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Aus der Heimat.
* Der November als Winterprophet. Der Monat Aovemver ist nach allgemeiner Ansicht von besonderer Bedeutung für den kommenden Winter. Bringt er frühzeitig große Kälte, dann kündet er in der Regel einen gelinden Winter an, während umgekehrt ein milder, sonniger November einen strengen, langan. haltenden Winter anzeigt- denn: Blühn im November -je Bäume aufs neu, dann währt der Winter bis zum Mai; desgleichen: Sitzt November fest im Laub, wird der Winter hart, das glaub'; und: Sperrt der Winter zu früh das Haus, hält er sicher nicht lange aus. — November tritt oft hart herein, braucht nicht viel dahinter zu sein. — Ein heller, kalter November gibt Stegen und milde Suft im Dezember. — Bringt St- Nartin (11.) Sonnenschein, tritt ein kalter Winter ein.
__Teilnahme der Pressevertreter au geheimen Ge- Mei^deraisfigunaen Der Gemeinderat in Gera stimmte üuev Borlage des Stadtrates zu, nach der den Bericht- ottern der Tageszeitungen die Teilnahme an den ge- Wen Sitzungen des Gerneinderats gestattet wird, um ^Gerüchten, über nicht für die Oeffentlichken be- _ tc Vorlagen die Spitze abzubrechen und den An- tn zu vermeiden, als ob die in diesen Sitzungen ver- delten Gegenstände die Oesientlichkeit zu scheuen n Der Gemeinderat von Gera trägt mit diesem Muß einem Wunsche der Presse Rechnung und folgt «ertn der modernen Zeitrichtung.
— Gedächtnisfeier für die int Weltkriege Gefallenen. He Ortsgruppen des Zentralverbandes deutscher »«easbeschädigter und Kriegshinterbicbener veranstal- im Laufe des Novembers allenthalben Trauertererri w Erinnerung an die im Weltkrieg gefallenen Kame- w^en. Sie folgen dabei einem Herzensbedürfms ihrer «italieder, der teuren Toten feierlich zu gedenken, und Michzeitig wollen sie ihren deutschen Volksgenossen er- Et die traurige Lage vieler Kriegsüinterbliebener vor führen. Der Zentralverband bat ferner in einer ««gaoe an Die Aiecchsregrerung und den Reichstag vc- Wttvat, daß ein gesetzlicher NationNltraueriag für ganz ^kMland eingeführt werden möge,,
— Wucherpreise für Weihnachtsvanme. Aus dem Boaelsberg und dem Svessart, die als Hauptversor- «üugsgebiete mit Christbäumen für Hessen-Nasian und jtx Freistaat Hessen in Betracht kommen, wird gcwel- M, daß dort die Weihnachtsbäunie auf dem Stamm, d. S. ungeschlagen im Walde pro Stück 8 bis 12 Mark to- «n. Dazu kommen nun noch Holzungs- und Abfuhr- Mne, Bahnfracht und Häudlerverdienst. Auch hier din s- ß»« die großstädtischen Händler als Quelle der Wucher- peeife in Betracht kommen.
— Wärmeres Wetter in Sicht? Ein Meteorologe teilt der „F. .3," mit, daß für die nächsten Tage eine wesentliche Erwärmung zu erwarten ist. Als Uebergang ist in den Höhenlagen Schnee zu erwarten, der im Tal voraussichtlich als Regen niedergehen wird. Der größte Teil der Vonwinterkältc sei Überständern
§ Hersfeld, 5. Nov. Vom Wirtschaftsverband wird uns geschrieben: Der Hessisch-Nassautsche Wirt- fchaftsverband, der als Bezirksverband dem Arbeit- geberverband Deutscher Gemeinden und Kommunalverbände angehört, und dem jetzt ungefähr 60 Gemeinden und Gemeindeverbände des Wirtschaftsgebiets angeschlossen sind, war neuerdings vor die Frage gestellt, seinen Arbeitern eine Lohnerhöhung zu bewilligen. Im August hatte der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter eine 25o/otge Lohnerhöhung rückwirkend vom 25. Juni ab gefordert. Der Wirtschaftsverband hatte die Forderung als unbegründet abgelöhnt, da seit der letzten Lohnerhöhung im Juni eine Aenderung in den wirtschaftlichen Verhältnissen nicht eingetreten ist. Die daraufhin von den Arbeitnehmern angerufene Verbaudsschiedsstelle fällte einenSchtedsspruch dahingehend, daß mit Wirkung vom 1. September ab auf die z. Zt. gezahlten Stunden- löhne ein lO°/oiger Aufschlag zu zahlen ist. Diesen Schiedsspruch hat der Verband in seiner Mitgliederversammlung vom 8. d. Mts. abgelehnt. Der Verband steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die z. Zt. gezahlten Löhne — für Hersfeld für ungelernte Arbeiter 3,40-3,60 Mark, für angelernte Arbeiter 3,60- 3,80 atf.; für gelernte Arbeiter 3,89-4,00 Mk. — den tatsächlichen Teuerungsverhältnissen entsprechend, angemessen und ausreichend sind. Er ist jedoch bereit, denjenigen Arbeitern, die für Kinder zu sorgen haben, und die gegenüber den Unverheirateten und kinderlos Verheirateten entsprechend höhere Lasten zu tragen haben, entgegenzukommen, und hat den Arbeitnehmern
eine Kinderzulage von 15 Pfg. pro Stunde und Kind vorgeschlagen. Der Verband glaubt hierdurch den geeignetsten Weg für einen sozialen Ausgleich gesunden zu haben und hofft, aus diese Weise den Familienvätern das Durchhalten zu erleichtern, kommt doch bei mehr als 2 Kindern die Zahlung der Kinderzu- lage einer Lohnerhöhung gleich, die über 10° o hinaus- geht. — Weiterhin wurden noch Fragen aus dem Angestelltentaris und allgemeine wirtschaftliche Fragen besprochen.
§ Hersfeld. 5. November. Zu einer kürzlich von uns gebrachten Notiz, wonach in Zukunft bet Aufgeboten das Geburtsda tum des Brautpaares nicht mehr angegeben würde, schreibt uns das hiesige Standesamt, daß seit dem Bestehen des Standesamts Hersfeld (1.10.1874) überhaupt niemals das Geburtsdatum auf den Aufgeboten gestanden habe.
§ Hersfeld, 5. November. Bellachini wird in den nächsten Tagen hier eintreffen. Das „Cob. Tagbl." schreibt über Bellachint: „2 Stunden im Wunderland" hatte uns C. Bellachint verheißen. Der ihm voraus- gehende Ruf und die glänzenden Pressestimmen von auswärts hatten unsere Erwartungen hoch gespannt. Sie wurden aufs Schönste erfüllt. ' Eine große Zahl von Zuschauern hatte sich im großen Saale der Hofbrauhausbierhalle eingefunden. In einer langen, abwechslungsreichen Reihe famoser und ausgezeichnet durchgeführter Hexerei- und Verwandlungskunststücke wußte der weltvekannte Zaubermeister die verblüffendsten Illusionen zu erwecken. Das Publikum verfolgte mit größtem Interesse und sichtlichem Vergnügen die Darbietungen uffd dankte mit lebhaftem Beifall für den genußreichen Abend.
ß? Gaffel. Der Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Gaffel, Dr. Schumann, hat TcncrungszaAeu fest- aestellt. Danach bezifferten sich die Ausgaben einer fünf« köpfigen Familie im Monat Juli 1014 auf 99,81 Mark, im Dezember 1919 auf 389,71 Mark, im Februar 1920 auf 556,17 Mark, int März 1020 auf 595,82 Mark, int April 1920 auf 909,95 Mark, im Mai 1920 aus 902,93 Mark, int September 1920 aus 769,83 Mark, im Oktober 1920 auf 958,50 Mark. Darin sind aber keinerlei Ausgaben für Kleidung und Körperpflege, Straßenbahn, Steuern und Organisationsbeiträge enthalten. Als Exi- stenzminimum können diese Zahlen nicht gelten. Ausgaben für Waren, die im Schleichhandel erworben werden mußten, sind in diesen 3ab(cu ebenfalls nicht enthalten.
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am 11. Novtrüber elften allg zu verunstalten. AM 1. Dezember soll W Speisung für 1500 Kinder beginnen.
s? In der vergangenen Nacht verhaft
Polizei hier vier Einbrecher, die vmt ber G .T _______ aus in ein Grundstück der unteren Königsstratze. einae-E brachen waren. Dabei wurde ein Schutz abgegeben, sei' allerdings keine unglücklichen Folgen hatte.
g? In einer gestrigen Versammlung des Ingenieur- vereins und des Handels- und Gewerbevereins teilte der Direktor des Gaswerks, Dr. Richard mit, daß eine Erfindung geglückt sei, Braunkohle derart in verwenden, daß nach Gewinnung von allen möglichen Produkten ein Leuchtgas mit hohem Heizwert von rund 7000 Wärmeeinheiten gewonnen werden kann. Die Erfindung hat für Cassel eine besondere Bedeutung, weil man hier lediglich auf Braunkohle angewiesen ist. Oberbürgermeister Scheidemann betonte, daß die Stadt alles zu tun bereit sei, wenn es gälte, eine für Deutschland so ungeheuer wichtige Erfindung zu. fördern. Diese Er-
finöunq soll zunächst im Casseler Gaswerk ausprobiert werden.
— Die neue Schwurgerichtsperiode des Laudgerichts- bezirks Cassel ist auf Montag, 22. November, anberaumt worden.
- In einem Hause der Kasernenstratze sind durch die Sicherheitspolizei drei Einbrecher festgenommen worden. Im Verlauf der Durchsuchung gelang es, noch einen vierten Einbrecher dingtest 51t machen.
— In einer der letzten -Nächte wurden in einem Geschäft am Königstor zwei wertvolle Treibriemen und zwei Fahrräder durch Einbruch gestohlen.
— Der zwischen der Arbeitgebervereinigung hessischer Detaillisten einerseits und zwischen der Arbeitsge- ' meinschlift freier Äugesielltenverbände anderseits vom 4. September d. Is. abgeschlossene Tarifvertrag ist von den Arbeituehmer-Organisanonen zum 1. Dezember 1920 gekündigt worden.
Messungen. Nachdem schon im Frühjahr aus einer Spende des von hier stammenden Herrn William Roes .in Woodlamn-BaLimore an 156 hiesige Einwohner Fett
»«teu« werden rounic, wurde k'llrzlich auS einer zweiten Scnduirg desselben Senders wieder an 119 Personen Fett verteilt.
— Kurz vor der Station Melsungen cuistaud in dem »us Richtung Bebra fommenben Zug plötzlich in einem Waggon vierter Klasse eine ungeheure Aufregung, da mehrere Frauen und Kinder ohnmächtiq würben. Die Fenster wurden aufgerissen, da mehrere Insassen nach Suft schrien. Es herrschte ein unbeschreibliches Durcheinander. Ein Herr zog geistesgegenwärtig die Notbremse, worauf der Zug nach wenigen Sekunden auf freiem Felde stand. Sieben jungen Leuten wurde na dp gesagt, eine Flüssigkeit oder ein Pulver bei sich gehabt und verschüttet zu Haben. Die von dem Bahnperfonal zur Rede gestellten luttgen Leute erklärten, nichts gemacht zu haben: sie könnten doch nichts dafür, wenn sie in einer Pulverfabrik arbeiteten und ihre Kleidung rieche. Die Personalien der jungen Leute wurden festgestellt. Die eingeleitere Untersuchung wird wohl die Affäre aufklüren.
Marburg. In der letzten Stadtverordnetensitzun» d.'r viel Sirbeiter als Zuhörer beiwohnten, kam es bei der endgültigen Beschlußfassung über die Besteuerung des rcichseinkommenstcuerfreien Einkommens seltene der Stadt zu erregten Auseinandersetzungen und stür- mifdien Unterbrechungen seitens des Publikums. In nantctthidier Abstimmung wurde schließlich mit,21 gegen 5 Stimmen beschlossen, die Einkommen bei Verheirateten bis zu 12 000 Mark, entgegen dem Antrag biS zu 9000 Mark, freizulassen. Bei den Ledigen beginnt Sie Steuerpflicht bei 6000 Mark. In einem DringlichkeftS- antrag wurde von der sozialdemokratischen Fraktion auf die angeblich nach Semesterbeginn sofort wieder eingesetzte Beunruhigung durch mit der Orgefchorganisatlöir in Verbindung stehende Gründungen hingemiesen nudle Polizeiverwaltung aufgefordert, die nötigen Schritte hiergegen ein,Inletten.
Eingesandt.
(Unter dieser Rubrik veröffentlichen wir Zuschriften aus dem Leserkreise, die ein öffentliches Interesse haben. Für die in denselben ausgesprochenen Ansichten übernehmen wir außer der preß- gesetzlichen keinerlei Verantwortung. Die Schriftleitung).
gum Dortrag des Herrn Oskar Riedel.
Der Vortrag war einigermaßen gut besucht unb es ist nur sehr zu bedauern, daß nicht viel mehr Zuhörer diesen interessanten Ausführungen folge« konnten. Dieselben waren klar, für jedermann verständlich und sehr zeitgemäß. Herr Riedel wies nicht nur klipp und klar nach, wie und wodurch wir so tief in unserem deutschen Vaterland heruntergekommen sind, sondern er gab auch zielbewußte Winke, wie der Wiederaufbau möglich sei.
Zwei Worte nannte er, inhaltsschwer als Leitmotiv: Einigkeit und Arbeit. Erstere vor allen Dingen, wenn es das Wohl des Vaterlandes bedingt; Arbeit zu jeder Zeit im eigenen und auch allgemeinen Interesse und zwar intensive Arbeit mit Kopf und Hand, mit Verstand, Energie und Ausdauer in Ver- bindung mit der erforderlichen Intelligenz und der hochentwickelten, deutschen Wiffenschaft, die in der ganzen Welt anerkannt war und wieder anerkannt werden muß und wird, wenn sich alle, an ihrer Stelle, dieses Vertrauens würdig erweisen.
Den Schluß der Rede sollte sich jeder Deutsche unlöschbar ins Gedächtnis schreiben, welcher lautete:
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des "Glückes Unterpfand.
Blüh' im Glänze dieses Glückes,
Blühe, wieder deutsches Vaterland! £.
Mäntel — die grohe Mode des Tages.
Der Mantel hat das Jackenkleid in diesem Herbst ein wenig in die zweite Rethe gedrängt. Er ist der typische Lausanzug geworden. Bald fällt er weit unb lose herab, bald schmiegt er sich als Manteljacke weich der Figur [an. Der hohe Stehkragen und der Pagodenärmel ist charakteristisch für den Winter 1920/21.
Neue Modelle dieser Art sind gegenwärtig im Schaufenster der Firma Ed. Krach, Hersfeld auSge. stellt, wo jeder Dame neben einem modernen Kostüm^ ein vornehmes Mantelkleid und auch ein schlichtes Seidenkleid zur Auswahl steht. Alle Modelle sind Papier-Nachbtldungen von Ullstetn-Schnittmustern.
Durch schwere Aok . . .
Originalroman von Anni Hruschka.
lNachdruck verboten.)
Er hatte ernst und gemessen gesprochen. Eine kurze Pause trat ein. Dann lachte Greuzach unbefangen auf.
„Na, das wäre ja noch schöner! Dazu kenne« wir Me Schwester Elisabeth und dich doch viel zu gut! Es wäre gar nicht nötig gewesen, alter ,>n«ge, in dre^ Richturm eine Lanze zu brechen. ^wollte dick doch nur ein wenig necken — offen gestomden, war s t« bloß Jemeiner Neid! Denn Schwester Elffabeths ablehnen- es Verhalten uns gegenüber hat mich ort verdrossen.
Von den Damen hatte niemand dem scherzhaft geführten Gespräch Aufmerksamkeit geschenkt, als Taute Ecssa, die sich einbildete, in Permtz' Bugen dabei ein heimliches Vcudnen zu bemerken und es sofort .n Verbindung mit dem heute ungewöhnlich schweigsamen Benehmen Willeuecks brächte, der ihr Tischnachbar war.
Sie ftieS ihn heimlich an und konnte es nicht lassen, ihm leise zuzuflüstern: „Eifersüchtig?
Er zuckte bei den Worten zusanimeu, sah sie groß an, brach aber dann, als er den Zusammenhang begriff, m
„Aber, Tante Sessa. wohin neriteiat sich Ihre Phantasie wieder einmal!?" , . _ , .,
„Nun, ich denke, es kann Ihnen doch nicht gleichgültig sein, wenn . . . wenn Barmi Pernitz sich in Ihre Flamme verliebt?" sagte Tante Sessa kühn.
„In. . . meine Flamme?!" Er lachte noch starker. „Mag er doch, wenn er glaubt, da auch nur eine Spur von AuSsirwen zu haben l Meinen Segen hat er dazu!
„So sicher sind Sie Ihrer Sache?" fragte das alte Stiftssräutein nalu verblüfft, halb nengierig gespannt.
Willcucck writde plötzlich ganz ernst.
„Ja," sagte er nachdrückltch, „obwohl es gar nicht meine Sache ist. Ich würde Ihnen in Ihrem eigenen Interesse raten, dies vor allem festzuhalten, Tante Ecssa, wenn Sie nicht eines Tages beschämt dastehen . wollen mit Ihren ». merkwürdigen Voraussetzungen!'
Aufblickend, begegnete er Trixis traurigen Augen, die groß und fragend auf ihm ruhten.
So leise das Gespräch auch geführt rvordeu war, unö so teilnahwslos Triri heute auch schie«, sie hatte doch jedes Wort vernommen. Denn sie saß an Tante Sesias anderer Seite,
und obwohl ihr junges Herz seit gestern schwer an anderem Kummer trug, war ihr doch plötzlich, als sei die Last nicht mehr so unerträglich schwer.
Wenn sie auch durchaus nicht begriff, was SSislcnecf meinte, so wußte sie doch eines uikd war felsenfest davon .durchdrungen: Stieren war ihm eine llnmöglichkeft. Und er hatte gesagt: „Meine Sache ist es nicht."
In diesem Augenblick trat Friedrich ein und über« brächte dem Grafen eine Depesche.
Alle sahen den Stempel der Feldpost darauf und blickten erwartungsvoll auf den Hausherrn, der leicht erblaßt war und die Depesche mit aaiiA sicheren Händen öffnete.
Aber die erwartete Antwort ließ lange auf sich warten. Starr rußten Greuzachs Blicke auf den Zeilen, während sein Gesicht langsam eine aschgraue Farbe an- uabm.
Gräfin Hildegard hatte sich weit vorgebeugt und blickte ebenso starr und ebenso bleich geworden mit dem Ausdruck angstvollen Schreckens auf ihren Schwiegervater.
„Was ist, Hans?" sagte die alte Gräfin endlich unruhig. Und Peruitz setzte hinzu: „Doch hoffentlich nichts Schlimmes,"
Greuzach sah verstört auf. Mehrmals versuchte er zu sprechen, doch erst nach sekundenlanger Anstrenguug rang es sich von feinen Lippen: „Mein Sohn . .. Geb- hard . .." Dann verstummte er wieder.
Die alte Gräfin wollte nach der Depesche greifen, da aber kam ihr Hildegard zuvor und ritz das Blatt an sich.
Es war aus dem Hauptanartier vom Regiments- konnnaudanicu, einem altcu Freund Greuzachs, der ihm so schonend als möglich mitteilte, daß sein Sohn Gebhard gestern auf dem Felde der Ehre gefallen war.
Ein Volltreffer hatte ihn und sein Pferd getroffen. Der Tod war sofort eingetreten. . .
Ein Aechzen entrang sich Hildegards Brust. „Tot/ stammelte sie leise, „tot . .
„Großpapa!" schrie Trixi plötzlich laut auf. Aber schon hatten Pernitz und die alte Gräfin den Wankenden gestützt, dessen Augen plötzlich verglast erschienen, während die Züge sich seltsam verzerrten und die blau gewordenen Lippen sich vergeblich mühten, Laute zu formen ..; • •-
"Einen Arzt — rasch! ES ist ein Schlaganfall." flüsterte Pernitz den hilfreich herbcigceiltcn jungen Os-' fixieren zu.
Mirbach stürzte hinaus. Tante Sessa läutete schluchzend Sturm. Friedrich erschien und half seinen Herrn, der sich augenscheinlich nicht regen konnte, nach seinem Schlafzimmer schaffen. Willeneck war zu Trixi getreten und sprach ihr teilnehmend zu. Doch hörte sie offenbar gar nichts. Ihr Blick hing starr und tränen« los an der Mutter, die sich mühsam erbeben hatte und nach einem Sofa taumelte. Ebe sie dieses jedoch noch erreichte, sank sie mit einem Stöhnen zu Boden.
Niemand außer Trixi und Willeneck waren mehr im Eßzimmer, da die anderen alle dem Grafen gefolgt waren.
Willeneck wunberte sich, daß Trixi keinen Finger rührte, um ihrer Mutter beizuspriugcrk. Er hob den Körper der Gräfin auf das Sofa und bettete ihn dort
„Trixi," sagte er baun leise. „Ihre Mutter ist ohnmächtig geworden. Wollen Sie ihr nicht beifteben?"
Aber Trixi rübrte sich auch jetzt nicht vom Fleck. Immer noch mit dem starren, träncnloieir Blick sagte sie kalt: „Rufen Sie die Jungfer und lassen Sie den Arzt verfläiibigcu, wenn er kommt."
„Trixi!?" Halb vorwurfsvoll, halb erschüttert sagte es Willeneck. Da schüttelte sie sich plötzstich und schlug wild die Hände vors Gesicht.
„Ich — kann nicht — ich kann ja wirklich nicht —! O, Papa — mein armer, lieber Papa!"
Somit stürzte sie aus deur 3immer, ehe der fas- , suugSlosc Willeneck noch eine Frage tun konnte. lF. f.) *