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Hersfelöer Tageblatt

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' I »°n»sn,l°*^ j Amtlicher /lnzeiger für den kreis Hersfelü !""'"°Ä.^«LL^WA"°"^ l

Nr. 24 lZweiter Blatt)

Sonnabend, den 29. Januar

1921

Me GeMrSma Der obelschleflscheu

Abstimmung.

Die deutsche Regierung hat, wie bereits gemeldet, per Botschafterkonferenz und gleichzeitig den Regierun­gen in London, Paris und Rom eine Denkschrift über die militärischen Vorbereitungen der Polen im Abstim- WUvgsgebiet zugestE. Sie weist eine FMe «rkunöli- «hen Materials auf, die die Entente nicht ohne weiteres ,rvirh umgehen können. Es wird festgestellt, daß beson- jsters im Monat Dezember eine außerordentliche Ver- '»Lrkuna dieser von Warschau aus geleiteten mUttäri- wett Organisationen zu verzeichnen ist, die auf einen genen Aufstand Mitte Januar Hinweisen. Dank des Wohlwollens der Franzosen war es möglich, daß die Kölnischen Zeitungen in Oberschlesien wie tm polnischen Meiche ganz offen ihre Drohungen aussprechen konnten, Sie Gewaltmatznahmen verlangten, falls die Abstim- MUNg nicht im polnischen Sinne ausfallen sollte. ! Auf englischer Seite hat man indessen bereits die Mefahr erkannt, die in einer Einverleibung Oberschle- Kens in Polen für die Industrie des Landes und damit die Weltwirtschaft liegen würde. Und nur wenn die Regierungen und die Völker immer größeres Interesse an der oberschlesischen Frage nehmen und um ihrer selbst n den französischen Begünstigungsversuchen für len entgegentreten, dann kann man eine wirkliche erung der Verhältnisse erwarten und mit einer ten und unbeeinflußten Abstimmung rechnen.

Auch das Abstimmungsreglement der interalliierten Kommission darf nicht stillschweigend hingenommen wer- vm, weil es unerhörte Vergünstigungen für die Polen ißt und ganz einseitig nach Korsantyschem Entwurf gestellt wurde. Es gehen durch seine Bestimmungen deutschen Sache unendlich viele Stimmen, verloren, gerade in den Jahren 1904, dem Stichjahr für die lberechtigung, die Städte, deren Bevölkerung durch Zuzug aus Mittel- und Niederschlesien anwuchs, völlig aufblühten. Trotz aller dieser französischen uche, ein den Polen günstiges Ergebnis vorzuberei- , steht es um die deutsche Sache in Oberschlesten nicht echt. Wirklich gefährdet sind wohl nur die Kreise ybntk, Pletz, Tarnowitz und der Landkreis Kattowitz, - welche am stärksten unter dem polnischen Terror zu lei- 6ett haben. Eine Besserung des Bandrtenunwesens in Wesen Kreisen kann nicht erwartet werden, solange nicht Äie Grenze völlig abatv errt wird. Es wäre äußersten TSÄSÄ^Ä -e m» M« WdfMf

^ SoÄr^man tnfdnem ?Me anrätzliG der sr-mzö- Mchen Stellungnahme für Polen den Mut verlieren. Es muß sich nur darum handeln, vor allem eine unbedingte Beseitigung der militärischen Drohungen der Polen tztesseits und jenseits der Grenze durchzusetzen und zu »erreichen, daß die Stimmen aller Oberschlester, wenn !«uch eine getrennte Zibstimmung sich nicht mehr ver- Meiden lassen sollte, gleichgewertet werden. Die Ober- Mlesier im Reiche aber müssen sich mehr denn je bewußt isein, welch ungeheuren Wert jede einzelne ün-er Stim- Äten gerade ietzt gewonnen hat und dürfen sich kelnes- '.strlls durch die Drohungen und Vorbereitungen der Po­llen abschrecken lassen, von ihrem Stimmrecht Gebrauch izu madten. Niemand sollte weder die Reise noch klein- Furcht davon abhalten, Oberschlesten, fein Heimat- Mftnb, dem deutschen Vaterlande zu erhalten. ___

Die Tochter des Ministers.

Roman von Ernst Georgy.

38t (Nachdruck verboten.)

Und mit ihr fehlte das schlanke, schöne Mädchen, das auf seinen Wunsch von der Mutter angewowen wurde und so bald der Einsamen Trost, Stütze und Freude aewvrken war Er entbehrte auch sie stomirzlich und zürnte den Verwandten, die sie ohne feine Einstimmung mit Geld und einem kargen Andenken abpejunden und Hinausnejaat" hatten, wie er sich ausdrückte.

Ein neuer Gedanke tauchte mit einem Male an» dem Gefüülswirrsal empor. Er mußte und wollte klar sehen, welche Bewandtnis es mit Gertrud Meinhard hatte, warum sie die Tochter aus vornehmem Hause in Welt umherirrte. Eine unbestimmte Hoffnung ent­stand. Vielleicht war sie längst daheim, bei den Ihren

Hoerne recht zur Besinnuug kam, saß er bereits in dem D-Zug nach Berlin. Um die Mittags- aett kam er in der Reichshauptstadt an, und nachdem er sich erfrischt, vom Reisestaub befreit und die Wohnung Präsidenten Meinhard aus dem Adreßbuch erleben Ke er einen Kraftwagen und fauste durch die etr^tn Herz klopfte doch etwas unruhig, als er Punkt Hins Uhr vor der Wohnung stand.

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«enÄatobSate:Leider sann Ä feine allere Auskunft geben. Herr Oberleutnant Meinhard^betratet übermorgen in Köln. Ihre Er^enz strid sckMr vor- «estern hingefabren und Seine Erzellenz reisen direkt vom Amt aus und kommen wrr nicht urebr ncnh Harfe. Doktor Hoerne stand unschlüssig, enttäuscht.Das ist mir allerdings sehr peinlich," meinte er

Das gnädige Fräulein find allerdings noch da.

Zur LandragSMayr.

Die neue preußische Verfassung, die am 30. 11. v. J. von der Landesversammlung verabschiedet wurde, ist weiten Kreisen der Bevölkerung heute noch nicht be­kannt. Die Bedeutung, welche dem Landtag in Preu­ßen staatsrechtlich zukommt, wird daher vielfach nicht richtig geiviirdtgt. Marr ist der Meinung, der Landtag ist in Preußen das, was der Reichstag in Deutschland ist. Das ist aber nur sehr bedingt richtig. Schon die verfassungsrechtliche Grundlage des Landtages weist auf eine größere Machtvollkommenheit hin, als dem Parla­ment im Reiche zusteht.

Träger der Staatsgewalt ist in Preußen wie in Deutschland die Gesamtheit des Volkes, das feinen Wil­len unmittelbar durch die Volksabstimmung, mittelbar durch die verfassungsmäßig bestellten Organe äußert. Wie aber diese Orgarre nun vom Volke berufen werden, ist letzten Endes entscheidend für ihre Machtstellung im Staatslebem Ein Parlament, das aus direkter Wahl hervorgebt, wird z. B. immer eine größere MachtMle besitzen, als eine auf Umwegen durch inerteste Wahl geschaffene Körperschaft. Der Zusammenhang mit dem Träger der Staatsgewalt, der Weg, der zum Volke führt, ist entscheidend für die Bedeutung der mit der Ausfüh­rung des BolkswillenL beauftragten Organe.

Das einzigste Organ aber, welches das preußische Volk unmittelbar bestellt, ist der Landtag. Im Reiche steht neben dem Parlament der Reichspräsident, der auf dieselbe Weise gewählt wird wie die Abgeordneten des Reichstages. Er bildet dem Parlament gegenüber ein Gegengewicht. Ein solches Organ fehlt in der preußi­schen Versassung. Dementsprechend wächst aber die Be­deutung des Landtages. Das ergibt sich sofort, wenn man die Bildung der Regierung in beiden Staaten be­trachtet. Im Reich ernennt der Reichspräsident den Reichskanzler, und es ist ihm dabei, wenn er auch an die Zusammensetzung des Reichstages gebunden ist, die Möglichkeit gegeben, seine Persönlichkeit zur Geltung zu bringen. In Preußen aber wählt der Landtag ohne Aussprache den Ministerpräsidenten. Dieser, er­nennt die Minister. Jeder Minister bedarf zu feiner Amtsführung das Vertrauen des Volkes, was drefes durch den Landtag bekundet. Der Landtag kann durch BesÄutz dem Minister das Vertrauen entziehen, der dann zurücktreten muß. Auch ist der Landtag berechtigt, leben Minister vor dem Staatsgerichtshof anzuklagen, daß er schuldhaft die Verfassung oder die Gesetze verletzt habe. Seiner wichtigen Stellung entsprechet) hat der Präsident des yandtaaes anen ote srenaag etue» Staatsmintsters. Der Landtag ist die oberste gesetzge­bende Gewalt, das Staatsministerium die ooerste voll­ziehende und leitende Behörde des Staates. Der Land­tag stellt die Grundsätze für die Verwaltung der Staats­angelegenheiten aus und überwacht ihre Ausführung.

Kein Organ kommt dem Landtag in Preußen an Bedeutung gleich. Auch der Staatsrat verMät feines weas über eine gleiche Machtfülle. Der Staatyrat soll, ähnlich wie der Reichsrat im Reiche die Interessen der Länder vertritt, die Interessen der Provmzen des Lan­des wahrnehmen. Seine mindere Bedeutung geht schon daraus hervor, daß er nicht unmittelbar aus dz« Wah­len des Volkes hervorgebt, sondern inbirett durch die Mitglieder des Provinziallandtages gewählt wird.

Der Landtag wird auf 4 Jahre gewählt. Durch die Wahl begibt sich das Volk auf Zeit seiner Macot und über tränt sie den Männern seines Vertrauens. Doch bleibt letzten Endes das Volk der Souverän. Es ist

aber gerade beim Einvacken," sagte das Mädchen.Soll ich vielleicht---"

Ich bitte sehr darum," setzte er ihre Rede, rasch fort, geben Sie dem gnädigen Fräulein freundlichst meine Karte. und sagen Sie. baß ich um einige Minuterr Ge-

Nach wenigen Minuten kehrte das Mädchen zurück.

Darf ich bitten?" t ,

Er wurde in ein Euwfangszrmmer geführt und auf- gefordert, Platz zu nehmem ,

Vom anstoßenden Gemache ertönten leichte, sich na- öcrtiöc ^^^e«

Eine junge Dame tm schlichten Hauskletöe trat ein und musterte den ^Besucher mit klugblickenden Augen, die der schönste Reiz in dem seinen schuralen Antlitz wa­ren. Obgleich weder das (wacht noch die uberichlante Gestalt schön zu nennen waren, erinnerten aewiste AeHn- lichkeiten den sich tief Berneigendeii doch an die kleinere, aber weitaus schönere Schwester.

Herr Doktor Hoerne?" sagte sie avwartend.

Mein gnädiges Fräulein, entgegnete er, leicht ver­wirrt unter diesen forschenden Blicken,ich habe um Vergebung zu bitten, daß ich Sie zu stören wagte. Mich führt jedoch die Abrragmrg einer drillenden Dankes­schuld hierher."

Eine Dankesschuld an uns?

Gewissermaßen ja." ,

Wollen Sie sich etwas deutlicher erklären, Herr Doktor," Sie blieb stehen.

Mein Beruf führt mich beständig auf Reisen," sagte der Arzt stockend.Auf einer solchen Reise in Japan erhielt ich die telegraphische Nachricht vom Ableben mei­ner Mutter." Er bemerkte das lebhafte Erstaunen auf dem Gesicht der Haustochter, machte muvillkürlich eine

Ich batie meine gute Mutter zwar schwach, aber ^«n» ewa« Gesellschafterin, eines Fräulein Gertrud Meinhard, zu- rückgelassen und war glücklich, weil ich sie keiner sorg- samereu und liebenswürdigeren Dame hätte anver- trauen können--*

Richter in höchster Instanz, es kann unmittelbar 6® Auflösung des Landtages fordern. Ein solches Volks«! begehren muß von % aller Stimmberechtigten unterstützt! * werden. Auch hat das Volk das Recht, unmittelbar & . die Gesetzgebung einzugreifen, indem es an das StaatS- ministertum das Begehren richtet. Gesetze zu erlassen, au ändern oder aufzuheben. Aber es liegt in der Natur eines so großen Staates, baß das Volk seinen Wille» unmittelbar durch Volksabstimmung weniger häuft« zum Ausdruck bringt, als durch die mittelbar bestellte« Oraane. besonders durch den Landtag.

Die Erhebung des Aeichsnolopsers.

Es bestehen bei der Bevölkerung noch vielfach Un­klarheiten über die Verrechnung der Kriegsanleihe bei der Bezahlung des ReichSnolopfers, und es ist auch viel­fach Beunruhigung darüber eingetreten, daß die Ueber- traauna von Schuldbuchforderungen auf das Konto der Reichskasse zur Entrichtung des Reichsnotopfers so­lange Zeit dauert. Demgegenüber sei festgestellt, daß nachweislich selbstgezeichnete Schuldverschreibungen und Schatzanweisungen der Kriegsanleihen des deutschen Reiches, die nach dem 3L Dezember 1920 bis zum 31. Januar 1921 eingereicht sind, zu dem im § 43 Absatz 1 bezeichneten Vorzugskurse auf das Reichsnotopfer in Zahlung genommen werden. Als vor dem 31. Januar 1921 eingereickt gelten die Schuldverschreibungen und Schatzanweisnnaen der Kriegsanleihen auch dann, wenn der Steuerpflichtige bis zum 31. Januar 1921 die Bank, die Sparkasse usw., bei der sich die Kriegsanleihestucke in Verwahrung befinden, beauftragt, einen ziffernmäßig bestimmten Betrag dieser Stücke zur Bezahlmig seiner Reichsnotopferschuld einer amtlich beftellten Annahme­stelle für Wertpapiere einzureichen und die Bank usw. diesen Antrag ordnungsgemäß bis spätestens zum 31. Juli 1921 ausführt. Wird der Auftrag nach dem 31. Januar 1921 erledigt, so hat die Bank usw. zu beschetni- gen, daß ihr der Auftrag vor dem 1. Februar 1921 er­teilt worden ist; diese Bescheinigung ist außer den sonst vorgeschriebenen Bescheinigungen über Selbstzeichnungi usw. der Annahmestelle einzureichen. , _,

Ebenso werden nachweislich selbstgezeichnete schuld- buchforderungen der Kriegsanleihen des Deunchen Reichs zu dem im §43 Abs. 1 Ges. bezeichneten Bor­zugskurse mrs das Reichsnotopfer in Zahlung genom- men, wenn der Uebertragungsantrag bts zum 81. Ja»

Der Eingang der Anträge auf Schuldbuchforderungen aus das Konto der R zur Entrichtung des Reichsnotopfers bei der schuldenverwaltung hat einen solchen Umfang erreicht^ daß die Bearbeitung dieser Anträge mehrere Wochen be- ansprucht. Aus diesen Umstand wird bet der Einziehung des Reichsnotopfers Rücksicht genommen, wenn die noch nicht erfolgte Erledigung des UebertragungsantragA alaubhaft gemacht wird.

Im Übrigen macht die Reichsschuldenverwaltung darauf aufmerksam, daß sie Anfragen über den Eingang von Anträgen nur beantworten kann, wenn ihnen uns Freimarken und vollständiger Adresse des Ansragenden versehene Briefumschläge oder Postkarten beigefügt sind. Es empfiehlt sich au», die Uebertragungsanyage unter Einschreiben" einzufenden und den Postschein als Be<. Sätianna der Antraastelluna zu verwenden.

Susanne Meinhard wurde jäh rot. Ihr Ausdruck veränderte sich plötzlich. Ihre Haltung lockerte sich. Wollen Sie bitte Platz nehmen," sagte sie etwas ronlos, wies auf einen Sessel und setzte sich selbst schnell nieder.

Hoerne machte von ihrer Erlaubnis Gebrauch. Als ich nach Monaten heimkehrte, hatte Fräulein Meinhard zu meinem tiefsten Bedauern Magdeburg verlassen. und bisher ist es mir leider noch nicht gelun­gen, ihre Adresse ausfindig zu machen!: Er schnür«, seine Augen hingen an seinem Gegerüider, dessen be­wegtes Antlitz innere Erschütterungen widerspiegelte.

Nach wenigen Nkrnmen warf Susanne den Kopf zu­rück. sah ihn scharf an und fragte kurz:Hat Fräuleirr Meinhard Ihnen gesagt. daß Sie ihre Währungsangabe gerade hier erhalten fönuten, Herr Doktor?" .

$)__ nein!--Fräulein Meinhard hat nie­mals über ihre Familie oder ihre persönlichen Angele­genheiten mit mir gesprochen!" . .

Wie kommen Sie aber darauf, dan--"

Gnädiges Fräulein, ein Zu» brächte es zutage, unterbrach er sie etwas verwirrt. ,

Welcher Zufall konnte das sein?" meinte sie un-

Der junge Arzt blickte verlegen zu Boden.Mutz ich alles sagen?" fragte er plötzlich, hob den Kopf und ich sie herzlich und offen an.

^Jch wenigstens bin stets und ganz besonders m die­sem Falle für volle Offenheit." erwiderte sie.

Ganz rückhaltlos offenbarte er der annnerfi am Lauschenden nun, daß eine tiefe Anteilnahme für -trau* lern Meinhard ihn erfüllt, und daß er daher sofort, als auf dem Schiff der Name genannt wurde, seine ganze Schlauheit ausgeboten habe, um Zusammenhänge zu fin­den.Es ist mir geglückt," erklärte er kindlich lebhaft. Ich wußte nun, woher sie stammte. Und als mich heute morgen in Hamburg eine Aebnlichkeü narrte, da fuhr ich einfach nach Berlin und zu Jhnerr. Sie sind ihre Schwester, gträdiges Fräulein. Ich bitte sie^herz­lich, teilen Sie mir mit wo FxäMetn Gertrud sich jetzt

befindet?

«Kortfetzuna folat.)