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lfersfelder Kreisblatt
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Freitag, den 1. Oktober
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1930
Die BMseler Konferenz-
► * Berlin, 30. September. (Eig. Drahtn.) Aus Briissel wird dem „L.-Sl." unter dem 29. gemeldet: In der Vormittags-Sitzung nahm der Präsident der niederländischen Bank, Dr. Bissering, die gestern zu Gun-
sten der iwm ausstehenden Ftnanzoorträg- nen Staaten unterbrochene Reihe der B
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^orträge über die bekannten vier Progranrmpunkte der Konferenz wieder auf. In mehrstündiger Rede entwickelte er
seine von tiefer Sachkenntnis getragenen Ideen über den Geld- und Wechselkurs. In der Hauptsache bildete der Vortrag eine Zusammenfassung und Ergänzung der vorliegenden Broschüre des Redners. Siegte: rnnqeu und Völker trügen gleichmäßig Schuld an dem verhäuguisoolteu Staude des Geldmarktes: die Regierungen, die die BerWinderuug der Produktion während des Kriegs durch Unterdrückung von Handel und Verkehr und Ausgaben von Riesensummen für unproduktive Zwecke hervorriefen, und die Bevölkerung, die ungeheure Summen für Luxnsartikel in Form von Benzin, Alkohol, Tabak usw. ausgab. Sie vermindern die Produktion durch Streik, Kürzung der Arbeitszeit und weniger intensive Arbeit. Die Entwertung des Geldes geht mit der Inflation Hand in Hand. Die Amortisation der staatlichen und städtischen Schulden muß durchgeführt werden. Die Banken haben die Pflicht und die Macht, die ungeheure Anspannung der Kredite zu beschränken.
Dr. Visserling kommt sodann auf die besondere Lage in den Vereinigten Staaten zu sprechen mit der Voraussage, daß, wenn Amerika aus Rimessen von Europa bestehe, keine Grenze für das Steigen des Dollars vorhanden wäre, weil Europa noch weit davon entfernt ist, in seiner AussüHrung ein Gleichgewicht gegen den Export der Vereinigten Staaten zu habe». Wenn man daher die Dinge den Weg des Schicksals gehen läßt, wird schließltü' ein neues ökonomisches Gleichgewicht entstehen, aber inzwischen werden die Menschen der alten Zivilisation in der Hölle leben, und die Weltordnung wird nur auf Kosten von noch größeren Opfern geschaffen werden, als sie der furchtbare Krieg bereits gefordert hat.
Schließlich schlug Dr. Visserling für die Kommissionsarbeit vier Disküssionspunkte vor: 1. Verringerung der Inflation und Auffindung von Mitteln und Wegen
He an? die GoldbaW ^tskovtsaMS. 4. Iu-
Der Ernst der Lage kommt, wie bei allen Borträ- gen dieser Konferenz, auch bei den breiten Ausführungen Dr. Bisserlings zum Ausdruck. Aber sie haben etwas Merkwürdiges an sich, wenn die Regierungen zur Sparsamkeit gezwungen werden sollen und gleichzeitig Sie deutsche Regierung zu solchen unproduktiven Ausgaben, wie z. B. die Riesenausgaben für die Haltung der Besatzungsarmee im Rheinlande, verpflichtet ist. Jeder Redner erklärte, daß er überzeugt sei, daß Europa nur durch Schaffung neuer Werte gerettet werden könne, und baß in Oberschlesien augenblicklich Milliar- den-Werte gefährdet seien. Die Fachleute der ganzen Welt sind sich darin einig, daß jede neue Belastung den schwankenden Kahn Europa zum Sinken bringen könne. Dabei führt Polen mit Billigung der Alliierten einen neuen Eroberungskrieg gegen Litauen, und Litauen selbst ruft zum Volkskrieg auf. Daß die englischen Ausgaben zur Unterdrückung Irlands sehr unproduktiv find, wird niemand bezweifeln können. Ebenso sind die ^
eg auf. Daß die englischen Aus-
englischen Feldzüge in Mesopotamien und die französischen in Syrien nicht geeignet, neue Werte für die bedrängte Gegenwart zu schaffen. Je weiter die Kon-
serenz in die Probleme eindringt, umso deutlicher zeigt sich die furchtbare Not Europas. Es ist vielleicht das größte Verdienst der Konferenz, diese Lage unnachsicht- lich klargemacht zu haben. Slber es muß nun endlich festgestellt werden, daß es keine Ausflüchte mehr gibt, und daß die Vernunft in die politischen Matznahnren der Regierungen Eingang finden muß. Die Zeit ist sehr kostbar. Wenn auch aus den Feststellungen der Brüsseler Konferenz noch keine praktischen Folgerungen gezogen werden können, so wird man bet dem Wesen der Konferenz leicht zu dem Schluß kommen können, daß der Schritt vom Erhabenen zum Unnatürlicheeu bekanntlich leicht ist Wenn man das bedeukt, was in der Welt vor unser aller Augen geschieht und die Worte der Redner hört, dann muß man zuweilen an die Möglichkeit zweifeln, ob der gesunde Menschenverstand überhaupt noch zn Recht besteht.
* * Genf, 30. September. Der „Secolo" meldet aus Bxlissel, daß die deutsche Delegation mit der Vorlegung ihres Finanzberichtes einen großen Erfolg davongc- tragen habe. Eine längere Sonderbesprechung zwischen Deutschen und Engländern hat darüber stattgefundcn. Am Tage vorher hatte der deutsche Staatssekretär Bergmann eine Besprechung mit den englischen und italienischen Delegierten. In unterrichteten Kreisen wird angenommen, daß das Ergebnis in Brüssel für die Deutschen nicht ungünstig sein werde. Allgemein wird damit gerechnet, daß die Konferenz bis Mitte des Monats Oktober dauern werde.
Die Enttäuschung in PariS.
w Genf, 30. September. lT. 11.) Die Sorge« über die schlechte Finanzlage Deutschlands kommen in der Pariser Treffe immer deutlicher zum Ausdiuick.^ Während noch bis vor kurzem alle sich auf diesen Gegen- .stand beziehenden Angaben aus deutscher Quelle von den Blättern einfach als LUgön oder Uebertretbunaen
hingestellt wurden, scheint man sich plötzlich des Ernstes der Lage bewußt geworden zu feilt Der „Matin", der bereits vor einigen Tagen das Schlagwort von dem betrügerischen Bankerott Deutschlands in die Oeffent- Achkeit gebracht hatte, bringt jetzt einen neuen Hetzar- tikel seines Chefredakteurs Stephan Louzanne, der erklärt, der verbrecherische Fehler des Versailler Vertrages bestehe darin, daß er es unterlassen habe, für die Forderungen auf allen Gebieten Strafbestimmungen aufzustellen. Das müsse nun hinsichtlich der Eutschadi- gungsfrage auf den Konferenzen von Brüssel und Genf nachgeholt werden.
Amerikanischer Borschlag zu positiver Arbeit.
e* Köln, 30. September. (S. C.) Ueber die Aussprache in Brüssel wird heute gemeldet, die amerikanische Delegation hat einen Antrag eingebracht, der die verschiedenen Delegationen ausfordert, konkrete Borschläge zur Hebung der wirtschaftlichen Lage der Rationen der Konferenz zu unterbreiten. Der Antrag der Amerikaner hebt hervor, daß die bisherigen Beratungen lediglich die Ursachen der wirtschaftlichen Notlage zu ergründen suchten, ohne Vorschläge zu ihrer Beseitigung zu machen.
Widerspruch gegen den deutschen Bericht.
** Rotterdam, 30. September. (S. C.) Nach einem Reuterbericht aus Brüssel hat der Vortrag des deutschen Staatssekretärs Bergmann zu einer Sondersitzung der alliierten Delegationen geführt. Man hat die große Bedeutung der Bergmauuschen Darlegungen nicht verkannt, sich aber geeinigt, daß das deutsche Ex- posee «icht unwidersprochen bleiben dürfe.
** Genf, 30. September. (S. C.) Nach einem „Temps"-Bericht aus Brüssel wurde die französische Delegation mit der Ausarbeitung eines Gegenberich- tes gegen die deutschen Ausführungen beauftragt.
Beratung über die deutschen Borschläge.
e* Köln, 30. September. lS. C.) Nach einer Meldung des Brüsseler „Soir" haben am Dienstag die alliierten Delegierten mit den Teutschen konferiert. Dem Blatte zufolge sind die Alliierten bereit, über die heute scheu Finanzvorschläge in Genf tu Beratung zu treten. Die Konferenz werde Ende nächster Woche vertagt werden.
Deutschlands Zahlungsbilanz
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Brüssel der Finanzkonferenz überreichte, wurde noch eine voll der Rcichsbaukverwaltnug verfaßte Deak- fchrift der Konferenz zugestellt. Ihren Ausführungen sei das Folgende entnommen:
Der Ueberschuß der deutschen Ware nein fuhr über die deutsche Warenausfuhr seit Ausbruch des Krieges bis Ende April 1920 ist auf rund 55 Milliarden Mark und bis Ende August 1920 bei vorsichtiger Schätzung auf vielleicht 70 Milliarden zu beziffern. Zieht man hierzu noch die illegitime Einfuhr in Betracht, die durch das Loch im Westen der Kontrolle entzogen war, so erhöht sich dieser Einfuhrüberschuß auf mirrdestens 80 Milliarden. Bon diesem Einstchrüberschutz entfallen auf die Zeit nach Deutschlands Zusammenbruch, o. h. seit Anfang 1919, schätzungsweise allein 63 Milliarden.
Das Defizit der Handelsbilanz konnte im Kriege nur mit Gold, Wertpapieren oder Krediten gedeckt werden. Auch künftig werden nur diese Deckungsmit- tel, besonders das letztgenannte, in Frage kourmen. An Gold sind seit Juli 1914 durch die Reichsbank und durch den Privatverkehr etwas mehr als 2 Milliarden Mark an das Ausland abgegeben worden, mit deren Erlös etwa fünf Milliarden der Warenetufuhr beglichen sein dürften. An Wertpapieren, ausländischen und inländischen, sind nach ei^er von der Reichsbank fortlaufend ausgestellten Ermittelung während des Krieges bis Ende August 1920 etwa 17 Milliarden in das Ausland versauft worden, von denen etwa 4 Milliarden auf ausländische Titel, die restlichen 13 Milliarden auf in Deutschland ausgestellte Papiere entfallen.
Durch Ausfuhr von Gold und Wertpapieren sind mithin von dem oben auf 83 Milliarden bezifferten Einfuhrüberschuß schätzungsweise etwa 22 Milliarden beglichen worden. Schützt man noch etwa 10 Milliarden für Verkäufe voll Wertpapieren, die der Reichsbank nicht bekannt geworden sind, hinzu. so muß der Rest von mehr als 50 Milliarden Mark im Wege der Kredittnanspruchnahme vorläufige Deckung gefunden haben durch Kreditoperationen in ausländischen oder inländischen Valuten oder durch Bezahlung in Marknoten. Diese Zablungsweisen stellen selbstverständlich keine endgültige, sondern nur eine vorläufige Schuldbegleichung dar und bedeuten eine fortdauernde Gefährdung unserer Währung.
Die im Auslarrde befindlichen, allerdings nicht allein aus dem Warenverkehr, sondern zum Teil auch aus der Kapitalflucht herrührenden Markzahlungsmittel dürfen immer noch auf etwa 20 Milliarden geschätzt werden. Der Papierbetrag, der auf Grund von Warenunrsützen Ausländern bet deutschen Banken gutgeschrieben worden ist, wird auf 20 bis 25 Milliarden geschätzt. Die gleichfalls nicht unerheblichen Summen von Markbetrügen, die im kaufmännischen Verkehr vom Ausland gestundet worden sind, entziehen sich jeglicher Schätzung.
Diese Gestaltung der Zahlungsbilanz ist für Deutschland um so bedenklicher, als für eine Besserung gar keine AuSsicht vorhanden ist. Wie bisher, so wird wahrscheinlich auch künftig unsere Einfuhr aus VerzehrSgütern bestehen, die verbraucht, werden, bevor sie endgültig bezahlt sind.1 Die nationale Goldreserve kann nnychglich weiter geschmälert Werden.
Der deutsche Besitz an ausländischen ^»errpavteren ein« ' hält gleichfalls keine ins Gewicht fallende Reserve mehr- I insbesondere find die deutschen Bestände an neutralen Papieren so gut wie ausverkauft.
Die Gründe, die zu der gesahrdrohenden Ber- schlcchteruug der wirtschaftlichen Lage Deutschlands geführt haben, sind im wesentlichen in den Wirkungen des Krieges und seines unglücklichen Abschlusses zu erblicken, die ihren Ausdruck finden in einem fühlbaren Mangel an Zahlungsmitteln wie an Rohstoffen, ins Preis- und Lohnsteigerungen bei einem außerordentlich starken Rückgang der Produktion, in einer katastrophalen Schuldenwirtschaft des Reiches und damit zusammenhängend in einer übermäßigen Ausdehnung des Geldumlaufes und zunehmender Geldentwertung.
Durchgreifende Besserung erscheine nur- möglich durch Beseitigung aller dieser primären und der pekuniären Ursachen der Ernährungsverschlechterung. Ohne eine weitgehende Beseitigung der Ur-. suchen ist eine befriedigende dauernde Besserung nicht? zu erzielen. Dem Deutschen Reiche wird es nur mit Hilfe seiner, Finanzpolitik, seiner Währungspottfik, feiner Finanztechnik oder seiner Währungstechnik kaum; gelingen, die deutsche Wirtschaft wieder in Ordnung zu! bringen, solange nicht die Wirkungen des Krieges und- weitergehend die vernichtenden Wirkungen des F-rie-- deusvertrages beseitigt sind.
Eine Note über die deutsche Fiuauzwirtschaft.
w Basel, 30. September. lT. R.) Wie die „Exchange Slaentur" meldet, bereiten die alliierten Delegationen eine neue Note an die Teutschen vor, die sichs mit den Ursachen des schlechten Standes der dentfchen Finanzwirtschaft befassen wird und hierfür auch die deutsche Finanzgebarung verantwortlich macht.
Dr. Mayer bei MMerand.
* * Paris, 30. September. (T. U.) Der deutsche Bot-j schafler in Paris, Dr. Mayer, hat gestern dem Präsi-s deuten Millerand sein Beglaubigungsschreiben über-! reicht. Im Vorhose des Präsidentenschlosses hatte einss Ehrenkonwagnie sinfstettnng genommen. Der Bolschaf-- ter wurde in den Grand Salon dors geleitet, wo Ptille-^ rand im Frack mit dem roten Bande der Ehrenlegion- ihn in Gegenwart des MinisterpräsideMen Leygues empfing. Dr. Mayer betonte in seiner Ansprache er fratfrthrM JSK^c. Ber-ülll^r ^
läge sich um -
ivtckelnng der Beziehnngcn zwischen den beiden Ländern zu bemühen. Milleraud antwortete, die ganze Politih der Regierung der Republik gegenüber Deutschland sei von dem gleichen Gedanken erfüllt, daß die loyale Aus- fiihrung des feierlichen Aktes, der dem Kriege ein Ende gemacht hat, das einzige Mittel sei zur prattischen Lö-'. sung der ernsten Schwierigkeiten, die zwfichen den bei-, den Nationen fortbestehen und ihnen noch nicht erlauben, in vollem Umfange an dem großen Werk des Frie-, dens zusammenzuarbeiten.
Polnisch-ruWchzrievensverhau-limseu
Die Friedenspräliminarien.
„Daily Expreß" berichtet: In den Friedenspräli- minarien, die der Vorsitzende der russischen Friedens- delegation, Ioffe, in der Hauptkommifswn der Frie-. denskonferenz unterbreitete, besteht er auf Anerkennung der litauischen und «krainiscken Unabhängigkeit durch Rußland und Polen. Die von ihm vorgeschlagench • Grenze, die ziemlich weit östlich von der sogenannten Eurzon-Linie verläuft, gibt Polen einen Teil von Weiß-Rußland, Wolhvnien und die Eisenbahnlinie; Bialystok—Brest-Litowsk. Die Femdseliqkeiten sollen; 48 Stunden nach Unterzeichnung eingestellt werden. Die Vorschläge enthalten den größten Teil der in den polnischen Gegenvorschlägen ausgestellten BedtnglM- gen, insbesondere hinsichtlich der tzntschädiguugeu, der Amnestie für politische Verbrecher, der Rückerstattung von Kunstwerken, der Versorgung und der wirtschaftlichen und postalischen Beziehungen. Polen und Rußland sollen sich verpflichten, den Trrrchtranöport von Truppen und Munition durch ihr Gebiet sowie die 9tn= Werbung von Rekruten zu Gunsten irgend einer-; Macht, die sich mit einem der vertragschließenden Teile im Kriege befindet, nicht zuzulassen.
Hierzu bemerkt das oben angegebene Blatt, daß Polen durch diese Bedingungen verhindert werden könne/ neuerdings als Basis für gegen Rußland gerichtete? Operationen zu dienen.
Rußland zum Frieden bereit.
* * Paris, 30. September. (8. A.) Havas berichtet aus Warschau, nach Auskunft au glaubwürdiger Stelle soll Ioffe aus Moskau Instruktionen erhalten haben, alle von Pole« gestellte« yedingnngen, fe hart sie auch seien, anznuehmen, doch mit der Ansaahmc, daß Sowjetrußlaud von Polen verpflichtet werden solL die gänzliche oder teilweise Enlwafsnnng der russisches
Dic Entente und Raßland.
w Genf, 30. September. (S. C.) SavaS meldet/ daß die Alliierten die Aufnahme der Handelsbeziehun»; gen mit Rußland von der vorherigen Heimbeförderung der Kriegsgefangenen aus Rußland und von der völligen Demobilisierung der russischen Streitkräfte avhän- gig machen.
Der Bormarsch der tontet Wraugel.
w Genf, SO. September. (6. C.) „ßwaB' mek- det. laut einem Funkspruch aus Simeropol nähern si« die Tmoven des Generals Wravael nach UeberschreiceZ