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Reisfelder Tageblatt

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> Zunks Buchdruckerei in Hersfeld.

Nr. 30

Sonnabend den 5« Februar

1921

Der Glaube m Deutschland.

Von Sven He bin.

Im Verlag F, A. Brockhaus (Leipzig) erschein« demnächst unter dem TitelArbeitsfreude" ein von Alma Hedin, der Schwester des skandinavi­schen Forschers Sven Hedin, verfaßtes Buch, dem Sven Hedin einen Gruß an das deutsche Volt beifügt und dessen traurigem Schicksal warmher­zige Worte widmet. Wir geben nachstehend die Gedanken wieder, die Sven Hedin über die Zu- lunft Deutschlands hegt:

Die Revision öes Friedens von Versailles ist die Lo- ßa, um die sich Die ganze Menschheit jetzt scharen muß!

; nicht die Paragraphen des Gewaltfriedens zerrissen sind, können die Wunden des zerfleischten Europas nicht heilen. Erst wenn die unerträglichen Lasten, die jetzt ganze Völker Niederdrücken, entfernt sind, kann das Zeit­alter des Wiederaufbaues beginnen. Eine solche durch­greifende Veränderung erfordert aber neue, weit- schauende Staatsmänner. Die jetzigen haben ihre Un- tauglichkeit glänzend bewiesen. Die Kinder des Hun­gers und der Not, die Verzweifelten und unglücklichen schreien Tag für Tag ihr Verdammungsurteil über sie. Wann wird der große Atann kommen, der öer Erde die Versöhnung, die Ruhe für die Arbeit, die Arbeitsfreude und Sicherheit wiedelibringen wird? Vor ihm werden hie Staatsmänner der Gegenwart zu Zwergen zusam­menschrumpfen. Von ihnen wird bia Zukunft sagen, daß sie Egoisten waren, die nur kleinlich und schlecht an ih­rer eigenen Länder Vorteil dachten, das Wohlergehen der Menschheit aber vergaßen! Aus Rachegier und uner­sättlichem Hunger nach Gewinn plünderten sie die Deut­schen bis auf die Haut. Durch grausame und unver­nünftige Gebote hielten sie die allgemeine Unruhe und Unsicherheit wach. Es sah aus, als sollte man Sir Eric Geddes Drohungen in Erfüllung gehen lassen, die er in Cambridge ausstieß:Wir werden aus Deutschland Mes herausziehen, was man aus einer Zitrone pressen kann, und noch etwas mehr: ich werde es pressen, bis man die Kerne knirschen hört!"

Die Politik, die nach dem Frieden gegen Deutschland betrieben wird, ist ohne Zweifel die gigantischste Dumm­heit der Weltgeschichte. Denn nur die dem deutschen Volke trotz allem innewohnende Manneszucht und hohe Kultur haben bisher den Bolschewismus gehindert, seinen Siegeszug bis an den Rhein auszudehnen. Die Entente wagt also ein hohes Spiel! Wenn die Apostel des Hasses nicht zum Schweigen gebracht werden, ehe es zu spät ist, kann es geschehen, daß schließlich die Rei­fung Europas in Rußland gesucht wer-ev- mußt- -

Bon der Zukunft wissen wir nichts, und es ist gewiß gefährlich, als Prophet aufzutreten. Doch ohne die ge- rwaste Sorge, von der Wirklichkeit desavouiert zu wer­det und mit unerschütterlicher Ueberzeugung wage ich zwei Prophezeiungen anszuivrechen: .

Zum ersten: Wenn die Politik der Entente noch län­gere Zeit von demselben unversöhnlichen Haß bestimmt wird wie jetzt, treiben wir in Europa einer Katastrophe entgegen, mit der verglichen der DVeltkrreg ein Kinder-

: Unter allen Umständen wird Deutsch­land einmal sich wieder erheben, sich erholen und feine alle Größe und Macht wiedergewinnen.

Das deutsche Volk besitzt alle Voraussetzungen, um i» der Welt eine führende Rolle zu spielen. Seine Ar-

Die Tochter des Ministers.

Die andere seufzte.

Ein scharfer Klingelzug. K

Ich muß hinein. Auf Wiedersehen. In sichtlicher 'Erregung drehte sich Gertrud um.

Wir gehen schon. Also um acht! '

Die Geschwister verabschiedeten sich schnell. Schwei­gens verstimmt schritten sie bet leichtem Schneetreiben Lud heftigen Windstößen der inneren Stadt zu.

Sie hat sich recht verändert." . t _

Gewiß, man sieht ihr an, daß sie viel durchgemacht hat: aber sie ist doch noch immer schon, fraglos hat sie 'Herbert," sagte Susanne nach kurzem Nachdenken, sag' mal aufrichtig, glaubst du, daß unsere A.rube fiel ^Der^ junge Mann schwenkte seinen Stock.In die­ser Beziehung bin ich mir nicht ganz klar. Trübe ist wie Ä er vor allem Pflichtmensch. Hast du nicht ge­merkt nüe unruhig sie bei dem Klingelruf wurde? Sie ist von eiserner Willenkraft und Pflichttreue, das hat sie bewiesen. Aber so in gewissem Sinne gutmütig wie ^^inmeW Mädchen laut

zu denken fort,mit eiserner Treue ball

Wiesener und seiner Mutter fest. Mit ArenoerSw oabe toll sie sich. gegen Entgelt, ihren Pfleglingen ge­widmet haben, und bekommt es ^^^ von uns und allen Freunden und Verwandten endgül

^Woher^weißt du denn, daß sie so hingehend war?"

fragte er erstaunt. , ,

Susanne erschrak.W habe es wohl gehört

Ach so, durch Frau Wiesener," sagte er beruhigt.

Die Schwester schwieg, sie wollte nichts von dem ver­raten, was ihr seit längerer Zeit zu einem Born tiefer Freude geworden war. Sie hatte zu niemand von Dvk-

beitsfreude, feine Grünöltaikcit, ieine Ehrlichkeit, fein Handel und feine Industrie, feine Wissenichaft und Kunst stehen so hoch oder höher wie die aller anderen Völker. In Organisationen und Disziplin aber waren die Deutschen soweit gelangt, daß sie vier Jahre lang der ganzen Welt standhalten konnten und daß sie erst zu besiegen waren, als die Uebermacht sich nach deutschem Muster organisiert hatte und die Deutschen durch ihren Selbstmord dem Feinde zuvorkamen. Ein zerschmetter­tes und vernichtetes Deutschland würde in der Mitte Europas einen leeren Raum zurücklassen, der wie eine Krebskrankheit den ganzen Erdteil in Fäulnis versetzen und die christliche Kultur dem Untergang entgsgcnfüb- ren würde. Ein Volk, das eine so unerhörte Prüfung wie den Weltkrieg überlebt hat, das gleichzeitig mit Fronten nach allen Richtungen gekämpft hat und das am Ende noch von seinen eigenen verbluteten Bundesge­nossen im Stich gelassen wurde ein solches Volk ist berufen, zu einem viel höheren Grade der Entwicklung emporzusteigen. als es vor den Tagen der Prüfung stand.

Wenn ich sage, daß ich keine Spur von Besorgnis für Deutschlands Zukunft hege, so geschieht das unter der Voraussetzung, daß die Zügellosigkeit, die jetzt das Volk noch zersplittert und schwächt, völlig ausgerorter wird. Ich möchte jedem Deutschen zurufen: Schweige, arbeite und ersetze durch felsenfestes Zusammenhalten den PanZlader. Man schwatzt noch zuviel, man arbe.- tei zu wenig, man erschöpft die Kräfte seines Kopfes un­feiner Arme, um dem politischen Gegner im eigenen Lande zu nbaden und schadet dadurch nur n h selbst und dem Ganzen, ohne etwas anderes zu erreichen, als das ganze Reich zu einem Spielball in der Hand der Feinde zu machen. Wenn 60 Millionen Deutsche zusammenhai- ten und nach demselben hohen Ziel streben, dann kann die ganze übrige Menschheit sie nicht unter das Joch der Sklaverei zwingen! Sie sind stark genug, um sich ihr Recht allein zu erkämpfen und es zu verteidigen.

Vor dem Kriege arbeitete das deutsche Volk so ehrlich und energisch, daß andere Völker ebenso arbeiten muß­ten, um nicht im Wettstreit zu unterließen ja unter- Hugeljen. Die Deutschen bestimmten das Arbeitstempo! Als sie ausbörten zu arbeiten, hörte die Konkurrenz ih­rer blühenden Industrie und des Handels auf, und die Folgen waren allgemeine Ermattung und Arbettsunlust. Auch darin bedeutet Deutschland jetzt einen leeren Stoum, bessert bloßes Dasein genügt, um überall Ver­wirrung und Unsicherheit zu stiften. Wenn die Deut­schen zur Arbeit unb zum scharfen Wettstreit zurückkeh­ren, werden auch auf dem Zebiet des Handels und der

Aus einem freien Willen verwandelten die Deut­schen ihre Stepe in Niederlagen. Es gibt für sie nur eine Art und Weise auf die sie den Verrat an sich selbst, an ihrer geschichtlichen Aufgabe und an der Welt wieder gutmachen können: durch eigenen freien Willen ihre hohe Stellung unter den Völkern wieder zu erobern. Der Weg dahin geht durch Arbeit.

Ich möchte den Deutschen auch zurUfen: Hört auf mit der schäitdlichen und feigen Verlenniöung der Armee und der militärischen Führer, die euch von Sieg zu sieg führten! Ick möckte alle, die den Kaiser tn oer schwer­sten Stunde seines Lebens im Stich ließen, ermähnen: Hört auf. Steine auf den zu werfen, der doch ein Vier­teljahr-undert lang für den Frieden arbeitete, der im- m§r nur für Deutschlands Größe und Ehre wirkte

vor Hoernes Besuch gesprochen,oder erzcchlt. öatz sie Mit ihm Briefe tauschte. Briefe, die neben Reiseerlebnissen nur erfüllt waren von Gertrud, denn der junge Arzt kam nicht von ihr los. Und Susanne formte schon im Geiste die Zeilen, in denen sie ihm von ihrem Wieder­sehen mit Gertrud Nachricht geben wollte.

Im Eßzimmer der Zahnärztin war ein netter Abendbrottisch gedeckt. Sie selbst stand schon im Abenö- mantel da und knöpfte ihre Handschuhe zu.

Was ist denn das für ein Unsinn," schalt sie gut­mütig. Selbstverständlich werden Ihre Geschwister hier speisen. Sagen Sie ihnen einen schönen Gruß, und daß ich aufrichtig bebaute, sie nicht kennen lernen zu können. Ich würde ihnen gern dasMädchen von derHelöen- jungfrau" zum beste« geben."

Gertrud, die neben der Anrechte stand und Apfel­sinen und andere Südfrüchte in eine Glasschale ordnete, wurde rot.Sie haben wirklich Grund, böse auf mich zu sein, Fräulein Doktor."

Böse? Nein! Kein DtensH kann über seinen Schat­ten springen. Es gibt ia auch Männer, die sich nicht für den ärztlichen oder zahnärztlichen Beruf eignen. Da sprechen Nerven und Veranlagung mit.

Das erkenne ich aber nicht an," entgegnete Gertrud, man muß ebenso viel Willenskraft haben, daß man solche Schwächen überwindet. Ich kann doch jetzt schon Blut sehen" ,_ _,

Weiß Gott. Sie geben sich redlich Mühe, Sie ärmer Deibel." Fräulein Karuach lachte.Ich kann ja aMin meiner Arbeit keine Rücksicht darauf -rehmen, daß e e plötzlich grüngelb werden und Ihre Hände derart zit­tern, daß alle Instrumente klappern, tote tun mir im­mer so schrecklich leid. Und ich bewundere Ihre Energie. Wenn aber selbst die Patienten merken, was für ein kleiner Feigling meine sogenannte Gehilfin ist, dann muß ich schon schelten." ,, , ,

Gertrud seufzend.Ich schäme mich vor mir selber unb verspreche Ihnen, daß es nicht wieder vorkommen soll, Fräulein Doktor."

Lauowrrychaftsfrage behandelt imB. T." der besonnte Volkswirtschaft!«! Dr. Klefeld sehr beachtenswert. Er schreibt u. a.:

Angesichts der weiter steigenden Entwertung unse-- res Geldes auch im Innern infolge des -er Nachfrage nicht gleichkommenden Angebots an Verbrauchsgüter» ist die Periode dauernder Verteuerung der Ernährung: noch nicht abgeschlossen. Nach den Indexziffern hatte man für die durchschnittliche Ernährung eines einzelne« Mannes 1914 27,86 Mark, 1915 38,86 Mark, 1916 523* Mark, 1917 55,49 Mark, 1918 62,49 Mark, 1919 10833 Mark, 1920 357,05 Mark zu rechnen. Von 19191920 hat sich die entsprechende Ziffer in nur einem Jahr meine wie verdreifacht. Der Warenpreisindex für den Groß- Handel weist gegenüber der Friedenszeit in den wichtig-! sten Gebrauchs- und Ernährungsrohstoffen eine Steige-« rung zwischen dem Zehn- und Fünfzehnfachen auf.

Der Vergleich zwischen Anbauflächen und Ernten von 1913 und 1919 zeigt, daß bei Brotgetreide ein Rück­gang von 18,5 Prozent, bei Futtergetreide von 12,5 Pro­zent, bei Kartoffeln von 23,4 Prozent und bei Zucker­rüben von 35,7 Prozent eingetreten ist. Der Ernteer­trag weist im Jahre 1919 Mtndererträge von 21,3 Pro­zent, bezw. 24,2 Prozent, bezw. 31 Prozent, bezw. 36,9 Prozent auf.

Die Gesamternte hat sich gegenüber dem Jahre 1913 um 4,7 Millionen Tonnen, bezw. 3,6 Millionen Tonnen, bezw. 18,8 Millionen Tonnen, bezw. 8,3 Millionen Ton­nen vermindert. Dies bedeutet einen Rückgang der Ge­samternte von 35,3 Prozent, bezw. 33,6 Prozent, bezw.

46,7 Prozent, bezw. 59,4 Für Las Jahr 1920

amtlichen Vorschätzun-

gen mit folgenden Ergebnisveränderungen gegenüber den Jahren 1918 und 1919 zu rechnen, die bei den wich­tigsten Produkten Rückgänge darstellen:

Wtzrterweizen

Sommerweizen

Spelz

Winterroggen

Sommerroggen

Sommergerste

Wintergerste

Hafer Gemenge aus Getreide aller Art

Buchweizen

Erbsen Ackerbohnen

1918 %

1919 %

10,5

- 3,0

H- 63,8

+ 45,9

H- 33,2

+ 58,0

- 21,1

183

.4- 563

+ 33,1

+ 53

+ 63

+ 17,9

4- 8,8

+ 22,1

4- 83

+ 18,4

17,0

3,6

13,0

4- 96,9

+ 553

+ 80,5

4- 43,6

Zuckerrüben 10,1 4- 303

Futterrüben 13 4- 18,7

Bei öer hauptsächlichsten Brotfrucht, dem Winter- roggen, ergibt sich daher gegenüber den Erträgen von 1918 ein weiterer Minderertrag von 21,1 Prozent.

Besonders eklatant muß in diesem Zusammenhang die Tatsache wirken, daß bet den Arbeitsnachweisen an inländischen landwirtschaftlichen Arbeitern in der Zeit vom 1. Januar bis 30. April 1919 246 202 Männer und 135 098 Frauen zur Bestellung angefordert wurden. In der gleichen Zeit des Jahres 1920 betrug der Bedarf nur 132 350 Männer und 96 307 Frauen. Der Rückgang im Jahre 1920 gegenüber dem Borjahr machte demgemäß 113 843 Männer und 38 791 Frauen aus.

Die enorme Belriebsunknstensw'a''r'">" m ^r 9*n&»

Die andere reichte ihr die Hand. »Sie sind tapfer Sie kleine Person!" sagte sie lobend, »wir werden ab­warten, wie der Hase läuft!- Ich muß fort. Alw recht gemütlichen Abend mit Ihre» Leutchen. Es freut nM. daß Sie gerade heute nicht allein sitzen."

»Viel Vergnügen," sagte Gertrud bedrückt. Sie fühlte, trotz aller Liebenswürdigkeit ihrer Brotgeberin deren Unzufriedenheit heraus, und das war ihrem Ehr­geiz unerträglich.

Die Zabnärztin stieg sinnend treppab und begegnete im Hausflur einem Herrn und einer jungen Dame von auffallend vornehmen Aeutzeren, in denen sie sogleich die Angehörigen ihrer Hausdame vermutete. Sie lauschte und vernahm, daß diese an ihrer Wohnung klin­gelten. Mit befriedigtem Ausdruck, daß sie sich nicht ge­täuscht, winkte sie einen Kraftwagen heran und stieg ein.

Inzwischen waren Herbert und Sttsanne vei Gertrud erschienen, um sie zu einem Nachtmahl in irgend einem Sveisehause abzuholen. Zu ihrem Erstaunen fanden sie, einen gedeckten Tisch und ein einfaches, gut bereitetes Abendbrot vorbereitet un -sahen sich. durchaus nicht er­freut, als Gäste der Schwester angenommen. Nach lau­tem Widerspruch und einigem Hin und Her trug das Dienstmädchen bereits Schnitzel und Spargel dampfend herbei und setzte eine angewärmte Flasche Rotwein auf den Tisch. . . . c

Gertrud bat Herbert, emzugießen und hob ihr Glas: Stuf-euer Wohl!"

Auf das deine," erwiderte der Bruder.

Auf unsere Eltern" meinte Susanne, fest dem Blick der Schwester, die erblaßte, begegnend.

Sie stießen an, und da sie allein waren, fuhr die Ma lerin ohne weitere Vorbereitungen fort:Wir haben es ausgerechnet, Tru-e. Weißt du eigentlich, wie lange d- schort von zu Hause fort bist? Zwei Monate fehle an drei Jahren!" r

Ich weiß es wobl." entaeanete diese leise unä seufzte,ES war keine leichte Zeit!"

Fortsetzung foloU

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