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Hersfelöer Tageblatt

: Anzeigenpreis für die einspaltige prtitzeile sSer : detenRaum 40'Pfennig, für ausmäcts 60 Pfennig, * : die Keklamezeile 1.50 Mark. Bei Wiederholungen : : Nachlaß. * Kür die Schristiellung verantwortlich Kranz Kunk in Hersfeld. Kernsprecher Nr. S. :

^ersfetoer KreisblstL"

M«tlicher Mnzeiser für den Kreis Hersfelö

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Nr. 14

Dienstag, den 18. Januar

1921

MtW 1M in Met

** Das Kabinett Briand ist endgültig z«samme«gs, MEt. Es besteht aus Briand: Präsident «nd Aentzerss, Marrand: Inneres, B««nevan: Justiz, Bartho«: Krieg, SniMnn: Mariwe. Donmer: Finanzen, Louchenr: be­freite Gebiete, Sarrant: Kolonien, Le Drocgeur: öffent­liche Arbeiten, Derard: Unterricht, Dubrey: Ackerbau, Dauiel: Arbeit, Le Redo«: Hygiene, Magiuo: Peustone». Briand hatte sich Sonntag mittag ins Eliysee begebeu, «m Milleraud über das Ergebnis, ein Kabinett zu bil­den, Bericht zu erstatte«.

Im Kabinett Briand treten außer der Perfönlich- keit des Ministerpräsidenten selbst tm wesentlichen die Namen Loucheur und Barthou hervor. Barthon ist ein französischer Patriot des alten Schlages, der während des Krieges seine ganze Beredsamkeft in den Dienst der Entflammung der Leidenschaften zum Widerstand ge­stellt hatte. Da in der französischen Presse sofort nach dem Sturz Lengues hervorgetzoben wurde, daß das neue Ministerium nicht nur die Aufgabe habe, mit Deutschland ins Reine zu kommen, sondern vor allem die schwierigen Verhandlungen mit Englmrd zu einem glücklichen Ende zu bringen habe, so ist die Hineinnahme Bartbous ins Ministerium nach dieser Richtung hin von besonderer Wichtigkeit. Barthou hat vor einem Monat in der französischen Kammer eine so scharfe Rede gegen England gehalten, daß die Dementimaschine im Aus­wärtigen Amt sehr heftig in Tätigkeit gesetzt werden mußte, abgesehen davon, daß schon der Kammerpräsident sofort nach der Rede Bartbous bemüht war, dessen Aus- sübrungen abzublenden. Der neue, Finanzminister Lou­cheur, ein französischer SchwermÄastrieller, der durch den Krieg erheblich an Vermögen gewonnen hat, erreichte sofort nach dem Frieden von Versailles Verhandlungen Mit deutschen Industriellen, in denen es aber zu einer Eiiftguna nicht kam. Von den deutschen Teilnehmern an den Verhandlungen wurde seiner Zeit betont, daß gorm wie Inhalt der Loucheurschen Ausftthrungen das estreben verraten hätten, auf sachlicher Grundlage zu einer Einigung über die deutschen Leistungen zu gelan­gen. Louckeur hat von jeher den Standpunkt vertreten, daß das Schwergewicht der deutsche'Eriedergutmachung auf die Lieferung von Waren ge T^ .worden mltßtZ während reine Geldzahlungen -wt.LM

nutzbar

gemacht werden könnten, wie die Vertreter anderer Strömungen in Frankreich immer behauptet hatten. Loucheur ist ein leidenschaftsloser Geschäftsmann.

Ueber die Schwierigkeiten, an denen die Bildung eines Kabinetts Peret gescheitert ist, liegt folgende Mel- dnnä vor: Raoul Peret, der auf die Kabinettsbildung verzichtet hat, begab sich Sonnabend mittag ins Elysee, üm dem Präsidenten der Republik seinen Entschluß mit- -uteilen. Gleich darauf veröffentlichte das Sekretamat des Kammervräsidenten Peret eine Note, in der dieser erklärte, infolge der Besprechungen, die er am Freitag und Sonnabend morgen gepflogen habe, erscheine es ihm unmöglich, ohne die Mitwirkung Poincarees und M- vfanis ein Kabinett der nationalen Union zu bilden, wie es in seiner Absicht lag. Er sei deshalb der Ansicht, da« er nicht den Vorsitz eines Ministeriums übernehmen könne, das dieser Bedingung nicht entspreche.

Die Schwierigkeiten der Kabinettsbildung liegen für Briand vor allem darin, daß es nicht möglich ist, die von Poincaree empfohlene Politik mit derjenigen in Ein­klang zu bringen, für die Briand eintritt. Die franzö­sischen Mittagsblätter umschreiben diese beiden gegen- sättlichen Anschauungen so, daß Poincaree für den eisernen Handschuh. Briand für den samtenen sei, das will heißen, daß Poincaree für eine energische Politik gegenüber Deutschland eintritt, während Briand Ab­machungen schließen möchte, denen auch England seine Zustimmung geben könnte.

Das Programm Briands.

»^ Gens. sS. C.) DasEcho de Paris" meldet, daß der neue Ministerpräsident sich bei der Entwicklung sei­nes Programms vor den übriaen Ministern und den führenden Parlamentariern für die Politik der Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland ausgesprochen hat.

^ Paris. Nach demMatin" verzichtet die augen­blicklich verfolgte Politik keineswegs auf die Anwen­dung von Gewalt, um nötigenfalls die Ausführung des Versailler Vertrages zu erzwingen, jedoch im Einver­nehmen mit den Alliierten, nachdem die anderen Druck­mittel vollkommen erschöpft sind.

Die erhöhten KohlenNeferungen.

Die deutsche Kriegslastenkommissivn in Paris hat . (rote schon kurz berichtet) der Reparationskvnmnsnon N ihren Brief vom 28. Dezember bestätigt, in dem die letz- : tcre gefordert hat, daß Deutschland vom b Februar ab ' 2 200 000 Tonnen Kohle und mrßerdem in den Monaten . Februar und März 500 000 Tonnen Kohle als Er atz für die in den letzten sechs Monaten nicht gelieferten Kohlen zu liefern habe. Die deutsche Kriegslastenkom- . miss on erklär daß die deutsche Regierung die Anffor. , derung der WiedergutmachunKk^ als

Mw «orderuna dieser Kommission mit Rücksicht aus

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den Versailler Friedensvertrag betrntoten i-urpe. L«« deutsche Regierung fügt hinzu, daß sie sich unter die­sen Umständen Vorbehalte, der Wiedergutmachungskow- mission einen Bericht vorzulegen, der die wirtschaftlichen ; Folgen aus den Kohlenlieferungen darstellt.

! Kohleumangel bei Krupp.

; ** Die Firrna Krupp gibt bekannt, daß sie beabsich- i Hge, bei Eintritt kälterer Witterung einen Schicht­wechsel vorzunehmen, um Kohlen zu ersparen. Die Austastung der Belegschaft, daß die Firma eine Ver­längerung der Arbeitszeit durch diese Maßnahmen an- strebe, trifft nicht zu. In einem Rundschreiben an den Betriebsrat heißt es: Wenn die Belegschaft die Nn- beauemlichkeit einer teilweisen Auswechselung der Schichten bis zum 1. April nicht auf sich nehmen zu kön­nen glaubt, so wird voraussichtlich nichts anderes üb­rig bleiben, als den Betrieb der Gutzstahlfabrik an ein­zelnen Tagen oder teilweise stillzulegen.

Was Deutschland zahlen sott.

** Staatssekretär Bergmauu hat vor seiner Abreise nach Berlin von den ftanzösischen Sachverständigen den Rat erhalten, bei der kommenden Brüsseler Zusammen­kunft eine »Summe mitzuteilen, die Deutschland in dem ersten Zeitraum von 5 Jahren zu leisten imstande ist. Als Mindestsumme wurde der Betrag von 3 Milliar­den Goldmark pro Jahr, teils in Produkten, Rohstof- seu, teils in Geldwerten angegeben. Ferner wurde of­fiziös nach Berlin mitgeteilt, daß eine Wiederherstel­lung normaler Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland zu erwarten sei, wenn in Brüssel eine Ei­nigung über die Leistungen Deutschlands innerhalb der nächsten fünf Jahre erzielt werden könne.

Die Wieberantmachn««.

o?» Genf. fS. C.) Wie die Exchange Agentur mel­det, bat sich der Botschafterrat am letzten Freitag mit der deutschen Eingabe zur Wiederherstellung befaßt. Eine Entscheidung des Botschafterrates fei nicht erfolgt, da man den direkten Verhandlungen mit den Deutschen in Brüssel nicht vorareifen will.

Die Bermindersug der amerikanischen Besaßungs- truppen.

6* Berlin. sS. C.) Nach Pariser Meldungen hat der alliierte Rat den Antrag einer Ententemachi abgelehnt, die Herabsetzung der amerikanischen Okkupationsarmee von 15 000 Mann auf 8000 Mann durch Verstärkung der übrigen, alliieren ^ E/UM""N5'ÄV."'.-"!^^ -- t5TCTLOih

Amerika will informiert sei«.

** Gens. (S. C.) Wie derMatin" meldet, hat die Union eine Vorstellung in Paris überreimen lassen, die nach Zurückberufung der Vertreter im alliierten Rat die ständige diplomatische Informierung der Vereinte ten Staaten durch die Botschafterkonferenz nachsucht.

Vom Völkerbund.

** Genf. lS. C.) Nach einer Mitteilung von dem Sekretariat des Völkerbundes tritt der Völkerbundrat am 20. März, die Völkerbundstagung Anfang Septem­ber 1*921 zusammen.

Anschltttz Spaniens o« Sie Entente? e-f Genf. (S. C.) Die Pariser Zeittmgen bringen Madrider Telegramme, die von einem bevorstehenden Anschluß Spaniens an die Entente sprechen. DasEcho" meldet aus Lissabon, daß zwischen Portugal und Eng­land ein Abkommen über den SÄutz der portugiesischen Staatsangehörigen in Ostasien durch England abge­schlossen wurde.

Der Mstimmmgslag in OterWeRen.

** In amtlichen Londoner Kreisen wird bestätigt, daß der 13. März als Absttmmungstag für Oberschlesien in Aussicht genommen ist. DerPettt Parisien" erklärt dazu, daß diese Stackricht mit feinen Pariser Jnforuca- tivnen übereinstimmt. Da auch die deutsche Regierung erklärt bat, daß ihre Informationen sich hiermit decken, so kann der 13. Ptärz, ein Sonntag, wobt endgültig als der Tag gelten, an dem die in Oberschlesien wohnenden Stimmberechtigten abstimmen werden. Es fehlt nur noch die amtliche Bekanntgabe an das deutsche Aus­wärtige Amt. Unter diesen Umständen hält es die Berliner Montagspost" für unmöglich, daß am 20. Fe­bruar Großwabltag ist, d. h. daß an diesem Tage in den Grenzgebieten zum Reichstag, in ganz Preußen zum Landtag und zu den Provinziallandtagen und zu den Kreistagen gewählt wird.

Die Bedrohung Oberschlesiens.

»-» BreSlan. (L. 91-1 Wie dieSchlesischc Bolks- zeitnng" aus Oberschlesien meldet, wird aus allen Grenzgebieten die Zttsammenziehnng großer polnischer Truppenkörper ««gesagt. Bei Moslowiß und Sostto- wice sind in der vergangenen Nackt mehrere Regimen­ter polnischer Infanterie anfmarschiert. Der Grenzbe- völkernnq bat Jidt infolgedessen großer Aufregung be­mächtigt. Auch an der ostprentzischen Grenze zeigen sich große Trnppenansammlnnge«. Südlich von Johannis- Vurg sind mindestens zwei Divisionen versammelt.

Die Knebelung nnfet bet Zremdherrschasl.

Verbot der Reichsgründungsfeier.

' o-t Die interalliierte Rheinlandkommissim, hat trotz ; des Protestes des Rcichökowwifsars für die besetzten : Rheingebiete entschieden, daß das Verbot vaterlän-i- ! scher Kundacbuuacn am 18. Januar, das von Seite»

ser nanzonnven Rretooetemerrat r^ngsn tu, zu mecy» bestände und daß das Verbot auf die sämtlichen be- feilten Gebiete auszudehnen sei.

»* Aus Trier berichtet man der^. A, daß sich dort öfe verschiedenen Parteien zusammengetan hätten, unr den 18. Januar gemeinsam zu feiern, Ihr Antrag auf; Genehmigung der Feier wurde von der französischem .Kreksdelegation in brüskester Form abgelehnt. Tep Antrag sei, so wurde ibneu gesagt. eine Unverschämte Heft: man wolle sich wohl über die Franzosen lustig Mücken.

Belgische Justiz.

** Der Landrat von Neutz, Freiherr von Lueinck, er­hielt vom belgischen Kriegsgericht in Aachen 6 Monate Gefängnis und 10 000 Mark Geldstrafe wegen Ungehor­sams gegen einen miltärischen Befehl. Er hatte es un­terlasten, einen von ihm augesorderten Nachweis über Automobile rechtzeitig zu liefern.

Die Konferenz bet 8ruShm«ss»I«ister.

Die Konferenz der Ernährungsminister ist am Sonnabend vormittag in Dresden in Gegenwart von Vertretern aller Länder unter Vorsitz des Reichsmini- sters Hermes mit einigen Begrtitzungsworten des Mi­nisters Schwarz eröffnet worden. Reichsernährungs­minister Dr. Hermes erklärte, daß die Festsetzung der Mindestpreise für das Getreide aus der Ernte 1921 bald erfolgen müsse. Ueber die endgültige Festsetzung der Form der Bewirtschaftung schweben zur Zeit noch Er-, wägungen. Es besteht aber Gewißheit, daß die öffent­liche Bewirtschaftn«« aufrecht erhalten werden muß. Der Minister teilte dann mit, daß auf dem Gebiete der Phosphorsäure eine befriedigende Lösung mit dem Rcichsfinanzminifterium erzielt worden sei. Das Retchsfinanzministerium habe feine Zustimmung zu dem Plane des Retchsernährmrgsmtnisterium erteilt, wonach durch eine Reichsgarantie die Superphosphat- industrie in die Lage versetzt werde, auf der Grund­lage einer monatlichen Menge von 40 000 Tonnen die Einfuhr von Rohphosphaten für 12 Monate durchzu- fübren. Das Reichskabinett hat gleichfalls feine Zu­stimmung zu diesem Vorschläge gegeben. Die Preise werden im fetzigen Düngeiahr ««verändert bleiben. Im neuen Düngeiahr soll aber eine Senkung der Pretse um 20 Prozent eintreten.

Zur Uraar des ----

DerVornErts" schreibt zu den Verhandlungen über die Neuregelung der Teuerungszulagen: Es ist tatsächlich gelungen, sehr erhebliche Zugeständnisse zu erlangen, und wenn nicht alle Wünsche befriedigt wer­den konnten, so braucht deren Grund dafür, die kata­strophale finanzielle Lage des Reiches kaum noch aus­führlich dargetan zu werden. Im Reichstag ist die Mehrheit durch die Stellungnahme der Führer der Re­gierungsparteien gesickert. Die Organisationsleitungen stehen aber vor der Frage, ob sie ihren Kollegen die Annahme der Zugeständnisse oder den Streik zur Durchführung ihrer Forderungen emvfehlen sollen. Der Erfolg wäre naturgemäß von vornherein ausgeschlossen, wenn es verantwortungslosen Elementen gelänge, noch vor der Entscheidung der Organisationsleitungen hie und fra wilde Streiks hervorzurufem Ein Eisenbah- nerstreik bedeutete unter Umständen den Verlust des gesamten Eisenbahnsustems im besetzten Gebiet, viel­leicht auch sogar des Ruhrgebietes. Diese Gefahr eines Streiks dürften die ihrer Verantwortung bewußten Ar­beiter nicht aus dem Auge verlieren.

Zu spät abgesagte Eisenbahuerversammlungen.

w- Da die großen Berliner Eisenbahner-Organisa- ttonen erst in letzter Stunde ihre Mitglieder benachrich­tigten, daß die für Sonntag angesetzten Kundgebungen infolge der Einigung mit der Regierung nicht stattfin- den, hatten sich in vier großen Versammlungslokalen e!wa 8000 Personen, zum größten Teil Arbeiter der Ber­liner Eisenbahn-Reparatur-Werkstätten, eingefunden, - um gegen die finanziellen Zugeständnisse der Regierung zn protestieren. Nach Schluß der Versammlungen bil­deten sich Demonstrationszüge.

Mchsgrkn-imgsjeler in Halle.

** Die vom deutsch-völkischen Schutz- und Trutzbund am Sonntag vormittag in Halle abgehaltene Veranstal­tung aus Anlaß des Gedenktages der Reichsgründung gestaltete sich zu einer großen Kundgebung. Etwa 4000 Arbeiter hörten den Vortrag des Ebefredakteurs Bulle aus Berlin. Das Versammlungslokal war von einem starken Polizeiaufgebot umgeben. Die während des Vormittags gepflogenen Verhandlungen mit den Be­hörden über die Zurückziehung des Umzugsverbots hat­ten nur den Erfolg, daß eine Deputation von 20 Mann Kränze am »eldendenkmal niederlegen durfte. Eine Gruppe jugendlicher Kommunisten versuchte die Kund­gebung durch das Absingen von revolutionären Liedern zu stören. Bezeichnend ist, daß im unabhängigen Halle Kränze mit schwarz-weiß-roten Schleifen niedergelegt werden durften.

Die Liebknechkseier.

Zusammenstöße ht Berlin.

** Die kommunistische Massendemonstration im Lust­garten in Berlin, die am Sonnabend auf 2 Uhr nach­mittags einberufen war, verlief ohne Zwischenfälle. Kommunistische Redner sprachen zu der zahlreich ver­sammelten Menge. Zu ernsten Zusammenstößen kam es unter den Linden. Die abmarschierenden Züge des

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