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Hersfelörr Rreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfel-

Nr. 133

Freitag, den 1V. Juni

1021

Der Vormarsch der Engländer.

Die letzten Nachricht«» a»s Oberschlesie» besagen, Haß in Gleiwitz ein englisches Bataillon, in Rmerrberg gleichfalls ein englisches Bataillon und eine französi­sche Kornpagnie, in Krappiz und Ottmnt ein italieni- Fes Bataillon'eingetroffeu sind. In Rosenberg war den Fnsnrgente» von den Engländern eine Frist von einer Sttmde für den Abmarsch, allerdings mit Beibe­haltung ihrer Waffen, zngebilligt worden. Sie hielten sich auch an diesem Ultimat»«. Mittwoch morgen ha­be« die Engländer ihre» Vormarsch fortgesetzt. Die Polen habe» sich bisher vor ihnen kampflos zurückge-

Zöge».

«^ Breslan. (B. T.) Nach den neue

^ ^ . ^. „... _____ .... ______fite» Meldun­

gen aus Oberschlesien sind im Nordabschnitt bei Zenbo- witz aus polnischen Angriffen längere Kampfe eutstän- Len, die in der Nacht vom Mittwoch anf DonnersLag an- dauerte«. Die Deutschen verloren bisher 12 Tote und 28 Verwundete. Im Abschnitt Rosenberg wttrden .eug- liidie Vormasten etwas vorgeschoben. Die Engländer

28 Verwundete. Im Abschnitt Rosenberg wnrdeu , lische Vorposten etwas vorgeschoben. Die Englai marschiere» am Donnerstag von Rosenberg in fitdk Richtung nach Grotz-Stauitz, , Zettbowit; und Malapaue eine neutrale Zone zwischen die kämpfenden Linie« zu schieben. Bei Ratibor wurde wieder ein polnischer Panzerzug unschädlich gemacht. Der Bahnverkehr wird voranssichtlich Donnerstag wie­der ausgenommen. Es verkantet, daß englische Stoß­trupps gegen Königshütte und Tarnormtz eingesetzt wor­den sind, um die beiden Städte von den Polen zu be-

«m a»i

»senSerg in südlicher ch i« dem Abschnitt

freien.

Die Engländer vor Königshütte.

v!» Breslan. Die Engländer sind in einen Borort von Königshütte eingerückt.

Eine Unterredung mit General Höfer.

w Der Sonderberichterstatter des „Berl. Tagebl." Hatte mit General Höfer eine Unterredung, der wir fol­gendes entnehmen: General Höfer, der Führer d^ deut­schen Selbstschutzes in Oberschlesien, empfing mrch heute in seinem Hauptquartier in Oberglogau im Schlosse des Grafen Oppersdorf, der bekanntlich zu den Polen uber- gegangen ist. Der aus Oberfchlesien gebürtige General, der im Kriege achtmal verwundet wurde und den rech­ten Arm verloren hat, ist eine Erscheinung, deren Of- fenheit und Ehrlichkeit gewinnend und> überzeugeud wirkt. Oberfchlesien ist ihm Dank schuldig. General

zahl 7,5 Granaten in das Stadtinnere, die aber keinen nennenswerten Schaden verursachten. In der Stadt wurden Gewehrgeschosse und zu Dumdumgeschossen ab- geänderte Kugeln österreichischer Herkunft zu erkennen waren.

Tarnowitz In polnischen Händen.

Tarnowitz ist nach erbitterten Kämpfen zwischen den Insurgenten und dem deutschen Selbstschutz, der sich aus Bürgern und Flüchtlingen zusarmnensetzte, von den Polen eingenommen worden. Es sind auf deutscher Seite viele Tote und Verwundete zu beklagen. Die In­surgenten plünderten nach der Einnahme die Läden der deutschen Bevölkerung.

Vormarsch auf Lublinitz und Tarmowitz.

»* Berlin. Aus Oppeln wird gemeldet: Nach Beset­zung eines Teils des Bahnhofes von Gleiwitz durch englische Stoßtrupps sind englische Abteilungen «ach Königshütte vorgerückt, dessen Befreiung nahe bevm- steht. Weiter sind englische Stoßtrupps auf Lublinitz und Tarnowitz angesetzt.

Schwere Kämpfe um Tarnowitz.

o* Oppeln. (D. A.) In Tarnowitz spielten sich in der Nacht zum Montag schwere Kämpfe ab. Da die Franzosen sich nicht nur passiv verhielten, sondern auch die Insurgenten begünstigten, griff deut. Her Selbst­schutz ein. Es gab eine Anzahl Verwundete. Am Mon­tag abend kam eine Art WafferrftiLstand zustande. Am Dienstag abend wurde die Stadt von den Insurgenten besetzt. In Kattowitz habe» die Polen Schützengraben ansgehobem In Beuchen herrscht katastrophaler Le- bensmittelmangel.

Polnische Vorstöße auf Pletz.

»-#. Berlin. Aus Ratibor wird gemeldet: In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag haben die Polen erneut Vorstöße auf Pletz unternommen. Sie besetzten das Schloß Pletz. Von Ratibor sind Freiwilligen-Truppen nach Pleß abgerückt. Die innere Stadt ist von den Po­len noch frei.

Polnische Verwüschngem

» Berlin. Der oberschlesische Berichterstatter der „Voss. Ztg." berichtet grauenhafte Verwüstungen der pol­nischen Insurgenten in der Stadt Kandrzim Dort haben die Polen besonders die Beamten- und Arbeiterhäuser völlig verwüstet. Auch ist die evangelische Kirche durch polnisches Granatfeuer zerstört.

erwarten von der RLttysregrerung, daß sie alles oam, einsetzt, daß Oberschlesien, gestört auf das Abstim­mungsergebnis, der geschtchtttchen Leistungen und der wirtschaftlichen Un Weit bei Deutschland ver­bleibt und fremdem Einfluß entzogen wird.

Englische Spiouage i» Pobm

** Nach einer Meldung der „Chicago Tribuns,wurde in Warschau ein polnischer Offizier wegen Verrats von militärischen Plänen an englische Nachrichtenoffizier erschossen. Durch das Verhör fei ein weitverzwesateS brnisches Spionagesystem in Polen aufgedeckt worden. Zu die Affäre sollen viele hochgestellte Persönlichkette« Polens verwickelt sein. Man erwartet sensationelle Enl- • Hüllungen.

Rede illirlfls im lleichswirllchaltsrat.

Vor Eintritt in die Tagesordnung ertlärte Reichs­kanzler Dr. Wirth: Die Lage ist durch unser Jawort geklärt, ungeklärt ist die Frage der Regelung der Ein­zelheiten, die aus dem Ultimatum erwachs«!. In der

oberschlesischen Frage

haben wir versucht, das Verhältnis der Deuffchen zur interalliierten Kouimission und zn den Polen auf dem Boden der Verständigung zu lösen. Das Recht, daß die oberschlesifche Frage auf dem Boden des Rechts ge­löst werden muß, ist eines der wenigen uns verblie­benen Rechte. Aber von diesem Recht, Satz die ober- schlesische Frage nicht durch Diktatur entschieden werden darf, dürfen wir niemals ablassen. (Lebhafter SeifttiL) Nun handelt es sich darum, daß wir in der oberfchlefl- schen Frage

nicht die Nerven verliere«.

Es können da und dort Störungen eintreten und fm> eingetreten. Aber darüber ist sich doch die Welt klar, daß das deutsche Volk in Oberschlesie« und der Selbst­schutz eine Engelsgeduld an den Tag gelegt haben, die die Well selbst schwer verstehen sann.

Diese Geduld machen wir ihnen auch Pflicht, daß sie ausharren, bis duuh fpruch der alliierten Mächte die Frage gelöst ist kann nur gelöst werden unter gerechter Würdigung . vberschlestfchen Plebiszits. Das ist der Ausdruck des demokratischen Lebens und ich wüßte nicht, wie die Mächte, die sich selbst zur Demokratte bekennen, an dem offenen Bekenntnis des oberfchlesifchen Volkes, das sich

des

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striegebtet- geworfen werden, die deutschen Städte be­reit und das Industriegebiet vor polnischen Verwü­stungen geschützt und damit systematisch ganz Oberschle­ien zurückgewonnen werden. Mit den Engländern in Oppeln besteht nach den Angaben des Generals Msofern eine gewisse Fühlung, als deren mMartsche Befehle dem General Höfer mitgeteilt werden, der seinerseits die Italiener und Engländer über seine Abstchte» auf dem Lanfenden hätt. Leider besteht ein solcher Zusam­menhang mit den Franzosen nicht. Infolgedessen konnte solch bedauerlicher Zwischenfall entstehen, wie der Zu- ammenstoß mit den Franzosen bei Kalmow. Der Zwi- chenfall entstand dadurch, daß die Franzosen den Be- ehl erhalten hatten, den Westrand von Kalmow zu be- etzeu, während die Deutschen den Ostrand hielten. Die Franzosen erschienen während der Dämmerung uner­wartet im Rücken der Deutschen, nach dem von dieser Stelle während der Nacht von polnischen Maschinenge­wehren Feuer gegeben worden war. Die franzonschc- Verwundeten wurden verbunden und die französischen Gefangenen sofort dem französischen Kreiskontrolleur m Uiest übergeben. General Höfer bedauert lebhaft die­sen Zwischenfall, der seiner Ansicht nach nur darauf zu- rtickzuführen ist, daß zwischen den Franzosen und Deut­schen keine militärische Fühlung besteht.

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Höfer über den Selbstschutz.

** Berlin. Der Führer des deutschen Selbstschutzes, Generalleutnant Höfer, erklärte in einer Unterredung mit einem Pressevertreter, daß die Besetzung der Stadt ..... durch die Engländer als der Anfang der Säu- iktion angesehen werden könne. Sollten die al-

Gle

berung^^...^.. „..„_,„.,—...------ —.... -------- -

liierten Truppen in dem Industriegebiet nicht ausrer- chen, so sei der deutsche Selbstschutz bereit, sich den Al­liierten zur Verfügung zu stellen und die Befehle loyal Surchzuführen. Der General teilte weiter mit, daß er mit offenen Karten spiele. Er habe seine sämtlichen Pläne dem englischen Oberkommandierenden ausgehän- digt. Zum Schluß betonte der General, daß der deutsche Selbstschutz keine parteipolitische Färbung trage.

-^ Berlin. Die Pariser Presse teilt mit, daß Gene­ral Höfer seine Absicht aufgegeben habe, die Truppen aus dem vberschlestfchen Industrierevier zurückzuzie- hen. Die Garnisonen sollen weiterhin in Pletz, Nnbmk und Tarnowitz verbleiben.

Lerond der Urheber des Polenansstandes.

w Der polnisch orientierte Pfarrer Kühn in Chrum- cü6, Kreis Oppeln, äußerte in einer politischen Nnter- haltuna, daß Korfanty lediglich ein Werkzeug Leronds fei, mit Wissen, Willen und Unterstützung Leronds den Aufstand ins Werk gesetzt habe und sich znrückziehev werde, sobald es Lerond wünsche. Korfanty handele ______nehmen mit Lerond. Dieser iß Oberschlesie« zvm größte« Teil darum werde es auch so geschehen.

werde, sobald es Sero;..

: nie ohne vorheriges Einvernehmen wolle und wünsche, daß Oberschlesie an Polen komme, und r.....

Angriff auf Ratibor.

, Nachdem seit Sonnabend die Vorstadt Plania unter '' polnischem Artilleriefeuer gelegen hatte, richteten die .. Znsuraenteu Mittwoch moraen aeaen 4 Uür eine An-

in tiefster Not und Sorge um die Säuglinge, .Kinder und Kranke der Stadt an ihre Schwestern im Reiche mit der inständigen Bitte, Sorge zu tragen für baldmög­lichste Hilfe in dem schweren Elend. Der Aufruf schließt: Wir appellieren an den Gerechtigkeitssinn der Welt, uns nicht länger dem völkerrechtswidrigen Ter­ror der Polen preiszugeben.

Weitere Enteutetruppe« für Oberschlefie«.

»^ Köln. Bon hier sind am Dienstag weitere drei Truppentransporte der Engländer in Stärke von 2500 Mann nach Oberschlesien abgegangen. — Die ersten französischen Truppenverstärnmgeu haben Mainz pas­siert.

Ablehnung des deutscher, Selbstschutzes.

»^ Am Mittwoch wurde in London im Ministerrat unter dem Vorsitz von Lloyd George die durch den deut­schen Botschafter Sthamer überreichte Note beraten und beschlossen, die Wiederherstellung der Ordnung in Ober­schlesien durch Schaffung einer neutralen Zone zu be­schleunigen. Der deutsche Selbstschutz wurde von den Alliierten abgelehnt. Deutschland habe die Verantwor­tung dafür zu übernehmen, wenn der deutsche Selbst­schutz aus seiner augenblicklichen Zurückhaltung her- ausgehe.

Die französische Unterstützung der Aufständischen.

o* Ein Offizier des französischen Generalstabes er­klärte, man habe die Polen sich etablieren lassen und den Weg von Rosenberg über die Grenze freigegebeu. Ein französischer Korrespondent berichtet: Dre Insur­genten erhielten alles, was sie brauchten. Dre Deut­schen hatten die polnischen Banden langst aus deur Lande gejagt, wenn sie genügend Munition gehabt hät­ten. Es sei eine Tatsache, daß sich die Franzosen zwi­schen die Polen und Engländer stellten.

Zweierlei Maß.

Wie verlautet, sind die Berliner Botschafter Eng­lands, Frankreichs und Italiens beim Reichskanzler vorstellig geworden und haben darauf hrugewreien, daß ein weiteres offensives Vorgehen des deutschen Selbst­schutzes in Oberfchlesien von den schwersten Folgen für dieses Land begleitet sein würde. Dw Botschafter mach­ten darauf aufmerksam, daß eine Mttuurkuug von deut­schen Verbänden bei dem Vorgehen der Ententetrup­pen gegen die polnischen Insurgenten keinesfalls in Frage kommen könne.

Der Schritt des Pariser Botschafters Dr. Mauer am Quai d'Orfay gegen die Haltung der Interalliier­ten Kommission in Oppeln hat in Paris lebhaften Un­willen erregt. Man gibt Deutschland M verstehen, daß das Vorgehen der Deutschen in Oberschleuen in keiner Weise gerechtfertigt sei. (?)

Kundgebung für Oberschlesien.

** In einer Kundgebung der Umveriitat Frankfurt a. M. für Oberfchlesien wurde folgende Entichließuug an- gerumrmen: Die versammelten Professoren und Stu- denten an der Universität Frankfurt £ Pt protestieren einmütig geaen die Veraewaltiauna Obericklesieris und

P Entwicklung Euro­

pas. Damit habe ich die erste Gelegenheit benutzt, um mich in Ihrer Mitte vorzustellen, um. Sie zu bitte» um Ihre Mitarbeit an der großen Frage der Erfül­lung des Ultimatums. Die jetzige Regierung will

erfüllen, was in Meuschenkräften steht.

Allein das Leistungsprinzip samt die Well von dem guten Willen des deutschen Volkes überzeugen, alles aufzubieten, was in Menschenkräften liegt Dazu brauche ich Ihre Mitarbeit, Sfn den nächsten Wochen und Monaten wird sich entscheiden, ob der Reichswirt- schaftsrat im deutschen Volk eine große Bedeutung be­kommt oder nicht. Es handelt sich insbesondere um die Ausfuhrabgabe, um die Einführung eines neuen In­dex. Davon hat sich die Welt wohl schon heute über­zeugt, daß die Form, in der die 26prozeuttge Ausfuhr- abgabe getätigt werden soll, nicht Rücksicht nimmt auf die Belebung der deutschen Wirtschaft. Die Sckwie rigkeiten der deutschen Wirtschaft sind auch Schwierig feiten für die europäische und die gesamte Weltwirt­schaft. Der Schwerpunkt liegt jetzt in den einzelnerc Abgaben. Wir müssen innere Leistungen vollbringen zur Erfüllung der ReparationsaufMbe. Das ist die gi- gmstischste Aufgabe, die die Welt je gesehen hat. Dann besprach Dr. Wirth das

Steuerprogramm.

Schauen Sie heute die Steuereingänge der legten Monate an. Niemand hätte damals geglaubt, daß wir in einer so verhällnismätzig kurzen Zeit des Veranla- gungsgeschäftes alles in allem weit über 40 Milliarden Mark im Geschäftsjahr 1920 immerhin vereinnahmt ha­ben. Poltfik ist der Weg des Opttmisums, der Weg des Dtuts, der die Dinge angreift. Die Zucker- »»d Sützstoffsteuer liegt beinr Reichstag. Die Brauuvveiu- vorlage ist bereits in seinen Ausschüssen durchberate: und wird dem Reichstag schon in den nächsten Wochen zuqehem Die Kapitalverkehrssteuer« sind im Finanz­ministerium fertig und dieses wird Ihnen die Vorlage in den nächsten Tagen zur Beurteilung vorlegen. Die Getränkesteuer ist auch schon vorberaten. Dasselbe i> der Fall bei der Umsatzsteuer, die auch in wenigen Ta gen in der Beratung so weit fortgeschritten ist, daß mir ihren Ausschüssen Fühlung genommen werde« kann. Dieses letzte Problem berührt sich mit der Frage, wie weit die Ansfuhrabgabe mit dem inneren Umsatz in Verbindung gesetzt werden sann. Bei -günstiger Aus­gestaltung der in Vorbereitung befindlichen Gesetzent­würfe werden wir dem Reich

einen sehr großen Teil neuer Einnahme« zuführen sönnen. Dann allerdings werden neue Pro Bleme austauchen im Zusammenhang mit der Kohle und wie weit das Reich genötigt sein wird, die Frage d. - Goldwerte zu diskutieren. Ich persönlich werde m. frei halten von jedem Expcrimertt, das von vomiere den Charakter des Experftnerrts an der Stirne trägt (Beifall.) Alle Kreise des Volkes müssen sich »grübe, klar sein, daß ohne Opfer ein Weg zur Freihei fn das deutsche Volk nicht gefinrden werden kann. Ni • der Gedanke an Schlachtfelder und neue Kämvse werft, '