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Nv 136
Eienstaft. den 14» Juni
1931
Hemmung »es ensüWmi vormariches.
Einspruch Seroutzs.
^ Die Stadt Tarnowitz ist am Sonntag von den Engländer« besetzt worden. Das weitere Borriickeu der Engländer gegen Benthen und Kattowitz ist infolge neuer Einsprüche der interalliierten Kommission unterbrochen worden. Die englischen Truppe« stud nur «och wenige Eisenbahnstationen von Beuche« «nd Kattowitz eutserut. Die Einnahme der beiden Hauptstädte des Industriegebiets wird in wenigen Stunden erfolge«, wen« die interalliierte Kommission die Ermächtigung Hierzu erteilt.
Die Bediuguugen für Zurücknahme des Selbstschutzes.
^ Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, soll der Zwölferausschutz folgenden Beschluß gefaßt haben: Eine Zurückziehung des deutschen Selbstschutzes ist erst dann möglich, wenn eine tatsächliche Entwaffnng der polnischen Insurgenten durch geführt ist, wenn alle aus Polen gekommenen Banden aus Oberschlesien entfernt sind, wenn eine völlige Sperrung der polnischen Grenze erfolgt ist, wenn gegen alle an dem Aufstande Schuldigen ein Strafverfahren eingeleitet worden ist (keine Amnestie), wenn alle von den Insurgenten eingesetzten Behörden aufgelöst sind und wenn eine Verhinderung der Fortsetzung der Bewaffnung in Form von Gemeinde- und Ortswehren gesichert ist.
Eine Beschwerde der deutsche« Regierung.
»* Die deutsche Regierung hat bei der interalliierten Kommission in Oppeln und bei den alliierten Kabinetten Beschwerde erhoben gegen die Nichtentwaffnrmg der in Oberschlesien von den Alliierten zurückgedrängten Insurgenten. General Lerond hat angeordnet, daß nur bei Waffengebrauch der Insurgenten gegen die alliierten Truppen Verhaftungen und Entwaffnungen vorge- nommen werden dürfen.
Neue Kämpfe in Oberschlesie«.
w Oppeln. (D. A.) Sonntag nachmittag fanden zwischen der deutschen Apo mrd den Insurgenten südlich von Rosestberg Kämpfe statt. Die Polen griffen mit starker: Kräften an, wurden jedoch zurückgeschlagen. Im Südabschnitt verlief die Nacht ruhig. Bei Ratibor kam es zu reger Gefechtstättgkeit, worauf die Italiener mit LWMie MgrifftzK LAMM».sMMontra, morgen.
troffen." Die «Eng'
Weitere Transporte der Engländer, die insbesondere mit leichten und schweren Geschützen ausgerüstet sind, wurden im Laufe des Sonntag abtransportiert. Die allgemeine Marschrichtung der noch in Oppeln liegenden Truppen ist Malapane.
Verhaudlungeu über einen neuen Aktionsplan.
M1 Oppeln. (D. A.) Bor einigen Tagen hatte bekanntlich die interalliierte Kommission einen Akttonsplan ausgearbeitet, der die beiderseitige Räumung durch die polnischen Insurgenten und den deutschen Selbstschutz in dem Verhältnis 4:1 vorsah. Dieser Plan ist gescheitert. Es wurde daher ein zweiter Aktivusplan ausgestellt, der die gegenwärtige Stellung des Selbstschutzes als Haltelinie und nach Durchführung der Aktion die Auflösung forderte. Da eine Verbindung mit der interalliierten Kommission und dem Zwölferausschutz am Sonnabend nicht möglich war, finden erst Montag nachmittag neue Verhandlungen darüber statt. Der Zwöl- ferausschütz Hat zur Durchführung der Aktion eine Reihe von Bedingungen gestellt.
Polnische Kreiseinteilung.
w Berlin. (D. Ast Aus Beuthen wird dem „Dzien- «ik Berlinski" gemeldet: Die Behörden der Aufständischen haben eine Verordnung über d e Angliederung des rechts der Oder gelegenen Teils des Kreises Ratibor an den Kreis Rybttik und des rechts der Oder gelegenen Teiles des Kreises Kosel an den Kreis Gleiwitz erlassen.
' Graf Sforza über Oberschlesie«.
» Wie«. (F. G.-A.) Senator Cirmeni berichtet in Her „Neuen Freien Presse" über seine Unterredung mit dem Grafen Sforza. Ueber feine Haltung in der ober- schlesischen Frage erklärte Graf Sforza, daß er nicht daran gedacht habe, die Grenze zwischen Deutschland und - Polen zu bestimmen. Er hätte einfach versucht, eine mittlere Lösung der Frage herbeizusühren, und er sei überzeugt, daß sein Vorschlag bei dem Obersten Rat den Sieg davontragen werde. Graf Sforza hält die Lösung, die Briand und Lloyd George vorgeschlagen haben, für undurchführbar. Nach seinem Borschlage müß- ten die kleinen Gemeinden, wie das Plebiszit auch laute, dem Schicksal der benachbarten größeren Gemeinden folgen. Nach Annahme seines Vorschlages werde eine oder die andere Partei dagegen protestieren. Man würde sich aber nach und nach einigen und unter sich verhandeln. Den Polen würde es nie gelingen, die Bergwerke ohne die starke Mithilfe der Deutschen aus- zunutzen. Weiter erklärte Graf Sforza, es bestehen zwischen Frankreich und Italien keine gemeinsamen Vereinbarungen.
Die Streitsache in München.
«' In allen lebenswichtigen Betrieben in München ist die technische Nothilfe eingesetzt worden. Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke sind in Betrieb. Nach einer Mitteilung von Arbeitnehmer feste gehen für die drei Generalstreiktage der Münchener Arbeiterschaft . Löhne von zusammen 4 Millionen Mark verloren.
Keine Ausdehnung des Streiks.!« Bayer«.
ö* Die Gefahr der Ausdehnung des Münchener Generalstreiks auf die übrigen bayerischen Industriestädte kann als beseitigt angesehen werden. Sowohl aus Augsburg wie auch aus Nürnberg liegen Meldungen vor, wonach die dorttgen Gewerkschaften keine Streikparole ausgegeben haben.
Rückkehr von Kahrs «ach Münche«.
Ministerpräsident von Kahr ist Sonntag mit Unterbrechung seines stößigen Urlaubs nach München zurückgekehrt.
Verbot von Demonstrationen.
•* Die „Münchener Post" hat ant Sonntag wieder ein beschlagnahmtes Flugblatt heransgegeben, das zur Bildung eines Demonstrattonszuges am Beerdigunastage Gareis anfforderte. Die Teilnehmer sollten sich ant Sonntag auf der Theresienwiese versammeln und geschlossen nach dem weit entfernt gelegenen Ostfrieddof ziehen, wo um 5 Uhr nachmittags die Einäscherung erfolgte. Der Zug wurde aber ebenfalls verboten. — In den Eisenbahnwerkstätten sind die Arbeiter am Sonntag Morgen abermals vollzählig zur Arbeit gekommen.
Die Ermordung Gareis ein persönlicher Racheakt?
** Zu der Ermordung Gareis verlautet, daß die Annahme, daß überhaupt kein politisches Attentat, sondern eine persönliche Rachehandlung emes Gegners vorliegt, dadurch gestützt wird, daß Gareis zur Ermittelung anonymer Brieffchreiber schon vor einiger Seit die Hilfe eines Münchener Detektivbiiros in Anspruch genommen hatte.
Protestkundgebungen in Berlin.
^ Die Münchener Mordtat schlügt ihre Wellen auch nach Berlin. Die Sozialdemokraten, Unabhängigen, Gewerkschaften und Augestellteuverbände rufen zu Protestversammlungen aus, die am Montag stattfinden sollen. Die Sozialdemokraten haben nach 6 großen Sälen aus nachmittags 5 Uhr Versammlungen etuberufen „zum Protest gegen die Zustände in Bayern". Nach diesen Versammlungen soll in einer gemeinsamer». Schlutzkund- gebung den Münchener Machthabern der Kampf ange- fagt werden. Die Unabhängigen versammeln sich ebenfalls um 5 Uhr auf dem Schloßplatz am Marstall. Ihre Kundgebung soll folgende Forderungen erheben: Sofortige Aufhebung des Belagerungszustandes in Bayern, Mitteldeutschland.und OstpreMcu, ^ufheüung der Son- Ernwohne»wehren, Rücktritt der RegieruM von Kahr, Bestrafung aller Schuldigen und Anklageerhebung gegen den Münchener Polizeipräsidenten Töhner und gegen Eicherich. Die Berliner Gewerkschaftskommission und das Berliner Ortskartell der Angestelltenverbände stellen es ihren Mitgliedern frei, an welcher Demonstration die beiden Parteien sich beteiligen wollen. Aber die Arbetter und Angestellten Berlins müßten „in voller Einmütigkeit gegen die reaktionäre Schreckensherrschaft in Bayern protestieren.
Ruhe i« Bayer«.
Münche«. (F. D.-A.) Der Sonntag ist in München und nach den bisher entg e( an fetten Meldungen auch in ganz Bauern ohne irgendwelche Störung verlaufen. Die lebenswichtigen Betriebe, wie die ^<er= kehrsanstalteN arbeiten in dem üblichen Umfange. Die Tageszeitungen, ein vierseitiges Blatt des Münchener Bürgerbundes, sowie eine Bettung des christlichen Gewerkschaftskartells, find erschienen. Die Untersuchungen wegen der Mordtat gehen langsam vorwärts, da sich die Mitteilungen der Einwohnerschaft über etwaige Wahrnehmungen nur spärlich einstellen. Die Suche mit einem Polizeihund blieb ergebnislos, da es vor und nach der Tat in Sirenen geregnet hat.
-H- München. (F. Z.) Die verstärkten Anstrengungen der Gewerkschaften den Generalstreik während der Beerdigung des Abgeordneten Gareis nochmals zum Aufflammen zu bringen, find gescheitert. Zwar hatten die Eisenbatmarbeiter beschlossen, die Arbeit niederzu- legen, es sind aber nur vereinzelte Gruppen der Parole gefolgt, fodaß der Verkehr keine Störung erlitt. Auct) bei den Straßenbahnen ist der Betrieb voll durchgeführt.
Unabhängige Interpellation.
W' Berlin. iB T.) Die Reichstagsfraktion der Unabhängigen hat wegen der Ermordung des bayerischen Landtagsabgeordneten Gareis eine Interpellation im Reichstag eingebracht.
Die Besprechungsn Rathenans mit Loucheur.
>» Paris. (F. G.-A.) Eine Unterredung zwischen dem deutschen Wiederaufbauminister Rathenau und dem französischen Wiederaufbauminister Loucheur fand am Sonntag in Wiesbaden statt und wird in den nächsten Tagen fortgesetzt. Es wurden nur die Wiedergutmachungsfragen besprochen. Politische Fragen waren von vornherein ausgeschaltet. Rathenans Bericht begann mit der Schilderung der wirtschaftlichen Lage Europas. Ra- tRenan meinte, daß die Ausfubrabgabe von 26 Prozent schwer auf das zukünftige Budget Deutschlands lasten werde. Er würde dem Londoner System eht System vorziehen, daß den Pariser Abmachungen gleiche, wo jedoch die eventuellen Jahresleistungen erheblich höher seien. Loucheur gab zu verstehen, daß Deutschland auf keinen Fall hoffen könne, im Falle einer internationalen Anleihe die Biirqsclmst der Alliierten zu erhalten. Rathenau bestand darauf, daß die Naturalleistungen eine -Hauptrolle spielen müßten. Er wies nach, daß für Deutschland gegenwärtig der WeSstulkurs ein Frage auf Tod und Leben sei. Deutschland könne sich feiner Schulden nur durch Materiallieferungen und Arbeitskräfte
entledigen. Hier machte Loucheur die Bemerkung, gewiß könnten und sollten Naturalleistungen eine große Rolle spielen, aber die Naturalleistungen trügen den verwickelten Bedingungen nicht Rechnung. Ratheum» erwiderte, das seien Schwierigketten, die man behebe« müsse. Loucheur Betonte die Notwendigkeit, die deutschen Zahlungen auf mehrere Jahre abzustufen uno lenkte dann Rathenans Austnerksamkett auf die Lieferung der Holzhäuser. Das ist der Inhalt der ersten Unterredung am Sonntag, die am Montag ihre Fort» setzung finden wird. Die Unterredung der beiden Wie-- deraufBanmittifter dauerte länger als zwei Stunden.
Loucheur erklärte dem Vertreter des „Mattn" gegenüber, es sei das erste Dtal, daß er so einem erfahrenen Manne gegenüberstehe, der von der ernsten Absicht Beseelt fei, eine Einigung M erzielen und den Willen kundgegeben habe, die von Deutschland unterschriebenen Bedingungen zu respektierem „Pettt Parisien" meint zu der Unterredung zwischen Rathenau und Lauch eur, man könne von dem Meinungsaustausch wahrscheinlich keine Auffehen erregenden Beschlüsse »Wirten, aber richttg sei, daß jetzt ein neuer Weg eingeschlagen werde. Loucheur könne bezeugen, daß Rathenmr entschlossen sei, zum Ziele zu gelangen, und Rathenau habe Schwierigkeiten kennen gelernt, die er bisher nicht gekannt habe. Heute, so schreibt das Blatt, bestehen Bande zwischen den beiden Wiederaufbauministern, die vielleicht die Schwelle eines deutsch-französischen Zusa«r- menarbeitens Bedeuten.
Aufgaben der nächsten Alliierten-Konfeernz.
Einem Vertteter des „Jntransigeant" wurde von einem Diplomaten über die Interalliierte Konseren- folgende authentische Information erteilt: Es wird keine neue Besprechung in Boulogne-sur-Mer, sondern eine neue Konferenz in London oder Paris oder anderswo stattfinden. Die Konferenz ist notwendig geworden, aber unter der Bedingung, daß Frankreich und England dabei vollständig paritätisch behandelt werden und daß nicht mehr die Rede davon sein kann, daß Frankreich im Schlepptau Englands einherziehe. Die Aufgabe des Obersten Raies wird vielseittg sein: zunächst die oberschlesische Frage, durch deren Aufschub jeder Tag weitere Verwicklungen herbeiführe, weiter die orieuta- lische Frage und die Herausforderung der Moralisten, richtshof befchäfttgen, welcher nur das Scheinbild einer Iirstiz abgebe, ferner mit der Frage der Besetznug voa Düsseldorf, Dmsbnrg und Ruhrort, und endlich wird die Frage erörtert werden, wie die deutsche« Schuld- verschrerbuNge« auf dem Weltmarkt begeben werden könnten, eine Frage, welche die Finanzmänner nicht allein behandeln sönnen. Man war ursprünglich der Ansicht, daß die Sitzung des Obersten Rates verschoben werden könnte, weil man geglaubt hatte, daß es im Interesse Frankreichs liege, die Dinge in Oberschlesien gehen zu lasten, weil dadurch die Lösung erleichtert würde. Aber die Tatsachen haben bewiesen, daß diese Anschauung nicht richtig war, und daß eine Lösung der oberschlesischen Frage durch die Alliierten erfolgen muß, damit man die wetteren Ereigntsse kennen lerne, d. h. ob Polen und Deittsche sich der gefällten Entscheidung fügen oder nicht. Jedenfalls ist Bereits erwiesen, daß der Tod der Entente ein Alpdruck war, der zu bestehen aufhörte, und die Treffe Englands und Frankreichs bewies den anderen Alliierten, den früheren Feinden und den Neutralen, daß diejenigen, die int Trüben fischen wollten, unrecht hatten. Der französische Diplomat ist der Ansicht, daß die Tagung des Obersten Rates «tu den 20. Juni erfolgen könne.
Stresemanu über die politische Lage.
Am Sonnabend trat in Hamburg der Zeutralvor- Band der Deutschen Volkspartei zusammen. AlS erster leöner erschien nach der Eröffnung der Sitzrmg, die sehr zahlreich besticht war, Dr. Strese«ra«n am Pütt, um Bericht über die polittsche Lage zu erstatten. Er ging von dem Eintritt der Volkspartei in die Regierung aus, die herbeigeführt habe, daß die Stärkung deS Na- tionalgefühls und der Staatsautorität voll zur Auswirkung gekommen fei. Die Lage des Kabinetts Fehrenbach fei feit dem Scheitern der amertkmnschen Vermittlungs- aktion unmöglich gewesen. Dagegen seien die positiven Leistungen dieser Regierung trotz der volkSparteiliMn Kritik daran nicht au übersetzen. Zur Annahme des Ultimatums führte Stresemarm aus, daß zuerst darüber volle Eiunrüttgkeit Bestandet! habe, daß diese aber durch den Einbruch Korfantys gestört wurde. Der neuen Regierung gegenüber vertrete die Partei den Standpunkt der sachlichen Oppositton.
Es wurde folgende Enischlietzunq angenommen: „Der Scutralnorftaud billigt die Ablehnung des ttlti- matnms durch die Reickstagsfraktton: mit der sachlichen Opposition erklärt er sich eiirverstanden. Hl^tteHnen find sozialdemokratisch« Experimente jeglicher Art in der WirtschaftS- und Finanzpolitik. Hinzu wirken ist auf die Aufrechrertzalttlug der durch die bisherige Sieuergc setzgebung tm weitestem Maße bereits zernwrvten mi:- telftänöifdjen Schichten."
In einer zweiten Entschließung wird gefordert, ; nach dem Ergebnis der Volksabstimmung Oberschi.st. u ««geteilt bei Devtschland verbleibt.
Der Fretspruch Namdohrs.
In der Begründung des freisprechenden Urteils n Prozeß Ramdohr wird n. a cursgesützrt: Der Ang> klagte war dringend verdächttg, jugendliche Persouen