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Nr. 351 aWflCjBeMgsfr^ ge^CT ^wm 225 j^ Mittwoch, den 37. Oktober ^-K^Mg., luseärt^eo^^.

1930

Die veryanölungen Wer TWZlg.

W Nach den bisher aus Danzig eingetroffenen Mel­dungen wurde am Sonnabend und Sonntag in Paris eifrig daran gearbeitet, eine Einigung zwischen der Danziger und der polnischen Delegation zustande zu bringen. Lord Derby hat an die interalliierte Berwal- tmta in Danzig ein Telegramm gerichtet, in dem er mit- teilt, daß die polnische Delegation am Sonnabend eine R-rift von zwei Tagen verlangte, um mit der Danziger Delegation gejo»-erte Verhandlungen aufzunehmen. Die Danziger Delegation hat dies Ansinnen abgelehnt und ihren Standpunkt in einer Note au die Botschafter­konferenz begründet. Darauf hat die Botschafterkonfe­renz einen interalliierten Sonderausschuß eingesetzt, der aus vier Franzosen, zwei Engländern, einem Italiener und einem Japaner besteht und die Aufgabe hat, eine Einigung zustande zu bringen.

Rücktritt Towers.

** Genf. (S. C.) Havas meldet, der Oberkommissar -er Freistadt Danzig, Sir Reginald Tower, hat seine Demission gegeben. Der Beschluß des Allierten-Rates steht noch aus.

Die Autonomie für Oberschlesien.

^Berlin. (S. C.) Nach nichtamtlichen Mitteilungen -es Neichsministers des Innern zn den Abgeordneten im Ausschuß für Auswärtiges am letzten Sonnabend soll der Gesetzentwurf -er Autonomie für Oberschlesien bereits Mitte November dem Reichstage zugehen.

«-*> Die letzten Verhandlungen des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten haben ergeben, daß eine starke Mehrheit für das Autonomiegesetz betreffend Oberschlesien besteht. Die Deutsch-nationalen ließen durch den Grafen Westarp erklären, daß sie gegen das Gesetz sind. Die Mehrheit der Deutschen Volkspartei ist ebenfalls gegen das Gesetz. Die Mehrheitssoziali- sten stehen auf dem Standpunkt, für sie sei die Haupt­sache, daß Oberschlesien bei dem Reiche bleibe. Sie stimmten deshalb für die Autonomie. Die Haltung der U. S. P. ist noch ungewiß. Au der Annahme des Ge­setzes läßt sich aber nicht mehr zweifeln.

Geplanter Naub Oberschlesiens.

DasEcho de Paris" veröffentlicht eine Unterre­dung mit dem polnischen Minister Korsanty, der sich da­hin aus sprach, daß der Sieg der Polen in Obersän-ueu sicher sei. Auf die- Frage, sb. ^c rUcht öesnmnc, daß,eine große Anzahl deutscher Stimmberechtigter nach Oberschle­sien kommen würde, antwortete Korsanty, daß er das Zuströme« Stimmberechtigter verhinder« werde. Er ver­sicherte weiter, daß Oberschlesien binnen drei Mynaten polnisch sein werde, ob dies aber auf friedlichem Wege geschehe, Hänge von Berlin ab. Falls es notwendig sei, werden 20 polnische Divisionen zur Stelle sein und Deutschland zwingen, sich ruhig zu verhaktem

Dorten wieder an der Arbeit.

w Auf dem niederrheinischen Parteitag der Unabhän­gigen machte der Vorsitzende Peter Derten Aussehen erregende Mitteilungen über Vorbereitungen zur Aus- rufung der rheinischen Republik. Im Industriebezirk werde die Aufstellung einer Armee von 10 000 Mann betrieben, die für die Sache der Dorten-Freunde be­stimmt sei. Die Kommunisten hätten an diesen Machen­schaften regen Anteil. Der unabhängige Parteitag sprach sich gegen die Werbearbeit für die rheinische Republik aus, die eine schwere Gefahr ^für das Proletariat be­deute.

Jas Trümmerfeld hinter Versailles

Als erste der feindlichen Kontrollkommissionen hat dieUnterabteilung Bayern" des Interalliierten Luft- fahrt-Ueberwachungsauöschusses ihr Abnahme- und Zer­störungswerk beendet und am 13. Oktober München verlassen. Sie hat gründlich gearbeitet! Ungeheure Trümmerhaufen legen davon Zeugnis ab und fuh­ren die ganze Schwere des Versailler Diktats vor Au­gen. Artikel 202 desVertrages" schreibt bekanntlich die Ablieferung des ganzen Heeres- und Marincluft- sabrzeugmaterials an die feindlichen Hauptmächte vor,- sie können also mit diesem ihrem Eigen,machen, was sie wollen. Immerhin ist selbst durch,grötzte angebliche Besorgnis vor neuen Rüstungen die blinde Zerstö­rungswut nicht zu erklären, die fiel) auf alles richtet, was nickt mitgenommen werden kann oder soll!

Das gilt besonders von den Flugzeughallen und - t tb 11N v e N. die nach den Weisungen der Kommt

schuppen, die nach den Weisungen der Kommis­sion bis zum Ende dieses Jahres entweder abgetragen »der zerstört sein inüffen. Weil sie einmal einem mili- tärttchen Zweck gedient haben, müssen sie der Vernich­tung anheimfallen, obgleich sie friedlichen Aufgaben der verschiedensten Art dienen könMen! Statt daß sie zur Linderung der Wohnungsnot, bei oesiedelungen, bei in (Mein- und Notwohnnngsbau ansgenntzt werden, wer­den sie beseitigt wozu es teilweise nötig ist, sie zu spren­gen. So werden wertvolle Bauten mit großen Kosten itiehpropfeot während jede Herstellung von neuen auf , W'Unüberwindliche SchwieA stößt - lediglich in sinnloses eines an sich schon von krasser

! Siegerwillkür erzeugten Paragraphen. Die fett seiner , Abfassung verstrichene Zeit hat selber "M Kersttgt, um , wenigstens in seiner Anwendung das völlig Ueberflns- j sige auszuschalten, das zwar uns schadet, aber keinem 1 unserer Gegner irgendwelchen Nutzen bringt.

- Eine bedauerliche Begleiterscheinung der Tätigkeit, die von der Kommission in Münckenau^

war leider, wie dieMünch. N. W^- .^ ^^ ^91 -Denunzianten- und Berrätertum, das sich

vemnlite, seit Enlenreverrretern gegen «ezayiung die , nötigen llnterlagen zu verschaffen. Die Kommission bat : allerdings für solche Leute, die sie selbst alsSchweine und vaterlandslose Lumpen" bezeichnete, nur kargen .' Lohn und offene Verachtung gehabt.

Die Ausbeute der Saargrube».

'Nach einer Statistik der französischen Grubenver- waltuna betäust sich im Monat September die Förde­rung auf den vom französischen Staat ausgebcuteten Saargrube» auf 795 267 Tonnen (im August 686 042), auf der an eine französische Aktiengesellschaft verpach­teten GrubeFrankenholz" auf 16 043 Tonnen (im Au­gust 16 638), somit insgesamt auf 811310 Tonnen (702 680 im August). Die mittlere Förderleistung,^ro Tag beträgt bei 26 Arbeitstagen 31 204 Tonnen gegen 28107 Tonnen im August. Die Gesamtförderung auf den Saarkohlengruben im Jahre 1919 erreichte 8 970 848 Tonnen.

360 Milliarden Gesamtentschädigung.

Gerüchten zufolge, dieL'Oeuvre" wiedergibt. Wägt die englische Regierung vor, die deutsche Ge,amtschuld auf 12 Milliarden Goldpfund gleich 300 Milliarden Gold­sranken festzusetzen, die im Verlauf von 4042 Jahren zu zahlen wären. Frankreich erhalte nach den Beschlüs­sen von Spaa 52 Prozent der Gesamtsumme, also 156 Milliarden Goldfranken. In den englischen Kreisen wird den Blättern zufolge die Festsetzung dieser Ziffer als ein Entgegenkommen gegen Frankreich angesehen, doch wird daran die Bedingung geknüpft, daß Frankreich nunmehr auf das Recht militärischer Maßnahmen und territoria­ler Besetzungen verzichtet. ObgleichL'Oeuvre" ver­sichert, daß die Nachrichten aus guter Quelle stammen, darf man vorläufig noch an ihrer Richtigkeit zweifelm

Die Kohleulieferungeu an die Entente.

Amtlich wird aus Berlin gemeldet: Die Vermeh­rung der Kohlenlieferungen an die Entente hat mit den: englischen Bergakbeiterstreik nichts zu tun. Die Ver­mehrung wurde von der zuständigen Stelle bereits im Anfang dieses Monats lange vor Ausbruch des engli­schen Streiks ungeordnet, um gewisse Rückstände aus den vorhergehenden Monaten auszuholen, sowie um ange­sichts der in dieser Jahreszeit erfahrungsgemäß cintre- tenden Transportschwierigkeiten am 1. November das Lieferungssoll von sechs Millionen Tonnen sicherzu­stellen. Ein etwaiger Uebe^schrA biem atz.unserer Ent- lastung in den kommenden Wintermonaten, in denen uns eine Abgabe der vorgeschriebenen Mengen beson­ders schwer fällt. Für eine Nebertragung deutscher Koh­len an England fehlt jeder Anhaltspunkt.

Frankreich gegen die Genfer Konferenz.

Times" erfährt, daß die französische Regierung aus die englische Antwortnote betreffend die Entschädigungs­frage einen Plan ausgestellt hat, wonach deutsche Dele­gierte einer Versammlung von Sachverständigen beiwoh- nen sollen, die von der Wiedergutmachungskommission ernannt werden sollen, und daß die Entscheidung über die Maßregeln, die die Erfüllung der deutschen Ver­pflichtungen sichern sollen, durch den Obersten Rat nach Empfang des Berichts der Wiedergutmachungskommis- fion getroffen werden soll.

Die Ausschließung Dentschlauds vom Dölkerb««-.

^ Der in Mailand gestellte Antrag für die unver­zügliche Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund ist von der Mehrheit der Völkerbunds-Konserenz abgelehnt worden. Zlnch die Schweiz und Holland haben dafür ge­stimmt, daß Deutschland noch nicht ausgenommen wird. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß diese Stel- lunqualMe im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß diese Staaten den Antrag als gegen die im Versailler Friedensvertrag formulierten. Zulassungsbedingungen gerichtet sahen, während die Antragsteller damit gerade zum Ausdruck brkngen wollten, daß die im Artikel 1 des Versailler Vertrages geforderte Garantie der aufrichti­gen 'Absicht, die internationalen Verpflichtungen zu be- obackterl und die für die Rüstungen von, Völkerbund festgesetzte Ordnung anzunehmen, von Deutschland jetzt gewährleistet sei. In diesem Sinne fand ein Antrag, die Aufnahme Deutschlands zu empfehlen, wenn es diese Gewälw biete, Antiahme.

Das Budget des Völkerbundes.

o* Das Budget des Völkerbundes für 1920 sieht Ge­samtausgaben von über 20 Millionen Geldfranken vor. Davon sind über 13 Millionen Goldfranken für die all­gemeine Verwaltung bestimmt. 7 Millionen Goldfran­ken dienen zur Deckung der Ausgaben des internationa­len MbeitsanstS. Diese Zahlen erregten selbst in der Schiveiz großes Aussehen, weil man dort allgemein der Mnfidit ist, daß der Völkerbund im Verhältnis dieser Sumnie bis jetzt noch nichts geleistet hat.

Französische Drobunge».

Senf. (S. E.) Der Präsideut der Wwdergut- machrmgskommission hielt am Montag in Lens eine Rede zur inneren und äußere» Politik, in der er betonte, daß jeder eintretende Verzug der dcntschea .Kohlenliefe­rungen die Besetzung des Ruhrreviers bringen müsse.

Unter französischem Druck.

w. LudwigShafen. lT. R.) Nach einer Verfügung des Kommandanten der Nhcinarmee darf sich im französisch besetzten Gebiet wegen der Wohnungsnot und der Le- bensmittelschwierigkeiten keine deutsche Persvu in einer Garnisonstadt, wo sie nicht ihren ständigen Wohnsitz hat, ohne vorherige Genehmigung des Platzkonlmandanten länger als 20 Tage aufhalten oder niederlassen.

Entente-Bericht über die Kohlensörderuvgca.

w Berlin. (S. C.) Die Mitglieder der Ueberwackungs- kommisston sind am Montag Abend aus dem Ruhrrevier

nach Berlin zurNckgekeyrt. Am Dienstag begeben sich 1 Mitglieder der Neberwachungskommission nach Paris, um dem Atiiierlcn-Nat über die Kohlenlage im Ruhr- revler Bericht zu erstatten.

Die erbeuteten Fahne» von 1870.

** Genf. (S. C.) DerMatin" stellt fest, daß eine An­frage der französischen Regierung an Deutschland über die Zurückgabe der Fahnen, die im delltsch-französischen Kriege 1870 erbeutet worden sind, noch nickt abgegangen und auch nicht in AuSsicht genommen sei.

Die deutschen Kabel.

Havas meldet aus Washington: Man glaubt zu wissen, daß die Vertreter der internationalen Konferenz für Verkehrswesen in Washington die Meinung aus- sprachen. daß bevor nicht ein Uebereinkoinnien über -ie Austeilung der transozeanischen Kabel, die einstens Deutschland gehörten, zustande komme, es nutzlos wäre, die Konferenz fortzusetzen. Gegenwärtig werden die Besprechungen nur in einer Kommission abgehalten. Die Amerikaner bestehe» -aranf, daß die Kabel dem einsti­gen Besitzer vor dem Kriege zurückgegeben werden, das heißt also, -atz -je Deatsche« sie wle-er erhalten fetten, was für die Amerikaner die Zusicherung bedeutet, - sie in direkter Verbindung mit Deutschland wären. Die Engländer widerstreben dieser Lösung.

Die Dienstzeit in Frankreich.

** DieBasier Nationalzeitung" melde^ aus Paris, der Ministerpräsident Leygues hatte am Sonnabend eine Unterredung mit General Buat, dem Generalstabschef der französischen Armee. Diese war nötig geuwrden durch die in den Kabinettsberatungen zutage getretenen Aietnnngsverschiedenheiten in der Frage der Dienstzeit. Auf Verlangen des Kriegsministers hin hat der Präsi­dent der Republik auf Msttwoch die Landcsoertei-i- gunaskonmrission einberufen. In höheren militärifchen Kreisen Frankreichs herrscht die Ansicht vor, daß eine Dienstzeit von 18 Monaten genüge. Unter diesen Um­ständen ist es wahrscheinlich, daß die Dienstzeit sofort auf zwei Jahre herabgesetzt wird.

Militärbündnis gegen Rutzland.

*» Polen. UnsL-c Rumänien >md Finnland haben eine Mlliiärkotwetttton für die Dauer von drei Jahren vereinbart. Jeder der vertragsschließenden TeUe ist im F-alle eines bolschewistische» Angriffs verpflichtet, dem Verbiindeten militärische Hilfe zu leisten.

Unruhen in Südafrika.

** Einer Meldung aus Port Elisabeth (Südafrika) zufolge kam es dort nach der Verhaftung des Vorsitzen­den des Verbandes der Eisenbahnarbeiter zu er»ste« Ansschreitnngen, in deren Verlauf 22 Personen getötet und 41 vernmndct wurden, darunter zahlreiche Frauen.

Söllig Alexander von Griechenland t.

DasEcho de Paris" meldet nutet dem 25. ». Mts. den Tod des Königs Alexander von Griechenland.

Die Nachricht von dem Ableben des Königs hat in ' Athen große Bewegung Hervorgcrusen, obwohl bereits bekannt war, daß der Zustand des Königs hoffnungslos sei. Die Pariser chauvinistische Preffe benutzt das Ab­leben des Königs Alexander zu heftigen Ausfällen gegen die Politik seines Vaters, des Exkönigs Konstantin. So schreibt dasEcho de Paris": Ohne die tolle Politik des Paters wäre König Alexander nicht zur Regierung ge­langt. König ^Alexander wurde am 20. Juli 1893 ge­boren. Mitte 1916 gelangte er nach der Abdankung des Königs Konstantin im Alter von 23 Jahren zur Regie­rung. In einer Proklamation erklärte er, daß er den Spuren seines Vaters in der Regierung folgen werde. Auf Veranlassung des damaligen Oberkommiffars der Alliierten ließ jedoch der derzeitige MinisterpräsideM ein Schreiben unterzeichnen, das folgenden Wortlaut hatte:Ich verfolge mit regem Interesse die Bemühun­gen der Regierung, die EinheN Griechenlands wieder berzustellen. WaS mich betrifft, so halte ich rnich treu zu den konstitutionellen Vorschriften unter dem Wohlwollen der alliierten Mächte."

Ouugettei des Lürzermeisters von Lock.

Der Bürgermeister von Cork ist gestorben. Diese Nachricht wird, wie derL.-A." schreibt, eine nachhaltige Wirkung auf ganz Irland und die Freunde der irischen llnabhttngigkcitsbeweguna in Amerika ausüben. Die Deutsche Allg. Ztg." meint, die eiserne Energie des seinem Martyrium Erlegenen werde auch in DentW land Achtung erwecken, wo man die Schicksale des iri­schen Volkes mit viel Anteil verfolge. Der Bürgermei­ster ist ein Opfer des von ihm geübten Hungerstreiks geworden, -er einen Protest gegen EnglanSs irische Ge­waltmethoden darstellte.

^ Die letzte öffentliche Kundgebung des Bürgermei­sters von Cork vor etwa 10 Tagen war an den Ge- meiuderat neu Cork gerichtet und drückte seine Bewun­derung für den Märtvrer-To- eines anderen Iren aus, der ungefähr gleichzeitig mit ihm den Hungertod begon­nen hatte. Dieser bat über 61 Tage dem Tode wider­standen. Der Hungerstreik Mae Swineys hat am 1L August angesangen, also 75 bis 76 Tage gedauert. Daß Mac Swincy dem Hungertode 76 Tage hat widerstehen sönnen, ist durchaus ein medizinisches Rätsel. Nach früheren Mitteilungen in der englischen Presse ist die längst bekannte Zeit für völlige Nahrungsmittel-Ent­haltung ebenfalls mit tödliche», Ausgange 68 Tage. ES