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Nr. 271 3ST?'Ä Sonuabeud, den 20. NovemberS^Ä1 1920

Sie Frage bet WM ses Mgebiets.

Ei« Druckmittel gege» Bayer«?

Das Landesorgau der württeulbergischen Zentrums- partei, dasDeutsche Volksblatt" in Stuttgart, veröf­fentlicht einen Artikel, in den, auf Grund zuverlässiger Mitteilungen aus diplomatischen Kreisen sestgestellt wird, daß die Evteute einmütig beschlossen habe, die im Abkommen von Svaa angedrohte Besetzung des Ruhr- gebietes «uverzüqlich zu vollziehen, wenn Bayern auf der Nichtablieierung der Militärwaffe« ««d der Beibe- imünna der Einwohnerwehren weiterhin beharre. An diesem Beschluß, dem auch England, Italien unb Ame­rika zugestimmt hätten, sei nicht mehr zu rütteln und auch eine Aenderung nicht mehr zu erreichen. Wenn die bayerische Regierung sich heute noch in dem unver- . antwortlichen Optimismus wiegen sollte, daß ihre Hal­tung das Verderbe»» des Reiches nicht herbeiführen müsse, bann möge sie sich einmal bei dem französischen Gesandten in München hierüber erkurrdigen. Auch könnte sie sich, bei den bayerischen Parlamentariern, bie sich guter Beziehungen zu dem französischen General erfreuen, unterrichten lassen. Ganz unabwendbar, stehe heute die Tatsache fest, daß das Beharren der bayerischer» Regierung auf dem seither eingenommenen Standpunkt zur Besetzung des Ruhrgebietes führe. Die in Bayern geläusige Argumentation, daß die Besetzung des Ruhr- gebietes sowieso kommen würde, daß es sich also gün­stigenfalls um eine kleine Hinausschiebung handeln könne, sei eine verwerfliche Hasardeurvolitik.

Erzberger die Hand im Spiele?

Zu der Polemik desStuttgarter Volksblaties" gegen die bayerische Regiermm schreiben dieMunch. N. N.": Das Stuttgarter Zentrumsblatt bläht sich ganz ungeheuerlich auf. Weder die bayerische Regierung noch das bayerische Volk bedürfen der weisen Mahnungen des Stuttgarter Zentrumsblattes. Wo kommen wir denn hin in der Nervosität, wenn jedes beliebige Blatt nach zuverlässiger, Mitteilungen aus diplomatischen Kreisen sich das Recht nehmen wolle, anstelle der Re,chs- regierunK Vorsehung zu spielen. Die Angelegenben ist Sache der Auseinandersetzungen zwischen der Reichs- regierung und der bayerischen Regierung. Als Bayern sprechen wir ganz offen aus, daß wir diese ««befugte Einmischung uns nicht gefallen lasten. Wtr erwarten auch von den rechtlich denkenden Krersen des schwab»- schen Volkes, daß sie der Verblendung nicht folgen ....- ^Dio ^E--drr- Bayerischen LalkSpartLi tacrfUl. dem Streit, der offenbar von Erzberger anfgerribrt worden ist Es fei ««erhört, voa einem feste« Entschluß ber Gnteric z« spreche«. Das einzige, das feststeht.se, die Gier Frankreichs nach dem fetten Bißen. Von Enc^ land werde es abhängen, ob es zur Aufrichtung des neuen Empire in Europa seine Hand bietet. Von Lloyd George sei das keineswegs zu erwarten.

Die Völlerbundstagung.

ver Spitze in Genf einen Vor üb lag wegen Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund vorlegen.Sozial- demokrat" teilt in offiziösem Ton mit. daß, wem, es auch -er Wunsch sämtlicher Neutralen sei. daß Deutsch­land möglichst bald in den Völkerbund ausgenommen werde, es doch nicht wahrscheinlich sei, daß man jetzt schwedischerseits diesen Vorschlag unterbreiten werde, da Deutschland selbst ein Aufnahmegesuch nicht ge­stellt Hai. i .

Poiniaree für Deutschlauds Ausnahme.

** Der ehemalige französische Präsident Poiucarec veröffentlicht einen Artikel, worin er zum Ausdruck bringt, daß Deutschland bald dem Völkerbund betitele« werde. Es müsse zugelassen werdeu, weil sich dadurch erst die Möglichkeit ergebe, Deutschland zur Erfüllung seiner Verpflichtungen zu zwingen. Nach seiner Mei­nung hätte jedoch nicht die Hälfte der Mitglieder des Völkerbundes Vertrauen zu Deutschland. Nach Poin- carees Ansicht genügt der militärische Druck auf Deutsch­land nicht. Der Völkerbund solle noch seinerseits mit Zwangsmitteln nachhelsen.

Englische Arbetter für die Aufnahme Deutschlands.

«-* Der Vollzugsausschuß der englischen 'nationalen Arbeiterpartei hat eine Entschließung angenourmen, die verlangt, daß die Gesuche Oesterreichs und Bulgariens um Aufnahme in den Völkerbund günsttg ausgenommen und daß Maßnahmen ergriffen werden, um Deutschland, Rußland und der Türkei den BeitAtt zum Völkerbund zu ermöglichen '

Eupen und Malmedy not dem Völkerbund.

Der Reichsminister Dr. Simons hatte in Aachen erklärt, daß die deutsche Regierung die Frage von Eu- pen und Malmedy nicht ruhen lassen werde. Der Völ­kerbund hatte bekanntlich die letzte deutsche Note über Erwen und Malmedy, worin die Zuständigkeit des Völ­kerbundrates, über das endgültige Schicksal von Euven und Malmedy zk entscheiden, verneint wurde, in nega­tivem Sinne beantwortet. Die deutsche Regierung hat nunmehr in einer neuen Note an her Völkerbund ihren juristischen Standpunkt nochmals eingehend dargeleat und dabei zum Ausdruck gebracht, daß über die deutsche Beschwerde nicht der Völkerbundrat, sondern die Völ- kerbundr>ersammlung zu entscheiden habe.

Die Lage in Griechenland.

Bildnug des Neuen Kabinetts.

bis bisher angenommen wuroe. zmsgemmt hub äM ronalUHMjc Abgeordnete gewählt gegenüber 108 Se it geltsten.

P«tfchverf«»e bet Benizelisteu.

^ 3nri4. Athener Meldungen zufolge machen Sie Benczeliften Sen Versuch, eine Revolution zu entfachen.

Sie fordern in Aufrufen zum Bürgerkrieg auf. In anderen Aufrufen wird erklärt, daß die Wahl ungültig sei. Die Erregung des Volkes wird dadurch nur noch mehr gesteigert.

Sie Monarchisten an KSmg Konstantin, w ®enf. Die Monarchisten übermittelten

Konstantin eine Adresse mit Unterschriften, in gebeten wird, die Regentschaft in Griechenland zu übernehmen.

enlaud

SäMifl der er wieder

Neue Sorgen an der Seine.

* In Paris zeigt man sich gegenwärtig besonders wegen der Militärischen Folgen des Sturzes der grie­chischen Regierung beunruhigt. Man fragt sich, ob der Bertrag von Seores, der in Oesterreich-Ungarn schmi «rohen Schwierigkeiten begegnet, angesichts der neuen Sachlage werde durchqeführt werden können, besonders da die Trnppe« Kemal Paschas gerade jetzt in ganz Kankasien neue Erfolge erringen. Bor allem aber steht zu befürchten, baß die griechischen Truppen in Klein­asien, die bereits wiederholt Anzeichen von Kampsmü- digkett gegeben haben, vor den türkischen Nationalisten zurückweichen werden, die dann ihrerseits zweifellos einen Teil der Marmarameerhüfen besetzen würden. Jedenfalls rechnet man bereits mit der Möglichkeit, daß die Verbündeten gezwungen sein werden, ihre Trup- penmacht in der Zone von Konstantinopel erheblich zu verstärken.

Neue Kämpfe an der russisch-polnischen Front?

** Rotterdam. sS. C.s DieMorviugpost" meldet aus Riga: An der volnisch-rusfische« Front habe« of­fene Feindseligkeiten aus beiden Seiten wieder begon­nen. Die Polen überschritten die Berefina und besetzten Bobruisk und Borissow. Beide Orte find von den to* ten Truppen geräumt .

Einmarsch der Bolschewiften in die Krim.

** Moskau. Die roten Truppen sind von zwei Sei­ten in die Krim eingedrungen. Sie griffen die Zentral- »tation der Krim-Eisenbahn, Datankoij, an. Nach den letzten Meldungen sind die Truppen bereits in ihrem Besitz. Zwischen Moskau und Witebsk find 15 Sow- letdivifionen in der Bildung begriffen.

Die Heimschaffung der Gefangenen aus Rußland.

Nach Bestellung der sechs Kommissionsprasidenten der Versammlung wurde auf Tittonis (Italiens^ von der Delegation 'Venezuelas unterstützten Vorschlag Bundespräsident Motto unter lauganhaltendem Beifall zun, Ehrenpräsidenten der ersten Bülkerbyndvcrsamm- lung gewählt. Motta erklärte "sich, zur Annahme bereit. Bei der Aussprache über den BerMst des Generalfekre- juriats erstattete Nansen Bericht über die Heimbeför- dernng von 250 000 bis 300 000 Gefangenen aus den Gebieten des ehemaligen russischen Reiches, von denen sich 40 000 in Ostsibirien, 20 000 im Kaukasus und in Turkestan und die Mehrzahl in SÜLrußland befinden. Nicht zuletzt dank der loyalen und energischen Mitar­beit der deutschen Behörden, aber auch dank der Hilfe der Sowjetregierung sei es gelungen, statt der erwar­teten 100 000 bereits 180 000 Gefangene heimzuschaffen. Auf aroße Schwierigkeiten stoße namentlich die Hcmr-

Auf große Schwierigkeiten stoße namentl schaffüng der in Ostsibirien befindlichen insbesondere auch darum, weil namenM Mächte nicht die nötigen Mittel hätten. um die für die lange Reise notwendigen Schisse zu liefern.

Präsident' Huysmans teilte darauf die Namen der von der Versammlung gewählten Vizepräsidenten mit. Gewählt wurden Ishti-Japan, Karnebeek-Holland, Pucyrredou-Argentinien, Benesch-Tschecho-Slowakei, Foster-Kanada und Octavia-Brasilien. ,

Der argentinische Vertreter Pn-yrrcdon teilte die zwischen Argentinien und Deutschland in der U-B ot- frage gewechselten Noten mit und erklärte, daß Deutsch­land sein Versprechen, die internationalen Völker- rechtsregeln zu befolgen, eingehalten habe. Die deut- schcn^U-Boote hätten sogar entsprechend der gegebenen Zusage die argentinischen Schiffe in der Sperrzone

Gefangenen,

namentlich die Niittel

respektiert.

,- Gens. (S. C.) Die VölkerbundStagnng in Genf wird frühestens am Montag in die «roste politische De­batte eintreten. An diesen Tagen wird die Frage der internationalen Abrüstung auf der Tagesordnung ste­hen. Man erwartet, daß Lloyd George zu der Ab- rüstilngSfrage und Über die allgemeine politische Lage

»sprechen wird.

Beratnng her AbrüstungSfrage.

** Genf. (B. T.) Die am Freitag unter Vorsitz ' Brantings zusammen getretene Kommission für Ab- rüsttingöfraqen beschloß volle Oeffcntltchkett ihrer Ber ' Handlungen. Das ist ein unerwarteter, gegen den Be- ! schluß des Plenums erreichter Erfolg der Radikalen.

Die Frage der Anfnahme Deutschlands.

w Stockholm. lB. T.) LautDaily D

dessen Rücktritt gefordert. Die anderen Minister wer­den ihren Eid der Königin apleneir. die die Regentschaft übernehmen wird. Das neue Kabinett ist bereits ge­bildet. Das Ministerium für Aenßcres und Justiz über­nimmt Rhallis.

Der «eue Miuistcrpräsideut uicht deutschfrenndlich.

** Nach demPetit Zartsten" hat der neue griechische Ministerpräsident eine Erklärung abgegeben, in der er mit den» größten Nachdruck bei Behauptung wider­spricht, daß er wohl deutsche Neigung«» habe.

Die Flucht Benizelos.

** Nach einer Meldung auS Athen ist der bisherige griechische Ministerpräsid-'Ut Benizelos an Bord seiner Bacht nach Nizza ab«ereht, begleitet von einem engli­schen Kreuzer und zivci Torpedobooten. Es wird ange­nommen, daß er sich von Nizza direkt nach Paris bege- ben wird.

Erklärungen Köu.'g Kousta«ti«s.

*>* König Kssstauti« erklärte. Wie aus Luzern gemel­det wirb, Pressevertretern gegenüber, daß ihn das Wahl- resultat keineswegs überrasche. Es beweise, daß ihm das griechische Volk auch tehi noch wohlgesinnt sei. Aus diesem Grunde vertraue er auf Sie Gerechtigkeit der Verbandsniächtc. Er hoffe, daß sie seiner Rückkehr «ach Griecheulaud feine Schwierigkeiten bereiten werde. Der König erklärte weiter, er beabsichtige, gegen die Ver- bandsmäckste eine loyale Politik zu führen. Griechen­land müsse nur frei und unabhängig sein. Während des Weltkrieges habe er Ntittelmächte keineswegs begünstigt. Seine Absicht fei nur gewesen, neutral zu bleibe«, weil keinerlei griechische Lebensfmgen auf dem Spiele gestanden hätten. Daß Benizelos ihn gestürzt hätte, sei hauptsächlich auf seine« persönlichen Haß zn- rückzufilhren.

Griechenland erwartet Kv«ig Konfteniin.

- Zürich. <S. G.)Secolo^ meldet auß Athen: Un- beschreibltch ist die Erregung in der Envartung der An­kunft des Königs Konstantin. Seine Ankunft wurde fälschlich für Mittwoch angesagt. Tauseude von Men- schen Hat<eu stundenlang in Piräus auf die Ankunft des ttalienischen Postdampfers, mit dem der König kommen sollte, gewartet. Vor dem Königspalais finden Tag und Nacht Umzüge und Kundgebungen für den König statt. Ein griechisches Blatt schreibt, daß die Entscheidung der Alliierten gegen den König Konstantin als Herrscher zur Revolution und zum Bürgerkrieg in Griechenland füh­ren könnte.

Frankreichs Halt«««.

** Ge«f. lS. GJ Havas meldet: Dem Athener Ge­sandte,» in Paris wurde eröffnet, daß sich Frankreich nach wie vor nicht tu die inneren Angelegenheiten Grie­chenlands einzumischen gedenke, daß aber auf dem Boden des Vertrages von 1917 stehe, der znm Rücktritt des Königs Konstantin geführt hat.

Die Riederlage der Be«izelisten.

die schwedische

elegraph" soll

Branting an

_** Zürich. lS. G.) Die Agentur Stefani meldet aus Athen: Das Gelamtergebnis der Wahl lag Donnerstag vormittag vor. Es ist noch aiinstiaer für die Rooalisten

vormittag

> Moskau. Die So-oietregierung hat die Krim zur urrabbängiaeu föderalisttschen Sowjetrepublik erklärt. In Sttnfewvol und Sebastopol wurden Sowjetkommis­sare eingesetzt.

Rückzug der ukrainische« Truppe«.

»* Basel. Die französische Regierung verfolgt die Entwicklung der Lage im Osten mit großer Besorgnis. Die neuen Nachrichten aus der Ukraine lauten sehr vts- simistisch Man fürchtet, daß dem ukrainischen Heer die gleiche Katastrophe widerfahren könne wie der Wran- gel-Armee. Die ukrainischen Truppen gehen flucht­artig zurück.

BeteinfßtBeog der Seichsfinanzverwaliuiig.

o* Ueber die kürzlich vom Kabinett genehmiate Ab­sicht des Reichsfinanzministers zur Bereinfachüug der Reichsfinanzverwaltung erfährt dieV. 3" von z, stän­diger Stelle, daß der Plan vor der Vollendung steht und in den nächsten Tagen dem Reichskabinett zur Begut­achtung vorgelegt werden soll. Die Umorgauisatton er­streckt sich auf das ganze Reich und wirb hier und da zur Zusammenlegung einzelner Ressorts führen. Die Vereinfachung geschieht im Rahmen der beim Ueber- gang der Landesstuanzorganifationen auf das Reich geschaffenen Grundlage.

VerschsrsmA der Strafen für Preistreiberei.

** Der Reichsrat hat in seiner Sitzung am Do!»ue»!ö- tag de»n Gesetzentwurf über BerMarfnug der Strafen für Schleichhandel- Preistreiberei und verboteire Aus­fuhr lebeuswichtiger Gegeustände einstimmig feine Zu­stimmung erteilt. Der Entwurf bestimmt, daß in bewu- ders schweren Fällen auf Zuchthausstrafe bis zu 15 Jah­ren und anf Geldstrafe von weniaffend 20 00.) Mark er­kannt werden könne. Nach dem Entwurf sind als be­sonders schwere Fälle manschen, wenn der Täter ar ? Gewinnsucht mit erheblichen Mengen von Gegenständen des täglichen Bedarfs Schleichhandel treibt, wenn er burch Preistreiberei und Gewinnsucht die wirtschaftliche Notl.rqe der Bevölkerung in besonders verwertidjci- Wette ausbeutet wenn er es unternimmt. Lebensrnit­tel, Zucker nnb Düngemittel tns Ausland zu verschieben. eS sei, daß es sich um qeriuge Werte handelt, wenn der Täter ganz oder vorwiegend von SchleichhandelSgeschäß ten oder verbotener Ausfuhr lebenswichtiger Gegen- stände lebt. Neben de»r ZuchtbauSstralen treten die üblichen Nebenstrafen ein, Verluste der bürgerl. Ehren­rechte, Polizeiaufsicht usw. Die Verurteilung ist au! Kosten des Schuldigen öffentlich bekanntzugeben. Aus­länder sehnten nach Vollstreckung der Strafe auSaewic- sen werde«, bei ZuchthauSftrafeu müssen sie ausgewie- fen werben. Zuständig sind neben den Strafkammern auch die Wuchergerichte.

Selbstschutz Anhalt«.

Eig. Drahtn. unseres Berliner M.-MitarbetterS.

»* Der Staatsrat von Anhalt veröffentlicht eine Ver­ordnung. die den Einwohnern Anhalts nach Auflösu«« der Einwohnerwehren gestattet, zuv» Schutze des Lan­de- und Eigentums der Einwohner sich zu Sans, «ab