle 18,25-19,651, Fresser 13,2515,10, Schafe 4,757,75 M.

Levenshaltnng. Die Aussichten auf die Ernte sind günstig». Zusammen mit einer stabileren Einsilhr aus beut Ausland dürfte die Lebensmittelfrage in geregeltere Bahnen wieder: kommen. In Nord- und Mitteldeutschland und besonders in Sachsen sind die Butterpreise gefallen. Mit der offiziellen Frei- gäbe des Handels hat sich ein denkbar normaler MarN mit durchaus annehmbaren Preisen entwickelt. Nach der Statistik | beträgt der europäische Vorrat an Kaffee 1858, der Wellvorrat 8575 Sack.

Hol-Mattt. Die Stimmung ist im allgemeinen etwas besser geworden. Lohnende Abschlüsse sind allerdings noch selten. Auf jeden Fall steigt wieder das Interesse. Die Mehrzahl der ^olzberkäufe ist erledigt.

Baumarkt. Mit Rücksicht auf den zu erwartenden steigen-

erledigt.

- Mit Rücksicht auf den zu erwartenden steigen­den Bedarf an Zement im Stürmt» wurde die Ausfuhrmeng« für Zement um 50 Prozent herabgesetzt.

Verkehr. Mit den neuen Fahrpreisen ist die Verkehrsziffer um etwa 25 Prozent zurückgegangen. Im besetzten Gebiet sind durch die Verstopfungen der Güterbahnhöfe weitere Lie« fcningen undurchführbar geworden.

Arbeiismarkt. Sm besetzten Gebiet greift die Arbeits­losigkeit immer weiter um sich. Während auch sonst in den Jndustricorten sich eine große Anzahl Erwerbsloser aufhält. macht sich bei der Landwirtschaft ein empfindlicher Mangel an Arbeitskräften fühlbar.

Ausland. In Ungarn ist die Geireidezwangswirtschaft aufgehoben worden. Die Ausfuhr der Schweiz befindet sich in einem fortgesetzten Rückgang. Die luremburgischen Hütten- gesellschaften haben einen Lohnabbau von 815 Prozent vor« genommen. Infolge der Krise in der belgischen Spinnerei« Industrie haben die FabrUen eilte Woche geschlossen. Die italienische Textilindustrie macht gegenwärtig eine schwere Krise durch. , -