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' /' RLffsn Sassen!

Von Dr. Rudolf K ra u ß.

Reis sein ist alles." Wer kennt nicht das herrliche Wort Edgars imKönig Lear" unb hat nicht schon sei- n^^Mbürt? Sterben in Jugend lind ju- aelldycher Reinheit wohl ist es ein Loö, das die Dich­ter als ein nur Götterlieblingen zugedachtes in immer «euen Tvnmi preisen. Aber doch hat es die Natur mit dem NAnfthen ursprlinglich anders gemeint und ge- roollt. Daß er sich nämlich langsam und sicher zu jener Stufe geistiger, seelischer, sittlicher Vollendung erhebe, die nur erreicht werden kann, wenn ihm die nötige Zeit zum Reifwerden vergönnt bleibt.

Und diese Möglichkeit, diese F-ähigkeit -es Reifens, die Shakespeare so hoch an den Menschen einschätzt, müssen wir auch den Dingen einräumen. Auch sie bedürfen -er Zeit, um sich erfüllen zu können. Wer sich in den Geist -er Geschichte versenkt hat, weiß, daß jede Entwicklung, jede Wandlung der steten Vorbereitung bedarf, wenn diese gleich manchmal in der Stille vor heb geht und die Erfüllung dann scheinbar jäh und überraschend eintritt.

Den Mengen, zumal bett Deutschen von heute, scheint nun eben diese Kunst, die Dinge in Ruhe und Geduld hermneckeu zu lassen, völlig abhanden gekom­men zu sein. Sie meinen in hastiger, fieberhafter Gier nur dem Augenblick leben zu sollen, als ob es nur ein Heute und sein Morgen gäbe. Als ob nach uns keine Menschen mehr kämen! Und doch ist es gerade unsere Pflicht, für die (mistigen deutschen Geschlechter zu wir­ken und zu arbeiten, unbekümmert darum, ob es uns selbst noch beschieden ist, den ausgestreuten Samen anf- geben zu sehen. Wir dürfen uns nicht einbilden, das Reifwerden vorzeitig erzwingen zu können. Wer statt im Herbst schon im Sommer die vollbehaugenen Bäume schüttelt, dem werden die Früchte arim und hart herab­fallen, obne daß er davon Nutzen hat.

Wie in der Natur, so ist es im Menschenleben und auch in der Politik. Es ist sinnlos. Regierungen über Regierungen, Minister über Minister zu verbrauchen, weil sie nicht in -er kurzen Frist, die ihnen die Unge­duld von heute gewährt. Unmögliches möglich machen. Wer trotz aller üblen Erfahrungen nach wie vor die monarchische Staatsform für die dem deutschen Volke zuträglichste hält, warte ab, wie die Zeit entscheidet, und suche nicht durch frevelhafte Putsclic dem Volke aufzu- zwingen, was ihm in seiner Mehrheit nach dem augen­blicklichen Stand der Dinge durchaus widerstrebt! Die kommunistischen Ideen werden vielleicht niemals für Deutschland taugen, sicher aber sind sie in unserer ge­genwärtigen Lage nicht fruchtbar zu machen: wer darinn mit reiner Seele an ihre Kraft glaubt, muß sie vertrauensselig heranreifen lassen, statt sie durch rohe Gewaltakte bei der anständigen Menschheit tu Verruf zu bringen. Vollends müßte uns in der äußeren Poli­tik jede Uebereilung zum Verhängnis werden. Auch

Wiedervergeltung ist dem Gesetze des langsamen Reifwerdens unterworfen. Wir wollen das, woran, wir aufs innigste und heiligste glauben, im tiefsten Her­zen vergraben, bis die Stunde geschlagen hat, offen da­von Zeugnis abzulegen. Nur durch die Ausdauer na­tionaler Gesinnung werden wir unser Ziel vielleicht so­gar auf friedlichem Wege erreichen: das Strohfeuer wortreicher Deklamationen und kindischer Demonstra­tionen setzt uns nur immer neuen Demütigungen vor unseren jetzt noch übermächtigen Feinden aus. Wem die Gabe der Selbstbeherrschung nicht verliehen ist, der ist zum Führer unseres Volkes ein für allemal verdor- ben. Wir bedürfen Männer, die, selber reif in jenem Shakespearescheu Sinn, sich auf die Kunst verstehen, die Dinae re1lLU.L! lassen.

Bus der Heimat

Verziusnng der Lnxusstcriet betrüge.cam § 57 des Nmsatzsteuergefetzes und 8 168 der dazu eigaugenen Ausführungsbestimmungen bcginrit am 1. Oktober o. J. die Verpflichtung zur Verzinsung mit 5 Proz. der für den ersten verlängerten Steuerabschnitt «^anuar- Junt 1820» zu entrichtenden Luxussteuerbeträge, wenn der geschuldete Steuerbetrag 1000 Pcark Wrsteigt. Die rechtzeitige Entrichtn«« der Luxussteuer liegt daher im eigenen Interesse der Sieuerpslichligen.

Abzngfrcies Lohucinkommeu. Es waren Zwei- sei entstanden, wie der nach den Bestimnurnaen vom 28. Juli 1920 abzuasfreie Lohnteil bei einer Lohnzahluna zu berechnen ist, wenn der Arbeitnehmer in der Zeit seit der voraufgegangenen letzten Loünzahluna an ein­zelnen Arbeitstaaen, Wochen oder m lanaeren Zeiträu­men nicht gearbeitet und Lohn nicht verdient hat. Die Frage ist. ob in solchen Fällen der abzugsfreie Betrag nur nach der Zahl der Arbeitstage usw., an denen ge­arbeitet wurde, und für die Lohn gezahlt wird, oder für die gesamte Zeit zu berechnen ist. Der Reichsfinanzmi- nister bat darauf entschiedeir, daß bei der Beantwortung

btefer Jrage davon anszngcyen m, daß nach der Absicht des Gesetzes der Lohnabzug soweit wie möglich in Uebereinstimmung mit der späteren endgültigen Veranlagung, des Arbeitnehmers gebracht werben soll. Bei der endgültigen Veranlagung bleiben auf das Jahr gerechnet stets 1500 Mark, also für jeden der 300 Ar­beitstage 5 Mark, steuerfrei. Daher entspricht es dem Sinne des Gesetzes, daß auch vom Steuerabzüge für je­den Arbeitstag 5 Mark frei gelassen werden, und zwar auch dann, wenn für diesen Arbeitstag Lohn nicht zu zahlen ist. Dasselbe gilt für die Steuer- und Abzugs­freiheit der steuerfreien Einkommentetle, die lvegen der zum Haushalt des Steuerpflichtigen gehörenden Ange­hörigen gewährt werden. Anderseits muß sich die An­rechnung der arbeits- und lohnfreien Arbeitstage auf die Dauer des jeiveiligen Arbeitsverhältnisses beschrän­ken. Senn der Arbeitgeber kann nur für diese Zeit Lohn zahlen, Abzüge machen und Abzugsfreiheit berechnen. Daß hierbei dem Arbeitnehmer mehr abgezogen wird als seine demnächst endgültig veranlagte Steuerschuld beträgt, kann nur in ganz besonderen Ausnahmefällen eintreten, weil der Einkommensteuersatz schon in der untersten Stufe 10 v. H. beträgt und in den höheren Lohnklassen erheblich wächst.

Der Reichspräsideut zur Notlage der Alt- vetcraueu. Der Reichspräsident hat beut Kyffhäuser- Bunde der deutschen Landes-Kriegerverbände auf die dringende Eingabe, durch welche dieser für jeden Alt­veteranen eine Ehrengabe von 300 Mark und eine Er- höhung der Rechsbeihilfe auf 600 Mark erbat, geant­wortet, daß er an der Lage der Altveteranen warmen Anteil nimmt und bereit ist, die Anträge zu fördern: er ist überzeugt, daß die Reichsregierung, soweit es die Jinanzlage gestattet, den verdienten Kämpfern Hilfe ge­währen wird. Die Eingabe ist aus Anordnung des Reichspräsidenten bew für die Bearbeitung zuständigen Reichsarbeitsministerium zugeleitet worden mit dem Ersuchen, die Anträge wohlwollend zu prüfen und das Weitere zu veranlassen.

* Die Roßkastanie als Prophet für den Winter. Seit alter Zeit pflegte man auf die Witterung des bevorstehenden Winters aus dem Verhalten gewisser Tiere, namentlich der Zugvögel und einiger Insekten z. B. -er Wespen, seine Schlüsse zu ziehen. Wie -ie jahrelangen Beobachtungen des Gießener Professors der Botanik Dr. H. Hoffmann bartun, besitzen wir in der überall angepflanzten Roßkastanie einen ziemlich zu­verlässigen Propheten dafür, ob der Winter streng oder milde ausfallen wird. Professor Hoffmann stellte folgendes fest: Die Früchte der Kastanie reifen im allgemeinen um den 17. September herum; in Süd- deutschland fällt die Reife etwas früher, in Norb- deutschland ein paar Tage später. Je eher nun über­haupt die Fruchtreife eintritt, d. h. je eher die grünen stachelichen Schalen aufspringen, und die brauen Kastanien zur Erde fallen, desto milderes Wetter bringt der folgende Winter. Im Durchschnitt gab es in zehn Fällen einer sehr frühen Reife der Kastanien- srüchte neunmal auffallend mildes Winterwetter, während im allgemeinen in 71 von 100 Fällen der Winter mäßig kalt auSfiel, wenn die Kastanienreife vor dem 17. September eintrat. Die Beobachtung ist leicht und jedem möglich, da der Kastanienbaum allenthalben in Stadt und Land zu finden ist: und sie liegt uns in dieser Zeit der Riesenpreise für Heizungsstoffe ganz gewiß am Herzen, sodaß wir nichts sehnlicher wünschen, als daß die glänzenden braunen Kastanien schon recht früh zu fallen beginnen.

§ Hersfeld, 5. Okt. Alle Besitzer von Militär, waffe« weisen wir nochmals darauf hin, daß die Gerüchte von einer Erhöhung der Ablieferungs- prämte unzutreffend sind. Im Gegenteil, eS wirb für alle nach dem 10. Oktober abgelieferte Waffen nur noch die Hälfte -er jetzt gezahlten Sätze vergütet. Jeder, der noch im Besitze einer Militärwaffe ist, tut gut, wenn er dieselbe bei -er Waffenablieferungsstelle baldmöglichst abgibt. Hier in -er Stadt Hersfeld ist die Sammelstelle jetzt nur noch nachmittags von 3 bis 51/2 Uhr geöffnet.

§ Hersfeld. 5. Oktober. Ueber den L i n g g - F i l m, der bekanntlich am nächsten Sonnabend hier im Licht- schauspielhaus zum ersten Male gegeben wird, schreibt die Illustrierte WochenschriftDas Glashaus" folgendes: Dieses erste Werk des LulluS-Films ist einer der schönsten und saubersten Filme, die bisher überhaupt in Deutschland herauskamen. Er schließt neben einer flotten, logischen Handlung eine solche Fülle entzückendster Bilder in sich, daß er allein darum aufs höchste einzuwerten ist. Photographie und Dar­stellung sind erstklassig. Dem Filme, der unter der

künstlerischen Oberleitung £arl »trenS, entstand, ist ein ungeheurer Erfolg im In- und Auslande vor- auszusagen.

8 Hersfeld, 5. Oktober. Gestern Abend kurz nach 7 Uhr fand eine Probealarmterung der hiesigen Feuerwehr statt. Die Löschzüge wurden so­fort nach ihrem Eintreffen auf dem Alarmplatze zu dem angenommenenBrandobjekt.demLyzeum, dirigiert, wo sie dasstlbe von allen Seiten unter Wasser nahmen. Gegen 8 Uhr konnten die Mannschaften nach wohl- gelungener Uebung wieder abrücken.

§ Hersfeld, 5. Oktober. tAngesteltenver- sicherung.j Die Frist zur Stellung von Anträgen auf Befreiung von der eignen Beitragsleistung Angestelltenbeitragshälfte gemäß § 5 des vesetzeS vom 31. Mai 1920 ist am 1. September 1920 abge- laufen. Es ist deshalb zwecklos, jetzt noch Anträge an das Direktorium zu richten. Noch immer nicht allgemein bekannt ist ferner, daß nach dem vorge. nannten Gesetz die GehaltShöchstgrenze für das ver- sicherungspflichttge Einkommen vom 1. Mai 1920 an auf 15 000 Mk. festgesetzt worden ist. Der monatliche Beitrag beträgt bei einem JahreSarbeitSverdienst von 4000 bis 15 000 Mk. (Klaffe Jj 26,60 Mk.

Sontra, 4. Oktober. Der Materialschaden bei dem Eisenbahnunglück in der Nähe unseres Bahnhvfeä be­trägt rund 15 Millionen Mail.

Allendorf a. W., 4. Oktober. Der feit vier Wochen vermißte Sohn des hiesigen Gastwirts Ludwig ztftarff ist noch nicht aufgefundeu. Anf die Auffindung des jun- aen Mannes sind 1000 Mark Belohnung ansgesem.

Unterrieden, 4. Oktober. Vermißt wird seit einigen Tagen der etwa 50jährige hiesige Landwirt T. Er ist nachts aufgestanden, angeblich um das Vieh zu füttern. Am Moraen fand man keine Spur von ihm.

Cassel, 2. Oktober. Gestern mittag wurde von dem Obertan^esae'-ich'svräsident-nc Wirklichen «Gehei­me« Rat Fritsch die feierliche Einsuhrnng des neuen Laudgerichtsprästdeuten Professor Dr. Modersohn vor- genommen. Der neue Landgerichtspräsident war bisher Senatspräsident am Oberlandesgericht zu Hcumn. Er übernahm sofort feine Amtsgeschäfte.

es Die Casseler Herbstmesse wurde heute mittag er­öffnet. Sie ist äußert reichlich beschickt. Bereits in der Mittagsstunde setzte ein lebhafter Verkehr ein. Die Meßwaren sind vorwiegend Haushaltungsgegenstände und Kurzwaren.

Sf Eine Versammlung der Kaufleute der Stadt Eas- fel befaßte sich unter dem Vorsitz des Stadtrats Berlst mit der Einladung der Frethandels-Vereine Englands zu einer Konferenz. Die Konferenz beschäftigte sich mit der Frage, ob der Freihandel in der Lage ist, die schlechte Lage in der Welt zu bessern, die Lebensmittelpreise ab- zubauen und eine neue sichere Grundlage für die Ge­sundung der Finanzen herzustellen. Es wurde eine Entschließung angenommen, die die Sympathie der Casseler Handelskretse mit den Londoner Bestrebungen zum Ausdruck bringt.

5? Aus dem Geschäftszimmer der Volkshochschule ist eine wertvolle Schreibmaschine gestohlen worden. Den Kasten der Maschine haben die Diebe in einen Kanal der Weserstraße geworfen.

^ Der Regierungspräsident stellt in einem Rund­schreiben fest, daß berechtigte Klagen darüber bestehen, daß zahlreiche Frauen die Erwerbslvsenuntcrstüßnng empfangen, obwohl ein sehr empfindlicher Mangel an Hansangestellten besteht. Auf dem Arbeitsmarkr ist fest- gestellt worden, daß nur ein Bruchteil der linter- stützungs-Empsäugerinnen für die Hausarbeit in Frage kommt. Zweifellos fehlt es an der nötigen Willigtest für banswirtschaftliche Arbeiten. Die Stadt hat mehr­fach den Versuch aemacht, eine Berufsumschuluug vvr- zaneynlim, Lie rhMte Kurse für uiaeuüuch^ w.übliche Personen an der Frauensmule ein. ^er^i^4ii-ühei_. erstaunlich unbefriedigend ausgefallen, ebenso der Ver­such, Kriegerwitweu in der Damenschneiderei anzuler- neu. Jit Zukunft soll alten Frauen, die sich nicht ernst­lich um Arbeit bemühen, die Unterstützung entzöge« werden.

Wegen Einbruchodiebstahls hatte sich ein bereits mit vier Jahren Zuchthaus vorbestrafter Rückialldieb,. der Installateur Th., vor der Strafkammer .m verant­worten. Anf einer Reise von Bra-unschioeia nach Kas­sel kam er durch Gottsbüren im Reinhardswnld mtb stahl dort Kleidungsstücke. Er wurde aber von einem Landjäger verhaftet. Außer den gestvhleuen Sachen fand man auch eine Pistole. Das Urteil lautere auf drei Jahre einen Monat Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht.

Wollbründsbanse», 4. Oktober. In der Rößlerschen Gastwirtschaft, zugleich Posiöilfssteüe, wurde nachts ein Cmbrnctsdicbsiab! verübt. Der Sieb raubte aus einem Pvstlwrauk Wertsachen. Dem Gastwirt Rößler wurden außerdem noch 200 Zigarren gestohlen. .

BECT

KHSSB

Durch schwere Äot . * *

Originalroman von Anni H r u s ch k a.

37) lNachdruck verboten.»

Ich mache mir weder aus Kirschen noch aus dem Transport etwas," grollte er, nahm aber den gebotenen Platz trotzdem eiu.Ich begreife überhaupt nicht, was Sie dabei interessiert? Das war wieder so eine Idee, Leute, die Sie später doch täglich sehen werden, hier eigens zu erwarten! Sie sind wirklich manchmal schrecklich kindisch, Trixi!"

Danke. Das haben Sie nur schon öfter gesagt, und ich finde es abscheulich. Was mich interessiert? 9tun, einmal schaue ich mir die Leute gern unbeobachtet an. Dann aber muß ich doch gleich wissen, ob Heinz Dietrich darunter ist!"

Wer?"

Herrgott, erinnern Sie sich denn an den Heinz Dietrich UUcrn nicht? Auf LengsfeldI Mit dem ich sozusagen ausgewachsen bin? Der blonoe Dieter Sie müssen ihn doch oft auf GraöttiÄ gesehen haben, denn er ist bet uns zu Hause, wie ich drüben bet Tante Ullern aus Leugsseldl" t m . .

Ich erinnere mich. So li blonder Bengel, der den Kopf immer voll Narrenstreiche bat und mir den Ohren wackeln kann?"

Ja! Natürlich! Der ist's. Und fein kaun er das, nicht wahr? Uebrigens ist der ,-Bengel" jetzt Iahnnä, und 29 Jahre, und die goldene TapferkLitsmedaiNL ha er auch! Jawohl, mein Herr, da hetßt S jetzt Respekt $Ö$^äm mtt Mir nicht ein! Hub überhaupt, was geht

Sie denn dieser Mensch an?" .. . .___,

Der Dieter? Na, erlauben Sie! Wir und doch Jugendfreunde! AlS Mama mir heute untteilte, bau er nach Graditsch käme - TmUe Ullern war bei ihr und hatte es ihr gesagt machte ich einen Lilftsprung so hoch, und schrie hurra > war ganz aus dem

So. Sie machten einen.Luftsprung und waren eatu aus dem SchlsLen!" wiederholte Willeneck mecha­

nisch. Aber er lachte nicht dazu, wie sonst zu ihren Ueberschwengtichkeiien. Und dann hüllte er sich in ge­reiztes 5<tnveiaeu

Trixi bemerkte es nicht in ihrer gespannten Erwar­tungsfreude. 3hr Mäulchen ging wie ein Mühlenrad weiter.

Natürlich bat sich Tante intern die Füße ahne lauten und die Finger steif geschrieben, daß sie es beim Sm- talbfvmmaitbü in Wien durchsetzte, Heinz Dietrich Her- zubekommen. Denn sonst hätte sie doch, um ihm nah zu sein, jem in der Hitze nach Wien überfiebeln müssen, während sie io von Lengsfeld jeden Nachunttag bequem in einer halben Stunde her über fall reit kann. In der Zwischenzeit werde ich mich natürlich Heinz Dieters an- uehmeu, das habe ich ihr versprechen müssen, denn sie hat mich extra darum gebeten. Und jetzt bin ich nur furchtbar neugierig, ob er schon mit diesem Transport kommt oder erst mit dem nächstem Das wußte Tante Ullern nämlich selbst nicht."

Das MilMeurädcheu stand endlich für einen Augen­blick still. Willeneck unterbrach das Schweigen mit kei­

nem Laut.

Da guckte Trixi ihn verwundert an.

Wann, warum reden Sie denn feinen Ton? Sie sind doch sonst nicht am.deu Mund gefallen!"

Sie sprechen doch selbst beständig!"

Unb Kirschen essen Sie auch keine!" Sie schob ihm die Tüte näher.Da langen Sie doch zu!" ,

Danke. Ich habe wirklich feine Lust. Uebrigens, wie fetten Sie denn wieder aus, Trixi? Gcrnz zer-

Gott, ich bin dock auch auf den Ktrschbaum ge­stiegen!" . ~ t x

Sehr passend für eine hume Same, die »ie bo» sein wollen! Und Ihr weiftet Kleid ist auch voll Kir,ch- flecken!" fuhr Wille,reck, dessen Gereftäbelt sich irgend­wie Lust machen mußte, fort.

Sich, da pfeif ich drauf!"

Wenn Sie -och diese burschikose Ausdrucksweise lasten wollten . .

Trixt fuhr auf:

Na, jetzt ist s aber genug! Erstens verbitte ich mir dieses ewige Schulmeistern, zweitens gebt Sie das gar. nichts an! Oder hat Mama Sie vielleicht an »teile der Kräger für mich als Erzieher angeworben? Wenn «ie so weiter machen, dann Ist's aus mit unserer .Freund­schaft! Das schreiben Sie sich nur hinter die Ohren ober in Ihr Notizbuch, verstanden?"

Ich fürchte, diese Freund,chaft wird ohnehin nun

Räderrollen unterbrach bad Gespräch. Der erste Wagen bog in den Park ein. Zwei Pflege lchwestmuisa- Beii darin und ihnen gegenüber zwei junge blähe Oftl- ziere, beide kaum den Kin-erschubeli cnhimcbietL .

Heinz Steter! Hurra, er ist's!" jubelte, xrtn mit unterdrückter Stimme. Verstummte aber sofort unb starrte Willeneck betroffen an. Der war beim Anblick der Insassen des Wagens füh aufge,prungen, dunkelrot bewürben unb stammelte nun halb ungläubig, halb freudig bewegt:Sie!!Ist's möglich . . . üe?"

Sein Blick hing dabei wie gebannt an dem febbnen rosigen Gesicht der einen Pflegerin, die mit großen ängstlichen Augen um sich sah. ' .

Ein seltsam zorniges Gefühl krauwfte plötzlich Tn- ris Brnst zufauimen, als sie Willeneck so daneben tab, verwirrt und traumverloren dem Wagen uamblicfenb. Sie fühlte genau: seine Gedanken waren ausnIUießlic- bei der schönen Pilegeriii, und er wußte nicht einmal mehr, daß sie da neben ihm stand. ,

Minutenlang wartete sie am eine Erklärung. Als die ausblieb, stieß sie den juugmr Offizier ärgerlich an.

Na, wachen Sie gefälligst auf, ja? Wer ist denn die Person, der Sie da wie verzaubert nachstarren?"

Willeneck zuckte zusammen.

Aber bad ist ja Onkel Willfrieds Frau! Ihre Tante'" Dann aber besamt er sich und mncrdritckte eS. Wer ivciß, ob es Anneliese lieb gewesen wäre? Erst mußte er jedenfalls mit ihr sprechen und erfahren, was sie xieraulaht hatte, uach Gw-ttiÄ zu konmen und welche Stellung siebter einzunehmen Ledachte.

(»OTtfehung folgt.)