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Nr. 80
Donnerstag, den 7» April
1931
Das Friedcnsprcgrflmm flortings.
** Die „Chicago Tribune" veröffentlicht das Programm der amerikanischen Regierung bezgl. des Friedens mit Deutschland und der Aufrechterhaltung des Weltfriedens. Es enthält folgende Punkte: 1) Verrver- htHtt des Vertrages von Versailles mit Einschluß der Rölkerbundsakte. 2) Annahme der Entschließung Kvox, die den Friedenszustand mit Deutschland wieder herstel- k« will. 3) Sonderverhandlungen über einen mit Deutschland abzuschlietzenden Vertrag, der die Feststel- jung der Schäden und die Lösung der sich aus dem Kriege mit Deutschland ergebenden Fragen zum Zweck hat. 4) In die Resolution Knox wird eine Erklärung «ingefügt, wonach Amerika mit den hauptsächlichsten Elementen der kriegführenden Länder zum Zwecke der gegenseitigen Verständigung zusammenarbeiten wird, wenn der Friede Europas durch eine Macht oder durch eine Vereinigung von Mächten bedroht wird. 5) Annahme einer Sonderentschlietzung, die erklärt, daß die Bereinigten Staaten mit den Alliierten der Ansich: sind, daß Deutschland die Verantwortung am Kriege trage «nd Deutschland daher in den Grenzen der Möglichkeit Wiedergutmachung zu leisten habe. 6) Verhandlungen xni England und Japan zum Zwecke der Verminse- Mt«s der Floitsurüstnngen. 7) Von den übrigen Mäch- Nn soll ein Vorschlag zur Gründung einer Vereinigung der Nationen unterbreitet werden, die den Frieden der Welt sichern und der sich die Vereinigten Staaten getreu ihrer überlieferten Politik anschließen können, ohne je- Soch gezwungen zu fein, sich in die inneren Angelegen- Hetten Europas einzumischen. Amerika soll volle Hand- Arngssreiheit gewährt werden.
Amerika schliesst doch Sonderfrieden.
- w Hardings Regierung hat ihr politisches Programm »unmehr endgültig fesigelegt. Gelegentlich eines Diners, das im Hause des Senators Mc Cormick zu Ehren Bivlanis stattfand, wurde diesem offiziell erklärt, daß 'Sie Regierung durch einen Kongreßbeschlnß den noch -estehende« Kriegsznstand mit Deutschland zn beendigen beabsichtige. Man gab Viviani gleichzeitig zu verstehen, -atz es zwecklos sei, Amerikas Eintritt in den Rölker- Sund überhaupt zu erörtern, da die Regierung der Ber- rinigten Staaten nicht beabsichtige, Mitglied des Völker- r««des zu werden. Schließlich teilten die Anwesenden, nnter denen sich fast alle Mitglieder des politischen Ans° Muffes des Senats befanden, Biviani mit, 6 6
sich führten.
Ei« kommnuistischer J«gcudbiind!srr
«Mich der Frtedensverpflichtuncren und der Kriegsent- Mädiguna. Die Entschließung des Senators Knox über Den Sonderfrieden mit Deutschland wird sofort bei Benin« der kommenden Sesstoir beraten werden. Knox «laubt nicht, daß die Entschließnng einer großen Oppo- Wo« begegnen werde.
Amerikas Teilnahme an den militürischen Beschlüssen.
♦* Der „Daily Expreß" meldet: Amerika will bei den ferneren militärischen Beschlüssen der Alltterten Mitwirken. Laut dem „Sun" sind sechs besondere militärische und wirtschaftliche Sachverständige der Botschafter- konferenz in Paris beigegeben worden, die am 15, April ihr Amt antreten.
Orianüs Schrei each rieullchem SuL
Im französischen Senat wurde das Budget Tür auswärtige Angelegenheiten beraten. Nach längerer De- Datte ergriff Ministerpräsident Briand das Wort. Die Regierung befinde sich vor Schwierigkeiten, und um sie zu lösen, könne sie nicht so frei wie irgendeine andere sprechen. Das Problem sei die Lage Frankreichs gege«- «6er Deutschland. Wenn Frankreichs finanzielle Sctua- ffon ernst sei, so sei das eine Folge des paradoxen Zustandes der siegreichen Nation, die durch den schlechten Willen ihrer Schuldner gezwungen sei, die Lasten aus- zubringen, die diesem zufielen. Zwei Jahre hindurch habe Frankreich einen beruhigenden Geist des Entge- aenkommens (!) gezeigt. Als es sich darum gehandelt habe die Zahllingsmöglichketten Deutschlands festzustellen habe man sich nicht geweigert, zu diskutieren. Als die Alliierten den Wunsch gehabt hätten, die Geschäfte wieder aufzu lehmen, häten sie nach allen Möglichkeiten gesucht, um ein für allemal die Sch-vierigkeiten zu übcr- windeu trotz der Gefahr der Verhandlungen. Angesichts der Haltung Deutschlands fuhr Briand fort seien die Unterredungen eingeleitet worden. Vorübergehende Mißstimmungen unter den Alliierten seien gekommen. S sie zu vergrößern. Aus der Varistt-KiMferen; aber hätten die Alltterten den Schluß a^oaen S dn? Einheit geschaffen werden müsse. We- gen der höhnischen Angebote DcutsM.n.dö (!) fei ein ^Aidt unvermeidlich geworden. Der Vertrag von Verteiltes erinnere für die Allssührung, aber die drei Groß- mächte müßte« sich verständigen, ftraufreidi könne die ^miinHrhfeil haben zu verlangen, daß die anderen ihm 5 Sen KV^ wie Frankreich es ihnen ge oenüb.-r tue' In kwa und Wiß habe man ein Ab : Kommen getroffen. Da dies LUMck^wiksen ^ Wefit = WtÄ&ÄÄ«r« . kw«»
Sanktionen"? Der Zolltarif am Rhein fei nunmehr «ufgestellt. Die neuen militärischen Stellungen gesMc- V zen Me Kontrolle über die Kohlenaustuhr cnts dem
Die Beerdigung des Komm unrstenfLhrers SyU.
** Berlin. Die Beerdigung des getöteten Oberum- schinisten Sult findet am Mittwoch statt. Das Letchen- gefolge wird etwa 15 000 -16 000 Personen stark sein. Die Beurlaubungen, die der Berliner Magistrat an Sie ; Arbeiterschaft der städtischen Werke erteilt hat, sind »ehr rurückaewieserc fet, vesteve ‘ umfangreich. Auch bei der Berliner Straßenbahn sind ^-rsattleS. Danach sei es i die Beurlaubungen gleich groß. Bis zur Stunde id " - • * ------- - 1 alles ruhig.
Kommunistische Niederlage Vei Beiriedsratsmahlen.
»- Berlin. Bei einer Anzahl Betriebsra Lergau- zungswahlen in der Berliner Industrie erlitten me Kommunisten schwere Niederlagen. In einigen Grotz- betrieb'M verloren sie fast sämtliche Sitze.
](HUW. *2Wmur |VI IV , oii wieder Deutschland
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Ruyrgebiet., Der Gläubiger habe das Recht, Zwangsmaßnahmen auszuführen. Deutschland habe sich des Vertrags bedient, um die Alliierten zu verhindern, vor dem 1. Mai zu verhandeln. Wenn dieser Verfalltag verstrichen sei, dann kehre man atm gemeinen Neckt zurück. Er erkläre offen, daß er sein Ziel nicht aus den Augen verlieren werde.
Ruhe im Reiche.
Völlige Nutze in Berlin.
** Die Nacht zum Mittwoch ist als erste seit drei Wochen in Berlin ruhig verlaufen. Für Mittwoch und Donnerstag haben die Kommunisten 10 Demonstrationsversammlungen zum Gedächtnis des Kommunistenführers Sylt einberufen. Die militärischen Sicherheitsmaßnahmen bleiben vorläufig bestehen.
Rheinland-Westfalen.
»* Die belgische Besatzungsbehörde hat am Dienstag vormittag im Bezirk Mühlheim eine Anzahl Gruben militärisch besetzt, um die Kommunistenführer zu verhaften. Bis nachmittags waren 11 Personen kestgenom- men worden. Mit Ausnahme der Zeche „Westfalen" wird auf allen Zechen wieder voll gearbeitet.
Mitteldeutschland.
** In Bitterfeld sind am Dienstag neue Verhaftungen erfolgt. Mehrere der Verhafteten führten große Geldbeträge bei sich, die sie von Holz erhalten haben wollen. In Naumburg wurde ein Attentat vereitelt. Man fand auf den Schienen ein Paket mit Sprengstoff. Auch bet Ariern wurde ein Paket mit Dynamitvatronen und Zündschnur gefunden, das offenbar zur Sprengung der Nanmburger Strecke dienen sollte.
Interpellation über den mitteldeutsche« Aufruhr.
w Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, werden Zentrum, Demokraten und Mehrheitssozialisten im Landtag eine gemeinsame Interpellation über die Auf- äände in Mitteldeutschland einbringen.
♦* Halle. Im m
Die SLuberungsaktion in Mitteldeutschland.
»* Halle. Im mitteldeutschen Aufruhrgebiet werden die militärischen Streifen fortgesetzt. Es erfolgen immer neue Festnahmen von Aufrührern. Bei Bitt erleid wurden elf, bei Torgau sechs bewaffnete Kommu- niften festgenommen, die gestohlene Gelder, Wertpapiere unö Drucksachen im Gesamtwerte von 450 000 Mark mit
kömmen'wär und in einer Kiste 5 Kilogramm Sprengstoff mit sich führte. Es wurde sestgestellt, daß er Mkt- qlieS der Kommunistischen Jugendpartei ist und im Auftrag seiner Partei gehandelt hat. Die Fremdem- kontrolle auf dem Bahnhof ist entsprechend verschärft worden.
Keine standt-echtlichen Erschietznugeu. _
** Berlin. Die „Rote Fahne" hatte behauptet, daß in Schraplau und in öen Leunawerken ftandrecktliche Erschießungen vorgekommerr seien. Diese Nachricht entspricht nicht den Tatsachen. Weder bei den Kämpfen der Schutzpolizei in Schraplau noch auf den Leunawer- ken sind Standgerichte eingesetzt worden. Wo Leute erschossen worden sind, geschah es bei Kampfhandlungen.
Amnestie für die Aufrührer?
**> Berlin. In einer mehrheitssozialdemokrattfchen Versanrmlnng in Berlin-Erkner teilten die Funktionäre der Partei mit, daß nach ihnen gewordenen zuverlässigen Informationen ein allgemeiner Amnestieerlaß in Aussicht stände, der die Teilnehmer am letzten kommunistischen Aufstand in Mitteldeutschland begnadigen würde. In spätestens zwei Monaten würde der Reichspräsident diese Generalamnestte aussprechen.
Die Aburteilung der Aufrührer.
w Hamburg. Mittwoch früh begann hier die erste Verhandlung des autzerordentlicheu Gerichts gegen die an öen Unruhen in Hamburg beteiligt gewesenen Personen. Ein 20 Jahre alter Maschinenbauer, der auf dem Dache der Werft von Blohm u. Vc>ß die rote Fahne gehißt hatte, wurde zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Eine Frau erhielt 3 Iahxe 6 Monate Zuchthaus, weil sie einen verwundeten Polizeibeamten durch Fauftschlüge und Fußtritte mißhandelt hatte.
Die Unterstütznug von Moskau.
'X Kopenhagen. Der „Sozialdemokrat" bringt Aufsehen erregende Enthüllungen über die bolschewisttsche Unterstützung der ausländischen Kommuurstenorganisa- tidnen. Danach bleibt alles Gold grundsätzlich für ausländische Propagandazwecke reserviert. In der Tat ist in der letzten Zeit wiederholt Gold aufgefunden worden, das ins Ausland gebracht worden ist, um kommrc- itUtifdie Pläne zu unterstützen.
Rüdireile Karte nach der Schwel;.
w Der Exkaiser Karl hat am Dienstag den rühmlosen Rückzug nach der Schweiz antreten müssen. Nach den bisher vorliegenden Meldungen wurde der unter Sem Schutz von Ententeoffizieren stehende Sonderzim, der ihn um 10,35 Uhr vormittags in Steinamanger ab- holte, auf österreichischem Boden in Fehring bei Grar von österreichischen Vertretern übernommen. Die So° zialdemokratische Partei hatte die Abgeordneten Sever und Müller als ihre Vertreter entsandt, ferner den Major Meier und einige Reichswehrsoldaten. Weiter nahm ein Vertreter des Ministeriums des Aeußern und ein Beamter der Wiener Poltzeidirektton im Zuge Platz. Die ungarische Zuabegleitung verließ mit dem Rufe: „Es lebe der König!" den Zug. Die österreichische« Eisenbahner und die sozialdemokratischen Vertreter sollen darauf mit lebhaften Pfui-Rufen geantwortet haben. Die Ankunft des Exkaisers in Buxs erfolgt am Mittwoch mittag. -
** Zürich. sV. Z.) Der Sonderzug Kaiser Karl- wird Mittwoch in den Mittagsstunden auf der Schweizer Grenzstation Bruck eintreffen. Exkaiser Karl wird zunächst nach Luzern gebracht, wo ihm ein leerstehendes Hotel angewiesen ist. Dort wird er verbleiben, bis der Bundesrat weitere Entschließungen gefaßt hat.
** Wien. (F. Z.) Auf den österreichischen Bahtchösen Haben Arbeiterkrawalle stattgefunden. In Bruck an der Mur kam es zu gewaltigen Kundgebungen der Arbet-. terschaft gegen Exkaiser Karl. - :
Befristetes Asylreckt für Exkaiser Karl. J*
w Der „Berner Bund" meldet: Der Bundesrat erteilte die neue Aufenthaltsbewilligung für Exkaiser Kar» nur befristet auf vorläufig vier Monate. Von der italienischen Regierung ist eine Note in Bern eingegange«, die die Schweiz für die politischen Folgen verantwortlich macht, Sie durch die Auslandsreise des früheren Kaiser-, Karl entstehen sollten,
Aufruf Karls an das ungarische Volk. 4
i» Wie das „Wiener Volksblatt" aus Budapest meldet, hat Exkaiser Karl vor seiner Abreise aus Steinamanger eine Botschaft an das ungarische Volk erlasse», in der er seinen Anspruch auf die ungarische Krone al» unverjährbar erklärt, den Reichsverweser seines besonderen Vertrauens versichert und alle treuen Ungarn auf« fordert, der fetzigen Regierung metterL^c Getzorkam w
Lloyd" kündigt eine allgemeine
Ovationen für Exkaiser Karl.
** Bei der Fahrt des früheren Kaisers von Ungarn nach der Schweiz durch Oesterreich kam es auf einer Anzahl Stationen zu großen Massenkundgebungen der Bevölkerung und der Eisenbahner gegen das Haus HavS- burg. Dagegen war die Begrüßung anf den ungarischen Stationen eine begeisterte. Aus allen Stationen, die der Extrazug in Ungarn durchfuhr, standen Sie Behörden, Abgeordnete, das Militär sowie eine tausend- köpfige Menschenmenge. Auf allen ungarischen Stationen wurde der Kaiser durch Hochrufe sowie durch Rufe „Auf Wiedersehen!", Bleiben Sie hier!" und durch da» Singen der Nationalhymne gefeiert und begrüßt.
Die Angst vor der Schwiegermutter.
Die Kaiserin Zita erklärte einem Kommissar der Schweizer Bundespolizei, der in Prangins eine Unter* suchung eingeleitet hatte, daß sie es war, die alles kür die Abreise vorbereitete, und daß sie allein Kenntnis davon hatte. Der Wiener Berichterstatter des „Dailv Herald" macht eine bezeichnende Enthüllung, die viel Wahrschetnlichkett für sich hat. daß nämlich Karl seine Rückreise verzögere weil er Angst vor seiner Frau und Schwiegernnttter habe.
Der Kampf gegen die Kapitalflucht.
>* Betliu. Dem Reichstag wird gutem Vernehmen nach ein neuer Gesetzentwurf des RcichSfinanzminrster? gegen die Kapitalflucht zugehen. Die jetzigen gesetzge- berifchert Maßnahmen gegen die Kapitalabwanderrmg sollen wesentlich verschärft werden.
Sieg Remote öder die Kriechen.
Nach einer Havasmeldnng aus Konstanttnopel be stattgt sich der allgemeine Rückzug der griechischen Ar- ntee auf die Linie von Bruffa. Die Türken verfolgen energisch. „Evening News" melden aus Konstantino- vel: Die Türken geben bekannt, daß Prinz Attöreas, der Bruder des Königs Konstantin, an den bei Bruffa erlittenen Verwnvdnngen' gestorben sei. General Bla- Hopoulos sei gefallen.
Athener Zeitutigeu veröffentlichen Telegrarmue an8 zuständiger Quelle, welche den Stillstand der ASmvie von Eskischehr melden. Die militärischen Ziele hätten nicht die Einnahme der Stadt selbst erfordert, sie seien verwirklicht worden durch die Besetzung von Estinn .Qa rahissar und dadurch, daß Angara von Sex Eisenba u abgeschnitten ivorden sei. Die hellenischen Truppen fn,s in die Stellungen zurückgegangen, die sie vorher i" Kovalitza inne hatten.
Der BergarbetterstrekS in England.
♦* Der „Rotteröaulsche Courant" meldet aus Londv,: Die Lage im Bergarbeiterstreik ist unverändert. D Eisenbahn läßt von Mittwoch an ein Drittel Sex Pc fonenattae ausfallen.