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Bus der Heimat«

ll. Februar.

— Die preußische Höchstmietenverorduung rechtsgül- tig. Der amtliche preußische Pressedienst teilt mit: Mit der irreführenden Ueberschrift „Ungültigkeit der vreu- tzifchen Höchstmietenverordnmig" wnrde kürzlich über ei­nen» Prozeß berichtet, dessen Gegerlstand die Anwendnng der Zuschlagsbestimmungeu auf lanfende Verträge bil­det und der ohne Entscheid vertagt wurde. Um aus der Ueberschrift dieser von interessierter Seite verbreltetan Notiz keine irrigen Folgerungen entstehen zu lassen, sei ausdrücklich festgestellt, daß die Reckisgultigkect der preu­ßischen Höchstmietenverordnung durch das JteubSgewy vom 11. Mai 1920 bewußt unterstrichen wird und in­zwischen auch durch das Reichstustizministermm erneut betont worden ist. _ , .

— 243. Preußische Klassenlosterte. Die Ziehung der 2. Klasse sindet am 10. und 11. Februar statt. Aus ge­spielt werden 10 000 Gewinne mit 2 840 800 Mark.

— Einheitliche Festlegung der Ferien durch das Reich. Wie verlautet, sollen die Schulferien für dav ganze Deutsche Reich einheitlich geregelt werden. Die Verhandlungen hierüber sind mit den Landern aoge- schlossen. Die Richtlinien werden den Landesregierun­gen demnächst zugehen. Der Schulbeginn wll einheitlich auf den 1. April festgelegt werden Die Herbstreife­prüfungen in den Schulen sollen fortfallen. Die Neu­regelung gilt für alle höheren, Mittel- und Gemeinde- schulen.

g? Gaffel. In der Versammlung des Kasseler Haus- besitzervereins wurde mitgetelt, daß der Kasseler Magi­strat in neue Verhandlungeu eingetreten ist über einen Zvprozentigen Zuschlag zu deu Friedensruieten. Cafsel steht mit 18 Prozent Zuschlag an letzter Stelle unter den deutschen Großstädten. Alle übrigen erheben bereits hö­here Zuschläge - Hamburg schon über 100 Prozent. Die Entscheidung des Magistrats wird voraussichtlich in der nächsten Woche fallen.

E Die Umformung der Kasseler Polizei ist nun­mehr soweit gediehen, daß es seit Dienstag nur noch wenige blaue Uniformen in Kassel gibt. Die Mehrzahl der bisherigen Sckutzmannschaft trägt jetzt bürgerliche Kleidung. Die junge Mannschaft, die von der grünen Polizei übernommen wurde, trägt nur noch einige Tage blaue Uniformen, bis die grünen Uniformen ein- getroffen sind.

^ Der nächsten Stadtverordnetenversammlung ist ein öeutsch-demokratiscker Antrag angegangen, unver­züglich bei der zuständigen Stelle darauf hinzuwirken, daß die Neuwahlen der Stadtverordneten in Kassel zu- zusammen mit der Wahl zum Preußischen Landtag und zum Kommunallandtag stattfinden. Sollte das wider Erwarten nicht durchführbar sein, so soll die Neuwahl so schnell als möglich herbeigesührt werden.

6? Die Casseler Strafkammer hatte im vorigen Mo­nat einen Bäckermeister mit 1 Jahr Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust wegen gewohnheitsmäßiger und ge­werbsmäßiger Hehlerei bestraft. Er hatte von mehre­ren Dieben, die bereits verurteilt worden sind, zweimal Zucker sehr billig gekauft. Der Zucker war gestohlen worden. Auf die Revision beim Reichsgericht hob die­ses das Urteil auf und verwies die Sache an das Land­gericht Göttinnen, weil weder die gMobübesismiWo-' noch gewerbsmäßige Hehlerei ausreichend festgesteW worden sei.

^. £|Wmft^^ «w «. tangnts. Weiter wurde der EisenbahnbÜro-Angestellto M. Kölbe zu 1% Jahren Gefängnis und der Maler A. Bertram zu 2 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehr­verlust verurteilt. Sie hatten falsche 50 Markscheine angeferttat. Der Maler wurde desbalb so hoch bestraft, weil er bereits mit 8 Jahren Zuchthaus vorbestraft ist.

— Die -entschnattonale Kandidatenliste im Bezirk Hessen-Nassau zur Preußenwahl weist an den ersten zehn Stellen folgende Namen auf: 1. Pfarrer Dr. Ritter, Berlin: 2. Landwirt Georg Christian, Höchst-Unterlieder- bach: 3. Schriftsteller Ludwig Werner, Nieberkauinngen; 4. Lehrer Eduard Martell, Frankfurt a. M.: 5. Buch­händler August Sonnenschein, Marburg: 6. Frl. Anna Schoenien, Cafsel: 7. Studienrat Friedrich Sauer, Wetz- lar: 8. Kaufmann Heinrich Holländer, Breitscheid (Dill);

8. Schreinermeister Karl Schmidt, Gaffel; 10. Eisenbahn­materialverwalter Karl Wetekamp, Eschwege.

— Die Kandidatenliste der Hessischen Arbeitsgemein­schaft liegt nunmehr vor. Es sind folgende Herren: Jo­hannes Lauer, Landwirt, Fronhausen; August Rohde, Justizrat, Drarburg; Heinrich Hallenberger, Landwirt, Niederasphe: Friedr. Rose, Schreinerobermeister, Mar­burg; Gg. Kaiser, Gutsbes., Gisfelberg; Johannes Rup- vert, Landwirt, Lohra; Johannes Stumpf, Kaufmann, Marburg: Ernst Kaufmann, Hegemeister, Bauerbach,- Ambrosius Pfeil, Landwirt, Mölln: Dietrich Rübeling.

vanowegearveiter, Göttingen: Friedrich Anörck Geh. Rat, Pros., Dr., Marburg.

— Beim Wegebau auf dem Siedlungsgelände Har- leshausen der Kleinhausbaugenossenschaft fand ein Ar­beiter beim Ausgraben ein Zehnmarkstück mit der Jahreszahl 1890. Nach dem heutigen Wert des Goldes hat der Arbeiter durch den Fund einen schönen Neben­verdienst.

— Ein alter Zuchthäusler Heinrich M. stand wegen Eiubrnchsdiebstahls in einem Geschäft in der Hohenzol- lernstratze vor der Strafkammer. M. erhielt eine Zu­satzstrafe von einem Jahr Zuchthaus.

^ Jhrinashausen. Auf dem Gelände der Mönche­berg-Gewerkschaft kuppelten sich sechs Eisenbahnwagen ab und fuhren auf zwei auf dem Gleise haltende Gü­terwagen auf. Die Mehrzahl der Wagen wurde voll­kommen zertrümmert, der Schaden ist sehr groß.

Schlüchteru. Im Dorfe Hintersteinau bräunte das Wohnhaus und die Scheune des Mühlenbesitzers Kem- vel nieder. Allem Anschein nach liegt Brandstiftung vor. Die Versicherungssumme soll nicht einmal die Anschaf- fungskvsten der Ziegel decken. _ ,

Fulda. Auf hiesiger Station im Zuge Bebra- Frankfurt a. M. wurde ein Schieber festgenommen, der 50 Pfund Weizenmehl und ein Quantum Butter, das er in Grotzenbach gekauft hatte, ausführen wollte. Es handelt sich um den schon längere Zeit des Schleichhan­dels verdächtigen 39jährigen arbeitslosen Fabrikichreiner Ernst Klüppelholz aus Offenbach. Seiner Festnahme fetzte er energischen Widerstand entgegen. Klüppelholz ist auch der Eigentümer eines vor etwa acht Tagen von dem Ueberwachungsbeamten aus einem Abteil 4. Klasse des Personenzuges Fulda-Fraukfurt herausgeholten Schließkorbs, der 1 Zentner Mehl enthielt.

Langenselbold. Die Leiche des seit Weihnachten ver­mißten Arbeiters Jean Völker von hier ist jetzt aus der Kinzig gelandet worden. Völker war im hiesigen Gas­werk beschäftigt und verliest Weihnachten die Arbeits­stelle. Was den Mann in den Tod getrieben hat, ist Nicht bekannt. ,

Bad Orb. Am Wintersberg wurden unter dichten versteckt drei Rollen Kupferdraht atEgefunSen. Nach den Feststellungen von massgebender Seite stammt dieser Draht von dem an der Förderbahn verübten Diebstahl. Das aufgefnndene Diebesgut soll einen Wert von 5000 Mark haben.

Eisenach. Zu Pfingsten dieses Jahres werden die Thüringer Volkshochschulen eine „Arbeitszeit" veran- stalten, in der besondere Fragen erwägen werden sol­len, wie die Volkshochschulen künstlerischen, naturwissen­schaftlichen und ähnlichen Richtungen dienstbar gemacht werden können.

Rudolstadt. Die hiesige Stadt hatte vor Weihnach­ten den Erwerbslosen eine Beihilfe bewilligt, unter der Voraussetzung, daß das Thüringer Wkrtschaftsministe- rium wenigstens einen Teil der Summe zurückerstatte. Wie es numnehr mitgeteilt hat, ist es zur Erstattung ei­nes größeren Betrages bereit.

AMD WmtmHNM.

Hersfeld, den 2. Februar 1921.

Auf Grund des § 77 der Reichsßewerbeordnung

wrnsteines

für das L Stockwerk ~ 2,40 Mk.

für jedes weitere Stockwerk 0,60 „ für besteiabare Schornsteine, die das Normalmaß von 50 x 50 Zentimeter Lichtweite überschreiten, außerdem für jedes Stockwerk 0,40 Mark mehr.

2. Für Reinigen eines unbesteigbaren Schorn, steines':

für das 1. Stockwerk 1,60 Rk.

für jedes weitere Stockwerk 0,40 , für unbesteigbare Schornsteine, die ein Lichtmaß von 27 Zentimeter übersteigen, außerdem für jedes Stockwerk 0,20 Mark mehr.

3. Für Reinigen eines zu gewerblichen Zwecken dienenden oder Zentralheizungs-Schornsteines die doppelten Sätze Punkt 1 und 2.

4. Wenn der Schornsteinfeger auf Verlangen deS Hauseigentümers den abgekehrten Ruß außer dem Hause (Hof) schaffen soll, so sind für jeden Schornstein oder Röhre 0,40 Mk. zu vergüten.

5. Für Ausbrennen eiües unbesteigbaren Schorn­steines :

für das 1. Stockwerk

4,— Mk.

für jeves weitere Stockwerk 1,20

Die Gebühren für Ausbrennen von besteigbaren oder Räucherschornsteinen bleiben der freien Vereinbarung des Bezirksschornsteinfegers mit dem Hauseigentümer überlassen. Das zum Ausbrennen der Schornsteine erforderliche Brennmaterial hat der Hauseigentümer zu stellen, anderenfalls den Beztrksschoruftetnfeger für Lieferung desselben zu entschädigen.

8. Für Reinigen eines Schoruftetnauffsatzes, deffen Reinigen besondere Anforderungen an den Schornstein­feger stellt, ein Mindestsatz von 2,— Mk.

7. Die in den vorstehenden Punkten angeführten Vergütungen beziehen sich nur auf die, den baupolizei­lichen Bestimmungen entsprechend angelegten Scharn- steine.

8. In Häusern, die mehr als 500 Meter von den geschlossenen Ortschaften entfernt liegen, ist außer der Kehrlohntaxe ein Streckengeld von 1,20 Mk. für jede Reinigung der Schornsteine zu entrichten.

Häuser, die über 2 Kilometer von einer geschlossenen Ortschaft entfernt liegen, ist der Schornsteinfegermeister berechtigt, a Kilometer 2,— Mk. zu fordern.

9. Die Anzahl der Stockwerke eines Schornsteines berechnen sich von dem Geschoß an, in dem der Schorn­steinfeger den Ruß aus dem Schornstein zu ent­fernen hat.

10. Lassen sich die Stockwerke eines Schornsteines nicht feststellen, so gelten je 3 Meter Schornsteinhöhe als ein Stockwerk.

11. Vereinbarung über Pauschalbeträge oder Akkorde im Rahmen der vorstehenden Gebührenordnung sind zulässig.

12. Muß die Reinigung von Schornsteinen zu außergewöhnlicher Zeit oder auf besondere Anordnung oder Bestellung erfolgen, oder ist die bevorstehende, bestimmungsgemäß angemeldete Reinigung verhindert bezw. unmöglich gemacht worden, so ist im Ort des Wohnsitzes des Beztrkssckornsteinfegers zu vorstehender Taxe ein Zuschlag von 8 Mark, nach außerhalb seines Wohnortes ein Zuschlag je nach Zeitaufwand zu ent. richten.

13. Der Schornsteinfeger hat den herunter gekehrten Ruß aus dem Schornstein zu entfernen (soweit es sich nicht um unten offene alte Schornsteine handelt) und in den vom Hausbesitzer oder Verwalter bereit zu stellenden Behälter zu sammeln, der aus unver- brennlichem Stoff bestehen muß.

Außer den notwendigen Kehrgeräten hat der Schornsteinfeger Leitern bis zur Länge von 2f/2 Meter in den Städten mit sich zu führen; längere Leitern sind von dem Hausbesitzer oder Verwalter bereit zu stellen. Auf dem Lande haben die Hausbesitzer oder Verwalter dem Schornsteinfeger Leitern in jeder erforderlichen Länge bereit zu stellen.

Die vorstehende Gebührenordnung tritt mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft.

Tgb. I. Nr. 46511. Der Lanbrat.

I. V.: Funke,

Hersfeld, den 4. Februar 1921.

Die Herren Bürgermeister des Kreises erinnere ich an die Erledigung meine». Verfügung vorn 7. Januar d. Js. A. vii. Nr. 18, abgedruckt im Kreis- blatt No. 10 vom 13 v. Mts. betr. Einsendung der Gemeindelisten über Druschergebnis, Verbrauch und Ablieferung von Brotgetreide aus der Ernte 1920, mit Frist bis zum 10. 2. d. Iß. (J. A. V». Nr. 372.) Der Pyrsitzende des breisausschufles. von Grunelius.

, Hersfeld, den 2. Februar 1921.

Die deutsche Regierung hat mit der polnische- Regierung zur gegenseitigen Erleichterung für die Vorbereitungen der Volksabstimmung in Oberschlefie» das nachstehende Uebereinkommen getroffen. SA bringe es im Wortlaut zur öffentlichen Kenntnis:

^ ^WW Regierung gestattet, daß Eiuzel. Personen oder Organisationen in beiden Ländern die Vorbereitungen für die oberschlesische Volksabstimmung übernehmen.

2) Diese Einzelpersonen oder Organisationen haben das Recht, die erforderlichen Bekanntmachungen zu veröffentlichen insbesondere auch durch die Presse, und zwar in beiden Sprachen, in deutsch oder polnisch

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Wie Tochter des Mimifters

42)

Romati von E r n st Geor g y.

(Nackdruck verboten.s

Zwölftes Kapitel.

Assestor Dr. Metuhard und feine Sckwcuer Susanne gingen langsam durch die breite, schöne Kaiser Wilhelm- Straße Breslaus. Ihre Augen glitten suchend über die Hausuummeru." *

„Da drüben das Eckhaus muß es sein," meinte Her­bert, „nun wären wir also am Ziele."

„Ich taun dir gar nickt sagen, wie aufgeregt ick bin," sagt die junge Malerin. „Mein Herz klopft zum Zerspringen." , „

„Ganz gemütlich ist mir mich gerade nicht zumute," bekannte er. „Bei Trudes Dickkvvf können wir gar nickt wissen, wie sie es ausnehmen wird."

„Stimmt: aber so, wie die Dinge jetzt liegen, geht es nicht weiter." \

„Mutter geht unbedingt zugrunde, wenn wir nicht Wandel sthafsen," erklärte er. „Wenn man so gar nichts weist und allen schlimmen Gedanken freies s-prel lassen Faun — es ist unerträglich. Wir gehören ia leider zu den sogenannten gut erzogenen Menschen, die alles mit sich allein abmachen und eine stete Maske tragen. Da­rum ist unser Vater verknöchert, und darum schleicht unsere Mutter umher. Keiner spricht. Keiner offen­bart sich. Egon hat seiner Frau nur auf meine Ver­anlassung die Wahrheit gesagt..." ,

„lind auf diese Meise endlich neransbekommen, was die lieben Leute erzählen. Es ist himmelschreiend!"

Das müssen wir auch Trude ganz ruhig und klar datierten, daß man sie für eine verlorene Tochter hält," fuhr Herbert fort. Es geht nicht so weiter! — Wir kön­nen der alten Frau Doktor Wiescuer wirklich dankbar sein, dass sie uns endlich die Adresse unserer verschwun­denen Schwester mitgeteilt hat. Ohne Polizeiaufgebot hatte ich sie doch nje herausbekommen!"

„Das stimmt ia," gab Snianna zu, „aber das ganze' Gelüge und Verstellen vor den Eltern war mir dock) peinlich."

„Wieso? Wir haben nicht gelogen," widersprach er. „Wir werden doch von hier. aus zum Wintersport ins Kiekermebtrae fahren. Dass wir einen Tag benutzen, um uns das alte, interessante Breslau anzuseheu, brau­chen wir beiden erwachsenen Menschen dock nicht erst zu entschuldigen. Tannen nein es? wie bestimmt, nach Ober- schreiberbau weiter."

Sie kreuzten jetzt den Stratzeudamm und Susanna sagte, aus ein blankaeputztes 'Dtessinaiünld an einem Vorgarten weisend: „Hier steht es ja: Agnes darnach. Praktische Zahnärztin. — In Amerika und Deutschland «rpprobiert."

Sie waren in das erste Stockwerk emporgestiegen, standen vor dem Heim der Zahnärztin und verstuulm- ten. Der junae Assessor ergriff mit raschem Entschluß die Klingel.

Ein sehr nett gekleidetes Dremtnrädchen öffnete. „Dürfte ich um die Verabredungskarte bitten?" sagte es bescheiden.

„Um was?" fragte Herbert erstaunt.

„Sind die Herrschaften nicht angemeldet oder vorge­merkt?"

„Nein!"

„Dann bedaure ich, Fräulein Doktor ist heute voll­besetzt."

„Wir wollen gar nicht zu Fräulein Doktor, sondern möchten Fräulein Meirchard sprechen," sagte der Herr entschieden.

Das Mädchen machte ein höchst verwundertes Ge­sicht. Sie schielt augenscheinlich nicht daran gewöhnt, dass man nach dieser fragte. Aber sie trat etwas zurück und sagte: „Kommen die Herrschaften in zahnärztlicher Angelegenheit?"

„Nein, bitte, melden Sie uns Fränlem Meürhard."

„So, dann warten Sie vielleicht hier im Speisezim­mer. Ich werde Fräulein rufen, sie ist im Sprechzinr- mer bei Fräulein Doktor."

Damit öffnete sie eine Tür und ließ die Besucher in ein warmes, lichtes Gemach treten, das einfach und ge- schmackvoll eingerichtet war. Mail hörte aus dem Ne- beuraum das mtauSciefeßt scharre Schnurren der elek-

I irisch betriebenen Bohrmaschine und ein paar kurze | Worte.

Die beiden Pleinhards standen mit blassen Gesichtern unruhig da und schauten auf den Perserteppich, der die l Durckgaugstür verbarg. Jedoch nicht diese, sondern der Ausgang nach dem Gärig öffnete sich, und herein kam in schneeweißer, festgegürteter, mit Aermeln versehener Berufssckürze die so sehnlich erwartete Schwester.

„Trude, liebe Trtlde!"

„Susanna! — Herbert!" Eine Sekunde stand die Eingeiretene wie angewurzelt, dann eilten sie aufeinan­der zu, und die beiden jungen Mädchen lagen sich in den Armen und, was sie nie getan hatten, küßten sich? wobei ihnen die Tränen aus den Augen stürzten.

„Ich bin auch noch da; Trude," meinte der Bruder endlich ungeduldig.

Die Angerufeue gab Susanne frei und wandte sich khvt zu. ihm beide Hättde entgegenftreefenö. „Herbert, lieber Bruder," murmelte sie ergriffen.

Auch er umarmte sie, einen Kuß auf ihre Stirn drückend. „Haben wir dich doch endlich erwischt, du al­tes dummes Mädel!" sagte er verlegen.

Nach der ersten Begrüßung überkam sie alle drei eine leichte Verwirrung.

„Hast du jetzt eine Stunde Zeit für uns?" fragte der Assessor etwas beklommen.

Gertrud erschrak. „Jetzt? Ach nein, Klttder, Fräu­lein Doktor braucht mich unausgesetzt zur Handrei- chung."

„Wann sönnen wir dich also, ohne zu stören; sprechen?"

„So kommt um acht Uhr wieder!"

„Gut, wir werden pünktlich sein!" sagte Susanne. „Ach, Trude, wie lieb man sich hat. MS merkt man doch erst, wenn man getrennt ist! — Hast du ebenso grüne . Sehnsucht nach mir gehabt, wie ich nach dir?"

Gerttnid kniff die Augen ein. Sie wurde rot. ^4 stand mitten im Kampf, iuiö, Suse, es ist alles voller l Bitterkeit in mir."

(Fortsetzung folgt.)