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Bus der Heimat.

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®s Keine Tinte auf wertvolle Zeitschriften. Zeit- . Meisten, besonders wertvollere und illustrierte, werden > von der Post oft dadurch entwertet, daß die Postbeam­ten ihre Vermerke, die Aufschrift des Empfängers usw. mit farbigen Stiften, Tintenstift oder gar mit Tinte dav- auf anbringerr. Das Reichspostnrini sterium hat deshalb verboten, den Tintenstift bet wertvolleren illustrierten Zeitschriften sowie Gesetz- und amtlichen Verordnungs­blättern M benutzen. Er darf nur zum Beschreiben von Tageszeitungen angewandt werden.

f Rückporto beim Verkehr mit den Behörde«. Der - Reichsfirmnzminister hat versitgt, daß sämtliche Schrei­ben an Behörden, auf die eine Antwort erwartet wird, ein Briefumschlag mit aufgeklebter, dem Posttarif ent­sprechender Marke durch den Antragsteller beizufügen ist, widrigenfalls in allen Fällen, in denen es sich ledig­lich um ein privates Interesse handelt, ein Bescheid grundsätzlich nicht erfolgt.

Entrichtung des Reichsnotopfers mit nicht selbst- gezeichneter Kriegsanleihe. Kriegsanleihe, die vor dem 8. November 1918 entgeltlich, aber nicht' durch Selbst- zeichnung erworben worden ist, kann auf Antrag zur Vermeidung außergewöhnlicher Härten, wie selbstge- zeichnete Kriegsanleihe auf das Reichsnotopfer in Zah­lung genommen werden, wenn sie zu einem Kurse, der nur nicht mehr als 1 v. H. hinter dem Zetchnungskurse zurückbletbt, erworben worden ist und seit dem Erwerb sich ununterbrochen im Besitz des Abgabepflichtigen be-- funden hat. Eine außergewöhnliche Härte ist regelmäßig nur dann anzunehmen, wenn die Zeichnungsfristen aus zwingenden Gründen nicht eingehalten werden konnten, die KrregSanlethe unter Berücksichtigung der Zeit der Anschaffung erkennbar an Stelle von Zeichnung erwor- ben worden ist und die Nichtannahme der Anleihe zum jBorzugskurse eine dem Steuerpflichtigen billigerweise nicht zuzumutende wirtschaftliche Belastung darstellen würde. Anträge müssen bis zum Ablauf eines Monats nach Zustellung des einstweiligen Steuerbescheides bei dem zuständigen Finanzamt gestellt sein.

' Abzugsfähigkett der Kirchensteuer. Nach § 13 des Einkvmmensteuergesetzes in der ursprünglichen Fassung vom 28. März 1920 konnten vom gesamten Betrage des , steuerbaren Einkommens in Abzug gebracht werden: Beiträge an kulturfördernde mildtätige, gemeinnützige rmö poütifche Vereinigungen, soweit ihr Gesamtbetrag ' zehn vom Hundert des Einkoennrens des Einkommeus- ! steuerpflichtigen nicht irberschreitet. Im Reichstag war von vornherein die Meinung vertreten worden, daß aus Grund dieser Bestimmung auch Beiträge für kirchliche Zwecke, insbesondere die Kirchensteuer, abzugsfähig seien. Das Reichsfinanzministerium hatte indes er­klärt. daß die Entscheidung dieser Frage der Rechtsbe- sprechung überlassen bleiben müsse. Nunmehr ist durch eine Novelle zum Einkommensteuergesetz eine Entschei­dung der Frage zu Gunsten der Kirche erfolgt. Danach können Beiträge an inländische Vereinigungen, die aus­schließlich wissenschaftliche, künstlerische, kirchliche, mild­tätige oder gemeinnützige Zwecke verfolgen, soweit der Gesaurtbetrag dieser Beiträge zehn vom Hundert des Einkommens des Steuerpflichtigen nicht übersteigt, in Abzug gebracht werden.

Das erste Haar. Die Möbelstelle des städtischen Wohlfahrtsamtes in Nürnberg hat in den Sitzungen des Stadtrats schon wiederholt Anlaß zu Erörterungen gegeben; Anträge seitens der bürgerlichen Parteien auf Aufhebung der Beschränkungen des Altmöbel. Handels wurden stets durch die soziatdemokrattsche Mehrheit abgelehnt. Jetzt hat sich die Wetterfahne im Rathaus gedreht, und man hat in der Nürnberger Gemeindeschreinerei das erste Haar gefunden Man sah nämlich, daß sich die Borräte an neuen Möbeln in erschreckender Weise häuften. Wenn heute ein Preissturz in Möbeln eintreten sollte, müssen die Nürnberger Steuerzahler wieder tüchtig in den Beutel greifen, um die Verluste zu decken. Auch eine kommunalisierte Schreinerei kann aus ihrer Haut nicht heraus. Unbeschadet der bet jeder Gelegenheit so stark betonten Wohnungsnot beschlagnahmte man gleich ein ganzes Fabrikgebäude am Bergauerplatz, nicht etwa um Wohnungen einzurichten, sondern um vom Untergeschoß bis zum Dachwerk eine Gemeinde­schreinerei einzurichten. Die Maschinen stehen nicht nebeneinander, sondern übereinander in verschiedenen Stockwerken, damit das städt. WohifahrtSschretnerei- personal den ganzen Tag von einem Stockwerk ins

andere laufen kann, auf diese Weise zur Verbilligung der Möbel beitragend. Man schaffte für einige hundert­tausend Mark Maschinen an, richtete hoch oben unterm Dach eine eigene Polsteret und Möbellackiererei ein, und nun gings mit etwa 25 Mann ans Werk so lange bis man jetzt das obenerwähnte Haar fand. Nun soll der Abbau beginnen.

§ Hersfeld. Wie der Finanzminister Dr. Wirth gestern im Steuerausschuß des Reichstages erklärte, wird eine Verlängerung des Termins für die Ein­kommensteuererklärung um 14 Tage, also bis zum 15. Mai, sofort ungeordnet werden.

§ HerSfeld. Wie auS dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich tritt am nächsten Sonntag den 1. Mat bei der Hersfelder Kreisbahn ein neuer Fahr- plan in Kraft. Mit diesem wird auch wieder der von vielen Bewohnern entbehrte Sonntagsver­kehr ausgenommen, durch den es möglich wird, Aus­flüge nach dem Werratal und dem Landeckeramt zu unternehmen. Hierbei wird besonders angenehm empfunden werden, daß Sonntagsfahrkarten für die Hin- und Rückfahrt zum einfachen Fahrpreis ausge- geben werden. Diese Einrichtung, welche vorerst ver. suchsweise getroffen wird, kann nur dauernd werden, wenn die SonntagSzüge auch genügend benutzt werden. Es ist aber zu hoffen, daß dteS sicher der Fall fein wirb.

§ HerSsel». Der seit gestern laufende neue Spiel- plan des Lichtschauspielhauses bringt wieder zwei aus­gezeichnete Stücke. Als selten schönes Filmwerk zeigt sich dieT o t e n i n s e I" mit den zum großen Teil nach der Natur aufgenommenen Bildern. Das große LustspielDie Prinzessin vom Nil" erzielt mit dem vorzüglichen Spiel der Hauptdarsteller starten Heiterkeitserfolg. Ein Besuch dieses Programms ist bestens zu empfehlen.

i Hersfeld. Fe st genommen. Dem Landwirt Klübner aus Sargenzell (Kr. Hünfeld) wurde von Personen, die hamsterten, aus seiner Stube eine Taschenuhr während seiner Abwesenheit gestohlen. Der Täter wurde von der hiesigen Polizei ermittelt und die Uhr dem Eigentümer zurückerstattet.

§ Hersfeld. Ueber die neue Orsklassenein- teilung wird uns geschrieben: DaS in Kürze er- scheinende Notgesetz über die Ortsklaffeneinteilung bringt Hersfeld leider in die bisherige Ortsklasse D. Hoffentlich wird die demnächst einsetzende endgültige Einstufung eine höhere Eingruppierung für Hersfeld bringen, denn Sie Preise sind hier wirklich nicht nied­riger wie in den Großstädten. Die Orte Heringen, HeimboldShausen, LengerS, Philippsthal, WidderS- hausen und WölserShausen sind aus Klaffe E nach D höher einaestuft worden.

5? Caflel. In der Stadtverordnetenversammlung wurde ein vorläufiger Friede geschlossen. Die strittigen Fragen, Aenderung der Geschäftsordnung und Ausbau des Marstallgebäudes zu einem Kinöererholungsheim, wurden zwei besonderen Kommissionen überwiesen. Die Tagung verlief dann ohne jeden Zwisk^nfall. In der vertraulichen Sitzung wurde eine Vorlage angenom­men, wonach auch auf dem Gelände in der Nähe der Stadthalle eine Kolonie für die Beamte« des Landes­finanzamts errichtet werden soll. Die Stadt leistet ei­nen Zuschuß von 35 000 Mark für jede Wohnung. Einen gleichen Zuschuß leistet das Finanzamt. Ferner wurde die bisher von privater Seite der Stadt übernommen.

er In der vergangenen Nacht wurde der Konsum­verein in der Wolfhagener Straße der Schauplatz eines raffinierten Sivdruches. Die Einbrecher durchbrachen eine Mauer und gelangten so in den Geschäftsraum, wo sie für über 20000 Mark Stoffe raubten. Die Täter, die unerkannt mit der Beute entkamen, ließen ein scharf geschliffenes Jnfanterieseitengewehr zurück, das äugen- scheinlich im Notfalle als Waffe dienen sollte.

äs Bei einem Einbruch in einem Haushaltungsge- schäst am Druselplatz wurden für 30 000 Mark Alumi­niumsachen gestohlen.

6? In Sachen des Brandes im Geitz'schen Anwesen in Giflitz bei Cassel hat eine umfangreiche Zeugenver­nehmung durch die Kasseler Staatsanwaltschaft stattge- funden. Höchstwahrscheinlich liegt Brandstiftung vor. In der Bevölkerung herrscht eine lebhafte Unruhe, weil die Begleitumstände dieses Brandes mit einem Groß- feuer übereinstimmen, das vor einem viertel Jahr in

dem Orte Kleinern ausbrach. Auch dieser Brand ist a«? Brandstiftung zurückzuführen. Beide Brände brachen nachts um dieselbe Zeit aus, als im Orte ein Tanzver­gnügen stattfand.

gj Vor dem Schwurgericht begann Dienstag die Ver­handlung gegen den Eifenbahnhilfsschaffner Wilhelm Erbskorn aus Bebra. Der Angeklagte hat in mehrere« Fällen den Reisenden zu viel Geld abgenommen und die Belege, die er später abgeben muffte, gefälscht. Die Verhandlung wird erst im Laufe des Nachmittags M Ende geführt werden.

6* Der Gaspreis ist abermals erhöht worden, «»- zwar auf 1,40 Mark für den Kbm.

Noten bürg a. F. Der 24jährige Kaufmann Karl Peter aus Gilfershansen hatte sich durch gefälschten Brich mit der Unterschrift eines Arztes im wiederholten Falbe des Betrugs fchuldig gemacht. Die Strafkammer z« Fulda verurteilte ihn zu zwei Jahren drei Monate« Gefängnis. Eine versuchte Erpressung muß er mit einem Jahr Gefängnis büßen.

Wabern. Hier wurden dieser Tage zwei Bahnbeamte festgenommen, welche im Verdacht stehen, als Sterbe* für die französische Fremdenlegion tätig gewesen zu sei«.

c Bad Wildunge«. Dieser Tage waren 25 Jahve verflossen, seitdem sich Santtätsrat Dr. Willi Schutthei^ nachdem er vorher lange Zeit bet dem hiesigen weltbe­rühmten Geheimrat Dr. Marc als Assistenzarzt besänf­tigt gewesen war, in unserer Badestadt als selbständiger Arzt niedergelassen hat. Als Leiter irr chirurgische« Abteilung des LandkrankenhausesHeleneuheim", atzt vielbeschäftigter Spezialarzt, als Besitzer einer großen Privatklinik hat er sich einen Weltruf erworben; als Mitglied der hiesigen Stadtverordnetenversammlung und vieler Vereine hat er sich um die Entwickelung um seres Badeortes große Verdienste erworben.

V Frankfurt. Der Polizeipräsident Hak die Seien -es dritten Pfingstfeiertages, des sog. ^WäldchestageS^ mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit verboten. NichE betroffen von diesem Verbot wird das vorzeitige Schlick tzen der Geschäfte, wie es seit Jahrhunderten in Franko furt üblich ist.

'+ In der früheren Irrenanstalt Neuweilnau wir« eine BolksheUstätte mit 800 Betten für Tuberkulöse «nW tuberkulös Verdächtige errichtet. Auch in NeuenhatH bet Soden soll eine große BolksheUstätte für Tuberku­löse errichtet werden.

+ Nach Mitteilungen des Stadtrates Dr. meS. - Schlosser ist eine starke Znnahme der Alkoholerkrcmkmmi gen innerhalb der Bevölkerung zu bemerken.

t Die städtische Waldbahn erhöht ihre Preise füg Gütersätze ab 1. Mai um 100 Prozent.

+ Der Kaufmann Baruch Herbstnmnn überfiel in der Uhlandstraße eine junge Frau und suchte sie durch Chloroform zu betäuben. 15 Monate Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und Stellung unter PolizeiaufsiM lautete das Urteil des Schwurgerichts.

+ Der Kaufmann Ferdinand SchoelleS in BaS Homburg hatte Schwindeleien in großer Zahl verübt, meist kleinere Delikte, die ihm aber doch in der Gesamt­heit neun Monate Gefängnis eintrugen.

4- Im Stadtteil Frankfurt-Preungesheim wurde einer Familie der gesamte Startoffelvorrat, den sie tagS zuvor gesetzt hatte, in der Nacht gestohlen. Die Täter sind spurlos verschwunden.

Die nächste Messe (5. Frankfurter Internationale Messe) findet vom 5. September bis 1. Oktober 1921 statt. E

WMi- Höchst. In öen Höchsier Färbwerken ist man gro­ßen Spritdiedstähle« auf die Spur gekommen, durch die das Werk um rund 20 000 Mark geschädigt wurde.

+ Mainz. Durch Fertigstellung der Kostheimer Schleuse ist der Fahrweg auf dem Main nach Frankfurt wesentlich verbessert worden, zumal man durch dauernde Ausbaggerungen ebenfaKb eifrigst für die Schiffahrt sorgt So können die Schiffe jetzt mit derselben Ladung, die sie im Rheingau haben, den Obermain erreichen, ohne leichtern zu müssen.

4- Wiesbaden. Auch eineDeutsche" ist die Kran­kenschwester Schwarzmann aus Mainz, die zwei fran­zösischen Offizieren nachlief und ihnen meldete, der: Bahnschaffner Demeuth habe ihnen beleidigende Aus­drücke nachgerufen, als sie in einem Abteil für Nicht­raucher rauchten. Dementh fam vors Kriegsgericht und da die Schwarzurann beschwor, der Schaffner habe die beleidigenden Ausdrücke gebraucht, wurde er zu 4 Mo- naten Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe verurteilt»,

Endlich gefunden.

Roman von Heb da v. Schmidt.

(Nachdruck verboten.?

Der Onkel hatte recht das Kapital, welches Erich besaß, ratete nicht zum Ankauf eines Gutes, und Erich stand aM der Sinn nur nach Lutsental, das wollte und mußte er einmal besitzen, so hatte er stch's gelobt. Die­ter Gedanke, der so tief in ihm wurzelte, und den er zur Tat umzugestalten hoffte, Hatte ihn bewogen, die ihm angebotene Stelle eines Verwalters in Treuenhoff an- zunehmen, weil Lutsental in demselben Kirchspiel lag. Der Besitzer dieses Gutes, ein alter tauber Hagestolz, schien die Absicht zu haben, das Alter Methusalems zu erreichen; ein hoher Achtziger, dachte er trotzdem nicht aus Sterben. Erich wünschte ihn auch nicht aus der Welt, mochte er sich noch ruhig seines Daseins freiten.

Wenn die Erben des alten Herrn entfernte Nef- sen und Nichten einmal gewillt sein sollten, Lutsen­tal zu verkaufen. so wollte er in der Nahe fein, um als Erster BeMagauf das einstige Besitztum seiner Eltern zu legen. Womit er es erwerben würde, nmßte er frei­lich noch nicht, vielleicht genügte jedoch eine kleine Art- zahlung, und der Zweck seines Strebens war halb er» füllt. War Lutsental erst sein, so wollte er mit Anspan­nung aller seiner Kräfte versuchen, es hinauf zu brin­gen und zu beweisen, daß es keine Sandgrube war, wie

»er Onkel verächtlich behauptet hatte.

Erich hatte sich, feit er in Treuenhoff war, gesagt, daß der Zufall oder das Schicksal ihn früher oder spater mit feinem Onkel, der sich seit einigen Jahren im Lu- kaSschen Kirchspiel niedergelassen hatte, zu ammenfüh- ren würde. Ihm war eine Begegnung nicht unwill­kommen, und er hoffte, mit der Zeit den eraurnren alten

Herrn zu versöhnen.

Nun hatte sich das erste Zusammentreffen durch aus Romanhafte streifende Veranlassung vollzogen aber im Grunde war es gut so, denn so ward aller Schroffheit

vv« vornherein die Spitze abgebrochen.

Langsam stieg der Mond über die niederen Ellern- wipfel empor, sein stets wohlwollendes, volles Gesicht lächelte Erich so verheißungsvoll an, als wollte er sagen: Set nur getrost, du hast unter einem günstigen Him­melszeichen das Licht der Erde erblickt; wormch du strebst, es wird dir auf allen."

Die träumerische Stimmung in der Natur teilte sich Erich mit. Wie ein unabsehbares grünes Meer wogte das Gras der Bucht ihm zur Rechten; einige Wasfervö- gel ließen aus der Ferne ihren Schrei ertönen, und ab und zu kreuzte ein langsam daherkommendes Bauern­fuhrwerk feinen Weg.

»Die Sommernacht hat's mir anaeta«. Das ist ein schweigsam Reite«, Leuchtkäfer dnrchschwirren den dunkeln Grund Wie Träume, die einst zu guter Stund' Das sehnende Herz mir erfreuten!*

sprach Erich vor sich hin.Was würde wohl Fräulein Dora Nordlingen dazu sagen, wenn sie mich Juntz- Werner rezitierten hörte? Ihrer Ansicht nach dürfte tch mich wahrscheinlich aus literarischem Gebiete höchstens bis zu Eduard Müllers praktischem Handbuch des Acker­baues versteigen. Für mich schlägt keine Nachirgal im Biyrtensträuch, zwar funkeln die Sterne so hehr und so groß, aber mir unerreichbar."

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In Reval gibt es eine Straße, die nicht zum alten Reval gehört, sondern erst später entstanden ist. Dort, wo jetzt schmucke Häuser sich erheben, war früher ein Platz außerhalb der Stadttnauer. Ueberrefte von dieser sind noch jetzt vorhanden, und doch droben, wo die Schwalben Nester unter dem Dachfirst bauen, haben sich Menschen ihre Heinistätten geschaffen. Aus den Fen­stern dieser Häuser genießt man einen weiten Ausblick auf die Revalsche Bucht, wo zur Zeit des Schisssverkehrs zahlreiche Fahrzeuge aller Art ankern.

An einer Ecke dieser eben erwähnten Straße ist ein Stück Stadtmauer besonders gut erhalten, und darauf steht nicht nur ein Häuschen, sondern auch ein Heiner Garten ist auf dem breiten Gemäuer anaeleat. winKa

zwar, aber doch immerhin ein Garten mit Bäumen, öi«' Schatten spenden, einigen Rosenstöcken und Sttefmüt- terchenbeeten. Die Aeste der Bäuure lugen neugierig durch das offene, breite Fenster tu das Zimmer, wel­ches nach der Gartenseite liegt.

Drinnerl nimmt die ganze Länge der einen Wand ein altmodischer Flügel ein, daran sitzt ein alter Man« mit schneeweißem Haar. Ein schwarzes Samtkäppcheu bedeckt sein Harrpt, der schwarze Rock von altsränktschem Schnitt ist an den Nähten ein wenig abgescheuert. Das ganze Zimmer ist peinlich sauber gehalten, aber unend­lich einfach möbliert. Ein Notenständer bricht fast zu­sammen unter den Stößen von Noten, auf dem ober­sten Brett steht in einem Moraständer die Kabinettpho­tographie eines jungen Mädchens; das Gesichtchen ist so zart, so süß, und man glaubt es fast auf der Pho­tographie zu sehen so durchgeistigt. Große, mandel­förmige Augen schauen mit einem ernsten, sinnenden Blick in die Welt, man meint ein überirdisches Wesen, eine Elfengestalt auf diesem Bilde zu erblicken.

Auf dem hartgepolsterten Sofa, über dem ein halb­erblindeter Querspiegel hängt, sitzt ein junger Mann, den Kopf in die Hand gestützt. Düster blickt er vor sich hin, seine Uuiforurmütze er ist Husar liegt vor ihm auf dem länglich runden Mahagonitisch. Mechanisch zerren die Finger seiner Rechten an dem Rand der Mütze, in abgerissenen Sätzen tommt es über feine Lip­pen:Hier, hier faß sie oft, oder dort am Flügel, da­mals, als sie mein Lied, das sie komponiert hatte, mir vorspielte; und nun werde ich sie nie wieder sehen, kei­nen Gruß aus ihrem Munde, keinen Ton der Tasten unter ihren Händen erklingen hören. Kann denn de» Tod so grausam sein, samt er durch feine nnerforschliche Macht so jäh Menschenglück vernichten?"

(Sortfcäu na folgt»