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Kersfelöer Tageblatt

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| Kranz Zunk in Hersfeld. Zernfprecher Nr. 8. : ^tütlt^^t MNAEkA^k M^ bE6 ^f^tS ^CtSfClU 1 §»nks Buchdruckerei in Hersfeld. :

Nr. 35

Freitag, den 11. Februar

1921

Bayern nimmt nie tntroalfming an.

** Die Meldung, daß Bayern zur Entwaffnung be­reit ist, wurde am Mittwoch nachmittag um 4 Uhr durch Extrablätter bekannt gegeben. Die politische Stimmung ist aufs höchste gestiegen, und ungeheure Erregung hatte die Menschen ergriffen die unablässig und unüberseh­bar durch die Straßen wogten wie am Vorabend des Kriegsausbruches im Jahre 1914. Die Fraktionssitzun- gen wurden am selben Tage fortgesetzt und führten erst in später Stunden zu einer grundsätzlichen Einigung. Die demokratische Fraktion hat den Ausgleich angebahnt und dabei die Unterstützung des bayerischen Bauern­bundes gefunden. Die Verhandlungen der Koalitions- parteien gehen weiter, um die endgültige Formulierung fertigzustellen. Dann wird sich der Ministerrat noch­mals damit beschäftigen und die Antwort nach Berlin weitergeben. Damit darf die Krise als beyoven gelten. Die für Mittwoch abend einberufenen fünf Massenver­sammlungen gegen die Pariser Beschlüsse wurden ab-

gesagt.

i. Unser nach:

** Die bezeichnet

Berliner M.-Mitarbeiter drahtet uns hierzu

politische Lage in Bayern kann als geklärt werden, und zwar aus dem Grunde, weil des Mittwoch nachmittags die Vorsitzenden

im Laufe . _____________ , ......

der Koalitronsparteien zu einer nochmattgen Bespre-

chung zusammengetreten sind und sich einmütig auf den Grundgedanken der nach Berlin von der bayerischen Staatsregierung zu leitenden Regierungserklärung ge­einigt haben. Es sind noch einige redaktionelle Aende­rungen zu besprechen, die am Donnerstag vormittag ihre Erledigung finden werden, sodatz im Anschluß da­ran der Ministerrat zusammentreten und die Absen- dung der Erklärung an die Reichsregierung beschließen kann. Damit sind alle Gerüchte, die von einer Er­schütterung der Regierung Kahr zu melden wußten, als hinfällig zu bezeichnen. Die Koalitionsparteien haben die ernste Lage erkannt, gleichzeitig aber auch die Schwie­rigkeiten der politischen Lage, in denen sich Bayern be­findet. nicht aus dem Auge gelassen. Als feststehend kann schon heute gemeldet werden, daß die Regierung Kahr unverändert bestehen bleibt.

Wie derL.-A? dazu von bestunterrichteter parla­mentarischer Seite erfährt, sind die Mitgliever des baye­rischen Kabinetts und die Koalitionsparteien unablas- ___Jg. bemüht, einen Ausweg.LuMdex r

dung in der Frage der Einwohnerwehren wird aber kaum so auffallen, wie sie sich die Entente denkt. Bei der Durchführung der Entwaffnnug steht die bayerische Regierung vor Schwierigkeiten, die nicht W überwin- hen sind. Man bezeichnet sie einfach als unmöglich. Man müsse berücksichtigen, daß bei einer Entwaffnungs­aktion über 40 000 einzelne Gemeinde und über 30 000 einzelne Gehöfte in Frage kommen. In diesem Zusam­menhang sei auf einen Zwischenfall in Spaa hingewiesen. Dr. Simons erinnerte damals Lloyd George an die Verhältnisse in Irland. Das siegreiche Eugkand sei nicht in der Lage, in Irland die Verhältnisse emzmüh- ren, die es sich wünschte. Aehnlich liegen letzt die Ver­hältnisse in Bauern. Daran müßte man in London die Alliierten erinnern.

Ueber die Stellung des Ministers Simons zu uen Enkentenoten wird demL.-A." von einer hervorragen­den Persönlichkeit, die in den letzten Tagen mit dem Minister zu sprechen Gelegenheit hatte, erklärn Reichs- minisrer Dr. Simons denkt gar nicht daran, Me Panier Beschlüsse auznuehmen. Er würde sich selbit dann nicht fügen, wenn, was ausgeschlossen ist, eine Mehrheit im Kabinett gegen ihn zustande kommen würde. Er steht mit seinem Kopf und seiner Person bafür, daß er von öem Standpunkt, den er in seiner Reichstagsrede ein­genommen hat. nicht einen Deut abwercht.

Die Widerstände gegen die Entwaffnung.

Aus München wird weiter gemeldet: Das bayernche Kabinett und die drei KoalitionSparteien sind zu einem Resultat gekommen, daß die Gründe fortbestehen, aus denen die Einwohnerwehren nicht entbehrt werden können. Aus diesem Grunde wird die Entwaffnung abaelelmt. Bei den verschiedenen Fraktionsberatungen wurde immer wieder betont, daß man in Bayern der Reschsreaieruna keine Schwierigkeiten zu machen ge­denke Einem separatistischen Gedanken ist wahrend der narren «Wtaitblmtgcn auf keiner Seite auch nur einen ^^aenbück Ramn gegeben worden. Die offizielle Er- HHrnna «e bayerische Regierung der Reichsregie- SÄÄ W« « Mi SWcrDcIt w- Dm- nerstag vormittag zu erwarten.

Cntscndnnq Dr. Simons nach München?

Nerl. Börsenzeitung" hört, bestand am Mittwoch bet der Reichsregierung der Plan, den Reichs­minister des Aeußern Dr. Simons nach München zn Entsenden, um dort die Darstellungen Dr. von Kahrs, Sie dieser nach seiner Rückkehr von der Ministerkonfe- renz in Berlin von dem Ernst der Lage auf gründ der ihm in Berlin gemachten Eröffnungen machte, durch neues Material ergänzen uud noch in letzter Stunde Hl^ der bayerischen Re­

gierung auszuttben.

Der Nürnberger Stadtrat für die Pltwafmug 0* Jil der Sitzung des NürnLeraerStadtrateslegte der Aeltestenrat des Kollegiums folgendeCritschNetzliNg vor: Der Stadtrat von Niirnberg billigt den von der Reichsregierung in der Reichstagssitzung vom 4. Fe- Hruar eingenommenen Standpunkt sowohl in der Cut- wafinungssrage als auch in der Frage der wirtschaft-

sieben Forderungen, die der Stadtrat evenso wie Die

Reichsregierung und die Neichsparteien als absolut un­durchführbar hält. Von der bayerischen Regierung wird erwartet, daß sie sich ihrer Verantwortung bewußt ist; denn eine gegenteilige Stellungnahme zum Reich würde unabsehbare wirtschaftliche und politische Folgen iür das Reich und Bayern nach sich ziehen. Die Demokra­ten stimmten gemeinsam mit den Sozialdemokraten ge­gen die Bayerische Mittelpartei und die Bayerische Volkspartei für die Entschließung.

Eine badische Stimme ant Entwaffnung.

Im Verlaufe der Landtagsdebatte in Karlsruhe kam der Sprecher des Zentrums, Abg. Dr. Schofer, auf die Berliner Beratungen der Ministerpräsidenten zu sprechen und gab dem Wunsche Ausdruck, daß Bayern in der höchsten Not des Vaterlandes den Weg finden möge, den die anderen deutschen Länder gegangen seien. Die Entente dürfe sich aber nicht wundern, wenn als Folge ihrer Erdrosselungspolitik Deutschland der Nähr­boden für Bolschewismus und Radikalismus werde.

Besetzung bayerischer Städte?

o-f. Berlin. (S. C.i DieNeue 12-Uhr-Zeitung" meldet: Nach Pariser Berichten beschäftigte sich eine Sitzung des Obersten Kriegsrates am 9. Februar mit den zu treffenben militärischen Maßnaymen gegen Deutschland für den Fall, daß Deutschland in der Ent­waffnung der bayerischen Einwohnerwehr nicht nachgM. Der Oberste Krteasrai hat die Besetzung der bayerischen Großstädte in Aussicht genommen, wenn dort die Ein­wohnerwehr nicht restlos entwaffnet und aufgelöst wird.

Die Eutwaffumig unaufschiebbar.

« Berlin. lS. EI Am Mittwoch fanden zwei Sit­zungen des Reichskobinetts statt. Wie verlautet, ist m einer von dem französischen Botschafter gemachten Mst- teilung die Entwafsnungsvorschrist der Pariser Konfe­renz als außerhalb der Londoner Beratung steheno be­zeichnet worden. Die Pariser Frist für die Entwaffnung sei demnach «naufschrebbar und unabänderlich.

VorhereMmgSA für London.

o-b Aus Berlin wird halbamtlich mitgeteilt: Im Aus­wärtigen Amt fand am Mittwoch unter dem Vorsitz des Ministers des Auswärtigen, Dr. Simons, in Berttn eine Sitzung von Sachverständige.- statt, um die deut­sche Stellungnahme zu den Pariser Beschlüssen tjiHW lich -er Entschädrgnngssrage im einzelnen zu erörtern und die deutschen Gegenvorschläge vorzubererren. Hier­bei gab Dr. Simons einen Ueberblick über die gegen­wärtige politische Lage, soweit sie sich auf das Eu^cha- digungsproblem bezieht. Die wrrtschaftsstorende Wir­kung der Pariser Beschlüsse würbe hierbei besonders behandelt. Wach einer eingehenden Bewrechnng der ein­zelnen Probleme durch die Anwesenden wurde ein en­gerer Arbeitsausschuß eingesetzt, der feine Beratungen am nächsten Montag aufnehmen wird. Dem Ausschutz gehören Vertreter des Handels, der Fmanz, bet In­dustrie, der Landwirtschaft, der Seeschiffahrt und de. Arbeitnehmer an.

Welche Wirkungen die verhängnisvollen Warner Beschlüsse schon heute zeitigen, geht daraus hervor, bar ausländische Kaufleute bereits jetzt. Bestellungen m Deutschland annulliert haben, weil ite befürchten, die ottn der Entente geplante Ausfnhrabgabe bezah.en zu müssen.

Die Regierung nicht nmgefallcn.

Von zuständiger Stelle wird gemeldet: In der Presse ist verschiedentlich die Behanptung ansgestellt worden, daß Deutschland in seiner_ Antwort am dw Einladung nach London lediglich der Hoffnung Aus^ druck aeaeben hat, daß auch die deutichen Gegeuvw schlüge bei den Verhandlungen zur.Erörterung gelau- gen möchten. Demgegenüber ist ^stzuster^n, daß ^eutich- land bisher überhaupt feine offizielle Antwortnote der Entente überreicht hat, fonderu daß sie lediglich dem Vertreter des französischen Botichasters^Laurent mit = lieft bitrcb ihren Vertreter erklären ließ, daß sie zm Teilnahme an den Londoner Besprechungen bereit tu unter der ausdrücklichen Bvrm^ssetnnig. daß dortdeut- .-.r,., nsnvfrhTäae erörtert werden, deren lluicrbrettuufl auf der Konferenz die deutsche Regierung sich Vorbehalt.

Die denischen Borschläge.

x In politischen Kreisen wirb angenommen, baß Deutschland folgende Vorschläge machen wird. Die Iah»

SmtS

werden eine Erleichterung auf allen Gebieten sein. Die ZollaMaHe wird in ihrem Charakter etwas nmgeänöert.

Gegen die Erhöhung der ArbeitslosennnterstUiiUNg.

X Times" melden aus Paris: Die Berliner En- tentekömuiisffon hat eine neue Beschwerde üb^ land nach Paris gehen lasten, die sich gegen die beat- fidttiaie Erhöhung der Arheitslosennuterstützung richtet. Die UeberwachungskommiMvn erachtet den Etznpruw des alliierten Rates für dringend notwendig, da Deutsch­land durch weitere Ausgaben die Zahlungspflicht an die Entente gefährde. Nach dem Frledeilsvertrag kEn bu Forderungen der Alliierten neuen Staatsausgaben in

Teurswland, wett sie m Entschädigung und Unters tun zung bestehen, voranzugehen.

Bie Pariser Befdjliifle in der Ramme

w In der Sitzung der französischen Kammer am Mic woch, an der Briand, Loucheur und Doumer teilnahmen, besprach Lastcprie als Berichterstatter des Finanzaus­schusses die Garantien, die der Vertrag den Alliierten gibt, um Deutschland zur Zahlung zu zwingen. Die deutsche Regierung täusche die Alliierten und die Welt. Gegenüber den von Deutschland verbreiteten Elends- Märchen müsse man daran festhalten, daß Deutschland besser gestellt sei als Frankreich. Deutschland habe nur 100 000 Mann unter den Waffen, während Frankreich 700 000 bis 800 000 Mann unterhalten müsse, die den Fabriken als Arbeiter entzogen seien. Auf die Frage des Redners, ob die 20 Milliarde« Goldmark, die von Deutschland bereits gezahlt worden seien, auf die Ge- samtzahlungeu angerechnet würden, erklärte der Finanz­minister Doumer, diese 20 Milliarden feien eine Not­wendigkeit für die Unterhaltung der Befatzungstruppen und für die anderen Ausgaben der Alliierten, die Deutschland zu erstatten habe. Loncheur verlangte, daß Deutschland internationale Anleihen anfnehme und daß Frankreich sich mit seinen Alliierten über die Flüssig­machung der deutschen Zahlungen verständige. Lefevre wandte sich gegen jede Politik der Schwäche. Eine solche müsse notwendigerweise zum Kriege führen. Man müsse von Deutschland die Hälfte des Wertes des französische« Handels eintreiben. Es fei, wenn Deutschland nicht zahle, kein einfacher militärischer Spaziergang. Wenn man aber nicht nach Deutschland gehe, um das Geld zu holen, dann werde es nicht bezahlen. In Deutschland seien alle Kreise der Bevölkerung einig, nicht zu bezah­len, in Frankreich überall der festen Meinung, daß be­zahlt werden müsse. Hierauf wurde die Sitzung vertagt.

Fachs Rüstungen.

« Trier. Der Preß-Jnformation zufolge bestätigt es sich, daß Marschall Foch und der französische General De- goutte in dem besetzten Gebiet militärische Vorbereitun­gen für eine Ausdehnung der militärischen Besetzung treffen und daß alle höheren Offiziere der Besatzungs­armee bestimmte Instruktionen für den Fall eines Vor­marsches alliierter Truppen im rechtsrheinischen Gebiet empfangen haben.

Verstärkung der englischen Befatzungstruppen.

tain beschlossen. bei der englischen Regierung Vorstel- lunaen dahingehend zu erheben, daß eine Erhöhung der britischen Besatzungstruppen vorgenommen werde, um die französischen Truppen weiter im Rheinland in be­stimmten Abschnitten abzulösen.

Paten fordert Entwaffnung Oßpreafiens

Die AgenturEast Expreß" meldet aus Paris: Die polnische Gesandtschaft in Paris hat im Namen der polnischen Regierung dem Obersten Rar eine Note über die Entwaffnung der deutschen Freiwilligenformationen in Ostpreußen überreicht. Die durch zahlreiche Urkun­den unterstützte Note ist vorder dem Marschall Foch mit­geteilt worden. Polen fordert: 1. die Festsetzung der Höchstzahl der Reichswehr in Ostpreußen und die Ver­hinderung geheimer Organisationen,- 2. die Entwakf- nung von 5 Freiwilligenkategorien: 3. die notwendige Sicherung der preußischen Grenze nach Litauen zu. Die polnische Note wird vom Obersten Rat bei Besprechung der gesamten Abrüstungsfrage in Erwägung gezogen werden.

EngtifdjeRritiR an deuifdjen Münden.

XDaily Mail" lässt sich ans Berlin drahten: Das Presseballfest im Zoologischen Garten am Abend der Ueberretchung der neuer Enteutewrderungen hat eine. Einnahme von 450 060 Mark an Speisen und Geträn­ken erreicht. Die Theater haben Tageseinnahmen von zusammen 500 000 Mark. Die Bars und Tanzlokair sind überfüllt und bei Eintritt meist von 75 bis 100 Mark. Alle Minister des Reiches und umt Preußen faB* ren in kürzesten Strecken in eigenen Automobilen, wäh­rend Lloyd George heute noch zu Fuß nach dein Unter- Hause geht. Wenn die Teutschen ihre Zahlungsfähigkeit bestreiten, so sollten die altiterten Staatsmänner sich einmal die Verhältnisse in Berlin ansehen, um zu be- greifen, daß Dentscluaud nicht 226 Milliarden, sonder» das Doppelte in 42 Jahree bezahlen könne. Die Mnü- ster müßten nur wieder zu Fuß gehen und me Bevöl­kerung müßte wieder, statt zu feiern, an die Arbeit denken.

H66au der Getreides roangsroirtfiflalL

X In den Verhandlungen der Bremer Handelskam­mer mit dem ReichsernWrungsmimster schlug einer der Schöpfer der Reichsgetreidestelle, Serpto-Bremem, u» t Rahmen eines Vortrages über dre Getre-dewirkschan 5 vor, zum Zweck des allmäblicheu Abbaues der Zwaucw- wirtscbaft die Brotkarte stückweise adznscbaffett, und zwar in der Form, daß zunächst die oberste Schicht der f bemittelten Bevölteruuq auf Grund des Neuerzettels : von dem Rechte auf die Brotkarte ausgeschlossen wird Hierdurch will er dann zur völligen BeleMgung ber Brotkarten uud m* Aufhebung der ätNizen t^treide- Zwangswirtschaft gehen. Minister Hermes erklärte, er